Royal Navy

Die britische Royal Navy im Zweiten Weltkrieg.

Warspite Reparaturen
Das britische Schlachtschiff ‚Warspite‘ während Reparaturarbeiten.

Britische Royal Navy

Die Royal Navy (Königliche Marine) ist die Seestreitkraft Großbritanniens und eine der ältesten und historisch bedeutendsten Marinen der Welt. Sie hat eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Britischen Empire und in der globalen Seefahrtsgeschichte gespielt.

Überblick
– Gründung: Traditionell wird das Gründungsjahr auf 1546 während der Regierungszeit von König Heinrich VIII. datiert, obwohl es bereits zuvor Seestreitkräfte gab.
– Aufgabe: Schutz der Interessen des Vereinigten Königreichs auf See, Sicherung der Seehandelswege, Machtprojektion und Teilnahme an internationalen Militäroperationen und humanitären Missionen.
– Hauptquartier: Portsmouth, England.
– Motto: „Si vis pacem, para bellum” (Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor).

Historische Bedeutung
– Die Royal Navy war vom späten 17. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts die dominierende Seestreitkraft der Welt.
– Sie spielte eine Schlüsselrolle beim Aufbau und Erhalt des Britischen Empire, das oft als „Britannia rules the waves” (Britannien beherrscht die See) bezeichnet wurde.
– Berühmt für Siege wie die Niederlage der spanischen Armada im Jahr 1588 und die Schlacht von Trafalgar im Jahr 1805 unter Admiral Horatio Nelson.
– Sie spielte in beiden Weltkriegen eine entscheidende Rolle, indem sie die Versorgungslinien im Atlantik sicherte und feindliche Flotten bekämpfte.

Moderne Rolle und Fähigkeiten
– Die Royal Navy ist heute eine technologisch fortschrittliche Streitkraft, die Flugzeugträger, U-Boote (einschließlich atomgetriebener U-Boote mit ballistischen Raketen), Zerstörer, Fregatten, amphibische Angriffsschiffe und verschiedene Versorgungsschiffe betreibt.
– Sie ist Teil der britischen Streitkräfte und arbeitet mit der Royal Air Force und der British Army zusammen.
– Die Marine spielt eine Rolle bei NATO-Operationen, internationalen Koalitionen und weltweiten Maßnahmen zur maritimen Sicherheit.

Wichtige Komponenten
– Überwasserflotte: Umfasst Flugzeugträger (z. B. HMS Queen Elizabeth), Zerstörer, Fregatten und Patrouillenboote.
– U-Boot-Waffe: Betreibt atomgetriebene U-Boote, darunter die ballistischen Raketen-U-Boote der Vanguard-Klasse, die Teil der nuklearen Abschreckung Großbritanniens sind.
– Fleet Air Arm: Die Luftabteilung der Royal Navy, der Hubschrauber und Starrflügelflugzeuge von Schiffen aus einsetzt.
– Royal Marines: Die amphibische Infanterieeinheit der Royal Navy, die für schnelle Einsätze und Spezialoperationen ausgebildet ist.

Royal Navy im Zweiten Weltkrieg

HMS Ajax
Der englische Kreuzer HMS Ajax, welcher mit zwei weiteren Kreuzern das deutsche Panzerschiff Admiral Graf Spee vor dem La Plata zum Kampf gestellt hat.

Seit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war die Royal Navy auf der ganzen Welt im Einsatz. Zum Beispiel band die Jagd auf die Admiral Graf Spee eine große Anzahl von britischen Seestreitkräften, bevor das Panzerschiff sich schließlich am River Plate am 19. Dezember 1939 selbst versenkte.
In den Heimatgewässern spielte die Royal Navy eine wichtige Rolle bei der Verteidigung von Norwegen und verursachte schwere Verluste unter den deutschen Streitkräften.
Die Hauptaufgabe der Royal Navy bestand jedoch im Schutz der britischen Handelsflotte vor der ständigen Bedrohung durch deutsche U-Boote, welche bereits in den ersten Monaten des Krieges zu schweren Verlusten führte.

