Die italienischen Streitkräfte nach September 1943 bis 1945: Mussolinis ‚Italienische Sozialistische Republik‘ im Norden und die auf alliierter Seite mitkämpfenden ‚Co-Belligerent‘-Truppen des Königreichs Italiens im Süden.

Die italienischen Streitkräfte 1943 bis 1945

Nach Mussolinis Absetzung und der anschließenden italienischen Kapitulation entstanden zwei neue Streitkräfte in Italien: die faschistischen Truppen von Mussolinis ‚Italienischer Sozialistischer Republik‘ (RSI), welche gegen Partisanen und alliierte Truppen, sowie gegen die ‚Co-Belligerent‘-Einheiten des auf alliierter Seite mitkämpfenden Königreich Italiens aus dem Süden zum Einsatz kamen. Dies führte neben den Gefechten zwischen deutschen und alliierten Truppen auch oft zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen den zwei verfeindeten italienischen Lagern.
Armee der Italienischen Sozialistischen Republik

Die Aufstellung einer neuen Armee in einem Kriegsgebiet war nicht einfach. Die Deutschen weigerten sich, dafür die 600.000 italienischen Soldaten freizulassen, die sie am 8. September gefangengenommen hatten, da diese in der deutsche Rüstungswirtschaft eingesetzt werden sollten. Jedoch wurde Mussolini erlaubt, aus diesen Männern 13.000 Freiwillige zu rekrutieren.
Bis März 1944 gelang es den Faschisten dann, 60.000 Mann unter Waffen zu bringen. Zwischen September und November 1944 kehrten die ersten vier Divisionen, die nach Deutschland zur Ausrüstung und Ausbildung geschickt worden waren, nach Italien zurück. Sie kämpften an der Seite der Deutschen während der restlichen Zeit des Italienfeldzuges.

Uniform
Allerdings wurden alle monarchistischen Symbole von den Abzeichen entfernt und der fünfzackige Stern wurde durch ein römisches Schwert (‚Cladio‘) in einem Lorbeerkranz ersetzt, welches zum Symbol der RSI wurde.
Ende 1944 wurde eine neue Kleiderordnung eingeführt, um die italienische Uniform mehr dem deutschen Aussehen anzupassen, aber die allgemeine Kriegs- und Versorgungslage führte dazu, dass diese Vorschriften nie wirklich in Kraft traten und nur einige wenige, höhere Offiziere sie tatsächlich trugen.
Die RSI war viel zu sehr mit ihrem Überlebenskampf gegen die Alliierten und die innere Bedrohung durch kommunistische und royalistische Partisanen beschäftigt, als sich über ihre Uniformen Gedanken zu machen.
Sowohl Offiziere als auch Mannschaften trugen zur Konfusion bei, indem sie die unterschiedlichsten und exzentrischsten Stile bei ihrer Kleidung verwendeten. Die spitze Bustina wurde weit verbreitet als Kopfbedeckung getragen, neben dem Alpini-Hut und dem Bersaglieri-Fez.
Rangabzeichen
Die Rangabzeichen wurden von den Manschetten auf die Schulterriemen verschoben, aber das neue Muster der Dienstgradabzeichen aus der Vorschrift vom September 1944 wurde nie eingeführt.
Die in Deutschland ausgebildeten und ausgerüsteten Divisionen übernahmen deutsche Dienstgradabzeichen als praktische Maßnahme, um den deutschen Ausbildern es zu ermöglichen, die Dienstgrade der italienischen Offiziere und Mannschaften sofort zu erkennen. Nach ihrer Rückkehr nach Italien wurden die deutschen Rangabzeichen aber in der Regel entfernt.
Neue farbige Abzeichen und Kragenspiegel wurden eingeführt, um den Dienstgrad anzuzeigen.
Paramilitärische Streitkräfte
Die GNR, die sich aus ehemaligen Mitgliedern der Carabinieri-Miliz (welche ebenfalls aufgelöst worden war, weil sie loyal zum König gestanden hatte) und ehemaligen Mitglieder der italienischen afrikanischen Polizei, wurde sowohl zu militärischen als auch für zivile polizeiliche Aufgaben verwendet.
Mit der Konstituierung der Sozialistischen Republik tauchten ehemalige Mitglieder der alten faschistischen Kader (Squadristi) wieder auf und begannen das Land auf der Suche nach ‚Verrätern‘ zu durchkämmen. Pavolini, Sekretär der Nationalfaschistischen Partei, wollte die Squadristi im Krieg gegen den inneren Widerstand und gegen die Partisanen einsetzen, und so wurden am 26. Juli 1944 die Schwarzen Brigaden als bewaffnete Truppe der Faschistischen Partei gegründet.
Berühmt-berüchtigt für ihre Grausamkeit im Dienste der deutschen Sicherheitskräfte (SS, SD und Polizei), repräsentierten die Schwarzen Brigaden die besten und zugleich schlimmsten Elemente der Sozialistischen Republik: dekorierte Helden, Kindermaskottchen, gewöhnliche Kriminelle, Opportunisten und Idealisten.
Uniform:
Die Nationalgarde behielt die Kragenspiegel und das schwarze Hemd der Miliz (MVSN), übernahm aber ein Paar roter Buchstaben ‚M‘ (für Mussolini) anstelle des Gladio.
In der Realität wurde jedoch eine erstaunliche Vielfalt von extravaganten und unregelmäßigen Uniformen und Insignien aus persönlichen Erfindungen getragen, deren gemeinsamer Nenner der Totenkopf mit gekreuzten Knochen und Mottos, welche alle den Tod einschlossen, waren.
Luftwaffe der RSI

