Kriegsgliederungen der Wehrmacht


Die Wehrmacht-Kriegsgliederungen im Zweiten Weltkrieg.

Ausbildung von Wehrmacht-Soldaten
Ausbildung von Wehrmacht-Soldaten 1940. Foto des Großvaters des Autors.

Kriegsgliederungen der Wehrmacht im 2. Weltkrieg

Der Begriff Kriegsgliederung bezieht sich auf die Organisation, Struktur und Disposition von Streitkräften für eine bestimmte Operation oder Feldzugs. Während des Zweiten Weltkriegs unterhielt die Wehrmacht, die zusammengefassten Streitkräfte des nationalsozialistischen Deutschlands, verschiedene Kriegsgliederungen für Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen. Diese Kriegsgliederungen wurden im Laufe des Krieges aufgrund von Faktoren wie Verlusten, Verstärkungen und Änderungen der strategischen Ziele weiterentwickelt.

Hier ist ein allgemeiner Überblick über die Schlachtordnungen der Wehrmacht:

Heer: Das deutsche Heer war der größte Teil der Wehrmacht und bestand aus Infanterie, Panzern, Artillerie, Pionieren und verschiedenen Unterstützungseinheiten. Es war in Divisionen gegliedert, bei denen es sich um Infanterie-Divisionen, Panzer-Divisionen, motorisierte Divisionen und andere handeln konnte, von denen jede ihre eigene Zusammensetzung und Fähigkeiten hatte.
Zu den übergeordneten Verbänden gehörten Korps, Armeen und Heeresgruppen, die mehrere Divisionen kontrollierten und die Operationen innerhalb eines Kriegsschauplatzes koordinierten.

Kriegsmarine: Die Kriegsmarine umfasste Überwasserschiffe, U-Boote, Marineflieger und Marineinfanterie. Ihre Kriegsgliederung umfasste Flottenelemente wie Schlachtschiffe, Kreuzer, Zerstörer und U-Boote sowie kleinere Schiffe wie Torpedoboote und Minensuchboote.
Die Kriegsmarine unterhielt auch Marinestützpunkte und Küstenverteidigungsanlagen, insbesondere im Atlantik, in der Ostsee und im Mittelmeer.

Luftwaffe: Die Luftwaffe war für die Luftkriegsführung zuständig und verfügte über Jagdflugzeuge, Bomber, Aufklärungsflugzeuge und Transportflugzeuge. Ihre Kriegsgliederung umfasste Luftflotten, die Gruppen von Staffeln und Flügeln in bestimmten geografischen Gebieten kontrollierten.
Taktische Lufteinheiten unterstützten Bodenoperationen, indem sie Heeresverbände aus der Luft unterstützten und Bombermissionen gegen feindliche Kräfte und Infrastrukturen durchführten.

Je nach Einsatzgebiet, strategischen Zielen und verfügbaren Ressourcen variierten diese Kampfeinheiten in Größe, Zusammensetzung und Einsatz. Sie waren ständigen Anpassungen unterworfen, die von den Bedingungen auf dem Schlachtfeld, feindlichen Aktionen und dem allgemeinen Kriegsverlauf abhingen.

Das Studium der Schlachtordnungen bietet Einblicke in die Fähigkeiten, Stärken und Schwächen der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs und hilft Historikern, die Dynamik der durchgeführten deutschen militärischen Operationen zu verstehen.

Die ‚Schematischen Kriegsgliederungen‘ geben einen für den betreffenden Moment genauen Überblick über den Aufmarsch und die Unterstellungsverhältnisse des Feldheeres der Wehrmacht auf den einzelnen Kriegsschauplätzen. Diese ‚Schematischen Kriegsgliederungen‘ wurden jedoch erst am 8.6.1940 begonnen, jedoch bereits einige Wochen vor Beginn der Aufzeichnungen des eigentlichen Kriegstagebuchs des Oberkommandos der Wehrmacht ab August. Für den Zeitraum vom 1. September 1939 bis zum 31. Juli 1940 müssen die Kriegstagebuchaufzeichnungen des Wehrmachtführungsstabes als verloren gegangen angesehen werden.
Aus dem ersten Vierteljahr 1944 sind auch die genauen Kriegsgliederungen der Wehrmacht verloren gegangen, zusammen mit den meisten Aktenanlagen zum Kriegstagebuchs.

