Deutsche Armee im 1. Weltkrieg


Die Deutsche Armee im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 (Teil I).
Organisation, Stärke und Divisionen bei Kriegsbeginn und Verluste bis Kriegsende.

Deutsche Armee
Deutsche Truppen bei der Verteidigung Ostpreußens.

Das Deutsche Reich, ausgerufen in den Spiegelhallen von Versailles im Jahre 1871, hatte 1914 eine Bevölkerung von über 65 Millionen. Theoretisch, bis auf die geringe Anzahl für die Marine, waren alle gesunden Männer im wehrfähigen Alter verpflichtet in der Armee Dienst zu tun.

Die deutsche Armee

Jedes Jahr aufgerufen, vom Alter von 17 bis 20, waren sie eingetragen im Landsturm I.Klasse. Mit zwanzig Jahren wurden diejenigen, die fit genug für das aktive Heer waren, zu einem zweijährigen Dienst eingezogen. Danach gingen sie in die Reserve für 5 Jahre (bei der Kavallerie und Artillerie nur für 4 Jahre).

In der Praxis konnte die Armee nur ungefähr die Hälfte der diensttauglichen Männer jedes Jahr aufnehmen. Die anderen jungen Männer, zusammen mit den aus anderen Gründen nicht eingezogenen Wehrpflichtigen, wurden in die Ersatzreserve eingetragen. Dort erhielten sie bestenfalls ein geringfügiges Training. Vom Alter von 27 bis 39 mussten alle Männer in die Landwehr einrücken und anschließend bis zum Alter von 45 in den Landsturm II. Klasse.

Die aktive Armee von 25 und 1/2 Armeekorps (jedes aus zwei Divisionen) und elf Kavallerie-Divisionen hatte ständig eine 50 bis 60 Prozent Kriegsstärke. Zudem waren 32 Reserve-, 7 Ersatzreserve- und 16 Landwehr-Divisionen vorhanden.

Mobilisation war eine schnelle und kritische Operation, während dieser die Armee weitgehend unbrauchbar als ein Kampf-Instrument war. Der gesamte Vorgang war abhängig von den minutengenauen ausgearbeiteten Eisenbahnfahrplänen und sein Erfolg würde den gesamten Feldzug beeinflussen. Mobilisation musste rechtzeitig befohlen werden, sodass der Feind nicht alles durcheinander bringen konnte und durfte keinesfalls mehr angehalten oder unterbrochen werden. Die Armee konnte dann nur noch theoretisch an der Grenze angehalten werden, aber diese Möglichkeit wurde nicht wirklich in Betracht gezogen. Im Jahre 1914 bedeutete Mobilisation auch Krieg !

Zu diesem Zweck hatte der Generalstab zwei Besonderheiten vorbereitet. Um in dem zukünftigen Zweifrontenkrieg einen schnellen Sieg über Frankreich zu gewährleisten, plante General Alfred von Schlieffen (Chef des Generalstabes 1892-1905), Reserve- und Ersatzreserve-Divisionen in den ersten Gefechten einzusetzen. Geführt von gut ausgebildeten, regulären Offizieren sollten deren Soldaten einen ‚Crashkurs‘ im wirklichen Krieg durchmachen. Zum Zweiten befanden sich sechs Infanterie-Brigaden mit zugeteilter Kavallerie, Artillerie und Pionieren in der Nähe der belgischen Grenze in voller Kriegsbereitschaft – bereit um die Forts von Liege zu nehmen und den Weg durch Belgien und Nordfrankreich für das Heer zu öffnen, sobald der Kriegszustand erklärt wurde.

Zu Friedenszeiten war die Stärke der Armee etwa 856.000 Mann. Durch die Mobilisation würde sie durch trainierte Reservisten auf 3.800.000 Mann verstärkt werden. Maximal wären 8.500.000 Mann im Notfall einziehbar. Gegen Frankreich waren sieben Armeen mit zusammen 34 Armeekorps (von diesen waren 11 Reservekorps) und vier Kavalleriekorps vorgesehen. Im Osten sollte die 8. Armee (vier Armeekorps, davon ein Reservekorps und einige Landwehreinheiten) mit knapp 200.000 Mann die Russen aufhalten, so gut wie sie konnte. Zudem gab es Garnisonen, Depot- und Reserveeinheiten und in Schleswig-Holstein ein Reservearmeekorps, was eine womögliche britische Landung verhindern sollte.

