Militärische Leistungsfähigkeit im 2. Weltkrieg

Die deutsche militärische Leistungsfähigkeit im Zweiten Weltkrieg anhand des italienischen Feldzuges.
Teil V der Bewertung der Kampfkraft der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und der Krieg in Italien 1943 bis 1945.

Fallschirmjäger mit PaK verteidigen Rom
Deutsche Fallschirmjäger mit einer 7,5-cm PaK 40 hinter einer Barrikade verteidigen eine Straße in Rom während des alliierten Vorstoß auf die Stadt Ende Mai 1944.

t arrow2 hier zu Teil III: Überlegene Kampfkraft der Wehrmacht.

Militärische Leistungsfähigkeit im Zweiten Weltkrieg

Deutsche militärische Leistungsfähigkeit gegen die westlichen Alliierten

Die Historical Evaluation and Research Organization (HERO) hat einen Datensatz für die ‚Quantifizierenden Beurteilungsme­thode für Untersuchung von Kampfhandlungen in der Geschichte(Quantified Judge­ment Method of Analysis of Historical Combat, kurz QJMA) erstellt und immer weiter verbessert und optimiert.
Dieser Datensatz beinhaltet über 100 Gefechte und Schlachten aus dem 2. Weltkrieg sowie für Vergleichszwecke auch aus dem Korea-Krieg und den Konflikten im Nahen und Mittleren Osten.

Nachfolgend werden 57 Gefechte zwischen deutschen und britischen bzw. amerikanischen Divisionen aus den Kämpfen in Italien vom 9. September 1943 bis zum 4. Juni 1944 aufgeführt. Dazu kommen auf der nachfolgenden Seite 18 Schlachten an der Westfront zwischen deutschen Armeen, Korps oder Divisionen gegen Verbände der US Army in Frankreich und an der deutschen Reichsgrenze vom 23. August bis 7. Dezember 1944. Schließlich finden sich dort auch die Durchschnittswerte und die besten Kampfverbände aus allen diesen untersuchten Kämpfen.

Bei der Invasion von Sizilien am 10. Juli 1943 waren die West-Alliierten im Mittelmeer an der schwächsten Stelle in die angeblich ‚uneinnehmbare Festung Europa‘ eingebrochen. Es folgte die Verhaftung von Italiens Diktator Mussolini und der nachfolgende Abfall von Hitlers ersten Achsen-Partners.
Zwar konnte die deutsche Front in Italien von Salerno bis zur Gustav-Linie, Monte Cassino und der alliierten Landung bei Anzio bis zum Durchbruch durch die Goten-Linie nur langsam zurückgedrängt werden, doch die Eroberung Roms am 4. Juni 1944 durch die Alliierten bedeutete der Auftakt vom Ende des Dritten Reich, denn nur zwei Tage später erfolgte die Invasion in der Normandie mit den nachfolgenden Schlachten in Frankreich und an der Reichsgrenze.

Es werden die wichtigsten Angaben aus diesen Gefechten oder Schlachten gemacht. Dazu gehören die beteiligten Verbände, die taktische Gefechtssituation (Angriff, Verteidigung, Stellungsstärke), Sieg oder Niederlage, Verluste und die sich im Verhältnis zu den eingesetzten Truppen errechnete Effektivität des Kampfwertes.

Die zuletzt gemachte Angabe der Effektivität (‚Score‘) ist eine Auswertung der vorhergehenden Werte. Diese Angabe zeigt die Verluste pro Tag als Prozentsatz der Kräfte an, die diese Verluste verursachten. Sie wird ermittelt, indem die Verluste der einen Seite zur gesamten Mannschaftsstärke der anderen Seite in Relation gesetzt werden.
Der Wert gibt also die zugefügten Verluste pro Tag pro 100 Mann an. Dabei wurde der ‚Score‘-Wert annähernd dem ermittelten Verteidiger-Vorteil angepasst. Hierbei wird ein Faktor angewendet, der sich aus umfangreichen Forschungen des 2. Weltkriegs ergab.
Der Verteidiger-Vorteil wird bei rasch eingerichteter Verteidigung mit 1,3 angenommen, mit 1,5 für vorbereitete Vertei­digung und 1,6 für Verteidigung aus Feldbefestigungen.