Die Stichtage für die Wehrmacht-Kriegsgliederungen waren im Einzelnen:

Im Jahr 1940: 9. Juni, 21. Juli, 1. August, 13. September, 7. Oktober, 7. November und 12. Dezember.
Im Jahr 1941: 15. Januar, 10. Februar, 12. März, 5. April, 1. Mai, 5. Juni, 1. Juli, 7. August, 3. September, 2. Oktober, 4. November und 4. Dezember.
Im Jahr 1942: 2. Januar, 6. Februar, 10. März, 5. April, 11. Mai, 8. Juni, 4. Juli, 5. August, 2. September, 8. Oktober, 5. November und 1. Dezember.
Im Jahr 1943: 1. Januar, 3. Februar, 4. März, 9. April, 1. Mai, 1. Juni, 7. Juli, 5. August, 5. September, 4. Oktober, 8. November und 3. Dezember.
Im Jahr 1944: 15. April, 15. Mai, 15. Juni, 15. Juli, 31. August, 16. September, 13. Oktober, 5. b.z.w 26. November und unvollständig 31. Dezember.
Im Jahr 1945: 19. Februar, 1. März, 12. April und 7. Mai.

Die auf Weltkrieg2.de veröffentlichen Kriegsgliederungen der Wehrmacht wurden vor allem dem Kriegstagebuch des Oberkommando der Wehrmacht und zuvor aus der Zusammenstellung aus Einzelunterlagen oder Quellen entnommen. Zusätzlich wurden sie noch mit Texten, Fotos und Kartenmaterial von den wichtigsten Ereignissen des aufgeführten Zeitpunktes ergänzt.


Während des Zweiten Weltkrieges wurden in Deutschland insgesamt 38 Panzer-Divisionen (einschließlich der Waffen-SS und Luftwaffe), 29 motorisierte Infanterie-Divisionen (b.z.w. Panzergrenadiere-Divisionen ab März 1943), 5 Kavallerie-Divisionen, 280 Infanterie-Divisionen (einschließlich Reserve-, Sicherungs- und Volks-Grenadier-Divisionen), 17 leichte oder Jäger-Divisionen, 13 Gebirgsjäger-Divisionen, 11 Luftlande- und Fallschirmjäger-Divisionen und 21 Luftwaffen-Feld-Divisionen aufgestellt, welche zum Zeitpunkt ihrer Existenz in den jeweiligen Kriegsgliederungen auftauchen.


