RAF Staffeln im Mai 1940

Flugzeuge und Basen der englischen Royal Air Force am 10. Mai 1940.
Die Squadrons (Staffeln), ihre Stützpunkte und hauptsächlichen Flugzeugtyp.

Ein Trio von Bristol Blenheim IV Bombern
Ein Trio von Bristol Blenheim IV Bombern. Die Blenheim stellte sich als extrem anfällig gegen moderne feindliche Jäger heraus.

Die Royal Air Force während des Westfeldzuges 1940

Die Royal Air Force (RAF) spielte eine wichtige Rolle während des Westfeldzugs von 1940, der zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in Westeuropa stattfand.

Überblick

Schlacht um Frankreich:
Die RAF entsandte Geschwader nach Frankreich als Teil der Advanced Air Striking Force (AASF) und der Luftkomponente der British Expeditionary Force (BEF). Sie leisteten Luftunterstützung für die alliierten Bodentruppen und führten Aufklärungsflüge durch.

Flugzeuge:
Die wichtigsten Jagdflugzeuge waren die Hawker Hurricane und Supermarine Spitfire.
Zu den Bombern gehörten Bristol Blenheims, Fairey Battles und Vickers Wellingtons.

Evakuierung von Dünkirchen (Operation Dynamo):
Die RAF spielte eine entscheidende Rolle beim Schutz der Evakuierung der alliierten Truppen aus Dünkirchen zwischen dem 26. Mai und dem 4. Juni 1940. Sie lieferte sich intensive Luftkämpfe mit der Luftwaffe, um die Luftüberlegenheit über den Evakuierungsstränden und Schiffen aufrechtzuerhalten.

Die Herausforderungen:
Die RAF sah sich einer Übermacht von Flugzeugen der Luftwaffe gegenüber. Viele Flugplätze in Frankreich wurden überrannt, so dass sie verlegt werden mussten und die operative Effizienz beeinträchtigt wurde.

Verluste:
Die RAF erlitt in diesem Feldzug erhebliche Verluste, insbesondere bei den Bomberstaffeln. Viele erfahrene Piloten gingen verloren, was sich auf zukünftige Operationen auswirken sollte.

Lektionen:
Der Feldzug verdeutlichte die Bedeutung von Kampfflugzeugen sowohl für den Angriff als auch für die Verteidigung. Er führte zu taktischen und strategischen Änderungen, die in der nachfolgenden Schlacht um Großbritannien zur Anwendung kamen.

Übergang zur Heimatverteidigung:
Nach dem Ende des Westfeldzugs konzentrierte sich die RAF auf die Verteidigung Großbritanniens gegen die erwartete deutsche Invasion und Luftangriffe.

Der Westfeldzug von 1940 war eine schwierige Zeit für die RAF, aber die gewonnenen Erfahrungen sollten sich in den kommenden Monaten während der Schlacht um Großbritannien als unschätzbar erweisen.

Die RAF in Westeuropa und Nordafrika

Fairey Battle-Bomber der englischen RAF
Fairey Battle-Bomber der englischen RAF, durch französische Curtiss Hawk-Jäger geschützt, kurz vor dem Angriff auf deutsche Pontonbrücken.

Im Januar 1940 wurde beschlossen, die Luftunterstützung des britischen Expeditionskorps BEF und der Advanced Air Striking Force (vorgeschobene Luftangriffs-Streitmacht) unter dem Kommando eines britischen Luftwaffen-Befehlshabers in Frankreich, Luftmarschall Barratt, zusammenzulegen. So früh wie möglich nach der Ankunft in Frankreich begannen die englischen Staffeln mit Einsätzen, welche sie mit deutschen Flugzeugen zusammentreffen ließ. Obwohl eine Reihe deutscher Flugzeuge abgeschossen werden konnten, waren die Verluste der RAF schwer, weil sich herausstellte, dass viele ihrer Flugzeuge (z.B. die Fairey Battle und Bristol Blenheim) ungenügend bewaffnet waren und nicht für einen Luftkampf gegen moderne Jäger wie die deutsche Messerschmitt Bf 109 geeignet waren.

England war darauf bedacht, seine kostbaren Luftstreitkräfte nicht dadurch zu verspielen, dass man sie als eine Art Feuerwehr auf Abruf den alliierten Armeen zur Verfügung stellte. Die RAF wollte sicherstellen, dass ihre Bomber nur eingesetzt werden würden, wenn sie dem Gegner ein Maximum an Schaden zufügen konnten – auch wenn die strategische Bombardierung von Zielen in Deutschland erst am 15. Mai 1940 genehmigt wurde. Jagdflugzeuge, welche in England oder Frankreich stationiert waren, wurden gegen den Feind eingesetzt, solange nicht die Verteidigungsfähigkeit von Großbritannien selbst infrage gestellt wurde. Am 10. Mai 1940 waren 416 der insgesamt 1.873 englischen Frontflugzeuge in Frankreich stationiert, jedoch wurde schon am 20. Mai beschlossen die verbliebenen 66 Jagdflugzeuge zurückzubringen, sodass sie den weiteren Kampf von englischen Flugplätzen aus fortsetzen konnten.

