Kriegstagebuch 2. Dezember 1917



Ankunft von Trotzki in Brest-Litowsk
Ankunft der russischen Unterhändler Joffe, Karachan und Trotzki in Brest-Litowsk, dem Sitz des deutschen Hauptquartiers an der Ostfront.
Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Sonntag den 2. Dezember 1917:

Ostfront


Waffenstillstand, der zu Terminen beginnt, welche die lokalen Armeekommandeure jeweils vereinbaren. Die Russische Waffenstillstandskommission passiert bei Dünaburg die deutschen Linien und fährt weiter nach Brest-Litowsk, wo sie vom deutschen Oberbefehlshaber Prinz Leopold begrüßt wird.
Russland: Kornilow und 5 andere Generäle (darunter Denikin) entkommen aus dem Gefängnis in Bykhow und fahren mit dem Zug in Richtung Don.

Südfronten

Piave: Italienische Stärke 552 Bataillone plus 86 anglo-französische, da 3 britische Divisionen bis zum 4. Dezember den Montello-Abschnitt übernehmen und 3 französische den Bereich um den Mt.Tomba, welche aber nicht – wie erwartet – angegriffen werden. 3 deutsche Divisionen werden zurück nach Deutschland beordert, 4 verbleiben. Kaiser Karl beendet die Hauptoffensive, wenn auch im Trentino die Angriff fortgesetzt werden.

Naher Osten

Türkei: General Seeckt zum Generalstabschef und Berater von Enver Pascha in Konstantinopel ernannt (der spätere Organisator der Reichswehr).

Afrika

Moçambique: Lettow-Vorbeck nimmt das portugiesische Fort Nanguari in den Ukula-Hügeln am Fluss Lugenda ein, zusammen mit Nahrungsvorräte und Munition. Er hat seine Streitmacht bereits in zwei Kolonnen unter Wahle und Göring aufgeteilt.

Seekrieg

Ärmelkanal: Küsten-U-Boot UB 81 (1 Überlebender) läuft auf eine Mine und sinkt vor den Owers in der Nähe von Portsmouth.

Luftkrieg

Cambrai: Nur begrenzte Flugeinsätze bis zum 6. Dezember, dabei 3 deutschen Flugzeugen abgeschossen (2 von McCudden) und 3 Briten plus 2 vermisste.

