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Armeen


Stärke, Organisation und Bewaffnung der Streitkräfte im 2. Weltkrieg.

Deutsche Infanterie Strassenkampf
Deutsche Infanterie 1940 im Strassenkampf.

Armeen des Zweiten Weltkrieges

Als am 1. September 1939 die Streitkräfte von Nazi-Deutschland Polen angriffen, waren mit Ausnahme der Wehrmacht alle anderen Nationen noch nach den Erinnerungen aus dem Ersten Weltkrieg organisiert, ausgerüstet und uniformiert. Erst gegen Endes des 2. Weltkrieges hatte sich überall eine moderne Organisation, Bewaffnung und auch Uniformierung durchgesetzt, welche wir bis in unsere heutige Zeit noch kennen.

Die Stärke, Organisation und Bewaffnung der Armeen der verschiedenen Nationen wird für unterschiedliche Zeitabschnitte des 2. Weltkrieg angegeben.

Neben einer Beschreibung der Situation und Umstände der jeweiligen Streitkräfte in diesem Zeitabschnitt des Zweiten Weltkriegs werden alle Divisionstypen mit ihrer Soll-Gliederung, Stärke und Waffenbestand aufgeführt. Dazu noch die Anzahl der zur Verfügung stehenden Divisionen, und wenn bekannt Ausstattung und Panzerbestand. In besonderen Fällen wird auch auf die Organisation und Ausrüstung von Verbänden unter Divisionsstärke eingegangen oder sogar die Geschichte und Einsätze einzelner Divisionen abgehandelt.
Die Kriegsgliederungen verschiedener Streitkräfte zu bekannten Zeitpunkten kann ebenfalls gefunden werden. Dazu selbstverständlich auch die Stärke, Organisation und Ausrüstung der Luftstreitkräfte und Flotten verschiedener Nationen.


Die Streitkräfte des Zweiten Weltkriegs


Die Infanterie

deutsche Truppenparade
Adolf Hitler nimmt eine Truppenparade aus Anlass der Wiedereinführung der Wehrpflicht ab.
Doch nach Feldmarschall Wavel wurden ‚alle Schlachten und alle Kriege am Ende durch die Infanterie gewonnen.‘
Eine beliebte Legende des 1. Weltkrieg, welche sich bis weit in den 2. Weltkrieg hinein hielt, war, dass der Infanterist nur ein phlegmatisch und etwas einfaches Individuum ist, welches nach langem Training gerade dazu fähig ist, die Feinheiten seines Gewehrs zu meistern, die Schaufel zu beherrschen und in der Lage ist, einfache Aufträge auszuführen. Das Stichwort ‚Kanonenfutter‘ war schnell bei der Hand.

Dieses Vorurteil mag vielleicht während der Kriege der Französischen Revolution und Napoleons zugetroffen haben, aber bereits 1918 war dies eine grobe Irreführung und 1939 geradezu eine Verleumdung. Schon in den Jahren 1914-1918 erhielt der Infanterist erheblich mehr Waffen und Mittel, wie leichte und mittlere Maschinengewehre, Granatwerfer, Gasmasken, Handgranaten und sogar Maschinenpistolen und automatische Gewehre.
Alles, was es 1918 gab, wurde 1939 wieder hervorgeholt, dazu kamen noch Panzerabwehrgeschütze und später weitere Panzerbekämpfungsmittel und Minen. Der Infanterist musste mit einer Vielzahl von Waffen und Ausrüstungsgegenständen umgehen können, dazu jede Menge taktisches Grundwissen für das Gefecht und er musste bei Tag und in der Nacht kämpfen können.
Zum Beispiel musste der britische Infanterist drei bis vier Gewehre, zwei Maschinenpistolen, drei leichte Maschinengewehre, mehr als 10 verschiedene Handgranaten, zwei schwere Maschinengewehre, zwei Granatwerfer, ein oder zwei Panzerabwehrwaffen und sogar noch Pak-Geschütze beherrschen können.

Damit war die Infanterie selbst noch im 2. Weltkrieg die ‚Königin des Schlachtfeld‘ – ohne den Infanteristen und die Infanterie-Divisionen ging sprichwörtlich nichts.


