Schlacht um Frankreich, Wehrmacht Kriegsgliederung Waffenstillstand

Die Schlacht um Frankreich, Kriegsgliederung der Wehrmacht beim Waffenstillstand und Folgen.

Einmarsch deutscher Truppen in Paris.
Einmarsch deutscher Truppen in Paris.

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Schlacht um Frankreich

Die Schlacht um Frankreich, auch bekannt als der Fall von Frankreich, war ein großer militärischer Feldzug, welcher im Mai und Juni 1940 während des Zweiten Weltkriegs stattfand.

Überblick

Zeitachse: Die Schlacht begann am 10. Mai 1940 und endete mit der französischen Kapitulation am 22. Juni 1940.

Kombattanten: Deutschland und später Italien überfielen Frankreich, Belgien, Luxemburg und die Niederlande. Zu den Verteidigungskräften gehörten Frankreich, Großbritannien, Belgien und die Niederlande.

Deutsche Strategie: Die Deutschen wendeten die Taktik des „Blitzkriegs an, die schnelle, koordinierte Angriffe mit Panzern, Flugzeugen und motorisierter Infanterie vorsah.

Invasionsroute: Der deutsche Hauptangriff erfolgte durch den Ardennenwald, der als unpassierbar für Panzer galt und die Alliierten überrumpelte.

Reaktion der Alliierten: Die Alliierten waren nicht auf die Schnelligkeit und Wirksamkeit des deutschen Angriffs vorbereitet, was zu Verwirrung und Desorganisation führte.

Evakuierung von Dünkirchen: Vom 26. Mai bis zum 4. Juni wurden über 338.000 alliierte Soldaten von den Stränden Dünkirchens nach England evakuiert.

Fall von Paris: Die Deutschen nehmen Paris am 14. Juni 1940 ein.

Waffenstillstand: Frankreich unterzeichnete am 22. Juni 1940 einen Waffenstillstand mit Deutschland und kapitulierte damit.

Folgen: Frankreich wird in eine besetzte und eine unbesetzte Zone aufgeteilt, wobei letztere vom Vichy-Regime regiert wird. Großbritannien stand in Westeuropa allein gegen Deutschland.

Militärische Auswirkungen: Die schnelle Niederlage Frankreichs schockierte die Welt und etablierte das Dritte Reich als dominierende Macht in Kontinentaleuropa.

Die Schlacht um Frankreich war ein entscheidender deutscher Sieg, der den Verlauf des Zweiten Weltkriegs dramatisch veränderte und weitreichende Folgen für Europa und die Welt hatte.

Verlauf der Schlacht um Frankreich

Die Franzosen, die einen großen Teil ihrer besten Einheiten im Norden verloren hatten, versuchten nun, eine neue Verteidigungslinie quer durch Frankreich zu errichten und zu halten. Weygands einzige Hoffnung war, dass seine geschwächten Truppen die Deutschen aufhalten könnten, bis Verstärkungen für seine Front zur Verfügung stünden.
Diese Verstärkungen konnten im Wesentlichen aber nur von den aus Dünkirchen evakuierten Einheiten kommen, sobald sie in England wieder ausgerüstet waren. Einige Tage lang Anfang Juni sah es so aus, als ob die Entwicklung in diese Richtung gehen würde.

Die am 5. Juni gestartete deutsche Offensive wurde kurzzeitig aufgehalten, während General Brooke, der evakuierte ehemalige Kommandeur des britischen II. Korps, über Cherbourg nach Frankreich beordert worden war, um eine neue britische Expeditionsarmee zu organisieren und zu befehligen, die die britischen und kanadischen Streitkräfte, die sich bisher südlich des deutschen Durchbruchs befanden, mit den aus dem Vereinigten Königreich auf den Kontinent zurückkehrenden Einheiten zusammenfassen sollte.

All dies war jedoch ein Wunschtraum. In schweren Kämpfen durchbrachen die Deutschen die französische Front an der Somme und überwältigten den Widerstand, den einige französische Einheiten noch leisteten. Die deutschen Truppen drängten die französischen Verteidiger aus ihren provisorischen Stellungen und veranlassten die Flucht von Millionen von Zivilisten, welche verzweifelt versuchten, einem Gemetzel wie während des Ersten Weltkrieges zu entkommen.

eine Kolonne französischer Renault R-35 Panzer
In der Nähe von Le Havre: eine Kolonne französischer Renault R-35 Panzer auf dem Weg zur näher rückenden Front, während Flüchtlinge nach Westen ziehen.