Ergebnisse ausgewählter Gefechte in Italien

ITALIEN – Salerno (9.-18. September 1943):

Gefecht
Einheiten
zahlenmäßiges Verhältnis
Ergebnis
Verluste pro Tag
Effektivität
Hafen von Salerno (9.-11.9.43)
brit.46.Inf.Div
304%
Angriff scheitert
3,95%
1,02
dt.16.Pz.Div
vorbereitete Verteidigung erfolgreich
0,94%
3,85
Amphitheater (9.-11.9.43)
brit.56.Inf.Div
304%
Angriff scheitert
2,98%
0,99
dt.16.Pz.Div
vorbereitete Verteidigung erfolgreich
0,78%
2,75
Sele-Calore-Korridor (11.9.43)
US 45.Inf.Div
146%
Angriff scheitert
2,01%
1,12
dt.16.Pz.Div
Verteidigung erfolgreich
0,71%
2,45
Tobacco factory (13.-14.9.43)
US 45.Inf.Div.
116%
Verteidigung erfolgreich
1,58%
1,96
dt.16.+29.Pz.Div
Angriff scheitert
2,38%
2,51
Vietri I (12.-14.9.43)
brit.46.Inf.Div
116%
Verteidigung erfolgreich
2,25%
1,78
HG Pz.Div
Angriff scheitert
1,50%
2,30
Battipaglia I (12.-15.9.43)
brit.56.Inf.Div
76%
Verteidigung erfolgreich
3,65%
1,61
dt.16.Pz.Div verstärkt
Angriff scheitert
1,89%
3,86
Vietri II (17.-18.9.43)
brit.46.Inf.Div
142%
Verteidigung erfolgeich
0,67%
1,59
HG Pz.Div
Angriff scheitert
1,50%
1,42
Battipaglia II (17.-18.9.43)
brit.56.Inf.Div
211%
Angriff erfolgreich
1,02%
0,98
dt.16.Pz.Div
hinhaltende Verteidigung aufgegeben
0,79%
2,02
Eboli (17.-18.9.43)
US 45.Inf.Div
232%
Angriff erfolgreich
1,24%
0,96
dt.16. + Teile 26.Pz.Div
hinhaltende Verteidigung aufgegeben
0,90%
2,44

ITALIEN – Volturno (12. Oktober – 8. Dezember 1943):

