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Jagdflieger-Asse


Die Jagdflieger-Asse der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg.

Leutnant Erich Hartmann als Staffelkapitän von 9./JG52 am 2. September 1943 vor seiner Bf 109G-6.

Die Jagdflieger-Asse der Luftwaffe

Gerd Barkhorn
Gerd Barkhorn (Mitte) war mit 301 Luftsiegen der zweitbeste deutsche Jagdflieger.
Trotz aller hier beschriebenen Probleme bei der Piloten-Ausbildung ab 1942 brachten es bis Kriegsende fünfzehn deutsche Jagdflieger auf über 200 bestätigte Luftsiege. Erich Hartmann, der führende deutsche Jagdflieger, erreichte sogar vor allem in den letzten beiden Kriegsjahren die Zahl von 352 Abschüssen (davon 34 von November 1942 bis Juli 1943). Den letzten Abschuss davon erzielte er am letzten Tag des Krieges.

Derartige Zahlen mögen in den Augen alliierter Jagdflieger unglaublich geklungen haben, sind aber durch die zumeist genauen deutschen Abschussbestätigung, welche Zeugen oder aufgefundene Wracks erfordern, ziemlich unzweifelhaft.

Allerdings muss hierbei auch berücksichtigt werden, dass für die britische Royal Air Force und ihre angeschlossenen Commonwealth-Luftstreitkräfte, sowie zu einem etwas geringeren Grad auch für die US-Air-Force, das Team im Vordergrund stand. So wurde dort mehr Wert auf Zusammenarbeit und die Hervorhebung der Squadron (Staffel) oder Gruppe gelegt als auf den individuellen Piloten.

Dagegen favorisierte die deutsche Militärtradition die Hervorhebung des herausragenden Individuums, um die Moral der anderen anzuheben und für Propagandazwecken, was gewöhnlich gut funktionierte.
Auch die Auszeichnungen und Beförderungen der deutschen Jagdflieger hing eng mit der bestätigten Abschusszahl zusammen. Dadurch entstand ein Wettbewerb unter den jüngeren Piloten in einem Ausmaß, welcher in dieser Weise kaum in den weniger an dem Individuum orientierten alliierten Luftwaffen geduldet wurde.

Auch darf nicht übersehen werden, dass die größeren Reserven an Piloten und Flugschülern bei den Alliierten dazu führten, dass Veteranen unter den Piloten Ruhezeiten gewährt wurden oder diese sogar ganz von Kampfeinheiten abgezogen wurden, um als Ausbilder den jungen Flugschülern ihre Einsatzerfahrungen zu vermitteln.
Es wurde dann sogar zu Regel, dass Piloten ab einer bestimmten Anzahl von Luftsiegen als Flugausbilder verwendet wurden, um ihre wertvolle Erfahrung nutzbringend erhalten zu können und negative Auswirkungen auf die Moral zu vermeiden, falls sie im Kampf fallen.

Für deutsche Piloten gab es solche Möglichkeiten, aus dem aktiven Fronteinsatz auszuscheiden, nicht. Der Großteil der deutschen Jagdflieger-Asse kämpfte, bis sie entweder tot waren oder so schwer verwundet, dass keine weiteren Kampfeinsätze mehr denkbar waren.
Der zunehmende Treibstoffmangel in der zweiten Kriegshälfte führte dazu, dass kaum noch Flugstunden außerhalb der regulären Kampfeinsätze geflogen werden konnten. Und mit weniger Zeit in der Luft und nur wenigen erfahrenen Kampfausbildern fiel natürlich der Leistungsstand des deutschen Durchschnittspiloten, während dieser bei den alliierten Piloten zunahm.

