Wehrmacht Kriegsgliederung August 1942 und die Schlacht um Stalingrad


Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht vor Beginn der Schlacht um Stalingrad am 12. August 1942.

deutsche Soldaten im Traktorenwerk Stalingrad
Eine Gruppe deutscher Soldaten in dem eroberten Traktorenwerk von Stalingrad.

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Die Schlacht um Stalingrad

Schematische Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht, Stand 12.8.1942

Abkürzungen:
Inf.Div. = Infanterie-Division
mot.Inf.Div. = motorisierte Infanterie-Division
Pz.Div. = Panzer-Division
Sich.Div. = Sicherungs-Division
Inf.Reg. (Rgt) = Infanterie-Regiment
Brig. = Brigade
Btl. = Bataillon
Kav. = Kavallerie
Geb. = Gebirgstruppen
FJ = Luftlandetruppen, Fallschirmjäger
Gr. = Gruppe (Kampfgruppe)
W.B. = Wehrmachts-Befehlshaber
Befh.r.H.G. = Befehlshaber rückwärtiges Heeresgebiet

Ostfront (OKH)

Heeres-Gruppe A:

(im Kaukasus und auf der Krim)

ArmeeKorpsDivisionen
Reserve: ital. Div. Tridentina (Gr.D, im Antransport ab 13.8.), ital. Alpini-Korps (Div. Cuneense, und Julia, in Zuführung), 13. rum. Inf.Div. (in Zuführung)
11. ArmeeReserve: Stab XXX. Korps24., 72. Inf.Div., 28. Jäger-Div. (alle im Abtransport)
Befh. d. Landengen (Krim): LIV. Korps50. Inf.Div.
rum. Gebirgs-Korps1., 4. rum. Geb.Div., Stab Schröder
Gruppe Mattenklott (XXXXII. Korps)10. rum. Inf.Div. (mit Stab VII. Korps), 46., 132. Inf.Div., 10., 18. rum. Inf.Div., 8. rum. Kav.Div., 3. rum. Geb.Div.
Armee-Gruppe Ruoff (Stab 17. Armee)3. rum. Armee (Reserve: Stab II. rum. Korps)rum. Kav.Korps (5., 6., 9. rum. Kav.Div.), I. rum. Korps (298. dt.Inf.Div.)
V. Korps9., 75., 125., 198. Inf.Div.
1. Panzer-ArmeeXXXXIX. Geb.1., 4. Geb.Div., 2. rum. Geb.Div.
LVII. Pz.SS-Wiking, slowak. Schnelle Div.
III. Pz.16. mot.Inf.Div., 19. Pz.Div.
XXXXIV.97., 101. Jäger-Div., wallon. Btl. 373
XXXX. Pz.3., 23. Pz.
LII.111., 370. Inf.Div.
Befh.r.H.G. A444., 454., Sich.Div., Sich.Rgt. 4

Heeres-Gruppe B:

(bei Stalingrad und Don-Front)

ArmeeKorpsDivisionen
ReserveSS-Brigade 1 (im Abtransport), Brigade der 22. Pz.Div.
4. Panzer-ArmeeReserve24. Pz.Div., 297. Inf.Div.
IV.94., 371. Inf.Div.
VI. rum.1., 2., 4., 20. rum. Inf.Div.
XXXXVIII. Pz.14. Pz.Div., 29. mot.Inf.Div.
6. ArmeeXXIV. Pz.16., 295. Inf.Div.
LI.44., 71. Inf.Div.
XI.100. Jäger-Div., kroat. Rgt. 369
XIV. Pz.16. Pz., 3., 60. mot.Inf.Div.
VIII.305., 376., 384., 389. Inf.Div.
XVII.79., 113. Inf.Div., 22. Pz.Div., ital. Celere-Div mit Bersaglieri-Rgt. 6
(direkt der Heeresgruppe unterstellt)XXIX. Korps62., 294., 336. Inf.Div., ital. Torino und Ravenna Div.
8. ital. ArmeeReserve: II. ital.ital. Div. Cosseria und '23. März', Kav.Brig. Barbo, kroat. Legion
2. ung. ArmeeReserve1. ung. Pz.Div.
VII. ung.19., 23. ung. leichte Inf.Div.
IV. ung.10., 12., 13. ung. leichte Inf.Div.
III. ung.6., 7., 9., 20. ung. leichte Inf.Div.
2. ArmeeReserve168. Inf.Div.
Gruppe Blümm57., 75., 323. Inf.Div.
VII.340., 387. Inf.Div., 2/3 von 385. Inf.Div.
XIII.68., 82., 88., 377. Inf.Div.
LV.45., 95., 299., 383. Inf.Div.
Befh.r.H.G. B213., 403. Sich.Div.
ung. Besatzungs-Gruppe Ost105. ung. leichte Inf.Div.

