Hermann Göring


Biografie von Hermann Göring: Ein Einblick in das Leben des Reichsmarschalls.

Reichsmarschall Hermann Göring
Reichsmarschall Hermann Göring, mutiger und erfolgreicher Jagdflieger des Ersten Weltkrieges, war in der NSDAP zweiter Mann hinter Hitler. Unter seiner Führung entwickelte sich die deutsche Luftwaffe bis in die ersten Kriegsjahre hinein schnell und erfolgreich. Später litt er immer mehr unter Entschlusskraft und mangelndem Arbeitswillen, verursacht durch Drogenkonsum zur Betäubung der Schmerzen einer Schussverletzung, welche er beim Hitler-Putsch erlitt.

Biografie Hermann Göring

Hermann Göring war eine zentrale Figur der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und ein prominenter deutscher Politiker in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.


An der Seite von Adolf Hitler zur Macht aufgestiegen, bekleidete Göring zahlreiche Führungspositionen innerhalb der NS-Hierarchie und wurde schließlich zu einem der einflussreichsten und prominentesten Führer des Dritten Reiches.

An der NS-Ideologie war er eigentlich kaum interessiert, als an der Macht und nutzte dies auch zu seiner schamlosen Bereicherung aus.

Seine politische Karriere war durch einen raschen Aufstieg und einen tragischen Fall gekennzeichnet und spiegelt die stürmische Epoche der deutschen Geschichte wider, in der er lebte.

Görings Einfluss erstreckte sich auf die Bereiche Politik, Militär und Wirtschaft.
Er gründete die Gestapo, diente als Oberbefehlshaber der Luftwaffe und wurde zeitweise zu Hitlers designiertem Nachfolger ernannt.

Hermann Göring
Hermann Göring (OKL und Ministerium für Vier-Jahres-Pläne bis April 1945)
Seine Rolle beim Aufstieg und Machterhalt der NSDAP war bedeutend, da er eine Schlüsselrolle bei der Inszenierung des Reichstagsbrandes und der anschließenden Errichtung eines totalitären Staates (u.a. Durchdrücken des Ermächtigungsgesetzes als Reichstagspräsident) spielte.

Seine Handlungen während des Zweiten Weltkriegs und seine Beteiligung am Holocaust machten ihn zu einem der berüchtigtsten Kriegsverbrecher dieser Zeit.

Trotz seiner frühen Leistungen als Jagdflieger im Ersten Weltkrieg, für die er mit dem Pour le Mérite ausgezeichnet wurde, wird Görings Vermächtnis von seinen späteren Verbrechen gegen die Menschlichkeit überschattet.

Nach der Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg wurde er in den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt.
Es gelang ihm jedoch, sich der Hinrichtung durch Selbstmord zu entziehen, und er hinterließ ein komplexes und dunkles Vermächtnis, das bis heute Gegenstand historischer Untersuchungen und Debatten ist.

Frühes Leben und militärische Laufbahn

Hermann Göring wurde am 12. Januar 1893 in Rosenheim, Bayern, geboren.

Er wuchs in einer privilegierten Familie auf, sein Vater war ein prominenter Richter und seine Mutter stammte aus einer wohlhabenden Familie. Göring genoss eine komfortable Erziehung und erhielt die beste Ausbildung.


Seine militärische Laufbahn begann mit dem Einsatz im Ersten Weltkrieg, wo er sich als Jagdflieger auszeichnete, und setzte sich in der Zwischenkriegszeit fort, in der sich sein politisches Engagement vertiefte.

Dienst im Ersten Weltkrieg

Göring trat 1912 in die preußische Armee ein und entwickelte schnell ein Interesse an der Luftfahrt.

Bis zum Oktober 1914 war er jedoch ein Infanterie-Offizier und kämpfte an der Westfront. Dann wechselte er jedoch zum Flugdienst und begann als Beobachter. Im Jahr 1915 ließ sich zum Piloten ausbilden.

Hermann Göring mit dem Pour le Merite
Hermann Göring mit dem Pour le Merite (Blauen Max) am Hals.
Seine Fähigkeiten in der Luft wuchsen schnell und brachten ihm eine Position als Jagdflieger ein.