Hauptmann Marseille , Stern von Afrika
Hauptmann Marseille, der ‚Stern von Afrika‘, zeigte das Interesse eines Jägers an seiner Beute und inspizierte oft seine abgeschossenen Flugzeuge. Hier steht er neben einer Hurricane IIC der 213. Squadron, welche er im Februar 1942 abschoss.
Mit Ausnahme an der Ostfront, war es in der zweiten Kriegshälfte schwieriger für die deutschen Piloten Abschüsse zu erzielen. Dies lag nicht an einem Mangel an Zielen, sondern an der enormen zahlenmäßigen Überlegenheit des Gegners in der Luft und den zunehmend besseren alliierten Flugzeugen und Piloten.
Viele deutsche Piloten hatten bis Mitte 1943 große Abschusszahlen erreicht, aber in den letzten zwei Jahren des Krieges kamen bei den meisten nur noch wenige hinzu.

Allerdings für diejenigen, herausragenden deutschen Jagdflieger-Asse, welche ihr Handwerk wirklich verstanden, ermöglichte es die Vielzahl der Gegner im Luftraum und die lange, eigene Erfahrung, erzwungen durch die praktisch ununterbrochenen Einsätze bei Kampfeinheiten an der Front, zahlreiche weitere Luftsiege zu erringen.

Trotz der in der zweiten Kriegshälfte zunehmenden Anzahl modernerer Fw 190 Jäger und später Me 262 Düsenjäger, blieb die Bf 109 der dominierende Jäger der Jagdflieger-Asse der deutschen Luftwaffe bis zum letzten Tag des Krieges.
Tatsächlich erzielten der größte Teil der Luftwaffen-Piloten alle – oder zumindest den überwiegenden Anteil – ihrer Abschüsse mit dem Messerschmitt-Jagdeinsitzer. Anhand dieser Luftsiege und der mit ihr hervorgegangen Luftkampf-Asse kann sogar festgestellt werden, dass die Messerschmitt Bf 109 unzweifelhaft das erfolgreichste, jemals gebaute Jagdflugzeug war.

Die deutschen Jagdflieger-Asse im Zweiten Weltkrieg:

PositionNameAbschüsse
1Erich Hartmann352
2Gerhard Barkhorn301
3Günther Rall275
4Otto Kittel267 (Top-As in Fw 190)
5Walter Nowotny258
6Wilhelm Batz237
7Erich Rudorffer222 (12 mit Me 262)
8Heinz Bär220 (16 mit Me 262)
9Hermann Graf212
10Heinrich Ehrler208 (5 mit Me 262)
11Theodor Weissenberger208 (8 mit Me 262)
12Hans Philipp206
13Walter Schuck206 (8 mit Me 262)
14Anton Hafner204
15Helmut Lipfert203

Bf 1109F von Günther Rall
Bf 1109F von Günther Rall, welcher insgesamt 275 Luftsiege erzielte, an der Ostfront.

Die Zuverlässigkeit der deutschen Abschusszahlen

Im Laufe der Jahre gab es beträchtliche Kontroversen über die Berechtigung der Abschussmeldungen der deutschen Jagdflieger-Asse, die sehr viel höher waren als die ihrer alliierten Kollegen, wobei viele der Diskussionsteilnehmer recht schlecht informiert waren.