Manöver 1904
Bis zum Manöver 1904 zog die Tradition wieder in die deutsche Armee ein. Mit solchen Fahnen an der Spitze zogen die Regimenter noch im August 1914 in den Krieg.

Trotz ihrer Niederlage von 1870/71 hatten die französischen Truppen ihren deutschen Gegner mehrmals die Gelegenheit gegeben, die Wirkung von modernen Magazingewehren gegen aufrecht anmarschierenden Soldaten zu erfahren. In den nachfolgenden Jahren berücksichtigte die deutsche Armee die Gegebenheiten moderner Gefechtsführung mehr als jede andere europäische Armee. Als das Maschinengewehr perfektioniert war, wurde es wie von keiner anderen Armee bei den deutschen Truppenverbänden weitverbreitet eingeführt. Schlieffens strategischer Plan eines Angriffes über Belgien ging nicht letztlich von der Erkenntnis aus, dass ein Frontalangriff gegen die französische Armee viel zu blutig und schwierig wäre. Ein britischer Beobachter bei einem Manöver der deutschen Armee im Jahre 1895 meldete, dass die Soldaten ‚… wie intelligente Einzelkämpfer, welche ihre Aufgabe perfekt verstanden, agierten und dass selbst einfache Soldaten selbstständig Initiativen entwickelten …‘

Aber die Jahre seit dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 vergingen und um so mehr nahm Tradition und Arroganz in der deutschen Armee zu. Die Soldaten blieben gut, jedoch im Jahre 1911 schrieb ein anderer britischer Beobachter, ‚… dass die Offiziere kaum Initiative entwickelten und die Infanterie kein Gefühl für die Deckung im Gelände hätte. Der Vorteil des wechselseitigen Feuers und Vorarbeiten auf dem modernen Gefechtsfeld wäre überhaupt nicht bekannt.‘

Kaisermanöver 1913 Reiteraatacke
Beim Kaisermanöver 1913 in Schlesien fand die letzte große Attacke deutscher Reiterregimenter statt. Das Bild ist ein Dokument für die ‚museale‘ Auffassung, die der Kaiser seinen Militärs bei diesen Manövern aufzwang und allen vorhergehenden Erfahrungen hohnsprach.

Mit der Thronbesteigung von Wilhelm II., welcher theoretisch auch der Oberbefehlshaber des Heeres war, wurden mehr Kriegsspiele als praktische Ausbildung wichtiger. General von Moltke, Chef des Generalstabes seit 1906, musste militärische Spektakel bei den Manövern vorführen, unsinnige Reiterattacken und Manöver wurden exerziert. Moltke reduzierte zudem den rechten Flügel für die Offensive in Frankreich drastisch um das Elsass und den Osten besser verteidigen zu können. Er akzeptierte wieder Frontalangriffe als praktizierbare Manöver und im Jahre 1914, mit 66 Jahren, war er in einer schlechten gesundheitlichen Verfassung und seiner Aufgabe nicht gewachsen.

Deutsche Truppen bei einem Manöver
Deutsche Truppen bei einem Manöver vor dem Ausbruch des 1. Weltkriegs.

