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Alliierte Streitkräfte



Die alliierten Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg.

1. US-Infanterie-Division landet am blutigen Omaha-Beach
Die 1. US-Infanterie-Division landet am blutigen Omaha-Beach in der Normandie am D-Day.


‘Alle Schlachten und alle Kriege werden am Ende von Infanteristen gewonnen’ (Feldmarschall Wavell).

Alliierte Streitkräfte im 2. Weltkrieg

Ein Erbe des Ersten Weltkriegs, welches sich bis weit in den Zweiten hinein hielt, war der Glaube, dass der Infanterist ein phlegmatisches und etwas einfaches Individuum sei, das nach langer Unterweisung in der Lage sei, die Feinheiten des Repetiergewehrs und der Schaufel zu beherrschen und einfache Befehle auszuführen, wenn man ihm die richtige Richtung zeige. Deshalb kam der Ausdruck ‘Kanonenfutter’ schnell für diese Männer über die Lippen.
Diese Verallgemeinerung mochte im Jahr 1800 gerade noch stimmen, aber 1918 war sie eine grobe Fehldarstellung und 1939 geradezu eine Verleumdung.

In den Jahren 1914 bis 1918 hatte sich die Bewaffnung der Infanteristen beträchtlich erweitert: mehr Maschinengewehre, die Einführung des Granatwerfers, des leichten Maschinengewehrs, in einigen Fällen sogar des automatischen Gewehrs und der Maschinenpistole. Die Granate wurde wiederentdeckt und der Grabenmörser erhielt ein neues Aussehen und Renaissance. All diese Waffen wurden an den Infanteristen ausgegeben und er musste sie beherrschen.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden Anzahl dieser Waffen ausgedünnt. Zwar wurden sie nicht ganz abgeschafft, sondern in kleinen Stückzahlen beibehalten und in den Folgejahren verbessert, sodass es sie 1939 noch alle gab.
Von jedem Infanteristen – und auch von vielen Soldaten anderer Waffengattungen – wurde erwartet, dass er in der Lage war, sie zu bedienen, wenn es ihm befohlen wurde oder es notwendig war. Das galt unabhängig von seiner eigentlichen Aufgabe und der Waffe, welche er gewöhnlich dafür verwendete.
Zahlreiche junge Männer in England, die mit den Erinnerungen ihrer Väter an das Gewehr mit Bajonett und dem Schlamm im Ypern-Bogen aufgewachsen waren, erlebten eine böse Überraschung, als sie 1939 den neuen Kampfanzug trugen und die Bandbreite der Waffen sahen, die sie erlernen mussten.


Die alliierten Streitkräfte

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Alliierte Infanteristen

Nach einem alten britischen Sprichwort war die Aufgabe der Kavallerie in der Schlacht, für den Lärm zu sorgen, da man sonst nichts Lautes wird hören können.
Dies lässt erahnen, dass die Infanterie die Basis aller Streitkräfte und jeder militärischen Auseinandersetzung überhaupt ist. Der Infanterist ist das ‘Mädchen für alles’ in jeder Armee der Welt und dazu noch ein Meister im Kampf ‘Mann gegen Mann’. Er gehört zu denjenigen, welche dem Feind von Angesicht zu Angesicht auf dem´Schlachtfeld gegenüberstehen und auch die Entscheidung herbeiführt.
Artillerie, Panzer und Flugzeuge können die feindliche Front aufbrechen, können den Feind demoralisieren und Verluste verursachen, aber wenn nicht die entschlossene Infanterie dies ausnutzt, geht jeder erzielter Vorteil wieder verloren. Daher war, ist und bleibt die Infanterie das Rückgrat jeder Streitmacht.

Britische Infanterie
Britische Infanterie im Gefecht in Frankreich.
Mit dem Fortschreiten des Zweiten Weltkrieges tauchten immer mehr neue Waffen auf – entweder weil die alten nicht mehr in den für den neuen globalen Krieg erforderlichen Mengen produziert werden konnten oder weil ihre Leistungsfähigkeit nicht mehr ausreichte. Andere Gründe waren taktische Probleme, die aufgetaucht waren und die neue Lösungen erforderten; oder weil neue technische Entwicklungen den Weg zu einer effektiveren Waffe wiesen, die die alte ersetzen sollte.
Bei jeder Neuerung musste der Infanterist auch neu dazulernen, war nicht nur einfaches lernen bedeutete, sondern es musste so gründlich einstudiert werden, dass die neue Waffe praktisch ein Teil von ihm wurde und er sie instinktiv bei Tag oder Nacht mit bestmöglichem Erfolg einsetzen konnte.

