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Wieso griff Hitler Russland an ?


Wieso griff Hitler Russland an ?.
Angesichts der nachfolgenden Ereignisse erscheint Hitlers Entschluss, Russland anzugreifen, als purer Wahnsinn. Bereits Napoleon hatte in dem Feldzug von 1812 den Beginn seines unrühmlichen Endes gefunden.
War das gewagte Spiel die Folge des illusorischen Gefühls der Unfehlbarkeit, die der triumphale Sieg über Frankreich erzeugte ? Bildete diese Entscheidung das finale Ende einer von Grund auf unlogischen Ideologie, eines irrationalen Wahns, der sich die Vernichtung des ‘jüdischen Bolschewismus’ zum Ziel gesetzt hatte ?

Ribbentrop verkündet Russland-Krieg
Am 22. Juni 1941 verkündet der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop den Ausbruch des Krieges gegen die Sowjetunion.

Wieso griff Hitler Russland an ?



Erich Ludendorff und Adolf Hitler
Erich Ludendorff und Adolf Hitler nach der Gerichtsverhandlung vor dem Münchner Sondergericht im März 1924.
Im Juni 1941 drangen deutsche Truppen nicht zum ersten Mal nach Russland vor. Bereits im 1. Weltkrieg wurden große Teile des Landes bis zum Kriegsende erobert und besetzt und das Bild, das die Deutschen aus dieser Zeit gewannen, war nicht besonders positiv. Der damalige deutsche Generalstabschef Ludendorff stand Anfang der Zwanziger Jahre in engen Kontakt zu Hitler und hatte bis zum Fiasko des Münchener Putsches (1923) Einfluss auf dessen Russland-Bild. Bereits in ‘Mein Kampf‘ (1926) schreibt Hitler: ‘Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewusst einen Strich unter die außenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete … wir weisen den Blick nach dem Land im Osten’. Das ‘Lebensraum’-Konzept war geboren.

Hitler besaß ein hoch entwickeltes Gespür für die Schwächen der anderen. Die außenpolitischen Erfolge, die er vor 1939 erzielte, beruhten hauptsächlich auf der Intuition des Tyrannen sowie der instinktiven Bereitschaft des Glücksspielers, große Risiken einzugehen.

Im August 1939 schloss Hitler mit atemberaubendem Zynismus (in dem ihm Stalin in nichts nachstand) mit seinem eigentlich ‘ideologischen Erzfeind’, der Sowjetunion, einen Nichtangriffspakt.
Doch nur wenige Tage vor diesem dramatischen Schritt äußerste er gegenüber dem Hohen Kommissar des Völkerbundes in Danzig, Carl Burckhardt, dass ‘alles, was ich unternehme, gegen Russland gerichtet ist. Wenn der Westen zu dumm und zu blind ist, um dies zu begreifen, werde ich gezwungen sein, mich mit den Russen zu verständigen, den Westen zu schlagen und dann nach der Niederlage mich mit meinen versammelten Kräften gegen die Sowjetunion zu wenden’.

Hitlers Empfang in Berlin
Menschenmassen jubeln Hitler bei seiner Rückkehr ‘aus dem Felde’ in Berlin zu.

Am 6. Juli 1940 kehrte Hitler nach dem Sieg im Westen im Triumph nach Berlin zurück. Es war der grandioseste Empfang, der ihm jemals bereitet wurde. Nur noch Großbritannien schien dem endgültigen Sieg im Weg zu stehen.
Doch Hitlers Militärberater und sogar der Diktator selbst waren sich keineswegs sicher, dass der britische Widerstand so schnell zu brechen sein würde, zumal sich hinter Großbritannien der drohende Schatten der USA erhob. Die untergründige Furcht wurde zwar selten ausgesprochen, war aber gleichwohl vorhanden: Sollten die Vereinigten Staaten ihre gewaltige Macht und ihren Reichtum mobilisieren und wie 1917 in den Krieg eintreten, würden die Chancen für einen deutschen ‘Endsieg’ schlagartig sinken.
Mit anderen Worten, die Zeit war wieder einmal nicht aufseiten Deutschlands. Das Risiko wäre beim Warten größer als beim Handeln, erklärte Hitler, was auch seine Spieler-Mentalität verstärkte.

