Geschichte der 116. Panzer-Division: Aufstellung und Einsätze 1944/45 der ‚Windhunde‘-Division.
Die 116. Panzer-Division, ebenso wie die Panzer-Lehr-Division, bewiesen, wenn neue Formationen in der letzten Kriegsphase um starke, erfahrene Veteranen aufgebaut und mit ausreichend guten Waffen ausgerüstet wurden, dass von ihnen eine sehr hohe Kampfkraft und Zuverlässigkeit erwartet werden konnte. Allerdings waren auch diese Vorzüge nur soviel wert, wie ausreichend Treibstoff, Nachschub und Ersatz zur Verfügung stand oder die überwältigende, feindliche Überlegenheit – vor allem in der Luft – sich nicht voll auswirken konnte.
116. Panzer-Division
Kommandeure
- Generalmajor Gerard Müller (März bis Mai 1944).
- General Gerhard Graf von Schwerin (Mai bis September 1944).
- Generalmajor Heinrich Vogtsberger (September 1944).
- Generalmajor Siegfried von Waldeburg (September 1944 bis Mai 1945).
Aufstellung
Die herausragende 116. Panzer-Division, welche inoffiziell als ‚Windhund-Division‘ und bei dem Gegner als ‚Greyhound-Division‘ bekannt wurde, entstand erst im März 1944.
Dabei wurden die Reste der von der Ostfront zurückgekehrten 16. Panzer-Grenadier-Division verwendet, zu welcher die Panzer-Abteilung 116 gehörte und was vermutlich zur neuen Bezeichnung der nunmehr als Panzer-Division wiederhergestellten Formation führte. Die Panzer-Abteilung wurde gleichzeitig in Panzer-Regiment 16 umbenannt.
Des Weiteren wurden Einheiten der thüringisch-hessischen 179. Reserve-Panzer-Division, sowie Genesene, Urlauber und anderen abkommandierten Soldaten für die Aufstellung der 116. Panzer-Division verwendet. Dies geschah zuerst in der Gegend nordwestlich von Paris.
Im Einzelnen wurden zur Aufstellung der Division das Res.Pz.Gren.Rgt. 81 als Pz.Gren.Rgt.60, das Res.Pz.Gren.Rgt. 29 als Pz.Gren.Rgt 156, die Res.Pz.Aufkl.Abt. 1 als Pz.Aufkl.Abt. 116, die Res.Panzerjäger-Abt. 9 als Panzerjäger-Abt. 228, die Res.Art.Abt. 29 as Pz.Art.Rgt. 146 verwendet.
Für das Panzer-Rgt. 16 wurde der Panzer-Regimentsstab 69 der Heerestruppen als Stab Pz.Rgt. 116 (ab 20. Mai 1944 als Pz.Rgt. 16) verwendet.
Die Res.Pz.Abt.1 wurde zum II./Pz.Rgt. 16 und war mit PzKpfw IV ausgerüstet. Allerdings verfügte das Panzer-Regiment im Sommer immer noch über einige ältere Versionen des PzKpfw IV und sogar einige veraltete PzKpfw III.
Die Pz.Abt 166, welche ab Mai in Grafenwöhr auf Panther-Panzer umgerüstet wurde, konnte der Division erst am 15. Oktober 1944 als Panther-Abteilung I./Pz.Rgt. 16, zugeteilt werden. Deshalb wurde ab Mai die Panther-Abteilung I./Pz.Rgt. der Panzergrenadier-Division Grossdeutschland als Pz.Rgt. 16 der Division unterstellt, welche Ende Juni durch die I./Pz.Rgt.24 – ebenfalls PzKpfw V – abgelöst wurde.
Da der Verband größtenteils aus erfahrenen Soldaten und Einheiten bestand, war nur eine kurze Ausbildungszeit und Training an neuem Gerät vorgesehen und die Einsatzbreitschaft wurde bereits für den 15. Mai 1944 befohlen. Dieser Termin wurde später auf den 1. Juli verschoben.
Innerhalb von drei Monaten seit dem Aufstellungsbeginn im März 1944 befanden sich jedoch die meisten Teile der neuen 116. Panzer-Division in Stellungen am Flussufer an der Seine und erwarteten die alliierte Invasion.
