Wieso griff Hitler Sowjetrussland an ?


Wieso griff Hitler Sowjetrussland an ?

Ribbentrop verkündet Russland-Krieg
Am 22. Juni 1941 verkündet der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop den Ausbruch des Krieges gegen die Sowjetunion.

Angesichts der nachfolgenden Ereignisse erscheint Hitlers Entschluss, Russland anzugreifen, als purer Wahnsinn. Bereits Napoleon hatte in dem Feldzug von 1812 den Beginn seines unrühmlichen Endes gefunden.
War das gewagte Spiel die Folge des illusorischen Gefühls der Unfehlbarkeit, die der triumphale Sieg über Frankreich erzeugte ? Bildete diese Entscheidung das finale Ende einer von Grund auf unlogischen Ideologie, eines irrationalen Wahns, der sich die Vernichtung des ‚jüdischen Bolschewismus‘ zum Ziel gesetzt hatte ?

Wieso griff Hitler Sowjetrussland an ?

Erich Ludendorff und Adolf Hitler
Erich Ludendorff und Adolf Hitler nach der Gerichtsverhandlung vor dem Münchner Sondergericht im März 1924.
Im Juni 1941 drangen deutsche Truppen nicht zum ersten Mal nach Russland vor. Bereits im Ersten Weltkrieg wurden große Teile des Landes bis zum Kriegsende erobert und besetzt und das Bild, das die Deutschen aus dieser Zeit gewannen, war nicht besonders positiv. Der damalige deutsche Generalstabschef Ludendorff stand Anfang der Zwanziger Jahre in engen Kontakt zu Hitler und hatte bis zum Fiasko des Münchener Putsches (1923) Einfluss auf dessen Russland-Bild. Bereits in ‚Mein Kampf‚ (1926) schreibt Hitler: ‚Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewusst einen Strich unter die außenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete … wir weisen den Blick nach dem Land im Osten‘. Das ‚Lebensraum‘-Konzept war geboren.

Diese Idee war niemals ein genau ausgearbeiteter Plan, sondern eher eine durch Hitlers fest verankerter Ideologie getragenes Wunschdenken, welches er durch Nutzung von Gelegenheiten und mit einer flexiblen Methodik zu erreichen gedachte.
Die Weltanschauung Hitlers bestand aus durch pseudo-wissenschaftliche Rassentheorien hergeleiteten Sozialdarwinismus des 19. Jahrhunderts, zusammengewürfelt mit seinen Erfahrungen aus seiner Wiener Zeit und den Erlebnissen während des Ersten Weltkrieges. Dazu gehörte der Mythos nach dem verlorenen Krieg, dass die Ursache eine ‚Weltverschwörung‘ von ‚Judentum‘ und ‚Bolschewismus‘ war. Gleichzeitig würde dessen Beseitigung im Osten auch das Problem der deutschen ‚Raumfrage‘ lösen, womit er vermutlich neben Polen auch schon immer an das europäische Russland gedacht hatte.

Hitler besaß ein hoch entwickeltes Gespür für die Schwächen der anderen. Die außenpolitischen Erfolge, die er vor 1939 erzielte, beruhten hauptsächlich auf der Intuition des Tyrannen sowie der instinktiven Bereitschaft des Glücksspielers, große Risiken einzugehen.

Im August 1939 schloss Hitler mit atemberaubendem Zynismus (in dem ihm Stalin in nichts nachstand) mit seinem eigentlich ‚ideologischen Erzfeind‘, der Sowjetunion, einen Nichtangriffspakt.
Doch nur wenige Tage vor diesem dramatischen Schritt äußerste er gegenüber dem Hohen Kommissar des Völkerbundes in Danzig, Carl Burckhardt, dass ‚alles, was ich unternehme, gegen Russland gerichtet ist. Wenn der Westen zu dumm und zu blind ist, um dies zu begreifen, werde ich gezwungen sein, mich mit den Russen zu verständigen, den Westen zu schlagen und dann nach der Niederlage mich mit meinen versammelten Kräften gegen die Sowjetunion zu wenden‘.

