Überlegene Kampfkraft der Wehrmacht

Die überlegene Kampfkraft der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.
Die wichtigsten Ursachen und der Anteil der Kampftruppen im deutschen und amerikanischen Heer.

Soldaten der SS-Division Hitlerjugend in der Normandie
Dieses dramatische Foto von der Normandie-Front im Juni 1944 zeigt einen verwundeten SS-Obersturmbannführer zusammen mit erfahrenen Unteroffizieren, welche ihre jungen Soldaten von der 12. SS-Panzerdivision Hitlerjugend einweisen.

Überlegene Kampfkraft der Wehrmacht

t arrow2Hier zum vorhergehenden Teil: Kampfkraft der Wehrmacht.

Die wichtigsten Ursachen für die überlegene Kampfkraft der Wehrmacht

Für die nachfolgenden Vergleiche zur Kampfkraft wurde die US-Armee im 2. Weltkrieg ausgewählt, da es für diese neben der Wehrmacht die meisten Unterlagen und bewährtes statistisches Material gibt.

Es kann nicht die Neigung sein, Kriege zu führen, denn seit 1776 haben die USA 13 Kriege über eine Gesamtdauer von mehr als 38 Jahren geführt – Preußen, das Deutsche Reich und Deutschland im gleichen Zeitraum zusammen 14 Kriege mit einer Gesamtdauer von etwa 29 Jahren.
Und selbst bis Anfang des 18. Jahrhunderts galten Deutsche eigentlich nicht als besonders gute Soldaten. Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und noch während des Amerikanischen Bürgerkrieges galten Deutsche im Allgemeinen als nicht besonders großartige Soldaten.

Sozialer Status des Militärs:
Der Offiziers- und Soldatenberuf hatte im Deutschen Reich bis zum Ende des Zweiten Weltkrieg einen wesentlich höheren sozialen Status und zog auch mehr qualifizierte Bewerber an, als dies in der USA der Fall war.

Führungsprinzipien:
Bei den deutschen Führungsprinzipen gilt bis heute das Prinzip der ‚Auftragstaktik‘, d.h. die Befehlshaber befehlen ihren Untergebenen, was sie zu tun haben – aber nicht, wie das zu geschehen hat (im Übrigen ein Prinzip, gegen das der selbsternannte ‚größte Feldherr aller Zeiten‘ – Adolf Hitler – regelmäßig auf der strategischen Ebene verstoßen hat).
Bei der US Army bestand die Tendenz, jede mögliche Situation detailliert vorauszusehen und dafür zu befehlen, sowie die Tendenz, den Krieg als eine Art ‚Industrie-Management‘ anzusehen.


Anteil der Kampftruppen

Dies ist die tatsächlich ‚fechtende‘ Truppe.

Kampftruppe (1939-1943):

Zeitpunkt
September 1939
Juli 1941
Juni 1942
Dezember 1943
Anzahl der deutschen Divisionen
106
203
239
278
durchschnittliche Sollstärke
16.626
13.900
13.500
13.000
durchschnittliche Iststärke
16.626
13.800
11.836
10.453
Kampftruppenanteil (fechtende Truppen)
90,7% bei Infanterie-Divisionen, 86,2% bei Panzer-Divisionen
Rechnerische Soll-Stärke einer Division bei Berücksichtigung aller nicht-kämpfenden Truppen (Reservisten, Wachen, Verwundete, Kranke, Nachschubs- und Verwaltungspersonal)
34.893
24.907
24.931
26.172
Rechnerische Ist-Stärke einer Division bei Berücksichtigung aller nicht-kämpfenden Truppen
34.893
24.807
24.267
23.625

Kampftruppe (1944/45):