Ein britischer Infanterist, der von 1939 bis 1945 diente, musste so in diesen Jahren vielleicht drei oder vier Gewehre, zwei Maschinenpistolen, drei leichte Maschinengewehre, ein Dutzend Granatentypen, zwei schwere Maschinengewehre, zwei Granatwerfer, eine Panzerabwehrbüchse und das PIAT erlernen, dazu noch womöglich auch zwei oder drei unterschiedliche Panzerabwehrkanonen bedienen können.

Wenn es sich dazu noch um irgendeiner Art von besonderer Kampftruppe handelte, wie z. B. bei den Commandos oder den Luftlandetruppen, dann wurde von ihm auch erwartet, dass er rudimentär auch eine ähnliche Anzahl von feindlichen Waffen kannte, sodass er im Notfall eine Waffe vom Schlachtfeld aufheben und benutzen konnte.
Wenn er dazu mit seiner Einheit noch im Rahmen einer anderen alliierten Armee eingesetzt wurde, musste er möglicherweise auch die Waffen seiner neuen Kameraden erlernen müssen. Wurde er später als Ausbilder verwendet, musste er noch eine Sammlung veralteter Waffen erlernen, die noch zur Ausbildung verwendet oder an die Home Guard zum lokalen Einsatz ausgegeben wurden.

Dazu weiß jeder ehemalige Infanterist, dass die Beherrschung von Waffen nur eine Facette des Fachwissens dieser Männer war und immer noch ist. Denn von ihm wurde auch erwartet, dass er alle wichtigen Taktiken beherrschte, damit er die jeweiligen Waffen optimal einsetzen konnte. Dazu musste er auch in der Lage sein, auf sich selbst aufzupassen, Karten zu lesen, zu kochen und tausende von anderen Dinge zu tun, die alle zu einem vollkommenen Berufssoldaten gehören.

Dies wurde ihm in der britischen Armee während der Grundausbildung, dem sogenannten ‘Battle Drill’ beigebracht. Es wurde auf dem Exerzierplatz alles in allen Einzelheiten immer wieder durchexerziert, bevor die Soldaten an die Front kamen.
Das Ergebnis des scharfen Drills dieser Kampfführung war, dass der Ablauf des Geschehens jedem Soldaten so sehr ins Blut übergeht, sodass er im Notfall jederzeit den Befehl über seine Gruppe übernehmen konnte. Dadurch kam kein einmal begonnener Angriff zu erliegen, wenn der Kommandant ausfiel, denn sein Ersatz wusste genau, dass er alles richtig machen würde. Dieses Schema ließ sich im übrigen auch auf größere Einheiten übertragen.

Im Englischen wird die Gruppe der Infanteristen als ‘Section’ bezeichnet, welche Teil des ‘Platoon’ (Zuges) waren. Letzter bestand im Normalfall aus drei bis vier Gruppen, welche als Zugführer einen Offizier, einen Feldwebel und einen Funker hatte.
Dadurch konnten die einzelnen Elemente unabhängig, aber auch geschlossen eingesetzt werden. Bei einem gemeinsam operierenden Zug gibt dabei immer eine Gruppe Feuerschutz, während sich eine andere vorarbeitet. Das ganze Verfahren basierte auf dem ‘Battle Drill’.

Infanterie-Organisation
Organisation auf unterer Ebene am Beispiel der britischen Infanterie.

Organisation

Bei der Betrachtung der Organisation der alliierten Infanterie ist es gut, sich zu Beginn die berühmte Bemerkung von Feldmarschall Sir William Robertson aus dem Ersten Weltkrieg ins Gedächtnis zu rufen, über die er sagte, dass sie ihm gegenüber von einem sehr hohen General um die Jahrhundertwende gemacht wurde: ‘Vergessen Sie nie, Robertson, dass wir zwei (britische) Armeen haben: die Armee des Kriegsministeriums und die Armee von Aldershot. Die erste ist immer auf der Höhe ihrer Stärke und wird fast täglich organisiert, reorganisiert und desorganisiert. Die zweite ist nie in voller Stärke, weiß nichts von der ersten und bleibt von all diesen organisatorischen Aktivitäten unberührt. Sie putzt nur ihre Gewehre und geht auf Paraden.’

Wenn man für das britische Kriegsministerium das Wort ‘Papier’ und für den Garnisonsstandort der Britischen Armee ‘Aldershot’ das Wort ‘Feld’ verwenden, dann fasst dieses geänderte Zitat die Situation jeder Armee der Welt zu jedem Zeitpunkt ihrer Geschichte zusammen.
Die von den Dozenten so geliebten ‘Stammbäume’ der militärischen Gliederungen sahen in Wirklichkeit selten so aus. Zum Teil, weil es nie genug Soldaten gab, um sie auszufüllen, zum Teil, weil das, was auf dem Papier eine ideale Kombination ist, für eine bestimmte praktische Operation vielleicht nicht so ideal war und die ‘Mischung’ daher modifiziert werden musste.