Zu Beginn des Krieges war die britische Royal Navy die mächtigste Marine der Welt. Sie verfügte über die größte Anzahl von Schiffen und ein weltweites System von Marinestützpunkten und Kohlestationen.
Diese gewaltige Organisation wurde geleitet von Büros in Whitehall aus, wo sich das ‚Board of Admirality‘ (Admiralitätsrat) befand. Der Vorsitzende dieses Gremiums wurde offiziell als ‚First Lord of Admirality‘ (Erster Lord der Admiralität) bezeichnet und war als politisch Beauftragter verantwortlich gegenüber dem Kabinett und dem Parlament.

Fachlicher Sachverstand dagegen wurde durch die fünf Seelords gestellt, welche alle aktive Offiziere der Royal Navy waren. Der ‚Erste Seelord‘ war der Flottenadmiral Sir Dudley Pound, welcher verantwortlich für die Leitung der Seeoperationen auf der ganzen Welt war und von einem Marinestab unterstützt wurde. Er war auch der Vertreter der Royal Navy beim ‚Joint Chiefs of Staff Committee‘ (Ausschuss der gemeinsamen Stabschefs), gemeinsam mit den Leitern der Britischen Armee und Royal Air Force.

Vor der Mobilisation belief sich die Stärke der Marine auf 9.762 Offiziere und 109.170 Mannschaften. Im Januar 1939 gab es zusätzlich 51.485 Mann in der Royal Fleet Reserve, 10.038 in der Royal Navy Reserve (vorwiegend für den Dienst in der Handelsmarine), 2.049 in den Royal Navy Auxiliary Sick Berth und Wireless Auxiliary Reserves, und 6.180 in der Royal Naval Volunteer Reserve (Freiwilligen-Reserve).

Geleitschiffe waren weltweit im Einsatz, während eine Anzahl von Schiffen aller Klassen überholt wurden, sich in der Reserve befanden oder verschiedene Aufgaben, wie zur Ausbildung, hatten.

Kapitäne kommandierten Schlachtschiffe, Schlachtkreuzer, Kreuzer und Flugzeugträger, welche in Squadrons (Geschwader, Staffeln) zwischen zwei und neun Schiffen eingeteilt waren, die von einem Konteradmiral befehligt wurden. Acht Zerstörer, jeder unter dem Befehl eines Kommandeurs, zusammen mit einem speziell ausgerüsteten Führungsschiff mit einem Kapitän, bildeten in der Regel eine Flottille.

Alle kleinere Kriegsschiffe wurden in Flottillen zusammengefasst, in der Regel unter einem Kapitän oder Commander, welche unterstellte Offiziere hatten, die die einzelnen Schiffe kommandierten.

Seit 1937 – aber in der Praxis allerdings erst seit Mai 1939 – unterhielt die Royal Navy eine eigene Marinefliegerabteilung unter ihrem Chef, Vizeadmiral Sir Alexander Ramsey.
Die Marineluftwaffe, unter dem Namen Fleet Air Arm, ging mit 190 Flugzeugen in den Krieg, welche sich auf Flugzeugträgern, Seeflugzeug-Tendern oder als Aufklärungsflugzeuge auf den Katapulten von Schlachtschiffen und Kreuzern befanden.

Swordfish an Bord des Flugzeugträgers Victorious
Flugzeuge vom Typ Fairey Swordfish an Bord des Flugzeugträgers Victorious. Ihre Torpedos machten die Bismarck manöverierunfähig.

Während des gesamten Krieges führte das RAF ‚Coastal Commando‘ (Küstenkommando) Aufklärungs-, Begleitschutz- und Angriffs-Staffeln. Ab April 1941 wurden sie operativ der britischen Admiralität unterstellt, während sie administrativ weiterhin Teil der RAF (Royal Air Force) waren.