Datum
Juni 1944
November 1944
April 1945
US Army Januar 1945 in Europa (zum Vergleich)
Anzahl der deutschen Divisionen
255
260
260
durchschnittliche Sollstärke
12.500
12.500
11.500
durchschnittliche Iststärke
12.155
8.761
9.985
13.400
Kampftruppenanteil (fechtende Truppen)
89,4% bei Panzer-grenadier-Divisionen
88,9% bei Infanterie-Divisionen, 83,6% bei Panzer-Divisionen
Rechnerische Soll-Stärke einer Division bei Berücksichtigung aller nicht-kämpfenden Truppen (Reservisten, Wachen, Verwundete, Kranke, Nachschubs- und Verwaltungspersonal)
27.401
26.583
21.895
Rechnerische Ist-Stärke einer Division bei Berücksichtigung aller nicht-kämpfenden Truppen
27.056
22.844
20.380
43.400

Jede Division der Wehrmacht benötigte 1945 etwa 50% weniger Hilfstruppen wie eine US-Division (nämlich 20.380 Mann je 9.985 Mann Divisionsstärke, bei der US-Army 43.400 Mann je 13.400 Divisionsstärke).
D.h. der Anteil der tatsächlich kämpfenden Truppe ist bei der Wehrmacht wesentlich höher als bei der US Army.
Durch die Konzentration der Wehrmacht auf die operativen Aspekte der Kriegführung verwendete diese relativ wenigen Kräfte für Logistik, Verwaltung und organisatorische Leitung, was womöglich auch zu wenig gewesen sein könnte.


Wehrmacht gegen US Army

1. US-Infanterie-Division landet am blutigen Omaha-Beach
Die 1. US-Infanterie-Division landet am blutigen Omaha-Beach in der Normandie am D-Day.

Wehrmacht gegen US Army im Zweiten Weltkrieg: Vergleich Ausbildung, Verluste, Auszeichnungen und Todesurteile.

Heerespersonalwesen

Wehrmacht

Panzer- und Infanterieoffiziere bei Klin
Panzer- und Infanterieoffiziere besprechen einen geplanten Angriff im Raum Klin, Russland 1941.

Trotz der Truppenstärke, welche bei ihrem Maximalstand 6,55 Millionen Mann erreichte, setzte das deutsche Heer bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges auf ein Minimum an Papierkrieg und Verwaltung. Dieses aus heutiger Sicht beachtenswerte Kunststück gelang nur durch eine außergewöhnliche dezentralisierte Organisation, welche ein erhebliches Vertrauen zu den Truppenkommandeuren voraussetzte.

Oberst Hermann von Oppeln-Bronikowski
Ein Regimentskommandeur: Oberst Hermann von Oppeln-Bronikowski, Befehlshaber des Panzer-Regiment 22 in der Normandie und war später bei der neuen Bundeswehr.
Alle Fragen, welche den einzelnen Soldaten betrafen, wurden zumeist den Regimentskommandeuren überlassen. Dazu gehörte die Verteilung des Ersatzes auf die verschiedenen Aufgabenbereiche, Urlaubsvergabe, Disziplinarmaßnahmen und der Austausch von Personal zwischen den Truppenteilen.

Dieses System erforderte nicht nur gegenseitiges Vertrauen, sondern förderte es sogar. Die verhältnismäßig jungen Offiziere, welche also maßgebliche Entscheidungen für ihre Untergebenen trugen, stärkten dadurch ihre Stellung wesentlich. Dadurch wurde auch das Vertrauensverhältnis zwischen dem Soldaten und seinem Vorgesetzten gefestigt. Dies war die unabdingbare Voraussetzung für eine hohe Kampfkraft der Verbände der Wehrmacht.

Als Folge dieses dezentralisierten Systems gab es aber keine genaue Personalstatistik beim deutschen Heerespersonalamt (HPA). Bei den Blitzkriegen bis Ende 1941 war dies aber nicht besonders wichtig, aber als an dem Winter 1941/42 die hohen Verluste an der Ostfront eine optimale Verteilung der verfügbaren Kräfte notwendig machten, wäre es wünschenswert gewesen.
Da eine Änderung des Systems mitten im Krieg praktisch unmöglich und dies wohl auch nicht wirklich gewollt war, blieb fast alles bis zum Kriegsende wie zuvor.

