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Schlachten des 2. Weltkrieges


Schlachten, Feldzüge und Grundsatzentscheidungen des 2. Weltkrieges.

Angriff deutscher Infanterie
Angriff deutscher Infanterie während des Blitzkrieges.

Schlachten 2. Weltkrieg

An dieser Stelle werden verschiedene interessante strategische Grundsatzentscheidungen, Feldzüge und einzelne Schlachten genauer untersucht, welche mehr oder weniger großen Einfluss auf den Verlauf des 2. Weltkrieges hatten.

Dabei wird weniger Wert auf eine große Anzahl der Schlachten oder gar vollständige Behandlung aller Feldzüge und strategischer Entscheidungen gelegt, als vielmehr auf Ergänzungen und umfangreiche Erläuterungen für einen wichtigen Zeitpunkt des Kriegstagebuch oder die Gliederungen, Organisationen und Stärken der Armeen für wichtige Zeiträume, welche für die Ermittlung der Ausgangslage für bestimmte Szenarien in Kriegsspielen wie WW2 Total notwendig sind.
Hierbei stehen in erster Linie im Vordergrund die in diesen Schlachten und Feldzügen eingesetzten Truppenverbände und ihre Stärke, Ausrüstung und Bewaffnung.

Dazu wird ein großer Raum auch den strategischen Grundsatzentscheidungen eingeräumt und hier in erster Linie die notorischen Einzelentscheidungen des – neben Josef Stalin – alles beherrschenden deutschen Führers Adolf Hitler, welche so entscheidenden Einfluss auf den Kriegsverlauf nahmen, wie von keinem anderen der beteiligten Entscheider.

Zwar hatte Hitler bis Sommer 1941 alle Optionen in der Hand und seine Entschlüsse resultierten in der Entstehung der Feldzüge und Schlachten, aber anschließend wurde ihm das Heft des Handels von den Alliierten aus der Hand entrissen. Allerdings waren alle nachfolgenden Ereignisse, welche zumeist von den Alliierten ausgelöst wurden, immer noch das Produkt von Hitlers Strategie.

Gerade für die Entwicklung von Kriegsspielen als möglichst exakte Simulationen sind Fragen der möglichen historischen Optionen und das ‚Was wäre wenn ?‘ neben der möglichst genauen Bewertung von Kampfkraft der eingesetzten Streitkräfte und Waffen zur Berechnung ‚alternativer‘ und ‚fiktiver‘ Schlachten notwendig, welche dann entstehen, wenn der Spieler oder eine Künstliche Intelligenz als ‚Oberster Befehlshaber‘ andere Entscheidungen trifft (aber natürlich auf der Grundlage der tatsächlich vorhandenen Truppenstärken, Ressourcen und Ausgangslagen), als dies tatsächlich der Fall war.


