Wehrmacht Kriegsgliederung November 1942 und Operation Uranus

Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht kurz vor Beginn der sowjetischen Uranus-Operation am 15. November 1942.

T-34 bei der Stalingrad-Offensive
T-34 fahren während der Gegenoffensive bei Stalingrad durch eine russische Ortschaft.

zurück Hier zum vorhergehenden Teil: Wehrmacht Kriegsgliederung August 1942 und die Schlacht um Stalingrad.

Operation Uranus (19.–23. November 1942)

Überblick

Die Operation Uranus war die massive Gegenoffensive der sowjetischen Roten Armee während der Schlacht von Stalingrad im Zweiten Weltkrieg. Sie begann am 19. November 1942 und markierte einen entscheidenden Wendepunkt an der Ostfront, der zur Einkreisung der deutschen 6. Armee unter General Friedrich Paulus und schließlich zu einer der katastrophalsten Niederlagen Deutschlands führte.

Hintergrund

Bis Mitte 1942 waren die deutschen Truppen tief in die Sowjetunion vorgedrungen, hatten die Wolga erreicht und die Stadt Stalingrad belagert. Das deutsche Oberkommando (OKH) konzentrierte seine besten Einheiten auf die Kämpfe in der Stadt und ließ die Flanken der 6. Armee gefährlich ungeschützt, sodass sie nur von schwächeren rumänischen, ungarischen und italienischen Divisionen verteidigt wurden.

Die sowjetischen Planer unter der Führung der Generäle Georgi Schukow und Alexander Wassilewski erkannten diese Schwachstelle. Sie entwarfen die Operation Uranus als doppelte Umfassung – eine klassische Zangenbewegung –, um die deutschen Truppen in Stalingrad einzukreisen.

Der Plan

– Nördliche Zange: Die Don-Front unter dem Kommando von General Konstantin Rokossowski griff vom Gebiet Serafimowitsch aus in Richtung Süden gegen die rumänische 3. Armee an.
– Südliche Zange: Die Stalingrader Front unter General Andrej Jeremenko griff von der Region Kotelnikowo aus in Richtung Norden gegen das rumänische 4. Armeekorps an.
– Die beiden Speerspitzen sollten sich in der Nähe von Kalach am Don verbinden und die deutsche 6. Armee sowie Teile der 4. Panzerarmee abschneiden.

Die Offensive

– 19. November 1942: Der Angriff im Norden begann mit einem massiven Artilleriefeuer bei eisiger Kälte. Die rumänischen Linien brachen innerhalb weniger Stunden zusammen.
– 20. November: Der Angriff im Süden begann und war ähnlich erfolgreich.
– 23. November: trafen die sowjetischen Streitkräfte bei Kalach aufeinander und schlossen damit die Einkreisung von etwa 290.000 Soldaten der Achsenmächte ab.

Die Deutschen waren in dem Gebiet eingeschlossen, das als „Stalingrader Kessel” bekannt wurde.

Nachwirkungen

Hitler verweigerte Paulus den Ausbruch und bestand darauf, dass die 6. Armee ihre Stellung halten sollte, bis Verstärkung eintraf. Die Luftwaffe versuchte, die eingekesselten Truppen aus der Luft zu versorgen, doch dieser Versuch schlug katastrophal fehl.
Am 2. Februar 1943 kapitulierte die 6. Armee – über 90.000 deutsche Soldaten gerieten in Gefangenschaft, und nur ein Bruchteil von ihnen kehrte jemals nach Hause zurück.

Bedeutung

– Strategischer Wendepunkt: Die Operation Uranus veränderte die Ostfront und verschob das Momentum dauerhaft auf die sowjetische Seite.
– Psychologischer Schlag: Sie zerstörte den Mythos der deutschen Unbesiegbarkeit und stärkte die Moral der Sowjets.
– Vorspiel zu sowjetischen Offensiven: Sie bereitete den Boden für zukünftige Operationen wie die Operation Kleiner Saturn und den späteren Vormarsch der Sowjets auf Berlin.

Schlüsselfiguren:

– Sowjetische: Georgi Schukow, Alexander Wassilewski, Konstantin Rokossowski, Andrej Jeremenko
– Deutsche: Friedrich Paulus, Hermann Hoth
– Datum: 19.–23. November 1942
– Ort: Stalingrad (heute Wolgograd), UdSSR

Schematische Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht, Stand 15.11.1942

vorderste deutsche Stellung an der Wolga
Die vorderste deutsche Stellung an der Wolga, nördlich von Stalingrad. Weiter nach Osten als zu diesem Punkt ist in Uniform und mit Waffen kein deutscher Soldat gelangt.

