Rote Armee Sommer 1941

Stärke und Organisation der Rote Armee beim Unternehmen Barbarossa im Juni 1941.
Sowjetische Kriegsgliederung, Divisionen und Ausrüstung, Panzer, Panzerspähwagen, Traktoren und Kettenzugmaschinen.

Russischer Gegenangriff mit Panzerunterstützung
Russischer Gegenangriff mit Panzerunterstützung gegen die deutsche Heeresgruppe Mitte.

Die Rote Armee im Sommer 1941

Zu Beginn des Unternehmens Barbarossa am 22. Juni 1941 war die Rote Armee (sowjetische Streitkräfte) zwar auf dem Papier die größte Armee der Welt, was Personal und Ausrüstung betraf, aber sie wies gravierende Mängel in Organisation, Ausbildung, Führung und Einsatz auf.

Überblick

Größe und Zusammensetzung

– Personal: Die Rote Armee hatte etwa 5,3 Millionen Mann unter Waffen (einschließlich Reserven), von denen etwa 2,6-3,0 Millionen in den westlichen Militärbezirken gegenüber Deutschland eingesetzt waren.
– Divisionen: Im Westen der UdSSR waren etwa 170 Divisionen (Schützen-, Mechanisierte, Panzer- und Kavalleriedivisionen) stationiert, die sich in folgende Gruppen aufteilten:
Armeegruppen: Baltische, westliche und südwestliche Front (die Hauptverteidigungslinien).
Panzer: Die Rote Armee verfügte über etwa 23.000-24.000 Panzer (allerdings waren nur etwa 10.000 voll einsatzbereit und viele waren veraltete Modelle wie die T-26- und BT-Serie; etwa 1.800 waren moderne T-34- und KW-Panzer).
Kampfflugzeuge: Etwa 10.000-12.000 Kampfflugzeuge in den westlichen Bezirken, darunter viele veraltete Modelle; moderne Typen (MiG-3, Jak-1, Il-2, Pe-2) wurden gerade in Dienst gestellt.

Stärken

– Zahlmäßige Überlegenheit bei Panzern und Flugzeugen gegenüber der eindringenden Wehrmacht.
– Einiges an moderner Ausrüstung (T-34- und KW-Panzer, neue Flugzeuge), die bei richtigem Einsatz den deutschen Gegenspielern überlegen sein konnten.
– Massenmobilisierungspotential aufgrund der großen Bevölkerungszahl der UdSSR.

Schwächen

– Schwache Führung: Die Rote Armee hatte unter verheerenden Säuberungen ihres Offizierskorps gelitten (1937-1939), so dass viele Einheiten von unerfahrenen oder inkompetenten Kommandeuren geführt wurden.
– Mangelnde Bereitschaft: Viele Einheiten befanden sich noch in der Mobilisierung oder in Friedensstärke, mit unvollständiger Ausrüstung und Versorgung.
– Ungünstige Dislozierung: Truppen und Ausrüstung waren oft zu nahe an der Grenze in ungeschützten Ausbuchtungen stationiert, was sie zu leichten Zielen für eine Einkreisung machte.
– Unzureichende Ausbildung: Vielen Soldaten und Offizieren mangelte es an einer angemessenen Ausbildung, insbesondere in der Taktik der kombinierten Waffen.
– Unzureichende Kommunikation: Veraltete oder unzureichende Funkgeräte und logistische Systeme behinderten die Befehlsgebung und Kontrolle.
– Veraltete Ausrüstung: Die meisten Panzer und Flugzeuge waren alt, unzuverlässig und anfällig für deutsche Waffen.

Disposition

Westliche Militärbezirke (Fronten):
– Baltischer Sondermilitärbezirk (Nordwestfront)
– Sondermilitärbezirk West (Westfront)
– Spezialmilitärbezirk Kiew (Südwestfront)
– Militärbezirk Odessa (Südfront)
– Die Frontkräfte waren im Allgemeinen in zwei Staffeln konzentriert: eine dünne Abschirmung an der Grenze und eine zweite Staffel weiter östlich, aber beide waren anfällig für schnelle deutsche Vorstöße.