Er stieg schnell auf und wurde ein hochdekorierter Jagdflieger. Görings Tapferkeit und Fähigkeiten brachten ihm den Respekt und die Bewunderung seiner Fliegerkollegen ein.

Im Laufe des Krieges wurden Görings Führungsqualitäten immer deutlicher. Er war nicht nur ein geschickter Pilot, sondern besaß auch einen scharfen strategischen Verstand. Er war bekannt für seine Fähigkeit, Situationen schnell zu analysieren und blitzschnelle Entscheidungen zu treffen. Dadurch erwarb er sich das Vertrauen seiner Vorgesetzten, die sich bei der Planung und Durchführung von Einsätzen häufig auf sein Fachwissen verließen.

Görings Erfolg im Militär war jedoch nicht ohne Herausforderungen. Er stand in dem Ruf, hitzköpfig und impulsiv zu sein und oft in der Hitze des Gefechts überstürzte Entscheidungen zu treffen. Dies führte manchmal zu unnötigen Risiken und Opfern. Trotzdem machten ihn sein unbestreitbares Talent und sein Charisma zu einer natürlichen Führungspersönlichkeit, und er wurde nach Richthofen Tods sogar zum Chef vom ‚Fliegenden Zirkus‘ ernannt.

1915: Erste Kampfeinsätze.
1916: Bekanntschaft mit Manfred von Richthofen (dem ‚Roten Baron‘).
1917: Er übernimmt das Kommando über die Jagdstaffel 26.
1918: Nachfolger von Richthofens als Führer des ‚Fliegenden Zirkus‘, offiziell als Jagdgeschwader 1 bekannt.

Während seiner Dienstzeit wurde Göring für seine Kampfleistungen ausgezeichnet und erhielt zahlreiche Orden, darunter den prestigeträchtigen Pour le Mérite im Mai 1918 und erzielte als Jagdflieger 22 anerkannte Luftsiege.

Zwischenkriegszeit

Nach dem Krieg verbrachte Göring einige Zeit in Österreich und Schweden, wo er manchmal Gelegenheitsarbeiten verrichtete und geschäftliche Unternehmungen entwickelte.
Er pflegte weiterhin seine Verbindungen zur Luftfahrt und zeigte großes Interesse an militärischen und politischen Entwicklungen.

1921: Heirat mit Carin von Kantzow, einer schwedischen Adligen.
1922: Rückkehr nach Deutschland.
1923: Eintritt in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP).
1924: Er zieht für die NSDAP in den Reichstag ein.

Görings Engagement in der NSDAP und sein späterer Aufstieg wurden maßgeblich von seinem militärischen Ruf und den Beziehungen beeinflusst, die er während seiner Dienstzeit aufgebaut hatte.

Aufstieg zur Macht

Hermann Görings Aufstieg innerhalb der NSDAP war ein Schlüsselfaktor für die Errichtung des totalitären Regimes in Deutschland.
Von seinem politischen Debüt bis zur Gründung der gefürchteten Gestapo war Görings Weg zur Macht von kritischen Ereignissen und Allianzen, insbesondere mit Adolf Hitler, geprägt.

Einstieg in die Politik

Göring als Führer der SA
Göring als Führer der SA 1922/23 in München.
Nachdem Herman Göring sich im Ersten Weltkrieg als Jagdflieger ausgezeichnet hatte, ging er in die Politik und trat 1922 der Nationalsozialistischen Partei (NSDAP) bei.

Er wurde schnell ein enger Mitarbeiter Adolf Hitlers und schätzte die nationalistischen Ideologien und die antikommunistische Haltung der Partei.
Sein Charisma und sein Status als Kriegsheld stärkten seine Position in den Reihen der Partei.

Görings Organisationstalent und Charisma verhalfen ihm anschließend zu mehr Einfluss innerhalb der Partei. Er wurde zum Leiter der SA (Sturmabteilung), der paramilitärischen Organisation der NSDAP, ernannt. Görings Führungsqualitäten wurden deutlich, als er die SA erfolgreich ausbaute und ihre Mitgliederzahl erhöhte.