Entstehen der Panzerstreitkräfte

Der Waffenstillstand vom November 1918 schien oberflächlich den alliierten Sieg und die unvermeidliche deutsche Niederlage zu bestätigen.
Allerdings entsprach dieses Ergebnis nicht den tatsächlichen Verhältnissen an der Front und auch nicht den Veränderungen in der Kriegführung. Selbst in dieser letzten Phase des Ersten Weltkrieges zogen sich die deutschen Armeen geordnet in Richtung der eigenen Grenzen zurück und waren gerade dabei, ihre Frontlinie wieder zu festigen, während das alliierte Offensivpotential durch die hohen Verluste an Soldaten und Waffen, den zunehmenden Nachschubschwierigkeiten, je mehr man sich von den Nachschubzentren entfernte, immer schwächer wurde. Für die alliierten Armeen wurde es immer schwieriger, die zuletzt kriegsentscheidenden Waffen, die neuen Tanks und auch die Artillerie, nach vorne zu bringen und einsatzbereit zu halten.
Ohne Unterstützung durch Tanks und Artillerie konnten die deutschen Truppen mit ihren Maschinengewehren die alliierte Infanterie lange genug aufhalten, bis weiter hinten neue, starke Abwehrstellungen errichtet worden waren. Bereits Anfang November 1918 erlahmte der alliierte Vormarsch.

Trotzdem hatten die Erfolge der Tanks im August und September dem deutschen Heer heftige Rückschläge versetzt, welche die Kriegsmüdigkeit in Deutschland verschärfte.
Der entscheidende Tag war dabei der 8. August 1918, als bei Amiens 430 englische Tanks, unterstützt von Kavallerie und Infanterie, die deutsche Front durchbrachen und den entscheidenden Mann auf deutscher Seite, General Ludendorff, davon überzeugten, dass der Krieg beendet werden musste.
Zwar führte die englische Taktik mit den Tanks, Kavallerie und Infanterie gerade einmal zum Eindringen in die vorderen deutschen Hauptkampflinien, aber dies hinterließ bei den deutschen Soldaten und verantwortlichen Generalstabsoffizieren einen tiefen Schock. Die große Anzahl der eingesetzten Tanks und ihr Vordringen von bis zu acht Kilometern am Tag ließ nichts Gutes für die Zukunft erahnen.

Tank MK V und neuseeländische Infanterie
Tank MK V und neuseeländische Infanterie nach der Einnahme von Grevillers.

Die 1918 eingesetzten Tanks waren weder schnell genug noch technisch ausreichend zuverlässig, um die feindliche Front aufzubrechen und dann tief in den rückwärtigen Raum einzudringen. Die für das folgende Jahr 1919 entwickelten neuen Panzer der Alliierten sollten dafür jedoch besser geeignet sein und die Planer verfolgten schon eine derartige Taktik. Und die deutschen Truppen hätten zu ihrer Abwehr fast nur herkömmliche Artillerie und wenig wirksame Panzerabwehrbüchsen zur Verfügung gehabt, da die eigene Entwicklung von Panzern verschlafen worden war.

Ludendorff wollte keine Panzer haben, da ihm die Voraussicht fehlte, dass aus den ersten, langsamen und schwerfälligen Tanks jemals eine kriegsentscheidende Waffe werden könnte.
Wenn neue Waffensysteme auf dem Schlachtfeld erscheinen, brauchen alle beteiligten Streitkräfte eine gewisse Zeit, bis sie diese technisch beherrschen und mit der besten taktischen Wirkung zum Einsatz bringen können – oder im Umkehrschluss sich dagegen effektiv verteidgen können. Deshalb hatten die Alliierten einen Vorsprung von zwei Jahren auf diesem Gebiet, den man in Deutschland nicht innerhalb weniger Monate wettmachen konnte.