Unmittelbare Auswirkungen

Trotz ihrer Größe und Ressourcen wurde die Rote Armee überrascht und erlitt in den ersten Wochen von Barbarossa katastrophale Verluste:
– Tausende von Panzern und Flugzeugen (oft am Boden) zerstört.
– Hunderttausende von Soldaten getötet oder gefangen genommen bei massiven Einkreisungen (Minsk, Smolensk, Uman, Kiew).

Zusammenfassung
Die Rote Armee im Juni 1941 war groß, aber unvorbereitet. Einer beeindruckenden Zahl von Soldaten standen eine schlechte Führung, veraltete Ausrüstung und unzureichende Bereitschaft gegenüber. Dieses Ungleichgewicht trug zu den anfänglichen Katastrophen an der Ostfront bei, aber die Widerstandsfähigkeit und die Fähigkeit der Roten Armee, sich zu erholen, sollten sich letztendlich als entscheidend für den Ausgang des Krieges erweisen.

Rote Armee bei Unternehmen Barbarossa

Deutsche Panzer stossen vor, russische Kriegsgefangene strömen zurück
Deutsche Panzer stoßen vor, russische Kriegsgefangene strömen zurück. Die üblichen Bilder in den ersten Monaten von Unternehmen Barbarossa.

Der Winterkrieg gegen Finnland 1939/40 hatte viele Mängel in der Roten Armee offenbart und in den nachfolgenden Monaten wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, um Personal und Ausrüstung zu verbessern.

Auf dem Papier war die Rote Armee im Sommer 1941 zwar eine gewaltige Streitmacht, aber in der Realität gab es noch ernsthafte Mängel, welche von der Wehrmacht schonungslos aufgedeckt wurden. Die Kämpfe an der Ostfront stellten alles andere in den Schatten, da die Anzahl der Soldaten und Waffen enorm war – ebenso wie die Verluste.

Während des Unternehmens Barbarossa brach die Rote Armee fast auseinander. Einheiten strömten zurück und ließen große Mengen an wertvollen Vorräten, Munition und ihre kaum zu ersetzende schwere Ausrüstung zurück. Ganze Formationen und Einheiten verloren ihren Zusammenhalt und die Hauptquartiere, oft mit unerfahrenen Stabsoffizieren besetzt, litten unter den schlechten und chaotischen Kommunikations-Verbindungen.

Von Juni bis zum Ende des Jahres zog sich die Rote Armee unter schwere Verlusten nach Osten zurück, fügte jedoch auch den deutschen Armeen relativ schwere Verluste zu. Im Herbst verlief die Front von Leningrad im Norden bis nach Odessa im Süden, aber die Rote Armee hatte fast ein Drittel ihrer Streitkräfte aus der Vorkriegszeit eingebüßt. Trotz dieser gewaltigen Niederlagen hatte es die deutsche Führung versäumt, die Rote Armee zu vernichten und konnte weder Leningrad noch Moskau erobern.
Nun wurde Moskau zum Zentrum der deutschen Bemühungen, den Krieg doch noch vor Wintereinbruch zu entscheiden. Stalin, als Oberbefehlshaber der Roten Armee, hatte beschlossen in Moskau zu bleiben und seine Hauptstadt bis zum bitteren Ende zu verteidigen.

Gliederung der Roten Armee 1941

Obwohl es schwierig ist, genaue Zahlenangaben zu erhalten, gab es etwa 170 Millionen Menschen in der Sowjetunion im Jahr 1941, von denen etwa 25 Millionen erwachsene Männern für den Militärdienst infrage kamen. Die Dienstzeit in der Roten Armee betrug zwei Jahre, nach welcher der Rekrut der Reserve beitrat und falls nötig zu den Waffen hinzugerufen werden konnte.

Die Qualität des Trainings der Roten Armee in der Friedenszeit hatte viel zu wünschen übrig gelassen. Der Unterricht wurde durch Auswendiglernen beherrscht, sodass Rekruten eher Gehorsam statt Initiative gelehrt wurde. Die träge russische Reaktion auf den deutschen Angriff spiegelt das unzureichende Niveau in der technischen Kompetenz wider.

