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Organisation deutsche Artillerie 1914-18


Organisation der deutschen Artillerie von 1914 bis 1918.
Zweiter Teil der deutschen Armee-Organisation im Ersten Weltkrieg.

210-mm-Haubitze im Einsatz gegen Verdun
Deutsche Artilleristen bedienen eine 21-cm-Haubitze im Einsatz gegen Verdun.

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Deutsche Artillerie im Ersten Weltkrieg


Zu Beginn des 1. Weltkriegs im August 1914 bestand die Feld- und Fußartillerie des kaiserlichen Heeres aus über 1.270 Batterien mit etwa 8.700 Geschützen. Hauptsächlich wurde die 15-cm-Feldhaubitze und der 21-cm-Mörser verwendet, welches beide Steilfeuergeschütze waren. Dazu kamen schwerste Steilfeuergeschütze zum Beschuss von Festungsanlagen, wie die Dicke Berta.
Flugabwehr-Artillerie gab es noch kaum. Sie wurden noch als Ballonabwehr-Kanonen bezeichnet und es gab im August 1914 nur 18 Geschütze davon.

Zum Ende des 1. Weltkrieges im November 1918 war nur die Artillerie des Feldheeres auf 2.317 Batterien mit nahezu 24.000 Geschützen angewachsen.
Zwischen 1914 und 1918 verbrauchten die Feld- und Fußartillerie-Batterien 290,76 Millionen Granaten, was nach heutigem Stand alleine 80 Milliarden Euro für die Munition verschlang.

Da die Feuerkraft der Maschinengewehre das Schlachtfeld beherrschte und klar den Verteidiger bevorzugte, war die Artillerie erst einmal die einzige Waffengattung, welche die Verteidiger niederhalten konnte. Bei Verdun wurden auf dem Schlachtfeld von 30 mal 10 Kilometern schließlich 21 Millionen deutsche und 15 Millionen französische Granaten verschossen, welche das Gebiet mehrfach aufwühlten und in eine Mondlandschaft verwandelten.

Als Folge dieser Entwicklung waren 65 Prozent der Verluste des 1. Weltkrieges auf Artilleriefeuer zurückzuführen. Während des 1870/71 Deutsch-Französischen Krieges waren es noch 7,5 Prozent gewesen, während diese Verlustquote aufgrund des Beschusses durch Artillerie während der Schlacht von Verdun auf sogar 75 Prozent hochschnellte.

Organisation der Artillerie

Die Artillerie war die elitäre Waffengattung der kaiserlichen deutschen Armee. Sie setzte sich zusammen aus der Feldartillerie, einschließlich der Artillerie zu Pferde, und der Fußartillerie, welche auch für die schweren Geschütze verantwortlich war, wozu auch Haubitzen und Mörser gehörten. Im Laufe des Krieges kam noch die Gebirgsartillerie hinzu, welche in Friedenszeiten nicht existierte und als Teil der Fußartillerie gebildet wurde.

Die deutsche Artillerie verwendete während des Krieges mindestens 76 Standard-Geschütze, wozu noch eine große Anzahl unterschiedlicher importierter oder erbeuteter Typen hinzukam.
Vor Kriegsausbruch gab es 642 Batterien der Feldartillerie und Artillerie zu Pferde und bis 1918 stieg ihre Anzahl auf 2.900 Batterien an.

Feldartillerie

Die Feldartillerie war in der Regel mit einer von drei Typen der leichten Feldhaubitze vom Kaliber 10,5 cm ausgerüstet und ständig einer Infanterie-Division unterstellt. Die Artillerie zu Pferde waren den Kavallerie-Divisionen unterstellt und mit einem von fünf verschiedenen 7,7-cm-Feldgeschützen ausgerüstet.

10,5-cm leichte Feldhaubitzen 16
Deutsche 10,5-cm leichte Feldhaubitzen 16 bei der Abnahme durch die Heeresverwaltung.

In Friedenszeiten bestanden die Batterien aus sechs Feldgeschützen oder vier leichten Feldhaubitzen. Bis 1915 wurden alle Feldbatterien auf vier Geschütze reduziert, um Material für neue Formationen bereitstellen zu können. Im Laufe des Jahres 1916 wurde eine Reihe unabhängiger Feldartillerie-Batterien mit den Nummern 801 bis 915 gebildet. Diese Batterien wurden zur Verstärkung der Divisions-Artillerie an der Ostfront eingesetzt.

Zu Beginn des Krieges war die Divisions-Artillerie in den aktiven, den Reserve- und den neueren Formationen unterschiedlich organisiert, aber im Allgemeinen wie folgt:
In jeder Artillerie-Brigade gab es zwei Feldartillerie-Regimenter mit je zwei Abteilungen, welche aus je drei oder vier Batterien bestanden.
Die Abteilungen wurden mit römischen Ziffern I und II nummeriert, die Batterien in arabischen Ziffern von 1 bis 6 in jedem Regiment.

Bei den neu gebildeten Formationen, die nach der Mobilisierung aufgestellt wurden, war dies jedoch anders. Die Batterien wurden von 12 auf 9 reduziert und diese bildeten nun ein einziges Feldartillerie-Regiment, welches in drei Abteilungen unterteilt war. Zwei davon waren jetzt mit Feldgeschützen und eine dritte mit leichten Feldhaubitzen bewaffnet.
Bis 1918 machten die Feldhaubitzen-Batterien ein Drittel der gesamten Feldartillerie aus. Vor dem Krieg machten die leichten Feldhaubitzen nur ein Achtel der Gesamtstärke aus, da in jedem Armeekorps nur eine Abteilung mit diesen Geschützen bewaffnet war.