Gefecht
Einheiten
zahlenmäßiges Verhältnis
Ergebnis
Verluste pro Tag
Effektivität
Grazzanise (12.-14.10.43)
brit.7.Armored
180%
Angriff erfolgreich
0,85%
0,68
dt.15.Pz.Gren.
vorbereitete Verteidigung scheitert
0,33%
2,05
Capua (13.10.43)
brit.56.Inf.Div
211%
Angriff scheitert
2,49%
1,08
HG Pz.Div
vorbereitete Verteidigung erfolgreich
1,18%
3,94
Triflisco (13.-14.10.43)
US 3.Inf.Div
255%
Angriff erfolgreich
0,72%
0,75
HG Pz.Div
vorbereitete Verteidgung scheitert
0,52%
2,50
Monte Acero (13.-14.10.43)
US 45.Inf.Div
330%
Angriff unentschieden
0,31%
1,26
3.Pz.Gren. + 26.Pz.Div
hinhaltende Verteidigung unentschieden
1,01%
1,22
Caiazzo (13.-14.10.43)
US 34.Inf.Div
283%
Angriff erfolgreich
0,36%
0,58
3.Pz.Gren
hinhaltende Verteidigung aufgegeben
0,40%
1,66
Castel Volturno (13.-15.10.43)
brit.46.Inf.Div
218%
Angriff erfolgreich
1,13%
0,51
15.Pz.Gren
vorbereitete Verteidigung scheitert
0,25%
2,94
Dragoni (15.-17.10.43)
US 34.Inf.Div
331%
Angriff erfolgreich
0,13%
0,89
3.Pz.Gren
hinhaltende Verteidigung aufgegeben
0,33%
1,33
Canal I (15.-20.10.43)
brit.46.Inf.Div
215%
Angriff erfolgreich
0,42%
0,93
15.Pz.Gren
vorbereitete Verteidigung scheitert
0,57%
1,73
Canal II (17.-18.10.43)
brit.7.Armored
179%
Angriff erfolgreich
0,43%
0,75
15.Pz.Gren
vorbereitete Verteidigung scheitert
0,28%
1,60
Francolise (20.-22.10.43)
brit.7.Armored
173%
Angriff unentschieden
0,18%
0,96
15.Pz.Gren
hinhaltende Verteidigung unentschieden
0,18%
1,06
Monte Grande (16.-17.10.43)
brit.56.Inf.Div
227%
Angriff erfolgreich
0,61%
0,76
HG Pz.Div.
hinhaltende Verteidigung aufgegeben
0,46%
2,20
Santa Maria Oliveto (4.-5.11.43)
US 34.Inf.Div
267%
Angriff erfolgreich
1,23%
1,28
dt.3.Pz.Gren. verstärkt
hinhaltende Verteidigung aufgegeben
1,69%
3,28
Monte Lungo (6.-7.11.43)
US 3.Inf.Div
253%
Angriff scheitert
1,09%
1,34
dt.3.Pz.Gren
befestigte Verteidigung erfolgreich
1,41%
2,53
Pozzilli (6.-7.11.43)
US 45.Inf.Div
325%
Angriff scheitert
0,37%
0,54
dt.3.Pz.Gren
befestigte Verteidigung erfolgreich
0,20%
1,59
Monte Camino I (5.-7.11.43)
brit.56.Inf.Div
289%
Angriff scheitert
0,41%
0,81
dt.15.Pz.Gren
befestigte Verteidigung erfolgreich
0,10%
2,06
Monte Camino II (8.-12.11.43)
brit.56.Inf.Div
65%
Verteidigung scheitert
1,98%
0,42
dt.15.Pz.Gren
Angriff erfolgreich
0,14%
2,24
Monte Rotondo (8.-10.11.43)
US 3.Inf.Div
206%
Angriff scheitert
0,34%
0,66
dt.3.Pz.Gren
befestigte Verteidigung erfolgreich
0,25%
1,36
Monte Camino III (2.-6.12.43)
brit.56.Inf.Div
631%
Angriff unentschieden
0,67%
1,25
dt.15.Pz.Gren
befestigte Verteidigung unentschieden
1,06%
3,27
Calabritto (1.-2.12.43)
brit. 46.Inf.Div
234%
Angriff unentschieden
0,70%
0,84
dt.15.Pz.Gren
befestigte Verteidigung unentschieden
0,13%
2,95
Monte Maggiore (2.-3.12.43)
US 36.Inf.Div
169%
Angriff erfolgreich
0,72%
0,59
dt.15.Pz.Gren. + Teile 29.Pz.Div
befestigte Verteidigung scheitert
0,30%
1,82

ITALIEN – Anzio (22. Januar – 29. Februar 1944):

Gefecht
Einheiten
zahlen- mäßiges Verhältnis
Ergebnis
Verluste pro Tag
Effektivität
Aprilia I (25.-26.1.44)
brit. 1.Inf.Div
287%
Angriff erfolgreich
2,99%
0,81
dt.3.Pz.Gren
Verteidigung scheitert
0,74%
4,60
Carroceto (7.-8.2.44)
brit. 1.Inf.Div
37%
halb-vorbereitete Verteidigung erfolgreich
7,45%
3,14
verschiedene
Angriff scheitert
2,53%
3,11
Moletta River I (7.-9.2.44)
brit. 1.Inf.Div
17%
halb-vorbereitete Verteidigung erfolgreich
4,09%
1,56
dt.3.Pz.Gren.
Angriff scheitert
0,64%
1,47
Aprilia II (9.2.44)
US 45.Inf.Div
54%
halb-vorbereitete Verteidigung erfolgreich
0,81%
1,40
dt.65.Inf.Div
Angriff scheitert
1,13%
1,33
Factory (11.-12.2.44)
brit. 1.Inf.Div
64%
halb-vorbereitete Verteidigung scheitert
1,75%
1,35
verschiedene
Angriff erfolgreich
0,98%
2,08
Bowling Alley (16.-19.2.44)
US 45.Inf.Div
164%
Angriff scheitert
0,43%
1,77
verschiedene
halb-vorbereitete Verteidigung erfolgreich
1,46%
1,50
Moletta River II (16.-19.2.44)
US 45. Inf.Div
38%
halb-vorbereitete Verteidigung erfolgreich
1,60%
1,88
4 dt. Divisionen
Angriff scheitert
1,33%
1,26
Fioccia (21.-23.2.44)
brit. 56.Inf.Div
45%
halb-vorbereitete Verteidigung unentschieden
4,34%
1,88
65.Inf. + 4. FJ-Div
Angriff unentschieden
1,69%
4,56