Royal Navy im September 1939

Schiffstyp
Anzahl
Schiffsklassen
im Bau
Schlachtschiffe
15
2 Nelson, 1 Hood, 2 Renown, 5 Royal Sovereign, 5 Queen-Elizabeth
Flugzeugträger
7
1 Ark Royal, 2 Courageous, 1 Furious, 1 Eagle, 1 Hermes, 1 Argus
6
Schwere Kreuzer
15
2 Exeter, 13 County (2 australisch)
-
Leichte Kreuzer
41
2 Edinburgh, 8 Southampton, 4 Artehusa, 3 Sydney (australisch), 5 Leander (2 neuseeländisch), 2 Emerald, 3 Effingham, 8 Despatch, 2 Cardiff, 3 Caledon, 1 Adelaide (australisch)
9
Flak-Kreuzer
8
8 Cairo
16
Minenleger-Kreuzer
1
Adventure
1
moderne Zerstörer
113
24
alte Zerstörer
68
-
moderne U-Boote
53
11
alte U-Boote
12
-
Geleiter
54
(4 australisch, 2 indisch)
80
Flotten-Minenräumer
44
10
Monitore
2
-

Disposition der Royal Navy in den europäischen Gewässern im September 1939

Schiffstypen
Home Fleet (Scapa Flow, Admiral Forbes)
Nord-Atlantik Kommando (Konteradmiral Wodehouse)
Heimatgewässer
Mittelmeer (Alexandria)
Schlachtschiffe
7
-
2
3
Flugzeugträger
2
-
2
1
Kreuzer
15
2
5
6
Zerstörer
17
9
65
31 + 4 Geleiter
Minenräumer
7
2
12
5
U-Boote
21
2
-
10
Sechs britische Schlachtschiffe bei Manövern
Sechs britische Schlachtschiffe der Home Fleet und der Mittelmeerflotte bei Manövern im Atlantik. Von vor nach hinten ‚Resolution‘, ‚Barham‘, ‚Malaya‘, ein weiteres Schiff der ‚Royal Sovereign‘-Klasse sowie die modernen Schlachtschiffe ‚Nelson‘ und ‚Rodney‘.

Royal Navy im Atlantik

Die deutschen Eroberungen in Europa während des Jahres 1940 brachte die Royal Navy in eine äußerst schwierige Lage. Die Besetzung Norwegens verschaffte der deutschen Marine Tiefwasser-Hafenstützpunkte für ihre Überwasserschiffe, die allein durch ihre Anwesenheit entlang der Seeroute der Arktis-Konvois von Großbritannien nach Nordrussland viele Schiffe der Royal Navy banden.

Noch gefährlicher war die deutsche Besetzung von Marinestützpunkten an der französischen Atlantikküste, was perfekte Operationsbasen für die deutschen U-Boote brachte. Dieser einfache deutsche Zugang zum Atlantik sollte die britischen Ressourcen bis an ihre Grenzen ausreizen.

Die Royal Navy hatte zwei wesentliche Aufgaben in den ersten Kriegsjahren: Zum einen die Seeblockade gegen Deutschland und zweitens den Schutz der Seewege von und nach Großbritannien, die für das Überleben der britischen Inseln überlebenswichtig waren. Die deutsche Bedrohung der Nachschubwege Großbritanniens ging von den Kriegsschiffen und von den U-Booten aus. Die Überwasser-Handelszerstörer waren weniger ein Problem als die U-Boote, denn nach der Versenkung des Schlachtschiffs Bismarck am 26. Mai 1941 zögerte Adolf Hitler, seine verbliebenen Überwasserkriegsschiffe in einer direkten Konfrontation mit der Royal Navy zu riskieren, und für den Rest des Krieges verbrachten sie die meiste Zeit eingeschlossen in sicheren Häfen.