Zum Beispiel bestand die britische Infanterie-Division des Zweiten Weltkriegs im Grunde aus drei Brigaden mit jeweils drei Infanterie-Bataillonen, drei Artillerie-Regimentern und drei Pionier-Kompanien. Es liegt auf der Hand, dass diese Dreier-Gliederung es leicht machte, eine Brigade mit einem Artillerie-Regiment und einer Pionier-Kompanie loszulösen, um eine kleinere unabhängige Einheit zu bilden, falls dies erforderlich war.
In der Praxis wurden jedoch von Zeit zu Zeit Ergänzungen vorgenommen, wie z.B. die Zusammensetzung bei der 51. Highland-Division in der nordafrikanischen Wüste im Jahr 1942. Zusätzlich zu der oben skizzierten theoretischen Zusammensetzung gab es ein Panzerabwehr-Artillerie-Regiment, ein Flugabwehr-Artillerie-Regiment, ein zusätzliches Infanterie-Bataillon, welches ausschließlich mit mittleren Maschinengewehren bewaffnet war und ein gepanzertes Aufklärungs-Regiment.

Man muss auch bedenken, dass die Infanterie zwar natürlich Teil der Infanterie-Division war, aber auch Teil einer Panzerdivision. Die alte Idee einer Panzertruppe, die wie eine Flotte auf See über das Schlachtfeld hinwegfegt, musste bald aufgegeben werden und die Infanterie, die mit Lastwagen oder gepanzerten Schützentransportern mobil gemacht wurde, um Schritt zu halten, war notwendig um die Durchbrüche der Panzer auszunutzen und das eroberte Gelände zu säubern und zu sichern. Wenn notwendig, verließ die motorisierte Infanterie ihre Fahrzeuge, um die feindliche Infanterie zu bekämpfen, wenn diese die eigenen Panzer vor zu schwere Aufgaben stellte.

Russische Soldaten, ausgerüstet mit PPSh und dem weniger häufigen Kastenmagazin
Russische Soldaten, ausgerüstet mit PPSh und dem weniger häufigen Kastenmagazin, springen von T-34 Panzern während der Sommeroffensive 1944 ab.
Dieses Konzept erreichte seinen Höhepunkt mit den ‘Panzerreiter’-Bataillonen der Rote Armee 1943-45. Bewaffnet mit nichts anderem als Maschinenpistolen, ritten diese Männer auf den Motorabdeckungen ihrer Panzer in die Schlacht, stiegen ab, um Widerstandsnester niederzukämpfen, stiegen wieder auf, um weiterzufahren, sprangen wieder ab und kletterten auf einen anderen Panzer, wenn ihr erstes Gefährt durch Minen oder ein Panzerabwehrgeschütz ausgefallen war.

Im Großen und Ganzen schrumpfte die ursprünglich vorgesehene Sollstärke der Infanterie-Divisionen mit dem Fortschreiten des Krieges und die optimale Zusammensetzung änderte sich.
Als der Krieg immer beweglicher wurde, fand immer mehr Panzerfahrzeuge ihren Weg auch in die Infanterie-Divisionen. Gleichzeitig wurden in vielen Fällen ihre Stärke reduziert, um sie überschaubarer zu machen und auch um Männer für andere Formationen zur Verfügung zu haben.
So war die Infanterie-Division der Roten Armee von 1939 unhandliche 19.000 Mann stark. Sie wurde nach dem Russisch-Finnischen Winterkrieg auf 14.500 und 1944 auf sogar 9.000 Mann reduziert. Gleichzeitig wurde der Anteil der Transportfahrzeuge erhöht, um die Division schneller und beweglicher zu machen.

Daraus folgt, dass pauschale Verallgemeinerungen wie ‘eine Infanterie-Division umfasste 12.000 Mann’ zu schweren Missverständnissen führen können. Es kommt darauf an, um welche Art von Division es sich handelte und zu welcher Phase des Krieges sie so kämpfte.
Im Großen und Ganzen war die Infanterie-Division jedoch die Grundeinheit des Krieges. Sie war eine ‘Kampfmaschine’, unabhängig von der Papierstärke (Sollstärke) oder der theoretischen Zusammensetzung und eine Division war einer anderen weitgehend identisch.