Schon eine Stunde nach seiner Reichstagsrede vom 19. Juli 1940, in der Hitler Großbritannien zum Frieden aufforderte, erfuhr er aus den ersten Presseberichten von der frostigen Reaktion Londons auf seinen ‘Appell an die Vernunft’. Am 22. Juli gab der britische Außenminister Lord Halifax in einer Rundfunkansprache bekannt, was Hitler bereits wusste: daß das Empire die Möglichkeit eines Verhandlungsfrieden nicht in Erwägung ziehe und zum Kampf entschlossen sei.
Bereits einen Tag vor Halifax Rede hatte Hitler die kategorische Ablehnung seines ‘Appells’ akzeptiert und vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht erstmals über die Möglichkeit gesprochen, noch im selben Herbst die Sowjetunion anzugreifen.

Am 31. Juli 1940 teilte er der erstaunten Generalität mit: ‘Ist aber Russland zerschlagen, dann ist Englands letzte Hoffnung getilgt. Der Herr Europas und des Balkans ist dann Deutschland. Entschluss: Im Zuge dieser Auseinandersetzung muss Russland erledigt werden, im Frühjahr (Mai) 1941.’
Dies war die am weitesten reichende Entscheidung des 2. Weltkrieges.
Und sie war ohne direkte Not gefällt worden, also keineswegs, um einem unmittelbaren Angriff der Sowjetunion zuvorzukommen. Diese Rechtfertigung wurde erst später vorgeschoben, selbst Hitler hatte noch zehn Tage zuvor festgestellt, dass Russland keinen Krieg mit Deutschland wolle.
Aber genauso wenig hatte das Militär oder eine andere Lobby der deutschen Machteliten diesen Angriff gefordert. Vielmehr hatten Oberbefehlshaber und Generalstabschef des Heeres noch am Tag zuvor gefordert, ‘dass man besser mit Russland Freundschaft hält’.

Kreuzer Lützow im Schlepp nach Leningrad
Der noch unfertige Schwere Kreuzer Lützow wird im Austausch für Rohstoffe und Lebensmittel nach Leningrad geschleppt.

Das Wirtschaftsministerium machte Hitler jedoch darauf aufmerksam, dass man sich für einen langen Krieg gegen Großbritannien und womöglich auch gegen die USA wappnen müsse – und das man dazu weit mehr brauche als man gegenwärtig aus der Sowjetunion nach dem Hitler-Stalin-Pakt an Lebensmitteln und Rohstoffen erhalte. Sich in zunehmende Abhängigkeit von der Sowjetunion zu begeben war für Hitler unannehmbar. Er pflichtete Wirtschaftsminister Funk darin bei, dass der großdeutsche Wirtschaftsraum nicht von Kräften und Mächten abhängig werden dürfe, auf die man keine Kontrolle habe.
Diese Ansicht wurde in führenden Kreisen von Wehrmacht, Wirtschaft und Bürokratie geteilt, weshalb der Angriff auf die Sowjetunion in diesen entscheidenden Kreisen auf keinen großen Widerstand treffen konnte.

Auch in der Wehrmachtführung stieß Hitlers einsamer Entschluss nicht auf entschlossenen Widerspruch. Tatsächlich hatte der Generalstab des Heeres, das Kommende schon ahnend, Machbarkeitsstudien schon Wochen zuvor angefertigt. Die Militärführer waren sich der strategischen Lage ebenso bewusst wie Hitler. Sie nahmen an, dass Großbritannien weder durch eine Invasion noch durch Bombenangriffe in die Knie gezwungen werden könne.
Sie entwarfen allerdings auch keine eigene Strategie, wie der endgültige Sieg errungen werden könnte. Darüber hinaus unterschätzten sie wie Hitler die Rote Armee erheblich, insbesondere nach den dürftigen Leistungen im Winterkrieg gegen Finnland.

Der geplante, nur kurz zu dauernde Ostfeldzug versprach nicht nur die Hegemonie auf dem europäischen Kontinent, sondern auch den endgültigen Sieg in diesem Krieg. Danach würde irgendwann in der Zukunft die Auseinandersetzung mit den USA folgen. Ideologie und militärstrategische Überlegungen standen in Hitlers Vorstellung über den Angriff auf die Sowjetunion nicht in Widerspruch zueinander. Vielmehr gingen sie Hand in Hand.

Teil II: Hatte Hitler Alternativen zum Russland-Feldzug ?