Einzelberichte zu Schlachten

deutsche Soldaten im Traktorenwerk Stalingrad
Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht vor Beginn der Schlacht um Stalingrad am 12. August 1942. Hier zum vorhergehenden Teil: Wehrmacht Kriegsgliederung
deutsche schwere Batterie im Direktbeschuss
Die Belagerung von Tobruk, April bis Dezember 1941 (Teil I). Die Bedeutung des Hafens und der Belagerungskrieg der modernen Art.
Unteroffizier vor einer brennenden Hütte
Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 3. September 1941 und die Ostfront nach dem erfolgreichen Beginn des Unternehmen Barbarossa von Ende August
Hitler erklärt USA den Krieg
Teil II zu: Warum erklärte Hitler den USA den Krieg ? Zurück zu Teil I: Warum erklärte A.Hitler den USA
Schleswig-Holstein beschiesst Westernplatte
Der Polenfeldzug im September 1939 (Teil I). Aufmarsch, der deutsche Angriff und der Vorstoß auf Warschau bis zum 9. September.
Formation von A6M2 Zeros mit Zusatztanks
Tatsachen-Bericht über den Luftkrieg im Pazifik vom japanischen Zero-Ass Saburo Sakai. Einsätze über Neu-Guinea im Sommer 1942. Von Mitte April
Fehlschuß auf einen alliierten Zerstörer
Die Geschichte der Arktis-Konvois mit Waffen und Nachschub für die Sowjetunion zwischen 1941 und 1943 sowie die Vernichtung von PQ-17.
Ju 52 in Maleme gelandet
Unternehmen Merkur, die deutsche Luftlandung auf Kreta im Mai 1941. Angriffsplan, eingesetzte Truppen, die Kämpfe und Verluste. Als am 21.
PzKpfw III in Strassenkämpfen
Zweiter Weltkrieg, Zusammenfassung des Verlaufs von 1941 bis 1942, dem Höhepunkt der Expansion der Achsenmächte und die endgültige Kriegswende (Teil
Deutsche Panzerspähwagen in der Donezsteppe
Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht vor Beginn der Sommeroffensive in Russland am 24. Juni 1942. Hier zum vorhergehenden Teil: Wehrmacht Kriegsgliederung
PzKpfw III bei Kursk
Schlacht von Kursk im Juli 1943, die größte Panzerschlacht der Kriegsgeschichte und die Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 7.7.1943. Kursk, die
Farbfoto eines Tiger I
Der letzte Kampf der Tiger. Der abenteuerliche Einsatz der Tiger-Panzer der Kampfgruppe Schulze in den letzten Kriegswochen bei Bückeburg. Im
Panzermuseum Munster
Fakten zum 2. Weltkrieg: Schlachten, Rüstungsproduktion und Personen. Die Geschichte des Zweiten Weltkrieges ist nicht allein aus dem deutschen Geschehen
Aufgesessene deutsche Infanterie auf Panzerkampfwagen III
Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 11. Mai 1942 und die Planung der Sommeroffensive (Fall Blau). Hier zum vorhergehenden Teil: Wehrmacht Kriegsgliederung
US-Infanterie von XX. Korps, unterstützt von einem M10 Jagdpanzer,
Deutsche militärische Leistungsfähigkeit gegen die westlichen Alliierten an der Westfront 1944. Effektivste Verbände an der Westfront nach der statistischen Auswertung
Spitfire von Bf 109 verfolgt
Schlacht um England 1940. Vom Unternehmen Seelöwe zur Luftschlacht um England (Battle of Britain) vom Adlertag bis zum 'Blitz'. Die
Flammenwerfer-Einsatz
Verlauf des Balkanfeldzug 1941. Der deutsche Angriff auf Jugoslawien und Griechenland vom 6. April bis 11. Mai 1941 und seine
Kolonne deutscher PzKpfw III, dicht besetzt mit Infanteristen
Die zweite und dritte sowjetische Gegenoffensive im Winter 1941/42 und die Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 22. April 1942. Hier zum
Deutsche Truppen in Arnheim
Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 16. September 1944 beim alliierten Luftlande-Unternehmen 'Market Garden' bei Arnheim und der alliierte Vorstoss zum Rhein.
Ostfront 1944
Wehrmachts-Bilder von der Ostfront 1944 im 2. Weltkrieg. Bilder von der Ostfront an der Narva-Front im Baltikum aus dem ersten

Entscheidung im Westen 1940: Durchbruch zum Ärmelkanal

General Guderian in seiem Befehls-Schützenpanzer
General Guderian, der führende deutsche Panzer-Taktiker und Schöpfer der Panzerwaffe, führt direkt von seinem Befehls-Schützenpanzer während des Frankreichfeldzuges.
Nachdem die vorauseilenden deutschen Panzerdivisionen einen Haltebefehl erhalten hatten, um auf die zu Fuß nachrückende Infanterie zu warten, konnten diese in der Nacht vom 15. auf den 16. Mai 1940 wieder vorrücken. Dies zwang das BEF und die französische 1. Armee, sich aus Belgien zurückzuziehen.
Inzwischen war die Panik bei den französischen Verantwortlichen gewaltig und Reynaud teilte Churchill mit, dass die Verbündeten geschlagen sind und die Schlacht verloren haben. Allerdings wurde im französischen Hauptquartier mit einem deutschen Panzervorstoß in Richtung Paris gerechnet, und nicht mit einem Durchbruch zur Kanalküste.