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Dies war auch ein Fehlschlag, der V.N.Galkovskiy vorschlagen ließ, dass die Raketen in Längsrichtung des Fahrgestells abgefeuert werden sollten. Dies führte zu dem BM-13 (Kampffahrzeug für M-13-Raketen), welches im August 1939 fertiggestellt wurde. Feldversuche mit einer Vielzahl von verschiedenen Arten Raketen fanden während des ganzen Jahres 1940 statt, als das GAU schließlich die Genehmigung für das Fahrzeug BM-13-16 (Kampffahrzeug für M-13-Raketen mit sechzehn Starter-Schienen) erteilte. Jedoch wurden nur 40 fertiggestellt, bevor der Krieg begann. Die neue Waffe wurde unter größter Geheimhaltung bewacht und bei Ausbruch des Krieges wurde eine besondere Einheit unter NKWD-Leitung aufgestellt. Die erste Batterie Katjuschas ging in der Nähe des Bahnhofs Orscha am 7. Juli 1941 in den Einsatz und erwies sich als ein sofortiger Erfolg. Das GAU war dermaßen beeindruckt und ordnete die sofortige Massenproduktion auf provisorischer Basis an. Die Raketenwerfer waren als so geheim eingestuft, dass sie eine Vielzahl von Tarn-Namen wie Kostikow-Kanonen u.ä. erhielten. Schließlich wurden sie offiziell als Garde-Mörser benannt, aber ihr üblicher Name wurde Katjuscha, die verniedlichende Form des Namens Katherina, nach einer zu dieser Zeit in Russland populären Melodie mit gleichen Namen von Isakowskiy. Das Geheule der Katjuscha-Raketen brachte die Deutschen dazu, sie Stalinorgel zu nennen. Obwohl ursprünglich auf LKW montiert, wurden 1941 Versuche zur Entwicklung anderer Fahrgestelle für eine bessere Geländegängigkeit unternommen. Einige BM-13-Werfer wurden auf die STZ-5-Artillerie-Zugmaschine gesetzt und in kleinen Stückzahlen produziert. Es gab auch eine Version auf dem KW-Panzer, die aber nur in geringer Menge hergestellt wurde, da es eine völlige Verschwendung eines guten, schweren Panzers für eine Rolle war, die auch leicht zufriedenstellend von einem weniger teuren Fahrgestell erfüllt werden konnte. Im August 1941 wurde eine zweite Art von Katjuscha-Raketen entwickelt, die M-8-82mm-Rakete. Sie war kleiner und hatte eine kürzere Reichweite. Diese wurden unter dem Namen BM-8-36 auf Lastwagen montiert oder auf leichte Panzerfahrgestelle ohne Turm, wie die T-40 und T-60, als BM-8-24. 1942 entwickelten die Sowjets dann eine Version der M-13 Katjuscha-Rakete mit einem vergrößerten Sprengkopf, die M-30. Im Gegensatz zu den beiden anderen Arten wurde die M-30 nicht auf Selbstfahrlafetten montiert, sondern wurde von Schienen aus abgefeuert. Selbstfahrlafetten dieser schweren Version kamen nicht vor 1944 als BM-31 zur Truppe. Die Hauptattraktion der Stalinorgel-Raketenwerfer war, dass sie billig zu produzieren waren und auch durch kleine Fabriken – ohne die aufwendigen Werkzeugmaschinen, welche für konventionelle Artillerie benötigt wird – herzustellen waren. Eine BM-13-Salve verschoss 4,35 t Raketen und hochexplosiven Sprengstoff auf einen 10 Hektar großen Fläche in einem schrecklichen, 7-10 Sekunden andauernden, Angriff. Obwohl nicht so genau und weit schießend wie konventionelle Artillerie, war die Katjuscha viel mehr von den deutschen Soldaten gefürchtet, als herkömmliche Artillerie. Bis zum Ende des Krieges wurden ca. 10.000 Stalinorgel-Raketenwerfer hergestellt, vor allem für die Armee, aber auch einige