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In dieser Form konnten beide Raketen von Sturmpionieren verwendet werden um Bunker oder Widerstandsnester zu zerstören. Wesentlich öfters wurden die Raketen aber in Vierergruppen von einem einfachen Starter-Rahmen, der als schweres Wurfgerät 40 oder schweres Wurfgerät 41 bezeichnet wurde, verschossen. Diese beiden Geräte unterschieden sich nur dadurch, dass letzterer aus Stahlrohren und nicht wie zuvor aus einem Holzrahmen bestand. Gewöhnlich bildeten 10 dieser Werfer eine Batterie. Während des Jahres 1940 wurden etwa 10.000 Wurfkörper Spreng und 12.000 Wurfkörper Flamm Raketen hergestellt und 1941 stieg diese Anzahl auf 77.150 Wurfkörper Spreng und 62.550 Wurfkörper Flamm an. Mehr als 600.000 Wurfkörper wurden bis Kriegsende gefertigt, sowie 700 Werfer, von denen 345 ab 1941 gebaut wurden. Sie wurden an die Pioniertruppe, ausgewählte Infanterie-Einheiten und motorisierte Entgiftung-Abteilungen ausgegeben. Am 22. Juni 1941 gab es acht motorisierte Entgiftung-Abteilungen, davon drei Straßen-Bataillone, welche sich alle beim Truppenaufmarsch im Osten gegen die Sowjetunion befanden. Beide Raketentypen konnten für vorbereitendes Sperrfeuer eingesetzt werden, wie dies zum Beispiel während der Belagerung von Sewastopol 1942 geschah. Doch das bisher beschriebene Abschusserfahren war statisch und um einen gewissen Grad von Mobilität zu erreichen, wurde der 32-cm Nebelwerfer 41 entwickelt. Dies war ein einfacher Anhänger mit einem Abschuss-Rahmen für sechs Raketen in zwei übereinander angeordneten Reihen zu je drei Stück. Nach dem 15-cm Nebelwerfer 41 wurde dieser zur wichtigsten Ausstattung der ersten Nebelwerfer-Einheiten. Ein weiterer, mobiler Werfer für diese Raketen war der schwere Wurfrahmen 40, bei dem sechs Abschuss-Rahmen an die Seiten des Halbkettenfahrzeugs SdKfz 251/1 montiert wurden. Dabei wurden die Raketen an den Seitenhalterungen montiert, wobei sie sich immer noch in ihren Transportkisten befanden. Gezielt wurde einfach damit, dass das Fahrzeug in Richtung des Zielgebietes aufgestellt wurde und die Raketen wurden eine nach der anderen und einer festgelegten Reihenfolge abgefeuert. Diese Kombination aus Abschussfahrzeug und Raketen hatte verschiedene Namen, wurde aber oft als ‘Stuka zu Fuß’ oder ‘Heulende Kuh’ bezeichnet. Dieses Waffensystem wurde öfters für die Unterstützung bei Operationen von Panzerverbänden verwendet, insbesondere in der Anfangszeit von Unternehmen Barbarossa, dem Angriff auf die Sowjetunion. Im weiteren Verlauf des Krieges wurden auch andere Fahrzeuge, vor allem französische oder andere erbeutete Fahrzeuge verwendet, um noch mehr mobile Werfer zur Verfügung zu haben. Alle möglichen Typen von leicht gepanzerter Fahrzeuge wurden für diesen Zweck verwendet, wobei