ITALIEN – Rom (11. Mai – 4. Juni 1944):

Gefecht
Einheiten
zahlenmäßiges Verhältnis
Ergebnis
Verluste pro Tag
Effektivität
Santa Maria Infante (12.-13.5.44)
US 88.Inf.Div
202%
Angriff erfolgreich
1,48%
3,09
dt.94. + Teile 71.Inf.Div
befestigte Verteidigung scheitert
5,59%
2,33
Sant Martino (12.-13.5.44)
US 85.Inf.Div
221%
Angriff unentschieden
3,19%
2,62
dt.94.Inf.Div
befestigte Verteidigung unentschieden
4,42%
4,46
Spigno (14.-15.5.44)
US 88.Inf.Div
223%
Angriff erfolgreich
0,94%
2,89
dt.94 + Teile 71.Inf.Div
hinhaltende Verteidigung aufgegeben
4,44%
1,95
Castellonorato (14.-15.5.44)
US 85.Inf.Div
219%
Angriff erfolgreich
1,63%
1,98
dt.94.Inf.Div
befestigte Verteidigung scheitert
2,95%
3,04
Monte Grande (17.-19.5.44)
US 88.Inf.Div
287%
Angriff erfolgreich
0,76%
2,10
dt.94.Inf.Div
Verteidigung scheitert
3,64%
2,33
Formia (16.-18.5.44)
US 85.Inf.Div
304%
Angriff erfolgreich
0,58%
2,06
dt.94.Inf.Div
hinhaltende Verteidigung aufgegeben
3,15%
2,77
Itri-Fondi (20.-22.5.44)
US 88. Inf.Div
245%
Angriff erfolgreich
0,53%
1,50
dt.94.Inf.Div
hinhaltende Verteidigung aufgegeben
1,90%
3,14
Terracinba (22.-24.5.44)
US 85.Inf.Div
292%
Angriff erfolgreich
0,49%
1,64
dt. 94.Inf.Div
Verteidigung scheitert
1,90%
4,34
Moletta Offensive (23.-24.5.44)
brit. 5.Inf.Div
138%
Angriff erfolgreich
0,67%
2,43
dt. 4.FJ Div
befestigte Verteidigung scheitert
1,86%
1,92
Anzio-Albano Road (23.-24.5.44)
brit. 1.Inf.Div
153%
Angriff erfolgreich
0,56%
2,48
dt.65.Inf.Div
befestigte Verteidigung scheitert
2,16%
1,58
Anzio-Ausbruch (23.-25.5.44)
US 1.Armored
127%
Angriff erfolgreich
1,46%
2,04
dt.3. + 362.Inf.Div
befestigte Verteidigung scheitert
3,52%
1,74
Cisterna (23.-25.5.44)
US 3.Inf.Div
167%
Angriff erfolgreich
2,54%
2,48
dt.362.Inf.Div
befestigte Verteidigung scheitert
4,52%
2,94
Sezze (25.-27.5.44)
US 85. Inf.Div
258%
Angriff erfolgreich
0,30%
1,43
dt.29.Pz.Div
Verteidigung scheitert
1,34%
1,47
Velletri (26.5.44)
US 1. Armored
119%
Angriff scheitert
5,25%
3,84
dt.362.Inf.Div
befestigte Verteidigung erfolgreich
10,70%
3,54
Villa Crocetta (27.-28.5.44)
US 34.Inf.Div
131%
Angriff scheitert
0,87%
2,29
dt.3.Pz.Gren.
befestigte Verteidigung erfolgreich
2,18%
1,45
Campoleone Station (26.-28.5.44)
US 45.Inf.Div
180%
Angriff erfolgreich
0,93%
2,34%
dt.65.Inf.Div
befestigte Verteidigung scheitert
2,74%
1,76
Ardea (28.-30.5.44)
brit. 5.Inf.Div
203%
Angriff erfolgreich
0,52%
1,81
dt. 4.FJ Div
befestigte Verteidígung scheitert
1,63%
1,60
Lanuvio (29.5.-1.6.44)
US 34.Inf.Div
283%
Angriff scheitert
1,19%
1,97
dt.3.Pz.Gren
befestigte Verteidigung erfolgreich
2,86%
2,24
Campoleone (29.-31.5.44)
US 1 Armored + 45.Inf.Div
188%
Angriff unentschieden
1,46%
2,02
dt.3.Pz.Gren + 65.Inf.Div
befestigte Verteidigung unentschieden
2,91%
2,16
Tarto-Tiber (3.-4.6.44)
brit. 1.+5. Inf.Div
350%
Angriff erfolgreich
0,75%
2,36
dt. 4.FJ Div
befestigte Verteidigung scheitert
3,92%
2,44

button go siehe auch: Deutsche militärische Leistungsfähigkeit gegen die westlichen Alliierten an der Westfront 1944