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  • Typ XXI U-Boot

    U-Boot Typ XXI, das erste wirkliche Unterseeboot der Welt. Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell. Typ XXI Typ: Unterseeboot. Geschichte: Um den seit Mitte 1943 zunehmenden Verlust an U-Booten vom Typ VII und Typ IX zu begegnen, wandte sich Deutschland dem Entwurf echter Unterseeschiffe zu. Die durch Wasserstoffsuperoxid angetriebenen Walter-U­-Boote waren, obschon eine Reihe davon gebaut wurde, für den Fronteinsatz noch zu unzuverlässig. Hier zum Vorgänger Hochsee-U-Boot Typ IX. Die andere Möglichkeit, zu der man bei den Fern-U-Booten vom Typ XXI und den Küsten-U-Booten vom Typ XXIII mit Erfolg griff, bestand darin, der Außenhülle Stromlinienform zu geben und die Batteriekapazität der dieselelektrischen Boote zu vervielfachen. Die neuen Bootskörperformen ließen die Boote unter Wasser schneller als in Überwasserfahrt laufen. Auch konnten sie mithilfe des Schnorchels mit hoher Geschwindigkeit in Seerohrtiefe mit Dieselantrieb fahren. Die Dieselantriebe wurden durch E-Motoren zur Schleichfahrt ergänzt. Die Entwürfe wurden auf einer Konferenz in Paris im November 1942 als Alternative zu den Walter-Turbinen-Booten vorgeschlagen. Im Juni 1943 wurden die Entwicklungsarbeiten abgeschlossen und das erste U-Boot vom Typ XXI lief im Juni 1944 von Stapel. Wie beim Walter-Turbinen-Unterseeboot vom Typ XVII bestand der Druckkörper des Typ XXI in überlappender Blasenbauweise, welcher von außen elliptisch verkleidet war. Das U-Boot wurde in acht Abschnitten an einer Vielzahl unterschiedlicher Standorte vorgefertigt und nur zur Endmontage auf die Werft gebracht. Die externe Hülle vergrößerte das Volumen und erleichterte die Gestaltung einer stromlinienförmigen Außenhaut. Es war der wöchentliche Bau von 5 U-Booten vorgesehen, für ein ehrgeiziges Bauprogramm welches etwa 1.500 Boote (U-2500 bis U-4000) umfassen sollte. Die meisten anderen U-Boot-Bauprogramme wurden zu diesem Zweck zusammengestrichen oder storniert. Die Boote vom Typ XXI waren entworfen worden, um während ihrer gesamten Feindfahrt untergetaucht laufen zu können. So wurde der Schnorchel hauptsächlich dazu verwendet, den Dieselantrieb unter Wasser laufen zu lassen und dabei die Batterien für die E-Motoren aufzuladen. Die Bewohnbarkeit wurde mit Klimaanlagen und Luftgeneratoren erheblich verbessert. Die einzigen Geschütze waren automatische Zwillingswaffen in stromlinienförmigen Geschütztürmen am vorderen und hinteren Turm. Eine Kombination aus aktiven und passiven Sonar wurde verwendet, um Torpedosalven ohne Einsatz des Periskop abfeuern zu können. Weitere Vorteile der Boote waren schnelle Tieftauchfähigkeit, hohe Geschwindigkeit bei geringen Geräuschen und Schnellladeeinrichtungen für die Torpedorohre. Zwei geplante, aber nicht mehr gebaute Varianten waren der Typ XXIB und Type XXIC, bei denen die Anzahl der Torpedorohre von sechs auf 12 bzw. 18 durch den Einbau zusätzlicher Seitenrohre in den Rumpf erhöht werden sollte. Obschon beide Entwürfe auf eine große Serienfertigung abstellten und auch viele Boote vom Typ XXI und der kleineren, als Küsten-U-Boot vorgesehenen Variante Typ XXIII, gebaut wurden, liefen zum Glück für die Alliierten nur wenige noch zur Feindfahrt aus. Vom Typ XXI lief nur U-2511 zur ersten Feindfahrt eine Woche vor der deutschen Kapitulation aus. Ihre wahre Bedeutung zeigte sich erst nach dem Krieg, als sie zum Vorbild aller Entwicklungen von dieselelektrischen U-Booten wurden. Die russische W-Klasse wie die französische Narval-Klasse waren im Grunde verbesserte Typen XXI und die UdSSR baute eine Anzahl Boote vom Typ XXI, bis ihre eigenen Nachkriegsentwürfe vorlagen. Benutzer: Deutsche Kriegsmarine. Bilder U-Boot Typ XXI Spezifikationen für U-Boot Typ XXI A Spezifikationen: Bewaffnung: Einsatzstatistik:

  • Die französische Armee und ihre Uniformen im Ersten Weltkrieg vom 3.8.1914 bis 11.11.1918. Truppenstärke und Verluste. Die Bevölkerungszahl Frankreichs und des Norddeutschen Bundes waren im Jahr 1870 ungefähr gleich. Jedoch bis zum Jahr 1914 stieg die Bevölkerung des Deutschen Reiches auf über 65 Millionen an, während die von Frankreich noch unter 40 Millionen lag. Diese Ungleichheit prägte das französische strategische Denken, jedoch mit tragischer Ironie, da dies am Ende zu einem militärischen Credo führte, welches zahlreiche Menschenleben in der französischen Armee kostete. Französische Armee im 1. Weltkrieg Frankreich hatte die Welt mit seiner schnellen Wiederauferstehung nach der Niederlage von 1870/71 überrascht und reorganisierte seine Armee nach dem preußischen Vorbild mit kurzer Militärdienstzeit und einem leistungsfähigen Generalstab. Wo der Verlust von Elsass und Lothringen die französische Ostgrenze offen legte, wurde eine starke Festungslinie errichtet, welche sich von Belfort bis nach Verdun zog. Zur Jahrhundertwende wurde die Moral der Armee jedoch tief von der Dreyfus-Affäre erschüttert und ihr Ansehen diskreditiert. Im Jahr 1905 wurde dann der Militärdienst auf zwei Jahre verkürzt. Konfrontiert mit der steigenden Bedrohung durch ein überlegenes Deutschland, stieg das Ansehen der Armee wieder, sowie die Bereitschaft, in ihr zu dienen. Im Jahre 1913 konnte der Militärdienst wieder auf 3 Jahre festgesetzt werden. Danach traten die Männer in die Reserve, der Territorial-Armee und der Territorial-Reserve für unterschiedliche Zeiträume bis zu einem Alter von 48 Jahren. Im Juli 1914 belief sich die Friedensstärke der Armee Frankreichs auf 736.000 Mann. Bei der Mobilisierung stieg sie auf 3,5 Millionen an, von denen rund 1,7 Millionen im Feldheer zum Einsatz kamen. Dieses Feldheer bestand aus fünf Armeen mit zusammen 21 Armeekorps, sowie 2 Kolonial-, 3 unabhängigen, 10 Kavallerie- und 25 Reservedivisionen. Der Rest befand sich bei Territorial-Einheiten, in Garnisonen und Depots. Die fünf Armeen waren von der Schweizer Grenze, wo die 1. Armee ihren rechten Flügel bei Belfort hatte, etwa zu einem Drittel des Weges entlang der belgischen Grenze verteilt, wo der linke Flügel der 5. Armee sich in der Nähe von Hirson befand. Weiter nördlich befand sich nur ein Kavallerie-Korps aus 3 Divisionen. Einer deutschen Offensive von Metz aus konnte also begegnet werden, aber eine Offensive durch Belgien hindurch würde nur auf den schwachen französischen Kavallerie-Schleier treffen. Die Franzosen hatten jedoch kein Interesse daran, auf eine feindliche Offensive zu warten. Für die Armeeführung war klar, dass das Desaster des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 seine Ursache im fehlenden Angriffsgeist und Esprit der eigenen Seite hatte. Gemäß der Tradition der napoleonischen Kriege wurde die Armee in einem mystischen Geist des Angriffs großgezogen: Angriff, egal was es kostet, lautete die Antwort auf militärische Probleme ! Um diesen Elan zu demonstrieren, trugen die französischen Soldaten die traditionellen langen, blauen Röcke mit großen und deutlich roten Streifen, während das deutsche Heer schon längst im wenig auffälligen Feldgrau gekleidet war. Praktische Maßnahmen wurden ignoriert und der französische Soldat trug seinen langen Rock und schwere militärische Unterkleidung im heißen August des Jahres 1914. Seine Ausrüstung war schwer und lag 20 Prozent über dem Gewicht eines deutschen Soldaten. In Sachen Feuerkraft stützten sich die Franzosen auf das Gewehr und ihr hervorragendes 7,5-cm-Feldgeschütz