Ebenfalls am 5. Juni 1940 schickten die Deutschen geringere Kräfte gegen den Rücken der Maginot-Linie und griffen dann in Richtung Süden an. Am 14. Juni marschierten die deutschen Truppen in Paris ein und am selben Tag durchbrachen sie die Maginot-Linie. Die französische Regierung hatte Paris zur ‚offenen Stadt‘ erklärt, was bedeutet, dass die Stadt nicht verteidigt werden würde und damit auch nicht zerstört werden müsste.

Die französische Armee zerfiel zusehends, und General Brooke, der anstatt ein neues britisches Expeditionskorps zu befehligen, musste stattdessen eine zweite Evakuierung von britischen Truppen aus Frankreich organisieren.
Während die deutschen Einheiten durch Frankreich stürmten, anstatt sich vorwärts zukämpfen, war die eigentliche Frage, ob die französische Regierung aus dem französischen Kolonialreich aus weiterkämpfen würde oder nicht und ob die Briten von den heimischen Inseln aus weiterkämpfen würden – wenn möglich – oder vom britischen Empire aus – wenn nötig.

Vormarsch durch Frankreich
Aufklärungsabteilung eines deutschen Luftwaffenverbandes auf dem Vormarsch durch Frankreich.

Diese Frage wurde durch Rücktritt der französischen Regierung am 16. Juni 1940 geklärt. Marschall Philippe Petain, der alternde Held des Ersten Weltkrieges, wurde zum ‚Führer des französischen Staates‘.

Waffenstillstand

Am 20. Juni unterzeichnete er einen Waffenstillstand, welcher den Westfeldzug beendete und die l‘ Armee de l‘ Armistice (Vichy-französischen Streitkräfte) auf 100.000 Mann beschränkte und Frankreich verpflichtete, die Besatzungskosten zu übernehmen.

Marschal Fochs Eisenbahnwaggon
Marschal Fochs Eisenbahnwaggon, in der die deutsche Delegation 1918 das Diktat der Sieger im 1. Weltkrieg annehmen mußte, wurde von Hitler als Ort für die Waffenstillstandsverhandlungen bestimmt.

Der Waffenstillstand teilte Frankreich in drei Hauptteile. Deutschland besetzte eine Zone mit dem industriellen Norden, die gesamte Atlantikküste und die urbanisierte Region um Paris.
Italien, welches am 10. Juni opportunistisch den Krieg erklärt hatte, erhielt einen Streifen an der Riviera im Südosten und Korsika.

Abgesehen von einigen Teilen im Norden wurde der Rest zum ‚Unbesetzten Frankreich‘ mit der Hauptstadt in Vichy und der Kontrolle über die Polizei, den Kolonien und der Marine, welche ihre meisten schweren Einheiten in Mittelmeer stationiert hatte.
Dieses ‚Vichy-Frankreich‘ hatte einen quasi-faschistischen Charakter und einen katholischen Konservatismus wie er nur in Spanien gekannt wurde, was zu der Bereitschaft führte, Juden und Kommunisten an die Gestapo auszuliefern, was nach dem Krieg Ursache für bittere Vergeltung wurde.

Vichy-Polizei
Vichy-Polizei geht gegen Kommunisten vor.

Charles de Gaulle, kurz zuvor noch zum General befördert, floh in letzter Minute nach England und kündigte die Aufstellung der Frei-französischen Streitkräfte im Exil an. Die Vichy-Regierung ließ ihn dafür vor einem Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilen.

Folgen

Die Verlustzahlen geben eine Vorstellung von dem, was passiert ist. Die deutschen Verluste im Westfeldzug beliefen sich auf insgesamt 156.492 Mann, wovon 27.074 Gefallene, 111.034 Verwundete und 18.384 Vermisste sind.
Die französischen Verluste werden – eher zu niedrig als zu hoch – auf 2,19 Millionen Mann geschätzt. Davon sind ca. 90.000 Gefallene, ca. 200.000 Verwundete und ca. 1.900.000 Kriegsgefangene und Vermisste.

Französische Kolonialsoldaten
Französische Kolonialsoldaten in einem deutschen Kriegsgefangenenlager im Sommer 1940.

Die Verluste der anderen Alliierten waren wesentlich geringer: 68.111 Briten, 23.350 Belgier und 9.779 Holländer.