Der Krieg in Italien

Polnische Soldaten besetzen Monte Cassino
Fünf Monate wurde um den Monte Cassino mit großem Materialeinsatz und in erbitterten Kämpfen gerungen. Bei der Besetzung durch polnische Soldaten gleicht der Berg einer Mondlandschaft und die alte Benediktiner-Abtei auf dem Gipfel ist ein einziger Schutthaufen.

Auf der Casablanca-Konferenz im Januar 1943 sprach sich Roosevelt für eine Landung in dem von der Wehrmacht besetzten Frankreich aus. Churchill dagegen drängte auf eine Landung in Italien oder auf dem Balkan. Schließlich einigten sie sich auf eine Invasion Siziliens.

Die alliierte Landung auf Sizilien begann am Juli 10. Juli 1943 durch 160.000 Mann amerikanischer, britischer und kanadischer Soldaten, unterstützt von 4.000 Flugzeugen und starken Seestreitkräften.
Die britische 8. Armee unter Montgomery landete ungehindert bei Syracus und marschierte nach Norden vor, bevor sie von deutschen Einheiten um den Ätna herum zum Stehen gebracht wurde.

angreifende britische Soldaten
Zwei angreifende britische Soldaten auf Sizilien, 1943.

Die amerikanische 5. Armee unter George Patton landete bei Gela, wehrte Gegenangriffe der Achsentruppen ab und eroberte Palermo im Nordwesten der Insel. Anschließend ließ Patton entgegen den erhaltenen Befehlen seine Truppen nach Osten zur Einnahme von Messina angreifen, wo sie im am 17. August vor denen von Montgomery eintrafen.

Die Invasion war ein Teilerfolg, wobei die Alliierten Erfahrung bei amphibischen Operationen sammelten und die große italienische Insel sicherten. Dies veranlasste den faschistischen Großrat Mussolini abzusetzen und die neue italienische Regierung begann Kapitulationsgespräche. Jedoch konnte nicht verhindert werden, dass 100.000 deutsche und italienische Soldaten mit 10.000 Fahrzeugen über die Straße von Messina auf das Festland evakuiert werden konnten.

Churchill drängte nun auf eine Invasion Italiens selbst, da dies seiner Meinung nach der ‚weiche Unterbauch der Festung Europa‘ war, um Wehrmachtsverbände von der Ostfront abzuziehen und gleichzeitig Montgomery und der britischen 8. Armee einen großen Sieg zu ermöglichen.
Roosevelt schlug jedoch eine Landung in Südfrankreich vor, gab aber dann sein Ansinne auf, als ihn seine Luftwaffenchefs bedrängten, Bomberstützpunkte in Italien zu erobern.

Die Invasion begann im September 1943. Am 3. September nahm Montgomery die gegenüber Messina am südwestlichen Zipfel des italienischen Stiefels liegende Stadt Reggio de Calabria. Mit der nachfolgenden Operation ‚Slapstick‘ landete die 1. britische Luftlande-Division am 9. September bei Tarent. Beide Landungsoperationen dienten zur Ablenkung von der eigentlich geplanten Hauptladung im Golf von Salerno, südlich von Neapel, und sollten deutsche Truppen von dort wegziehen. Der deutsche Oberbefehlshaber in Italien, Kesselring, war aber überzeugt von einer Landung bei Salerno und setzte nur wenige Truppen an, um den britischen Vormarsch durch Kalabrien zu verzögern.

Flak 88 bei Salerno
So kurz die Kämpfe bei Salerno (Süd-Italien) dauerten, so heftig waren sie. 44 Ringe an dieser Flak 88 bezeugen 44 Abschüsse alliierter Panzer.