Der Generalstab wollte die Truppe möglichst von allem ‚Papierkrieg‘ entlasten und so gingen die Meldungen über Iststärke, Verluste und Bedarf an Ersatz nach wie vor nur alle zehn Tage ein. Für die Zuführung des Ersatzes mussten sich die höheren Stäbe dann auf eigene Berechnungen verlassen, was auch die Beurteilung der relativen Bedeutung des betreffenden Truppenteils und die örtliche Frontlage beinhalte.

Das System versuchte daher weiterhin ganz bewusst, den Papierkrieg auf ein Minimum zu verringern und mit den daraus folgenden Ungenauigkeiten umgehen zu können. Da das deutsche Heer aber seit dem Winter 1941/42 die Verluste sowieso auf normalen Wege nicht mehr ersetzen konnte, waren die Ungenauigkeiten oder die wenigen, verfügbaren Informationen über den Zustand des jeweiligen Verbandes von geringer Bedeutung – praktisch wurde aus der Not eine Tugend.

Zeitgemäße statistische Modelle wurden vom deutschen Heer nur dort angewendet, wo es wichtig war. Dies war zum Beispiel bei den Verwundeten der Fall, deren Zahlen in der zweiten Kriegshälfte sehr groß wurden. Um diese mit dem notwendigen Ersatz abzustimmen, war es von großer Bedeutung, Modelle aus den bisherigen Erfahrungswerten zu entwerfen, welche die Zahl der zur Truppe oder anderen Aufgaben zurückkehrender Genesender und die Dauer der Genesung abschätzten.

Musterung von Wehrpflichtigen
Musterung von Wehrpflichtigen in Berlin.

Alle deutschen Jugendlichen wurden mit Erreichen des neunzehnten Lebensjahres eingezogen, sofern sie sich nicht bereits zur Waffen-SS, Kriegsmarine oder Luftwaffe freiwillig gemeldet hatten.
Bei Gründung der Wehrmacht 1935 betrug die Wehrdienstzeit zwei Jahre und nach Kriegsausbruch war der Dienst praktisch unbegrenzt, wobei Männer ab etwa 35 Jahren bei den Fronttruppen nach und nach durch jüngere Rekruten ersetzt wurden.

Die Zuteilung der Rekruten erfolgte aufgrund ihres körperlichen Zustandes, der Bildungsvoraussetzungen, des Berufes, der vormilitärischen Ausbildung (z.B. bei der Handelsmarine oder HJ) und der geäußerten Wünsche. Innerhalb der Wehrmacht sahen die ursprünglichen Vorschriften vor, dass jede Teilstreitkraft einen gleich großen Anteil der Rekruten jedes Befähigungsgrades erhalten musste.
Die endgültige Verteilung der Rekruten und ihrer Aufgaben bei den Einheiten wurde durch den Regimentskommandeur bestimmt. Dies geschah nach den ersten vier Wochen des 21-wöchigen Trainingsprogramms und legte fest, ob der Mann Fahrer, Ladeschütze, MG-Schütze u.s.w. werden sollte.

Das System war auch hier völlig dezentralisiert und zudem persönlich und legte viel Wert auf moralische Charakterzüge, wie Mut, Gehorsam, Loyalität und Selbständigkeit. So sollten Panzerkommandanten nur diejenigen werden, welche diese Charakterzüge zusammen mit Stärke und Entschlossenheit hatten, während die technische Eignung eher zweitrangig war.

Rekrutenvereidigung in Potsdam
Die Traditionen der ehemaligen preußischen Armee wurden auch Mitten im Krieg bei dieser Rekrutenvereidigung in Potsdam weitergepflegt.
Es lässt sich nicht mehr feststellen, welcher Prozentsatz jedes Jahrganges tatsächlich im Dritten Reich einberufen wurde. Ursprünglich wurden 75 % angesetzt, durch die Herabsetzung der Eignungsanforderungen während des Krieges wird der Anteil aber größer gewesen sein.

