Hitlers Kriegserklärung an die USA


Teil II zu: Warum erklärte Hitler den USA den Krieg ?

Hitler erklärt USA den Krieg
Hitler verkündet vor dem Reichstag die deutsche Kriegserklärung an die USA.

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Der Weg zum ‚echten‘ Weltkrieg

General Hideki Tojo
General Hideki Tojo (1884-1948), japanischer Ministerpräsident seit dem 18. Oktober 1941 und Chef des Generalstabes, auch genannt Lamasori (‚das Rasiermesser‘). Führte Japan im Dezember 1941 in den Krieg gegen die USA und das britische Weltreich.

Zwischenzeitlich sah es so aus, dass der Sieg gegen Russland zum Greifen nah war, sodass sich Hitler wohl Gedanken darum machte, wie er den ‚Endsieg‘ erreichen könnte. Dafür spielte die USA eine große Rolle und so gab es verschiedene Gespräche mit dem japanischen Botschafter zu diesem Thema.
Hierfür gab es zwei Möglichkeiten: entweder lässt der Sieg über Russland die USA von einem Kriegseintritt absehen, oder aber er ermöglicht es, durch die hinzugewonnen Ressourcen und die Ausschaltung des letzten möglichen Gegners im Rücken, Krieg gegen sie zu führen.
Anfang August 1941 änderte sich jedoch die Lage. Generalstabschef Halder notierte dazu ‚Koloss Russland ist unterschätzt worden‘. Es war abzusehen, dass der Krieg über den Winter dauern würde und zu einem Abnutzungskampf führen würde.
Anschließend wechselte in Japan die Regierung durch die Amtsübernahme des bekannten ‚Hardliner‘ Tojo, da es zu keine für Tokio annehmbaren Bedingungen bei den Verhandlungen mit Washington kam. Deshalb fragte Mitte November 1941 die Abteilung für fremde Heere im japanischen Generalstab ihre deutschen Kollegen an, ob es im Falle, dass es zu keiner friedlichen Einigung zwischen Japan und den USA käme, Deutschland in den Krieg eintreten würde und keiner der Verbündeten einen Separatfrieden mit den Angloamerikanern vereinbaren würde.

Direkt am nächsten Tag antwortete der deutsche Außenminister Ribbentrop, dass dies für Deutschland selbstverständlich sei. Japan drängte nun und wollte dazu ein förmliches Abkommen als Ergänzung zum Dreimächtepakt. Die deutsche Regierung wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass die letzte Frist für die Japaner für eine Einigung mit den USA der 25. November 1941 war, danach war der Krieg für sie unvermeidlich.

Doch für das neue Abkommen, zu dem auch Italien zurate gezogen wurde, waren noch einige Details zu klären. Und Hitler befand sich Anfang Dezember auf einer Reise an der Ostfront und war für Tage scheinbar von allen Nachrichtenverbindungen abgeschnitten.
Deshalb konnte das neue Abkommen bis zum japanischen Überfall auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 nicht mehr unterzeichnet werden.

Angriff auf Pearl Harbor
Bild von einem japanischen Piloten während des Angriffs auf Pearl Harbor aufgenommen. In der Mitte befindet sich Ford Island mit dem ‚Battleship Row‘ dahinter. Die hochsteigenden Wasserfontänen stammen von Torpedotreffern auf USS West Virginia.

Als Hitler die Nachrichten vom japanischen Angriff erhielt, war er besonders glücklich. Nun war der Krieg zu einem echten Weltkrieg geworden. ‚Gewinnen wir diese Partie, dann steht der Traum der Weltherrschaft nichts mehr im Wege‘, war seine Meinung.
Und ‚Wir können diesen Krieg gar nicht verlieren, denn wir haben nun mit Japan einen Verbündeten, der noch niemals besiegt worden ist.‘
Auch überschätzte er die Wirkung des japanischen Überfalls auf die amerikanische Pazifik-Flotte gewaltig, ebenso wie das militärische und wirtschaftliche Potenzial Japans. Für Hitler schien sich mit einem Schlag die schon vor Moskau gewaltig unter Druck gekommene deutsche Situation erheblich verbessert zu haben. Voller Optimismus traf er am 9. Dezember in Berlin ein.