Die erste Phase des nachfolgenden deutschen Plans für die Invasion von England bestand darin, die Luftherrschaft zu erringen, und so war die RAF im Juli und August 1940 darauf bedacht, ihre Kräfte für den unvermeidlichen Kampf gegen die deutsche Luftwaffe vorzubereiten.

Die Aufgaben das RAF im Mittelmeer-Raum waren vielfältig und weitreichend. Sie deckten einen riesigen geografischen Raum ab und erforderten eine weit gespannte Anzahl unterschiedlicher Kampfeinsätze, von der Luftunterstützung der Bodentruppen bis zum strategischem Bombenkrieg. Bis Ende 1942 war die RAF oft knapp an Ausrüstung und Flugzeugen, aber nach der Niederlage der Achsen-Truppen bei El Alamein und der Ankunft amerikanischer Truppen in Nordafrika konnte die englische Luftwaffe eine materielle Überlegenheit aufbauen und nahm entscheidend an dem Sieg im Mittelmeer-Raum teil.

Die Aufgaben des Luftwaffen-Kommandos Mittlerer Osten (Middle East Air Force) der RAF umfassten in Friedenszeiten die RAF-Verbände in Ägypten, Palästina, Sudan und Kenia – aber im Kriegsfall kamen außerdem noch die Einheiten in Aden (Jemen), Malta und im Irak hinzu. Dieser riesige Befehlsbereich wurde später noch um den Iran und das gesamte zentrale Mittelmeer bis 160 km westlich von Malta erweitert.

Gloster Gladiator Doppeldecker-Jagdflugzeuge
Gloster Gladiator Doppeldecker-Jagdflugzeuge der 80. Squadron in Nordafrika. Die Staffel wurde später nach Griechenland verlegt, um die griechische Armee zu unterstützen.

Der Zeitraum von September 1939 bis zur italienischen Kriegserklärung im Juni 1940 wurde dazu genutzt, die Einsatzfähigkeit der RAF im Mittleren Osten zu verbessern, auch wenn dies starken Beschränkungen durch die Prioritäten bei der Luftverteidigung Großbritanniens und den Einsätzen in Frankreich auferlegt war. Als dann Italien den Krieg erklärte, war die RAF der italienischen Regia Aeronautica sehr stark unterlegen, welche im Mittleren Osten nur über 29 Staffeln mit zumeist veralteten Flugzeugen verfügte.

Die Middle East Air Force der RAF kämpfte gegen die Italiener in zwei hauptsächlichen Kriegsgebieten, nämlich über dem Mittelmeer und Ägypten sowie in Ostafrika (Äthiopien, Somalia, Kenia, Sudan) und dem Roten Meer. Die ersten Lufteinsätze fanden am 11. Juni 1940 statt.
Bis Ende des Jahres hatte die RAF ein beträchtliches Maß an Luftüberlegenheit erzielt, aber am 28. Oktober 1940 wurde eine neue Front durch den italienischen Angriff auf Griechenland eröffnet. Die RAF reagierte darauf mit der Entsendung von neun Staffeln zur Unterstützung der griechischen Armee.


Aktive RAF-Staffeln am 10. Mai 1940:

Staffel
Stützpunkt
Flugzeuge
Staffel
Stützpunkt
Flugzeuge
1
Berry-au-Bac (Frankreich)
Hurricane I
2
Abbeville (Frankreich)
Lysander I, II
3
Merville (Frankreich)
Hurricane I
4
Monchy-Lagache (Frankreich)
Lysander I, II
5
Fort Sanderman (Indien)
Wapiti IIA
6
Ramleh (Palästina)
Lysander I, II
7
Finningley
Hampden I
8
Khormaskar (Aden)
Vincent, Blenheim I
9
Honington
Wellington IC
10
Dishforth
Whitley IV, V
11
Ismalia (Ägypten)
Blenheim I
12
Amifontaine (Frankreich)
Battle
13
Douai (Frankreich)
Lysander I, II
14
Amman (Palästina)
Wellesley
15
Alconbury
Blenheim IV
16
Bertangles
Lysander II
17
Hawkinge
Hurricane I
18
Meharicourt (Frankreich)
Blenheim IV
19
Horsham St Faith
Spitfire I
20
Kohat (Indien)
Audax
21
Watton
Bleinheim IV
22
North Coates
Beaufort I
23
Wittering
Blenheim IF
24
Hendon
verschiedene Verbindungs- flugzeuge
25
North Weals
Blenheim IF
26
Dieppe (Frankreich)
Lysander I, II
27
Risalpur (Indien)
Wapiti IIA, Hart, Tiger Moth
28
Kohat (Indien)
Audax
29
Debden
Blenheim IF
30
Ismalia (Ägypten)
Blenheim I, IF
31
Peshawar (Indien)
Valentia
32
Biggin Hill
Hurricane I
33
Mersa Matruh (Ägypten)
Gladiator
34
Tengah (Singapur)
Blenheim I
35
Einsatz-Trainings-Einheit
-
36
Seletar (Malaysia)
Vildebeest III
37
Feltwell
Wellington IA
38
Marham
Wellington IA, IC
39
Heliopolis (Indien)
Blenheim I
40
Wyton
Blenheim IV
41
Catterick
Spitfire I
42
Thorney Island
Beaufort I
43
Wick
Hurricane I
44
Waddington
Hampden I
45
Fuka (Sudan)
Blenheim I
46
auf Träger Glorious nach Norwegen
Hurricane I
47
Khartoum (Sudan)
Vincent, Wellesley
48
Thorney Island
Anson I, Beaufort I
49
Scampton
Hampden I
50
Waddington
Hampden I
51
Dishforth
Whitley IV, V
52
Einsatz-Trainings-Einheit
-
53
Poix (Frankreich)
Blenheim IV
54
Hornchurch
Spitfire I
55
Ismalia (Ägypten)
Blenheim I
56
Garvesend
Hurricane I
57
Rosieres-en-Saneterre (Frankreich)
Blenheim IV
58
Linton-on-Ouse
Whitley V
59
Poix (Frankreich)
Blenheim IV
60
Ambala (Indien)
Blenheim I
61
Hemswell
Hampden I
62
Tengah (Singapur)
Blenheim I
63
Einsatz-Trainings-Einheit
-
64
Church Fenton
Spitfire I
65
Hornchurch
Spitfire I
66
Duxford
Spitfire I
70
Habbaniya (Ägypten)
Valentia
72
Acklington
Spitfire I
73
Reims (Frankreich)
Hurricane I
74
Hornchurch
Spitfire I
75
Feltwell
Wellington I, IA, IC
77
Driffield
Whitley V
78
Linton-on-Ouse
Whitley V
79
Biggin Hill
Hurricane I
80
Amriya (Ägypten)
Gladiator
81
Amiens (Frankreich)
Tiger Moth (Verbindungs-flugzeuge)
82
Watton
Blenheim IV
83
Scampton
Hampden I
84
Shaibah (Irak)
Blenheim I
85
Lille (Frankreich)
Hurricane I
87
Lille (Frankreich)
Hurricane I
88
Mourmelon (Frankreich)
Battle
92
Northolt
Spitfire I
94
Sheikh Othman (Aden)
Gladiator
97
Driffield (aufgelöst 20. Mai)
ohne Flugzeuge
98
Chateau Bougon (Frankreich)
Battle
99
Newmarket
Wellington I, IA, IC
100
Seletar (Singapur)
Vildebeest II, III
101
West Raynham
Blenheim IV
102
Driffield
Whitley V
103
Betheniville (Frankreich)
Battle
104
Einsatz-Trainings-Einheit
-
105
Villeneuve-les-Vertus (Frankreich)
Battle
106
Finningley
Hampden I
107
Wattisham
Blenheim IV
108
Einsatz-Trainings-Einheit
-
110
Wattisham
Blenheim IV
111
Wick
Hurricane I
112
Helwan (Ägypten)
Gladiator, Gauntlet II
113
Heliopolis (Ägypten)
Blenheim IV
114
Conde-Vraux (Frankreich)
Blenheim IV
115
Marham
Wellington IA, IC
139
Plivot (Frankreich)
Blenheim IV
141
Grangemouth
Defiant I, Gladiator, Blenheim IF, Battle
142
Berry-au-Bac (Frankreich)
Battle
144
Hemswell
Hampden I
145
Tangmere
Hurricane I
148
Stradishall
Wellington IC
149
Mildenhall
Wellington I, IA, IC
150
Ecury-sur-Coole (Frankreich)
Battle
151
North Weald
Hurricane I
152
Acklington
Spitfire I
185
Einsatz-Trainings-Einheit
-
201
Invergordon
Sunderland I
202
Gibraltar
London II
203
Sheikh Othman (Aden)
Blenheim I, IV
204
Sullon Voe (Shetland Inseln)
Sunderland I
205
Seletar (Ceylon)
Singapur III
206
Bircham Newton
Anson, Hudson
207
Einsatz-Trainings-Einheit
-
208
Heliopolis (Ägypten)
Lysander I, II
209
Oban
Lerwick I
210
Pembroke Dock
Sunderland I
211
El Daba (Ägypten)
Blenheim I
212
Heston
Blenheim IV, Spitfire I
213
Wittering
Hurricane I
214
Stradishall
Wellington I, IA, IC
216
Heliopolis (Ägypten)
Valentia, Bombay
217
St.Eval
Anson, Beaufort I
218
Mouscou Femme (Frankreich)
Battle
219
Catterick
Blenheim IF
220
Thornaby
Hudson
222
Digby
Spitfire I
223
Khartoum (Sudan)
Wellesley
224
Leuchars
Hudson
225
Odiham
Lysander
226
Reims (Frankreich)
Battle
228
Pembroke Dock
Sunderland I
229
Digby
Hurricane I
230
Alexandria (Ägypten)
Sunderland I
232
in Aufstellung
-
233
Leucchars
Hudson
234
Church Fenton (ab 22. Mai)
Spitfire I
235
Bircham Newton
Blenheim IVF, IF
236
Speke
Blenheim IF
237
Nairobi (Kenia)
Audax, Hardy
240
Invergordon
London II
242
Church Fenton
Hurricane I
245
Leconfield
Hurricane I
248
Gosport
Blenheim IVF
253
Kenley
Hurricane I, Battle
254
Hatston
Blenheim IV
263
Turnhouse
Gladiator
264
Martlesham Heath
Defiant I
266
Martlesham Heath
Spitfire I
269
Wick
Anson
271
Doncaster Harrow (Transport)
Bombay,Ford 5
273
China Bay (Ceylon)
Vildebeest, Seal
500
Detling
Anson
501
Bethenville
Hurricane I
502
Aldergrove
Anson
504
Debden
Hurricane I
600
Manston
Blenheim IF
601
Tangmere
Hurricane I
602
Dyce
Spitfire I
603
Turnhouse
Spitfire I
604
Northolt
Blenheim IF
605
Wick
Hurricane I
607
Vintry-en-Artois (Frankreich)
Hurricane I, Gladiator
608
Thornaby
Anson
609
Drem
Spitfire I
610
Biggin Hill
Spitfire I
611
Digby
Spitfire I
612
Dyce
Anson
613
Odiham
Lysander, Hector
614
Odiham
Lysander
615
Abbeville (Frankreich)
Hurricane I, Gladiator
616
Leconfield
Spitfire I