Die Wehrmacht-Kriegsgliederungen

Pak 36 in Frankreich 1940
Der Westfeldzug 1940 und die Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht vom 8. Juni 1940. Phase 1 des Westfeldzugs: Überfall auf die Read more
Deutsche Truppen in Arnheim
Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 16. September 1944 beim alliierten Luftlande-Unternehmen 'Market Garden' bei Arnheim und der alliierte Vorstoss zum Rhein. Read more
Langstrecken-Jäger Ju 88C
Einsatzstärken und Ausstattung an Flugzeugen der deutschen Luftflotten am 20. September 1942. Die deutsche Luftwaffe in der zweiten Jahreshälfte 1942 Read more
Deutsche Panzer nach den ersten Grenzkämpfen in Polen
Aufmarsch, Soll-Stärken der Divisionen und Bestand an Panzerkampfwagen der deutschen Wehrmacht am 1. September 1939. Deutsche Kriegsgliederung zum Polenfeldzug und Read more
Totenkopf Panzer Charkow
Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht vom 1. Januar 1943 und die Schlacht von Charkow. Hier zum vorhergehenden Teil: Wehrmacht Kriegsgliederung Dezember Read more
Aufgesessene deutsche Infanterie auf Panzerkampfwagen III
Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 11. Mai 1942 und die Planung der Sommeroffensive (Fall Blau). Hier zum vorhergehenden Teil: Wehrmacht Kriegsgliederung Read more
deutsche Soldaten im Traktorenwerk Stalingrad
Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht vor Beginn der Schlacht um Stalingrad am 12. August 1942. Hier zum vorhergehenden Teil: Wehrmacht Kriegsgliederung Read more
Unteroffizier vor einer brennenden Hütte
Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 3. September 1941 und die Ostfront nach dem erfolgreichen Beginn des Unternehmen Barbarossa von Ende August Read more
die deutsche Luftwaffe in Polen
Einsatzstärken und Ausstattung an Flugzeugen der deutschen Luftflotten bei Kriegsbeginn und der Luftkrieg über Polen. Die deutsche Luftwaffe spielte eine Read more
Getarnte Feuerstellung einer Pak 43/41 am Rhein
Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 1. März 1945 vor der Überquerung des Rheins durch die Alliierten. Heeresgruppen, Armeen, Korps und Divisionen. Read more
PzKpfw III bei Kursk
Schlacht von Kursk im Juli 1943, die größte Panzerschlacht der Kriegsgeschichte und die Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 7.7.1943. Kursk, die Read more
Kolonne deutscher PzKpfw III, dicht besetzt mit Infanteristen
Die zweite und dritte sowjetische Gegenoffensive im Winter 1941/42 und die Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 22. April 1942. Hier zum Read more
Rommels 7. Panzer-Division
Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 10. Mai 1940 bei Beginn des Westfeldzugs. Aufmarsch und schematische Kriegsgliederung und die Entstehung des 'Sichelschnitt-Plans' Read more
Flak 88 bei Salerno
Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 4. Oktober 1943 und die Kapitulation Italiens. Die Aufstellung und Verteilung der Divisionen der Wehrmacht und Read more
deutsche Infanterie marschiert nach Russland hinein
Der Beginn des Russlandfeldzuges und Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht kurz nach Beginn des Unternehmens Barbarossa vom 27. Juni 1941 abends. Read more
Marsch einer deutschen Kolonne
Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht vom 26. Dezember 1943 Die südliche Ostfront im Winter 1943/44. Heeresgruppen, Armeen, Korps, Divisionen, Gesamtbestand und Read more
letzten Verteidiger von Berlin
Der Endkampf im Osten und die letzte deutsche Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 30. April 1945. Heeresgruppen, Armeen, Korps und Divisionen. Read more
Bf 109 G-14
Kriegsgliederung der Luftwaffe vom 10. Januar 1945: Einsatzstärken und Ausstattung mit Flugzeugen der deutschen Luftflotten in der letzten Kriegsphase. Kriegsgliederung Read more
Büffel-Bewegung
Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 9. April 1943 und die Situation an der Ostfront im Frühjahr 1943. Hier zum vorhergehenden Teil: Read more
PzKpfw IV Ausf.G erwarten auf einer Straße den russischen Gegenangriff
Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht vom 22. Dezember 1942 und der Kessel von Stalingrad. Hier zum vorhergehenden Teil: Wehrmacht Kriegsgliederung November Read more
Einmarsch deutscher Truppen in Paris.
Die Schlacht um Frankreich, Kriegsgliederung der Wehrmacht beim Waffenstillstand und Folgen. Hier zum vorhergehenden Teil: Wehrmacht Kriegsgliederung Westfeldzug. Schlacht um Read more
Vormarsch in Jugoslawien
Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 5. April 1941 beim Angriff auf Jugoslawien und Griechenland, Luftlandetruppe und Luftwaffe. Um seine Südflanke für Read more
T-34 bei der Stalingrad-Offensive
Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht kurz vor Beginn der sowjetischen Uranus-Operation am 15. November 1942. Hier zum vorhergehenden Teil: Wehrmacht Kriegsgliederung Read more
Panzerbataillon mit Königstiger
Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 26. November 1944 nach dem deutschen Rückzug vom Südost-Balkan im Anschluss an den Putsch in Rumänien. Read more
Russischer Gegenangriff bei Moskau.
Die sowjetische Winteroffensive 1941/42 ab dem 5./6. Dezember 1941 und die Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 2. Januar 1942. Die erste Read more
Deutsche Panzerspähwagen in der Donezsteppe
Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht vor Beginn der Sommeroffensive in Russland am 24. Juni 1942. Hier zum vorhergehenden Teil: Wehrmacht Kriegsgliederung Read more

Kriegstagebuch des OKW

Das Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht wurde anfangs von Helmuth Greiner geführt, welcher ursprünglich in der historischen Abteilung des Reichsarchivs beschäftigt war. Aufgrund seiner langen Erfahrung mit kriegsgeschichtlichen Werken wurde Greiner am 18. August 1939 zur Abteilung Landesverteidigung des Wehrmachtführungsamtes abkommandiert, um das ‚Kriegstagebuch‘ während des geplanten Polenfeldzugs zu erstellen. Erst am 1. April 1940 wurde er im eigentlichen OKW tätig.