Die 5. US-Armee unter Clark landete am 9. September 1943 schließlich im Golf von Salerno an. Die deutschen Truppen versuchten jedoch den amerikanischen Landekopf, trotz erdrückender alliierter Luft- und Seeüberlegenheit, einzudrücken. Obwohl die Lage der alliierten Truppen bei Salerno zeitweise verzweifelt wurde, konnten diese aufgrund ihrer Materialüberlegenheit ihre Stellungen bis zum Eintreffen von Verstärkungen halten und als schließlich am 16. September die Vorausabteilungen der britischen 8. Armee aus dem Süden herankamen, zogen sich die deutschen Truppen langsam auf Neapel zurück.
Auf der rechten, östlichen Seite des italienischen Stiefels gelang den Truppen von Montgomery ein geschickter Vormarsch über Bari am 14. September bis nach Foggia am 27. September, welches zu einer wichtigen alliierten Bomberbasis für Angriffe auf Ziele im Balkan, Österreich und Süddeutschland ausgebaut wurde.

Aber Adolf Hitler und seine Generäle hatten erkannt, dass die Berge und Flüsse, welche den schmalen italienischen Stiefel durchzogen, die Verteidigung begünstigten und schickten 16 Divisionen, welche zwei gewaltige Abwehrstellungen besetzten. Die weiter südlich gelegene war die Gustav-Linie nördlich Neapels, welche die italienische Hauptstadt Rom deckte.
Die ursprüngliche Hauptverteidigungslinie war jedoch die wichtigere Goten-Linie nördlich von Rom, welche die wichtigen Industriegebiete in Norditalien sicherte.

So verlangsamte sich der alliierte Vormarsch durch Italien ab Oktober 1943 in ein Schneckentempo. Über den Winter gab es kaum Fortschritte der Alliierten bei ihrem Versuch, die Gustav-Linie zu durchdringen. Dabei ragten die heftigen Kämpfe um Cassino heraus.

Deshalb versuchten das VI. US-Korps unter General Lucas am 22. Januar 1944 durch das Unternehmen Single, der Landung bei Anzio und rund 20 Kilometer südwestlich von Rom, die deutschen Stellungen bei Cassino und die Gustav-Linie auszuhebeln.
Der zögerliche General Lucas konnte die für die Deutschen überraschende Landung jedoch nicht ausnutzen und so wurde der amerikanische Brückenkopf eingeschlossen und die deutschen Truppen versuchten ihrerseits im Februar 1944, die Amerikaner wieder ins Meer zu treiben. Diese deutschen Gegenangriffe, welche auch als Planübungen zur Bekämpfung der erwarteten alliierten Invasion in Nordwesteuropa durchgeführt wurden, scheiterten aber ebenso, wie schon zuvor bei Salerno, an der weit überlegenen gegnerischen Luft- und Seeüberlegenheit.

Schützenpanzer SdKfz 251 der 4. Fallschirmjäger-Division bei Anzio
Schützenpanzer SdKfz 251 der 4. Fallschirmjäger-Division bei Anzio. Trotz Unterzahl von 70.000 gegen 110.000 Mann alliierte Truppen, einschließlich Elite-Einheiten wie die Rangers, gehen die deutschen Truppen zum Angriff über.

Im Februar bombardierten alliierte Bomber die nicht verteidigte, historische Abtei von Monte Cassino in einem vergeblichen Versuch, die deutschen Linien zu durchbrechen. Erst im Mai und nach erheblichen Verstärkungen gelang den Alliierten nach zähen Kämpfen der Durchbruch am westlichen Ende der Gustav-Linie, worauf das bei Anzio immer noch eingeschlossene VI. US-Korps am 25. Mai entsetzt werden konnte.
Bereits am 23. Mai hatte dessen neuer Befehlshaber Truscott mit dem Ausbruch von Anzio nach Norden aus begonnen, um nach Rom vorzustoßen.

Da Mark Clark, kommandierender General der nun durch die Gustav-Linie durchgebrochenen 5. US-Armee aus propagandistischen Gründen unbedingt Rom erobern wollte, anstatt sich nach Osten zu wenden, um die sich zurückziehenden deutschen Truppen einzuschließen, entkamen diese ebenso wie auf Sizilien erneut.
Die Besetzung Roms durch die 5. US-Armee am 4./5. Juni 1944 ging dann aber schnell in den Nachrichten über die allierte Invasion in der Normandie unter.

US-Truppen dringen in Rom ein
Unter dem Schutz von Sherman-Panzern dringen US-Truppen in die Vorstädte von Rom ein.