Die reguläre Armee bestand aus rund neun Millionen Mann, von denen etwa die Hälfte im europäischen Teil der Sowjetunion stationiert waren.
An der Westfront setzte Russland 170 Divisionen (von etwa insgesamt 230 Divisionen) in fünf große Gruppen ein: Militärbezirk Leningrad (drei Armeen), Baltischer Sondermilitärbezirk (zwei Armeen), Westlicher Sondermilitärbezirk (drei Armeen); Kiew-Sondermilitärbezirk (vier Armeen) und dem Militärbezirk Odessa (zwei Armeen).


Gliederung Rote Armee 22. Juni 1941:

Nordfront (Leningrad):

Armee
Korps
Divisionen
insg. 17-19 Schützen, 2 Tank, 1 Mech. Div
14. Armee (Murmansk)
4 Schützen-Div
7. Armee (Karelien)
3 Schützen-Div
23. Armee (Leningrad)
X. Mech. Korps (nördl. von Leningrad, Gen. Lavionovich)
1., 24. Tank, 198. Mech. Div
XIX., L., LXX. Schützen-Korps
(mind. 1 Schützen-Div auf der Karelischen Landenge)

Nordwestfront (Baltikum, Gen. Kusnezow):

Armee
Korps
Divisionen
insg. 28-29 Schützen, 6 Tank, 3 Mech. Div, 4 Kav Brig
8. Armee (Gen. Sobennikow)
XII. Mech. Korps (Shauliya, Gen. Shestpalov)
23., 28. Tank, 202. Mech. Div (insg. 690 Panzer, keine T-34/KW)
X., XI. Schützen-Korps
9 Schützen-Div
11. Armee (Kaunas, Gen. Morossow)
III. Mech. Korps (Wilna, Gen. Kurkin)
2., 5. Tank, 84. Mech. Div (insg. 460 Panzer, davon 105 T-34/KW)
I. Mech. Korps (Reserve in Pskov, Gen. Chernyavsky)
1., 3. Tank, 163. Mech. Div (insg. 163 Panzer)
XXII., XXIV., LXI. Schützen-Korps
11 Schützen-Div
27. Armee (als Reserve)
XXII., XXIV., LXI. Schützen-Korps
?

Westfront (Minsk, Gen. Pawlow):

Armee
Korps
Divisionen
insg. 30-31 Schützen, 10 Tank, 5 Mech., 2 Kav. Div., 3 Luftlande-Brig
3. Armee (Gen. Kusmezow)
XI. Mech. Korps (Grodno, Gen. Mostovenko)
29., 33. Tank, 204. Mech. Div (insg. 204 Panzer, davon 27 T-34/KW)
IV. Schützen-Korps
12 Schützen-Div
10. Armee (Bialystok, Gen. Golubew)
VI. Mech. Korps (Bialystok, Gen. Khatskilevich)
4., 7. Tank, 29. Mech. Div (insg. 1.000 Panzer)
XIII. Mech. Korps (Belsk, Gen. Akhlyustan)
27., 31. Tank, 4. Mech Div (insg. 300 Panzer)
I., V. Schützen-Korps
8 Schützen-Div
4. Armee (Brest-Litowsk, Gen. Korobkow)
XIV. Mech. Korps (Brest-Litowwsk, Gen. Oborin)
22., 30. Tank, 205. Mech. Div (insg. 508 Panzer)
XXVIII. Schützen-Korps
6 Schützen-Div
13. Armee (als Reserve in Minsk, Gen. Filatow)
XX. Mech. Korps (Minsk, Gen. Vedeneyev)
26., 38. Tank, 210. Mech. Div (insg. 300 Panzer)
II., XXI., XLIV., LXV. Schützen-Korps
4 Schützen-Div
Reserven:
IV. Luftlande, XVVII., XL. Schützen-Korps
u.a. 3 Luftlande-Brigaden

Südwestfront (Kiew, Gen. Kirponos):