für die Fluss-Kanonenboote der Marine. Die Mehrzahl der Raketenwerfer der Armee wurden auf Selbstfahrlafetten geliefert. Die BM-8, BM-13 und BM-31 wurden zunächst alle auf den ZiS-6 LKW oder dessen Derivate, wie die ZiS-5 und ZIS-5V, montiert. Als 1942 die ersten Lend-Lease-Lastwagen zur Verfügung standen, wurde der Raketenwerfer auf eine Vielzahl von amerikanischen, britischen und kanadischen Lastwagen, wie den Chevrolet I 1/2 Tonner, International K, Ford WOT-8, GMC 2 1/2 Tonner und Studebaker US6 2 1/2 Tonnen-LKW, montiert. Die Lend-Lease-Typen wurden manchmal als BM-13S bezeichnet. Die überlegene Geländegängigkeit des Studebaker US6 brachte das GAU dazu, die Stalinorgel auf diesen Typ als BM-13N (N = Narmalizovanniy, in Deutsch ‘Standard’) zu standardisieren. Die BM-8-Raketenwerfer konnten auch auf kleinere Chassis wie den GAZ-67 Jeep als BM-8-8 montiert werden. Er wurde jedoch auch auf größere Fahrzeuge mit mehr Schienen, als BM-8-48 auf den Studebaker US6, montiert. Die großen BM-31 Raketenwerfer-Gestelle waren stets in größeren Lastkraftwagen, die erste auf ZiS-6, aber häufiger auf den Studebaker US6, montiert. Katjuscha-Raketen wurden auch auf gepanzerte Züge montiert. Nach dem ersten Erfolg der BM-13 Katjuscha-Batterie in Orscha, beeilte sich die Rote Armee weitere Garde-Mörser-Einheiten aufzustellen. Die ersten Garde-Mörser-Batterien hatten jeweils sieben BM-13, aber im Juli 1941 wurde deren Anzahl auf vier Raketenwerfer je Batterie standardisiert. Sie wurden meist eingesetzt zur Unterstützung der Infanterie (Schützen)-Divisionen und standen zunächst unter Kontrolle des NKWD (Sicherheitsdienst). Nachdem die Deutschen ihrerseits den Nebelwerfer weitverbreitet eingesetzt hatten, wurde dieses Sicherheitssystem gelockert. Im August 1941 ordnete Stalin persönlich die Bildung von speziellen Garde-Mörser-Regimentern unter der Leitung des Oberkommandos der Heeresreserve an (STAVKA-VGK). Diese bestand aus drei Bataillonen zu jeweils drei Batterien, was eine Menge von 36 BM-13 oder BM-8 Raketenwerfer ergab. Zur gleichen Zeit wurden unabhängige Garde-Mörser-Bataillone mit ebenfalls 36 Raketenwerfer aufgestellt. Bis Ende 1941 gab es 554 Raketenwerfer im Einsatz mit 8 Regimentern, 35 selbständigen Bataillonen und 2 unabhängigen Batterien. Mit der Ankunft der ersten schweren M-30-Raketen im Juni 1942 wurden schwere Garde-Mörser-Bataillone aufgestellt, aber diese hatten statische, nicht mobilen Raketenwerfer. Diese hatten auch drei Batterien, aber jede hatte 36 Raketenwerfer, während die späteren selbstfahrenden Einheiten nur zwölf Raketenwerfer pro Batterie hatten. Als die mobilen BM-31 schließlich 1944 verfügbar wurden, hatten die motorisierten Garde-Mörser-Bataillone nur 48 Raketenwerfer im Vergleich zu den 96 Raketenwerfer der statischen Bataillone. Es wurden 3.237 Raketenwerfer im Jahr 1942 hergestellt, sodass die Gesamtstärke auf bis zu 57 Regimenter anstieg. Zählt man noch die kleineren, unabhängigen Bataillonen, so war der Gegenwert von 216 Batterien im Dienst. Von diesen waren 23 Prozent schwere M-30 Einheiten, 56 Prozent waren BM-13 Einheiten und 21 Prozent waren die leichten BM-8 Einheiten. 1943 wurden Garde-Mörser-Brigaden mit statischen Raketenwerfern formiert, und später sogar Divisionen. Bis zum Ende des Krieges befand sich der mehr …