Abkürzungen:

Inf.Div. = Infanterie-Division
bodst.Inf.Div. = bodenständige Inf.Div. (unbewegliche Festungs-Divisionen)
mot.Inf.Div. = motorisierte Infanterie-Division
Pz.Div. = Panzer-Division
Sich.Div. = Sicherungs-Division
Inf.Reg. (Rgt) = Infanterie-Regiment
Brig. = Brigade
Btl. = Bataillon
Kav. = Kavallerie
Geb. = Gebirgstruppen
FJ = Luftlandetruppen, Fallschirmjäger
Gr. = Gruppe (Kampfgruppe)
W.B. = Wehrmachts-Befehlshaber
Befh.r.H.G. = Befehlshaber rückwärtiges Heeresgebiet

Ostfront (OKH)

Heeres-Gruppe A:

(im Kaukasus und auf der Krim)

Armee
Korps
Divisionen
Reserve
381. Feldausbildungs-Div.
Befehlshaber der Krim (Stab XXXXII. Korps)
Reserve
2/3 von 10. rum. Inf.Div., 5. Luftwaffen-Feld-Div. (im Antransport)
rum. Geb.Korps
1., 4. rum. Geb.Div.
17. Armee
Gruppe Wetzel (Stab V. Korps)
9., 73. Inf.Div., 3. rum. Geb.Div., 1/3 von 10. rum. Inf.Div.
rum. Kavallerie-Korps (der Gruppe Wetzel unterstellt)
6., 9., 19. rum. Kav.Div.
LVII. Panzer
125., 198. Inf.Div., slow. Schnelle Div.
XXXXIV.
101. Jäger-Div., Masse 97. Jäger-Div., wallonisches Bataillon 373
XXXXIX. Geb.
4. Geb.Div., 1. Geb.Div (ohne 1 Btl.), 46. Inf.Div., Teile 97. Jäger-Div., Radfahrer-Rgt. 4
1. Panzer-Armee
Reserve
Teile 50. Inf.Div. (in Zuführung)
III. Panzer
15., 23. Pz.Div., Teile SS-Wiking, verstärktes Inf.Rgt. 99, 2. rum. Geb.Div.
LII.
111., 370. Inf.Div., Masse SS-Wiking, Teile 50. Inf.Div.
XXXX. Panzer
3. Pz.Div.
Befh.r.H.G. A
444., 454. Sich.Div.

Heeres-Gruppe B:

(bei Stalingrad und Don-Front)

Armee
Korps
Divisionen
Reserve (4. rum.Armee)
XVII.
294. Inf.Div., 22. Pz.Div., 1. rum. Pz.Div., Feldausbildungs-Div. 382
4. Panzer-Armee
Reserve
16., 29. mot.Inf.Div.
VII. rum.
5., 8. rum. Kav.Div.
VI. rum.
1., 2., 4., 18. rum. Inf.Div.
IV
297., 371. Inf.Div., 20. rum. Inf.Div.
6. Armee
LI.
71., 79., 295., 305., 389. Inf.Div., 14., 24. Pz.Div., 100. Jäger-Div., kroat. Rgt. 369
XIV. Panzer
94. Inf.Div., 16. Pz.Div., 3., 60. mot.Inf.Div., Luftwaffen-Feld-Gr. Stabel
VIII.
76., 113. Inf.Div.
XI.
44., 376., 384. Inf.Div.
3. rum. Armee
Reserve
7. rum. Kav.Div., 2/3 von 15. rum. Kav.Div.
IV. rum.
1. rum. Kav.Div., 13. rum. Inf.Div., 1/2 von 15. rum. Inf.Div.
V. rum.
5., 6. rum. Inf.Div.
II. rum.
9., 14. rum. Inf.Div.
I. rum.
7., 11. rum. Inf.Div.
8. ital. Armee
Reserve
Div. Celere, Kav.Brig. Barbo
XXIX.
62. Inf.Div., ital. Div. Sforzesca, 3. Januar, Torino + 1 Brigade
ital. XXXV.
298. Inf.Div., ital. Div. Pasubio
ital. II.
ital. Div. Ravenna, 23. März, Casseria + 1 Brigade
ital. Alpini-Korps
ital. Divisionen Cuneense, Julia, Tridentina
2. ung. Armee
Reserve
ung. 1. PzDiv.
ung. VII.
ung. 19., 23. leichte Inf.Div.
ung. IV.
ung. 10., 12 leichte Inf.Div.
XXIV. Panzer
168., 336. Inf.Div., ung. 7., 13., 20. leichte Inf.Div.
ung. III.
ung. 6., 9., leichte Inf.Div.
2. Armee
Reserve
27. Pz.Div., 1/3 von 88. Inf.Div.
VII.
57., 75., 323., 387. Inf.Div., 1/3 von 383. Inf.Div.
XIII.
68., 82., 340., 377., 2/3 von 385. Inf.Div.
LV.
45., 299. Inf.Div., je 2/3 von 88., 383. Inf.Div.
Befh.r.H.G. B
213., 403. Sich.Div.
ung. Besatzungs-Gruppe Ost
ung. 105. leichte Inf.Div., ital. Vicenza-Division