Gelegentlich wurden sie zur Kaperfahrt ausgesandt, aber mit wenig Erfolg: Der Schlachtkreuzer Scharnhorst wurde im Dezember 1943 versenkt und das Schlachtschiff Tirpitz wurde im November 1944 von der RAF an seinem Ankerplatz zum Kentern gebracht.

brennende Bismarck
Salven von Rodney und King George V umhüllen die brennende Bismarck mit Wasserfontänen.

Die wirkliche Bedrohung der Fähigkeiten Großbritanniens, den Krieg fortzusetzen, ging von der deutschen U-Boot-Armada aus. Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde der Wert des Konvoisystems – trotz seines entscheidenden Einflusses während der Endphase des Ersten Weltkriegs – von vielen Marineexperten als nicht wesentlich angesehen.

Nur die schweren Verluste in den ersten Monaten des Zweiten Weltkrieges überzeugten die britische Admiralität, die Konvois wieder einzuführen. Leider bedeutete der Mangel an Vorkriegsplanungen, dass es nicht genügend Schiffe für die Eskorte der Geleitzüge gab und dass die meisten dieser Schiffe – alte Zerstörer und Korvetten – nicht über eine ausreichende Reichweite verfügten, um einen ständigen Geleitschutz über den Atlantik zu bieten. Erst Ende 1941 konnten Geleitzüge von Küste zu Küste über den Atlantik realisiert werden.

Begleitschiff wirft im Atlantik Wasserbomben
Ein britisches Begleitschiff wirft im Atlantik Wasserbomben auf ein deutsches U-Boot.

Das britische Konvoisystem konzentrierte sich um die drei Operationsbasen an den ‚Western Approaches‘ (den westlichen Seezugängen nach Großbritannien): Liverpool, Greenwich und Londonderry mit etwa 25 Geleitschutzgruppen mit insgesamt etwa 70 Zerstörern und 95 kleineren Schiffen.
Eine Geleitgruppe bestand aus etwa acht Schiffen (in der Praxis waren jedoch selten mehr als sechs Schiffe gleichzeitig auf See) und sobald sie erst einmal gebildet war, wurden alle Anstrengungen unternommen, um zu verhindern, dass die Gruppe wieder aufgelöst wird, damit die einzelnen Schiffe zusammen wie eine gut geölte Maschine arbeiten konnten.

Trotz der Akzeptanz des Konvois als bester Schutz gegen das U-Boot stiegen die Verluste im Laufe des Jahres 1941 (300.000 Tonnen
der alliierten Schiffe wurden allein im Juni versenkt) und hielten auch im nächsten Jahr an. Die Schlacht im Atlantik war für die Alliierten fast verloren und dies konnte nur durch den massiven Einsatz alliierter Ressourcen zusammen mit der Entwicklung neuer Anti-U-Boot-Techniken, der Erhöhung der Anzahl und Qualität von Geleitschiffen und die Einführung von Geleitflugzeugträger verhindert werden. Gerade die Flugzeuge schränkten die U-Boot-Aktivität an der Oberfläche ein und konnten diese beim Abtauchen vernichten.
Bis Oktober 1943 war die Schlacht um den Atlantik gewonnen. Die U-Boot-Erfolge waren nur noch gering und im März 1944 wurden sie aus dem Nordatlantik abgezogen.

Zusätzlich zu ihren Einsätzen im Nordatlantik war die Royal Navy stark mit Konvoi-Aufgaben in der Arktis gebunden, wo sie den Lend-Lease-Nachschub an die Sowjetunion sichern musste.
Zunächst stießen diese arktischen Geleitzüge auf wenig Widerstand: Die sechs Konvois, welche während des Herbst 1941 ausliefen und 120.000 Tonnen Nachschub transportierten, erlitten nur geringe Verluste.
Aber im Laufe des Jahres 1942 stiegen die Verluste durch zunehmende deutsche Luft- und U-Boot-Angriffe stark an und erreichten ihren Höhepunkt beim Konvoi PQ-17. Bei diesem Konvoi wurden aus seiner Ladung von 156.000 Tonnen nahezu 100.000 Tonnen versenkt.
Trotz schwerer Verluste wurden die Arktis-Geleitzüge fortgesetzt, wobei auch die Deutschen selbst hohe Verluste erlitten und durch ihre schlechte Leistung in den Schlachten am Nordkap und in der Barentssee ging die Initiative an die Briten über.