M1897, eine hervorragende Kanone welche in großen Mengen hergestellt wurde. Maschinengewehre, eine Waffe, die gar nicht in das Konzept des Angriffs-Elans passte, wurden vernachlässigt. Mit dieser Taktik und Ausrüstung konnten sich die französischen Soldaten glücklich schätzen, dass sie nicht nur gehorsam und anpassungsfähig waren, sondern vor allem schnell im Kampf lernten. Die ersten katastrophalen Verluste der französischen Armeen konnten zudem durch Eingeborene aus dem Kolonialreich wettgemacht werden, die während des Krieges 500.000 Mann stellten.   General Joffre, 62 Jahre alt, war Vizepräsident des Kriegsministeriums und wurde Oberbefehlshaber des französischen Heeres bei Ausbruch des Krieges. Er war gewichtig und schweigsam, aber ein guter Zuhörer. Als Veteran des Kolonialdienstes hatte er keine besonders ausgeprägten Vorstellungen von Strategie und Taktik, war aber ein hervorragender Arbeiter und Organisator. Er konnte improvisieren, war aber zu genügsam um vor dem Krieg Pläne und Möglichkeiten für Krisen in einem zukünftigen Krieg vorzubereiten. Gallieni, Joffres Nachfolger in den Kolonien, war wachsamer und realistischer, jedoch ohne Einfluss. Von den Armeekommandeuren war Lanrezac von der 5.Armee ein brillanter und pessimistischer Mann und schon von vielen als Joffres wo möglicher Nachfolger ausgemacht. Foch, ein Vertreter der Angriffsdoktrin und zuvor Kommandant der Kriegsakademie, war Korpskommandeur. Wie Joffre konnte auch er Krisen hervorragend meistern und hatte in Weygand einen Stabschef, der seine Wünsche in klare Befehle umsetzen konnte. Petain, ohne Rückhalt in der Armeeführung wegen seiner kritischen Haltung gegenüber der Elan-Doktrin und seinen realistischen Ansichten der modernen Feuerkraft, kommandierte im August 1914 nur eine Division. FRANKREICH (3.8.1914-11.11.1918) Truppenstärke bei Kriegsbeginn = 4.000.000 Heeresstärke im Verlauf des Krieges = 7.935.000 Tote Militär = 1.390.000 Verwundete Militär = 2.500.000 Französische Uniformen Obwohl Frankreich eines der mächtigsten Länder der Welt war und über beträchtliche Erfahrung in der kolonialen Kriegsführung verfügte, sträubte sich seine Armee gegen Veränderungen. Und so zogen die Franzosen 1914 – allein unter den Großmächten – in veralteten und bunten Uniformen in den Krieg. Und das, obwohl bereits 1913 (in graublau) und 1911 (in graugrün) Versuche unternommen wurden, eine annehmbare moderne Uniform zu finden, und erst im Mai 1915 wurde schließlich das berühmte ‘Horizon Bleu’ eingeführt. Die Grundfarbe der französischen Uniform war blau, die zwischen dem Schwarz der Offiziere und dem Graublau (offiziell als Gris de fer bleutii bezeichnet) der Mäntel der anderen Dienstgrade variierte. Ein typischer Infanterist vom August 1914 ist rechts abgebildet, obwohl berichtet wurde, dass Truppen, die im September 1914 an die Front gingen, bereits blaue Leinenoveralls über den roten Hosen trugen. Nicht abgebildet ist der dunkelblaue Waffenrock der anderen Dienstgrade, der einreihig mit Stehkragen und neun Messingknöpfen vorne war. Offiziere trugen den schwarzen Waffenrock (in der Mitte im Bild weiter unten links) oder die halboffizielle Vareuse aus dem gleichen eisengrauen Material wie der ausgegebene Mantel. Pantaloons und Kniehosen waren entweder rot, dunkelblau oder schwarz mit Paspeln, Streifen oder Lampassen in der Korpsfarbe (Waffenfarbe). Sie wurden von berittenen Offizieren mit schwarzen Stiefeln und von berittenen anderen Dienstgraden mit Stiefeletten und schwarzen Gamaschen (Houzeaux) getragen. Abgesessene Offiziere trugen Stiefeletten, entweder mehr …

