Balkanfeldzug

Verlauf des Balkanfeldzug 1941. Der deutsche Angriff auf Jugoslawien und Griechenland vom 6. April bis 11. Mai 1941 und seine Folgen.

Flammenwerfer-Einsatz
Deutscher Flammenwerfer im Einsatz gegen die griechische Metaxas-Linie.

t_arrow2hier zu Teil I: Ursachen des Balkanfeldzug

Verlauf des Balkanfeldzugs

Nachdem die Griechen den italienischen Angriff zurückgeschlagen und halb Albanien erobert hatten, wollten sie keine britischen Truppen auf dem Festland zur Hilfe, weil sie befürchteten, dass deren Gegenwart dazu führen würde, einen deutschen Angriff zu provozieren. Sie erkannten nicht, dass es keinen Unterschied für Berlin machte, ob die britische Präsenz real oder potenziell war.

Der Tod des griechischen Diktators Ioannis Metaxas, am 29. Januar 1941, beendete diese Hemmungen. Immer ein Realist und zugleich ein Patriot, hatte Metaxas bisher die Briten vor einer vergeblichen Geste bewahrt, die den Griechen wenig half und der alliierte Sache viel Schaden zufügte.

Als bekannt wurde, dass die Deutschen Griechenland durch Bulgarien und Jugoslawien angreifen wollten, sahen sich die neuen griechischen Führer nun nach der britischen Hilfe um und die Briten revidierten ihre bisherigen Prioritäten.

Nachdem ein Großteil der griechischen Streitkräfte und aller Nachschub an die Front in Albanien ging, waren die Griechen jetzt an britischen Landstreitkräften interessiert, um bei der Verteidigung im Norden gegen deutsche Truppen Unterstützung zu erhalten.

Die Verantwortlichen in London, ermutigt durch übermäßig optimistische Berichte von Wavell sowie von dem neuen britischen Außenminister Anthony Eden und dem Chef des königlich-britischen Generalstabsfeldmarschalls Sir John Dill, welche Ende Februar 1941 Griechenland besucht hatten, wurde befohlen, die Wüstenflanke in Mittel-Libyen zu verteidigen, während Truppen und Nachschub nach Griechenland geschickt wurden.

Zwei Tage nach dem Beitritt zum Dreimächte-Pakt wurde die jugoslawische Regierung durch einen Putsch gestützt und Hitler beschloss nun sofort, neben Griechenland auch Jugoslawien in dem Balkanfeldzug zu erobern. Sein Generalstabschef Generaloberst Halder vollbringt eine Meisterleistung, welche ihn als letz­ten großen deutschen Generalstabschef ausweist: die Improvisation eines blitz­schnellen deutschen Aufmarsches gegen Jugoslawi­en neben dem schon lange geplanten Angriff auf Griechenland.

Serben feiern in Belgrad den Sturz der Regierung
Serben feiern in Belgrad den Sturz der Regierung nach dem Beitritt zum Dreimächtepakt.

Angriff auf Jugoslawien

Die Pläne für den Angriff auf Jugoslawien wurden mit dem Angriff auf Griechenland zusammengefasst, der für Sonntag, den 6. April 1941 geplant war.
Hitler wollte dies zu einer richtig spektakulären Angelegenheit machen. Die Eröffnung des Balkanfeldzug sollte durch einen überraschenden, schweren Bombenangriff auf Belgrad erfolgen. Er hatte die Hoffnung, dass wie im Fall von Rotterdam in Holland im Jahr zuvor, die Bevölkerung und Regierung von Jugoslawien dadurch gelähmt werden würden.
Zur gleichen Zeit wurde die jugoslawische Luftwaffe ausgeschaltet, bevor diese zur Verteidigung bereit war.

Stuka-Angriff auf Kaserne
Angriff durch Ju 87 Stukas auf die Kaserne der jugoslawischen Garde in Belgrad am Morgen des 6. April 1941.

Der deutsche Plan stellte 15 Divisionen für den Angriff auf Jugoslawien ab. Aus Bulgarien sollte die Zwölfte Armee nach Süden in Richtung Skopje und Monastir vorstoßen, um griechische Unterstützung für die Jugoslawen zu unterbinden. Von dort aus sollten diese Verbände dann direkt nach Griechenland eindringen, wie es seit dem Winter geplant war.

Zwei Tage später griff die 1. Panzer-Gruppe von Paul von Kleist in Richtung Nis und Belgrad an, ebenfalls von Bulgarien aus. Das XLI. Motorisierte Korps ging von Rumänien aus gegen Belgrad vor und die Zweite Armee marschierte von Österreich kommend ein.
Dazu beteiligten sich noch die italienische Zweite Armee aus Triest, die ungarische 3. Armee und italienische Divisionen aus Albanien an dem Angriff.