einige nur vier Abschuss-Rahmen trugen. Viele dieser Fahrzeug-Improvisationen wurden während der Kämpfe in der Normandie im Sommer 1944 eingesetzt. Am 22. Juni 1941, mit Beginn des Krieges gegen Russland, verfügte das deutsche Heer über vier motorisierte Spezial-Hauptquartiere für Raketenwerfer, fünf Nebelwerfer-Regimenter mit dem 15 cm Nebelwerfer 41, sieben motorisierte Nebelwerfer-Bataillone und eine unabhängige Batterie sowie die acht motorisierte Entgiftung-Abteilungen mit dem Wurfkörper Spreng bzw. Wurfkörper Flamm. All diese Verbände waren Anfangs in Russland eingesetzt. Über die Wirkung der Nebelwerfer zu Beginn des Krieges in Russland lässt sich der wohl fähigste deutsche Stratege des Zweiten Weltkriegs, der spätere Feldmarschall von Manstein (1887-1973), welcher zu diesem Zeitpunkt kommandierender General des 56. Panzer-Korps bei der Heeresgruppe Nord war, in seinen Erinnerungen wie folgt kurz aus: Beim tiefen Vorstoß des Panzer-Korps auf Leningrad Mitte Juli 1941 wurde dieses vorübergehend zwischen dem Peipus- und Illmen-See von seinen rückwärtigen Verbindungen getrennt. Dabei gelang es sowjetischen Truppen auf den Nachschubstraßen einen deutschen Tross zu überwältigen und geheime Kommandosachen zu erbeuten. Dies wurde von Radio Moskau freudig gefeiert, handelte es sich dabei doch um die streng geheimen Dienstvorschriften für die neuen deutschen Nebelwerfer. Diese neue Waffe, welche auch Flammöl-Geschosse verfeuern konnte, war der Roten Armee offensichtlich besonders ein Dorn im Auge. So meldete sich die den Verbänden Mansteins gegenüber befindliche sowjetische Armee offen über Funk an die Deutschen, wenn diese die ‘Spielereien’ mit dem Flammöl nicht einstellen würden, so müssten sie zum Gaskrieg übergehen. 30-cm Wurfkörper 42 Verglichen mit den vorausgegangenen 28-cm und 32-cm-Raketen, war der Wurfkörper 42 Spreng oder auch Wurfkörper Spreng 4491 eine deutliche Verbesserung gegenüber den früheren Entwürfen, als dieser bei der Nebelwerfer-Artillerie Ende 1942 erschien. Nicht nur war seine Aerodynamik ein viel glatter und sauberer Entwurf, sondern er hatte auch noch den größten Anteil an Sprengstoff im Verhältnis zum Treibstoff aller deutschen Artillerie-Raketen. Für die Soldaten im Feld waren diese Vorzüge jedoch weniger wichtig als der Umstand, dass die neue Rakete ein fortschrittlicheres Treibmittel verwendete, was weniger Rauch und Abgasspuren erzeugte und damit die Feuerstellung der Raketenwerfer-Batterie nicht so leicht erkennen ließ. Dazu hatte die 30-cm-Rakete auch noch einen erheblichen Vorteil in der Reichweite gegenüber allen existierenden Typen und konnte theoretisch bis auf Ziele in 6.000 Metern Entfernung verschossen werden. Im praktischen Einsatz erfolgte der Abschuss aber nur über etwa 4.550 mehr …

