US M3 Lee in Tunesien


US M3 Lee in Tunesien

US M3 Lee in Tunesien

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Im Blickpunkt:
  • Churchill-Panzer im RAC Tank Museum

    A 22 Churchill – englischer schwerer Infanteriepanzer Mark IV. Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken, Bilder, Video und 3d-Modell. A22 Churchill Typ: schwerer Infanteriepanzer Mark IV Geschichte: Bei Ausbruch des 2. Weltkrieg im September 1939 gab es die vorherrschende Meinung im britischen Kriegsministerium, dass die Bedingungen an einer neuen Westfront denen von 1914 bis 1918 sehr ähnlich sein werden. Daher ergab sich der Bedarf für einen schweren Infanteriepanzer, welcher unverwundbar gegen die vorhandenen Panzerabwehrwaffen sein sollte, mit einer sehr großen Grabenüberschreitfähigkeit, und welcher in der Lage sein sollte, ein durch Artilleriefeuer aufgewühltes Trichterfeld zu durchfahren. Diese Spezifikation wurde vom Vorsitzenden für die Panzerbeschaffung, Woolwich, als A20 bezeichnet und die Firma Harland&Wolff wurde gebeten, ein Pilotmodell zu bauen. Eine 80-mm-Panzerung, eine Geschwindigkeit von 25 km/h, eine Kletterfähigkeit von 1,50 m und eine Besatzung von 7 Mann wurden als weitere Charakteristiken gefordert. Im Wesentlichen war der A20 eine Verfeinerung der ‘Rauten’-Tanks (Mark I bis V) welche die Engländer 1916-1918 gebaut hatten. Verschiedene Bewaffnungs-Kombinationen wurden in Erwägung gezogen, einschließlich der 2- und 6-Pfünder, der französischen 75-mm-Kanone und 3-inch-Haubitze. Letztlich wurde die 2-Pfünder für den Turm ausgewählt und eine weitere sollte vorne eingebaut werden. Dazu Maschinengewehre an den Rumpfseiten und der Vorderseite. Vier Prototypen wurden im Februar 1940 bestellt. Der erste Prototyp begann mit Tests im Juni 1940 und wurde von Getriebe-Problemen geplagt. Die Ergebnisse der Tests zeigten jedoch, dass um die geforderte Leistung einzuhalten, die Bewaffnung auf eine einzige 2-Pfünder-Kanone reduziert werden musste. Das ganze fiel zeitlich mit der Evakuierung von Dünkirchen zusammen, nach der England weniger als 100 Panzern für die Verteidigung seiner Insel übrig blieben. Die Firma Vauxhall (der britische Ableger der US-Firma GMC) wurde daher aufgefordert, den Entwurf des A20 zu überarbeiten, ihn etwas zu verkleinern und so schnell wie möglich in die Produktion zu nehmen – wenn möglich, innerhalb eines Jahres. Vauxhall wurde vor allem deswegen gewählt, weil deren Vauxhall-Bedford Zwillings-6-Zylinder-Motor für den A20 vorgesehen war. Der A20-Prototyp und die Pläne wurden an Vauxhall weitergereicht, zusätzliche technische Zeichner vom englischen Mechanisation Board gestellt und ein neues Pilot-Modell – genannt A22 Infanteriepanzer Mark IV – wurde im November 1940 fertig. Die ersten 14 Serienmodelle wurden im Juni 1941 ausgeliefert, von einer Bestellung von 500 Exemplaren direkt vom Zeichenbrett. Wegen des gehetzten Entwicklungsprogramms gab es zahlreiche Konstruktionsmängel, welche zu häufigen Pannen mit den ersten Marks führten. Dies erforderte erhebliche Überbearbeitungsprogramme 1942-1943, die von Vauxhall-Techniker bei den Einheiten, welche mit dem neuen Panzer ausgerüstet waren, durchführten. Dabei gab es zahlreiche Detailverbesserungen an mechanischen Komponenten. Als Churchill benannt, wurde der A22 in großen Mengen von einem Firmen-Konsortium aus Broom&Wade, Birmingham Carriage & Wagon, Metropolitan Cammell, Charles Roberts, Newton Chambers, Gloucester Railway Carriage, Leyland, Dennis und Harland&Wolff – alle unter dem Vorsitz von Vauxhall – gebaut. Der Churchill war eine Verbundkonstruktion, bestehend aus einer 1,2-cm starken Innenhaut aus Weichstahl mit einer Außenhaut aus Panzerplatten, welche in ihren