Dahinter stand der Gedanke, den ‚latenten, unerklärten Kriegszustand‘ mit den USA nun beenden zu können und den deutschen U-Booten in der Atlantikschlacht freie Hand gewähren zu können, ohne alle möglichen Einschränkungen und Nachteile weiter zu erdulden.
Er konnte es nun Roosevelt zurückzahlen und die monatelang aufgestaute Wut abreagieren.

Pearl Harbor bot indessen die Gelegenheit der Kriegserklärung. Hitler traf diese Entscheidung wohl umgehend und ohne irgendein Gespräch mit einem Vertrauten. Eine weitere Rolle dürfte Hitlers Einstellung spielen, dass sich eine Großmacht nicht den Krieg erklären lässt, sondern dies selbst tut. Er wollte nicht warten, bis Roosevelt das amerikanische Volk und den Kongress so weit hatte, bis dieser seinerseits Deutschland den Krieg erklären konnte.
Drei Tage vor Pearl Harbor erschienen noch Sensationsmeldungen in der US-Presse über ein ‚Siegesprogramm‘, in dem eine amerikanische Expeditionsstreitmacht in Europa kämpfen sollte. Es erschien also wahrscheinlich, dass Roosevelt, nachdem er Japan den Krieg erklären konnte, dies auch über kurz oder lang gegenüber den anderen Achsenstaaten tun würde.

Hitlers Kriegserklärung an die USA

Adolf Hitler
Hitler nach der Reichstagsrede zur Kriegserklärung an die USA.
Dass es noch bis zum 11. Dezember bis zur Kriegserklärung an die USA dauerte, lag an Hitlers sorgfältiger Vorbereitung der Rede, der er große Bedeutung zumaß. Und er wollte das Abkommen mit Japan vorher unterzeichnet wissen, damit diese sich nicht klammheimlich aus dem Krieg durch einen Verhandlungsfrieden zurückziehen konnten. Somit erklärte er den USA den Krieg erst, als er die japanische Bestätigung schriftlich hatte.

Die Amerikaner sollten einen Krieg auf zwei Ozeanen führen müssen und dies würde Deutschland die Zeit verschaffen, den russischen Widerstand endgültig zu brechen oder Stalin zumindest einen Verhandlungsfrieden aufzunötigen.

Für Hitler war die Kriegserklärung an die USA also genau das, was er wollte. Er nahm nur das sowieso unvermeidliche vorweg, was aber nicht unbedingt ein weiser Weg war.
Hitler schien bereits im Herbst 1941 die Möglichkeit eines Scheiterns in Betracht gezogen haben, als er anmerkte, das deutsche Volk, sollte es sich letzten Endes als nicht stark genug erweisen, es verdient haben, unterzugehen und von der stärkeren Macht vernichtet zu werden. Er schien schon damals erkannt zu haben, dass der totale Sieg im Osten unmöglich geworden ist und dass der Krieg mit den USA unvermeidlich wird.

US-Präsident Franklin D. Roosevelt im Gespräch mit Außenminister Cordell Hull
US-Präsident Franklin D. Roosevelt im Gespräch mit seinem langjährigen Außenminister Cordell Hull.

In Washington konnte Roosevelt nach Pearl Harbor – natürlich ohne auf irgendwelche Widerstände zu treffen – vor dem Kongress Japan den Krieg erklären. Sein Außenminister Cordell Hull ließ später durchblicken, ‚wir hielten es für zwangsläufig, dass Deutschland und die anderen Achsenstaaten uns von selbst den Krieg erklären würden, und wir dies nicht von uns aus tun müssten‘.
Diese Gewissheit konnte die amerikanische Regierung deshalb haben, da sie den Geheimschlüssel der japanischen Botschaft mitlesen konnten und über die Verhandlungen zwischen Tokio und Berlin über die Modifizierungen des Dreimächtepaktes informiert waren.