Heeres-Gruppe Mitte

Armee
Korps
Divisionen
Reserve
20. Pz.Div. (OKH-Reserve), Masse 11. Pz.Div. (im Antransport), Stoßgruppe Oberst Källner (Jäger-Bataillone), Feldausbildungs-Div. 391 + 399
2. Panzer-Armee
Reserve
707. Inf. Div., 19. Pz.Div. (Heeresgruppen-Reserve)
XXXV.
4., 17. Pz.Div., 26., 56., 262. Inf.Div.
LIII.
112., 296. Inf.Div., 25. mot.Inf.Div., Gruppe Mieth (52., 134., 293. Inf.Div.)
XXXXVII. Pz.
208., 211., 216., 339. Inf.Div., Masse 18. Pz.Div., Teile 221. Sich.Div.
Korück 532
ung. 102., 108. leichte Inf.Div.
4. Armee
Reserve
442 Inf.Div.
LVI. Panzer
131., 267., 331. Inf.Div., 2/3 von 10. mot.Inf.Div.
XXXXIII.
34., 137., 263. Inf.Div.
XII.
260., 268. Inf.Div.
3. Panzer-Armee
Reserve
Teile 18. Pz.Div.
XX.
31., 183., 255. Inf.Div.
IX.
7., 35., 98., 252., 258., 292. Inf.Div.
XXXXVI. Panzer
2. Pz.Div., 36. mot.Inf.Div., 342. Inf.Div.
9. Armee
Reserve
9. Pz.Div. + mot. Inf.Div. Grossdeutschland + SS-Kav.Div. + Teile 11. Pz.Div. (Heeresgruppe-Reserve), 1. Pz.Div., 14. mot.Inf.Div., 1/3 von 337. Inf.Div. (in Zuführung), Polizei-Rgt. 13
XXXIX. Panzer
5. Pz.Div., 78., 102. Inf.Div., 2/3 von 337. Inf.Div.
XXVII.
6., 72., 95., 129., 251., 256. Inf.Div., 2/3 von 87. Inf.Div., 1/3 von 110. Inf.Div.
XXIII.
86., 206., 246., 253. Inf.Div., 2/3 von 110. Inf.Div., 1/3 von 87. Inf.Div., 1/3 von 10. mot.Inf.Div. (Heeresgruppen-Reserve)
VI.
197. Inf.Div., 2., 7. (?) Luftwaffen-Feld-Div.
XXXXI. Pz.
205., 330. Inf.Div., 1/3 von 328. Inf.Div.
Befh.r.H.G. Mitte
201., 203., 206., 221. Sich.Div.
11. Armee (von Manstein)
Hinweis: an der Nahtstelle zwischen Heeresgruppe Mitte und Nord im Abwehrkampf (am 21.11.1942 aufgelöst mit Bildung der Heeresgruppe Don unter von Manstein)
Reserve: 291. Inf.Div. (im Antransport)
II. Luftwaffen-Feld-Korps
3., 4. Luftwaffen-Feld-Div.
XXX.
12. Pz.Div.
LIX.
3- Geb.Div., 83. Inf.Div.
Gruppe Brandenberger
93. Inf.Div., Masse 8. Pz.Div., 2/3 von 218. Inf.Div.

Heeres-Gruppe Nord

Armee
Korps
Divisionen
Reserve
388. Feldausbildungs-Div.
16. Armee
II.
12., 30., 32., 122., 126., 290., 320. Inf.Div., je 2/3 von 81., 129., 225. Inf.Div., 1/3 von 123. Inf.Div., 8. Jäger-Div., Teile 8. Pz.Div., Pz.Rgt. 203, Teile 281. Sich.Div. (Inf.Rgt. 368)
X.
10. mot.Inf.Div., 5. Jäger-Div., 1/3 von 218. Inf.Div., Polizei-Rgt. 17, Gruppe Gen. Odebrecht (Luftwaffen-Feld-Regimenter)
18. Armee
Reserve
9. Luftwaffen-Feld-Div. (im Antransport), 69. Inf.Div. (im Antransport)
XXXVIII.
212. Inf.Div., 1. Luftwaffen-Feld-Div., 2/3 von 254. Inf.Div., 20. mot.Inf.Div (in Ablösung)
I.
1. Inf.Div., 28. Jäger-Div., 1/3 von 254. Inf.Div., Teile 5. Geb.Div.
XXVIII.
11., 21., 61., 121., 132., 217. Inf.Div.
XXVI.
96., 223., 227. Inf.Div., 1/3 von 385. Inf.Div., je Teile von 207., 285. Sich.Div.
LIV.
170. Inf.Div., 250. span. Inf.Div., SS-Polizei-Div., Masse 5. Geb.Div.
L.
58., 215. Inf.Div., 2/3 von 225. Inf.Div., SS-Brigade 2
Befh.r.H.G. Nord
je Teile von 207., 281., 285. Sich.Div.