So ging der Erste Weltkrieg zu Ende, ohne dass es einen eindeutigen Sieger auf dem Schlachtfeld gegeben hätte. Deshalb war man in Deutschland davon überzeugt, dass die eigene Niederlage hauptsächlich auf den überraschenden Masseneinsatz gegnerischer Tanks zurückzuführen war.
So schrieb General von Kühl, Stabsoffizier der bei Amiens geschlagenen deutschen Armeen, dass der bedeutendste und entscheidendste Grund für diese Niederlage der Überraschungsangriff der Panzer war.

Panzerwaffe in Frankreich

Bei den Alliierten war man dagegen nicht so sehr von der entscheidenden Auswirkung der eigenen Tanks überzeugt, sodass aufgrund der nun auch hier einsetzenden Kriegsmüdigkeit und im Beharren auf die Traditionen der starren Verteidigungsdoktrin ihre technische und vor allem taktische Weiterentwicklung litt.

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges beharrte das französische Heer darauf, dass Panzer lediglich zur Unterstützung der Infanterie und zu Aufklärungsaufgaben als Ersatz für die Kavallerie zu dienen hätten. Ein neuerlicher Krieg wurde in der Art wie der vorausgegangene erwartet, sodass sich die Franzosen viel eher auf die Maginot-Linie verließen und sich auf defensive Taktiken konzentrierten. Dass das eigene Land einmal von beweglichen Panzergruppen überrollt werden sollte, konnte man sich nicht vorstellen. Die Ausführungen von Charles de Gaulle über ‚Die Armee der Zukunft‘, in der er die Panzerwaffe hervorhob, wurde ignoriert.

Renault R-35
Übüng leichter Kampfpanzer Renault R-35 im April 1940 in Frankreich. Die leichten Kampfpanzer R-35 und Hotchkiss H-35 bzw. H-39 bildeten die Masse der französischen Panzer und waren mit ihrer Besatzung aus nur zwei Mann den deutschen Panzern schon taktisch weit unterlegen, selbst wenn ihre Panzerung besser und Bewaffnung zumindest gleichwertig waren.

1932 gab es Versuche auf der Grundlage der Kavallerie-Divisionen, woraufhin drei leichte mechanisierte Divisionen mit je 220 Panzern und Panzerspähwagen und einer Infanterie-Brigade aufgestellt wurden. Sie sollten jedoch wie Kavallerie-Divisionen eingesetzt werden und zur Aufklärung und als Sicherungsschleier vor den Infanterie-Armeen eingesetzt werden.
Erst nach dem Polenfeldzug begann auch Frankreich mit der Aufstellung von Panzer-Divisionen, was zu spät erfolgte und immer noch die alten Einsatzdoktrin des Ersten Weltkrieges zur Grundlage hatte, nämlich eine Bresche in die Front für die Infanterie zu schlagen.

Panzerwaffe in England

Auch in Großbritannien konnten nach 1918 die Traditionalisten erst einmal wieder die Oberhand gewinnen, da die Tanks schwere Verluste erlitten hatten und lieber man wieder mehr Pferde in der Armee sehen wollte.
Trotzdem konnten sich dann Pioniere wie Liddell Hart, Fuller, Lindsay, Hobart und andere durchsetzten und so wurden auch Fortschritte bei der technischen Konzeption der Panzer erzielt.

Bis 1934 gab es die erste Panzer-Brigade, welche konventionelle Verbände bei Manövern ausmanövrieren konnte und ihre Geschwindigkeit und die Tiefe des Raumes zu Nutzen wusste. Es wurde auch bewiesen, dass Panzer der Infanterie überlegen waren.
Diese Entwicklung erlitt 1935 jedoch einen Rückschlag, als der Traditionalist Duff Cooper Kriegsminister wurde, welcher immer noch von der Bedeutung der berittenen Infanterie oder Kavallerie auf dem modernen Gefechtsfeld überzeugt war.

So geschah es, dass in Großbritannien zwei verschiedene Panzerarten nebeneinander entwickelt wurden: die schnellen, beweglichen Kreuzer-Panzer und die langsamen, besser gepanzerten Infanterie-Panzer zur Unterstützung eben jener Infanterie.