Gliederung
116. Panzer-Division | Einheiten |
---|---|
Stab / 116. Panzer-Division | mit Begleit-Kompanie, teilweise gepanzert |
Pz.Gren.Rgt. (tgp) 60 | I. (Schützenpanzer), II.; s.IG (schwere Infanteriegeschütz)/Pionier-Kompanien |
Pz.Gren.Rgt. (mot) 156 | I., II. |
Panzer-Regiment 16 | II. (Pz IV), I. (Pz V) ab Dez.1944 |
I./Pz.Rgt. GD | Panther-Abteilung (bis Juli) |
I./Pz.Rgt. 24 | Panther-Abteilung (Juli bis Oktober) |
Pz.Artillerie-Rgt. 146 | I.-III. (I/146 mit 3 Batterien Panzerhaubitzen) |
Pz.Aufkl.Abt. 116 | vier Pz.Aufkl.Kpn (2 als SPW-Kompanien) |
Pz.Nachr.Abt. 228 | Funk&Fernsprech-Kompanien |
Panzerjäger-Abt. (Sfl.) 228 | 2 Panzer-Jäger-Kompanien (auf Selbstfahrlafetten, darunter Jagdpanzer IV), 1 mit schwerer Pak mit Zugkraftwagen |
Pz.Pionier-Btl. 675 | 3 Pionier-Kompanien (3. mit Schützenpanzern) |
He.Flak-Art.Abt.(mot.) 281 | 2 schwere und eine gemischte Flak-Batterie mit Zugmaschinen |
Pz.Feld-Ersatz-Btl. 146 | |
Pz.Div. Nasch.-/Kfz./Park-/Verwalt./San-Truppen-Nr. 66 |
Die 116. Panzer-Division wurde entsprechend eines OKH-Befehls vom 30. März 1944 als ‚Pz-Div. 44‚ mit freier Gliederung aufgestellt.
Deshalb wurde das II./Pz.Art.Regiment 146 nicht zu den üblichen 2 Batterien zu je sechs Geschützen, sondern in 3 Batterien zu je 4 Geschützen und mit Zugmaschinen gegliedert.
Das I./Pz.Rgt.16, welches aus der Pz.Abt.116 entstanden war, und im August 1944 auf PzKpfw V Panther in Grafenwöhr fertiggestellt war, wurde am 6. September 1944 mit der Sollstärke von etwa 50 Panzern, der Panzer-Brigade 111 zugeteilt und nach Lothringen zur 5. Panzer-Armee verlegt. Der Einsatz erfolgte südwestlich Dieuze und Mitte Oktober wurden die verbliebenen Panzer dem Pz.Rgt.15 der 11. Panzer-Division übergeben.
Anschließend wurden Mannschaften und anderes Material nach Grafenwöhr zurückgebracht, wo sie neue Panther erhielten und bis Ende November 1944 schließlich wieder zur 116. Panzer-Division in der Gegend von Mönchengladbach zurückkehrten.
Einsätze
Am 9./10. Juni 1944, kurz nach dem Beginn der alliierten Invasion, wurde die 116. Panzer-Division in Richtung der Kanalküste vorgezogen. Mitte Juni erfolgte die Verlegung der Division als Reserve hinter die Infanterieverbände der 15. Armee zur Sicherung der Küste südlich der Somme.
Vom 19. bis 24. Juli 1944 wurde die Division mit Fähren über die Seine transportiert und der ‚Panzer-Gruppe West‘ unterstellt, wo sie bis zum 28. Juli hinter dem I.SS-Panzer-Korps als Reserve stand.
Am 28. Juli marschierte die Division zur 7. Armee von Rommels Heeresgruppe B in den Süden, um im Rahmen des XLVII. Panzerkorps gegen den amerikanischen Durchbruch bei St.Lo während der ‚Operation Cobra‘ eingesetzt zu werden.
Sie nahm am deutschen Gegenangriff bei Mortain teil, welche eine der größten Panzerschlachten im Westen war. Der Angriff scheiterte und konnte den amerikanischen Durchbruch nicht aufhalten und die 116. Panzer-Division wurde nach und nach in den ‚Kessel von Falaise‘ zurückgedrängt.
Dort erfolgte zuletzt die Verteidigung am Südrand, dann an der Ostfront des Kessels, wo die nunmehrige Kampfgruppe der 116. Panzer-Division bis zum 20. August eine Bresche offenhielt, durch welche die Reste der 7. Armee sich nach Osten absetzen konnten.
Im Rahmen der 5. Panzer-Armee folgten Rückzugskämpfe auf die untere Seine bis Ende August. Rückzug zwischen dem 29. August bis zum 12. September durch Nordfrankreich und Belgien bis in die Gegend von Lüttich und Eupen.