Nach der italienischen Kapitulation hatten die Deutschen alle greifbaren italienischen Flugzeuge und die Ausrüstung beschlagnahmt, sowie Piloten und Techniker gefangengenommen. Botto gelang es, das meiste davon zurückzubekommen, aber seine Zusammenstöße mit General Wolfram von Richthofen und deutsche Versuche, die RSI-Luftwaffe in die deutsche Luftwaffe einzugliedern, führte dazu, dass die Italiener erst im Oktober 1943 einsatzbereit waren.
In der Zeit von Januar 1944 bis April 1945 gelang ihnen der Abschuss von 240 alliierte Flugzeuge, hauptsächlich B-17 Fliegende Festung und B-24 Liberator.
Die Hauptstärke der RSI-Luftwaffe lag bei den Jagd- und Torpedoflugzeugen. Es gab eine Bomberstaffel, die jedoch aus politischen Gründen an die Ostfront geschickt wurde.
Torpedoflugzeuge operierten gegen die alliierte Flotte im Mittelmeer ab März 1944 und im Juni des Jahres nahmen sie auch an der Bombardierung Gibraltars teil.
Nach September 1943 blieb die Uniform der Luftwaffe der Sozialistischen Republik praktisch weiterhin unverändert, lediglich der Stern darauf wurde durch das Gladio ersetzt.
Marine der RSI