Adolf Galland
Nach dem Tod von Mölders im November 1941 und nach 94 Luftsiegen wurde Adolf Galland zum ‚General der Jagdflieger‘ ernannt. Im Alter von 30 wurde er als jüngste Offizier der deutschen Streitkräfte in den Generals-Rang befördert. Gallands unverhohlene Kritik des Oberkommandos brachte ihn in Konflikt mit Göring und er wurde schließlich von diesem entlassen. Aber Göring hatte nichts dagegen, als Galland sich selbst zum Befehlshaber der Me 262 Elite-Einheit ‚Jagdverband 44‘ einsetzte und diese mit 10 weiteren Luftsiegen während der letzten Monate anführte.
Major Erich Hartmann, dem Spitzenreiter der Luftwaffe, werden 352 Siege zugeschrieben und 35 deutschen Piloten werden mehr als 150 Siege zugeschrieben.
Auf der anderen Seite werden dem besten RAF-Piloten, Hauptmann ‚Johnie‘ Johnson, 38 Siege, dem besten US-Luftwaffenpiloten, Major Richard Bong, 40 Siege und dem besten sowjetischen Luftwaffenpiloten, Oberstleutnant Ivan Kozhedub, 62 Luftsiege gutgeschrieben.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die Ergebnisse der deutschen Piloten durch die Forderungen des Propagandadienstes von Dr. Goebbels aufgebläht wurden, was auch von mehreren Autoren behauptet wurde.
Nach einer eingehenden Durchsicht der deutschen Abschussmeldungen kann man für die Masse davon mit Sicherheit sagen, dass dies nicht der Fall war. Bekanntlich sind die Deutschen hervorragende Bürokraten, und bevor der Anspruch eines Luftsieges eines einzelnen Piloten bestätigt wurde, musste er eine langwierige Prüfung durch die Abschusskommission durchlaufen.

Kein Anspruch wurde akzeptiert, wenn es nicht einen unabhängigen Zeugen des Abschusses in der Luft oder am Boden gab und wenn kein Wrack gefunden wurde, das mit dem Anspruch in Verbindung zu stehen schien.
Manchmal dauerte dieser Entscheidungsprozess mehr als sechs Monate und war weitaus gründlicher als alles, was die RAF oder die USAAF – und mit ziemlicher Sicherheit auch die Rote Luftwaffe – dafür unternahmen.

Seitdem die Luftwaffe an den verschiedenen Fronten in die Defensive gedrängt wurde, was 1941 im Westen begann und sich bis zum Herbst 1943 auf alle Fronten ausdehnte, fand die überwiegende Mehrheit der Luftkämpfe über deutschem Gebiet statt.
Unter diesen Bedingungen hätte ein deutscher Pilot erhebliche Schwierigkeiten gehabt, sich einen Sieg bestätigen zu lassen, wenn der Luftkampf über Land stattgefunden hätte und ein Wrack später nicht gefunden worden wäre.

Von Werra vor abgeschossenen russischen Bomber
Der aus englischer Kriegsgefangenschaft entkommene deutsche Jagdflieger-Ass von Werra lässt sich neben einem abgeschossenen russischen Bomber ablichten.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die jedem deutschen Jagdflieger gutgeschriebene Siegeszahl in jedem Fall zu 100 % korrekt ist. Die Abschusskommission war nicht perfekt, und gelegentlich wurden Fehler gemacht. Jedoch war die Organisation so effektiv, wie man es unter Kriegsbedingungen erwarten konnte – und sie war sicherlich gründlicher als jedes von den Alliierten betriebene Gegenstück.
Das deutsche System sah keine Anrechnung geteilter Siege vor, daher gab es manchmal Streit über den Abschuss. Der Pilot, der als derjenige angesehen wurde, der die Hauptrolle bei der Zerstörung des feindlichen Flugzeugs gespielt hatte, erhielt die Abschuss-Anerkennung dafür. Auch für wahrscheinliche Siege gab es keine Anerkennung.

Wenn die Siegesmeldungen der deutschen Piloten vollständig oder annähernd korrekt sind, wovon man ausgehen kann, wie erklärt sich dann die Ungleichheit in den Meldungen der Piloten der verschiedenen Nationen?
Waren die deutschen Spitzenflieger acht- oder neunmal so gut wie die der alliierten Luftstreitkräfte?

Es gibt keine Beweise dafür, dass die besten deutschen Jagdflieger besser waren als ihre besten alliierten Kollegen. Der Hauptunterschied zwischen den beiden bestand darin, dass ein deutscher Jagdflieger, wenn er lange genug überlebte, eine weitaus größere Chance hatte, eine hohe Abschusszahl zu erreichen, als die alliierten Piloten.