Nach diesen Kämpfen und Rückzug aus der Normandie verfügte die Division über nur noch 600 Mann mit 12 Panzern. Diese Reste wurden bis zum 27. September noch beim Kampf um Aachen eingesetzt, wo es ihnen gelang, den erste amerikanischen Angriff gegen den Westwall abzuwehren, bevor sie schließlich zurückgedrängt wurden.
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Vom 4. bis 16. November stand die Division in Kämpfen gegen US-Truppen bei Vossenack und Hürtgen im Hürtgenwald, wobei erfolgreiche Gegenangriffe und Abwehrkämpfe stattfanden. Dabei erzielte die Division am 8. November einen beachtenswerten Sieg, als sie die Ortschaft Schmidt von der amerikanischen 28. Infanterie-Division in heftigen Kämpfen zurückerobern konnte, wobei lediglich 15 deutsche Panzer ausfielen.
Es erfolgte eine kurze und frontnahe Auffrischung in der Gegend von Mönchengladbach und die Versammlung für das Unternehmen ‚Wacht am Rhein‘ in der Eifel.
Die 116. Panzer-Division war eine der Speerspitzen bei der am 16. Dezember beginnenden Ardennen-Offensive, wo sie sich ausgezeichnet bewährte. Nachdem die deutsche Offensive bis zum 26. Dezember in sich zusammengebrochen war, folgten Abwehrkämpfe und Rückzugsgefechte bis Mitte Januar 1945.
Die 116. Panzer-Division wurde anschließend nach Kleve an der holländischen Grenze verlegt, wo sie vom 12. Februar bis 9. März in der ‚Schlacht am Niederrhein‘ Gegenangriffe und Abwehrkämpfe bestritt. Die Gefechte fanden gegen eine Mischung aus Truppen der 9. US-Armee, welche von Süden vorstießen, der 1. kanadischen Arme und dem britischen XXX. Korps im Norden, statt.
Dabei geriet die 116. Panzer-Division in eine gefährliche Lage, als sie im Wesel-Kessel eingeschlossen wurde und sich am 5. März über den Rhein zurückziehen musste, bevor die Brücke hinter ihr gesprengt wurde.
Nach kurzer Auffrischung stand die Division ab dem 25. März wieder im Einsatz im Rahmen des XLVII. Panzerkorps der Heeresgruppe H, mit dem Ziel, den Vorstoß von US-Truppen südlich der Lippe zum Stehen zu bringen. Über die nächsten zwei Tage gelang es der wieder einmal sehr geschwächten ‚Windhund‘-Division, den Versuch der US-Truppen nach Osten vorzustoßen, aufzuhalten. Nachdem aber die britische 6. Garde-Panzer-Brigade ihre Stellungen erfolgreich überflügeln konnte, musste sich die Division zurückziehen.
Am 1. April stand die Division in einer Front gegen Osten und dann im Rahen der 1. Fallschirm-Armee nach dem Absetzen von der Lippe mit Front nach Norden.
Die Reste der Division verteidigten dann die Nordflanke des Ruhrgebietes, welches zum ‚Ruhrkessel‘ wurde. Mitte April 1945 hielt die Division Abwehrstellungen in der Gegend von Hamm, Werl, Menden und dann Herner und Iserlohn. Am 18. April kapitulierte die Masse der Überlebenden der 116. Panzer-Division gegenüber der 9. US-Armee im ‚Ruhrkessel‘.
Einige vorsorglich hinter die Weser zurückgezogene Teile der Division kämpften bis zuletzt in den Kampfgruppen der 11. Armee des General Lucht im Harz und einige Reste gelangten sogar noch bis zur 12. Armee des General Wenck.
Besondere Abzeichen
Dieses Abzeichen wurde auf der linken Seite der Feldkappe und auf der linken Seite auf des Bandes der Schirmmütze getragen. Dieses Abzeichen wurde weitverbreitet in den Nachkriegsjahren nachgeahmt und gefälscht, weshalb Uniform-Sammler vorsichtig sein sollten.
Quellenangaben und Literatur
The Panzer Divisions (Men-At-Arms, Martin Windrow)
German Army Elite Units 1939-45 (Osprey, Gordon Williamson)
Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939-1945 (Bundesarchiv-Militärarchiv und Arbeitskreis Wehrforschung)
Die gepanzerten und motorisierten deutschen Grossverbände 1935-1945 (Rolf Stoves)
Windhunde – Bildband der 116. Pz.Div. (K. Wendt)
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