Um Guderians Vormarsch in die Flanke anzugreifen, griff de Gaulle am 19. Mai nördlich nach Crecy an. Seine Streitmacht bestand zu diesem Zeitpunkt aus insgesamt 150 Panzern. Davon waren 30 Char B1 und 40 mittlere Panzer vom Typ Somua oder D2. Er verfügte außerdem über ein Bataillon Infanterie und ein Regiment aus 7,5-cm Schnellfeuer-Geschützen M 1897.

Zu Beginn machte De Gaulle gute Fortschritte und erreichte den Fluss Serre innerhalb von vier Stunden. Aber dort begann sich der von Guderian organisierte deutsche Widerstand zu versteifen und die Ortschaft Crecy war eine Festung aus Panzerabwehrgeschützen und zahlreichen Hinterhalten. De Gaulls leichte Panzer wurden heftig zurückgeschlagen und als die D2-Panzer angriffen, erlitten sie ebenfalls Verluste. Da die Infanterie nicht erschienen war, wurde der Angriff schließlich von General Georges abgebrochen.
Das eigentliche Problem bestand aber darin, dass es der französischen Luftwaffe nicht gelang, die Ju 87 Stuka abzuhalten, da der Zeitpunkt des Angriffs geändert worden war, ohne dass diese darüber informiert worden war.

Abgeschossener französischer schwerer Panzer Char B
Abgeschossener französischer schwerer Panzer Char B, rechts eine deutsche Acht-Acht in Feuerstellung.

Am Ende des 19. Mai standen alle deutschen Panzerdivisionen, mit Ausnahme der 9., nur noch etwa 80 km vom Meer entfernt und waren für den letzten Vorstoß bereit.
An diesem Tag warnte General Gort das britische Kriegsministerium, dass es möglicherweise eine Evakuierung des BEF in Betracht ziehen müsse, und das Kriegsministerium und die Admiralität begannen unter dem Codenamen ‚Dynamo‘ Vorbereitungen für die Durchführung dieser möglichen Operation. In dieser Nacht wurde auch der französische Oberbefehlshaber Gamelin durch Weygand abgelöst.
Die Alliierten befanden sich nun hinter der Dijle. Auf der linken Seite die Belgier, dann kam das BEF und die französische Erste Armee mit zusammen 50 Divisionen (ohne das BEF), abzüglich einer Brigadegruppe an der Vimy-Höhe um Arras.

Am 20. Mai brach Guderian um 4 morgens Uhr los. Balcks Panzer erreichten Amiens, knapp 60 km entfernt. Hier trafen sie auf die Männer des Royal Sussex Regiment, die bis zum Schluss kämpften, wobei das gesamte Bataillon ausgelöscht wurde. Währenddessen rückt die 2. Panzerdivision auf Abbeville vor, wo sie auf die Reste der britischen 35. Brigade trafen, welche auf die Somme zurückfielen.
Reinhardts Panzerdivision traf zunächst bei Mondicourt auf die Briten und brach schließlich durch. Später, bei Doullens trafen sie auf die zahlenmäßig unterlegenen Männer der 36. Brigade, die bis zum Einbruch der Dunkelheit aushielten. Am Ende des 20. Mai waren die beiden britischen Territorial-Divisionen, die unter unmögliche Bedingungen gekämpft hatten, vernichtet.

