Slowakische Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg: Divisionen, Stärke und Organisation der Armee und der Luftwaffe 1939 bis 1944.

Slowakische Streitkräfte
Die slowakischen Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs waren die militärischen Streitkräfte der Slowakischen Republik, einem Vasallenstaat Deutschlands, der nach der Auflösung der Tschechoslowakei im März 1939 gegründet wurde.
Überblick
Entstehung und Hintergrund
– Slowakische Republik (1939–1945): Nach dem Münchner Abkommen (1938) und der anschließenden Besetzung der Tschechoslowakei erklärte die Slowakei am 14. März 1939 unter starkem Einfluss und Schutz Deutschlands ihre Unabhängigkeit.
– Die Slowakische Republik war im Wesentlichen ein Marionettenstaat, der mit den Achsenmächten verbündet war.
– Die slowakischen Streitkräfte wurden aus den Überresten der in der Slowakei stationierten Einheiten der tschechoslowakischen Armee gebildet und durch neue Wehrpflichtige und Freiwillige ergänzt.
Organisation und Größe
– Die slowakische Armee war im Vergleich zu anderen europäischen Armeen relativ klein und zählte zu ihrem Höhepunkt etwa 40.000 bis 60.000 Soldaten.
– Sie bestand aus Infanterie, Artillerie und einer begrenzten Anzahl von Panzer- und Lufteinheiten.
– Die slowakische Luftwaffe verfügte über eine bescheidene Anzahl von Flugzeugen, meist ältere Modelle, die aus der Tschechoslowakei übernommen worden waren.
– Eine slowakische Marine gab es nicht, da die Slowakei ein Binnenstaat war.
Rolle im Zweiten Weltkrieg
– Einmarsch in Polen (1939): Die Slowakei beteiligte sich zusammen mit Deutschland am Einmarsch in Polen im September 1939. Slowakische Truppen rückten in Südpolen vor, eroberten Gebiete und führten begrenzte Kampfhandlungen durch.
– Ostfront: Später kämpften slowakische Truppen an der Ostfront an der Seite der deutschen Streitkräfte gegen die Sowjetunion. Die slowakische Expeditionsarmee wurde zur Unterstützung der deutschen Operationen entsandt.
– Slowakische Einheiten erlitten während der sowjetischen Gegenoffensiven schwere Verluste, insbesondere während der Schlacht von Stalingrad und den darauf folgenden Feldzügen.
– Innere Sicherheit und Partisanenbekämpfung: Slowakische Streitkräfte waren auch an Aufgaben der inneren Sicherheit und Partisanenbekämpfung innerhalb der Slowakei und in den besetzten Gebieten beteiligt.
Der Slowakische Nationalaufstand (1944)
– Ein bedeutender Wendepunkt war der Slowakische Nationalaufstand im August 1944, als ein Teil des slowakischen Militärs zusammen mit Widerstandsgruppen gegen die pro-nazistische Regierung rebellierte.
– Der Aufstand hatte zum Ziel, das kollaborierende Regime zu stürzen und Widerstand gegen die deutsche Besatzung zu leisten.
– Obwohl es zunächst gelang, Teile der Zentralslowakei unter Kontrolle zu bringen, wurde der Aufstand schließlich von deutschen Truppen niedergeschlagen.
– Viele slowakische Soldaten und Offiziere schlossen sich dem Aufstand an, während andere der mit den Achsenmächten verbündeten Regierung treu blieben.
Nachwirkungen
– Nach der Niederschlagung des Aufstands besetzten deutsche Truppen die Slowakei.
– Gegen Ende des Krieges wechselten einige slowakische Einheiten die Seiten und schlossen sich den Alliierten an oder lösten sich auf.
– Nach der Niederlage Deutschlands im Jahr 1945 hörte die Slowakische Republik auf zu existieren und die Tschechoslowakei wurde wiederhergestellt.
– Ehemalige slowakische Soldaten wurden wieder in das tschechoslowakische Militär integriert oder erlitten je nach ihren Kriegshandlungen unterschiedliche Schicksale.
Die slowakischen Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg waren eine kleine, mit den Achsenmächten verbündete Streitmacht, die an der Invasion Polens teilnahm und an der Ostfront kämpfte. Der interne Konflikt innerhalb der Slowakei, der in dem Slowakischen Nationalaufstand gipfelte, verdeutlichte die Spaltungen innerhalb des Landes und seiner Streitkräfte. Ihre Rolle ist ein komplexes Kapitel in der Geschichte der Slowakei während des Krieges und spiegelt die allgemeinen Kämpfe Mitteleuropas in dieser Zeit wider.