Zerstörer und ein Handelsschiff unter dem Angriff deutscher Flugzeuge
Ein Zerstörer und ein Handelsschiff unter dem Angriff deutscher Flugzeuge in der Arktis.

Nach dem Sieg über die deutschen Handelszerstörer und die U-Boote, wurde die Royal Navy am D-Day eingesetzt, um die Invasionsflotte über den Ärmelkanal zu transportieren und dann die Landung mit Artilleriegeschützen zu unterstützen.
Die Marine-Operationen am D-Day waren ein Triumph der sorgsamen Planung, da die britischen und amerikanischen Truppen ohne Einmischung der deutschen Kriegsmarine oder Luftwaffe sicher an Land gebracht werden konnten.
Insgesamt waren etwa 7.000 Schiffe beteiligt, darunter 1.200 Kriegsschiffe aller Größen.

Britische Verwundete D-Day
Britische Verwundete werden am D-Day an Bord von HMS Frobisher evakuiert.

Nach der Invasion in der Normandie spielte die Royal Navy nur noch eine begrenzte Rolle auf diesem Kriegsschauplatz. Dazu gehörte hauptsächlich die Versorgung der alliierten Truppen in Westeuropa und die Öffnung der belgischen und holländischen Häfen.

englische Landungsschiffe vor Walcheren
Ein englisches LCT und kleinere Landungsfahrzeuge landen Truppen bei Westkapelle auf Walcheren an, um den Zugang zur Schelde und damit zum Hafen von Antwerpen freizukämpfen.

Zwischen 1939 und 1945 verlor die Royal Navy insgesamt 119 Kriegsschiffe aller Größen in den Heimatgewässern und 84 im Nordatlantik.


Royal Navy im Mittelmeer-Raum

schnelle Minenleger 'Welsham'
Der schnelle Minenleger ‚Welsham‘ im Jahr 1942 beim Einlaufen in den Grand Harbour auf Malta.

Das Mittelmeer war traditionell ein Schwerpunkt der britischen Seemacht. Im Zweiten Weltkrieg wurde diese Bedeutung noch verstärkt nach dem Fall Frankreichs im Sommer 1940, denn das Mittelmeer war der einzige Kriegsschauplatz, an dem die britischen Seestreitkräfte und die Armee gegen die überwältigende Übermacht der beiden Achsenmächte Deutschland und Italien zurückschlagen konnten.

Im Jahr 1939 war die Verantwortung über das Mittelmeer zwischen Großbritannien und Frankreich geteilt worden, aber der Zusammenbruch Frankreichs zusammen mit dem Ausscheiden seiner mächtigen Flotte und die Kriegserklärung Italiens am 10. Juni 1940 brachten die Royal Navy in eine schwierige Lage.

Der italienischen Marine zahlenmäßig unterlegen, war es der britische Plan, die drei entscheidenden strategisch wichtigen Punkte Gibraltar, Malta und Suez zu halten und über sie die lebenswichtigen Versorgungswege im Mittelmeer offen zu halten.
Obwohl Malta als wichtiger Marinestützpunkt wegen seiner Nähe zu Italien nicht als Flottenstützpunkt geeignet war, wurde die Insel der Dreh- und Angelpunkt des Systems. Sie war ein Zwischenstopp für die Konvois durch das Mittelmeer und eine wertvolle Basis, von der aus die Nachschubrouten der Achsenmächte nach Nordafrika angegriffen werden konnten.

Die britische Planung drückte sich auf der taktischen Ebene durch eine Reihe von aggressiven Angriffe gegen die italienische Marine aus.
Am 11. November 1940 griffen Flugzeuge des ‚Fleet Air Arm‘ die italienische Flotte bei Tarent an und beschädigten drei der fünf dort liegenden Schlachtschiffe. Auf diesen Erfolg folgte 1941 die Schlacht von Kap Matapan mit einem britischen Sieg, der den italienischen Seestreitkräften die Kontrolle über das zentrale Mittelmeer entriss.