Daher war Hitlers an keinen festen Ablauf oder Termin fixiertes Programm zur Bekämpfung von ‚Judentum‘ und ‚Bolschewismus‘ nach dem Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt mit dem noch bedeutenderen Zusatzprotokollen über die Aufteilung Polens und der Absteckung der beiderseitigen Interessensphären in Osteuropa, sowie dem Handelsabkommen, welches die britisch-französische Seeblockade gegen Deutschland praktisch wirkungslos machte, nur ausgesetzt – aber nicht aufgehoben.
Hitlers Schlussfolgerungen aus dem Ersten Weltkrieg mit Mehrfrontenkrieg, Seeblockade und Eingreifen der U.S.A. ließen es ihm geraten schienen, seine ‚Russland-Abenteuer‘ erst nach einer Serie von überfallartigen Blitzkriegen gegen seine anderen Feinde anzugehen.

Hitlers Empfang in Berlin
Menschenmassen jubeln Hitler bei seiner Rückkehr ‚aus dem Felde‘ in Berlin zu.

Am 6. Juli 1940 kehrte Hitler nach dem Sieg im Westen im Triumph nach Berlin zurück. Es war der grandioseste Empfang, der ihm jemals bereitet wurde. Nur noch Großbritannien schien dem endgültigen Sieg im Weg zu stehen.
Doch Hitlers Militärberater und sogar der Diktator selbst waren sich keineswegs sicher, dass der britische Widerstand so schnell zu brechen sein würde, zumal sich hinter Großbritannien der drohende Schatten der USA erhob. Die untergründige Furcht wurde zwar selten ausgesprochen, war aber gleichwohl vorhanden: Sollten die Vereinigten Staaten ihre gewaltige Macht und ihren Reichtum mobilisieren und wie 1917 in den Krieg eintreten, würden die Chancen für einen deutschen ‚Endsieg‘ schlagartig sinken.
Mit anderen Worten, die Zeit war wieder einmal nicht aufseiten Deutschlands. Das Risiko wäre beim Warten größer als beim Handeln, erklärte Hitler, was auch seine Spieler-Mentalität verstärkte.

Schon eine Stunde nach seiner Reichstagsrede vom 19. Juli 1940, in der Hitler Großbritannien zum Frieden aufforderte, erfuhr er aus den ersten Presseberichten von der frostigen Reaktion Londons auf seinen ‚Appell an die Vernunft‘. Am 22. Juli gab der britische Außenminister Lord Halifax in einer Rundfunkansprache bekannt, was Hitler bereits wusste: dass das Empire die Möglichkeit eines Verhandlungsfrieden nicht in Erwägung ziehe und zum Kampf entschlossen sei.
Bereits einen Tag vor Halifax Rede hatte Hitler die kategorische Ablehnung seines ‚Appells‘ akzeptiert und vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht erstmals über die Möglichkeit gesprochen, noch im selben Herbst die Sowjetunion anzugreifen.

Am 31. Juli 1940 teilte er der erstaunten Generalität mit: ‚Ist aber Russland zerschlagen, dann ist Englands letzte Hoffnung getilgt. Der Herr Europas und des Balkans ist dann Deutschland. Entschluss: Im Zuge dieser Auseinandersetzung muss Russland erledigt werden, im Frühjahr (Mai) 1941.‘
Dies war die am weitesten reichende Entscheidung des 2. Weltkrieges.
Und sie war ohne direkte Not gefällt worden, also keineswegs, um einem unmittelbaren Angriff der Sowjetunion zuvorzukommen. Selbst Hitler hatte noch zehn Tage zuvor festgestellt, dass Russland keinen Krieg mit Deutschland wolle.

Aber genauso wenig hatte das Militär oder eine andere Lobby der deutschen Machteliten diesen Angriff gefordert. Vielmehr hatten Oberbefehlshaber und Generalstabschef des Heeres noch am Tag zuvor gefordert, ‚dass man besser mit Russland Freundschaft hält‘.