Positionen verschraubt oder vernietet wurden. Zunächst wurde ein Guss-Turm verwendet, aber spätere Modelle hatten größere Türme, welche gegossen, geschweißt und in Verbundkonstruktion hergestellt wurden. Der Motor und Antrieb befanden sich im Heck. Die Laufketten mit den kleinen, gefederten Laufrollen oben und unten ermöglichten Stauräume für Munition, Vorräte und Gepäck zwischen dem oberen und unteren Kettenlaufwerk. Dies machte den Churchill zu einem ungewöhnlich geräumigen Kampffahrzeug. Notausgänge für die Besatzung wurden an jeder Seite angebracht. Die Kraftübertragung erfolgte durch das neue Merritt-Brown-Vier-Gang-Getriebe mit gesteuerter Differenziallenkung, wodurch der Churchill der erste englische Panzer mit einer derartigen Schaltung war. Bewaffnet war der Mark I mit der 2-Pfünder-Kanone und einer 3-inch (76mm) Haubitze in der Frontwanne. Veränderte taktische Anforderungen führten jedoch während der Produktionszeit ständig zu einer veränderten Bewaffnung. Gemeinsam mit den englischen Kreuzerpanzern wurde die 6-Pfünder-Kanone im Jahr 1942 eingeführt, was einen größeren Turm (Mark III) erforderlich machte. Der Churchill-Panzer wurde erstmals bei der gescheiterten Landung von Dieppe im August 1942 eingesetzt. Die Erfahrung des Wüstenkriegs 1941/42 ließen das englische Kriegsministerium annehmen, dass Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit wichtiger sind als starke Panzerung. So wurde beschlossen, die Churchill-Produktion 1943 auslaufen zu lassen, wenn die neuen A27-Kreuzerpanzer Cromwell zur Verfügung stehen würden. Jedoch waren die ersten Kampfeinsätze des Churchill bei der Britischen 1. Armee in Tunesien sehr überzeugend – insbesondere, da sie in dem dortigen Gelände nahezu jeden Hügel erklimmen konnten, den andere Panzer bisher nicht angreifen konnten. So erhielt der Infanteriepanzer nochmals eine Gnadenfrist. Im Jahr 1943 wurde der Churchill wieder anders bewaffnet, diesmal mit der neuen englischen Version der 75-mm-Kanone. Zur selben Zeit wurden wesentliche Entwurfsverbesserungen vorgenommen. Da das Fahrzeug zu einer Zeit entworfen wurde – wie auch alle anderen englischen Kampfpanzer -, als die britischen Einschränkungen für die Eisenbahnladeflächen eingehalten werden mussten, litt der Churchill ebenso unter dem Nachteil, dass er zu eng war, um einen größeren Turm für die 17-Pfünder-Kanonen erhalten zu können. Aus diesem Grund war er im Vergleich zu seinen deutschen Rivalen 1944/45 unterbewaffnet, was aber zu einem gewissen Umfang durch die dicke Panzerung des Fahrzeuges ausgeglichen wurde. Der andere Faktor, welcher den Churchill-Panzer zu einem der wichtigsten britischen Panzern der Jahre 1939 bis 1945 machten, war seine Fähigkeit, eine ganze Serie von Spezialfahrzeuge aus ihm zu entwickeln, welche für die geplante Invasion in Nordwesteuropa im Jahr 1944 benötigt wurden. Das geräumige Innere des Fahrzeuges, zusammen mit seinen regelmäßigen Formen und schwerer Panzerung, machte es besonders nützlich als gepanzertes Pionier-Fahrzeug, Brückenleger oder Bergepanzer. Dazu wurden noch jede Menge experimentelle Varianten entwickelt und erprobt. Benutzer: Großbritannien. Churchill-Versionen Churchill I Das Originalmodell von 1941 mit gegossenen Turm. Bewaffnet mit der 2-Pfünder-Kanone und einem koaxialen 7,92-mm-MG-Besa-MG und einer 3-inch-Haubitze (76,2 mm) vorne im Rumpf. 150 Schuss für die 2-Pfünder und 58 Schuss für die 3-inch-Haubitze als Munitionsvorrat. Einige der Churchill I wurden im Dieppe-Raid am 19. August 1942 eingesetzt.       Churchill II Wie der Churchill I, jedoch wurde die 3-inch-Haubitze im Bug gegen ein zweites Besa-MG ersetzt. Churchill IICS Wie der Churchill I, aber die Geschütz-Positionen wurde so ausgetauscht, dass sich die 3-inch-Haubitze im Turm befand und die 2-Pfünder-Kanone vorne im Rumpf. Nur in geringen Stückzahlen gebaut. Diese drei ersten Versionen hatten alle nicht abgedeckte Kettenlaufwerke und Motoreinlass-Lamellen an der mehr …