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Der Innenhafen ‚Mar Piccolo‘ von Tarent nach dem englischen Angriff mit Swordfish-Torpedobombern vom Flugzeugträger ‚Illustrious‘ aus. Aus den zwei beschädigten Schweren Kreuzern links oben strömt Heizöl aus.

Die Kapitulation Italiens im September 1943 brachte 700 Kriegsschiffe und Handelsschiffe auf die alliierte Seite und zementierte die alliierte Seeherrschaft im Mittelmeer.
Bis zum Ende des Krieges übernahm die Royal Navy routinemäßige Versorgungsaufgaben und leistete unschätzbare Artillerieunterstützung für die alliierten Invasionstruppen in Italien, insbesondere für den schwer bedrängten Brückenkopf von Anzio und bei der Invasion in Südfrankreich im August 1944.

HMS Warspite' bombardiert Catania
Die 38,1-cm-Geschütze der ‚HMS Warspite‘ bombardieren Catania auf Sizilien.

Organisation im Mittelmeer

Die britische Flotte im Mittelmeer stand 1939 unter dem Kommando von Sir Andrew Cunningham und umfasste:
– drei Schlachtschiffe (Warspite, Barham, Malaya)
– ein Flugzeugträger (Glorious)
– zwei Kreuzer-Geschwader (zu je drei Schiffen)
– vier Zerstörer-Flotillien (insgesamt 31 Schiffe)
– vier Geleitschiffe
– eine Unterseeboot-Flotillie (10 U-Boote)
– eine Motortorpedoboot-Flotillie (10 MTB)
– eine Minenräumer-Flotillie (5 Schiffe)

Außerdem gab es einen Netzleger, einen Minenleger und ein Reparaturschiff sowie kleinere Hilfsschiffe.
Die Flotte war in Alexandria stationiert, obwohl die dortigen Reparatur- und Wartungseinrichtungen bei weitem nicht zufriedenstellend waren.
Zwei Nebenstützpunkte in Haifa und Port Said wurden gelegentlich genutzt, um die Schiffe gegen Luftangriffe zu zerstreuen, aber diese waren zu weit vom zentralen Mittelmeer-Raum entfernt, um von großem Nutzen zu sein.

Im ersten Jahr des Krieges wurde die Mittelmeerflotte einige male verkleinert, darunter die Entsendung der 2. Zerstörerflottille (fünf Zerstörer) in heimischen Gewässern. Nach der italienischen Kriegserklärung wurden jedoch Versuche unternommen, die Mittelmeerflotte zu verstärken und im Juni 1940 wurde die Force ‚H‘ gebildet, welche in Gibraltar stationiert war und aus dem Flugzeugträger Ark Royal, zwei Schlachtschiffe und einer kleinen Anzahl von Kreuzern und Zerstörern bestand.

Kriegsschiffe der Force H
Kriegsschiffe der Force H mit dem Schlachtkreuzer Renown, Flugzeugträger Ark Royal und dem schweren Kreuzer Sheffield (von vorne nach hinten) auf dem Marsch.

Während der Kämpfe im Mittelmeer in den Jahren 1941/42 hatte die Royal Navy hohe Verluste, aber dennoch erhielt der Kriegsschauplatz im Mittelmeer regelmäßig Verstärkungen, sodass die Briten bis Herbst 1943 eine überwältigende materielle Überlegenheit über die Marinen der Achsenmächte hatten.