Allerdings beruhte die Einschätzung, dass die Sowjets sich rein ‚defensiv‘ verhalten, auf die Berichte des Botschafters Werner Graf von Schulenberg und des Militärattachés, General Ernst August Köstring. Als die deutsche Luftaufklärung bis Mitte 1941 den Aufmarsch von etwa 246 sowjetischen Divisionen an der deutsch-russischen Grenze feststellte, war Hitler von einem vorgesehenen Angriff Stalins überzeugt und betrachtete die vorausgegangenen Informationen als Täuschung.


Tatsächlich erklärte Stalin bereits in einer Rede am 10. März 1939 in Moskau, dass die Nichteinmischung der Sowjetunion den Kriegstreibern im Westen die Gelegenheit geben würde, sich tief in den Sumpf des Krieges zu verstricken, bis er selbst einschreiten und den geschwächten Gegnern seine Bedingungen aufzwingen könnte.
Am 25. August 1939 erschien dann in einer Schweizer Zeitung die durchgesickerte Rede vor dem Politbüro vom 19. August, dass es das ‚Ziel sein muss, dass Deutschland lange genug Krieg führen kann, um England und Frankreich zu schwächen. Sollte Deutschland gewinnen, wird es so geschwächt daraus hervorgehen, dass es die nächsten zehn Jahre keinen Krieg führen kann.‘
Zwar bestritt die Prawda später den Artikel, aber 1994 tauchte Stalins Originaltext aus den ehemaligen sowjetischen Archiven auf.

So war der schnelle Zusammenbruch Frankreichs für Stalin ein heftiger Schock. Was die Deutschen betrifft, so hatten sie in den Augen Stalins nicht nur ihre militärischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt, sondern sich selbst – und zwar mit sowjetischer Unterstützung – enorme Möglichkeiten zur weiteren Expansion im Westen, Mittelmeerraum und Afrika eröffnet. Unter diesen Umständen hatte Deutschland aus der Sicht Moskaus alle Anreize, seine guten Beziehungen zur Sowjetunion aufrechtzuerhalten, welche so enorme Möglichkeiten eröffnet hatten. Dazu bestand noch die Möglichkeit für die Sowjetunion über die Aufteilung weiterer Beute zu sprechen.

Bis neue deutsch-sowjetische Besprechungen über derartige Dinge eingeleitet werden konnten, war es auch der Sicht Moskaus wohl am besten, mit dem Dritten Reich möglichst gut auszukommen. In diesem Zusammenhang ist die entgegenkommende Haltung der Sowjetunion gegenüber deutschen Wirtschafts- und Marinewünschen im Sommer 1940 zu verstehen.
Die neue Situation auf dem Kontinent – die Tschechoslowakei ist verschwunden, Polen, Norwegen, Dänemark, die Niederlande und Frankreich waren erobert – erschien für Moskau in Ordnung. Überall in der ganzen Welt riefen die kommunistischen Parteien in der Komintern zum Frieden auf: insbesondere Großbritannien sollte die neue Situation akzeptieren und die Feindseligkeiten beenden.

Am 17. Juli 1940 erklärte Sir Orme Sargent, damals stellvertretender Unterstaatssekretär im britischen Außenministerium, dass es seine eigene und die Ansicht des Außenministeriums wäre, dass die Deutschen und die Sowjets wahrscheinlich weiterhin zusammenarbeiten würden, wenn auch in einer eher konkurrierenden Weise. Die Sowjetunion sah wie Deutschland in Großbritannien den größten Feind und würde sich nicht auf die britische Seite stellen.

Trotzdem gingen sowohl Stalin als auch Hitler über ihre gegenseitig abgesteckten Interessengrenzen. Stalin drohte sowohl Finnland als auch Rumänien mit einem neuen Krieg. Hitler reagierte empfindlich wegen der Bedeutung der rumänischen Erdölfelder für die deutsche Kriegsindustrie und schickte entgegen der Vereinbarung mit Stalin sogenannte ‚Lehrtruppen‘ nach Rumänien und ließ die norwegische Ostgrenze im hohen Norden befestigen.

Hitler spürte nun schon seit einiger Zeit, dass er trotz des großen Sieges im Westen kaum noch Entscheidungsspielraum hatte und das die Zeit gegen Deutschland arbeitete. Alle Möglichkeiten, noch das kommende Bündnis der Angelsachsen Großbritannien und U.S.A. aufzuhalten, schienen ausgereizt. Der prekäre Zustand der deutsch-sowjetischen Beziehungen wurde sowohl in London als auch in Washington zuversichtlich registriert.