  • Britische Infanterie tritt an der Somme zum Angriff aus ihren Gräben an

    Ergebnisse und Statistiken zu 15 Schlachten des Ersten Weltkriegs und die Somme-Schlacht der Maschinengewehre. Die nachfolgenden Tabellen geben komprimiert möglichst exakte Angaben über fünfzehn Schlachten des 1. Weltkriegs mit deutscher Beteiligung wieder. Davon fanden zehn an der Westfront und fünf an der Ost­front gegen Russland statt. Von den zehn Schlachten an der Westfront wurden vier überwiegend gegen französische, fünf überwiegend gegen britische Truppen und eine Schlacht gegen die US-Armee geführt. Schlacht-Ergebnisse im 1. Weltkrieg Zu jeder dieser Schlachten werden das Datum, der übliche Name, die Dauer, die im Wesentlichen eingesetzten Großverbände und das operative Ziel – also Angriff oder eine der Verteidigungsmöglichkeiten aus rasch errichteten oder vorbereite­ten Stellungen oder mit Feldbefestigungen – angegeben. Die folgende Spalte gibt die in etwaige zahlenmäßige Stärke der sich bekämpfenden Streitkräfte an. Die vierte Spalte beinhaltet abgerundet die gesicherten Verlustzahlen der gegnerischen Streitkräfte wieder. Allerdings brachten in vier der fünf Schlachten an der Ostfront die deutschen Truppen dermaßen viele Kriegsgefangene ein, dass in der rechteckigen Klammer diese nochmals gesondert angegeben sind. Die fünfte Spalte gibt die daraus resultierenden Verluste pro Kampftag an. Die sechste Spalte gibt die Verluste pro Tag in Prozent an, und zwar bezogen auf die weiter links an­gegebene Truppenstärke bei Beginn der Schlacht. Die letzte Spalte gibt den sogenannten Score-Wert an, eine Punktwertung oder Bewertung auf der Grundlage einer Auswertung der vorangegangenen Zahlen. Dieser Wert entspricht den Verlusten je Kampftag als Prozentsatz der Streitkräfte, welche diese Verluste verursacht haben. Dieser wird berechnet, indem die Verluste der einen Seite zur gesamten Truppenstärke der anderen Seite in Relation gesetzt werden. Der Wert gibt somit die Verluste pro Tag je 100 Mann an. In den runden Klammern wird der Kampfwert-Index angezeigt, wobei der Score-Wert in etwa mit dem ermittelten Verteidigervorteil modifiziert wurde. Hierbei werden allerdings Faktoren verwendet, die sich aus den umfassenden Forschungen aus Schlachten des 2. Weltkriegs ergaben, welche aber bisher noch nicht umfassend für den 1. Weltkriegs überprüft bzw. angepasst worden sind. Dabei wird der Verteidigervorteil bei rasch eingerichteter Verteidigung mit 1,3 angenommen, mit 1,5 für vorbereitete Vertei­digung und 1,6 für Verteidigung aus Feldbefestigungen. Bei einigen der ersten Schlachten des Ersten Weltkrieges, als beide Seiten im Angriff waren und sich somit auch zum Teil dann ‘rasch verteidigten’, wird ein Faktor von 1,2 angenommen. Der daraus resultierende Kampfwert-Index ist folglich die bereinigte Fähigkeit beider Seiten, während der jeweiligen Schlachten den gegnerischen Truppen Verluste zuzufügen. Bei längeren Schlachten liegt dieser Wert zumeist niedriger, was darauf schließen lässt – und durch die tiefer gehenden Untersuchen des Zweíten Weltkriegs bestärkt wird -, dass die Kampfkraft und somit der Kampfwert-Index der Soldaten über eine längere, ununterbrochenen Einsatzdauer im Gefecht ständig abfällt. Grenzschlachten 14.-23.8. 1914 (10 Tage): Tannenberg 26.-29.8. 1914 (4 Tage): Marneschlacht 5.-10.9. 1914 (6 Tage): Masurische Seen 9.-14.9. 1914 (5 Tage): Lodz 11.-25.11. 1914 (15 Tage): Winterschlacht in Masuren 7.-21.2. 