Slowakische Armee
Der neue Staat hatte keine andere Möglichkeit, als sich unter deutschen Schutz zu stellen und ein vorbildlicher Satelliten-Staat des Deutschen Reichs zu werden. Ministerpräsident wurde Josef Tiso, welcher einen Ein-Parteien-Staat mit einer Partie-Miliz, der Hlinka-Garde, nach dem Vorbild der Nazi- und SA-Organisationen aufbaute.
Der Slowakei wurde es gestattet, ihre eigene Armee aus 6 Divisionen zu unterhalten und das ehemalige tschechoslowakische Gerät zu verwenden, welches innerhalb ihrer Grenzen gelagert war. Da auch die slowakischen Offiziere alle in der ehemaligen hoch-professionellen tschechoslowakischen Armee gedient hatten, waren die neuen Streitkräfte dieser sehr ähnlich, wenn auch alle Einheiten von Grund auf neu reorganisiert werden mussten. Eine Besonderheit war jedoch, dass alle Volksdeutschen in geschlossenen, eigenen Verbänden organisiert wurden, welche zu einem Zeitpunkt ein Artillerie-, ein Pionier- und zwei Infanterie-Regimenter stark waren.
Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, verfügte die slowakische Armee über drei Infanterie-Divisionen. Diese halfen der Wehrmacht bei ihrem Angriff auf Polen und zwei Divisionen (1. und 3. slowakische Infanterie-Division) besetzten Grenzgebiete, von denen die Slowaken behaupteten, dass sie ihnen gehörten. Diese Zusammenarbeit half der Slowakei sehr, Vertrauen in ihren Status als treuen deutschen Verbündeten zu erlangen und beendete die Gefahr einer Besetzung durch die Ungarn.
Die Slowaken hielten es sogar für ratsam, ihre Hilfe gegen die Russen anzubieten, sofern dies auch die Ungarn tun würden. So wurde sie Slowakei sogar der erste Verbündete Deutschlands, welcher sich dem Unternehmen Barbarossa anschloss, was Tiso als den ‚Kreuzzug gegen den Bolschewismus‘ taufte.

Für den deutschen Angriff auf die Sowjetunion stellten die Slowaken eine leichte Brigade mit 3.500 Mann, welche teilweise motorisiert war und über ein Bataillon tschechoslowakischer leichter Panzer (entspricht dem deutschen Typ PzKpfw 38(t) ) verfügte, und ein Armee-Korps mit zwei Infanterie-Divisionen sowie Divisionstruppen zur Verfügung. Die Gesamtstärke dieser slowakischen Truppenverbände belief sich im Juli 1941 auf 40.393 Mannschaften und 1.346 Offizieren.
Im August 1941 wurde beschlossen, die beiden Infanterie-Divisionen in die Slowakei zurückzuschicken und dafür eine Schnelle Division mit 10.000 Mann und eine Sicherungsdivision mit 6.000 Mann einzusetzen. Diese standen unter deutschem operativen Befehl, wenn auch ihre gesamte Verwaltung in slowakischen Händen blieb.
Der Elite-Verband der Schnellen Division kämpfte bei Lemberg, Kiew und im Winter 1941/42 am Mius, wo deutsche Offiziere die Slowaken als ‚tapfere Soldaten mit sehr guter Disziplin‘ befanden. Die Schnelle Division wurde von den Deutschen sehr geschätzt und als vollwertiger Frontverband eingesetzt.
Die slowakische Schnelle Division nahm nach Beginn der Sommeroffensive 1942 an der Eroberung von Rostow zusammen mit der SS-Division Wiking teil. Anschließend marschierte sie im Rahmen der 1. Panzer-Armee in den Kuban vor.
Während der sowjetischen Gegenoffensive bei Stalingrad half die Schnelle Division den Rückzug aus dem Kaukasus zu decken und wurde dabei fast bei Krasnodar eingeschlossen. Die Überlebenden mussten über eine Luftbrücke ausgeflogen werden, wobei sie ihr gesamtes schweres Gerät zurücklassen mussten.