Von September 1939 bis April 1945 wurden 17.893.200 Mann von Wehrmacht oder Waffen-SS übernommen. Bei einer Bevölkerungsbasis von rund 90 Millionen – einschließlich des Sudetenlandes, Elsass und Teile von Polen – müssen etwa 3,6 % der gesamten Bevölkerung jährlich in die deutschen Streitkräfte übernommen worden sein.
Zur Zeit ihres Höchststandes 1943 machte der Anteil der Wehrmacht mehr als 10 % der Bevölkerungsbasis aus, was wohl einer der höchsten jemals erzielten Anteile einer kriegführenden Nationen war.

Der Anteil des Heeres ging von 85 % bei Kriegsbeginn bis zum Kriegsende auf 67 % zurück, während Luftwaffe und Marine ihren Anteil von zusammen 14 % auf 24 % steigerten. Die Waffen-SS, welche bis 1942 kaum von Bedeutung war, hatte sich bis Kriegsende zu einem ernsthaften Rivalen für das Heer entwickelt.
Durch den Einfluss der Führer bei der Hitlerjugend meldeten sich zunehmend mehr deutsche Jugendliche freiwillig zur Luftwaffe, Marine oder Waffen-SS, um den Einzug zum ‚reaktionären‘ Heer zu vermeiden.

Personelle Entwicklung der deutschen Streitkräfte von 1939 bis 1945 (in Tausend):

Jahr
Feldheer
Ersatzheer
Heer insg.
Luftwaffe
Kriegsmarine
Waffen-SS
Insgesamt
1939
2.741
996
3.737
400
50
36
4.222
1940
3.650
900
4.550
1.200
250
50
6.050
1941
3.800
1.200
5.000
1.680
404
150
7.234
1942
4.000
1.800
5.800
1.700
580
230
8.310
1943
4.250
2.300
6.550
1.700
780
450
9.480
1944
4.000
2.510
6.510
1.500
810
600
9.420
1945
3.800
1.500
5.300
1.000
700
830
7.830

 

US Army

US-Soldaten Schiessplatz 1940/41
US-Soldaten in Latzhosen beim Feuern mit der M1903 Springfield auf einem Schiessplatz 1940/41. Zu Rechten eines jeden Schützen kniet ein Ausbilder, welcher die Trefferwirkung und die Haltung beobachtet. Der Schiessplatz ist groß genug, um ein ganzes Bataillon in Schützenlinie feuern zu lassen.

Bei der US Army wurden dagegen oft hochkomplexe und völlig automatische und sehr zentralisierte mathematische Modelle für alle Aufgaben des Heerespersonalwesens verwendet. Jedes Problem sollte durch eine ‚technische‘ Lösung behoben werden, was zu einer enormen zusätzlichen Organisations- und Schreibarbeit führte.
Bereits 1940 gab es Probleme bei der Kampfmoral in der US Army, was zum Aufbau einer Abteilung ‚Kampfmoral‘ führte. Eine Krise in der Führung der Verbände führte im März 1944 dazu, dass ein Verfahren eingeführt wurde, bei dem alle Truppenkommandeure monatlich Berichte über die Anzahl ihrer Offiziere abgeben mussten, die sie für ungeeignet hielten. Der Papierkrieg stieg also immer weiter an.

Trotz des umfangreichen Einsatzes mathematischer Modelle kam es trotzdem zu Fehlberechnungen. So gab es im ersten Jahr des amerikanischen Kriegseintrittes einen akuten Mangel an Offizieren, dem so stark gegengesteuert wurde, dass es 1943 einen so großen Überschuss gab, dass alleine von der Flak monatlich 1.000 Offiziere zu anderen Einheiten oder Aufgaben versetzt werden mussten.