Der Tag verlief für Rommel nicht ganz so gut, da er von den Briten bei Arras aufgehalten und in die Defensive gedrängt wurde.
Dennoch brachte der 20. Mai den Deutschen ihren großen Triumph: ein Teil des Bataillons von Oberstleutnant Spitta der 2. Panzerdivision von Guderians XIX. Panzerkorps erreichte die Kanalküste bei Noyelles, nachdem es knapp 100 Kilometer vorgestoßen war, was eine wirklich bemerkenswerte Leistung war.

Deutsche PzKpfw 38(t) an der Kanal-Küste.
Deutsche PzKpfw 38(t) an der Kanalküste.

Am Vortag war General Ironside eingetroffen, um Gort davon zu überzeugen, nach Süden abzuziehen und sich den Franzosen anzuschließen. Gort weigerte sich jedoch, da neun Divisionen an der Dije im Kampf standen und er die Belgier nicht im Stich lassen wollte.
Er erwähnt die Pläne für einen begrenzten Angriff von Arras aus am 21. Mai. Als Gort erfuhr, dass er seit acht Tagen keine Befehle vom Befehlshaber der 1. französischen Heeresgruppe, Billotte, welchem das BEF unterstellt ist, erhalten hatte, machte sich Ironside auf den Weg in dessen Hauptquartier. Dort traf er Billotte und Blanchard an, die sich beide in einem Zustand völliger Depression befanden. Ironside verlor seine Beherrschung und überredete die beiden französischen Generäle, sich dem britischen Angriff mit zwei Divisionen anzuschließen. Nachdem Ironside nach London abgereist war, wies Gort seinen Verbindungsoffizier, sowohl Billotte als auch Blanchard zu warnen, dass im Falle eines Scheiterns des Gegenangriffs sowohl die französische als auch die britische Armee nördlich der Frontlücke ihrer Flanken entblößt sein werden und nicht länger in ihren gegenwärtigen Stellungen verbleiben könnten.

Im Hauptquartier von Generalmajor Franklyn gab es keinen Verbindungsoffizier von Altmayers V. Korps, und spät in der Nacht traf ein Brief von Blanchard ein, in dem es hieß, dass General Altmayer zwei Tage lang nicht vorrücken könne, da die Straßen stark blockiert seien, dass aber General Piraux die westliche Flanke des Angriffs decken würde. Pirauxs Probleme waren groß, da die Masse der Panzer der 1. leichten mechanischen Division verloren gegangen waren und er seine eigenen Panzer nicht aus den Infanterie-Divisionen herausziehen konnte.
In der Zwischenzeit hatte General Georges d’Asner keine Angaben über den Zeitpunkt des Angriffs gemacht, sondern lediglich um ’starke Unterstützung‘ gebeten.

Der Angriff erfolgte also mit zwei mobilen Kolonnen, die jeweils aus einem Panzer- und einem Infanteriebataillon sowie einer Feldgeschütz- und einer Panzerabwehrbatterie bestanden – allerdings ohne jegliche Luftunterstützung. Die rechte britische Kolonne nahm Duisans ein, musste aber zwei Kompanien und einige Panzerabwehrkanonen zurücklassen, um das Dorf zu halten.
Nach der Einnahme von Warlus gegen starken Widerstand stieß die Kolonne auf Wailly vor, wo sie auf die Totenkopf-SS-Division traf. Hier kam es zu heftigen Kämpfen, die schließlich zum Rückzug der Kolonne nach Warlus führten.

Angehörige der SS-Totenkopf-Division im Gefecht im Westfeldzug 1940.