Das Wirtschaftsministerium machte Hitler zwischenzeitlich auch darauf aufmerksam, dass man sich für einen langen Krieg gegen Großbritannien und womöglich auch gegen die USA wappnen müsse – und dass man dazu weit mehr brauche, als man gegenwärtig aus der Sowjetunion nach dem Hitler-Stalin-Pakt an Lebensmitteln und Rohstoffen erhalte. Sich in zunehmende Abhängigkeit von der Sowjetunion zu begeben, war für Hitler unannehmbar. Er pflichtete Wirtschaftsminister Funk darin bei, dass der großdeutsche Wirtschaftsraum nicht von Kräften und Mächten abhängig werden dürfe, auf die man keine Kontrolle habe.
Diese Ansicht wurde in führenden Kreisen von Wehrmacht, Wirtschaft und Bürokratie geteilt, weshalb der Angriff auf die Sowjetunion in diesen entscheidenden Kreisen auf keinen großen Widerstand treffen konnte.

Kreuzer Lützow im Schlepp nach Leningrad
Der noch unfertige Schwere Kreuzer Lützow wird im Austausch für Rohstoffe und Lebensmittel nach Leningrad geschleppt.

Auch in der Wehrmachtführung stieß Hitlers einsamer Entschluss nicht auf entschlossenen Widerspruch. Tatsächlich hatte der Generalstab des Heeres, das Kommende schon ahnend, Machbarkeitsstudien schon Wochen zuvor angefertigt. Die Militärführer waren sich der strategischen Lage ebenso bewusst wie Hitler. Sie nahmen an, dass Großbritannien weder durch eine Invasion noch durch Bombenangriffe in die Knie gezwungen werden könne.
Sie entwarfen allerdings auch keine eigene Strategie, wie der endgültige Sieg errungen werden könnte. Darüber hinaus unterschätzten sie wie Hitler die Rote Armee erheblich, insbesondere nach den dürftigen Leistungen im Winterkrieg gegen Finnland.

Der geplante, nur kurz zu dauernde Ostfeldzug versprach nicht nur die Hegemonie auf dem europäischen Kontinent, sondern auch den endgültigen Sieg in diesem Krieg. Danach würde irgendwann in der Zukunft die Auseinandersetzung mit den USA folgen. Ideologie und militärstrategische Überlegungen standen in Hitlers Vorstellung über den Angriff auf die Sowjetunion nicht in Widerspruch zueinander. Vielmehr gingen sie Hand in Hand!

button go Teil II: Hatte Hitler Alternativen zum Russland-Feldzug ?


Quellenangaben und Literatur

Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Band 1-8 (Percy E. Schramm)
A World at Arms – A Global History of World War II (Gerhard L. Weinberg)
Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier (Henry Picker)
Wendepunkte (Ian Kershaw)
Der 2. Weltkrieg (C. Bertelsmann Verlag)
Zweiter Weltkrieg in Bildern (Mathias Färber)
Stalins geheime Kriegspläne (Richard Tedor)


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5 Kommentare zu „Wieso griff Hitler Sowjetrussland an ?“

  1. „Und sie (die Entscheidung, die SU anzugreifen) war ohne direkte Not gefällt worden, also keineswegs, um einem unmittelbaren Angriff der Sowjetunion zuvorzukommen“ (https://www.weltkrieg2.de/wieso-griff-hitler-russland-an/)

    widerspricht

    Ihrem Kommentar zu Molotovs Forderungen:
    „Da Hitler also nicht das Glücksspiel um die Weltmacht zu seinen Bedingungen und Zeitpunkt beenden konnte und die Chancen auf längere Sicht gegen Deutschland standen und da es auch keine ‘Ausstiegsklausel’ gab, konnte er nur – wie immer – den nächsten kühnen Schritt nach vorne wagen“(https://www.weltkrieg2.de/hatte-hitler-alternativen-zum-russland-feldzug/)