Nachdem die alliierten Armeen dann ihren Vormarsch nach Norden wieder aufnehmen konnten, wurden ihnen jedoch Divisionen für die Landung in Südfrankreich und zur Unterstützung der Operationen in Frankreich entzogen.
So erreichten die Alliierten die Goten-Linie erst im September und drängten die deutschen Truppen mühsam Schritt für Schritt den Winter über zurück. Die Goten-Linie wurde dann erst im April 1945 vollständig überwunden und die alliierten Truppen drangen in die norditalienische Tiefebene ein. Dies geschah erst zwei Wochen vor Kriegsende und hatte kaum mehr Einfluss auf den Krieg in Europa. Die deutschen Truppen in Norditalien kapitulierten auch schon einige Zeit zuvor, so unterzeichnete General von Vietinghoff bereits am 29. April 1945 die Kapitulation, welche am 2. Mai in Kraft trat.

Karte vom italienischen Kriegsschauplatz
Karte vom italienischen Kriegsschauplatz 1943-1945.
Die Kämpfe in Italien zogen zwar einige deutsche Divisionen und wenige Staffeln der Luftwaffen von der Ostfront oder aus Frankreich ab, die deutschen Verluste insbesondere in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 waren hoch, und die neue italienische Regierung wechselte die Seiten, aber der Sinn und Zweck des Feldzuges blieb mehr als fraglich.
Mussolinis Sozialistische Republik in Norditalien stand weiterhin zu Hitler, obwohl mit der italienischen Kapitulation eine sowieso schon schwächelnde Achsenmacht aus dem Krieg ausgeschieden war.
Trotzdem verloren die Alliierten 300.000 Mann an Gefallen und Verwundeten, darunter viele Verkrüppelte durch Grabenfüße im schlimmen italienischen Matsch und Erblindete durch Steinschlag.

Die wichtigsten Bombenangriffe von Italien aus, auf die rumänische Ölfelder, wurden zu Fehlschlägen und die Zerstörung von Monte Cassino erzeugte gegenüber den Allierten nur böses Blut in der öffentlichen Meinung.
Der Ruf der Oberbefehlshaber litt in Italien. Bei Montgomery wegen Kleinlichkeit und Unfähigkeit zur Zusammenarbeit, der Amerikaner Clark für schlechtes Urteilsvermögen und Ruhmesgier.
‚Monty‘ befehligte dabei eine weitere, große multinationale Armee. Sie bestand auch aus Polen und Kanadier, die sich als fähig und tapfer erwiesen, sowie den Frei-Franzosen, die sich dort auf die Befreiung ihrer Heimat vorbereiteten. Anders als die Amerikaner arbeitete Montgomery auch eng mit den Partisanen in Italien zusammen.

Bereits nach dem Feldzug auf Sizilien hatte Eisenhower Patton abgelöst, der zwar brillant, dafür aber jähzornig war. Er hatte zuvor in zwei Feldlazaretten Kriegszitterer wegen Feigheit geohrfeigt und verflucht.

Italien wurde nicht zu Chruchills angekündigten ‚weichen Unterbauch‘, stattdessen nannte es der britische Soldat einen ‚zähen, alten Bauch‘.
George Marshall, Stabschef der US-Armee, bezeichnete den Feldzug als ‚teuren Nebenkriegsschauplatz‘ und das Ganze schürte dabei den amerikanischen Verdacht, dass Großbritannien in Wirklichkeit seine imperialen Absichten im Mittelmeer verfolgte, anstatt den Kampf mit dem Nazi-Ungeheur auf der anderen Seite des Ärmelkanals aufnehmen zu wollen.


Quellenangaben und Literatur

Kampfkraft (Martin van Creveld)
Der Genius des Krieges (Trevor N. Dupuy)
Den Krieg denken – Die Entwicklung der Strategie seit der Antike (Beatrice Heuser)
Der 2. Weltkrieg (C. Bertelsmann Verlag)
Der Grosse Atlas zum II. Weltkrieg (Peter Young)
Historical Atlas of World War Two – The Geography of Conflict (Ronald Story)
Krieg der Panzer (Piekalkiewicz)
Luftkrieg (Piekalkiewicz)
Zweiter Weltkrieg in Bildern (Mathias Färber)

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1 Kommentar zu „Militärische Leistungsfähigkeit im 2. Weltkrieg“

  1. Wührer

    Stellt man materielles Zahlenverhältnis der Ektivität gegenüber, so haben die Soltaten der Wehrmacht zwar fast allen Schlachten gewonnen- aber den Krieg verloren. An der Ostfront sah diese Ungleichgewicht noch gravierender aus.

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