Heeres-Gruppe Mitte

ArmeeKorpsDivisionen
2. Panzer-ArmeeXXXV.262., 293. Inf.Div., 2/3 von 4. Pz.Div.
LIII.26., 56., 112., 296. Inf.Div., 25. mot.Inf.Div., 9., 11., 20., Pz.Div., 1/3 von 4. Pz.Div.
XXXXI. Pz.17., 19. Pz.Div., 52., 134. Inf.Div.
XXXXVII. Pz.208., 211., 216., 339., 707. Inf.Div., 18. Pz.Div., Teile 221. Sich.Div.
Gruppe v. Gilsa102., 108. ung. leichte Inf.Div.
4. ArmeeReserveDiv.Stab. zbV 442
LVI. Pz.131., 267., 331. Inf.Div., 1/2 von 10. mot.Inf.Div.
XXXXIII.31., 34., 137., 263. Inf.Div.
XII.98., 260., 268. Inf.Div.
3. Panzer-ArmeeXX.183., 255., 292. Inf.Div., 2/3 von 258. Inf.Div.
IX.7., 35. Inf.Div., Masse 252. Inf.Div.
9. ArmeeReserve: Gr. Matussek (Stab XXVII.) in Zuführung1/2 von 10. mot.Inf.Div.
XXXXVI. Pz.36. mot.Inf.Div., 2. Pz.Div., 342 Inf.Div., Teile von 252. Inf.Div., 2/3 von 78. Inf.Div., 1/3 von 258. Inf.Div (in Zuführung)
XXXIX. Pz.1., 5. Pz.Div., 2/3 von 102. und 328. Inf.Div., 1/3 von 78. und 129. Inf.Div., Teile 161. Inf.Div.
VI.14. mot.Inf.Div., 6., 87., 206., 251., 256. Inf.Div., 1/3 von 102. Inf.Div.
XXIII.86., 110., 197., 246., 253. Inf.Div., 2/3 von 129. Inf.Div.
(direkt der Heeresgruppe unterstellt)LIX.83.,205., 330. Inf.Div., 1/3 von 326. Inf.Div.
Befh.r.H.G. Mitte201., 203., 286. Sich.Div., Stab mit Teilen der 221. Sich.Div.

Heeres-Gruppe Nord

ArmeeKorpsDivisionen
Reserve2/3 von 20. mot.Inf.Div.
16. ArmeeReserve1/3 von 20. mot.Inf.Div.
Gruppe Brandenberger (Stab 8. Pz.Div.)Masse 8. Pz.Div., 2/3 von 218. Inf.Div.
II.SS-Totenkopf, 12., 30., 32., 122., 126., 290. Inf.Div., je 2/3 von 123., 329. Inf.Div., je 1/3 von 218., 225. Inf.Div., 8. Jäger-Div., 1/2 von 5. Jäger-Div., Teile von 8. und 12. Pz.Div., Teile 281. Sich.Div. (368. Inf.Rg.)
X.18. mot. Inf.Div., 81. Inf.Div., je 1/3 von 123., 329. Inf.Div., Gruppe Meindl (Luftwaffen-Feld-Regimenter), 1/2 von 5. Jäger-Div., Polizei-Rgt. Nord
18. ArmeeReserve2/3 von 93. Inf.Div., 170. Inf.Div. (im Antransport), Masse der 12. Pz.Div.
XXXVIII.250. span. Inf.Div., 212. Inf.Div.
I.1., 61., 254., 291. Inf.Div.
XXVIII.11., 21., 96., 217., 269. Inf.Div., 5. Geb.Div.
XXVI.223., 227. Inf.Div., je Teile der 207. und 285. Sich.Div. (Inf.Rgt. 322 und 374)
L. (Gruppe Jeckeln)58., 121., 215. Inf.Div., SS-Polizei-Div., SS-Norwegen, SS-Brigade 2, 2/3 von 225. Inf.Div., je 1/3 von 93., 385. Inf.Div.
Befh.r.H.G. Nordje Teile von 207., 281., 285. Sich.Div.