Aufgrund seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus und einer Denunziation wurde er am 22. April 1943 aus dieser Stellung abberufen. Da er seinen Nachfolger, Rittmeister Prof. Dr. Schramm, noch einarbeiten musste, blieb er bis zum 31. Mai 1943 im OKW.

In verschiedenen Stellungen erlebte er das Kriegsende, bei dem er bis zu seiner Gefangennahme durch amerikanische Truppen Anfang April 1945 in Thüringen große Teile des Kriegstagebuchs des OKW retten konnte. Allerdings ging eine Kiste mit den Inhalten zum Kriegsbeginn bis Sommer 1940 verloren, welche wieder nach Berlin zurückgeschickt werden musste, als die Amerikaner in Gotha eindrangen. Diese Inhalte müssen von den Russen bei der Durchsuchung seiner Wohnung erbeutet worden sein, sind aber bis heute nicht mehr aufgetaucht.
Ebenso ist der Teil von April bis Juni 1943 nicht mehr aufzufinden, welcher aber zuletzt noch vom amerikanischen Ankläger im Nürnberger Prozess verwendet wurde.
In der Kriegsgefangenschaft erstellte er für die US Army eine Studie über den Wehrmachtführungsstab bis 1943 auf der Grundlage seiner Kriegstagebücher.

Auf ebenso abenteuerliche Art gelang es Greiners Nachfolger, Dr. Schramm, den Großteil der Unterlagen des Kriegstagebuches aus den letzten beiden Kriegsjahren zu retten. Die Aufzeichnungen vom 1. bis 19. April 1945 sind allerdings unvollständig, danach konnten sie nur noch mit den offiziellen Wehrmachtsberichten bis zum 9. Mai 1945 vervollständigt werden.

Insgesamt sind etwa 75 % der Kriegstagebücher des Oberkommandos der Wehrmacht noch vorhanden.

Adolf Hitler
Hitler zusammen mit Brauchitsch und Paulus bei einer Lagebesprechung.

Kriegsstärkenachweise

Der Kriegsstärkenachweis (KStN) – oder im Englischen ‚Tables of Organisation and Equipment‘ (kurz ‚TOE‘), im Russischen ‚Shtaty‘ – ist die Sollstärke von Kampfeinheiten bis zu den Divisionsverbänden.
Diese Kriegsstärkenachweise sind wichtig, weil sie von der militärischen Führung erstellt wird, um den Anforderungen gerecht zu werden, die nach deren Meinung nach am ehesten auf ihre Streitkräfte zukommen werden. Als solche, spiegeln sie den Stand des taktischen, operativen und sogar strategischen Denkens in den Streitkräften zu diesem Zeitpunkt wider.

Der KStN in den Boden- und Luftwaffen-Modellen dient zur Festlegung der Organisationsstruktur und der zugelassenen Ausrüstung für die jeweilige Einheit. Der KStN legt die maximale Kampfkraft fest, die von dieser Einheit erreicht werden kann und dient zur Steuerung der Verteilung von Ersatzpersonal auf die Fronttruppen.
Zusammen mit der tatsächlichen Stärke der Einheit und in Ermangelung übergeordneter operativer Befehle beeinflusst der KStN auch die Priorität, die einer Kampfeinheit für den Erhalt von Ersatzpersonal oder Material zugewiesen wird. Im Allgemeinen haben die Kampfeinheiten mit der geringsten tatsächlichen Stärke im Vergleich zu ihrer KStN bei der Zuführung von Ersatz die Priorität.

Traditionell werden Kriegsstärkenachweise in Form eines Organigramms oder einer Organisationsliste mit den verschiedenen Untergliederungen dargestellt. Die Informationen, die auf diese Weise oder in Form einer Liste dargestellt werden, erlauben jedoch nicht ohne weiteres einen Vergleich der tatsächlichen relativen Stärken. Es ist schwierig, sich ein schnelles und genaues Bild von dem Personal und Ausrüstung der Division als Ganzes oder ihrer unmittelbaren Untergliederungen, wie Regimentern und Bataillonen zu machen.

Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass der KStN nicht die tatsächliche Ausrüstung oder Personalbestand bei den meisten Fronteinheiten widerspiegelt. Während des Zweiten Weltkriegs war es relativ selten, dass Kampfeinheiten ihren KStN erreichten. Dies galt insbesondere nach Beginn der Feindseligkeiten und insbesondere für deutsche und sowjetische Einheiten an der Ostfront. Es trifft vielmehr zu, dass die durchschnittliche sowjetische oder deutsche Division zu keinem Zeitpunkt an der Ostfront nach Juni 1941 ihren Umfang laut dem Kriegsstärkenachweis erreicht hat.

Am Ende des Krieges waren viele deutsche Divisionen an allen Fronten nur noch ein Bataillon oder sogar weniger stark – und trotz der allgemeinen Wahrnehmung der Roten Armee als übermächtiger Gigant im Jahr 1945 war die durchschnittliche sowjetische Schützendivision nicht viel besser dran.
Während der Operation Bagration, der Zerschlagung der deutschen Heeresgruppe Mitte im Sommer 1944, hatte die durchschnittliche sowjetische Schützendivision beispielsweise eine Stärke von etwa 6.000 Mann. Es wurden keine ernsthaften Anstrengungen unternommen, um sie auf die Sollstärke von ‚Shtaty‘ (dem russischen Wort für Kriegsstärkenachweis) von etwa 9.600 Mann zu bringen, obwohl dies eine gewaltige Offensive mit konzentrierten Kräften und ausreichend Vorbereitungszeit war.

Im Zweiten Weltkrieg waren die Einheiten der US-Armee am ehesten auf oder sogar über ihrer KStN-Stärke, gefolgt von der britischen Armee. Diese beiden Heere stellten weit weniger Divisionen als die Rote Armee oder die Wehrmacht auf, obwohl der ‚Divisionsschwanz‘ (‚Etappe‘) aus Unterstützungs-, Versorgungs- und administrativen Einheiten oft fünfmal so groß war!
Darüber hinaus verbrachte die durchschnittliche amerikanische und britische Division weniger Zeit an der Front, weil sie in der Regel rechtzeitig herausgezogen wurden, um sich zu erholen und Ersatz zu erhalten. Dies geschah, sobald die Kampfelemente der Divisionen auf etwa 70-80 % ihres KStN abgefallen waren und im Durchschnitt erhielten sie eine viel größere Menge an Ersatz für Personal und Ausrüstung.
Das US-Kriegsproduktionsniveau und eine vergleichsweise reichliche Versorgung mit Ausrüstung ermöglichten es einigen US-Divisionen sogar, vor einem größeren Feldzug Ausrüstung zu ‚horten‘. In diesen Fällen übertrafen sie ihren KStN gelegentlich erheblich, insbesondere im Transportbereich.
All diese Faktoren sind einige der Hauptgründe, warum es falsch ist, nur die Anzahl der Divisionen an einer bestimmten Front zum Vergleich der Stärkeverhältnisse heranzuziehen.

deutsche Infanterie marschiert nach Russland hinein
Unternehmen Barbarossa hat begonnen: deutsche Infanterie marschiert nach Russland hinein.

Mit Beginn der Kämpfe an der Ostfront seit Sommer 1941 führten sowohl das deutsche Heer als auch die Rote Armee monatelang, wenn nicht sogar jahrelang, Operationen mit hoher Intensität durch. Diese intensiven und anhaltenden Kämpfe forderten einen enormen Tribut an die Personalstärke der Verbände und Einheiten auf beiden Seiten. Infolgedessen mussten diese Streitkräfte trotz dramatischer und oft schwerwiegender Verluste an Personal und Ausrüstung weiterkämpfen.
Anhaltende Offensiv- und Defensivoperationen, die sich über Tage und Wochen bis hin zu vielen Monaten erstreckten, schwächten daher die Gesamtstärke und primär die Kampfkraft dieser Kräfte erheblich. Da das deutsche Heer aus Personalmangel keine neuen Verbände ad-hoc aufstellen konnte, mussten die alten Verbände mit reduzierter Stärke weiterkämpfen. Dies hatte zur Folge, dass Heeresgruppen, Armeen und Korps in ihrer Zusammensetzung und Stärke stark variierten und dass Korps und Divisionen, die im Kampf aufgerieben worden waren, entweder ganz aufgelöst wurden oder als Korps- und Divisionsgruppen (sogenannten Kampfgruppen) weiterkämpften.