  • Belgische Soldaten 1940

    Belgische Armee, Luftwaffe und Marine beim deutschen Angriff im Mai 1940. Organisation, Uniformen, Stärke und Ausrüstung. Belgische Armee Im Jahre 1914 wurde das neutrale Belgien von den deutschen Armeen überrollt und mußte vier Jahre Stellungskrieg über sich ergehen lassen. Nachdem Hitler 1936 das Rheinland wieder militärisch besetzt hat lassen, rückte diese Gefahr erneut in das Bewusstsein der Belgier. Der Wehrdienst wurde von 8 auf 12 Monate verlängert, der Verteidigungshaushalt stieg um 15 Prozent und neue Verteidigungsanlagen wurden errichtet. Aber all dies konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das militärische Denken sich seit den Tagen des Stellungskrieges des Ersten Weltkriegs nicht weiterentwickelt hatte. Zum Beispiel wurden Panzerkampfwagen ausschließlich als eine offensive Waffe angesehen und da die Armee Belgiens eine rein defensive Rolle hatte, gab es auch keine Panzereinheiten. Belgien stellte 22 Divisionen gegen die einfallenden Truppen der deutschen Heeresgruppe B im Mai 1940 und die Hartnäckigkeit der belgischen Infanterie überraschte die Deutschen anfangs. Dennoch befand sich die belgische Armee binnen zwei Wochen an einem Punkt, an dem der Zusammenbruch abzusehen war und am 28. Mai kapitulierten die letzten Einheiten. Nach 18 Tagen des Kampfes hatten die belgischen Streitkräfte 23.350 Gefallene und Verwundete zu beklagen. Organisation der belgischen Armee Die in Friedenszeiten 100.000 Mann starke belgische Armee, unter dem Oberbefehl ihres Königs Leopold, war zwar im Grunde zwar ein ‘stehendes Heer’, aber eines welches von den jährlichen Wehrpflichtigen getragen wurde. Die Gesamtstärke bei der Mobilisation lag in der Größenordnung von etwa 550.000 Soldaten, was für ein kleines Land mit acht Millionen Einwohner eine bemerkenswerte Leistung war. Das Land war unterteilt in drei Armeekorps, welche in Brüssel, Antwerpen und Liege stationiert waren, sowie ein Kavallerie-Korps in Brüssel, eine Heeres-Artillerie-Brigade in Antwerpen, die Ardennen-Schützen in Namur, sowie drei Grenzerzschutz-Bataillone auf Fahrrädern, sechs unabhängige Infanterie- und zwei Kavallerie-Divisionen. Jedes Armeekorps bestand aus dem Stab, zwei Infanterie-Divisionen, einem Korps-Artillerie-Regiment und einem Pionier-Regiment. Eine Infanterie-Division hatte einen Stab und drei Infanterie-Regimenter. Jedes Regiment verfügte über 3.000 Mann, bewaffnet mit dem belgischen Mauser M35 Gewehr. Die Unterstützungswaffen des Regiments bestanden aus 108 leichte Maschinengewehre Browning M30, 52 schwere Maschinengewehre Maxim M08, 108 leichte Granatwerfer, 9 schwere Granatwerfer und Infanteriegeschütze, 6 Panzerabwehr-Kanonen. Das Korps-Artillerie-Regiment hatte vier Bataillone, jedes mit zwei Batterien. Der Transport erfolgte teilweise mit Pferdefuhrwerken und teilweise motorisiert. Die Korps-Geschütze bestanden aus 16 Schneider 155 mm M7 Feldhaubitzen, 8 Schneider 105 mm M13 Kanonen und 8 Cockerill 120-mm-M32-Feldkanonen. Kurz vor dem Krieg gab es einen eiligen Versuch, die Beweglichkeit zu erhöhen und eine der beiden Ardennen-Schützen-Divisionen und die beiden Divisionen des Kavallerie-Korps erhielten Kraftfahrzeuge. Das motorisierte Kavallerie-Korps bestand dann aus dem Stab, zwei Kavallerie-Divisionen, einem Korps-Artillerie-Regiment und einem Fahrrad-Pionier-Bataillon. Eine Kavallerie-Division hatte drei gemischte Regimenter, jedes mit einem Bataillon aus Kavallerie, ein Bataillon von Kradschützen, eine Panzerwagen-Schwadron und eine Trainings-Schwadron. Die gesamte belgische Armee verfügte nur über 42 Panzer. Divisionen der belgischen Armee 1940: Uniformen der belgischen Armee Während des Ersten Weltkrieges übernahm die belgische Armee Khakifarbene Uniformen, hauptsächlich deswegen, weil die Briten genug ihrer Uniformteile liefern konnten, um die veralteten farbigen Uniformstücke der Belgier zu ersetzen. Die belgischen Soldaten von 1939 hatten aber zwischenzeitlich eher das Aussehen von Franzosen, welches vor allem durch den französischen Adrian-Stahlhelm und der Gewohnheit, die Mantelröcke zurückgeklappt zu tragen, betont wurde. In vollständigen Kontrast sahen die Offiziere dafür wie Briten aus, insbesondere nach 1935, als eine offene