OKW-Kriegsschauplätze

Norwegen und Polarfront

ArmeeKorpsDivisionen
20. Geb.Reserve1/2 von 7. Geb.Div. (im Antransport)
XVIII.SS-Nord, 1/2 von Jäger-Div. , 1/3 von 163. Inf.Div., Teile 7. Geb.Div., verstärktes Geb.Jg.Rgt. 139
XXXVI. Geb.169. Inf.Div., 1/3 von 163. Inf.Div.
Geb.Korps Norwegen2., 6. Geb.Div., 1/3 von 214. Inf.Div., Teile von 69. Inf.Div.
AOK NorwegenReserve3. Geb.Div., 25. Pz.Div.
LXXI.199., 230., 270. Inf.Div.
XXXIII.181., 196. 702. Inf.Div.
LXX.280., 710. Inf.Div., Masse 69. Inf.Div., 2/3 von 214. Inf.Div.

Heeresgruppe D (OB West)

ArmeeKorpsDivisionen
ReservePz.Brig. 100
Kdt.d.Tr. in den NiederlandenLXXXVIII.167., 719. Inf.Div., Walküre-II Div. 38
15. ArmeeReserve: SS-Pz.-General-Kommando10. Pz.Div., LSSAH
General-Kommando Schelde712. Inf.Div, Walküre-II-Divisionen 39 und 65
LXXXII.23., 106., 304., 306., 321. Inf.Div.
LXXXI.302., 322., 711. Inf.Div.
Armee-Gruppe FelberLXXXXIII.165. Inf.Div., 257. Inf.Div. im Antransport
7. ArmeeReserve7. FJ, Brigade General Göring, 6. Pz.Div., SS-Reich
LXXXIV.319., 320., 716. Inf.Div.
XXV.17., 182., 333., 335., 337., 709. Inf.Div.
1. ArmeeReserve7. Inf.Div.
LXXX.15., 327., 708., 715. Inf.Div.

Südosten

ArmeeKorpsDivisionen
12. ArmeeReserveInf.Rgt. 440, 22. Inf.Div (im Antransport)
Festung KretaFestungs-Brigade Kreta
Der Komm.Gen. u. Befh. in Serbien704., 714., 717., 718. Inf.Div.

Afrika

ArmeeKorpsDivisionen
Panzer-Armee AfrikaReserve90. leichte div., 164. Inf.Div., ital. Pz.Div. Littorio
DAK15., 21. Pz.Div.
ital. XX. (mot)ital. 132. Pz.Div. Ariete, ital. 101. mot.Inf.Div. Trieste
ital. X.ital. Inf.Div. Pavia und Brescia
ital. XXI.ital. Inf.Div. Trento und Sabrata

Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres

in Dänemark: 416. Inf.Div.


Der Angriff auf Stalingrad

Unabhängig davon, dass deutsche Truppen nach wie vor im Westen und im Mittelmeerraum gebunden waren und unabhängig davon, welche direkte Hilfe durch Lend-Lease-Panzer und Flugzeuge und andere Materialien auch immer durch die westlichen Alliierten geleistet werden würde, konnte nur die Rote Armee alleine die deutsche Offensive zum Stehen zu bringen. Während des August und in den ersten Septemberwochen sah das fürchterlich schwierig aus.

Die deutschen Truppen drängten immer noch in den Kaukasus, während sich die sowjetischen Truppen sich immer noch auf dem Rückzug befanden. Einige der lokalen Volksgruppen, die mit der sowjetischen Herrschaft unzufrieden waren – so wie die meisten von ihnen zuvor schon mit der zaristischen Herrschaft, die ihnen bei den russischen Eroberungen im 19. Jahrhundert aufgezwungen worden war -, kollaborierten mit den Deutschen.

