Mark VIII Liberty-Tank

Amerikanischer schwerer PanzerLiberty-Tank‘ oder ‚International‘.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Bilder und 3d-Modell.

Mark VIII
Mark VIII

Mark VIII (Liberty-Tank, International)

Mark VIII (Liberty-Tank, International)
Typ: Schwerer Infanterie-Panzer.

Der Mark VIII Liberty Tank, auch bekannt als ‚International Tank‘ oder ‚Anglo-American Tank‘, war ein schwerer Panzer, der während des Ersten Weltkriegs als gemeinsames Projekt der Vereinigten Staaten und Großbritanniens entwickelt und hergestellt wurde.

Überblick

Entwicklung: Er wurde in den Jahren 1917-1918 in Zusammenarbeit entwickelt, um einen standardisierten schweren Panzer für die alliierten Streitkräfte zu schaffen.
Konstruktion: Der Panzer war größer als vorausgegangene schwere britische Panzer und wies eine länglichere Form mit verbesserter Mobilität auf.
Besatzung: Für den effektiven Einsatz war eine Besatzung von 11-12 Mann erforderlich.
Bewaffnung: Die Hauptbewaffnung bestand aus zwei 6-Pfünder-Kanonen (57 mm), die sich auf beiden Seiten des Rumpfes befanden, sowie aus bis zu fünf Maschinengewehren.
Panzerung: Die Panzerung war bis zu 16 mm dick, was für die damalige Zeit als sehr stark angesehen wurde.
Motor: Der Panzer wurde von einem 300 PS starken V12 Liberty-Flugzeugmotor angetrieben.
Produktion: Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs wurden nur wenige Exemplare hergestellt, die meisten wurden nach Kriegsende fertiggestellt.
Einsatz: Da die Mark VIII erst spät verfügbar war, wurde sie im Ersten Weltkrieg nicht eingesetzt. Einige Exemplare wurden von der US-Armee bis in die 1930er Jahre zu Ausbildungszwecken weiter verwendet.
Historische Bedeutung: Obwohl der Mark VIII nicht im Kampf eingesetzt wurde, stellte er einen wichtigen Schritt in der Panzerkonstruktion und der internationalen Zusammenarbeit in der Militärtechnologie dar.
Einfluss: Die bei diesem Projekt gewonnenen Erfahrungen beeinflussten künftige Panzerkonstruktionen sowohl in den USA als auch in Großbritannien.

Der Mark VIII Liberty Tank ist ein interessantes Beispiel für die Militärtechnik des frühen 20. Jahrhunderts und die internationale Zusammenarbeit bei der Waffenentwicklung.

Geschichte

Mark VIII
Der einzige noch existierende Mark VIII im RAC Tank Museum.

Im Jahr 1916 beauftragte General John J. Pershing einen Offizier mit der Planung einer Panzereinheit für die US Army. Dieser Offizier, Major James Drain, wurde nach London gesandt, wo er seine Aufgabe mit Oberstleutnant Albert Stern diskutierte, der zum Vorsitzenden des Royal Naval Air Service Landships Committee ernannt worden war.
Es wurde ein vorläufiger Auftrag über 600 Mark VI erteilt, doch im September 1917 emp­fahl Major Drain, diesen durch den damals gerade in der Entwicklung befindlichen Mark VIII zu ersetzen. Damals waren die Vorteile einer alliierten Standardisierung so augenscheinlich, dass der Vorschlag gemacht wurde, die britischen Erfahrungen mit den amerikanischen Produktionsmöglichkeiten zu vereinigen.
So wurde Winston Churchill am 11. November 1917 ein Vertragsentwurf übermit­telt, nach dem zur Entwicklung und zum Bau eines neuen Panzers die britischen und amerikanischen Möglichkeiten zusammengefasst werden sollten. Montiert werden sollte das neue Fahrzeug in einem neuen Werk in Frank­reich. Churchill stimmte dem Vorschlag im Dezember zu und Anfang 1918 wurde der britisch-amerikanische Pan­zervertrag von dem britischen Außenminister Arthur Bal­four und dem amerikanischen Botschafter Walter Page in London unterzeichnet.

Die Entwurfsarbeit, für deren Zeichnungen Leutnant G. J. Rackham verantwortlich war, wurden vom Mechanical Warfare Supply Department des Rüstungsministeriums übernommen. Großbritan­nien sollte die Panzerplatten, die Strukturelemente, die Ketten und die Laufrollen liefern. Die USA hatten die Antriebselemente zu liefern und Frankreich sollte die Fabrikanlagen für die Montage mit britischer Bauausrü­stung errichten. Die erste Sitzung der alliierten Panzer­kommission fand am 4. Dezember 1917 in Frankreich statt. Man beschloss eine Anfangsproduktion von 300 Fahrzeugen im Monat, die später auf 1200 steigen sollte.