Tunika mit Kragen und Krawatte eingeführt wurde. Das Ardennen-Schützen-Korps trugen eine Variante der Basis-Uniform mit einem grünen Barett mit Eberkopf-Abzeichen, eine kürze Version des Mantels und lange Leder-Gamaschen. Mechanisierte Truppen erhielten entweder einen Faserhelm belgischer Art oder den französischen Stahlhelm für motorisierte Truppen, welche beide vorne mit einem Löwenkopf geschmückt waren. Zusätzlich erhielten die mechanisierten Truppen eine Lederjacke und eine Hose mit langen Leggings, oder einen einteiligen Lederüberzug. Rangabzeichen: Rangabzeichen waren auf der Schirmmütze, Seitenkappe und auf den Kragenstücken und Schulterstücken vorhanden. Andere Ränge trugen ihre Rangabzeichen auch als Ärmelabzeichen. Das hauptsächliche Verfahren, die Waffengattung zu identifizieren, war die Waffenfarbe auf den Kragenstücken und Kordeln an diesen. Zusätzlich gab es eine umfangreiche Serie von gelben Metallabzeichen, welche an der Kopfbedeckung, Kragenstücken und an den Schulterstücken angebracht waren. Schließlich wurden eine Reihe von Stabs- oder administrativen Funktionen durch gestickte Abzeichen auf den Kragenstücken und manchmal auch auf der Vorderseite der Schirmmütze angezeigt. Belgische Luftwaffe Am 1. März 1920 wurde die belgische Luftwaffe als Teil des Heeres aufgestellt. Von Anfang an bis zum Ausbruch des Krieges war die Luftwaffe durch einen Mangel von modernen Flugzeugen geplagt. Während das Land ein eigenes Jagdflugzeug entwickelte (die Renard R-36), musste es Flugzeuge aus England und den USA importieren. Als die deutsche Wehrmacht angriff, waren nur 180 der 234 belgischen Flugzeuge einsatzbereit. Die meisten von diesen waren veraltet, und nur eine der wenigen modernen Hawker Hurricane überstand den ersten Luftangriff auf den Flugplatz Schaffen, bevor die Flugzeuge verteilt werden konnten. Im Mai 1940 wurde die L’Aeronautique Militaire Belge mit dem Luftbeobachtungsdienst und der Flak zur Heimatluftverteidigung (Defense Aeronautique du Territoire oder kurz DAT) zusammengelegt. Die belgische Luftwaffe bestand aus drei Regimentern: das 1. Regiment war die Beobachtungs- und Verbindungseinheit für die Armee, das 2. das Jagdflieger-Regiment und das 3. ein Aufklärer- und Bomber-Regiment. Zusätzlich gab es ein Unterstützungs-Regiment mit Hilfs- und Betankungs-Kompanien. Das 1. Luftwaffen-Regiment bestand aus sechs Staffeln mit zusammen 62 einsatzbereiten Maschinen. Das 2. Luftwaffen-Regiment hatte sechs Staffeln mit insgesamt 79 Flugzeugen. Das 3. Luftwaffen-Regiment verfügte über 41 Flugzeuge in vier Staffeln. Jede Flugzeug-Staffel hatte eine zusätzliche Flugabwehrkanonen-Einheit (Escadrille de Parc). Uniformen der belgischen Luftwaffe Es gab zwei grundlegende Uniformen in der belgischen Luftwaffe. Die erste war die der Armee, da die Luftwaffe nur eine Waffengattung von dieser war. Die zweite Uniform war eine blau-graue Luftwaffen-Uniform, welche für das reguläre Flugpersonal eingeführt worden war. 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Trotz der zuvor fortschreitenden Verschlechterung der diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und Japan glaubten die meisten objektiven Beobachter, dass die Führer Japans keine Notwendigkeit hätten, sich auf einen Krieg mit Amerika einzulassen. Denn die mineralreichen britischen, französischen und niederländischen Besitzungen im Fernen Osten lagen mehr oder weniger ungeschützt vor ihrer Haustür, während das deutsche Unternehmen Barbarossa ähnliche Möglichkeiten zur Expansion in Ostsibirien und dem Fernen Osten Russlands boten. Sie rechneten jedoch nicht mit der grenzenlosen Arroganz, der politischen Naivität und schierer Dummheit der militärischen Clique, die von General Tojo geleitet wurde, welcher im Oktober 1941 die absolute Kontrolle über die japanische Regierung erlangt hatte. Sie hatten auch nicht die hervorstechenden Eitelkeiten des japanischen Marine-Oberbefehlshabers berücksichtigt. Kriegstagebücher zu den einzelnen Monaten des Jahres 1942 Admiral Yamamoto hatte sich seit vielen Jahren stark für die Entwicklung des Flugzeugträgers eingesetzt. Im November 1941 konnte er sechs schnelle und große Flugzeugträger einsetzen, die mehr als 350 moderne und leistungsfähige Flugzeuge aufnehmen