OKW-Kriegsschauplätze

Norwegen und Polarfront

Armee
Korps
Divisionen
20. Gebirgs-Armee
Reserve
verstärktes Geb.Jg.Rgt. 129
XVIII.
SS-Geb.Div. Nord, 7. Geb.Div.
XXXVI. Geb.
163., 169. Inf.Div.
XIX. Geb.
2., 6. Geb.Div., 1/3 von 214. Inf.Div., Kommando 210
Reserve
25. Pz.Div., 269. Inf.Div. (im Antransport)
LXXI.
199., 230., 270. Inf.Div.
XXXIII.
181., 196., 702. Inf.Div.
LXX.
280., 710. Inf.Div., 2/3 von 214. Inf.Div.

Heeresgruppe D (OB West)

Armee
Korps
Divisionen
Reserve
alles Korpsstäbe: LXVII., LXVI., in Aufstellung: LXXXVI., LXXXVII.
SS-Totenkopf, 39., 161. Inf.Div., Pz.Brig. 100, Gep.Art.Brig. 1 (-1 Rgt.), 6., 10. Pz.Div. (im Abtransport), HG-Div. (im Abtransport), 8. Reserve-Div., Teile von 165. und 182. Reserve-Div.
Kommandant Niederlande
LXXXVIII.
167., 719. Inf.Div., 347. bodst.Inf.Div.
15. Armee
Reserve
26. Pz.Div., 38. Inf.Div.
LXXXIX.
65., 712. Inf.Div.
LXXXII.
106., 304., 306., 321. Inf.Div.
LXXXI.
302., 332., 711. Inf.Div., 348. bodst.Inf.Div.
SS-Panzer-General-Kommando
Armeegruppe Felber
LXXXIII.
335. Inf.Div., 1/3 von 328. Inf.Div., 1 Rgt. von gep.Art.Brig. 1
7. Armee
Reserve
257. Inf.Div.
LXXXIV.
320., 379., 716. Inf.Div., Masse 165. Ersatz-Inf.Div.
XXV.
17., 333., 709. Inf.Div., 346. bodst.Inf.Div., 343. bodst.Inf.Div. (in Zuführung), Masse 182. Ersatz-Inf.Div.
1. Armee
Reserve
7. Pz.Div., 327. Inf.Div.
LXXX.
15., 708., 715. Inf.Div., 344. bodst.Inf.Div.

Südosten

Armee
Korps
Divisionen
12. Armee
Reserve
Luftlande-Rgt. 440
Festungs-Brig. Kreta, 22. Luftlande-Div. (im Antransport)
Kommandierender General Serbien
704., 714., 717., 718. Inf.Div., SS-Geb.Div. Prinz Eugen

Afrika

Armee
Korps
Divisionen
Deutsch-italienische Panzer-Armee
Reserve
90. leichte Afrika-Div., ital. Jungfaschisten-Div., ital. 17. Inf.Div. Pavia
DAK + ital. XX. (mot.)
15., 21. Pz.Div., ital. 132. Ariete, 133. Littorio Pz.Div.
ital. X.
ital. FJ-Div. Folgore, ital. 101. mot.Inf.Div. Trieste, ital 27. Inf.Div. Brescia, Teile FJ-Brig. Ramcke
ital XXI.
164. leichte Afrika-Div., ital 25. Bologna, 102. Trento Inf.Div., Teile FJ-Brig. Ramcke

Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres

in Dänemark: 416. Inf.Div., 23. Inf.Div. (in Aufstellung aus Inf.Rgt. 68)


Uranus – die sowjetische Gegenoffensive bei Stalingrad

3,7-cm Pak 36 während der Kämpfe in Stalingrad
Eine deutsche 3,7-cm Pak 36 während der Kämpfe in Stalingrad.

Von Mitte September bis Mitte November, während sich die deutschen Truppen nach Stalingrad hinein vorkämpften, arbeitete das sowjetische Oberkommando an der Bereitstellung seiner Kräfte für die Operation ‚Uranus‘, mit der die deutschen Verbände in diesem Frontabschnitt abgeschnitten werden sollten.