Kreuzer-Panzer Mark IV
Der Kreuzer-Panzer Mark IV, von dem 655 Fahrzeuge 1939/40 gebaut wurden, war für die britische Panzerwaffe ein Schritt in die richtige Richtung. Er wurde von der britischen 1. Panzer-Division 1940 in Frankreich eingesetzt und anschließend bis 1942 in Nordafrika.

Dies war die Ursache, dass bei Ausbruch des Krieges im September 1939 nur ein kleiner Teil der britischen Panzertruppe in der motorisierten, beweglichen Kriegführung ausgebildet war und es im Mai 1940 nur eine richtige Panzerdivision gab, welche noch ausgebildet wurde.

Panzerwaffe in Deutschland

In Deutschland dagegen war man vom Panzer begeistert, obwohl der Vertrag von Versailles den Besitz dieser Waffe verboten hatte. Dahinter stand die Annahme, dass die Niederlage neben dem Scheitern des Schlieffenplans und dem Versagen der anderen Waffengattungen auch in den fehlenden Tanks ihre Ursache hatte.

Da in Deutschland Panzer verboten waren, konnten nur sporadische und geheime Tests mit der Waffengattung unternommen werden, welche vor allem in bolschewistischen Russland stattfanden. Deshalb versuchte man an soviel Informationen aus dem Ausland heranzukommen, wie nur irgend möglich. Die öffentlich publizierten Taktik- und Strategie-Doktrinen über Tanks von Liddel Hart und Hobart aus England und J.E. Estienne aus Frankreich wurden im Gegensatz zu ihren Heimatländern mit großem Interesse von deutschen Panzertheoretikern aufgenommen.

3/15 PS Dixi Panzer-Attrappen
Erfahrung in Panzertaktiken und auch Panzerabwehr sammelte bereits die Reichswehr mit Tank-Attrappen, wie hier die ab 1929 verwendete 3/15 PS Dixi.

Mit der Machtergreifung Hitlers änderte sich dann auch das Umfeld. Der sowieso technisch begeisterte Hitler war von den Panzertheoretikern im deutschen Militär überzeugt und wollte sowieso die Fesseln des Versailler Diktates abwerfen. Deshalb traten nun Offiziere und Generale wie Guderian, Thoma, Lutz, Brauchitsch, Blomberg und Reichenau in den Vordergrund, welche genug Vorstellungskraft und Voraussicht besaßen, die strategische und auch psychologische Wirkung tiefer, schneller Vorstöße von gepanzerten Verbänden in das feindliche Hinterland zu erkennen. Dabei nahmen sie als Grundlage für ihre ersten Versuche die öffentlich zugänglichen Informationen über Panzertaktiken aus Großbritannien dankbar auf.

Bis 1936 hatte die Wehrmacht in der Qualität und Quantität der Panzerfahrzeuge gegenüber Großbritannien und Frankreich erheblich aufgeholt und hatte in Bezug auf die Gliederung von Panzerverbänden und ihrer Einsatztaktik einen deutlichen Vorsprung.

PzKpfw II Ausf.A während einer Geländeübung
PzKpfw II Ausf.A während einer Geländeübung in der Vorkriegszeit.

So wurden die Panzer in spezielle Panzer-Divisionen organisiert, die eine hervorragende Zusammensetzung aus Panzern, Infanterie, Artillerie, Pionieren und Versorgungseinheiten hatten. Die über ihre eigene Artillerie und Infanterie verfügenden Panzer-Divisionen sollten konzentriert gegen die schwächeren Stellen der feindlichen Front eingesetzt werden, diese durchbrechen, in das feindliche Hinterland vorstoßen und dabei die traditionellen Infanterieverbände weit hinter sich lassen.


Quellenangaben und Literatur

Krieg der Panzer (Piekalkiewicz)
The Armed Forces of World War II (Andrew Mollo)
World War II – A Statistical Survey (John Ellis)
Panzerkampfwagen des 1. und 2. Weltkrieges (Andrew Kershaw)
The Encyclopedia of Infantry Weapons of World War II (Ian V.Hogg)
Infanterie im 2. Weltkrieg (J.B.King, John Batchelor)


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