  • Ribbentrop verkündet Russland-Krieg

    Wieso griff Hitler Russland an ?. Angesichts der nachfolgenden Ereignisse erscheint Hitlers Entschluss, Russland anzugreifen, als purer Wahnsinn. Bereits Napoleon hatte in dem Feldzug von 1812 den Beginn seines unrühmlichen Endes gefunden. War das gewagte Spiel die Folge des illusorischen Gefühls der Unfehlbarkeit, die der triumphale Sieg über Frankreich erzeugte ? Bildete diese Entscheidung das finale Ende einer von Grund auf unlogischen Ideologie, eines irrationalen Wahns, der sich die Vernichtung des ‘jüdischen Bolschewismus’ zum Ziel gesetzt hatte ? Wieso griff Hitler Russland an ? Im Juni 1941 drangen deutsche Truppen nicht zum ersten Mal nach Russland vor. Bereits im 1. Weltkrieg wurden große Teile des Landes bis zum Kriegsende erobert und besetzt und das Bild, das die Deutschen aus dieser Zeit gewannen, war nicht besonders positiv. Der damalige deutsche Generalstabschef Ludendorff stand Anfang der Zwanziger Jahre in engen Kontakt zu Hitler und hatte bis zum Fiasko des Münchener Putsches (1923) Einfluss auf dessen Russland-Bild. Bereits in ‘Mein Kampf’ (1926) schreibt Hitler: ‘Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewusst einen Strich unter die außenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete … wir weisen den Blick nach dem Land im Osten’. Das ‘Lebensraum’-Konzept war geboren. Hitler besaß ein hoch entwickeltes Gespür für die Schwächen der anderen. Die außenpolitischen Erfolge, die er vor 1939 erzielte, beruhten hauptsächlich auf der Intuition des Tyrannen sowie der instinktiven Bereitschaft des Glücksspielers, große Risiken einzugehen. Im August 1939 schloss Hitler mit atemberaubendem Zynismus (in dem ihm Stalin in nichts nachstand) mit seinem eigentlich ‘ideologischen Erzfeind’, der Sowjetunion, einen Nichtangriffspakt. Doch nur wenige Tage vor diesem dramatischen Schritt äußerste er gegenüber dem Hohen Kommissar des Völkerbundes in Danzig, Carl Burckhardt, dass ‘alles, was ich unternehme, gegen Russland gerichtet ist. Wenn der Westen zu dumm und zu blind ist, um dies zu begreifen, werde ich gezwungen sein, mich mit den Russen zu verständigen, den Westen zu schlagen und dann nach der Niederlage mich mit meinen versammelten Kräften gegen die Sowjetunion zu wenden’. Am 6. Juli 1940 kehrte Hitler nach dem Sieg im Westen im Triumph nach Berlin zurück. Es war der grandioseste Empfang, der ihm jemals bereitet wurde. Nur noch Großbritannien schien dem endgültigen Sieg im Weg zu stehen. Doch Hitlers Militärberater und sogar der Diktator selbst waren sich keineswegs sicher, dass der britische Widerstand so schnell zu brechen sein würde, zumal sich hinter Großbritannien der drohende Schatten der USA erhob. Die untergründige Furcht wurde zwar selten ausgesprochen, war aber gleichwohl vorhanden: Sollten die Vereinigten Staaten ihre gewaltige Macht und ihren Reichtum mobilisieren und wie 1917 in den Krieg eintreten, würden die Chancen für einen deutschen ‘Endsieg’ schlagartig sinken. Mit anderen Worten, die Zeit war wieder einmal nicht aufseiten Deutschlands. Das Risiko wäre beim Warten größer als beim Handeln, erklärte Hitler, was auch seine Spieler-Mentalität verstärkte. Schon eine Stunde nach seiner Reichstagsrede vom 19. Juli 1940, in der Hitler Großbritannien zum Frieden aufforderte, erfuhr er aus den ersten Presseberichten von der frostigen Reaktion Londons auf seinen ‘Appell