Armee
Korps
Divisionen
insg. 45 Schützen- und Gebirgs (davon 2 als Reserve), 16 Tank, 8 Mech., 10 Kav. Div
5. Armee (Rowno, Gen. Potapow)
XXII. Mech. Korps (Rowno-Dubno, Gen. Kondrusev)
19., 41 Tank, 215. Mech. Div (u.a. 31 T-34/KW)
XVII. Mech. Korps (Baranawitschy, Gen. Petrov)
25., 54. Tank, 108. Mech. Div (insg. 300 Panzer)
XV., XXVII. Schützen-Korps
10 Schützen-Div
6. Armee (Lemberg, Gen. Musitschenko)
IV. Mech. Korps (Lemberg, Gen. Wlassow)
8., 32. Tank, 81. Mech. Div (insg. 860 Panzer, davon 460 T-34/KW)
XIX. Mech. Korps (Schytomyr, Gen. Feklenko)
40., 43. Tank, 213. Mech. Div. (ings. 160 Panzer, davon 4 T-34/KW)
VI. Schützen, II. Kav. Korps
insg. 10 Divisionen (Summe Kav.Div unbek.)
26. Armee (Gen. Kostenko)
VIII. Mech. Korps (Dubno, Gen. Ryabyshev)
12., 34. Tank, 7. Mech. Div. (insg. 600 Panzer, davon 170 T-34/KW)
XXIV. Mech. Korps (Chmelnyzkyj, Gen. Chistyakov)
45., 49. Tank, 216. Mech. Div (ca. 170 Panzer)
VIII. Schützen, IV. Kav. Korps
insg. 8 Divisionen (Summe Kav.Div. unbek.)
12. Armee (Tschernowitz, Gen. Ponedelin)
XV. Mech. Korps (Tschernowitz, Gen. Karpezo)
10., 37. Tank, 212. Mech. Div (insg. 915 Panzer, davon 135 T-34/KW)
IX. Mech. Korps (Tschernowitz, Gen. Rokossovsky)
20., 35. Tank, 131. Mech. Div (insg. 700 Panzer, keine T-34/KW)
XIII. Gebirgs, XLIV. Schützen-Korps
10 Schützen- und Gebirgs-Div
Reserven (in der Ukraine):
XXI., XXXVI., XXXVII., LXXXVII. Korps
ca. 17 Schützen-Divisionen

Südfront (Odessa, Gen. Tjulenew):

Armee
Korps
Divisionen
insg. 11 Schützen, 6 Tank, 3 Mech., 1 Kav. Div
18. Armee (Gen. Smirnow)
XVI. Mech. Korps (Kamenets-Podolskiy, Gen. Sokolov)
15., 39. Tank, 240 Mech. Div
XVII. Schützen-Korps
6 Schützen-Div
9. Armee (Gen. Tscherewitschenko)
II. Mech. Korps (Lipkany, Gen. Novoselskiy)
11., 16. Tank, 15. Mech. Div (insg. 350 Panzer)
XVIII. Mech. Korps
36., 47. Tank, 209 Mech. Div (insg. 350 Panzer)
XIV., XXXV. Schützen-, XLVIII. unab. Schützen-, II. Kav. Korps
5 Schützen, 1 Kav. Div

Reserven in der Sowjetunion:

Armee
Korps
Divisionen
15. Armee (Birobidzhan an der Grenze zur Mandschurei)
?
?
16. Armee (um Winitza)
V. Mech. Korps (Winitza, Gen. Alekseyenko)
13., 17. Tank, 109. Mech. Div (700 Panzer)
17. Armee (Mongolei)
?
?
19. Armee (Ferner Osten)
XXVI Mech. Korps
12. Mech. Div
XXIII. Mech. Korps (STAVKA-Reserve)
44., 48. Tank, 220. Mech. Div
XXIV. Schützen, XXV. unab. Schützen-Korps
?
20. Armee (Orel)
VII. Mech. Korps (Witbesk-Kaluga, Gen. Vinogradov)
14., 18. Tank, 1. Mech. Div (1.000 Panzer)
LXI., LXIX. Schützen-Korps
?
21. Armee (Chernigov-Konitop)
XXV. Mech. Korps (Charkow, Gen. Krivosheim)
50., 55. Tank, 219. Mech. Div
LXIII., LXVI. Schützen-Korps
?
22. Armee (Velikiye-Luki)
LI., LXII. Schützen-Korps
?
24. Armee (Sibirien)
LII., LIII. Schützen-Korps
?
28. Armee (Archangelsk)
XXX., XXXII., XXIII. Schützen-Korps
?
weitere Reserven:
XXI. Mech. Korps (Opochka bei Moskau, Gen. Lelyushenko)
42., 46. Tank, 185. Mech. Div. (98 Panzer, keine T-34/KW)
XXI. Mech. Korps (Ferner Osten)
12. Mech. Div
XVII. Mech. Korps (Ferner Osten)
?
XXVIX. Mech. Korps (Ferner Osten)
?
XXX. Mech. Korps (Transbaikal)
58., 60. Tank, 239. Mech. Div