1915 (15 Tage): Gorlice-Tarnow 2.-4.5. 1915 (3 Tage): Schlacht Champagne 25.9.-8.11. 1915 (45 Tage): Erste Somme-Schlacht 1.7.-31.10. 1916 (123 Tage): Arras 9.-24.4. 1917 (15 Tage): Nivelle-Offensive an der Aisne 16.-30.4. 1917 (15 Tage): Flandernschlacht 31.7.-6.11. 1917 (98 Tage): Zweite Somme-Schlacht 21.3-9.4. 1918 (20 Tage): Lys 9.-30.4. 1918 (22 Tage): Maas-Argonnen 26.9.-11.11. 1918 (47 Tage): Siehe auch: Deutsche Kampfkraft Siehe auch: Schlachten im 2. Weltkrieg Schlacht an der Somme Die Schlacht der Maschinengewehre an der Somme vom 1. Juli bis zum 18. November 1916. Keine Schlacht im 1. Weltkrieg wurde so sehr vom Maschinengewehr dominiert, wie die britische Sommeroffensive 1916, welche zur Schlacht an der Somme wurde. Die Eindrücke durch die deutschen MG08 Spandau und Bergmann-Maschinengewehre blieben noch lange im Gedächtnis nach dem ‘Tag von atemberaubender Sommer-Schönheit’, wie Siegfried Sassoon den 1. Juli 1916 beschrieb, dem Tag des Beginns der Schlacht an der Somme. Das Bild der Schützenlinien aus Khakifarbener Infanterie, welche mit erhobenen Lee-Enfield Gewehren im Stacheldraht niedergemacht wurden, formte sich nicht nur in die westliche Wahrnehmung des modernen Krieges, sondern in das moderne Leben einer ganzen Generation. Mehr als nur Infanteristen fielen den Maschinengewehren an der Somme zum Opfer. Die bisherige strukturierte, progressive Welt der Vorkriegszeit vor 1914 starb dort auch. Die schweren Verluste, welche die deutschen Maschinengewehre den britischen Truppen im Jahr 1915 bei Neuve Chapelle und Loos zugefügt hatten, beeinflusste den britischen Plan für die Offensive an der Somme. Die Lehren, welche die Briten aus diesen Schlachten zogen, waren, dass sie ihre Artillerie einsetzen würden, um noch viel mehr Tonnen von Sprengstoff über den Maschinengewehren auszuschütten, bevor der Infanterie-Angriff beginnen würde. Die Logik war, nur genug Granaten zu verschießen und es würden keine Maschinengewehre mehr übrig bleiben. Truppenstärke an der Somme am 1. Juli 1916: Das Maschinengewehr entscheidet eine Schlacht Das britische Vorbereitungsfeuer der Artillerie sollte die Maschinengewehre besiegen. Die Infanterie müsste dann – so war der Plan – einfach nur noch das Gelände in Besitz nehmen. Aber trotz der lang anhaltenden Dauer des britischen Artillerie-Vorbereitungsfeuers, demonstrierten die deutschen Maschinengewehre an der Somme, dass Feuerkraft alleine nicht den Kampf entscheiden konnte. Denn die Maschinengewehre in der Frontlinie überstanden das Vorbereitungsfeuer in ihren gut ausgebauten Unterständen. Diese Lektion der Maschinengewehre aus der Schlacht an der Somme mussten auch die US-Marines des 2. Weltkrieg auf Tarawa im Jahre 1943 und unzählige Male während des Vietnamkrieges wieder erlernen. Ein massives Vorbereitungsfeuer alleine – auch nicht der siebentägige Beschuss, welcher der Offensive an der Somme vorausging – kann einen tief eingegrabenen Verteidiger nicht besiegen. Später im Krieg wurde das Vorbereitungsfeuer zu einem kurzen, ungeheuer intensiven Sturm, welches oft noch mit dem Einsatz von Giftgas zum Niederdrücken des Verteidigers kombiniert wurde. Das Vorbereitungsfeuer vor dem 1. Juli 1916 litt auch unter der hohen Anzahl der Blindgänger und des Mangels an schweren Geschützen, welche die tiefen Bunker, in denen sich die deutschen Maschinengewehre mit ihren Mannschaften befanden, etwas anhaben hätten können. Die deutschen Maschinengewehrschützen warteten dort bis zu der 10-minütigen Pause kurz vor 7 Uhr morgens, bevor die britische Infanterie unter trillernden Pfeifen aus ihren Gräben zum Angriff antrat. Die Kämpfe im Jahr 1915 hatten gezeigt, dass ein einzelnes Maschinengewehr ein angreifendes Bataillon besiegen konnte, wenn es ohne niedergedrückt zu werden, feuern konnte. Am 1. Juli 1916 musste jedoch mehr …