konnten, von denen viele mit dem neuen ‘Tarent-Typ’-Torpedos bewaffnet waren, welcher entworfen war, um auch in flachem Wasser abgeworfen werden zu können. Dazu kamen panzerbrechende Bomben für die Träger-Sturzkampfflugzeuge. Noch beeindruckender waren die Zero-Jäger, die ersten von Trägern aus eingesetzten Jagdflugzeuge, welche ihren Kontrahenten auf dem Land überlegen waren. Doch trotz der scheinbar uneingeschränkten Begeisterung für diese neuen Waffen, blieb Yamamoto im Herzen ein Traditionalist. Er verpasste es, die drei US-Flottenträger, welche sich an diesem Tag außerhalb von Pearl Harbor auf See befanden, zu suchen und zu vernichten. Zufrieden mit der Versenkung von fünf Schlachtschiffen und der Zerstörung von 188 Flugzeugen, war Yamamoto davon überzeugt, dass die später kommende, entscheidende Schlacht auf dem offenen Meer zwischen den ‘Resten’ der US-Marine und der japanischen Vereinigten Flotte mithilfe seines Flaggschiffs, dem Super-Schlachtschiff Yamato, und den anderen 10 Schlachtschiffen, den Tag entscheiden würden. Yamamoto klammerte sich hartnäckig an seine geheime Leidenschaft für die mächtigen Schlachtschiffe und sechs Monate später sollten diese unbegründeten und widersprüchlichen Vorstellungen in der Schlacht von Midway erheblich zur Zerschlagung der japanischen ‘Vereinigten Flotte’ beitragen. Da sich die Japaner bewusst dafür entschieden hatten, eine Schlüsselstellung einer der größten Mächte der Welt anzugreifen, wären sie gut beraten gewesen, den größtmöglichen Schaden zuzufügen. Vor dem Abdrehen hätte der japanische Träger-Kampfverband zumindest noch eine dritte Welle von Flugzeugen startet sollen, welche die noch unbeschädigten Installationen und Vorratslager – einschließlich der lange angesammelten, fast unersetzlichen Kraftstoffreserven – zerstört hätten. Somit wurde Yamamotos Angriff auf Pearl Harbor, trotz aller katastrophalen Kurzzeit-Effekte, nur zu einem glorifizierten Überfall. Als es vorbei war, zog sich die japanische Flotte heimlich in die riesigen, leeren Weiten des Nordpazifik zurück, so schnell wie sie gekommen war. Eine Frage kann nicht unbeantwortet bleiben. Hätte Yamamoto wirklich an diesem schicksalhaften Sonntag Pearl Harbor überhaupt angreifen müssen ? Wäre es nicht stattdessen besser gewesen auf Zeit zu spielen ? Viele Experten haben sich darauf festgelegt, dass, wenn die Japaner nur den Rest ihrer komplexen Offensivstrategie – einschließlich der Invasion der amerikanischen Philippinen – durchgeführt hätten, dann wäre die US-Pazifikflotte gezwungen worden, Pearl Harbor zu verlassen und sich auf die lange Reise in den West-Pazifik zu machen. Dort wäre sie den Japanern praktisch in deren Heimatgewässern begegnet, wo diese auch ihre mächtige Bomberstreitmacht von Landstützpunkten aus hätten einsetzen können, wie es die britischen Schlachtschiffe HMS Prince of Wales und Repulse zu spüren bekamen. Nicht nur waren Tojo und Yamamoto dafür verantwortlich, einen unvollständigen und zum falschen Zeitpunkt durchgeführten Überfall befohlen zu haben, sie zeigten auch einen erstaunlichen Mangel an politischem Verständnis. 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In den USA herrschte ein starkes Gefühl vor, den Krieg im Pazifik als ‘unseren Krieg’ und den europäischen Krieg als ‘ihren Krieg’ zu betrachten und alle Anstrengungen gegen Japan zu konzentrieren. Unter der Führung von Roosevelt verpflichtete sich Amerika dann aber zu einer ‘Deutschland-zuerst-Politik’, welche den Verlauf und das Ergebnis des 2. Weltkrieges bestimmen sollte. Im Jahr 1940 produzierte Amerika, das ‘große Arsenal der Demokratie’, nur begrenzte Mengen von militärischer Ausrüstung. Drei Jahre später überstieg die US-Rüstungsproduktion diejenige von Deutschland, Italien und Japan zusammen. Dazu haben bis 1945 15 Millionen Amerikaner in den US-Streitkräften gedient. Entscheidungsschlacht Stalingrad Das zweite wichtige Ereignis im Jahr 1942 war die Schlacht um Stalingrad. Adolf Hitler überließ die Eroberung von Stalingrad im Sommer 1942 den 20 Divisionen der 6. Armee, welche vom Donez-Becken nach Osten vormarschierten und an ihrer rechten Flanke von der 4. 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5 Kommentare zu „Wieso griff Hitler Russland an ?“