Erläuterungen:
Mech. = Mechanisches (Panzer-Korps oder motorisierte Infanterie-Division)
Tank = Tank-Divisionen (Panzer-Divisionen)
Schützen = Schützen-Korps oder Division (Infanterie-Division)
Kav. = Kavallerie-Divisionen


Organisation der Roten Armee 1941

Sowjetischer Verwundeter 1941
Zwei Sowjetsoldaten bringen 1941 einen Verwundeten nach hinten.

In der Zeit vor Beginn des Unternehmens Barbarossa befand sich die Rote Armee in den Wirren der Reorganisation. Diese war eine Folge der heilsamen Lehren des dem Krieg gegen Finnland – und vor allem der deutschen Blitzkrieg-Erfolge im Westen.
Die russischen Militär-Theoretiker hatten erkannt, dass eine moderne militärische Doktrin höchste Priorität hatte. Es war die Doktrin der entscheidenden Rolle von Panzerverbänden im Gefecht. Als jedoch die Wehrmacht gegen Russland losschlug, war dieses Problem von den Russen jedoch noch nicht gelöst worden.

Als schnelle Reaktion auf die für ihn überraschend gekommene deutsche Invasion vom 23. Juni 1941, setzte Stalin ein oberstes Hauptquartier für alle Waffengattungen ein, genannt STAVKA. Einen Monat später übernahm er persönlich die Kontrolle darüber und wurde damit tatsächlich der Leiter aller russischen Operationen.

Durch die Zentralisierung aller militärischen Abteilungen unter der allgemeinen politischen Kontrolle durch STAVKA war es möglich, die nationalen Ressourcen mit einer erheblichen Effizienz zu nutzen. Denn eine der Hauptfunktionen von STAVKA war die Koordination aller Kräfte in der gesamten Sowjetunion, welche u.a. die erfolgreiche Evakuierung zentraler Schlüsselindustrien in den Osten und die Herbeiführung sibirischer Reserven in der entscheidenden Schlacht um Moskau ermöglichte.
Zugleich versuchte die STAVKA immer eine strategische Reserve zu bilden, um Gegenangriffe durchzuführen, sobald sich die Gelegenheiten dazu boten. Dies führte natürlich auch dazu, dass die Fronteinheiten immer wieder auf dringend benötigte Verstärkungen verzichten mussten.

Die russischen Streitkräfte von 1941 wurden in Armeen organisiert zu je zwei bis vier Korps, die jeweils über zwei bis vier Divisionen verfügten.
Eine durchschnittliche Armee konnte 12 Divisionen haben, die mit Unterstützungseinheiten (Nachrichten, Pioniere, Versorgung, Instandsetzung und Transport) fast 200.000 Mann betragen konnte.

Nach dem deutschen Angriff stellte das STAVKA fest, dass die Schützen-Korps für die Führung zu unhandlich waren, da es einen Mangel an ausgebildeten Führungs- und Stabspersonal gab. Deshalb wurden sie bald abgeschafft und der Umfang einer Armee reduzierte sich dadurch auf etwa 8 Divisionen.
Später wurden die Schützen-Korps zwar wieder eingeführt, hatten aber niemals die halb-autonomen Funktionen wie in der deutschen oder den anderen alliierten Armeen.

Die grundsätzliche Formation der Roten Armee war die Schützen-Division. Seit dem Debakel beim Winterkrieg gegen Finnland waren viele der Spezialeinheiten – einschließlich der leichten Panzer und Flugabwehr-Bataillone – den Schützen-Divisionen weggenommen worden. Dies geschah teilweise, weil diese Einheiten auf Divisionsebene nicht vernünftig eingesetzt werden konnten, aber auch um eine flexible Reserve von Spezialverbänden zu schaffen.
Die Verwirrung, welche nach dem deutschen Angriff entstand, steigerte die Tendenzen in Richtung Dezentralisierung, sodass die sowjetische Schützen-Division im ersten Jahr des Krieges nicht mehr war, als eine Formation aus Gewehrträgern mit nur wenig Unterstützungswaffen. Es ist überflüssig darauf hinzuweisen, dass diese Schützen-Divisionen es mit einer Infanterie-Division der Wehrmacht mit ihren zahlreichen Unterstützungseinheiten nicht aufnehmen konnte.