Der interne Apparat der Roten Armee wurde durch eine drastische Beschneidung der Macht der Kommissare und eine stärkere Abhängigkeit von den Berufsoffizieren gestrafft. Dies wurde durch den Erlass vom 9. Oktober 1942 symbolisiert, der zumindest nominell die volle Verantwortung auf die Kommandeure und Stabschefs übertrug.

Durch die vollständige Mobilisierung wurde die Rote Armee auf eine Frontstärke von 6,5 Millionen Mann gebracht, während Deutschland und seine Verbündeten etwa 4 Millionen Mann aufbieten konnten. Trotz der Tatsache, dass die Deutschen weite sowjetische Territorien überrannt und besetzt hatten, welche in Bezug auf Industrieanlagen und Bodenschätze von großer wirtschaftlicher Bedeutung waren, konnte die sowjetische Rüstungsindustrie die Produktion von Flugzeugen, Panzern und Geschützen steigern. Wichtiger als die Steigerung der Stückzahlen ist vielleicht, dass ein weitaus größerer Anteil der Panzer und Flugzeuge modernerer Bauart war. In allen Rüstungskategorien produzierte die Sowjetunion mehr als die Deutschen.

Der Plan für ‚Uranus‘ nutzte die geografischen und militärischen Vorteile der Sowjets, während gleichzeitig die deutschen Nachteile voll ausgenutzt wurden. Diese Nachteile hätten jedoch von den Deutschen mit etwas Einsicht und Urteilsvermögen abgeschwächt werden können, was aber dem deutschen Heeres-Nachrichtendienst und sowohl Adolf Hitler als auch seinen Militärberatern fehlte.

Der geografische Vorteil bestand darin, dass die Ausbuchtung in Richtung Stalingrad praktisch zu einem Zangenangriff einlud. Hinzu kam, dass die Rote Armee an der Nordflanke Brückenköpfe über den Don, insbesondere bei Serafimowitsch, gehalten und diese während der Kämpfe in Stalingrad sogar noch ausgebaut hatte.
Die nördliche Zange der Offensive – die neue Südwestfront von General Watutin – konnte daher damit beginnen, ihre Angriffskräfte über den Fluss zu bringen, während die Ingenieure der Roten Armee zusätzliche Brücken für den Nachschub und die Reserveeinheiten bauten, die für einen Vorstoß in den Rücken der Achsenmächte benötigt wurden.

Die militärischen Vorteile der Sowjets waren zweierlei. Die Einheiten der Achsenmächte, die ihnen an den Stellen gegenüberstanden, an denen die Zangen zuschlagen würden, waren in beiden Fällen hauptsächlich rumänische Truppen. Sie waren von den Deutschen nie mit der für den Kampf an der Ostfront erforderlichen Ausrüstung ausgestattet worden und wurden, sobald sie mit veralteten und unzureichenden Waffen an der Front eingetroffen waren, nie richtig versorgt.
Das Beharren der Deutschen – und das war Hitlers eigene Entscheidung – auf dem Vorstoß in den Kaukasus, während er gleichzeitig die Offensive auf Stalingrad vorantrieb, machte es unmöglich, eine nennenswerte Anzahl deutscher Einheiten an den Flanken der 6. Armee und der 4. Panzerarmee bereitzustellen. Im Gegenteil: da die Kämpfe in der Stadt immer mehr deutsche Divisionen absorbierten, konnten diese nur bereitgestellt werden, indem man sie von den Flanken nahm, sie an die Spitze des Vorstoßes in die Stadt stellte und die Länge der Front, die den deutschen Verbündeten anvertraut wurde, vergrößerte.

Karte Operation Uranus
Die Operation Uranus nutzte die schwach besetzten Flanken der deutschen Armeen bei Stalingrad aus und führte zu ihrer Einkesselung innerhalb von nur vier Tagen.

In den letzten Wochen vor Beginn der sowjetischen Offensive verschärften zwei zusammenwirkende deutsche Fehler die Schwierigkeiten, denen sie sich gegenübersehen würden.
Ersten die massive Abzweigung von Ressourcen nach Tunesien nach Beginn der alliierten Landung in Nordwestafrika, dem Unternehmen Torch am 8. November 1942. Dieser Zeitpunkt war für Deutschland nicht der beste Zeitpunkt, um mit dem Aufbau einer zweiten Armee in Nordafrika zu beginnen, was einen hohen Aufwand an Männern, Material und Transport bedeutete.