  • Seeschlacht von Navarino

    Der griechische Unabhängigkeitskrieg von 1821 bis 1829. Teil II der Griechischen Revolution. Hier zu Teil I: die Griechische Revolution. Der griechische Unabhängigkeitskrieg Mit dem Erscheinen von Mehmed Ali, Pascha von Ägypten und eigentlich Vasall des Sultans in Konstantinopel, im Jahr 1824 beginnt die dritte Phase der griechischen Revolution. Ali versuchte, den Sultan zu stürzen oder die Unabhängigkeit zu erlangen, während er sich ihm vordergründig anschloss, um sich seine Gunst zu sichern. Die türkisch-ägyptische Flotte ankerte bei Pylos im Golf von Navarino, während die türkisch-ägyptische Armee, die nach französischen Maßstäben und unter französischen Offizieren reformiert worden war, damit begann, die griechische Revolution in Blut zu ertränken. 1826 fällt nach hartnäckigen Widerstand Missolunghi. In der Zwischenzeit hatte sich jedoch das politische Gleichgewichtssystem in Europa verschoben. Die drei Großmächte Großbritannien, Frankreich und Russland konnten angesichts dieser eher unerwarteten Entwicklung in Griechenland nicht passiv bleiben. Zwar verurteilte der Österreicher Metternich den Aufstand gegen die legitime Herrschaft des Sultans, aber der neue Zar Nikolaus I. steht ihr aus orthodoxer Verwandtschaft, Türkenfeindschaft und wegen dem alten russischen Ziel, das Mittelmeer zu erreichen, positiv gegenüber. 1827 treten dann im Londoner Vertrag Großbritannien, Frankreich und Russland für die griechische Unabhängigkeit ein. Die drei Großmächte versuchten nun den Konflikt zu beenden, ohne in militärische Auseinandersetzungen mit den Osmanen, weder zu Lande noch zur See, zu geraten. Auch wenn die Admirale der alliierten Flotte keine direkten Befehle hatten, war ihre Beteiligung an dem Zustandekommen der Seeschlacht von Navarino im Jahr 1827 nicht so ganz ‘zufällig’. Die Großmächte, vor allem Großbritannien, konnten eine ägyptische Vorherrschaft unter dem Einfluss Frankreichs im östlichen Mittelmeer nicht dulden, da dies das Gleichgewicht der Kräfte untergraben würde. Die Abfolge der Ereignisse, wie sie sich aus türkischer Sicht darstellte, deuten darauf hin, dass die alliierten Flotten nicht nur zum Überwintern in den Golf von Navarino einliefen, sondern mit aggressiven Hintergedanken. Offensichtlich hatten sie den Schlagabtausch unter dem Vorwand eingeleitet, dass Ibrahim sich nicht an das gehalten, was vereinbart worden war, nämlich untätig zu bleiben. Das erklärte Ziel war jedoch, die türkisch-ägyptische Flotte vom Peloponnes zu vertreiben oder zumindest zurückdrängen, was unter den gegebenen explosiven Rahmenbedingungen nicht möglich war. Es brauchte ein vielleicht nur ungeplantes Ereignis, um die Kettenreaktion auszulösen. Es folgte die Vernichtung der türkisch-ägyptischen Flotte durch das britisch-französische-russische Geschwader. Die Seeschlacht von Navarino war ein entscheidender Wendepunkt für die griechische Revolution. Der Weg zur Unabhängigkeit der Griechen war danach kaum noch aufzuhalten, denn nun drehten sich die Interessen der europäischen Großmächte um 180 Grad zugunsten der Griechen. Der Tod des widerwilligen Zars Alexander I. und die Nachfolge durch den mehr resoluten Nikolaus I. im Jahr 1825 und später der Fall des britischen Premierministers, dem Duke von Wellington, im Jahr 1830, halfen der griechischen Sache. Großfürst Kapoditrias wurde Regent und errichtete von Naupalia auf der Peloppones aus eine eigene, griechische Verwaltung. Ein französisches Expeditionskorps unter Nicolas Joseph Maison traf zur Verstärkung der Griechen ein und befreite Morea. 