Eine Patrouille einer Kosaken-Einheit der Wehrmacht reitet eine Attacke.
Eine Patrouille einer deutschen Kosaken-Einheit aus lokalen Volksgruppen aus den Steppen im Südosten des europäischen Russlands.

Am 28. Juli erließ Stalin den berüchtigten Befehl Nr. 227, in dem er die Soldaten aufforderte, keinen Schritt zurückzuweichen, an ihren Patriotismus appellierte und jedem, der sich zurückzog, eine harte Strafe androhte, was zu unzähligen, willkürlichen Erschießungen und zahlreichen Opfern führte.
Die entsandten Verstärkungen aus der STAWKA-Reserve hinter Moskau und von der türkischen Grenze im Süden, begannen im September, den Widerstand zu verstärken.
An der Schwarzmeerküste, an den Gebirgspässen und vor Grosny erholten sich die russischen Streitkräfte. Sie kämpften effektiver und verlangsamten den deutschen Vormarsch. In einigen wenigen Fällen gelang es den deutschen Speerspitzen immer noch, gelegentlich beträchtliche Vorstöße zu machen, aber Mitte September änderte sich die Lage eindeutig.

Verwundeter der 5.SS-Division Wiking
Ein Verwundeter der 5.SS-Division Wiking wird im Kaukasus in Sicherheit gebracht.

Die deutsche Reaktion auf die zunehmend schwierigeren Kämpfe erfolgte auf zwei Weisen. Die erste war von konventioneller Art, als man versuchte, den Nachschub zu beschleunigen, indem man ihn gelegentlich sogar auf dem Luftweg heranbrachte, und hoffte, zusätzliche Truppen an die Front zu bringen, darunter auch italienische Gebirgsdivisionen, die im Kaukasus kämpfen sollten.

Die andere Reaktion war bemerkenswert ungewöhnlich. Es war ein Durcheinander von visionären Plänen und drastischen personellen Veränderungen.
Am 12. September erklärte Adolf Hitler den Befehlshabern des Vorstoßes nach Osten, dass sie nicht nur Stalingrad einnehmen, sondern danach auch zum Kaspischen Meer weitermarschieren, Astrachan einnehmen und alle möglichen anderen Operationen durchführen sollten.

Hitler und Zeitzler
Hitler und Zeitzler (rechts, Generalstabchef OKH von September 1942 bis Juli 1944)
Während er sich fälschlicherweise einbildete, dass bei diesem Vorstoß nach Osten alles wunderbar lief, spürte Hitler richtig, dass die Kaukasus-Operation in Schwierigkeiten geriet, und er reagierte mit einer Reihe drastischer personeller Veränderungen.
Zuvor hatte er bereits den Oberbefehlshaber der Heeres-Gruppe B nach Hause geschickt – nun ließ er Feldmarschall List, den Oberbefehlshaber der Heeres-Gruppe A, fallen und übernahm am 10. September vorübergehend selbst die Leitung der Heeresgruppe.
Wenige Tage später entließ er General Haider, der seit 1938 Chef des Generalstabs des Heeres war, und ernannte Kurt Zeitzler als dessen Nachfolger, der zuvor Chef des Stabes der Heeresgruppe West war.

Sein Bruch mit den höchsten militärischen Befehlshabern ging so weit, dass er danach stenografische Aufzeichnungen seiner militärischen Konferenzen anfertigen ließ und eine Zeitlang kaum mit Keitel und Jodl sprach, wobei er beabsichtigte, letzteren durch General Paulus, den Befehlshaber der 6.
Armee, zu ersetzen.


Diese Reihe von Änderungen waren ein einschneidender Bruch in Hitlers Sichtweise des Ostfeldzugs. Wenn alles so gut gelaufen war, wie er glaubte, und wenn sein überarbeiteter Plan für die Offensive mit ihren zwei gleichzeitigen Vorstößen so brillant war, wie er sicher war, und wenn die Sowjetunion so erschöpft war, wie er glaubte, und wenn die Rote Armee auseinanderfiel und keine nennenswerten Reserven mehr hatte, wie die meisten höheren deutschen Militärs behaupteten, dann war die einzig mögliche Erklärung für die Schwierigkeiten auf dem Weg nach Tuapse, Suchumi und Grosny entweder sein schlechter Feldzugsplan – und das wollte er sicher nicht zugeben – oder die Unfähigkeit seiner Generäle.