Als Folge des Waffenstillstandes wurde Frankreich ‚gemolken‘, unter anderem auch durch Zwangsarbeit, was den Umfang der französischen Niederlage klarmacht.
Es trifft außerdem zu, dass dadurch Hitlers Glaube in seine eigene Unfehlbarkeit mit allen Folgen stark gesteigert wurde. Trotzdem lief es schief für Hitler. Sein größter Fehler war, dass er wohl selbst nicht an den Erfolg des brillanten Sichelschnitt-Plan geglaubt hatte und keine weiteren Vorkehrungen oder darauffolgende Planungen gemacht hatte. Schon das Entkommen des britischen Expeditionskorps von Dünkirchen nach England, wo es alleine durch seine Existenz mit dazu beitrug, eine deutsche Invasion der britischen Inseln zu verhindern und den Krieg zugunsten Deutschlands zu beenden, war die erste Folge daraus.


Schematische Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht, Stand 25.6.1940 früh

zerstörte französische Ortschaft
Eine der unzähligen beim Westfeldzug zerstörten französischen Ortschaften.

Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 25. Juni 1940 früh beim Waffenstillstand mit Frankreich.
Heeresgruppen, Armeen, Korps und Divisionen.

Am 10. Juni 1940 überschritten die deutschen Truppen die Seine, und am gleichen Tag trat auch das Italien von Mussolini in den Krieg ein. Am 12. Juni erklärte die französische Regierung Paris zur offenen Stadt und floh nach Bordeaux. Sie lehnte eine von Churchill angebotene Union zwischen Großbritannien und Frankreich ab. Der französische Ministerpräsident Reynaud trat zurück, und sein Nachfolger, Marschall Petain, akzeptierte am 22. Juni die deutschen Waffenstillstands-Bedingungen.

Nach der Unterzeichnung des separaten italienisch-französischen Waffenstillstandsvertrages tritt am 25. Juni 1940 ab 01:35 Uhr offiziell in ganz Frankreich Waffenruhe ein. Die deutschen Verluste in diesem atemberaubenden Siegeszug beliefen sich auf 27.074 Gefallene, 18.384 Vermisste (die man den Gefallenen zurechnen muss) und 111.034 Verwundete. 534 Flugzeuge gingen verloren.

Vom Zeitpunkt der Waffenruhe ist die nachfolgende Kriegsgliederung der Wehrmacht.

Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht:

Heeres-Gruppe
Armee
Korps
Division
Militär-Befehlshaber Belgien und Nord-Frankreich in Brüssel
III. Korps (Lille)
208., 254., 358., 225., 351. Inf. Division
Heeres-Gruppe B in der Normandie, Bretagne und West-Frankreich (Reserve: XXVIII. Korps mit 18., 14. Inf. Division)
Militär-Befehlshaber Paris
87., 217., 30., 56. Inf. Division
4. Armee (Reserve: X. Korps mit 61., 251., 216., 57., 256. Inf. Division, Brigade Stenger)
II. Korps
32., 12., 31. Inf. Division
XXXVIII. Korps
6., 46., 27. Inf. Division
Panzer-Gruppe Kleist (zu 4. Armee)
XXII. Korps
mot. Inf.Regiment 900
XV. Korps
7., 5. Panzer, 2. mot. Inf. Division, 11. Schnelle Brigade
XIV. Korps
9., 10. Panzer-Div., SS-Verfügungs, SS-Totenkopf Division
18. Armee (Reserve: 62., 255. Inf. Division)
I. Korps
1. Kavallerie, 11., 1. Inf. Division
VIII. Korps
8., 28., 19. Inf. Division
XXXX. Korps
9., 44. und Teile der 94. Inf. Division
6. Armee (Reserve: V. Korps mit 35. und Teile der 98. Inf. Division)
IV. Korps
33., 4. Inf. Division
XXXXIV. Korps
263., 72. und Teile der 83. Inf. Division
Heeres-Gruppe A in Mittel-Frankreich
9. Armee (Reserve: 211. Inf. Division)
XVIII. Korps
25., 298. und Teile 81. Inf. Division
XXXXIII. Korps
292. und Teile der 88. und 96. Inf. Division
XXXXII. Korps
291., 50. Inf. Division
XVI. Panzer-Korps
3., 4. Panzer, 13. motorisierte Inf. Division, Inf.Reg. Grossdeutschland, SS-Division Adolf Hitler
2. Armee (Reserve: 294., 267. Inf. Division
VI. Korps
5., 293. Inf. Division
IX. Korps
205., 15. Inf. Division
XXVI. Korps
295., 34., 45. Inf. Division
12. Armee (Reserve: 1. Gebirgs Division, XI. Korps mit 7., 253., 269. Inf. Division)
III. Korps
52., 3., 23., 298. Inf. Division
XIII. Korps
260., 21., 17. Inf. Division
XXIII. Korps
73., 82. (verstärkte) Inf. Division
XVII. Korps
86., 10., 26. Inf., Polizei-Division
Heeres-Gruppe C in Elsaß-Lothringen
16. Armee (Reserve: 169. Inf. Division)
VII. Korps
16., 68., 24., 36. Inf. Division
XXXVI. Korps
71., 76., 212., 299., 58. Inf. Division
Panzer-Gruppe Guderian (XIX. Korps) als Teil der 16. Armee
XXXIX. Korps
1., 2. Panzer, 29. mot. Inf. Division
XXXXI. Korps
6., 8. Panzer, 20. mot. Inf. Division
1. Armee (Reserve: 197. Inf. Division)
XXXXV. Korps
167. und Teile 95. Inf. Division
XXX. Korps
258., 79. und Teile 93. Inf. Division
XII. Korps
268., 75., 198. Inf. Division
XXIV. Korps
60., 252., 168. Inf. Division
XXXVII. Korps
215., 246., 262., 257. Inf. Division
7. Armee
XXV. Korps
6. Gebirgs, 555., 557. Inf. Division
XXVII. Korps
218., 221. Inf. Division
XXXIII. Korps
213., 239., 554., 556. Inf. Division
In der Heimat
Gen. z.b.V. (Hannover)
228., 231., 311. Inf. Division
XXXIV. Korps und XXXV. Korps
209., 365., 372., 379., 393. Inf. Division
XXI. Korps
2., 3. Gebirgs, 69., 214., 163., 181., 196. Inf. Division
OKH Reserven
22. Inf. Division
Ersatzheer und Chef der Heeres-Rüstung
386., 395., 399. Inf. Division