Der Angriffsplan für den Balkanfeldzug lief reibungslos vonstatten und es gab nur wenig Widerstand gegen die Angriffsspitzen zwischen dem 6. und 17. April, bis ein Waffenstillstand vereinbart wurde und der junge König Peter das Land verlassen hatte.
Allerdings fliehen nicht unerhebliche Teile der jugoslawischen Streitkräfte unter Führung des ehemaligen Kriegsministers General Mihailovic in die unwegsamen Bergwälder Südserbiens.

Die Uneinigkeit der Volksgruppen in Jugoslawien trug zur schnellen Niederlage bei und es gab weniger als 200 Mann deutsche Verluste im gesamten Feldzug. Hinzu kam die ungünstige Disposition der jugoslawischen Streitkräfte, welche in einer Art Kette die lange, riesige Grenze schützen wollten, sowie die deutsche Luftüberlegenheit.

Karte deutscher Angriff auf dem Balkan
Der deutsche Angriff auf dem Balkan vom 6. April bis zur Eroberung Kretas am 1. Juni 1941.
Jedoch scheiterten die Sieger daran, das Land auch zu ‚befrieden‘. Aufgrund der Eile beim Abtransport der deutschen Truppen nach Osten zum bevorstehenden Angriff auf Russland, wurden zahlreiche Soldaten der jugoslawischen Armee nicht entwaffnet oder gefangengenommen.
Kroatien hat sich schon vorher gegen die serbische Mobilmachung erhoben. Kroa­tische Truppenteile verweigerten den Ge­horsam. Der Hass zwischen katholischen Kroaten und griechisch-orthodoxen Ser­ben ist tief eingefressen. Die Kroaten, re­präsentiert durch die Bauernpartei, hof­fen auf ihre Unabhängigkeit unter deut­scher Schirmherrschaft.
Die extremen kroatischen Nationalisten mit ihren Ustascha-Banden, welche jeden Verdächtigen oder Unliebsamen sofort abschlachten, trugen in der Folge nicht zu einer Beruhigung der Lage bei.


Zwar war der Widerstand der jugoslawischen Armee schon nach einigen Tagen zusammengebrochen, aber das Land blieb bis 1945 Schauplatz eines blutigen und unerbittlichen Partisanenkrieges.

Verluste im Feldzug gegen Jugoslawien:

 KriegsgefangeneGefalleneVermissteVerwundete
Jugoslawische Streitkräfte343.712???
Jugoslawische Zivilbevölkerung (nur für Belgrad)-17.000-20.000
Wehrmacht-15115392


Angriff auf Griechenland

Wie schon erwähnt, hat der Sturz der jugoslawischen Regierung am 27. März Hitlers Angriffspläne für den Balkanfeldzug über den Haufen geworfen. Zuvor war geplant gewesen, den Italienern bei ihrem schlecht geführten Feldzug dadurch zu helfen, dass deutsche Truppen durch Bulgarien und Jugoslawien marschieren konnten, um Griechenland anzugreifen. Nun mussten zwei Staaten im Balkanfeldzug – nämlich Jugoslawien und Griechenland zusammen – angegriffen werden, wo in letzterem die Briten zwischenzeitlich über 50.000 Mann angelandet hatten, um ihr Garantieversprechen von 1939 einzuhalten.

Am 6. April 1941 – zeitgleich mit dem Überfall auf Jugoslawien – erfolgte der deutsche Angriff mit drei vollständigen Armeekorps und einschließlich starker Panzerstreitkräfte (insgesamt 18 Divisionen) auf Griechenland.
Die Masse der griechischen Armee stand gegenüber den Italienern an der Front in Albanien und innerhalb Griechenlands befanden sich nur noch 7 Divisionen sowie weniger als zwei Divisionen an australischen und neuseeländischen Truppen sowie eine britische Panzerbrigade.

Einmarsch in Saloniki
Bereits nach drei Tagen, am 9. April 1941, marschieren Panzer der 2. Panzer-Division in Saloniki ein.
Die britischen Befehlshaber wollten die Alikmon-Linie westlich von Saloniki verteidigen, wo sie das Gelände begünstigen würde und gleichzeitig mit ausreichenden Streitkräften die Pforte von Monastir nach Norden in Richtung Jugoslawien sichern.
Aber der griechische Oberbefehlshaber wollte in einem vergeblichen Versuch auch das griechische Mazedonien halten, welcher die benötigten Truppen an der weniger geeignete Metaxas-Linie band.
Die Deutschen packten die Möglichkeit beim Schopf und durchbrachen die Linie mit einem Frontalangriff und drangen mit anderen Verbänden über Jugoslawien durch die Pforte von Monatstir nach Griechenland ein, was die alliierte Verteidigung aushebelte. Bereits am 9. April fiel Saloniki und die griechische 2. Armee in Mazedonien musste am gleichen Tag kapitulieren.