Die Seestreitkräfte der RSI wurden ‚Marina Nazionale Repubblicana‘ (MNR) genannt, manchmal auch als ‚Marina della RSI‘ bezeichnet.
Nur wenige Marineangehörige schlossen sich Mussolinis MAS-Flottille an, welche deutsche Kampfschwimmer für den Einsatz mit kleinen Kriegsbooten einwies und zusammen mit diesen Angriffen auf alliierte Schiffe durchführte, welche allerdings bis zu diesem Zeitpunkt bereits Routinevorkehrungen gegen so etwas getroffen hatten.
Dort waren etwa ein Dutzend MAS-Boote und Kleinst-U-Boote im Einsatz. Die meisten ex-italienischen Schiffe wurden jedoch von der deutschen Kriegsmarine übernommen und bemannt. Daher erreicht die faschistische Marine nur fünf Prozent der Größe der ‚Co-Belligerent‘-Flotte des italienischen Königreichs im Süden.
Die RSI-Marine verfügte nur über äußerst begrenzte Ressourcen, Schiffe und Personal, da der größte Teil der italienischen Flotte entweder zu den Alliierten übergelaufen oder interniert worden war. Die Deutschen beschlagnahmten viele Schiffe und setzten sie unter der Kontrolle der Kriegsmarine ein, manchmal mit italienischen Besatzungen. Die RSI-Marine operierte hauptsächlich in der Adria und im Ligurischen Meer und konzentrierte sich auf Partisanenbekämpfung, Geleitschutz und Minenräumung sowie auf Sondereinsätze.
Wichtigeste Kriegsschiffe und Einheiten der RSI-Marine (1944-45):
Torpedoboote (Torpediniere)
– Baureihe TA: Mehrere ehemalige italienische Torpedoboote wurden von den Deutschen übernommen (mit TA bezeichnet, z. B. TA20, TA23 usw.), aber einige waren teilweise mit RSI-Personal besetzt.
– Bemerkenswerte Beispiele: TA20 (ex-italienische Audace) wurde mit gemischter deutsch/italienischer Besatzung eingesetzt; TA35 (ex-Corsaro) mit ähnlicher Konstellation.
MAS-Boote (Motoscafo Armato Silurante)
– Mehrere MAS-Boote (Torpedo-Motorboote) wurden von der RSI eingesetzt, insbesondere in der Adria und im nördlichen Tyrrhenischen Meer. Sie wurden für Angriffe auf die alliierte Schifffahrt, zur Minenlegung und zur Partisanenbekämpfung eingesetzt.
Kleinst-U-Boote der CB-Klasse
– Eine Handvoll Zwerg-U-Boote der CB-Klasse (40 Tonnen, 4 Mann) wurden von der RSI hauptsächlich in der Adria eingesetzt. Einige wurden im Schwarzen Meer unter deutsch/italienischem Kommando eingesetzt.
U-Boot-Jäger und Patrouillenboote
Eine kleine Anzahl ehemaliger italienischer U-Boot-Jäger und Patrouillenboote wurde zur Küstenverteidigung und zur Partisanenbekämpfung eingesetzt.
Motor-Torpedoboote (MTB)
– MS-Boote (Motosilurante): Mehrere Boote vom Typ MS wurden von der RSI für schnelle Angriffs- und Patrouilleneinsätze verwendet.
Spezielle Angriffsboote
Die RSI unterhielt weiterhin einige MAS-Einheiten der Decima Flottiglia, die Spezialboote wie:
– MTM (Motoscafo da Turismo Modificato): Explosive Motorboote.
– SLC („Siluro a Lenta Corsa“): Menschliche Torpedos („Maiale“).
Diese Einheiten führten Sabotage- und Kommandoangriffe durch, manchmal in Zusammenarbeit mit der deutschen Kriegsmarine.
Hilfs- und Unterstützungsschiffe
Eine Vielzahl kleiner Hilfsschiffe (Minenjagdboote, Schlepper, Transporter) wurde eingesetzt.
Bemerkenswerte Einheiten und Verbände
– Decima Flottiglia MAS: Unter Junio Valerio Borghese blieb diese berühmte Kommandoeinheit unter der Kontrolle der RSI aktiv und führte Razzien, Sabotage und Anti-Partisanen-Aktionen durch.
– Gruppo di Combattimento di Superficie: Überwasserkampfgruppe, hauptsächlich für die Küstenverteidigung.
– Gruppi di MAS: MAS-Flottillen für Torpedo- und Patrouilleneinsätze.
Bemerkenswerte Einseschränkungen
– Die RSI-Marine verfügte nur über sehr wenige große Schiffe – es waren keine Schlachtschiffe oder Kreuzer vorhanden.
– Die meisten Operationen fanden an der Küste oder in Küstennähe statt.
– Viele Schiffe standen unter deutschem Kommando oder operierten mit gemischten deutsch-italienischen Besatzungen.
Die Spitzen zur Rangunterscheidung am Mützenband wurde durch verschiedene Muster von Kinnbändern ersetzt, die Blau und Gold für niedere Offiziersränge waren und Gold bei den hohen Rängen.
Die traditionelle Matrosenmütze wurde nicht mehr verwendet und wurde durch ein blaues Barett mit einem kleinen vergoldeten Metallanker auf der Vorderseite ersetzt.
Ab 1943 erhielten die republikanischen Marineinfanteristen die grau-grüne Uniform der Fallschirmjäger (siehe Abbildung rechts).
Italienische Co-Belligerent-Streitkräfte