Bürgerbräu-Putsch

Am 8. November 1923 war Göring eine prominente Figur beim Bürgerbräu-Putsch, einem versuchten Staatsstreich.

Die Nazipartei versuchte unter der Führung Hitlers, die bayerische Regierung und schließlich den Reichstag zu stürzen.
Obwohl der Putschversuch scheiterte und Göring schwer verletzt wurde und fliehen musste, stärkte seine Loyalität zu Hitler und der Sache die Beziehung der beiden und legte den Grundstein für seine zukünftige Rolle in der Partei.
1927 konnte er aufgrund einer Amnestie wieder nach Deutschland zurückkehren. Im Mai 1928 wurde er Abgeordneter im Reichstag.

Gründung der Gestapo

 Kabinett vom 30. Januar 1933
Das Kabinett vom 30. Januar 1933 nach der sogenannten ‚Machtübernahme‘. Vorne sitzend von links nach rechts Göring, Hitler und Papen. Obwohl es nur drei Mitglieder der NSDAP in dem Kabinett gab (der Dritte war Reichs-Innenminister Frick, der allerdings keine Befugnisse über die Polizei hatte, welche Ländersache war), gelang den Nazis kurze Zeit später die vollständige Machtübernahme und der Weg in die totale Diktatur.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler im Jahr 1933 wurde Göring zum Innenminister des Landes Preußen ernannt. Diese Position verlieh ihm erhebliche Macht und ermöglichte es ihm, seine Autorität zu festigen.

Als Innenminister setzte Göring verschiedene politische Maßnahmen um, die die Macht der NSDAP weiter festigten. Er beaufsichtigte die Schaffung der Gestapo, der Geheimpolizei, die für die Überwachung und Unterdrückung Andersdenkender zuständig war. Unter Görings Führung führte die Gestapo umfangreiche Überwachungen, Verhaftungen und Verhöre durch, um Angst zu verbreiten und den Machterhalt des NS-Regimes sicherzustellen.

Sie wurde zunächst in Preußen eingerichtet und entwickelte sich zu einem berüchtigten Instrument der Unterdrückung und Kontrolle, das für die Machtkonsolidierung der Nationalsozialisten unerlässlich war.
Göring nutzte seine Position, um die politische Opposition zu unterdrücken und die Kontrolle des NS-Regimes über den Staat zu festigen.

Schwedens König Gustav Adolf 1939
Schwedens pro-deutscher König Gustav Adolf (rechts) 1939, zusammen mit Hermann Göring. Allerdings empfand der König keine ausgesprochene Sympathie für die Nazis.
Görings Aufstieg zur Macht war auch durch seine Verwicklung in den Reichstagsbrand von 1933 gekennzeichnet. Nach dem Brand, für den kommunistische Aufwiegler verantwortlich gemacht wurden, nutzte Göring den Vorfall, um ein hartes Vorgehen gegen politische Gegner zu rechtfertigen. Er nutzte seine Position, um das Ermächtigungsgesetz durchzusetzen, das Hitler diktatorische Vollmachten verlieh und die Demokratie in Deutschland faktisch beendete.

Mit seinem zunehmenden Einfluss und seiner Kontrolle wurde Göring 1933 zum Reichsminister für Luftfahrt ernannt. In dieser Position konnte er den geheimen Aufbau der deutschen Luftwaffe durchführen. Göring spielte eine entscheidende Rolle bei der Umwandlung der deutschen Fliegerei in eine gewaltige Militärmacht, indem er sie mit modernen Flugzeugen ausstattete und ihre Taktik modernisierte.

Während seines Aufstiegs zur Macht blieb Göring ein loyaler Vertrauter Hitlers. Er war für seinen extravaganten Lebensstil bekannt, frönte dem Luxus und stellte seine Opulenz zur Schau. Görings Position und Reichtum festigten seinen Status innerhalb der NSDAP und machten ihn zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten in Hitlers innerem Kreis.

Mercedes 504K Roadster von 1937
Der extra für Göring gebaute Mercedes 504K Roadster von 1937 mit Panzerschutz. Hier nach seiner Erbeutung durch US-Soldaten 1945.