In der Zwischenzeit befanden sich die slowakischen Sicherungs-Divisionen noch in der Ukraine im Einsatz.
Während des Jahres 1943 wurde die Reste der Schnellen Division zur slowakischen 1. Infanterie-Division reorganisiert und wurde zum Küstenschutz am Schwarzen Meer eingesetzt. Auch die anderen slowakischen Einheiten, welche an der Ostfront kämpften, hatten große Verluste und wurden aus der Frontlinie herausgezogen und zu Sicherungsaufgaben verwendet.
Die Stimmung und Moral fiel ab und beide Divisionen begannen Soldaten durch Desertion zu verlieren. So schlugen die slowakischen Verantwortlichen vor, die beiden Infanterie-Divisionen auf den Balkan oder nach Westeuropa zu verlegen, aber dies wurde von deutscher Seite abgelehnt.
Darauf hin verlangten die Slowaken die Rückverlegung der Divisionen in die Slowakei, was wiederum abgelehnt wurde. Es wurde lediglich zugestanden, die slowakischen Divisionen nicht in der Frontlinie einzusetzen, sondern nur für Sicherungsaufgaben.
Als dann ein russischer Durchbruch doch den Einsatz der Divisionen erzwang, erwiesen sich die Truppen als unzuverlässig. So wurden sie 1944 in die Reserve überführt, entwaffnet und in Bau-Brigaden umgewandelt, wobei die 1. Brigade in Rumänien und Ungarn und die 2. Brigade in Italien eingesetzt wurde.
Unterdessen hatte die Slowakei damit begonnen, zwei neue Divisionen (1. und 2. slowakische Infanterie-Division) aufzustellen, um die Karpaten-Pässe gegen die aufkommenden Sowjets zu verteidigen. Eine dritte Infanterie-Division wurde gerade im Herzen der Slowakei neu aufgestellt, als ein von der Partisanenbewegung ausgehender Aufstand Ende August 1944 ausbrach. Aus Sicht der slowakischen Armeeführung war dieser Aufstand zu früh erfolgt und musste scheitern, weshalb sich die beiden Infanterie-Divisionen von deutschen Truppen entwaffnen ließen.
Viele ihrer Soldaten schlossen sich aber den Partisanen in der zentralen Slowakei an und hielten bis Oktober 1944 aus, unterstützt durch eine alliierte Exil-tschechoslowakische Luftlande-Brigade, welche von den Russen eingeflogen wurde und auch viele Deserteure und freigelassene Kriegsgefangene der ehemaligen Schnellen Division beinhaltete.
Die Tiso-Regierung blieb an der Macht, unterstützt durch ihre Hlinka-Garde und einer kleinen Streitmacht loyaler Armee-Einheiten. Diese bestanden im Februar 1945 aus einem Infanterie-Regiment, einem Flak-Regiment und einer Artillerie-Batterie. Alle ‚Volks-Deutschen‘ kamen zur Wehrmacht, während diese dafür im Austausch Angehörige mit slowakischen Wurzeln zu den slowakischen Einheiten schickte. Aus Teilen der zwei entwaffneten slowakischen Infanterie-Divisionen wurden zwei weitere Baubrigaden gebildet.
Die slowakische Armee verwendete hauptsächlich ehemaliges tschechoslowakisches Gerät, obwohl von Deutschland einige Granatwerfer, Panzerabwehrkanonen, Feldkanonen und Flugabwehrgeschütze geliefert wurden. Die slowakische Politik bestand in einer schnellen Rotation zwischen der Heimatarmee und den Divisionen in Russland und ging sogar so weit, dass selbst während der Kriegszeit Wehrpflichtige aus der Armee entlassen wurden, wenn ihre reguläre Dienstzeit beendet war.
Im Allgemeinen war das Verfahren, nur einen Elite-Verband an der Front zu halten, zumindest bis 1943 sehr erfolgreich. Die Schnelle Division der Slowaken galt bei den Deutschen als bewährt und wurde als vollwertiger Frontverband angesehen.

Die Schnelle Division hatte zwei kleinere Infanterie-Regimenter, ein Artillerie-Regiment mit drei Bataillonen zu je neun Geschützen, sowie ein Aufklärungs-Bataillon, welche alle motorisiert waren. Dazu kam eine Panzer-Kompanie aus 12 ex-tschechischen LTvz 35, 38 oder 40 Panzerkampfwagen.