Die einzige Ausnahme waren die Garde-Schützen-Divisionen. Der ‚Garde‘-Status wurde an Einheiten und Formationen verliehen, welche im Kampf besonders hervorragten. Die ersten derartigen Auszeichnungen wurden am 18. September 1941 an vier Schützen-Divisionen vergeben, welche bei den Abwehrkämpfen herausragten.
Diese Garde-Divisionen wurden besser ausgerüstet als die üblichen Schützen-Divisionen, sowie auch mit besseren ‚menschlichen Material‘ aufgefrischt. Sie stellten dadurch einen höheren Bereich militärischer Effektivität dar, welcher sie nahe an den Kampfwert regulärer deutscher Infanterie-Divisionen brachte.


Grundsätzliche Verbände der Roten Armee Juni 1941

Schützen-Division (April 1941)Kavallerie-DivisionTank-DivisionMechanisiertes Korps (aus 2 Tank- und 1 motorisierte Schützen-Div)
Divisionen insgesamtca. 130 (davon 28-30 mot)4054-6030 (Korps)
Infanterie-Regimenter3 mit je 3.182 Offizieren und Mannschaften2 motorisierte Schützen-Batallione (zusammen ca. 1.900 Offiziere und Mannschaften)1 mit 3.182 Offizieren und Mannschafteninsg. 4 mit je 3.182 Offizieren und Mannschaften
Kavallerie-Regimenter(9 Züge)4-(9 Züge)
Gesamtstärke14.4835.04011.34336.080
Maschinen- gewehre 558 (166 schwere) 166 (48 schwere, 118 leichte) 116 insg. 464
Granatwerfer 150 (84 x 50mm, 54 x 82mm, 12 x 120mm)???
Feldgeschütze 34 (18 x 76mm Inf.Gesch., 16 x 76mm Feldhaubitze)???
Haubitzen 44 (12 x 152mm, 32 x 122mm)-- insg. 358 Kanonen und Granatwerfer mit Kaliber 76mm - 122mm
Panzerabwehr-Kanonen 54 (45mm)12 (45mm)2 (45mm)mind. 56 (45 mm)
Flugabwehr-Kanonen 12 (4 x 76mm, 8 x 37mm + 15 12,7-mm-Fla-MGs und 18 Vierfach-MGs) 6 (6 x 37mm + 9 Fla-MGs)- mind. 12 (4 x 76mm, 8 x 37mm + 15 12,7-mm-Fla-MGs und 18 Vierfach-MGs)
Panzer 16 Tanketten, 13 BA-20 Panzerspähwagen64 BT 375 (102 BT oder T-26, 210 T-34, 63 KW) insg. 1.031 (plus 268 Panzerspähwagen)
Pferde3.039???
Zugtraktoren99--350
Kraftfahrzeuge585?? 5.000 (+ 1.700 Krafträder)
Sommerkatastrophe in Westrussland
Während der Sommerkatastrophe in Westrussland rücken deutsche Kolonnen an einem verlassen russischen OT-133 Flammenweferpanzer und T-34 Modell 1941 vorbei.

Praktisch bedeuteten die Sollstärken (auf dem Papier) der Mechanischen Korps, daß insgesamt 31.574 Panzer und 8.040 Panzerspähwagen notwendig wären, was jedoch 150 Prozent des noch verfügbaren Bestandes (da z.B. auch noch BT-Panzer bei den Kavallerie-Divisionen und T-26 bei Schützen-Divisionen eingesetzt waren) an Panzern und 165 Prozent der Panzerspähwagen der Roten Armee gewesen wäre.
Außerdem standen nur etwa 39 Prozent der Kraftfahrzeuge, 44 Prozent der Traktoren, 17 Prozent der Krafträder und 29 Prozent der Instandsetzung-Einrichtungen zur Verfügung.
Daher erreichten viele der Mechanisierten Korps niemals diese Sollstärke.