Im Vergleich zum deutschen Heer gab es bei der US Army bei der Personalzuteilung auch erhebliche Unterschiede. Da die amerikanischen Landstreitkräfte noch nicht einmal die Hälfte der Gesamtstreitkräfte erreichten (Ende 1944 befanden sich 5,575 Millionen von insgesamt 11,484 Millionen Wehrdienstleistenden bei der US Army, was 48,5 % entspricht) standen diese in einem harten Wettbewerb mit den anderen Teilstreitkräften um die besten Männer.
Dafür war die Gesamtmenge des Personals allerdings auch größer. Die US-Streitkräfte erreichten während des Zweiten Weltkrieges maximal 11,857 Millionen Mann, was bei einer vorsichtigen Schätzung der Bevölkerungsbasis von 135 Millionen nur 8,7 % ausmachte (gegenüber mehr als 10 % in Deutschland).

Gemustert wurden von 1940 bis 1945 in den USA rund 18 Millionen Männer, von denen aber 5,25 Millionen oder 29,1 % abgelehnt worden waren. Ursache für die große Zurückweisung in den ersten Jahren (über 50 %) war wohl der Mangel an geeigneten Ausbildern. Ab 1943 mussten die Anforderungen aber drastisch gesenkt werden, sodass bisher Untaugliche doch in großer Zahl eingezogen wurden.

Shermans Manover Desert px800
Sherman Panzer während eines Manövers in einer amerikanischen Wüste.

Im Gegensatz zum deutschen Musterungsystem gab es nur vier statt sechs Tauglichkeitsstufen, was dazu führte, dass die Einteilung der Männer für ihre mögliche Verwendung wesentlich grober war.
Lediglich bei der vorausgegangenen Berufsausbildung war das amerikanische System höher entwickelt. So wurden Fahrer für Panzerfahrzeuge aufgrund der Ergebnisse ihrer Fahrprüfung auf zivilen Lastkraftwagen ausgesucht, während bei den Deutschen ja eher die Charakterzüge des Mannes für die Qualifikation wesentlich waren.

Bei den Amerikanern wurde die Eignung für eine Aufgabe mit einem Punktesystem festgehalten. Später stellten Studien fest, dass dieses System zwar unter ‚optimalen‘ Bedingungen ziemlich zuverlässig war – aber im Krieg herrschten andere Umstände. Im Zivilleben eine Kupplung perfekt bedienen zu können, muss nicht zwangsläufig dasselbe sein, wie unter Beschuss, da hier eher die Charakterstärken entscheidend sind.

Alle amerikanischen Rekruten wurden nach einem Test, welcher aus Rechnen, Kästchenzählen und Wortschatzaufgaben bestand, in fünf Klassen eingeteilt. Die Rekruten der ersten beiden Gruppen sollten mit jedem Ausbildungsprogramm klarkommen und die letzte nur mit der Grundausbildung. Bei diesem System ist es wenig überraschend, dass die Angehörigen der Kampftruppen größtenteils nur aus den letzten beiden Klassen stammten.

Verteilung des Personals der US-Army auf Kampf- und Unterstützungstruppen (in Prozent):

Klasse I&IIKlasse IIIKlasse IV&V
Rechnungswesen89,410,10,5
Chemische Kriegführung51,227,621,2
Heeresluftwaffe44,435,320,3
Artilleriewesen (Admin)41,633,025,4
Militärpolizei35,333,031,7
Sanitätswesen30,629,140,3
Quartiermeister28,529,442,1
Panzertruppe28,532,638,9
andere28,528,243,3
Infanterie27,429,043,6
Küstenartillerie26,131,742,2
Kavallerie25,831,342,9
Feldartillerie24,129,446,5
Pioniere23,426,250,5

 

Ausbildung

Ausbildung von Wehrmacht-Soldaten
Ausbildung von Wehrmacht-Soldaten 1940. Foto des Großvaters des Autors.