  • Sturzangriff eines Stuka

    Einsatzleistung und Sturzflug-Taktik am Beispiel des Junkers Ju 87 Stuka, das tödlichste und moralisch wirksamste Erdkampfflugzeug aller Streitkräfte während der ersten Hälfte des Zweiten Weltkrieges. hier zu Teil I: Ju 87 Stuka Einsatzleistung der Ju 87 Die Junkers Ju 87, welche gewöhnlich als Stuka bekannt ist, ist eines der klassischen Militärflugzeuge der Luftfahrtgeschichte. Der Name Stuka, Kurzform für Sturzkampfflugzeug, ist zusammen mit dem Panzer gleichbedeutend mit der modernen Vision vom Blitzkrieg. Das ist kein Zufall, denn die beiden arbeiteten sehr eng zusammen als ein kombiniertes Waffen-Team, wobei die Stukas die ‘fliegende Artillerie’ waren, welche jeden feindlichen Stützpunkt, Verteidigungsstellung oder Truppenkonzentration zerschlagen konnten, welche den Vorstoß der Panzertruppe hätte behindern können. In dieser Hinsicht war die Ju 87 immer ein Erdkampfflugzeug. Sie war ein taktischer Bomber, welcher die Bodentruppen der Wehrmacht unterstützte und kein strategischer Bomber. Die Erfolge der Stuka erstreckten sich dabei auch auf eine Vielzahl anderer Ziele, darunter Schiffe, Flugplätze, Eisenbahnhöfe, Brücken und auch andere strategische Ziele, welcher aber nur zweitrangig neben der Hauptaufgabe waren, zusammen mit den deutschen Bodentruppen in Hauptrichtung des Vormarsches zusammenzuarbeiten. Bei eigener Luftüberlegenheit war die Ju 87 zweifellos das tödlichste und moralisch wirksamste Erdkampfflugzeug aller Streitkräfte während der ersten Hälfte des 2. Weltkrieges. Die Hauptgründe dafür war zum einen die Genauigkeit, mit welcher ein erfahrener Stuka-Pilot eine 500-kg-Bombe auf sein Ziel abwerfen konnte, sowie das erhebliche Problem für Flak-Kanoniere, welche versuchten, ein Flugzeug abzuschießen, welches in einem steilen horizontalen Winkel von 5° anfliegt. Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, dass kein anderes Flugzeug, welches während des 2. Weltkrieges eingesetzt wurde, große oder kleine Bomben mit einer solchen, regelmäßigen Genauigkeit auf ein Ziel abwerfen konnte. Die Stuka-Piloten waren so fähig, dass sie oft von den taktischen Luftwaffen-Verbindungsgruppen bei den Heeres-Einheiten per Funk damit beauftragt wurden, einzelne ausgesuchte Gebäude, Bunker, Artillerie-Stellungen oder sogar eingegrabene feindliche Panzer zu zerstören. Es war nicht ungewöhnlich, dass ihre Sturzangriffe nur ein paar hundert Meter vor den angreifenden, eigenen Bodentruppen geflogen wurden. Mit ziemlicher Sicherheit hat die Ju 87 während des 2. Weltkrieges feindlichen Bodenstreitkräfte mehr Schaden für jedes verlorene Flugzeug zugefügt, als jedes andere Flugzeug auf Achsen- oder Alliierten-Seite. Eine bemerkenswerte Tatsache ist es auch, dass die Stuka mehr Schiffe als jedes andere Flugzeug der Militärgeschichte zerstört hat. Die Ju 87 war so tödlich genau, weil ihre Konstruktion des Rumpfes und dessen Stabilität eine extreme Sturzflug-Taktik erlaubte. Darüber hinaus verfügte der Entwurf über einen effektiven Zielmechanismus und ein automatisches System zum Abfangen des Sturzfluges. Beim Anflug auf das Ziel stellte der Pilot die Bombenabwurfhöhe in einem Gerät ein, welches automatisch die Bomben auslöst und das Flugzeug aus dem Sturzflug in die Vertikale herauszieht. Die große Bombe unter dem Rumpf wurde dabei mit der Aufhängung automatisch ausgeschwenkt, um einen Kontakt mit dem Propeller im nahezu vertikalen Sturz zu vermeiden. Der Pilot drosselte dann den Motor und fährt die Sturzflugbremsen aus, welche sich an den Vorderkanten der Flügel befanden, wodurch sich automatisch die Trimmklappen am Aufzug aktivierten und das Flugzeug in den