  1. “Und sie (die Entscheidung, die SU anzugreifen) war ohne direkte Not gefällt worden, also keineswegs, um einem unmittelbaren Angriff der Sowjetunion zuvorzukommen” (https://www.weltkrieg2.de/wieso-griff-hitler-russland-an/)

    widerspricht

    Ihrem Kommentar zu Molotovs Forderungen:
    “Da Hitler also nicht das Glücksspiel um die Weltmacht zu seinen Bedingungen und Zeitpunkt beenden konnte und die Chancen auf längere Sicht gegen Deutschland standen und da es auch keine ‘Ausstiegsklausel’ gab, konnte er nur – wie immer – den nächsten kühnen Schritt nach vorne wagen”(https://www.weltkrieg2.de/hatte-hitler-alternativen-zum-russland-feldzug/)

  2. Ansichtssache

    https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Halder
    Der Posten Becks wurde zum 1. September 1938[3] Halder übertragen. Halder und Beck gehörten einer Gruppe von Verschwörern an, die für den Fall einer militärischen Reaktion Großbritanniens auf die Sudetenkrise 1938 die Absetzung Hitlers geplant hatten. Das Münchner Abkommen mit den Zugeständnissen Chamberlains an Hitler entzog dem Kreis der Verschwörer, der hauptsächlich aus hochrangigen Militärs bestand, jede plausible Rechtfertigung für einen Putsch

    Hm ein Verräter aus dem Militär, das macht ihn irgendwie nicht sehr glaubwürdig.

  3. Bereits einen Tag vor Halifax Rede hatte Hitler die kategorische Ablehnung seines ‘Appels’ akzeptiert und vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht erstmals über die Möglichkeit gesprochen, noch im selben Herbst die Sowjetunion anzugreifen.

    Da hätte ich dann doch gerne die genaue Quelle und den exakten Wortlaut … denn es fällt mir mehr als schwer zu glauben, daß Hitler ausgerechnet im Herbst – also kurz vor dem (russischen!) Winter (von dem auch der deutschen Führung wohl bekannt gewesen war, daß es dort hin und wieder zu … nun ja, Frost kam) – die Sowjetunion hätte angreifen wollen.

    Denn wenn die Wehrmacht eineinhalb Jahre später feststellen mußte, daß sie keine Winterausrüstung hatte (z.B. entsprechende Öle und Schmierstoffe für die Panzer und Fahrzeuge), dann hätte sie im Herbst 1940 erst recht keine gehabt. Von daher also: Bitte Quelle und genauen Wortlaut der Hitlerschen Überlegungen.

    Ach, und … nur so nebenbei: Es handelte sich bei dem stattgefunden habenden Krieg um einen Krieg gegen die Sowjetunion und nicht gegen Rußland – diese beiden politischen Entitäten waren vollkommen unterschiedliche Gebilde, wenngleich die Sowjetunion zweifellos sozusagen ‘russische Gene’ hatte.

    Und sie war ohne direkte Not gefällt worden, also keineswegs, um einem unmittelbaren Angriff der Sowjetunion zuvor zu kommen. Diese Rechtfertigung wurde erst später vorgeschoben, selbst Hitler hatte noch zehn Tage zuvor festgestellt, daß Russland keinen Krieg mit Deutschland wolle.

    Auf welchen Termin beziehen Sie die “noch zehn Tage zuvor…” – zehn Tage vor welchem Zeitpunkt also?

    Davon abgesehen hat Suworov (Resun) den Zeitpunkt des (eigentlichen) Beginns des Zweiten Weltkrieges auf den 19. August 1939 (Politbürositzung) festgelegt, an dem natürlich auch implizit der Angriff auf das Deutsche Reich beschlossen wurde.

    1. 1) Halder, Kriegstagebuch Band II, S. 21 (Eintrag 13. Juli 1940). Im übrigen wollte Hitler sogar im Winter 1939/40 mehrmals Frankreuch angreifen, also kein ungewöhnlicher Wunsch des Führers auf einen schnellen ‘Blitzkrieg’ unter risikoreichen Bedingungen.
      2) Nur nebenbei: Ich verwende in allen Beiträgen gewöhnlich ‘Russland’ statt ‘Sowjetunion’ so wie oft ‘Deutschland’ statt ‘Deutsches Reich’ da in unserer Zeit und zumeist jüngere Menschen diese Begriffe leichter einordnen können und sie auch gängigerer handbar sind und zudem den gleichen Staat repräsentieren, welcher ja lediglich knapp über 70 Jahre der vielen Jahrhunderte russischer Geschichte ausmachen (KISS-Prinzip: Keep it simple and stupid)
      3) Halders Kriegstagebuch Band II, S.33 – Eintrag vom, 21. Juli 1940.
      Die gesamten Quellen und Angaben können Sie gerne in ‘Wendepunkte – Schlüsselentscheidungen des 2. Weltkriegs’ nachschlagen (siehe Buch-Anzeige im Artikel).

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