Hinweis: Staffeln (Squadron) mit den Nummern von 400 bis 499 waren Verbände der Royal Canadian Air Force, Royal Australian Air Force und der Royal New Zealand Air Force. Nicht alle Nummern wurden verwendet und leider liegen im Moment keine genauen Angaben über diese vor.


Übersicht über Flugzeug-Ausstattung und Verteilung der Staffeln der Royal Air Force:

Flugzeugtyp
England
Frankreich, Norwegen
Mittelmeer, Naher Osten, Afrika
Indien, Malaysia
insgesamt
16
9
-
-
25
19
-
-
-
19
Gladiator
1
-
4
-
5
Blenheim IF, IVF
9
-
-
-
9
Defiant
2
-
-
-
2
Vildebeest
-
-
-
3
3
Wellesley
1
-
2
1
4
Blenheim
9
6
9
4
28
Battle
-
8
-
-
8
Wapiti
-
-
-
1
1
Beaufort
4
-
-
-
4
Whitley
6
-
-
-
6
Hampden
8
-
-
-
8
Wellington
8
-
-
-
8
Hudson
4
-
-
-
4
Anson
5
-
-
-
5
Lysander
4
4
2
-
10
Audax
-
-
-
2
2
Valentina
-
-
2
1
3
Tiger Mouth
-
1
-
1
2
London
1
-
1
-
2
Singapore
-
-
-
1
1
Lerwick
1
-
-
-
1
Sunderland
4
-
1
-
5
Insgesamt
102
28
21
14
165

Die Staffeln (Squadron) der RAF hatten eine Stärke zwischen 6 und 18 Flugzeuge.


Quellenangaben und Literatur

The Squadrons of the Royal Air Force (James J. Halley)
Luftkrieg (Piekalkiewicz)
The Armed Forces of World War II (Andrew Mollo)
Das große Buch der Luftkämpfe (Ian Parsons)

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