Der Idealismus, der sich in der Übereinkunft ausdrückte, wurde unglücklicherweise von einigen Ereignissen über­schattet. Die deutsche März-Offensive von 1918 führte zu schweren britischen Materialverlusten und Fehler im amerikanischen Flugzeugprogramm machten es unmög­lich, die für den Panzerbau vorgesehenen Liberty-Moto­ren bereitzustellen. So waren zur Zeit des Waffenstill­standes 1918 in Großbritannien nur etwa Teile für 100 Fahrzeuge fertig, während die USA genügend Material für die Hälfte der zunächst 2950 geplanten Fahrzeuge hatte.

Frankreich zog sich eine Woche nach dem Waffen­stillstand aus dem Unternehmen zurück und die britische Begeisterung hatte nach den Verlusten im März 1918 ebenfalls stark abgenommen. So blieb den USA nichts anderes übrig, als 1919 im Rock-Island-Arsenal 100 Pan­zer aus von Großbritannien gekauften Teilen zu montie­ren. Die US-Armee hatte diese Panzer bis 1932 im Dienst, dann wurden sie zurückgezogen und eingemottet.
1940 wurden etwa 90 zum Schrottpreis an Kanada geliefert, wo sie den Grundstock zu General Worthingtons Panzer­-Korps bildeten.

Mark VIII für Kanada
Mark VIII werden für den Abtransport nach Kanada im September 1940 bereitgestellt.

Der Mark VIII hatte noch ganz die Rhomboid-Form der Panzer aus dem 1. Weltkrieg und war so ausgelegt, dass er Gräben bis 4,40 m überschreiten konnte. Die Wanne war aus vergüteten Stahlplatten genietet und vorn und an den Seiten 22 mm dick – an den übrigen Teilen etwas schwächer.
Erstmals wurde der hintere Motorraum vom Kampfraum durch ein Schott getrennt. Der Kampfraum hatte Oberdruck, sodass Qualm, Hitze, Lärm – aber auch die Brandgefahr – ver­mindert wurden. Dies war der erste Versuch, etwas menschliche Bedingungen in einem Panzer zu verwirkli­chen. Unglücklicherweise war es immer noch nötig, dass ein Mechaniker sich im Motorraum aufhielt – und dessen Arbeitsbedingungen wurden natürlich durch diese Neu­heit verschlechtert.

Der Mark VIII hatte ein von Major W. G. Wilson entwickeltes Steuersystem (vermutlich die erste praktische Anwendung der Getriebesteuerung), das die Motorkraft je nach Steuerausschlag auf die bei­den Ketten verteilte, statt sie, wie bisher, nur auf einer Seite abzubremsen.
Probleme gab es beim Mark VIII mit der Motorkühlung, sodass der Panzer die Höchstge­schwindigkeit nie für lange Zeit halten konnte – sehr zur Erleichterung des Mechanikers im Motorraum. Erst 1929 versuchte man, die Motorkühlung zu verbessern. Ob­gleich der Mark VIII niemals eingesetzt wurde, ist er doch beispielhaft für den ersten Versuch einer Zusammenarbeit mehrerer Länder.

Ohne den Waffenstillstand hätte die Produktion des Mark VIII 1919 alle anderen alliierten Panzerprogramme weit hinter sich gelassen.

Benutzer: US Army, später Kanada.


Animation 3d-Modell Mark VIII


Spezifikationen Mark VIII

Spezifikationen:

Mark VIII
Spezifikation
Typ
Schwerer Infanteriepanzer
Besatzung
10-12 Mann
Bewaffnung
2 x 6-Pfünder-QF-Kanonen in Kasematten, je Seite eine.
Sekundär-Bewaffnung
bis zu 7 x 7,62-mm-Browning-MG in Panzerblenden
Länge
10,40 m
Breite
2,81 m
Höhe
3,12 m
Panzerung
6-22 mm
Kampfgewicht
37.594 - 44.707 kg
Bodendruck
ca. 0,37 kg/cm²
Leistungsgewicht
ca. 9 PS/t
Antrieb
Liberty V-12 wassergekühlter Flugzeugmotor mit 338 PS bei 1.400 U/min.
Strassengeschwindigkeit
10,4 km/h
Fahrbereich (Strasse)
80 km
Kletterfähigkeit
1,30 m
Grabenüberschreitfähigkeit
4,40 m
Steigfähigkeit
unbekannt, aber als 'gut' deklariert
Indienststellung
1920
Bauzahl
100
Stückpreis
85.000 US-Dollar (Preise von 1919)


Quellenangaben und Literatur

Panzer und andere Kampffahrzeuge von 1916 bis heute (Christopher F. Foss, John F. Milsom, Colonel John Stafford Weeks, Captain Georffrey Tillotson, Richard M. Ogorkiewicz)
Panzerkampfwagen des 1. und 2. Weltkrieges (Andrew Kershaw)
British and American Tanks of World War II (Peter Chamberlain, Chris Ellis)

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