Die Dauer der Grundausbildung in der Wehrmacht war unterschiedlich. 1938 dauerte sie für Infanteristen 16 Wochen, 1940 nur acht Wochen, 1943 wieder 16 Wochen und 1944 12 bis 14 Wochen.
Bei den Panzertruppen dauerte die Grundausbildung während des gesamten Krieges 21 Wochen, obwohl es seit 1944 vorkam, dass Rekruten notfalls schon nach 16 Wochen am Gefecht teilnehmen mussten.

Zum Vergleich dauerte die Grundausbildung in der US Army bis 1943 nur 13 Wochen. Diese wurde später auf 17 Wochen erhöht, musste aber durch Druck der Vorbereitungen für die Invasion in der Normandie wieder auf 13 Wochen reduziert werden. Panzersoldaten erhielten eine Ausbildung von 17 Wochen, die im Januar 1945 jedoch auf 15 Wochen verkürzt werden musste.
Die durchschnittliche Verlustrate eines US-Infanterie-Regimentes im 2. Weltkrieg betrug nach drei Monaten unterbrochenen Kampfeinsatz 100 Prozent.

Ein noch wesentlicher Unterschied ist, dass deutsche Divisionen ‚landsmannschaftlich‘ zusammengesetzt waren (Ersatz stellte ein bestimmter Wehrkreis) und auch Ersatz durch schon zusammen ausgebildete Rekruten in Marsch-Bataillonen erhielt.
Bei der US Army gab es keine ‚regionalen‘ Divisionen und alle neuen Rekruten wurden einzeln und nicht mit den Kameraden, mit denen sie die Ausbildung gemacht hatten, auf verschiedene Kampftruppen verteilt. In den meisten Fällen kannten sich die GI’s einer Einheit, welche zusammen zu kämpfen und womöglich zu sterben hatten, noch nicht einmal beim Namen.

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Bei der Wehrmacht befand sich das qualifizierteste Personal (körperlich wie geistig) – vor allem bei den Offizieren – immer bei den Kampftruppen.
Bei der US Army – einschließlich der Offiziere – war es genau umgekehrt: Die besten Männer befanden sich bei den sogenannten ‚Unterstützungstruppen‘ (Versorgung, Administration usw.). Dies hing damit zusammen, dass die Ausbildung schon von den ‚Unterstützungstruppen‘ in Amerika geleitet wurde, welche somit sich auch das beste Personal gleich selbst herauspicken – und wobei diese Männer wiederum zumeist froh darüber waren, nicht bei den richtigen Fronttruppen verheizt zu werden.

Deutsche Divisionen oder Teile von Divisionen wurden regelmäßig aus der Front zur Erholung und Auffrischung gezogen.
Bei der US Army musste jeder Soldat in Europa so lange kämpfen, bis er entweder gefallen, verwundet, krank oder ein Fall für die Psychiatrie war. Aus diesem Grund und wegen der laxeren Bestrafung war die Zahl der ‚psychiatrischen Fälle‘ und das unerlaubte Entfernen von der Truppe bzw. Desertion in der US Army wesentlich größer. Ursache für diesen harten Dienst war der begrenzte Schiffsraum, die monatelangen Reisezeiten aufgrund der gewaltigen Entfernungen nach Amerika und dem dadurch ständig akuten Mangel an ‚echten Frontschweinen‘.


Verluste

Massengrab Wehrmachtsoldaten
Das bitterere Ende von Hunderttausenden Soldaten der Wehrmacht im Massengrab.

Im Frankreichfeldzug von 1940 waren 21,9 Prozent der Verluste der Wehrmacht Tote. Diese Zahl stieg auf 22,9 Prozent seit Beginn von Unternehmen Barbarossa in Russland. Von 100 Verwundeten im Frankreichfeldzug konnten 85 (83 im Sommer 1941, 77 im Winter 1941) mit der Rückkehr zum Dienst rechnen.