Die Mittelmeer-Station, die auch das alte Levante-Kommando umfasste, war wie folgt organisiert:
– 1. Schlachtgeschwader (sechs Schlachtschiffe und zwei Flugzeugträger)
– 12. Kreuzergeschwader (fünf Kreuzer)
– 15. Kreuzergeschwader (fünf Kreuzer)
– sechs Flugabwehrkreuzer
– vier Geleitflugzeugträger
– 99 Geleitschiffe (Zerstörer, Schaluppen, Fregatten und Korvetten)
– fünf Zerstörer-Flotillien (27 Schiffe)
– Levante-Kommando-Zerstörer (11 Schiffe)
– zwei Unterseeboot-Flotillien (24 Boote)
– 90 Minenräumer
– sechs Motortorpedoboot-Flotillien (39 MTB)

Diese Streitkräfte wurden ergänzt durch eine Armada von Hilfsschiffen und eine beträchtliche große Abteilung französischer Kriegsschiffe, welche zwei Kreuzer und sieben Zerstörer umfasste.
Während des Krieges im Mittelmeer gingen 167 britische und Commonwealth-Kriegsschiffe verloren, darunter ein Schlachtschiff (Barham), die beiden Flugzeugträger Ark Royal und Eagle, 14 Kreuzer und 50 Zerstörer.

Flugzeugträger 'Eagle' ist der erste Verlust des Konvois
Der Flugzeugträger ‚Eagle‘ war der erste Verlust des Konvois während der Operation Pedestal. Von ‚U 73‘ torpediert kenterte er und sank innerhalb weniger Minuten.

Flottenadmiral Sir Andrew Cunningham: Die ruhige Hand im britischen Kampf um das Mittelmeer

Admiral of the Fleet Sir Andrew Cunningham
Admiral of the Fleet Sir Andrew Cunningham. Er führte einen meisterhaften Seekrieg gegen die schnelle und moderne italienische Flotte und gewann zwei große Seesiege bei Tarent (1940) und Kap Matapan (1941).

Flottenadmiral Sir Andrew Browne Cunningham (1883–1963) – von seinen Kollegen oft einfach als „ABC“ bezeichnet – war während des Zweiten Weltkriegs einer der angesehensten Kommandeure der Royal Navy. Am besten in Erinnerung geblieben für seine entschlossene Führung im Mittelmeer, verband Cunningham taktische Kühnheit mit ruhiger Autorität und trug so dazu bei, in einigen der kritischsten Momente des Krieges entscheidende Siege der Alliierten auf See zu sichern.

Frühes Leben und Marinekarriere

Andrew Cunningham wurde am 7. Januar 1883 in Rathmines, Irland, geboren und stammte aus einer Familie mit starken akademischen und beruflichen Wurzeln. Er trat 1897 als Kadett in die Royal Navy ein und stieg dank seiner Disziplin, Intelligenz und operativen Fähigkeiten stetig in den Rängen auf.

Während des Ersten Weltkriegs zeichnete sich Cunningham als Kommandant eines Zerstörers aus. Seine Leistungen brachten ihm mehrere Auszeichnungen ein, darunter den Distinguished Service Order (DSO). In der Zwischenkriegszeit hatte er sich einen Ruf als fähiger und vorausschauender Marineoffizier erworben – Eigenschaften, die sich im nächsten globalen Konflikt als unverzichtbar erweisen sollten.

Führungsrolle im Mittelmeer (Zweiter Weltkrieg)

Cunninghams entscheidende Rolle kam 1939, als er zum Oberbefehlshaber der Mittelmeerflotte ernannt wurde. Das Mittelmeer entwickelte sich rasch zu einem entscheidenden Kriegsschauplatz, da die Kontrolle über die Seewege für die Verbindung Großbritanniens nach Nordafrika und in den Nahen Osten von entscheidender Bedeutung war.

Der Angriff auf Taranto (1940)

Eine von Cunninghams berühmtesten Errungenschaften war die Schlacht von Taranto im November 1940. Unter seinem Kommando startete die Royal Navy einen gewagten nächtlichen Luftangriff auf die im Hafen von Taranto vor Anker liegende italienische Flotte.