Der Zweite Weltkrieg und die Luftwaffe

Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring
Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring, zu diesem Zeitpunkt im Rang eines Generalfeldmarschalls, gratuliert den Männern des I/StG77 in Radom (Polen) im September 1939 für ihre erfolgreichen Kampfeinsätze während der ersten Phase des Polenfeldzuges. Andere höhere Luftwaffenbefehlshaber im Bildvordergrund sind: zweiter von rechts nach Göring, Generalmajor Wolfram von Richthofen, Kommandeur des Fliegerkorps zu welchem der Stuka-Verband gehört, vierter von rechts, Generaloberst Erhard Milch als Generalinspektor der Luftwaffe und fünfter von rechts, Generalleutnant Hans Jeschonnek als Chef des Stabes der Luftwaffe.

Hermann Göring spielte eine wichtige Rolle beim Ausbau der neuen deutschen Luftwaffe, die sich bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs zu einer beeindruckenden Streitmacht entwickelte, und führte sie in wichtigen Operationen, wie der Schlacht um England.

Schlagkraft der Luftwaffe ausbauen

Göring, Hitler
Göring als stolzer Oberbefehlshaber der Luftwaffe posiert vor Hitler.
Unter Görings Kommando erfuhr die Luftwaffe in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg eine rasche Expansion und Modernisierung.
Er war einer der Hauptverantwortlichen für die Umwandlung der deutschen Fliegerei in ein mächtiges militärisches Instrument, entgegen der durch den Vertrag von Versailles auferlegten Beschränkungen.

Nachdem die deutschen Luftstreitkräfte 1935 öffentlich gemacht wurde, übernahm Göring offiziell den Posten des Oberbefehlshabers der Luftwaffe. 1938 wurde er zum Generalfeldmarschall befördert und schließlich 1940 zum Reichsmarschall.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war die Luftwaffe zu einem bedeutenden Teil der deutschen Militärmacht geworden, wobei der Schwerpunkt auf taktischen Bombenangriffen und der Unterstützung der Bodentruppen lag.

Anzahl der Flugzeuge im Jahr 1939: Über 4.000
Wichtigste Flugzeugtypen: Messerschmitt Bf 109, Junkers Ju 87 Stuka.
Aufgaben: Luftüberlegenheit, Bodenunterstützung, taktische Bombardierung
Gegner: Alliierte Luftstreitkräfte

Führer mit den neu erannten Marschällen
Der Führer mit den nach dem Sieg über Frankreich neu ernannten Marschällen. Im Bild von links nach rechts sind die Generalfeldmarschälle Keitel, von Rundstedt, von Bock, Reichsmarschall Hermann Göring, Adolf Hitler, die Generalfeldmarschälle von Brauchitsch, Ritter von Leeb, List, von Kluge, von Witzleben, von Reichenau.

Schlacht um England

Während der Schlacht um England 1940 wurde Görings Vertrauen in die Luftwaffe auf die Probe gestellt.

Ziel der deutschen Luftwaffe war es, die Luftüberlegenheit über die Royal Air Force (RAF) zu erlangen, als Vorstufe zu einer möglichen Invasion Großbritanniens, die unter dem Codenamen Unternehmen Seelöwe lief.

Die anfängliche Strategie der Luftwaffe konzentrierte sich auf die Zerstörung der Infrastruktur und der Flugzeuge der RAF, doch später ging sie dazu über, britische Städte zu bombardieren.

Göring gegenüber den Kreidefelsen von Dover
Göring (dritter von rechts) und sein Stab beobachten persönlich die ‚Schlacht um London‘ an der engsten Stelle des Kanals gegenüber den Kreidefelsen von Dover.

Phase 1: Angriffe auf Schiffe und RAF-Flugplätze (Juli-August 1940)
Phase 2: Der Blitz – Bombardierung britischer Städte (September 1940-Mai 1941)
Das Ergebnis: Der Luftwaffe gelang es nicht, die Luftüberlegenheit zu erlangen.

Trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit und anfänglicher Erfolge konnte die Luftwaffe keine dauerhaften Operationen gegen die gut organisierte Verteidigung der RAF durchführen.