So übernahm es letztlich Hitler, Roosevelt von womöglichen Schwierigkeiten vor dem Kongress und der amerikanischen Bevölkerung bei einer Kriegserklärung gegenüber Deutschland, zu befreien.

Erste Folgen der Kriegserklärung

Im deutschen Volk jedoch waren die schmerzhaften Erinnerungen noch wach, dass der Kriegseintritt Amerikas im Ersten Weltkrieg dessen Ausgang entschieden und Deutschlands Schicksal besiegelt hatte.
Für die meisten gewöhnlichen Deutschen, welche die Zukunftsaussichten beunruhigten, war es jedoch besser, ihre Meinung für sich zu behalten.


Goebbels
Propagandaminister Joseph Goebbels
Jedoch äußersten sich selbst Vertraute von Hitler, wie Propagandaminister Goebbels beunruhigt darüber, dass ein so mächtiger Feind nun am Krieg gegen Deutschland teilnimmt. In seinen Gesprächsnotizen über ein Telefonat mit Hitler nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor hinterließ er der Nachwelt, dass Deutschland aufgrund des Dreimächtepaktes wahrscheinlich nicht an einer Kriegserklärung (an die USA) vorbeikommen werde. Gleichzeitig betonte er Hitler gegenüber aber, dass der Kriegseintritt Amerikas jetzt nicht mehr so schlimm wäre, da jetzt ein bedeutender Anteil der US-Ressourcen im Pazifik benötigt werden würde.
Trotzdem war diese Aussage das angedeutete Eingeständnis, dass auch führende Nazi-Größen den Kriegseintritt der USA mit Besorgnis betrachteten.

Zu einem Zeitpunkt, wo die ersten ernsthaften Krisen an der Ostfront auftraten, war man in Kreisen der deutschen Luftwaffe weniger gleichmütig gegenüber den Nachrichten, dass man sich soeben im Krieg mit Amerika befand.
Nicolaus von Below, Hitlers Luftwaffenadjutant, welcher gerade aus einem einmonatigen Urlaub ins Führerhauptquartier zurückgekommen war, wurde bei seiner Ankunft gesagt, dass Pearl Harbour das Signal gewesen war, endlich Amerika den Krieg zu erklären. Below war entsetzt über die ‚Ahnungslosigkeit‘ Hitlers über das Potenzial der Vereinigten Staaten, welche bereits den vorhergehenden Weltkrieg ökonomisch und militärisch entschieden hatte.
Below beurteilte dies als ‚außenpolitischen Dilettantismus und einer begrenzten Kenntnis fremder Länder‘ Hitlers.

Bei der deutschen Kriegsmarine wurde man von der Kriegserklärung ebenfalls überrascht. Der treue Hitler-Anhänger und Oberbefehlshaber der U-Boote, Vizeadmiral Karl Dönitz, hatte Hitlers bereits im vorherigen September gebeten, ihn im Falle eines anstehenden Kriegsausbruchs mit den U.S.A. im Voraus zu informieren, damit er die U-Boote vor Amerikas Küste aufstellen könnte, um den Kriegszustand voll ausnutzen zu können, solange die U-Boot-Abwehr dort noch schwach wäre. Als Folge von der unangekündigten Kriegserklärung Hitlers konnten die deutschen U-Boote aus dem überraschenden Kriegszustand keinen Nutzen ziehen, da kein einziges von ihnen sich dort befand.

U-Boot-Tankstelle
Erst ab April 1942 werden deutsche U-Boote vor der amerikanischen Ostküste durch U-Tanker versorgt.

In der Wehrmacht sprach General Walter Warlimont, der Stellvertreter von Hitlers wichtigsten Berater General Jodl, davon, dass dies eine amateurhafte und schlecht durchdachte Strategie war, welche aus einem Instinkt spontan und ohne vorausgegangene Beratungen und Überlegungen erfolgt sei.
Da man im OKW bisher davon ausgegangen war, dass man die Vereinigten Staaten auf jeden Fall aus dem Krieg heraushalten müsse, gab es keine Kriegspläne oder genaue Unterlagen über die amerikanische wirtschaftliche und militärische Stärke. Nun aber stand ein Zweifrontenkrieg in seiner schwersten Form bevor. Hitler ließ sich nach Warlimonts Meinung von seiner politischen Besessenheit leiten, ohne den militärischen Machtfaktor vollkommen zu berücksichtigen.