Sturzflug eintrat. Rote Linien an den Seitenfenstern halfen dem Piloten dabei, den richtigen Sturzflugwinkel einzurichten und dieser konnte sich voll und ganz darauf konzentrieren, das Ziel in den Augen zu behalten. Bei Erreichen der vorgewählten Höhe wurde die Bombe ausgelöst und ein automatisches Gerät zum Herausziehen aus dem Sturzflug justierte die Trimmklappen und die Nase des Flugzeuges hob sich über den Horizont. Der Pilot übernahm dann wieder die Kontrolle nach dem Sturzflug, öffnete die Motordrosselung und schloss die Sturzflugbremsen. Die Widerstandsfähigkeit der Zelle und der Flügel der Ju 87 ermöglichten üblicherweise Kräfte von mehr als 6g beim Herausziehen aus dem Sturzflug. Am 21. Juni 1941, zu Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion, gab es 315 Ju 87 Stukas um das Unternehmen Barbarossa zu unterstützen. Davon waren 219 Maschinen einsatzfähig. Rechtzeitig zu Beginn des Unternehmens führte die Luftwaffe eine neue Bombe speziell für Angriffe gegen taktische Bodenziele ein. Diese SD-2-Fragmentbomben wurden im Tiefflug mit einzelnen Flugzeugen, im Paar oder bis zu drei Maschinen durchgeführt, wobei die Bomben in kurzen Abständen abgeworfen wurden, was zu erheblichen Zerstörungen an Truppen und ungepanzerten Fahrzeuge im offenen Feld oder abgestellten Flugzeugen auf Flugfeldern führte. Die Stuka konnte 96 dieser kleinen Bomben transportieren. Später wurde die SD-2 in Behältern abgeworfen, welche sich nach dem Abwurf öffneten und die Bomben über den Boden verteilten. Dadurch konnten diese Bomben auch im Sturzangriff abgeworfen werden, was das Risiko für das Flugzeug durch Bodenbeschuss verringerte. Unter Berücksichtigung der zahlreichen sowjetischen Berichte über die allgegenwärtigen, fürchterlichen Stukas ist die Anzahl von maximal 315 Maschinen in den ersten Monaten des Krieges in Russland erstaunlich. Denn selbst wenn jeder Sturzkampfbomber täglich mehrfache Einsätze geflogen wäre, so kämen doch nicht mehr als eintausend bis eintausend fünfhundert Ju 87 auf die fast 2.500 Kilometer langen Ostfront dabei heraus, welche zudem bis zu mehreren hundert Kilometer weit einflogen. Den gefürchteten Ruf der deutschen Sturzkampfbomber innerhalb der Roten Armee steht also in keinem Verhältnis zu ihrer tatsächlichen Anzahl, weshalb man davon ausgehen kann, dass jeder Stuka-Angriff vernichtend und höchst wirksam gewesen sein muss. Sturzflug-Taktik Die nachfolgende Beschreibung von Sturzflug-Taktiken bezieht sich auf den deutschen Sturzkampfbomber (kurz Stuka) Junkers Ju 87. Die Methoden der zweimotorigen Junkers Ju 88 waren im wesentlichen ähnlich, wenn auch der tatsächliche Sturzflugwinkel etwas flacher war (60° in der ersten Kriegshälfte, später dann 50°). Der Sturzflugangriff war eine der genauesten Methoden zur Bombardierung. Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung an der spezialisierten Sturzkampfbomber-Flugschule wurde von den Besatzungen erwartet, dass sich 50 % der geworfenen Bomben innerhalb eines Radius von 25 Meter vom Ziel befinden. Der vergleichbare Radius für mittlere Horizontal-Bomber war etwa zwei- bis dreimal so groß (wobei die Bombendichte der mittleren Bomber im Zielgebiet noch zweieinhalb mal höher war als die der alliierten schweren viermotorigen Bomber). Zudem waren operative Ziele in der Regel von Flugabwehrkanonen (FLAK) verteidigt, sodass die Genauigkeit bei allen Arten der Bombardierung um den Faktor zwei bis drei abnahm. Wenn auch der Sturzangriff nicht genau genug war, um kleine, geschützte Ziele, wie z.B. einzelne Panzer zu zerstören, so war er doch sehr wirksam gegen weiche Ziele, wie Fahrzeug-Kolonnen, die anfällig auch mehr …