an die Vernunft’. Am 22. Juli gab der britische Außenminister Lord Halifax in einer Rundfunkansprache bekannt, was Hitler bereits wusste: daß das Empire die Möglichkeit eines Verhandlungsfrieden nicht in Erwägung ziehe und zum Kampf entschlossen sei. Bereits einen Tag vor Halifax Rede hatte Hitler die kategorische Ablehnung seines ‘Appells’ akzeptiert und vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht erstmals über die Möglichkeit gesprochen, noch im selben Herbst die Sowjetunion anzugreifen. Am 31. Juli 1940 teilte er der erstaunten Generalität mit: ‘Ist aber Russland zerschlagen, dann ist Englands letzte Hoffnung getilgt. Der Herr Europas und des Balkans ist dann Deutschland. Entschluss: Im Zuge dieser Auseinandersetzung muss Russland erledigt werden, im Frühjahr (Mai) 1941.’ Dies war die am weitesten reichende Entscheidung des 2. Weltkrieges. Und sie war ohne direkte Not gefällt worden, also keineswegs, um einem unmittelbaren Angriff der Sowjetunion zuvorzukommen. Diese Rechtfertigung wurde erst später vorgeschoben, selbst Hitler hatte noch zehn Tage zuvor festgestellt, dass Russland keinen Krieg mit Deutschland wolle. Aber genauso wenig hatte das Militär oder eine andere Lobby der deutschen Machteliten diesen Angriff gefordert. Vielmehr hatten Oberbefehlshaber und Generalstabschef des Heeres noch am Tag zuvor gefordert, ‘dass man besser mit Russland Freundschaft hält’. Das Wirtschaftsministerium machte Hitler jedoch darauf aufmerksam, dass man sich für einen langen Krieg gegen Großbritannien und womöglich auch gegen die USA wappnen müsse – und das man dazu weit mehr brauche als man gegenwärtig aus der Sowjetunion nach dem Hitler-Stalin-Pakt an Lebensmitteln und Rohstoffen erhalte. Sich in zunehmende Abhängigkeit von der Sowjetunion zu begeben war für Hitler unannehmbar. Er pflichtete Wirtschaftsminister Funk darin bei, dass der großdeutsche Wirtschaftsraum nicht von Kräften und Mächten abhängig werden dürfe, auf die man keine Kontrolle habe. Diese Ansicht wurde in führenden Kreisen von Wehrmacht, Wirtschaft und Bürokratie geteilt, weshalb der Angriff auf die Sowjetunion in diesen entscheidenden Kreisen auf keinen großen Widerstand treffen konnte. Auch in der Wehrmachtführung stieß Hitlers einsamer Entschluss nicht auf entschlossenen Widerspruch. Tatsächlich hatte der Generalstab des Heeres, das Kommende schon ahnend, Machbarkeitsstudien schon Wochen zuvor angefertigt. Die Militärführer waren sich der strategischen Lage ebenso bewusst wie Hitler. Sie nahmen an, dass Großbritannien weder durch eine Invasion noch durch Bombenangriffe in die Knie gezwungen werden könne. Sie entwarfen allerdings auch keine eigene Strategie, wie der endgültige Sieg errungen werden könnte. Darüber hinaus unterschätzten sie wie Hitler die Rote Armee erheblich, insbesondere nach den dürftigen Leistungen im Winterkrieg gegen Finnland. Der geplante, nur kurz zu dauernde Ostfeldzug versprach nicht nur die Hegemonie auf dem europäischen Kontinent, sondern auch den endgültigen Sieg in diesem Krieg. Danach würde irgendwann in der Zukunft die Auseinandersetzung mit den USA folgen. Ideologie und militärstrategische Überlegungen standen in Hitlers Vorstellung über den Angriff auf die Sowjetunion nicht in Widerspruch zueinander. Vielmehr gingen sie Hand in Hand. Teil II: Hatte Hitler Alternativen zum Russland-Feldzug ?

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