Die Sicherungs-Division hatten ebenfalls zwei Regimenter mit Pferde-bespannten Geschützen, ein teilweise motorisiertes Aufklärungs-Bataillon und ein Panzerspähwagen-Zug, welcher aber später zur Schnellen Division abgegeben wurden.
Die Schnelle Division, welche 1943 bis Anfang 1944 nach dem Verlust fast ihrer gesamten motorisierten Ausrüstung als 1. slowakische Infanterie-Division geführt wurde, bestand aus dem 20. und 21. Infanterie-Regiment, dem 11. Artillerie-Regiment, dem 5. Aufklärungs-Bataillon und der 11. Panzer-Kompanie. Letzter wurde 1943 aufgelöst.
Die Sicherungs-Division bestand aus dem 101. und 102. Infanterie-Regiment, dem 31. Artillerie-Regiment und dem 12. Aufklärungs-Bataillon.
Die ursprüngliche 1. slowakische Infanterie-Division aus dem Jahr 1941 und wieder ab dem Jahr 1944 neu aufgestellt, bestand aus dem 1., 2. und 3. Infanterie-Regiment, dem 1. Artillerie-Regiment und dem 1. Aufklärungs-Bataillon.
Die 2. slowakische Infanterie-Division bestand 1941 und 1944 aus dem 4., 5. und 6. Infanterie-Regiment, dem 2. Artillerie-Regiment und dem 2. Aufklärungs-Bataillon.
Uniformen der slowakischen Armee:
Die slowakische Armee verwendete weiterhin die Khakifarbene Uniform der vorhergehenden tschechoslowakischen Armee, aber mit den Rangabzeichen auf den Kragenstücken anstatt auf den Schulterstücken. Die Kragenstücke waren in der Farbe der Waffengattung.
Divisions-Typen:
Gliederung | Schnelle Division | Sicherungsdivision | Infanterie-Division |
|---|---|---|---|
Anzahl Verbände | 1 | 1 | 2 |
Infanterie-Regimenter | 2 + teilweise motorisiertes Aufklärungs-Bataillon | 3 + teilweise motorisiertes Aufklärungs-Bataillon |
|
Gesamtstärke | 10.000 | 6.000 | ca. 15.000 |
Artillerie | 27 | 27 (Pferde-bespannt) | 27 (Pferde-bespannt) |
Panzer | 12 LTvz 35/38/40 = PzKpfw 38(t) | Zug von Panzerspähwagen (später an Schnelle Division abgegeben) | - |
Fahrzeuge: zusammen 2.011 Kraftwagen und 695 LKWs im Juli 1941 vorhanden.
Slowakische Luftwaffe

Im Herbst 1939 kam eine deutsche Luftwaffen-Mission in die Slowakei um bei der Modernisierung und Reorganisation der slowakischen Luftstreitkräfte mitzuhelfen. Die Schnelle Division in Russland wurde dann von einer kleinen Luftstreitmacht aus zwei Jagdstaffeln Avia B-534 Doppeldecker und einer Aufklärungsgruppe mit Letov S328 Aufklärungsbombern begleitet.
Im Sommer 1942 erhielten die slowakische Luftstreitkräfte ihre ersten modernen Militärflugzeuge mit 20 gebrauchten Bf 109E, welche zuvor von der deutschen Luftwaffe intensiv über Westeuropa und Nordafrika verwendet worden waren. Ab März 1943 lieferte Deutschland dann auch neue Bf 109G an die slowakische Luftwaffe.
Uniformen der slowakischen Luftwaffe:
Die Uniform, welche von Offizieren der slowakischen Luftwaffe getragen wurde, war in grau-blauer Farbe und mit offenen Kragen mit einem grauen Hemd und schwarzer Krawatte. Die Rangabzeichen wurden auf himmelblauen Kragenabzeichen geführt, während ein Flieger-Abzeichen sich auf der rechten Brusttasche befand.
Die anderen Ränge innerhalb der slowakischen Luftwaffe trugen Armee-Uniformen.
Quellenangaben und Literatur
Germany’s Eastern Front Allies 1941-45 (Peter Abbott, Nigel Thomas)
World War II – A Statistical Survey (John Ellis)
The Armed Forces of World War II (Andrew Mollo)










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