Dieses Scheitern markierte einen Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg und machte die Unzulänglichkeiten in Görings Führung deutlich. Er unterstrich auch die entscheidende Bedeutung der Luftmacht in der modernen Kriegsführung.

Görings extravaganter Lebensstil und seine Korruption untergruben sein Ansehen innerhalb der NSDAP weiter. Zwischenzeitlich hatte er zahlreiche Ämter angehäuft, welche er nicht mehr alle richtig ausfüllen konnte. Dazu blieb er zunehmend häufiger dem Dienst fern, sodass er nur noch wenig Zeit für die Organisation der Luftwaffe aufwenden konnte. Und wenn er es doch tat, waren seine Eingriffe eher schädlich.

HG-Wachkompanie in Karinhall
HG-Wachkompanie in Karinhall, dem Landsitz Görings.

Göring zum 10. Jahrestag der Machtergreifung
Reichsmarschall Göring hält im Reichsluftfahrtministerium die Leichenrede der 6. Armee in Stalingrad, anschließend ‚Thermopylen-Rede‘ genannt wegen des Vergleichs mit dem spartanischen Heldenmythos.
Seit dem Desaster mit seiner versprochenen Luftversorgung der eingeschlossenen 6. Armee im Kessel von Stalingrad nahm Görings persönlicher Einfluss ab 1943 zunehmend ab. Hinzu kamen noch die ständig zunehmenden Luftangriffe gegen deutsche Städte – entgegen seinen ursprünglichen Verspechen, ‚er wolle Maier heißen‘, wenn auch nur ein feindlicher Bomber das Ruhrgebiet erreichen würde.

In den letzten Tagen des Krieges versuchte Göring, Hitler die Macht zu entreißen, doch sein Handeln wurde als Verrat angesehen. Hitler entzog ihm am 23. April 1945 seine Titel und schloss ihn aus der Partei aus.

Der Holocaust und die Kriegsverbrechen

Als führende Persönlichkeit der Nazipartei spielte Hermann Göring eine wichtige Rolle beim Holocaust und wurde nach der Niederlage Nazi-Deutschlands für verschiedene Kriegsverbrechen zur Rechenschaft gezogen.

Rolle bei der Judenverfolgung

Adolf Hitler
Hitler und Göring im vorgeschobenen Führerhauptquartier in Winniza, Sommer 1942.
Hermann Göring war maßgeblich an der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung während des Holocaust beteiligt.

Als Hitlers Stellvertreter spielte Göring eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Endlösung, einem Plan zur Ausrottung der jüdischen Bevölkerung. Er beaufsichtigte die Beschlagnahmung jüdischen Eigentums und die Zwangsauswanderung der Juden aus Deutschland.

Görings Beteiligung am Holocaust beschränkte sich nicht auf administrative Aufgaben. Er nahm aktiv am Entscheidungsprozess teil und spielte eine entscheidende Rolle bei der Koordinierung des Völkermordes. Göring nahm an Sitzungen teil, in denen die Ausrottung der Juden besprochen wurde, und er war dafür verantwortlich, dass die für die Durchführung dieser Gräueltaten erforderlichen Mittel bereitgestellt wurden.

Darüber hinaus trugen Görings persönlicher Ehrgeiz und seine Habgier zu seiner Verwicklung in weitere Kriegsverbrechen bei. Er ließ wertvolle Kunstwerke und andere Kulturschätze aus den besetzten Gebieten beschlagnahmen und baute eine umfangreiche persönliche Sammlung auf. Görings Handlungen zeugten von einer völligen Missachtung des Lebens und des kulturellen Erbes der vom NS-Regime Verfolgten.

Im Jahr 1941 erteilte er dem SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich die Erlaubnis, die sogenannte Endlösung der Judenfrage vorzubereiten und durchzuführen, was zum Massenmord an den Juden in ganz Europa führte.

Er leitete die Vertreibung der jüdischen Bürger und ihres Vermögens, was zu ihrer Deportation in Konzentrationslager führte.

Reichsmarschall Görings Handlungen trugen direkt zum Tod von Millionen von Menschen und zum Leiden unzähliger anderer während der Durchführung des Holocausts bei.