Zahlenmäßige Übersicht der vollständig aufgestellten und einsatzbereiten Divisionen der deutschen Wehrmacht, Waffen-SS und Luftwaffe im Westen:

Panzermot.Inf.Kav.Inf.GebirgsLuft- landeinsg.
Heeres-Gruppe B44133--42
Heeres-Gruppe A22 1/3-32 2/31-38
Heeres-Gruppe C42-331-40
Norwegen---52-7
Heimat---8--8
Reserven und Besatzungstruppen im Westen---9-211
insg.108 1/31120 2/342146

Ungefähre Soll-Stärke der wichtigsten Divisions-Typen des Feldheeres im Jahr 1940:
siehe Wehrmachts-Verbände Organisation 1939-41.


Die ‚Goldene Gans‘

Frankreich wurde so nach dem Westfeldzug zur ‚Goldenen Gans‘ des Dritten Reiches, welches nun die Hälfte aller kriegswichtigen französischen Industrieanlagen kontrollierte. Der Großteil seiner Schiffs-, Flugzeug-, Aluminium-, Kraftfahrzeug- und Gummi-Industrien, die Hälfte seines Stahls und Holz und ein großer Teil seiner Wolle, Chemikalien und Heu standen jetzt den Deutschen zur Verfügung.
Das französische Eisenerz macht es weniger dringend für die Deutschen, schwedische Erze einzukaufen. Französischer Treibstoff hielt die Fahrzeuge der Wehrmacht, Flugzeuge der Luftwaffe und Schiffe der Kriegsmarine am Laufen, bis die Ölfelder Rumäniens und Russlands erreicht waren.
Französische Lebensmittel, wie pflanzliche Öle und Fette, Wein, Fisch, Fleisch und Mais versorgten das Deutsche Reich für vier Jahre.

'Soldatenkaffee' in Paris
Das deutsche ‚Soldatenkaffee‘ in Paris.

Die französische Produktion entsprach dabei etwa ein Viertel des deutschen Bruttosozialproduktes. Aber die Kosten waren nicht nur ökonomisch, denn etwa 600.000 Franzosen starben während des 2. Weltkrieges, davon ein Drittel im Kampf. Die Vichy-Regierung schickte Tausende zur Arbeit nach Deutschland, zwangsverpflichtete noch mehr Tausende zur Arbeit in Minen und Fabriken und schickte 75.000 Juden in die Konzentrationslager. Bis 1944 waren Millionen von Franzosen inmitten eines reichen landwirtschaftlichen Gebietes unterernährt.