  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Halder
    Der Posten Becks wurde zum 1. September 1938[3] Halder übertragen. Halder und Beck gehörten einer Gruppe von Verschwörern an, die für den Fall einer militärischen Reaktion Großbritanniens auf die Sudetenkrise 1938 die Absetzung Hitlers geplant hatten. Das Münchner Abkommen mit den Zugeständnissen Chamberlains an Hitler entzog dem Kreis der Verschwörer, der hauptsächlich aus hochrangigen Militärs bestand, jede plausible Rechtfertigung für einen Putsch

    Hm ein Verräter aus dem Militär, das macht ihn irgendwie nicht sehr glaubwürdig.

  3. Bereits einen Tag vor Halifax Rede hatte Hitler die kategorische Ablehnung seines ‘Appels’ akzeptiert und vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht erstmals über die Möglichkeit gesprochen, noch im selben Herbst die Sowjetunion anzugreifen.

    Da hätte ich dann doch gerne die genaue Quelle und den exakten Wortlaut … denn es fällt mir mehr als schwer zu glauben, daß Hitler ausgerechnet im Herbst – also kurz vor dem (russischen!) Winter (von dem auch der deutschen Führung wohl bekannt gewesen war, daß es dort hin und wieder zu … nun ja, Frost kam) – die Sowjetunion hätte angreifen wollen.

    Denn wenn die Wehrmacht eineinhalb Jahre später feststellen mußte, daß sie keine Winterausrüstung hatte (z.B. entsprechende Öle und Schmierstoffe für die Panzer und Fahrzeuge), dann hätte sie im Herbst 1940 erst recht keine gehabt. Von daher also: Bitte Quelle und genauen Wortlaut der Hitlerschen Überlegungen.

    Ach, und … nur so nebenbei: Es handelte sich bei dem stattgefunden habenden Krieg um einen Krieg gegen die Sowjetunion und nicht gegen Rußland – diese beiden politischen Entitäten waren vollkommen unterschiedliche Gebilde, wenngleich die Sowjetunion zweifellos sozusagen ‚russische Gene‘ hatte.

    Und sie war ohne direkte Not gefällt worden, also keineswegs, um einem unmittelbaren Angriff der Sowjetunion zuvor zu kommen. Diese Rechtfertigung wurde erst später vorgeschoben, selbst Hitler hatte noch zehn Tage zuvor festgestellt, daß Russland keinen Krieg mit Deutschland wolle.

    Auf welchen Termin beziehen Sie die „noch zehn Tage zuvor…“ – zehn Tage vor welchem Zeitpunkt also?

    Davon abgesehen hat Suworov (Resun) den Zeitpunkt des (eigentlichen) Beginns des Zweiten Weltkrieges auf den 19. August 1939 (Politbürositzung) festgelegt, an dem natürlich auch implizit der Angriff auf das Deutsche Reich beschlossen wurde.

    1. 1) Halder, Kriegstagebuch Band II, S. 21 (Eintrag 13. Juli 1940). Im übrigen wollte Hitler sogar im Winter 1939/40 mehrmals Frankreuch angreifen, also kein ungewöhnlicher Wunsch des Führers auf einen schnellen ‚Blitzkrieg‘ unter risikoreichen Bedingungen.
      2) Nur nebenbei: Ich verwende in allen Beiträgen gewöhnlich ‚Russland‘ statt ‚Sowjetunion‘ so wie oft ‚Deutschland‘ statt ‚Deutsches Reich‘ da in unserer Zeit und zumeist jüngere Menschen diese Begriffe leichter einordnen können und sie auch gängigerer handbar sind und zudem den gleichen Staat repräsentieren, welcher ja lediglich knapp über 70 Jahre der vielen Jahrhunderte russischer Geschichte ausmachen (KISS-Prinzip: Keep it simple and stupid)
      3) Halders Kriegstagebuch Band II, S.33 – Eintrag vom, 21. Juli 1940.
      Die gesamten Quellen und Angaben können Sie gerne in ‚Wendepunkte – Schlüsselentscheidungen des 2. Weltkriegs‘ nachschlagen (siehe Buch-Anzeige im Artikel).

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