Nürnberger Prozesse

Nürnberger Prozeß
Göring, Hess, Rbbentrop, Keitel, Kaltenbrunner (v.l.n.r.) beim Nürnberger Prozess vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Hermann Göring von den Amerikanern im Mai 1945 verhaftet und bei den Nürnberger Prozessen vom Internationalen Militärgerichtshof wegen seiner Rolle bei Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt.

Die Ankläger hoben seine zentrale Beteiligung sowohl an der Durchführung des Krieges als auch an den unter dem NS-Regime begangenen Gräueltaten hervor.

Göring und andere hochrangige Beamte sahen sich mit Beweisen für ihre Beteiligung am systematischen Völkermord an den Juden und der grausamen Behandlung von Kriegsgefangenen und Zivilisten konfrontiert. Er wurde in allen Anklagepunkten für schuldig befunden, nahm sich aber das Leben, bevor er hingerichtet werden konnte.

Persönliches Leben und Niedergang

Göring, Emmy Sonnemann, Tochter Edda
Görings zweite Frau, die Schauspielerin Emmy Sonnemann, mit der gemeinsamen Tochter Edda.

Das Privatleben von Hermann Wilhelm Göring war geprägt von ausschweifenden Exzessen, Morphiumsucht und einem Niedergang, der in seinem Tod gipfelte.

Seine beiden Ehen mit Emmy Sonnemann und zuvor mit Baronin Carin von Kantzow spielten eine wichtige Rolle in seinem Leben außerhalb seiner politischen und militärischen Aktivitäten.

Drogensucht

Göring kämpfte mit einer Morphiumsucht, die begann, nachdem ihm das Medikament wegen der Schmerzen einer Schusswunde, die er sich beim Bürgerbräu-Putsch 1923 zugezogen hatte, verschrieben worden war.

Seine Morphin-Abhängigkeit hielt über viele Jahre an und beeinträchtigte seine Gesundheit und sein Verhalten. Die Sucht war ein ständiger Kampf und beeinflusste seine persönlichen und politischen Entscheidungen.

Kunstraub

Ein Aspekt von Görings Vermächtnis, der ausführlich untersucht worden ist, ist seine Faszination für Kunst und seine Beteiligung an der Plünderung wertvoller Kunstwerke während des Krieges.

Als Chef der Luftwaffe hatte Göring Zugang zu wichtigen Kulturstätten und Sammlungen in ganz Europa. Er nutzte diese Position, um eine bedeutende persönliche Kunstsammlung anzulegen, die Meisterwerke von berühmten Künstlern wie Rembrandt, Vermeer und Raffael umfasste.
Das ging so weit, dass selbst die SS unter Himmler zeitweise wegen Kunstraubes ermittelte, als Soldaten der Fallschirm-Panzer-Division Hermann Göring aus eigenem Antrieb die Kunstschätze ohne das Wissen Görings aus dem bedrohten Kloster Monte Cassino evakuierten.

HG-Soldaten mit Gemälde aus der Cassino-Sammlung
Soldaten der HG präsentieren eines der unschätzbaren Gemälde aus der Cassino-Sammlung vor dem Verpacken zum Abtransport nach Rom.

Görings Liebe zur Kunst beschränkte sich jedoch nicht nur auf das Sammeln; er spielte auch eine Schlüsselrolle bei der systematischen Plünderung von Kulturschätzen in den besetzten Gebieten. Er gründete den Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR), der für die Plünderung von Kunstwerken jüdischer Sammler und Institutionen zuständig war. Die gestohlenen Kunstwerke waren für Hitlers geplantes Führermuseum in Linz, Österreich, bestimmt.

Nach dem Krieg wurden Anstrengungen unternommen, die gestohlenen Kunstwerke wiederzufinden und ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben.
Viele von Görings geraubten Schätzen wurden an verschiedenen Orten entdeckt, darunter in Salzbergwerken und Schlössern. Der Prozess der Rückgabe hat sich als schwierig erwiesen, da das Eigentum an einigen Kunstwerken nach wie vor umstritten ist und die ursprünglichen Eigentümer oder ihre Erben oft schwer ausfindig zu machen sind.