Ein deutscher Offizier, welcher zu diesem Zeitpunkt in Warschau stationiert war, schrieb nach Hause zu seiner Frau, dass ihn die Neuigkeit der Kriegserklärung mit Schrecken erfüllt habe. Was wohl jeder Deutsche befürchtet habe, sei nun Wahrheit geworden.

Hitler hatte in seiner Reichstagsrede zu seiner eigenen Selbstentlastung behauptet, dass die Kriegserklärung an die U.S.A. in Übereinstimmung mit dem Dreimächtepakt erfolgt sein. Doch selbst sein Außenminister Ribbentrop hatte ihn darauf hingewiesen, dass das Deutsche Reich gemäß dem Pakt nur verpflichtet sei, Japan bei einem Angriff durch einen Dritten zu unterstützen. Da Japan aber nicht angegriffen wurde, sondern seinerseits die U.S.A. angegriffen hatte, gab es auch keinerlei deutsche Verpflichtungen.
Staatssekretär Ernst von Weizäcker aus dem Außenministerium erklärte Hitlers Behauptungen in der Kriegserklärung als juristischen Irrtum und politischen Fehler.

Der Krieg gegen die U.S.A. wurde also selbst bis in höchste Kreise der deutschen Machthaber weder als selbstverständlich noch als notwendig angesehen und führte zu einer gewaltigen Überraschung und Beklommenheit.
Ihnen und Hitler war allen bekannt gewesen, dass Roosevelt den Selective Service Act (Wehrdienst-Gesetz) im vorausgegangen August nur mit knapper Mehrheit durchgedrückt hatte und er es bis zum japanischen Überfall auf Pearl Harbour nicht wagen konnte, den Kongress um eine Kriegserklärung zu beten. Und selbst nach dem Krieg mit Japan war es keineswegs sicher, dass der US-Präsident auch eine Kriegserklärung gegen Deutschland hätte bewilligt bekommen.

Wasserflugzeug-Stützpunkt Pearl Harbor
Ein zerstörter amerikanischer Wasserflugzeug-Stützpunkt bei Pearl Harbor.

Unmittelbar nach Ausbruch des Pazifikkrieges war Roosevelt gezwungen, zahlreiche Kriegsschiffe, welche bisher im Atlantik den ‚unerklärten Krieg‘ gegen Deutschland und seine U-Boote geführt hatten, in den Pazifik zu verlegen. Dies beraubte der US-Marine einige der bisherigen Möglichkeiten in der Schlacht im Atlantik zugunsten Großbritanniens einzugreifen.
Allerdings ist zu mutmaßen, dass Roosevelt die Vereinigten Staaten innerhalb weniger Monate auch in einen offiziellen, kriegerischen Konflikt gegen die anderen Achsenmächte verwickelt hätte. Dies wäre entweder durch eine förmliche Kriegserklärung oder durch Ausweitung von präsidialen Weisungsbefugnissen möglich gewesen, bis zu einem Punkt, wo der Kriegszustand nur eine Bestätigung der zwischenzeitlichen Realität gewesen wäre.

Deshalb war Hitlers Entschluss, am 11. Dezember 1941 den U.S.A. den Krieg zu erklären, wahrscheinlich weniger für den Ausgang des Zweiten Weltkrieges entscheidend, als die meisten Menschen annehmen oder andere seiner Entscheidungen.


Quellenangaben und Literatur

Der 2. Weltkrieg (C. Bertelsmann Verlag)
Zweiter Weltkrieg in Bildern (Mathias Färber)
A World at Arms – A Global History of World War II (Gerhard L. Weinberg)
Wendepunkte (Ian Kershaw)
Illustrierte Geschichte des Dritte Reiches (Kurt Zentner)
Unser Jahrhundert im Bild (Bertelsmann Lesering)


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