Offensichtlich war ein Wechsel der Generäle erforderlich, und er handelte entsprechend. Aber an der Realität des erstarrten sowjetischen Widerstands und der Erschöpfung der deutschen Angriffskeile änderte weder Hitlers Weigerung, seine Mahlzeiten weiterhin zusammen mit Keitel und Jodl einzunehmen, noch die verschiedenen laufenden und geplanten personellen Veränderungen etwas.
Eine Verstärkung der deutschen Kaukasus-Offensive durch zusätzliche Divisionen war nicht möglich, zum einen, weil ein Teil der verfügbaren Kräfte für den geplanten Angriff auf Leningrad nach Norden geschickt worden war, zum anderen, weil im August und September der Vorstoß nach Osten in Richtung Stalingrad ebenfalls auf Schwierigkeiten stieß und auf alle Reserven und Vorräte zurückgegriffen werden musste.

Lagebesprechung Führerhauptquartier
Lagebesprechung mit diversen Diskussionen im Führerhauptquartier. Deutlich sind von links nach rechts von Weichs, Hitler, Keitel, Paulus (6. Armee in Richtung Stalingrad) und Löhr zu erkennen.

Im Juli hatte sich die STAVKA auf Stalingrad konzentriert, bevor überhaupt das Führerhauptquartier seine Aufmerksamkeit auf die Stadt richtete. Mitte Juli wurden wichtige Schritte zur Mobilisierung zusätzlicher Ressourcen für die Verteidigung der Stadt unternommen, eine Stalingrader Front gebildet und neue Kräfte dorthin entsandt, von denen einige aus den Reserven stammten, die ursprünglich für die Verteidigung Moskaus gegen die erwarteten deutschen Angriffe dort gebildet worden waren.

Aus sowjetischer Sicht war Stalingrad nicht nur als wichtiges Industriezentrum und als Ort, an dem die Deutschen den gesamten Schiffsverkehr auf der Wolga sperren konnten, sondern auch als wichtiger Verbindungspunkt zu allen Operationen im Kaukasus von Bedeutung. Außerdem war es viel einfacher, aus der Mitte Russlands aus Verstärkung zu bekommen als von der Front weiter südlich.

Der ursprüngliche Plan sah vor, den östlichen Teil des großen Bogens des Don und den Fluss selbst oberhalb und unterhalb dieses Bogens zu halten. Oberhalb des Bogens setzten die Deutschen die Division ihrer Verbündeten ein, um die eroberte Frontlinie zu halten, während sie unterhalb rasch in den Nordkaukasus vorgedrungen waren. In dem Bogen selbst sollte die deutsche 6. Armee gegen die Stalingrader Front vorrücken.

Sturmgeschütz Ausf, F mit Panzergrenadieren
Vormarsch eines Sturmgeschütz Ausf, F mit Panzergrenadieren der Panzer-Armee Hoth auf Stalingrad.

Durch die Abzweigung von Truppen und Nachschub für den Vorstoß in den Kaukasus war die 6. Armee zehn Tage lang ohne das für den Vormarsch notwendige Benzin liegengeblieben. Als sie in der zweiten Julihälfte ihren Vormarsch wieder aufnahm, wurde sie nicht durch Versorgungsengpässe, sondern durch den zunehmenden sowjetischen Widerstand gebremst.
Die Deutschen teilten daraufhin ihre 4. Panzerarmee auf, wobei das Hauptquartier und drei ihrer Korps von Südwesten nach Stalingrad vorstießen, während ein Korps der 1. Panzerarmee hinzugefügt wurde, die nach Süden vorrückte.