Görings Verstrickung in diesen Kunstraub und die Plünderung von Kulturschätzen hat anhaltende Debatten über die Verantwortung von Sammlern, Museen und Regierungen im Umgang mit gestohlenen Kunstwerken ausgelöst. Seine Handlungen haben die Bedeutung ethischer Praktiken auf dem Kunstmarkt und die Notwendigkeit fortgesetzter Bemühungen um die Identifizierung und Rückgabe von Raubkunst an ihre rechtmäßigen Eigentümer deutlich gemacht.

Letzte Jahre und Tod

Dönitz, Keitel, Himmler, Bormann, Göring
Göring (vorne) im Gespräch mit Keitel (links), Admiral Dönitz (Mitte), Himmler und Reichsleiter Bormann (rechts).
In den letzten Jahren seines Lebens schwand Hermann Görings Einfluss, als Deutschland im Zweiten Weltkrieg eine Niederlage drohte.

Er wurde von den Alliierten gefangen genommen und in den Nürnberger Prozessen verurteilt.

Vor seinem geplanten Tod durch Erhängen beging Göring Selbstmord, indem er eine Zyanid-Kapsel in einem Tiegel mit Hautmedikamenten versteckte.

Er starb am 15. Oktober 1946, nur wenige Stunden vor seiner Hinrichtung.

Seine Frau Emmy Sonnemann überlebte ihn und sie hatten eine Tochter.

 


 
 


Häufig gestellte Fragen

In diesem Abschnitt werden einige der am häufigsten gestellten Fragen zu Hermann Göring behandelt und auf der Grundlage historischer Aufzeichnungen kurz und bündig beantwortet.

Wie ist Hermann Göring gestorben?

Hermann Göring starb am 15. Oktober 1946 durch Selbstmord, indem er Kaliumcyanid zu sich nahm. Er sollte nach seiner Verurteilung in den Nürnberger Prozessen hingerichtet werden.

Wie war der familiäre Hintergrund von Hermann Göring?

Hermann Göring wurde am 12. Januar 1893 in einer wohlhabenden bayerischen Familie geboren.
Sein Vater, Heinrich Ernst Göring, war ein ehemaliger Kavallerieoffizier und wurde der erste Generalgouverneur des deutschen Protektorats Südwestafrika, dem heutigen Namibia.

Wie hieß(n) die Frau(en) von Hermann Göring?

Hermann Göring war zweimal verheiratet.

Seine erste Frau war Carin Göring (geborene Fock), die er 1923 heiratete. Nach ihrem Tod im Jahr 1931 heiratete er 1935 seine zweite Frau, Emmy Göring (geb. Sonnemann), eine deutsche Schauspielerin.

Wo wurde Hermann Göring nach seinem Tod beigesetzt?

Nach seinem Tod wurde Hermann Görings Leichnam eingeäschert, und seine Asche wurde an einem unbekannten Ort verstreut, um zu verhindern, dass ein Ort zu einem potenziellen Wallfahrtsort wird.

Was sind einige der wichtigsten Höhepunkte aus Hermann Görings frühem Leben?

In seiner Jugend war Hermann Göring Jagdflieger im Ersten Weltkrieg und Träger des Pour le Mérite, des damals höchsten preußischen Militärordens.

Er war auch der letzte Kommandeur des berühmten Jagdgeschwaders 1, des Jagdgeschwaders, das einst vom ‚Roten Baron‘ Manfred von Richthofen geführt wurde.

Was kann man über Hermann Görings Kommando in der Luftwaffe sagen?

Hermann Göring war von 1935 bis 1945 Oberbefehlshaber der Luftwaffe.

Unter seiner Führung war die Luftwaffe zunächst beeindruckend, litt aber schließlich unter strategischen Fehlern und wurde im Zweiten Weltkrieg von den Alliierten niedergerungen.


Quellenangaben und Literatur

Göring: Eine Karriere (Guido Knopp) [*Anzeige]
Luftwaffe Handbook (Dr Alfred Price)
Chronology of World War II (Christopher Argyle)

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