Die linke britische Kolonne kam gut voran. Auf dem Vormarsch durch Dainville zerschlugen die Panzer eine motorisierte deutsche Kolonne und machen einige Gefangene. Dann überrannten die Matildas eine deutsche Panzerabwehrbatterie bei Agincourt. Bei Agny und Beaurains stießen die schweren britischen Panzer und Rommels 6. Schützenbrigade, unterstützt von der Artillerie, und lieferten sich einen heftigen Kampf. Aber es gab keine britischen Truppen in Reserve, die nachsetzen konnten.
In der Zwischenzeit hatte die britische 50. Division einen Angriff auf Tilloy unternommen und auch die 13. Brigade hatte in Vorbereitung auf den zweiten Tag des Gegenangriffs einen Brückenkopf weiter östlich errichtet. Doch da sie das Gelände nicht halten konnte und im Rücken bedroht war, brach Franklyn den Angriff ab. Er war über 15 Kilometer vorgedrungen und hatte vierhundert Gefangene gemacht, aber er hatte bis auf sechsundzwanzig alle Mark-I-Panzer und zwei wertvolle Matilda II verloren.

Matilda II Panzer des englischen Expeditionskorps
Einige der wenigen Matilda II Panzer des englischen Expeditionskorps wurden in Brand geschossen.

Rommels anschließende Bemerkungen über dieses Gefecht sind es wert, erwähnt zu werden: ‚Die Panzerabwehrkanonen, die wir schnell einsetzten, erwiesen sich als viel zu leicht, um gegen die schwer gepanzerten britischen Panzer wirksam zu sein, und die meisten von ihnen wurden mitsamt ihren Besatzungen durch Schüsse außer Gefecht gesetzt und dann von den feindlichen Panzern überrollt.
Viele unserer Fahrzeuge waren ausgebrannt. SS-Einheiten in der Nähe mussten ebenfalls vor der Wucht des Panzerangriffs in den Süden zurückweichen.‘

In der offiziellen Geschichte der 7. Panzerdivision werden die Verluste an diesem Tag mit 378 Mann angegeben, viermal so hoch wie die Verluste beim bisherigen Durchmarsch durch Frankreich.

Am Abend griff Rommel nordwestlich von Arras an. In einem heftigen Gefecht wurden sieben weitere schwere britische Panzer ausgeschaltet, aber die Deutschen hatten weit mehr Panzer verloren als bei jeder anderen Operation zuvor.

Rommel in Frankreich
General Erwin Rommel während der Schlacht um Frankreich.

Das Scheitern des britischen Angriffs überzeugte Gort jedoch, dass sich das BEF auf Dünkirchen zurückziehen sollte.
Der neue alliierte Oberbefehlshaber Weygand flog am 21. Mai zur Front im Norden, um Billotte, Gort und den belgischen König Leopold zu besuchen. Bei seiner Landung in Calais erfuhr er, dass der König in Ypern war. Schließlich kam Weygand dort an und verbrachte mehrere Stunden damit, den König davon zu überzeugen, die belgische Armee auf die Yser zurückzuziehen. Dies hätte es dem BEF ermöglicht, sich zu sammeln, um nach Süden hin anzugreifen, während die Franzosen in Richtung der Somme angriffen.
Dann traf Billotte ein und wies auf den chaotischen Zustand der französischen Ersten Armee hin. Nachdem er auf Gort bis um 19 Uhr gewartet hatte, reiste Weygand ab. Wegen Luftangriffen konnte er nicht fliegen und erreichte Paris schließlich um 10 Uhr am 22. Mai über Dover und Cherbourg.

Gort traf erst kurz nach Weygands Abreise in Ypern ein, ohne jemals eine Benachrichtigung über das Treffen erhalten zu haben. Billotte berichtete ihm von Weygands Absichten, jedoch war Gort der Ansicht, dass er die notwendigen Änderungen für den Angriff nicht vor dem 26. Mai vornehmen konnte.

In dieser Nacht geriet Billones Auto, welches ihn zu Blanchard brachte, ins Schleudern und raste in das Heck eines Lastwagens mit Flüchtlingen. Billone wurde schwer verletzt und starb nach zwei Tagen im Koma. Dies war ein schwerer Schlag für die Alliierten, da er der Einzige war, der Weygands Pläne aus erster Hand kannte. In der Zwischenzeit vergingen drei Tage, bis Blanchard auf dessen Posten nachrückte, während Prioux die Erste Armee übernahm, ohne dass der ‚Weygand-Plan‘ in dieser Zeit koordiniert wurde.