In der ersten Augusthälfte konnte die 6. Armee einen großen Teil der Rotarmisten im Donbogen vernichten, während die 4. Panzerarmee von Südwesten her über 80 Kilometer vorstieß. In den letzten zehn Tagen des Monats durchbrachen die deutschen Angriffe im Norden den Don und erreichten die Wolga nördlich von Stalingrad, während die südliche Zange den Stadtrand erreichte und Kontakt zur 6. Armee herstellte.
Am 3. September war die Stadt von Nordwesten und Süden eingeschlossen und der breite Fluss im Osten lag hinter den sowjetischen Verteidigern.

vorderste deutsche Stellung an der Wolga
Die vorderste deutsche Stellung an der Wolga, nördlich von Stalingrad. Weiter nach Osten als zu diesem Punkt ist in Uniform und mit Waffen kein deutscher Soldat gelangt.

General Tschuikow
General Tschuikow wird als Befehlshaber der russischen 62. Armee der ‚Stalingrad-Front‘ der Verteidiger der Stadt.
Das russische Oberkommando war nicht bereit, die Stadt kampflos aufzugeben. General (später Marschall) A. I. Eremenko, der sich von seinen im Krieg zuvor erlittenen Verwundungen erholt hatte, wurde zum Kommandeur der Stalingrader Front ernannt. Schukow wurde von seinem Kommando an der Zentralfront abberufen und mit der Planung von Gegenangriffen gegen die 6. Armee beauftragt.
In der Stadt selbst wurde ein anderer sehr fähiger und äußerst brutaler Befehlshaber, General W.I. Tschuikow, mit der sowjetischen 62. Armee, der Hauptverteidigungsstreitmacht, beauftragt.

In den letzten August- und den ersten Septembertagen wurde ein ständiger Strom von Verstärkungen geschickt, sodass die sowjetischen Befehlshaber vor Ort allmählich über beträchtliche Kräfte verfügen konnten.

russische Soldaten auf der Wolga
Russische Verstärkungen für Stalingrad werden über die Wolga gebracht.

Gegenangriffe im Norden warfen die deutschen Truppen am 5. und 6. September zurück, wurden aber von anderen deutschen Verbänden, die in den folgenden Tagen in die Stadt eindrangen, zum Stehen gebracht.
Als mehr sowjetische Truppen über die Wolga in die Stadt gebracht wurden, begannen die Kämpfe, sich Block für Block in blutigen Straßenkämpfen hin und her zu wogen. Schwere Verluste auf beiden Seiten kennzeichneten diese Kämpfe, doch als ein weiterer großer sowjetischer Gegenangriff am 18. und 19. September die Deutschen nicht zurückdrängen konnte, behielten diese die Kontrolle über einen Großteil der Stadt.

Angriff der Rodjmtsew-Division auf den Mamajew-Hügel.
Sturmangriff der Rodjmtsew-Division auf den Mamajew-Hügel.

Aber die deutsche 6. Armee kontrollierte sie nicht vollständig und hatte enorme Schwierigkeiten, noch weiter vorwärtszukommen, wollte sich aber auch nicht mehr zurückziehen.
Die Sowjets wiederum befanden sich ebenfalls in einer schwierigen Lage. Ihre verbliebenen Truppen in Teilen der Stadt befanden sich in einer verzweifelten Lage, und die beiden ersten Gegenangriffe hatten die Deutschen nicht vertreiben können.

Beide Seiten mussten neue Entscheidungen zu treffen. Die Deutschen hätten sich theoretisch bis zum knapp 50 Kilometer entfernten Don im Westen zurückziehen können und ihre dort neu formierte Armee nutzen können, um alle sowjetischen Brückenköpfe über den Don zu beseitigen und einfach die Stellungen halten können. Diese Möglichkeit scheint nicht ernsthaft in Erwägung gezogen worden zu sein.

Aber wenn die Stadt vollständig eingenommen werden sollte, wurden zusätzliche Truppen benötigt. In unmittelbarer Nähe konnten diese nur von den deutschen Einheiten kommen, die noch westlich des Don standen und die sowjetischen Don-Brückenköpfe abdeckten.
Man beschloss, dies zu tun und die deutschen Truppen durch rumänische Divisionen zu ersetzen, die zuvor für den Kaukasusfeldzug vorgesehen worden waren. Das bedeutete, dass zusätzliche Kilometer der Nordflanke der Heeresgruppe B den deutschen Verbündeten zugewiesen wurden, während sich die deutschen Truppen der 6. Armee Block für Block und Haus für Haus durch die Stadt kämpften.
Es ist sicherlich erwähnenswert, dass die von den Deutschen zu Beginn des Krieges häufig angewandte Taktik, eine Großstadt durch ihre Panzerspitzen zu umgehen und sie abzuschneiden, nie in Betracht gezogen hatten, denn die für eine solche Operation erforderlichen Kräfte waren einfach nicht mehr vorhanden.