Noch wichtiger ist der zweite Punkt, da die sorgfältigen Vorbereitungen, die von den Sowjets absichtlich geheim gehalten wurden, den deutschen Heeres-Nachrichtendienst völlig in die Irre führten, der während des größten Teils des Ostfeldzuges sehr gut darin war, Details zu sammeln, sich aber in seinen strategischen Einschätzungen immer wieder hoffnungslos irrte.
Der Heeres-Nachrichtendienst nahm an, dass die sowjetische Winteroffensive hauptsächlich im mittleren Teil der Ostfront stattfinden würde – wo die Russen tatsächlich die Operation ‚Mars‘ planten. Erst in den letzten Tagen vor dem Angriff hatten sie auch nur einen begrenzten Überblick von dem, was passieren könnte, und selbst dann führte die weiter anhaltende Unterschätzung der Sowjetunion dazu, dass sie die Situation falsch einschätzten.
Hitler selbst wies wiederholt auf eine mögliche sowjetische Offensive über den Don hin. Die Tatsache, dass er nie auf substanziellen Maßnahmen gegen diese Möglichkeit bestand, zeigt jedoch, dass er sie weder sehr ernsthaft noch konsequent in Erwägung zog. Erst im Nachhinein haben sich seine Überlegungen dazu bestätigt.
Die sowjetische Offensive war ohnehin eine Überraschung von dramatischem Ausmaß, weil die Deutschen in den letzten Wochen vor ihrem Beginn noch dem Vorstoß innerhalb der zerstörten Stadt Priorität einräumten.

Russen Raum Sralingrad
Russische Soldaten gehen im Raum Stalingrad von einem KW-Panzer aus ins Gefecht.

Die Großoffensive wurde um etwa zehn Tage gegenüber ihrem ursprünglichen Starttermin verschoben. Am 19. November öffnete die Infanterie der Südwestfront nach einem massiven Artilleriefeuer den Weg für die sowjetische 5. Panzerarmee.
Ohne ebenbürtige Panzer oder Panzerabwehrkanonen, die den sowjetischen Panzern gewachsen wären, brach die rumänische Armee schon an diesem ersten Tag zusammen. Einige Einheiten kämpften erbittert, andere ergaben sich, viele versuchten, dem Ansturm zu entkommen – aber sie konnten die angreifende 5. Panzerarmee nicht aufhalten, die am Ende des Tages die Hälfte der Strecke bis nach Kalatsch am Don vorgedrungen war.

Die Donfront von Marschall Konstantin K. Rokossowski griff weiter östlich an, kam weniger schnell voran, hielt aber die Deutschen davon ab, zur Unterstützung der Rumänen nach Westen zu kommen. Am folgenden Tag, während die Stalingrader Front von General Andrej I. Jeremenko die südliche Zangenbewegung durch die rumänischen Einheiten der 4. rumänischen Armee, welche der deutschen 4. Panzerarmee unterstellt war, in Gang setzte, näherten sich die Stoßspitzen der 5. Panzerarmee bereits Kalatsch.

Während die Reste deutscher und rumänischer Einheiten und verschiedene rückwärtige Hauptquartiere sowie rückwärtige Einrichtungen versuchten, sich an einigen Stellen zu halten, aber größtenteils vor der vorrückenden Roten Armee zur Flucht gedrängt wurden, kamen sich die beiden sowjetischen Zangen näher.
Am Morgen des 22. November nahm die Speerspitze der 5. Panzerarmee die Don-Brücke bei Kalatsch ein und am folgenden Tag trafen die beiden sowjetischen Stoßkeile etwa 16 Kilometer südöstlich von Kalatsch zusammen.

Die gesamte deutsche 6. Armee, die meisten deutschen Divisionen der 4. Panzerarmee und einige der verbliebenen Reste der 3. und 4. rumänischen Armee waren eingekesselt. Nun mussten die Deutschen schnell neue Entscheidungen treffen, und bald darauf stand auch das sowjetische Oberkommando vor neuen Entscheidungen.

Die Deutschen reagierten sofort auf den Angriff auf ihre Nordflanke, indem sie die Offensive innerhalb Stalingrads einstellten und damit begannen, einen Teil der Truppen in der Nähe der Stadt nach Westen zu verlagern.
Aber die großen Entscheidungen, die in den nächsten zwei Tagen getroffen werden mussten, betrafen die bedeutende Frage, ob die 6. Armee und die Teile der 4. Panzerarmee, welche nördlich von Jeremenkos südlicher Zangenbewegung standen, sich in südwestlicher Richtung durch die einkesselnden russischen Armeen zurückkämpfen oder versuchen sollten, eine Rundumverteidigung aufzubauen, während eine Entsatztruppe versuchte, den Kessel von außen aufzubrechen.