Zwischen 7,9 Prozent (Westfeldzug gegen Frankreich, 1940) und 12,2 Prozent (Russland, Januar 1942) der Verwundeten sind gestorben.
Bei der US Army lag dieser Anteil bei nur 4,5 Prozent und 64 Prozent der Verwundeten kehrten zu irgendeiner Art von Dienst zurück.


Gefallene:

Jahr
Gesamtzahl
Offiziere (Anteil im Heer durchschnittlich 2,5%)
1939/40
73.829
5,9 %
1940/41
138.301
5,6 %
1941/42
445.036
3,8 %
1942/43
418.276
3,9 %
1943/44
534.112
3,9 %
bis Dezember 1944
167.335
3,2 %
Insgesamt 1939-1944
1.776.889
4,0 %


Auszeichnungen:

Orden
Anzahl Verleihungen
Eisernes Kreuz 2. Klasse
2.300.000
Eisernes Kreuz 1. Klasse
300.000
5.070
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub
569
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub mit Schwertern
87
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten
13
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit dem Goldenen Eichenlaub mit Schwertern und Brillianten
1 (Stuka-Pilot Oberst Rudel)
Stuka-Pilot Oberst Hans-Ulrich Rudel
Stuka-Pilot Oberst Rudel, höchstdekorierter Soldat der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.

45 Prozent aller Orden in der US Army wurden nur an Offiziere ausgegeben und wurden – im Gegensatz zur Wehrmacht – auch für Verdienste außerhalb des Gefechtseinsatzes vergeben.


Militärgerichtsbarkeit

Todesurteile:

Zeitraum
vollstreckte Todesurteile wegen Fahnenflucht u.ä.
Zahl der Hinrichtungen wegen aller übrigen Straftaten (zivile Straftaten wie Mord, Vergewaltigung, Raub usw.)
1940
312
559
1941
ca. 470
425
1942
1.551
ca. 1.560
1943
ca. 1.364
2.880
Januar - September 1944
ca. 1.605
3.829
Januar - April 1945
?
2.400
US Army Europa 1942-1945 zum Vergleich
1 (von 188 Urteilen)
69 (von 253 Urteilen)

Die militärische Gerichtsbarkeit der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs bezieht sich auf die rechtliche Autorität und das Justizsystem, die von den deutschen Streitkräften (Heer, Kriegsmarine, Luftwaffe) während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) über ihr Personal, besetzte Gebiete und in gewissem Umfang auch über Zivilisten ausgeübt wurden. Diese Gerichtsbarkeit unterschied sich vom zivilen Rechtssystem Nazi-Deutschlands und unterlag einer Reihe von Militärgesetzen, Verordnungen und besonderen Kriegsverordnungen.

Rechtliche Grundlage und Struktur:
– Wehrmachtgerichtsbarkeit: Die Wehrmacht unterhielt ein eigenes Gerichtssystem, darunter Feldgerichte, Militärgerichte und höhere Militärgerichte.
– Rechtlicher Rahmen: Das System basierte auf dem deutschen Militärstrafgesetzbuch (MSG), der Militärstrafgerichtsordnung und zahlreichen Kriegsverordnungen, die vom Oberkommando der Wehrmacht (OKW) erlassen wurden.

Zuständigkeitsbereich:
– Militärangehörige: Alle Angehörigen der Wehrmacht unterlagen dem Militärrecht, einschließlich Straftaten wie Desertion, Ungehorsam, Feigheit und Defätismus.
– Zivilisten in besetzten Gebieten: In vielen besetzten Gebieten, insbesondere im Osten, übte die Wehrmacht die richterliche Gewalt über Zivilisten aus, insbesondere in Bezug auf Handlungen, die als feindlich gegenüber dem deutschen Militär angesehen wurden.
– Ausländische Kriegsgefangene und Partisanen: Die Wehrmachtgerichte befassten sich häufig mit Fällen, die Kriegsgefangene, Widerstandskämpfer und Partisanen betrafen, und wandten dabei oft Schnellverfahren an.