Karte Durchbruch zum Kanal
Der Durchbruch zum Kanal mit den Frontlinien vom 16. bis 21. Mai 1940.

Am frühen 22. Mai rückten Guderians Panzer vor, um die Häfen am Ärmelkanal zu besetzen: Die 1. Panzerdivision und Grossdeutschland sollten nach Calais vorstoßen, während die 2. Panzerdivision nach Boulogne marschieren sollte.
An diesem Nachmittag wurden die Zufahrtsstraßen nach Boulogne heftig umkämpft, aber am Abend waren beide Divisionen am Rande ihrer Ziele angelangt. Über Nacht wurde die 10. Panzerdivision vorgezogen und ersetzte die 1. Panzerdivision. Letztere wurde in Richtung Dünkirchen geschickt, wurde aber am Aa-Kanal gestoppt.
Boulogne wurde bis zum 25. Mai von der irischen und walisischen Garde verteidigt, während Brigadier Nicholson in Calais bis zum 26. Mai ausharrte, was eine herausragende Abwehrleistung der britischen Schützen-Brigade war, welche dabei die deutsche 10. Panzer-Division festnagelte.

In der Zwischenzeit hatte General Altmayer seinen Angriff mit nur einem Infanterieregiment, dem 121., eingeleitet, das von der Artillerie und zwei Aufklärungsgruppen unterstützt wurde. Er begann die Operation östlich von Douai und seine leichten Panzer erreichten schnell den Stadtrand von Cambrai. Hier versetzten sie der deutschen 32. Infanterie-Division einen schweren Schlag, wurden aber von Henschel 123 Doppeldecker-Jabos bombardiert und von Bf 109 Emil mit Maschinenkanonen im Tiefflug beschossen. Schließlich wurde der Angriff von 88-mm-Kanonen aus einer Entfernung von nur 150 Metern gestoppt.

Da Gort weder über den Beginn des Angriffs noch über den ‚Weygand-Plan‘ informiert worden war, schickte er ein Telegramm an den britischen Kriegsminister, in dem er auf die mangelnde Koordination zwischen den drei Armeen hinwies und darum bat, dass Sir John Dill einfliegen solle, um eine Einschätzung vor Ort vorzunehmen. Zu Eden wies er darauf hin, dass er nicht genügend Munition für einen zweiten Angriff habe und dass die Unterstützung aus dem Süden kommen müsse.
In den frühen Morgenstunden des 23. Mai zog Gort die ‚Frankforce‘ zurück, und in der Nacht zogen sich die britische 5. und 50. Divisionen hinter dem Haute-Deule-Kanal, nordöstlich von Arras, zurück. Dies war eine unvermeidliche Entscheidung, die Gorr selbst getroffen hatte, welche aber bei den Franzosen tiefe Ressentiments auslöste. Er hatte akzeptiert, dass die französische Armee am Ende war und dass es seine natürliche Pflicht war, das BEF zu retten, um den Krieg von den Britischen Inseln aus fortzusetzen.

Damit war die Entscheidung im Westen gefallen !


Quellenangaben und Literatur

Der 2. Weltkrieg (C. Bertelsmann Verlag)
Zweiter Weltkrieg in Bildern (Mathias Färber)
A World at Arms – A Global History of World War II (Gerhard L. Weinberg)
Der Grosse Atlas zum II. Weltkrieg (Peter Young)
Historical Atlas of World War Two – The Geography of Conflict (Ronald Story)
Krieg der Panzer (Piekalkiewicz)
Luftkrieg (Piekalkiewicz)
France 1940 – Blitzkrieg in the West (Alan Shepperd)
u.a.


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