Ursachen der französischen Niederlage

Wie konnte es passieren, dass Frankreich trotz seiner starken Festungslinie, einer zahlenmäßig größeren Armee mit mehr Panzern und genau so vielen Flugzeugen wie Deutschland und mit Unterstützung Großbritanniens und der Benelux-Staaten, trotzdem beim Westfeldzug so schnell geschlagen wurde ?
Es gibt vielerlei Gründe, beginnend mit dem Mangel an gemeinsamer Planung, sowohl mit den Belgiern als auch bei der militärischen Koordination mit Großbritannien. Dazu gibt es fünf weitere Hauptgründe.

Zum Ersten konzentrierten die Deutschen – im Gegensatz zu den Alliierten – ihre Panzer und Kraftfahrzeuge in spezielle motorisierte und gepanzerte Divisionen auf einen einzigen Abschnitt der Front. Nachdem sie einmal die Ardennen durchquert hatten, befanden sich in einer Gegend mit zahlreichen guten Straßen, wo die Entfernungen kurz waren und die Versorgungskolonnen Schritt halten konnten.

Zweitens – ebenfalls im Gegensatz zu den Alliierten – verwendeten die Deutschen die Doktrin der sich gegenseitig unterstützenden Waffengattungen. Panzer, Artillerie, Infanterie und vor allem Flugzeuge traten gemeinsam an und unterstützen sich gegenseitig. Stukas bombardierten die Zufahrtsstraßen und verursachten Chaos und Messerschmitt Bf 109 Jäger hielten den Luftraum frei und feuerten mit ihren Bordwaffen im Tiefflug auf feindliche Kolonnen, alles in enger Zusammenarbeit und Unterstützung der Bodentruppen.

Zum Dritten versagte die französische Aufklärung vollkommen. Die Franzosen sind niemals auf die Idee gekommen, dass die Deutschen durch die Ardennen angreifen würden. Sie platzierten also ihre schwächste Armee an das ‚Scharnier‘ der Tür zur Westfront, welche unter den deutschen Panzern zerbrach.

Zum Vierten waren die französischen Nachrichtenverbindungen und Transporteinheiten schlecht ausgerüstet. In Deutschland wurden die wichtigsten Einheiten, einschließlich Fliegerstaffeln, mit Funkgeräte für die taktische Koordination ausgerüstet, bei den Franzosen kaum. Dazu konnten die französischen Verbände, immer unter den Mangel an Kraftfahrzeugen leidend, nicht schnell genug an die bedrohten Frontabschnitte herankommen.

Französische Soldaten ergeben sich
Mit erhobenen Händen gehen französische Soldaten in deutsche Gefangenschaft.

Und zum Fünften war der deutsche Soldat überlegen, durchdrungen mit dem Gefühl der Rache für die Niederlage im 1. Weltkrieg und den schmachvollen Frieden von Versailles und durchdrungen von dem Expansionseifer der Nazi-Führung. Der deutsche Soldat ergriff öfter die Initiative und kämpfte härter, seine Kampfkraft war überlegen.
Die Moral der alliierten Truppen war anfangs zwar gut, aber nicht herausragend. Die französischen Soldaten waren kampfbereit, aber nicht auf den Kampf versessen – und an den entscheidenden Stellen, wie z.B. bei der Überquerung der Maas und bei anderen Schlüsselgefechten, machte dies den Unterschied aus.

So wurde der Fall Frankreichs durch den Westfeldzug zu einer der großen Katastrophen in der modernen Geschichte. Nur dieser Fall hat es Hitler ermöglicht, Unternehmen Barbarossa zur Eroberung Russlands zu beginnen und die Endlösung der Judenfrage umzusetzen. Beinahe wären die westlichen Demokratien besiegt worden.


Quellenangaben und Literatur

A World at Arms – A Global History of World War II (Gerhard L. Weinberg)
Historical Atlas of World War Two – The Geography of Conflict (Ronald Story)
Signal, Years of Triumph 1940-42 + 1943-44 – Hitler’s Wartime Picture Magazine (S.L.Mayer)
World War II – A Statistical Survey (John Ellis)
Der Grosse Atlas zum II. Weltkrieg (Peter Young)
Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Band 1-8 (Percy E. Schramm)
Kraftfahrzeuge und Panzer der Reichswehr, Wehrmacht und Bundeswehr (Werner Oswald)
The Armed Forces of World War II (Andrew Mollo)
France 1940 – Osprey Military Campaign Series 3 (Alan Shepperd)

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