Deutsche Sturmtruppen in Stalingrad.
Deutsche Sturmtruppen in Stalingrad.

Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Hitler zu diesem Zeitpunkt bereit war, einen der großen Frontvorsprünge an der Ostfront, wie den bei Demjansk oder Rschew, zu räumen, um Reserven freizusetzen, die zur Verstärkung oder zum Schutz der Stalingrad-Offensive eingesetzt werden konnten, oder größere Einheiten aus dem Westen an die Ostfront zu verlegen, in der Annahme, dass nach Mitte September das Wetter eine Invasion über den Kanal ausschließen würde.

Hitler verzichtete auch bewusst auf die einzige andere Möglichkeit, die Sollstärke der deutschen Felddivisionen des Heeres wiederherzustellen, die an der Ostfront langsam ausbluteten. Die deutsche Luftwaffe verfügte über Zehntausende von Männern, die über ihren Bedarf hinausgingen und die zur Umschulung als Ersatz für die Infanterie hätten eingesetzt werden können. Da Göring jedoch nicht gewillt war, sie dem Einfluss ‚reaktionärer‘ Heeresoffiziere auszuliefern – eine Ansicht, die Hitler durchaus teilte -, wurden sie stattdessen in ‚Luftwaffen-Felddivisionen‘ organisiert.
Diese Einheiten aus unausgebildeten Männern, die von ebenso unvorbereiteten Luftwaffen-Offizieren geführt wurden, sollten zu den ineffektivsten Verbänden der deutschen Streitkräfte in der zumeist nur kurzen Zeit ihres Bestehens werden. Horrende Verluste ohne jeden militärischen Nutzen waren die Folge dieser grotesken Neuerung.

In den Wochen nach dem 20. September rückten die deutschen Truppen dementsprechend langsam vor und lenkten dabei die Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit auf die nach dem Führer der Sowjetunion benannte Stadt. Hitler verstärkte diese Bedeutung noch, indem er sie in seinen Reden am 30. September und am 8. November 1942 immer wieder erwähnte: Dies sei eine Stadt, so versicherte er öffentlich im In- und Ausland, die Deutschland bereits besitze und niemals aufgeben werde.
Was die deutschen Soldaten, die in den Trümmern der Stadt kämpften, von diesen Äußerungen hielten, ist weniger überliefert.

Russische Soldaten mit Körperschutz
Russische Soldaten mit Körperschutz in Häuserkämpfen in Stalingrad.

Stalin hatte beschlossen, alles zu tun, um die Stadt oder die Teile, an die sich seine Rote Armee noch klammern konnte, zu halten. Aber auf Anraten von Wassilewski und Schukow verstand er dies nicht nur als eine Frage der Verstärkung im Kampf um jedes Haus und jede Fabrik und so wurden ab dem 12. September Pläne für eine Operation mit dem Codenamen ‚Uranus‘ erstellt. Dies war eine ganz andere Strategie für die Verteidigung der Stadt.
Neue Armeen sollten für eine riesige Zangenoperation zusammengezogen werden, die von den nicht beseitigten Brückenköpfen am Don im Norden und über die offene, nur dünn gesicherte Steppe im Süden angreifen sollten, um die deutschen Truppen, die sich innerhalb der Stadt vorarbeiteten, abzuschneiden.

Daher war es notwendig, ein Minimum und nicht ein Maximum an Verstärkungen in die Kämpfe innerhalb Stalingrads zu schicken, damit die sowjetischen Einheiten dort hoffentlich durchhalten und so die deutsche Armee dort so lange binden können.
Gleichzeitig sollte ein sorgfältig koordinierter Aufbau an den beiden geplanten Vorstoßachsen organisiert werden, wobei alle Vorkehrungen getroffen werden sollten, um dieses Vorhaben vor den Deutschen geheim zu halten und sie über die Stärke und Richtung der geplanten Operation zu täuschen.