Unter von Moltke kamen die Armeekommandeure: am entscheidenden rechten Flügel, die Befehlshaber der 1., 2. und 3. Armee – ein Trio aus 68-jährigen Generälen: von Kluck, von Bülow und von Hausen. Sie waren harte Antreiber, rücksichtslos gegenüber der Truppe und, mit Ausnahme von Kluck, unfähig eine Krise zu meistern. Als Nächstes kam das Trio der Königlichen: Der Herzog von Württemberg kommandierte die 4. Armee, der Kronprinz die 5. Armee und Prinz Rupprecht von Bayern die 6.Armee. Zuletzt noch von Heeringen, 64 Jahre alt und ehemaliger Kriegsminister, als Kommandeur der 7. Armee. Die 8. Armee im Ostpreußen kommandierte General von Prittwitz und Graffon, 66 Jahre, fett, von sich selbst eingenommen, mit Verbindungen in höchste Regierungskreise, welche lange verhinderten, dass Moltke ihn absetzen konnte. Ludendorff, nur 49 Jahre alt, war der Chef des Generalstabes der 2. Armee.


Einberufung und Mobilisierung

Dank seines effizienten Systems der Wehrpflicht konnte Deutschland innerhalb weniger Tage nach der Kriegserklärung eine große, professionelle Armee bilden.

In Friedenszeiten war jeder deutsche Mann vom siebzehnten bis zum fünfundvierzigsten Lebensjahr in irgendeiner Form militärdienstpflichtig. Obwohl er bis zu seinem zwanzigsten Geburtstag nicht für den Dienst im stehenden Heer infrage kam, wurde jeder Mann mit Vollendung des siebzehnten Lebensjahres automatisch zum Dienst im Landsturm verpflichtet.


Im Alter von zwanzig Jahren trat er für zwei Jahre in den Dienst des stehenden Heeres ein. Bei Kavallerie oder Artillerie waren es drei Jahre. Danach folgten sieben Jahre bei der Reserve, elf Jahre bei der Landwehr und schließlich sieben Jahre beim Landsturm.

Verteilung der Rekruten auf die Garderegimenter
Verteilung der Rekruten auf die Garderegimenter in Potsdam, 1909. Die Kreidezahlen auf den Zivilröcken bezeichnen die Größe des Rekruten über einen Meter.

Nach zwei oder drei Jahren bei den Fahnen konnte er zu zwei jährlichen Lehrgängen bei der Reserve einberufen werden. Dieses Dienstsystem sah vor, dass jedes Jahr bis zum fünfundvierzigsten Lebensjahr ein ständiger Wechsel von einer Form des Militärdienstes zur anderen stattfand. So stand bei Ausbruch der Feindseligkeiten ein beträchtliches Personalreservoir zur Verfügung.

In Kriegszeiten konnten Männer bereits vor ihrem zwanzigsten Geburtstag einberufen und an die Front geschickt werden und wurden auch nicht automatisch aus dem weiteren Dienst entlassen, wenn sie ihr fünfundvierzigstes Lebensjahr vollendet hatten. Außerdem gab es dann keine Versetzung von einer Kategorie in eine andere, z. B. von der Landwehr zum Landsturm.
Nach Ableistung der erforderlichen Anzahl von Dienstjahren konnten einige wenige Männer nur aufgrund von Verwundungen oder Krankheiten versetzt werden.

Im Jahr 1913 betrug das für die Aufrechterhaltung des Heeres erforderliche jährliche Kontingent an Wehrpflichtigen etwa 305.000 Mann. Da die jährlichen Einberufungszahlen auch nach einer gründlichen Ausmusterung der gesundheitlich Untauglichen in der Regel weit über dieser Zahl lagen, wurde jedes Jahr eine gewisse Anzahl in die Ersatzreserve überführt.
Dazu gehörten für den aktiven Dienst taugliche Männer, die aus wirtschaftlichen oder häuslichen Gründen vom vollen Militärdienst befreit waren, sowie Männer mit leichten körperlichen Mängeln.

Die normale Dienstzeit in der Ersatzreserve betrug zwölf Jahre, in denen sie zu drei jährlichen Lehrgängen einberufen werden konnten. Nach den zwölf Jahren wechselten sie für die zweite Periode in die Kategorie Landsturm.

Bei der Mobilmachung 1914 umfasste diese Ersatzreserve etwa 1 Million Männer im Alter zwischen zwanzig und zweiunddreißig Jahren und bildete einen großen Teil der Reservedivisionen.