Im Raum Stalingrad hielten alle höchsten deutschen Befehlshaber einen Ausbruch für den richtigen Schritt und begannen am 22. und 23. November mit den Vorbereitungen für einen solchen Vorstoß für den 25. und 26. November.
Nach außen hin vertrat der Befehlshaber der Heeresgruppe mit Nachdruck dieselbe Meinung und drängte auch das Hauptquartier, wo General Zeitzler, Chef des Generalstabs des Heeres, eine solche Aktion befürwortete. Die Überzeugung des örtlichen Befehlshabers der Luftwaffe, von Richthofen, dass eine angemessene Luftversorgung der isolierten Streitkräfte unmöglich sei, verstärkte diese Argumente.

Hitler hoffte jedoch, die eingekesselte Armee dort zu entsetzen, wo sie sich befand, weil er die öffentliche Demütigung vermeiden wollte, eine Stadt aufzugeben, die zu halten er gerade öffentlich versprochen hatte. Er schien zu glauben, dass sich die Erfahrung des vorangegangenen Winters, als Cholm und Demjansk bis zum Entsatz ausgehalten hatten, wiederholen könnte. Außerdem hoffte und erwartete er immer noch, den Krieg zu gewinnen, und da Deutschland für diesen Sieg die Erdölvorkommen im Kaukasus an sich reißen und das Gebiet besetzen musste, indem es die untere Wolga von Stalingrad bis Astrachan hielt, machte es für ihn keinen Sinn, mehr Gebiete aufzugeben, die unter großen Kosten erobert worden waren und dann erneut erobert werden mussten, als unbedingt nötig. In dieser Haltung wurde er von Göring und von Manstein bestärkt und unterstützt.

Der Generalstabschef der deutschen Luftwaffe, General Hans Jeschonnek, hatte mit Hitler bereits im Zug auf der Rückfahrt von Hitlers Erholungsurlaub in Berchtesgaden nach Ostpreußen über die Luftversorgung von Stalingrad gesprochen. Es gab nun Pläne, Transportflugzeuge zu versammeln, um eine Luftbrücke zu der isolierten Garnison zu schaffen. Aber es scheint klar zu sein, dass Göring und seine Experten dies ganz unterschiedlich sahen.

Die Offiziere der Luftwaffe, sowohl die Transportoffiziere im Hauptquartier als auch die Befehlshaber im Feld, waren der Meinung, dass eine begrenzte Tonnage für einige Tage eingeflogen werden könnte, was entweder einen schnellen Ausbruch oder eine minimale Versorgung bis zu einer schnellen Befreiung voraussetzte. Göring hingegen hoffte, seine eigene Stellung und die seiner Luftwaffe in den Augen Hitlers wiederherstellen zu können, indem er ein Niveau an Lieferungen versprach, das Angesichts der deutschen Luftransportkapazitäten völlig unmöglich war.
Diese waren zu diesem Zeitpunkt durch den Aufbau des Brückenkopfes in Tunesien größtenteils erschöpft. Dazu kamen die Witterungsbedingungen in diesem Gebiet, die unzureichende Infrastruktur, die für einen solchen Luftnachschub erforderlich war, vor allem im Winter, der enormen Zahl der zu versorgenden Truppen und natürlich der offensichtlich zu erwartenden Gegenmaßnahmen der Roten Luftwaffe.
Trotzdem sicherte Göring Hitler zu, dass die 6. Armee durchschnittlich 500 Tonnen täglich erhalten würde.

Vorkriegsversionen der He 111 bei der Luftbrücke für Stalingrad
Ungetrübt von jeder Sachkenntnis und gegen alle Proteste verantwortlicher Offiziere der Luftwaffe, befiehlt Hitler die Luftversorgung der 6. Armee im Kessel von Stalingrad und verbietet den Ausbruch. Sogar völlig untaugliche Schulmaschinen, wie hier Vorkriegsversionen der He 111, mußte die Luftwaffe für die hoffnungslose Aufgabe opfern.

Feldmarschall von Manstein war von Hitler beauftragt worden, die neu gebildete Heeresgruppe Don zu übernehmen, die die Kräfte innerhalb Stalingrads und die Reste der 4. Panzer-Armee südwestlich der Stadt umfasste.
Verstärkt durch eine Reihe neuer Divisionen, sollte sie von Kotelnikowo aus einen Entlastungsangriff starten. Der Vorstoß sollte die eingekesselten Truppen erreichen und danach die gesamte Lage wiederherstellen.