Von den knapp 24.000 Panzern der Roten Armee im Sommer 1941 benötigten etwa 29 Prozent eine Überholung und 44 Prozent sogar eine Komplettüberholung und Reparatur. Unter Kampfbedingungen konnten diese Panzer nur wenige Kampftage bis zu einem mechanischen Schaden überstehen.

Bestand an Panzerkampfwagen in der Roten Armee Juni 1941:

Panzertyp
Bestand
T-27
ca. 400
T-37
ca. 2.400
T-38
ca. 1.200
T-40
122
T-18M
ca. 400
T-26
ca. 11.000
BT
ca. 6.000
T-28
ca. 500
T-34
967
T-35
ca. 40
KW
508
INSGESAMT
ca. 23.537

Bestand an Panzerspähwagen 22. Juni 1941: 4.819

Bestand an Traktoren und Kettenzugmaschinen in der Roten Armee Juni 1941:

Typ
Bestand
STZ-3
3.658
STZ-5
7.170
Komsomolyets
4.041
Komintern
1.107
Woroschilowjets
228
Kommunar
504
INSGESAMT
16.708

Gesamtbestand an Kraftfahrzeugen in der Roten Armee im Juni 1941: 272.600


Truppen des Inneren (NKWD)

Angehöriger der Grenztruppen des NKWD
Leutnant der sowjetischen Grenztruppen, 1942 mit PPSh-Maschinenpistole. Die Grenztruppen unterstanden dem sowjetischen Innenministerium und waren NKWD-Truppen.
Das sowjetische Regime stützte sich für seine innere Sicherheit auf ein Netz von Spitzeln und Geheimagenten, das von einer absolut zuverlässigen und rücksichtslosen inneren Sicherheitstruppe unterstützt wurde.
Die Unterwerfung der Bevölkerung der annektierten Gebiete, die Durchführung der Kollektivierung und die Säuberungen der Streitkräfte wurden von den Spezialtruppen des Volkskommissariats für Inneres durchgeführt, das ab Juli 1934 als NKWD bezeichnet wurde.
Die sowjetischen Armeen, die Ostpolen und Teile Finnlands besetzten, wurden dicht von NKWD-Truppen gefolgt, die für die Sicherheit in den rückwärtigen Gebieten verantwortlich waren.

Organisation des NKWD:
Die Hauptverwaltung der ‚Truppen des Inneren‘ war für die Rekrutierung, Ausbildung und den Einsatz der Truppen zur inneren Sicherheit, der Grenzschutztruppen und der Konvoi-Sicherungstruppen verantwortlich.
Die Truppen der inneren Sicherheit umfassten etwa 150.000 Mann und waren nach militärischen Gesichtspunkten ausgebildet und organisiert, bestehend aus Infanterie-, Kavallerie-, Artillerie-, Panzerwagen- und fliegenden Verbänden.

Die Grenzschutztruppen waren für die Kontrolle der Grenzen der Sowjetunion zu Lande und zu Wasser verantwortlich. Auch sie waren nach militärischen (oder maritimen) Gesichtspunkten organisiert und umfassten etwa 70.000 Mann.
Konvoi-Sicherungstruppen wurden zur Eskortierung von Gefangenen und zur Bewachung von Gefängnissen und Arbeitslagern eingesetzt.

Politische Kommissare:
Auf dem Höhepunkt ihrer Macht – zwischen Juli 1941 und November 1942 – waren die Politkommissare wichtige Persönlichkeiten in der Roten Armee. Kein Truppenkommandant konnte einen Befehl ohne die Zustimmung und Gegenzeichnung seines Kommissars erteilen, aber ein Kommissar dagegen konnte und tat dies selbständig im Rahmen seiner eigenen Befugnisse.

Auf allen Ebenen von der Front (einer Armee-Gruppe, was vom Umfang trotzdem nur einer deutschen Armee entsprach) bis hinunter zur Kompanie gab es einen politischen Kommissar mit eigenem Stab und eigener Befehlskette. Die Hauptaufgaben des Kommissars waren der Aufbau und die Aufrechterhaltung einer guten politischen Moral in den eigenen Reihen sowie die Beobachtung und Unterdrückung von Partei-feindlichen Stimmungen und Aktivitäten.