Das Ergebnis:
– Drei italienische Schlachtschiffe schwer beschädigt
– Die italienische Seemacht erheblich geschwächt
– Ein Beweis für die Wirksamkeit der Luftstreitkräfte von Flugzeugträgern

Die Operation hatte weitreichende Folgen und beeinflusste sogar die japanischen Marineplaner im Vorfeld des Angriffs auf Pearl Harbor.

Die Schlacht von Kap Matapan (1941)

Ein weiterer großer Sieg wurde im März 1941 in der Schlacht von Kap Matapan errungen. Cunninghams Flotte besiegte die italienische Marine entscheidend, versenkte mehrere wichtige Kriegsschiffe und sicherte den Alliierten die Seeherrschaft im östlichen Mittelmeer.

Seine Bereitschaft, aggressiv vorzugehen – selbst bei Nacht – erwies sich als entscheidend für den Sieg.

„Es dauert drei Jahre, ein Schiff zu bauen …“

Cunningham wurde für seine unerschütterliche Entschlossenheit bekannt, insbesondere während der Evakuierung von Kreta im Jahr 1941. Trotz schwerer Verluste durch deutsche Luftangriffe bestand er darauf, die Rettungsaktionen fortzusetzen.

Er äußerte den berühmten Satz:

„Es dauert drei Jahre, ein Schiff zu bauen; es wird drei Jahrhunderte dauern, eine neue Tradition zu schaffen. Die Evakuierung wird fortgesetzt.“

Diese Aussage brachte seine Überzeugung zum Ausdruck, dass die Pflicht der Royal Navy, Soldaten zu retten, schwerer wog als materielle Verluste.

Später Kriegsdienst und Beförderung

1943 wurde Cunningham zum First Sea Lord ernannt, dem fachlichen Oberbefehlshaber der Royal Navy. In dieser strategischen Rolle trug er maßgeblich zur Gestaltung der alliierten Marinepolitik für den Rest des Krieges bei.

1943 wurde er zum Admiral of the Fleet befördert, dem höchsten Rang in der Royal Navy – ein Beweis für seine Führungsqualitäten und seine Leistungen während des Krieges.

Vermächtnis und Ehrungen

Nach dem Krieg wurde Cunningham in den Adelsstand erhoben und erhielt den Titel Viscount Cunningham of Hyndhope. Er zog sich aus dem aktiven Dienst zurück, blieb jedoch eine angesehene Stimme in militärischen und maritimen Angelegenheiten.

Zu seinem Vermächtnis gehören:

– Die Stärkung der Vorherrschaft der Royal Navy im Mittelmeer
– Die Förderung des strategischen Einsatzes der Marinefliegerei
– Die Wahrung der Traditionen der Royal Navy in Bezug auf Mut und Pflichtbewusstsein

Sir Andrew Cunningham starb am 12. Juni 1963 und hinterließ ein Vermächtnis, das bis heute an Marineakademien weltweit studiert wird.

Warum Cunningham auch heute noch von Bedeutung ist

Flottenadmiral Sir Andrew Cunningham gilt als Vorbild für Führung in Kriegszeiten – entschlossen und doch besonnen, mutig und doch prinzipientreu. Seine Handlungen im Mittelmeer prägten nicht nur den Ausgang entscheidender Feldzüge, sondern stärkten auch die beständigen Werte des Marinedienstes.

Sowohl für Historiker als auch für Militärbegeisterte bietet Cunninghams Karriere bleibende Lehren in Sachen Strategie, Durchhaltevermögen und Führung unter Druck.


Quellenangaben und Literatur

Flotten des 2. Weltkrieges (Antony Preston)
The Armed Forces of World War II (Andrew Mollo)
World War II – A Statistical Survey (John Ellis)
Chronology of World War II (Christopher Argyle)
Die Schlacht im Atlantik (Andrew Kershaw)
Seemacht – eine Seekriegsgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart (Elmar B. Potter, Admiral Chester W.Nimitz)
Kriegsschiffe 1939-45 (Heyne-Bildpaperback)

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