Wenn von Manstein schon Leningrad nicht einnehmen konnte, so konnte er zumindest Stalingrad halten, war die Hoffnung. An der Südfront angekommen, brach von Manstein mit allen anderen deutschen Heeres- und Luftwaffengenerälen und glaubte, dass es möglich sei, Stalingrad zu halten und die dortigen belagerten Kräfte durch die von ihm geplante Offensive zu entlasten. Nach seiner Einschätzung sollte zumindest der Versuch dazu unternommen werden.
In erster Linie besorgt um seinen Ruf als kühner und stets erfolgreicher Feldherr – sowohl damals als auch nach dem Krieg – bestärkte er Hitler in dieser Ansicht und verfälschte später seinen Anteil an der Entscheidung in seinen Memoiren nach dem Krieg.

Russische Kavallerie
Russische Kavallerie im Raum Stalingrad.

Den deutschen Truppen innerhalb des Kessels wurde befohlen, sich im Norden, Osten und Süden nicht weiter zurückzuziehen. Sie bauten im Westen eine neue Front auf und versuchten, mit hoffnungslos unzureichenden Vorräten, Munition und Treibstoff gegen die Rote Armee durchzuhalten.
Außerhalb des Kessels von Stalingrad bauten die Reste der 3. rumänischen Armee und einige deutsche Einheiten eine neue Front im Westen am Fluss Tschir auf, während Manstein im Süden die Reste der 4. deutschen Panzerarmee und der 4. rumänischen Armee sammelte.

Er versuchte, die Verstärkungen, die er bekommen konnte, für einen Gegenangriff nach Nordosten auf die eingekesselte 6. Armee zu organisieren. Dabei erhielt er niemals alle versprochenen Kräfte, denn es gab viel zu viele andere Anforderungen an die Wehrmacht, sowohl an der Ostfront als auch in Tunesien. Als er dann endlich bereit war, loszulegen, hatten neue sowjetische Operationen gegen die Heeresgruppe Mitte die Situation wiederum verändert.

Ende November, noch vor dem eigentlichen Beginn der Entlastungsoperation, begann Manstein zu erkennen, wie unrealistisch seine frühere Einschätzung der Lage gewesen war, vor allem im Hinblick auf die Luftversorgung.
Aber das änderte wenig daran, dass die 6. Armee zwischenzeitlich den unumstößlichen Befehl erhalten hatte, in Stalingrad auszuhalten. Der günstigste Zeitpunkt für einen Ausbruchsversuch war bereits verstrichen, und die Aussicht auf die Entlastungsoffensive, die in wenigen Tagen beginnen sollte, weckten merkwürdig optimistische Erwartungen.

button go Hier geht es weiter: Wehrmacht Kriegsgliederung Dezember 1942 und der Kessel von Stalingrad.


Quellenangaben und Literatur

Der Grosse Atlas zum II. Weltkrieg (Peter Young)
Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Band 1-8 (Percy E. Schramm)
Krieg der Panzer (Piekalkiewicz)
Luftkrieg (Piekalkiewicz)
A World at Arms – A Global History of World War II (Gerhard L. Weinberg)
Manstein – Verlorene Siege (Erich v. Manstein Erinnerungen)

Weitere interessante Beiträge:
Hetzer Farbe
Jagdpanzer 38(t) Hetzer, einer der besten deutscher Panzerjäger im Zweiten Weltkrieg. Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell. Jagdpanzer Read more
Leutnant, Unteroffizier norwegische Armee 1940
Stärke, Organisation und Uniformen der Armee, Luftwaffe und Marine von Norwegen im April 1940 beim Unternehmen Weserübung. Die norwegischen Streitkräfte Read more
M3 in Panzerfabrik Detroit
Alle Zahlen zur amerikanischen Rüstungsindustrie (1939-1945). Detaillierte Statistiken zur Produktion von Panzern (Sherman), Flugzeugen, Schiffen und Rohstoffen. Die entscheidende Schlacht Read more
Me410A 3 02
Deutscher Schnellbomber, Jagdbomber, Zerstörer und Aufklärungsflugzeug Messerschmitt Me 410. Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken und Bilder. Messerschmitt Me 410 Hornisse Read more
PPSh-1941G mit Munitionstasche
Sowjetische Maschinenpistole PPSh-41 aus dem Zweiten Weltkrieg. Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell der sowjetischen Standard-Maschinenpistole im Zweiten Read more
Amerikanische GIs landen an
Stärke, Divisionen, Ausrüstung und Organisation der US Army in Nordamerika, Großbritannien und Nordafrika 1941 bis 1942. Die US-Armee zu Beginn Read more

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Nach oben scrollen

Einen Moment bitte noch - das hier ist bestimmt auch interessant:

Panzer-Grenadiere der 2. SS Division
Einsätze der 2. SS-Panzer-Division Das Reich (Teil II) in Russland 1943, an der Westfront 1944 und in Ungarn 1945. hier Read more

VIELEN DANK FÜR DIE AUFMERKSAMKEIT!