Am 28. September 1943 wurde die erste militärische Einheit des Königreichs im Süden Italiens als Erste Motorisierte Kampfgruppe (1. Raggruppamento Motorizzato) mit einer Stärke von 295 Offizieren und 5.387 Mannschaften gebildet. Ihr erster Einsatz war im Abschitt Cassino am Monte Lungo und trug wesentlich dazu bei, das Misstrauen der Alliierten gegenüber italienischen Soldaten, die auf ihrer Seite kämpften, auszuräumen.
Nach dem Einsatz bei der amerikanischen 5. Armee und der Reorganisation wurde das Raggruppamenio an das polnische Korps am äußersten linken Flügel der britischen 8. Armee verlegt. Am 17. April 1944 erhielt die nunmehr 22.000 Mann starke Formation den Namen ‚Italienisches Befreiungskorps‘ (Corpo Italiano di Liberazione) und bestand aus dem Kern der 184. Nembo-Fallschirmjäger- und Utili-Infanterie-Division. Im September und Oktober 1944 wurde das Korps in vier Gruppi di Combattimento aufgespalten und der direkte Nachfolgeeinheit war die ‚Folgore‘. Daneben entstanden die Gruppen ‚Cremona‘ (Kern der 44. Infanterie-Division), ‚Legano‘ (Kern der 58. Infanterie-Division) und ‚Friuli‘ (Kern der 20. Infanterie-Division).
Jede Gruppi di Combattimento bestand aus zwei Infanterie- und einem Artillerieregiment, einem gemischten Bataillon aus Pionieren, zwei Abteilungen von Carabinieri (Militärpolizei) und Verwaltungsdienststellen mit insgesamt 400 Offiziere und 9.000 Mannschaften.
Die ersten sechs dieser Gruppen trafen Anfang 1945 an der Front ein, aber politische Erwägungen führten jedoch dazu, dass die Alliierten die Rolle der royalistischen Truppen beim Sieg in Italien herunterspielten.
Ein weiteres wichtiges Element der italienischen Streitkräfte auf der Seite der Alliierten waren natürlich die Partisanen. Diese waren aber uneinheitlich organisiert und uniformiert.

Co-Belligerent-Flotte
Die italienische Marine spielte eine wichtige Rolle, nachdem der Waffenstillstand unterzeichnet worden war. Insgesamt fünf Schlachtschiffe, acht Kreuzer, 33 Zerstörer, 39 U-Boote, 12 Motor-Torpedoboote, 22 Geleitschiffe und drei Minenleger der Regia Navale bildeten die Co-Belligerent-Flotte. Hinzu kamen vier Staffeln von Wasserflugzeugen der Regia Aeronautica.
Der italienische Generalstabschef richtete sein Hauptquartier in Tarent ein, aber drei Kreuzer wurden bald abkommandiert, um Blockadebrecher im Südatlantik zu jagen.
Andere Schiffe wurden für verschiedene Aufgaben im Mittelmeer eingesetzt, nachdem sie repariert und überholt worden waren. Einer der wichtigsten Beiträge der italienischen Marine war ihre Hilfe bei der Wiederherstellung der italienischen Häfen zur Versorgung der alliierten Truppen.
Zudem versenkten italienische Froschmänner zusammen mit britischen Kleinst-U-Booten zwei Kreuzer und den Flugzeugträger Aquila, welche in den von deutschen Truppen besetzten Häfen lagen.

Uniform
Der Mangel an Nachschub jeglicher Art – teils durch alliierte Bombenangriffe und teilweise durch die deutschen Beschlagnahmungen – zwang die Italiener im Süden dazu, Uniformen und Ausrüstung der Alliierten zu übernehmen. Ihre Wahl fiel auf englische Uniformen, auf denen die italienischen Abzeichen unverändert weiterverwendet wurden.
Auch die Bersaglieri und die Alpini brachten ihre jeweiligen Federn am britischen Stahlhelm an.
Da es notwendig erschien, die Italiener von den übrigen alliierten Truppen unterscheiden zu können, wurde ein rechteckiges Abzeichen in den italienischen Nationalfarben eingeführt, das oben am linken Ärmel getragen wurde. Das Emblem der jeweiligen Kampfgruppe wurde in Schwarz auf das Weiß der italienischen Trikolore gedruckt.
Die Offiziere verlegten die Dienstgradabzeichen von der Manschette auf die Schulterriemen. Die Uniformen der royalistischen Luftwaffe und Marine erfuhren keine großen Veränderungen gegenüber dem Zeitpunkt vor der italienischen Kapitulation.
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Quellenangaben und Literatur
The Armed Forces of World War II (Andrew Mollo)
The Italian Army 1940-45 (3) – Italy 1943-45 (Philip Jowett, Stephen Andrew)
World War II – A Statistical Survey (John Ellis)
The Italian Navy in World War II (Erminio Bagnasco)
Italian Warships of World War II (Aldo Fraccaroli)
The Decima MAS (Orazio Ferrara)















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