Am 10. April war der deutsche Balkanfeldzug voll am Laufen und überrollte die Aliakmon-Linie, welche von den alliierten Truppen geräumt werden musste. Eine Woche später lehnte es General Archibald Wavell ab, weitere britische Verstärkungen aus Ägypten zu schicken, was ein sicheres Zeichen dafür war, dass er den Kampf in Griechenland für verloren hielt.
Am 24. April 1941 ge­lingt der Durchbruch durch die Auffang­stellung des britischen Expeditionskorps bei den berühmten Thermopylen, wo einst die Spartaner den Persern trotzten.

Die zwischenzeitlich drei britischen Divisionen – zwei australische und eine aus Neuseeland plus eine englische Panzerbrigade – konnten sich an die Küste von Attika zurückziehen, von der die meisten Männer bis zum 29. April – fünf Tage nach der endgültigen Kapitulation Griechenlands – evakuiert wurden.

grierchische Bevölkerung begrüßt Truppen der Leibstandarte-Division
Die grierchische Bevölkerung begrüßt Truppen der Leibstandarte-Division mit offensichtlicher Begeisterung.

Der griechische König und die Regierung flüchten zunächst nach Kreta, das von britisch-neuseeländischen Einheiten ver­teidigt wird. Zuvor begeht der griechische Ministerpräsident Koritzis Selbstmord, weil er den Untergang des Königreiches der Hellenen nicht überleben will.
Am 27. April 1941 marschieren deutsche Verbände unter Generalfeldmarschall List in Athen ein.
Die Division Leibstandarte-SS Adolf Hitler, welche die Thermopylen überwunden hat, übernimmt die Vorhut beim Vorstoß nach Süden bis zur Südspitze des Pelopon­nes.

Während 218.000 griechische und 12.000 britische Soldaten sowie 344.000 jugoslawische Soldaten in deutsche Kriegsgefangenschaft marschierten, ging der Großteil der Ausrüstung einer weiteren britischen Expeditionsstreitmacht verloren.
Wieder einmal hatten schnelles und rücksichtsloses Handeln gegenüber einem unentschlossenen Gegner einen dramatischen deutschen Sieg bei minimalen eigenen Verlusten ermöglicht.

Verluste im Feldzug gegen Jugoslawien:

 GefalleneVermissteVerwundeteKriegsgefangeneFlugzeuge
Griechische Streitkräfte15.700 (incl. Vermisste)??218.000?
Britische Streitkräfte9001.6121.2009.000209
Italienische Streitkräfte13.75525.06550.874-?
Wehrmacht1.518-3.360-?


Folgen

Auf jeden Fall hat die rasche Wiedereroberung der Cyrenaica durch Rommel, welche in denselben Tagen wie der Balkanfeldzug mit dem deutschen Angriff auf Jugoslawien und Griechenland ablief, nicht nur die militärische Situation im Mittelmeerraum dramatisch verändert, sondern auch das faschistische Regime in Italien gerettet.

deutsche Kriegsflagge Akropolis
Auf der Akropolis von Athen wird vor dem Parthemon die deutsche Kriegsflagge gehißt.
Niemand wurde von der Forderung Mussolinis auf eine zweite Kapitulation-Zeremonie mit italienischer Beteiligung in Griechenland getäuscht, bei der die Italiener dank ihrer deutschen Retter das Gesicht wahren konnten.
Ironischerweise gingen die Deutschen jedoch sofort dazu über, alles was in Griechenland nicht niet- und nagelfest war, zu requirieren, bevor die Italiener diese Gebiete besetzen konnten. So erhielten die Italiener am Ende ein armes, ausgehungerte und wertloses Land, was sie zu besetzten und zu verwalten hatten und die Öffentlichkeit in Italien war fürs Erste beruhigt.

Vielleicht am wichtigsten an all dem war, dass Mussolini seinen Kopf noch einmal aus der Schlinge ziehen konnte. Hitler war nicht zu Unrecht überzeugt, dass Mussolini das maximal möglichste aus Italien für den Kriegsbeitrag herausholte. Und wenn erst einmal Russland besiegt ist, hätten die Deutschen genug Kräfte zur Verfügung, sodass man sich nicht Sorgen um den Kriegsschauplatz im Mittelmeerraum machen müsste.

Bis zum 11. Mai sind auf jeden Fall die Deutschen – und nicht etwa die Italiener – Herr über Griechenland und die griechischen Inseln – bis auf Kreta.

button go Luftlandung auf Kreta


Quellenangaben und Literatur

Der 2. Weltkrieg (C. Bertelsmann Verlag)
Zweiter Weltkrieg in Bildern (Mathias Färber)
A World at Arms – A Global History of World War II (Gerhard L. Weinberg)
Der Grosse Atlas zum II. Weltkrieg (Peter Young)
Historical Atlas of World War Two – The Geography of Conflict (Ronald Story)


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