Es gab zwei weitere wichtige Kategorien, die die Grundlage der deutschen Armee bildeten. Die erste war die Restantenliste, die aus Männern bestand, die nicht für irgendeine Form des Dienstes herangezogen wurden, sondern deren Dienst für ein oder mehrere Jahre zurückgestellt wurden. Dies geschah normalerweise aus besonderen häuslichen oder beruflichen Gründen.
Nach mehr als drei aufeinanderfolgenden Musterungen wurden die Männer von ihren Verpflichtungen entbunden und zu ungeschulten Landsturmeinheiten versetzt.

Die zweite Gruppe in dieser Kategorie waren die ‚Ein-Jahres-Freiwilligen‘. Dabei handelte es sich um Männer mit guter Ausbildung, die sich während ihrer Dienstzeit selbst kleiden, ausrüsten und ernähren mussten und in der Regel ein hohes Niveau bei ihrem Dienst erreichten.
Nach Ablauf ihres einjährigen Dienstes konnten sie als Offiziersanwärter in die Reserve wechseln und nach zwei jährlichen Lehrgängen bei der Reserve und einer bestandenen militärischen Prüfung wurden sie Reserveoffiziere.

Während des Krieges konnte sich eine bestimmte Anzahl von Männern im Alter zwischen siebzehn und zwanzig Jahren vor ihrer offiziellen Einberufung freiwillig zum aktiven Dienst melden. Diese wurden als Kriegsfreiwillige bezeichnet.

MG08-Maschinengewehr 1914
Die Mannschaft eines MG08-Maschinengewehres im Schützengraben 1914. Zwei Mann tragen Schleppgeschirre zum Transport der Waffe.

Die Reserve und die Landwehr waren praktisch vollständig für die Erweiterung der Armee im Jahr 1914 verwendet worden. Insbesondere der Landsturm wurde in großem Umfang herangezogen, um die Verluste der Winterkämpfe von 1914/15 auszugleichen.
Bis Ende 1915 war auch der Zweite Bann praktisch erschöpft. Infolgedessen wurden die normalen Jahrgänge nach und nach früher einberufen. Dies führte bis 1917 dazu, dass Jahrgänge, die normalerweise erst 1919 zu den Fahnen gerufen worden wären, für den Dienst an der russischen oder der Balkanfront einberufen wurden, um die erfahreneren Soldaten an die Westfront versetzen zu können, um die dortigen enormen Verluste zu ersetzen.

t_arrow1Siehe auch: Deutsche Kampfkraft


DEUTSCHES REICH (1.8.1914-11.11.1918)

  • Bevölkerung 1914: 65 Millionen
  • Friedensstärke des Heeres (1. Juli 1914) = 880.000
  • Mobilisation = 4.500.000
  • Truppenstärke bei Kriegsbeginn = 5.000.000
  • Korps = 41
  • Infanterie-Divisionen = 82
  • Kavallerie-Divisionen = 11
  • Andere Einheiten = 6 Divisionen und 32 Brigaden
  • Artillerie-Geschütze = ca. 7.400
  • Maschinengewehre = 4.500
  • Heeresstärke im Verlauf des Krieges = 13.250.000
  • Tote Militär = 1.850.000
  • Verwundete Militär = 4.250.000
  • Ziviltote = 812.996

button goTeil II: Uniformen der Deutschen Armee im 1. Weltkrieg


Quellenangaben und Literatur

History of World War I (AJP Taylos, S.L. Mayer)
The Germany Army 1914-18 (D.S.V. Fosten, R.J. Marrion)


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4 Kommentare zu „Deutsche Armee im 1. Weltkrieg“

  1. Wer bitte hat was in Ostpreußen verteidigt? Die Deutschen sicher nicht. Die haben im Osten Russland überfallen und im Westen Belgien, Holland und Frankreich.
    Und im 2. Weltkrieg hat diese Verbrecherbande das ganze wiederholt.
    Da ist kein Unterschied zum barbarischen Überfall Russlands auf die Ukraine

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