  • späte Unternerhmung der deutschen Hochseeflotte

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Die Betrachtung der Gemälde und Stiche dieser beiden Gefechte zeigt kaum Unterschiede in der Form der Schiffe und der Zusammensetzung der Flotten. Einhundert Jahre nach Trafalgar trafen die japanische und russische Flotte in der Schlacht von Tsushima aufeinander. Ein Vergleich zwischen den Bildern dieser beiden Gefechte ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, denn die industrielle Revolution hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Aussehen der Flotten bis zur Unkenntlichkeit gegenüber der vorausgegangenen Epoche verändert. Der Antrieb erfolgte nun durch Dampfkraft und nicht durch Windkraft mithilfe von Segel, die Rümpfe waren aus Stahl und nicht mehr aus Holz, die Geschütze waren Hinterlader und nicht Vorderlader mit Reichweiten in Kilometern und nicht nur Hunderten von Metern. In diesem ganzen Jahrhundert des Wandels gab es seit Trafalgar keine großen Seegefechte mehr und kein Mensch hatte eine Vorstellung davon, diese neuen Kriegsschiffe effektiv einzusetzen. So blieben Strategie und Taktik der Flotten weit hinter den technischen Fortschritten zurück. Es gab nicht nur grundlegende Veränderungen in der Konstruktion, im Antrieb und in der Bewaffnung seit dem Amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865. Dazu kamen auch die ersten Elemente des heutigen C3-Systems (Command, Control and Communications = Kommandiere, Kontrolliere und Kommunikation) und zwei völlig neue Elemente in der alten Gleichung der Marine, das U-Boot und das Flugzeug, waren entstanden. Das U-Boot hatte eine längere Geschichte als das Flugzeug, aber sein Potenzial wurde von der Mehrheit der Marineoffiziere genauso unterschätzt. Schon während des Amerikanischen Bürgerkrieges wurden einige Semi-Tauchboote eingesetzt, davon einige als Monitore, aber noch wichtiger, andere als Angriffsboote. Letzte waren mit einer Sprengladung auf einer Stange bewaffnet, welche in den Rumpf des Ziels gerammt wurde und dieser Einsatz war der japanischen Kamikaze-Taktik aus der Endphase des Zweiten Weltkrieges nicht unähnlich. Sie hatten zwar einige Erfolge, aber ihre wirkliche Tauchfähigkeit und weitaus größeres Kampfpotenzial lag noch einige Jahre in der Zukunft. Unerschrockene Investoren in Frankreich und Spanien gingen dem Iren John Holland voraus, welcher schließlich seine Unterseeboote in den USA mit einem Benzinmotor für die Überwasserfahrt und einen Elektromotor für das Tauchen baute. Eine Reihe von Erfindungen und Entwicklungen zwischen 1880 und 1910 verwandelte die frühen Unterseeboote in formidable U-Boote mit großer Reichweite. Der Dieselmotor ersetzte die Benzin- und Schwerölmotoren, die Speicherbatterien wurden verbessert, ein richtiges Periskop wurde konstruiert, drahtlose Telegrafie (Funkgeräte) wurde eingebaut, ein Geschütz wurde auf den Rumpf montiert und, am wichtigsten von allem, der Torpedo wurde in die Lage versetzt, unter der Kontrolle seines eigenen Kreisels einen gleichmäßigen Kurs zu laufen. Das ganze Konzept widersprach so sehr der jahrhundertealten Doktrin von der Schlachtflotte als Zentrum aller Seemachtanstrengungen, dass es einigen Enthusiasten, unterstützt von einer kleinen Gruppe fantasievoller Führungsoffiziere, überlassen wurde, Taktiken für U-Boot-Operationen in Kriegszeiten zu entwickeln. Diese Blindheit gegenüber der potenziellen Bedrohung ist umso unverständlicher, wenn man weiß, dass 1914 bereits weit über 300 U-Boote in Dienst gestellt waren, von denen ein beträchtlicher Anteil moderner Bauart war. Dieser Mangel an Wertschätzung zeigte sich auch in vielen anderen Bereichen von Marineangelegenheiten. Das lag zum Teil daran, dass die meisten Marinen keinen Marinestab hatten – welche Winston Churchill später als ‘eine Gruppe intelligenter Offiziere, die Zeit zum Denken hatten’ bezeichnete. Die politischen Entscheidungen wurden normalerweise von höheren Offizieren getroffen, die sich auf ihre Erfahrung verließen. Da diese Erfahrungen aber oft bis in die Zeit der Segelschiffe zurückreichte und nur wenige über praktische Kriegserfahrung verfügten, ist es kaum verwunderlich, dass die Ergebnisse im Allgemeinen unbefriedigend waren. In der Öffentlichkeit wurde über die Vor- und Nachteile verschiedener Schiffskonstruktionen gestritten, aber nur selten gab es eine fundierte Diskussion über Fragen wie die Rolle einer Marine, ihre Einordnung in die Gesamtstrategie einer Nation und den Einfluss moderner Entwicklungen auf die Taktik und Handhabung einer Flotte auszusehen habe. Hätte irgendeine Marine ihrer Gruppe intelligenter Offiziere Zeit zum Nachdenken gelassen, wären solche Dinge wie die zunehmende Reichweite der Geschütze, die gewaltige Wirkung moderner Sprenggeschosse, die Gefahr durch Minen, die Wahrscheinlichkeit, dass eine Flotte durch Funk statt durch Signalflaggen gesteuert wird, die Notwendigkeit, Mittel zur Feuerleitung für die immer weiter reichende Artillerie bereitzustellen, und schließlich die Bedrohung durch U-Boote wohl berücksichtigt worden. Bei letzteren war aber von kardinaler Bedeutung, wie der Schutz der Handelsschiffe hätte aussehen müssen. Bei Ausbruch des Krieges am 4. August 1914 gab es acht große Seemächte: Großbritannien, Deutschland, USA, Japan, Frankreich, Italien, Österreich-Ungarn und Russland. Von diesen hatten nur Japan und Russland in den letzten Jahren Erfahrung mit größeren Einsätzen zur See gehabt. Die Schlachten des Spanisch-Amerikanischen Krieges waren im Vergleich dazu eher statisch. Die Schlacht von Tsushima 1905 war das einzige Gefecht, bei dem die gegnerischen Flotten genügend Seeraum hatten, um zu manövrieren. Der Vergleich der Flotten der acht führenden Marinestreitkräfte zeigt viele Ähnlichkeiten. Die Schlachtschiffe waren das Zentrum aller Pläne und die Veränderungen im Aussehen dieser Großkampfschiffe, welche nach dem Auftreten der HMS Dreadnought im Jahr 1906 folgten, ist unübersehbar. In diesem Jahr begannen sowohl die USA als auch Deutschland Schiffe auf Stapel zu legen, welche die wichtigsten Eigenschaften der HMS Dreadnought übernahmen. Dies betraf insbesondere den Einbau einer verstärkten Batterie von großkalibrigen Geschützen auf Kosten der Fülle von kleineren Waffen in früheren Entwürfen. Das Ziel war einfach, nämlich die größtmögliche schwerste Breitseite mit der größtmöglichen Reichweite zu erzielen. Bis 1909 zogen die Japaner, Italiener und Russen nach, die Franzosen und Österreicher folgten ein Jahr mehr …

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