Während des katastrophalen Sommers von 1941 war es oft notwendig, zu außerordentlichen Maßnahmen zu greifen, um den Zusammenbruch der Front zu verhindern. Für solche Aufgaben konnte der politische Apparat auf die in jedem Regiment, Division, Korps und Armee vorhandene ‚Sonderabteilung‘ zurückgreifen. Diese Abteilung war ein Organ des NKWD, das speziell für die Unterdrückung der Konterrevolution und des Defätismus zuständig war.
Die führenden Mitarbeiter der Sonderabteilung nahmen an allen Stabsbesprechungen teil und waren eine besonders gefürchtete Institution in der Roten Armee.

Von Zeit zu Zeit konnten der Kommissar und der Chef der Sonderabteilung im Geheimen Sonderkommandos aus den Mitgliedern der Sonderabteilung und vertrauenswürdigen Kommunisten und Komsomol-Mitgliedern bilden. Die Aufgabe dieses ‚Obstruktionskommandos‘ war es, Nachzügler und Deserteure am Verlassen des Schlachtfeldes zu hindern.
Um die Geheimhaltung zu wahren, wurde das Personal dieser Kommandos von Tag zu Tag gewechselt. Ein ähnliches Ad-hoc-Geheimkommando wurde auf Divisionsebene gebildet, aber die ‚Obstruktionskommandos‘ einer Armee wurden auf permanenter Basis organisiert und waren oft als Straßen- und Brückenbaueinheiten getarnt. Auf diese Weise konnten sie die Hauptrouten, die zur und von der Front weg führten, kontrollieren.

Der durchschnittliche Stab eines Divisionskommissars war etwa 50 Mann stark und wie folgt organisiert:
21 Politruks und ihre Stellvertreter,
ein Propaganda-Instrukteur,
ein Sekretär des Parteibüros,
ein Sekretär des Komsomol-Büros und verschiedene Hilfskräfte.

Es wird allgemein angenommen, dass politische Kommissare nur einen negativen und bedrückenden Einfluss auf den Rotarmisten ausübten, aber wie bei allen Institutionen gab es gute und schlechte Vertreter.
Es besteht kein Zweifel, dass es dem engagierten Kommunisten, der alle Nöte und Gefahren seiner Schützlinge teilte, gelang, sich ihren Respekt und sogar ihre Zuneigung zu verdienen. Dies vor allem deshalb, weil der gewissenhafte Kommissar auch viele der Aufgaben erfüllte, die traditionell von den Geistlichen in westlichen Armeen übernommen wurden.

Die Deutschen erkannten diese Tatsache, als sie den berüchtigten ‚Kommissarbefehl‚ erließen, der die Liquidierung jedes gefangenen Kommissars verlangte.
Aber abgesehen von der Unrechtmäßigkeit und Unmenschlichkeit dieses Befehls, diente er nur dazu, den Willen der Kommissare zum Widerstand zu stärken. Die Deutschen änderten daraufhin ihre Taktik und versuchten, den Kommissar zum Überlaufen zu bewegen, indem sie ihm eine bevorzugte Behandlung versprachen, wenn er sich ergeben würde.

Ab November 1942 verloren die Kommissare ihre weitreichendsten Befugnisse, wurden zu Stellvertretern für politische Angelegenheiten und unterstanden nunmehr dem Truppenkommandanten.

button go Hier zum nächsten Teil: Die Rote Armee 1942.


Quellenangaben und Literatur

Krieg der Panzer (Piekalkiewicz)
The Armed Forces of World War II (Andrew Mollo)
World War II – A Statistical Survey (John Ellis)
Der Grosse Atlas zum II. Weltkrieg (Peter Young)
Operation Barbarossa: the Complete Orgnaisational and Statistical Analysis, and Military Simulation, Volume I – IIIB (Nigel Askey)
Soviet Tanks and Combat Vehicles of World War Two (Steven J. Zaloga, James Grandsen)

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1 Kommentar zu „Rote Armee Sommer 1941“

  1. Droste Christoph

    Wertvolle und wichtige Informationen.Lassen die vorhandenen Informationen eventuell auch weitergehendes wichtiges Wertungsvorgehen zu (z.B Kraefteverhaeltnis gesamt Alliierte versus Achsenmaechte (z.B BIP,Produktionszahlen gesamt,Kraefteverhaeltnisse gebracht bzw. betrachtet in Zu-Betrachtungen (z.B. Vier zu Eins)))?

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