1828/1829 kommt es zu einem weiteren russisch-türkischen Krieg, welcher unter preußischer Vermittlung 1829 im Friede von Adrianopel (Edirne) beendet wird. Dadurch gewinnt Russland die Donaumündung und Griechenland als Protektorat. Auf der Londoner Konferenz von 1830 wird das ‘Londoner Protokoll’ am 3. Februar mit der Unabhängigkeit Griechenlands, der Vertrag von Konstantinopel und schließlich das Protokoll vom 18. Juli und 3. August 1832 unterzeichnet, in dem die Grenzen Griechenlands festgelegt wurden. Für die meisten griechischen Patrioten war jedoch klar, dass dies nur ein erster Schritt sein konnte, denn mehr als die Hälfte der griechischen Bevölkerung lebte noch außerhalb dieser Grenzen unter der Herrschaft des Sultans in Konstantinopel. Schon von Anfang an hatten die Griechen versucht, ein demokratisches Gemeinwesen zu errichten. Sie waren keine Räuberbande, die sich alles nehmen wollte, was sie konnte, oder ihre Gesetze nach Belieben durchsetzte, sondern sie organisierten von Anfang an eine nationale Bewegung mit einem moralischen und ideologischen Hintergrund. Andernfalls hätte sie nicht die weit verbreitete Sympathie großer Bevölkerungsgruppen in Europa und der Vereinigten Staaten für ihren Kampf gewinnen können. Schon in der ersten Verfassung hieß es, Griechenland würde all jenen Asyl gewähren, ‘die wegen ihres Kampfes für die Freiheit verfolgt werden’. Nach der Ermordung von Großfürst Kapodistrias wurde Otto I. von Wittelsbach als König gewählt. Griechenland erhielt zwar 1844 eine Verfassung, aber die absolutistische Herrschaft des bayerischen ‘Othon’ endete 1862 in dessen Absetzung. Eine weitere Folge der griechischen Revolution war die Auflösung der ‘Heiligen Allianz’ wegen des Gegensatzes zwischen Russland und Österreich-Ungarn in der ‘orientalischen Frage’ und den Interessen auf dem Balkan. Die Revolution auf Kreta Die Revolution auf Kreta wurde bereits im April 1821 ausgerufen. Die große Insel liegt ziemlich weit vom übrigen Griechenland entfernt, und daher war die Entsendung von militärischer Hilfe schwierig. Außerdem lebte auf Kreta eine beträchtliche muslimische Minderheit, die fast ein Drittel der Bevölkerung ausmachte. Trotz dieser widrigen Umstände wurde der Beitritt zur Revolution bei Treffen mit lokalen Anführern und Würdenträgern in Sfakia angesprochen, und dort wurde der Beschluss zum Aufstand gefasst. Die Türken reagierten, indem sie den Bischof von Kissamos hängten, andere Personen inhaftierten und die Verfolgung von Klerus und Laien in der Region fortsetzten. Der erste größere Sieg der Aufständischen ereignete sich am 14. Juni 1821 in Chania, wo eine Einheit der Janitscharen besiegt und ihr Anführer getötet wurde. Die Türken reagierten mit Plünderungen und Abschlachten von Zivilisten. Die Kämpfe gingen jedoch mit Siegen der Griechen im Juli 1821 weiter, aber im August kam eine mächtige osmanische Streitmacht in Sfakia an. Die Osmanen besiegten die Sfakianer und fuhr fort, Gräueltaten zu begehen und Menschen zu ermorden. Aber der Aufstand hörte nicht auf. Dimitrios Ypsilantis ernannte auf Wunsch der Kreter Michael Komninos Afentoulief zum Generalkommandanten der Revolution auf Kreta. Trotz des Scheiterns eines Versuches, Rethymno zu erobern, erzielten die Griechen Siege in der Region von Mylopotamos sowie vor der Festung von Chania. Petros Skylitsis Omiridis kam später auf Kreta als Vertreter der griechischen Zentralverwaltung an. Es wurde eine lokale Versammlung abgehalten, deren Ergebnis am 21. Mai 1822 die Institutionalisierung der ‘Übergangspolitik der Insel Kreta’ war. Afentoulief, mit seinem Titel ‘Generalpräfekt der Insel’, übernahm die allgemeine Führung der griechischen Revolution auf mehr …

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