Während die erschöpften Soldaten beider Seiten in den Trümmern der Stadt miteinander rangen, begann die Rote Armee mit der Umsetzung ihrer Dispositionen für ‚Uranus‘. Mit großer Umsicht wurden Truppen und Ausrüstung für die Offensive zusammengezogen.
Anders als bei den vorangegangenen Gegenangriffen auf die Nordflanke der deutschen 6. Armee, bei denen die ankommenden Einheiten praktisch aus dem Stand und stückweise in die Schlacht geworfen worden waren, wurden diesmal massive Angriffskräfte zusammengezogen und Nachschub für sie gesammelt, wobei die gesamte Verstärkung bis zu dem für die große Gegenoffensive festgelegten Zeitpunkt zurückgehalten wurde. Wenn das Zentrum in Stalingrad standhielt und die Deutschen über den Plan im Unklaren gelassen werden konnten, waren die Aussichten auf Erfolg groß.

deutscher Stosstruppführer in Stalingrad
Ein deutscher Stosstruppführer in Stalingrad mit einer russischen PPSh-Maschinenpistole.

Diese Aussichten wurden durch vier weitere Faktoren noch erhöht. Erstens waren die Deutschen in dieser Phase des Krieges generell nicht bereit, den Sowjets die Fähigkeit zuzutrauen, noch eine koordinierte Gegenoffensive in großem Umfang und mit einem großräumigen Vorstoß vorzubereiten und durchzuführen.

Zweitens hatten die Deutschen diese Möglichkeit selbst geschaffen, indem sie den Vorstoß durch Stalingrad an das Flussufer der Wolga durch ihre Truppen vom Don verstärkten, ohne zusätzliche deutsche Verbände aus anderen Gebieten heranzuführen. Dadurch war die nördliche Flanke ihres Angriffs vollständig und die südliche Flanke weitgehend den rumänischen Truppen überlassen. Zudem waren diese von den Deutschen nicht mit der zur Abwehr eines sowjetischen Angriffs erforderlichen Ausrüstung ausgestattet worden waren.

Drittens verfügten die Deutschen über einige Informationen über einen anderen sowjetischen Offensivplan am Mittelabschnitt der Ostfront mit dem Codenamen ‚Mars‘. Dieser schien tatsächlich aber nur als Alternative zu ‚Uranus‘ gedacht, falls die Deutschen Stalingrad ganz einnehmen oder sich von dort zurückziehen würden b.z.w. falls andere Entwicklungen ‚Uranus‘ unmöglich machen würden.

Schließlich scheint es, auch wenn es sehr schwierig ist, dies zu beweisen oder zu dokumentieren, dess es in der Sowjetunion und in der Roten Armee nach dem ‚Kein-Schritt-zurück‘-Erlass vom 28. Juli eine echte Versteifung des Widerstandes gegeben hatte.
Da die Fronten hielten und die Sowjetunion wieder den zweiten Atem zu bekommen schien und eine neue Hoffnung aufzog, dass die Katastrophen des Sommers wieder – wie schon im Vorjahr – überwunden werden könnten und dass der Angreifer noch einmal aufgehalten und zurückgeworfen werden könnte.

Russische Soldaten Stalingrad
Russische Soldaten in Stalingrad.

Die Soldaten kämpften und starben in Stalingrad, während die Kräfte für ‚Uranus‘ zusammengezogen wurden. Auch waren die anderen Teile der Ostfront den ganzen Sommer und bis in den Herbst hinein nicht ruhig gewesen und es wogen die Kämpfe hin und her.

button go Hier weiter zu: Wehrmacht Kriegsgliederung November 1942 und Operation Uranus.


Quellenangaben und Literatur

Der Grosse Atlas zum II. Weltkrieg (Peter Young)
Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Band 1-8 (Percy E. Schramm)
Krieg der Panzer (Piekalkiewicz)
A World at Arms – A Global History of World War II (Gerhard L. Weinberg)


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