In der Anfangsphase des Krieges traf die deutsche Luftwaffe häufig auf Luftstreitkräfte mit minderwertiger Ausbildung und Ausrüstung, und diese hatten darunter entsprechend zu leiden. Im Sommer und Herbst 1941 war es relativ einfach für einen erfahrenen Piloten an der Ostfront eine hohe Abschusszahl zu erreichen.
Doch die Zeit der leichten Siege war bald vorbei, da sich die sowjetischen Jagdflieger und ihre Ausrüstung sowohl qualitativ als auch quantitativ verbesserten. Ab Anfang 1943 hatte die Luftwaffe an der Ostfront einen harten Kampf zu bestehen und die Verluste waren hoch.

Um nur ein Beispiel zu nennen: Im Laufe des Jahres 1944 verloren die I. und die II. Gruppe des JG54, die an der Ostfront operierten, 80 gefallene oder vermisste Piloten – der gesamte Bestand an Piloten für beide Gruppen.

Um überhaupt längere Zeit gegen zahlenmäßig überlegene feindliche Streitkräfte zu überleben, musste ein deutscher Pilot entweder sehr gut sein oder sehr viel Glück haben. Für diejenigen, die ihr Handwerk beherrschten, gab es dafür in der Regel genügend feindliche Flugzeuge, die sie abschießen konnten.

Hauptmann Erich Hartmann (links) und Major Gerhard Barkhorn (rechts)
In der Geschichte des Luftkrieges gelang es nur zwei Piloten, mehr als 300 Luftsiege zu erzielen. Diese sind Hauptmann Erich Hartmann (links) und Major Gerhard Barkhorn (rechts), beide vom Jagdgeschwader 52.
Ein weiterer Faktor, der berücksichtigt werden sollte, ist, dass die deutschen Jagdflieger nicht wie die Piloten der RAF oder der USAAF nur eine begrenzte Zahl von Kampfeinsätzen flogen. Erich Hartmann trat im Oktober 1942 in das JG52 ein und flog von da an bis zum Kriegsende mit nur wenigen kurzen Urlaubspausen Einsätze an der Ostfront.
Bis April 1943 hatte er nur sieben Abschüsse erzielt, aber Ende Oktober waren es bereits 148 und Anfang März 1944 hatte er 200 Luftsiege errungen. Bei Kriegsende im Mai 1945 hatte Hartmann mehr als 800 Einsätze geflogen – ein Durchschnitt von fast einem Einsatz pro Tag während der 2 1/2 Jahre seines Dienstes.
Kein britischer oder amerikanischer Pilot flog über einen vergleichbar langen Zeitraum so viele Kampfeinsätze, bevor er abgezogen wurde. Hartmanns Gesamtsiege belief sich auf 352 zerstörte Flugzeuge, was einem Durchschnitt von einem Abschuss pro 2 1/4 Einsätzen entspricht.

Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere erzielten mehrere alliierte Jagdflieger ebenfalls Luftsiege in dieser Größenordnung, aber es war ihnen nicht vergönnt, dies sehr lange zu tun.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Siege der deutschen Jagdflieger so genau erfasst wurden, wie man es in Kriegszeiten erwarten kann – und sicherlich genauer als die ihrer britischen oder amerikanischen Kollegen.
Die Abschusszahlen der deutschen Jagdflieger waren höher als die der anderen Nationen, weil ihre Möglichkeiten, Luftsiege zu erringen, größer waren und sie länger als die Piloten anderer Nationen in der intensiven Einsatzfliegerei verbringen durften oder mussten.


Quellenangaben und Literatur

Luftwaffe Handbook (Dr Alfred Price)
Das große Buch der Luftkämpfe (Ian Parsons)
Luftkrieg (Piekalkiewicz)
Operation Barbarossa: the Complete Organisational and Statistical Analysis, and Military Simulation, Volume I – IIIB (Nigel Askey)


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