Sonderverordnungen für Kriegszeiten:
– Kriegsgerichtsbarkeitserlass (Verordnung über die Militärgerichtsbarkeit, 1939): Erweiterte die Befugnisse der Militärgerichte im Kontext des totalen Krieges.
– Kommissarbefehl (1941): Ordnete die summarische Hinrichtung gefangengenommener sowjetischer Politkommissare an, ohne dass ein Gerichtsverfahren stattfand.
Barbarossa-Erlass (1941): Gab Wehrmachtsoffizieren das Recht, Zivilisten ohne Gerichtsverfahren wegen angeblichen Widerstands oder Sabotage in der Sowjetunion hinzurichten.
– Nacht-und-Nebel-Erlass (1941): Erlaubte die geheime Verhaftung und das Verschwindenlassen von Personen, die im Verdacht standen, Widerstand zu leisten, in Westeuropa.

Praxis und Folgen:
– Strenge Disziplin: Das Rechtssystem der Wehrmacht war für seine Strenge bekannt, insbesondere in den späteren Kriegsjahren. Zehntausende deutsche Soldaten wurden wegen militärischer Vergehen, insbesondere wegen Desertion, hingerichtet.
Kriegsverbrechen: Das Militärgerichtssystem erleichterte und verlangte manchmal sogar Kriegsverbrechen, insbesondere an der Ostfront, indem es Gräueltaten gegen Zivilisten und Kriegsgefangene rechtlich deckte.
– Zusammenarbeit mit SS und Polizei: In einigen Bereichen hatten die SS und die Polizei sich überschneidende oder getrennte Zuständigkeiten, insbesondere in Bezug auf Juden und politische Gegner, aber die Wehrmacht arbeitete oft mit ihnen zusammen oder ordnete sich ihnen unter.

Ende und Nachwirkungen
– Zusammenbruch 1945: Mit der Niederlage Nazi-Deutschlands wurde das Rechtssystem der Wehrmacht aufgelöst. Viele ihrer Richter und Staatsanwälte wurden wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen untersucht, allerdings wurden nur relativ wenige strafrechtlich verfolgt.


button goWeiter zur militärischen Leistungsfähigkeit der Wehrmacht: Deutsche Militärische Leistungsfähigkeit im Zweiten Weltkrieg

 

Siehe auch: Deutsche Kampfkraft im 1. Weltkrieg


Quellenangaben und Literatur

Kampfkraft (Martin van Creveld)
Der Genius des Krieges (Trevor N. Dupuy)
Den Krieg denken – Die Entwicklung der Strategie seit der Antike (Beatrice Heuser)
Hitler’s Army: Soldiers, Nazis, and War in the Third Reich (Omer Bartov)
Die Wehrmacht: Mythos und Realität (Klaus-Dietmar Henke)
Die Wehrmachtjustiz 1933–1945 (Manfred Messerschmidt)
The Wehrmacht War Crimes Bureau, 1939–1945 (United States Holocaust Memorial Museum)

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2 Kommentare zu „Überlegene Kampfkraft der Wehrmacht“

  1. Jerome Sinner

    Also bummelig 1,8 Millionen Tote der Wehrmacht? Das statistische Bundesamt schätzt 1956 die Zahl auf 3,7 Millionen, der Wiki-Eintrag zu Wehrmacht und Historiker wie Timothy Schneider schätzen die Zahl auf über 5 Millionen. Wie kommen derartige Unterschiede zustande?

    1. Darin sind nicht Vermisste oder später an Verletzungen Verstorbene berücksichtigt und das Jahr 1945 mit seinen horrenden Verlusten, die nur geschätzt werden können, ist auch nicht beinhaltet. Die Gefallenen und Vermisste der Wehrmacht von 1939 bis 1945 werden auf insgesamt ca. 3.250.000 geschätzt. Siehe: Verluste im Zweiten Weltkrieg

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