Die Deutschen kompensierten ihre zahlenmäßige Unterlegenheit gegenüber den Verbänden der Roten Armee, indem sie sich auf eine umfassende Ausbildung vom einzelnen Soldaten bis zu den Verbänden in Verbindung mit einer geschickten Organisation der vorhandenen Verbände auf allen Ebenen von der Armee und den Panzerkorps bis hinunter zur Ebene der Bataillone stützten.

In der Folge entstand dadurch die Kriegsgliederungen der Wehrmacht in schwindelerregender Vielfalt aus den Umständen angepassten Formationen, die von Heeresabteilungen innerhalb von Heeresgruppen über Korps-Gruppen und Abteilungen innerhalb von Armeen und Divisionsgruppen reichten – und dann sogar nach ihren Kommandeuren benannten Ad-hoc-Gruppen innerhalb von Korps bis hin zu Kampfgruppen innerhalb von Divisionen und sogar Regimentern weiterging. Darüber hinaus entstanden Heeresgruppen, die nach ihren Befehlshabern benannt waren, als die deutschen Armeen eng mit den Armeen der verbündeten Achsenmächte zusammenarbeiteten, jedoch in der Regel unter deutschem Kommando.

Aufstellung Panzer-Lehr-Division
Ansprache vor den Panther-Panzern bei der Aufstellung der Panzer-Lehr-Division. Während einer Neuaufstellung erreichte eine Division gewöhnlich in etwa ihren Kriegsstärkenachweis.

Viele Militärsimulationen oder Kriegsspiele begehen daher den schwerwiegenden Fehler, den Kriegsstärkenachweis einer Kampfeinheit als Stärke in einem Feldzug oder Schlacht zu verwenden. Wenn diese Simulation zumindest versucht, den Unterschied zwischen KStN und tatsächlicher Stärke nachzubilden, wird oft unterschätzt, wie weit viele Einheiten tatsächlich unter ihrer KStN-Stärke lagen.
Wenn man sich mit dem Problem genauer auseinandersetzt, ist es nicht schwer zu erkennen, warum es naheliegend und so viel einfacher ist, den leicht verfügbaren Kriegsstärkenachweis zu nehmen, mit einer Zahl von 70-100 % zu anzusetzen und dann historische Genauigkeit zu behaupten.
Das Hauptproblem ist die historische Forschung und die Schwierigkeit, herauszufinden, was eine bestimmte Kampfeinheit zu der fraglichen Zeit tatsächlich an Material und Personal hatte. In einigen Fällen gibt es hervorragende Aufzeichnungen über die tatsächliche Personal- und Ausrüstungsstärke der Divisionen. In anderen Fällen gibt es diese Aufzeichnungen jedoch nicht oder sie sind für einen bestimmten Zeitpunkt und Ort nicht verfügbar. Für die Mehrzahl gibt es diese Aufzeichnungen jedoch überhaupt nicht oder nicht für den fraglichen Zeitpunkt oder Ort.

Dennoch gibt es umfangreiche Aufzeichnungen und oft lassen sich die darin enthaltenen Informationen wie ein riesiges Puzzle zusammensetzen, um ein einigermaßen genaues Bild des tatsächlichen Personals und der Ausrüstung in den betreffenden Kampfeinheiten zu erhalten. Sehr oft handelt es sich dabei um indirekte Informationen, oder es liegen relevante Informationen von einer übergeordneten Einheit in der Befehlskette vor.
So kann es beispielsweise sein, dass die Gesamtzahl von Personal und Ausrüstung in einer Division nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbar ist, wohl aber Informationen über das Korps, dem sie unterstellt ist. Durch eine Berechnung der Kontrollsumme aus alle dem Korps zu diesem Zeitpunkt unterstellten Division (von denen es über einige wiederum genaue Zahlen geben kann), lassen sich diese ermitteln oder zumindest annähern.


Quellenangaben und Literatur

Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Band 1-8 (Percy E. Schramm)
Operation Barbarossa: the Complete Organisational and Statistical Analysis, and Military Simulation, Volume I – IIIB (Nigel Askey)
World War II – A Statistical Survey (John Ellis)


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