Eine Feldbatterie wurde von einem Hauptmann kommandiert und war in zwei Abteilungen (Züge) unterteilt, die jeweils von einem Unteroffizier befehligt wurden. Ein dritter Unteroffizier war für die Überwachung der Munitionsversorgung zuständig. Manchmal gab es noch einen vierten, welcher als ein vorgeschobener Artillerie-Beobachter im Einsatz war und sogar hin und wieder einen fünften, welcher für Transportaufgaben zuständig war.

Fußartillerie

Vor dem Ausbruch des Krieges bestand die Fußartillerie aus 24 Regimentern, eines für jeden Armeekorps-Bezirk. Jedes Fußartillerie-Regiment war in zwei Bataillone mit je vier Batterien unterteilt.
Die Bewaffnung bestand aus einer von vier Typen der schweren Feldhaubitze 15 cm und Mörsern mit schweren 21-cm-Haubitzen. Das mit den Mörsern ausgerüstete Bataillon hatte nur zwei Batterien.

Schwere Feldhaubitze 13
Schwere Feldhaubitze 13 (Kaliber 149,7 mm)

In Friedenszeiten belief sich der Bestand an schwerer Artillerie auf 400 Batterien, doch bei Kriegsende war er auf 2.250 Batterien aufgestockt worden. Zu jedem aktiven Fußartillerie-Regiment gehörte ein komplementäres Reserveregiment, und als die Produktion schwerer Geschütze zunahm, wurden auch Landwehr-, Landsturm- und Ersatz-Depot-Bataillone mobilisiert.
Die Anzahl der Bataillone eines Regiments wurde ebenfalls erhöht, manche hatten bis zu fünf Bataillone. Darüber hinaus wurde eine Reihe unabhängiger Batterien gebildet, deren Nummerierung von 101 bis 150 und von 200 bis 800 reichte. Viele dieser Batterien waren mit erbeuteten Geschützen bewaffnet.

Die Organisation und das Kommando der Fußbatterien waren komplex, aber im Allgemeinen war die Zuteilung schwerer Geschütze wie folgt:
Die Batterien wurden bestimmten Frontabschnitten zugeteilt, welche sich nach den taktischen Zielen oder der Lage eines bestimmten Frontabschnitts zu einem bestimmten Zeitpunkt richtete. Die normale Zuteilung für einen ruhigen Sektor betrug acht oder neun Batterien für jeden Divisions-Abschnitt, aber 16 Batterien wurden normalerweise für eine aktive Kampffront zugeteilt.

Die sehr schweren Kaliber und die Langstreckenwaffen waren normalerweise auf Eisenbahnlafetten montiert und wurden für die Bekämpfung der gegnerischen Artilleriebatterien oder für besondere Aufgaben unter höherem Kommando zusammengefasst.

Paris-Kanone auf ihrer Eisenbahn-Lafette
Die Paris-Kanone auf ihrer Eisenbahn-Lafette.

Andere Batterien unterstanden dem Befehl des Kommandeurs der Artillerie einer Division, in dessen Sektor sie eingesetzt waren. Wenn die Division verlegt wurde, blieben die Batterien im Allgemeinen dort, wo sie waren.
In aktiven Kampfabschnitten erhielt ein Korps oft einen speziellen Hauptquartier-Artilleriestab, der mit den verschiedenen Artilleriestäben innerhalb des Korps in Verbindung stand und die schweren Fernartillerie-Gruppen des Korps direkt kontrollierte. Das Hauptquartier jeder Armee verfügte über einen Artillerieberater im Rang eines Generaloffiziers.

Die Organisation der Fußartillerie-Batterien variierte je nach Kaliber der Geschütze. Die normale Anzahl von Geschützen in Fußartillerie-Batterien war wie folgt:

Geschütze in Fußartillerie-Batterien:

Geschütztyp der BatterieAnzahl der Kanonen oder Haubitzen
10-cm-Kanonen4
13-cm-Kanonen2
15-cm-Kanonen2
15-cm-Haubitzen4
schwere 21-cm-Haubitzen (Mörser)3
24-cm-Marinegeschütze (auf Eisenbahn, Rädern oder Feuerplattformen)unterschiedlich, zumeist einzeln

In der deutschen Artillerie wurde die Bezeichnung ‚Mörser‘ nicht für Grabenmörser verwendet (hier galt die Bezeichnung Granatwerfer), sondern ausschließlich für Haubitzen ab dem Kaliber 21 cm.

Gebirgsartillerie

Im Laufe des Krieges wurden etwa 25 Gebirgs-Batterien aufgestellt und in Abteilungen zu je drei Batterien gruppiert. Sie wurden den Divisionen zugeteilt, die auf dem Balkan, in den Karpaten, in den Alpen und in den Vogesen kämpften.
Die Mannschaften dieser Batterien stammte hauptsächlich aus Bayern, Württemberg und Baden.

Eine Gebirgsbatterie bestand aus vier schnellfeuernden 7,5-cm-Gebirgsgeschützen, die für den Transport mit Maultieren organisiert waren, wobei das komplette Geschütz in sieben Ladungen zerlegt werden konnte.
Einige wenige Batterien waren mit Gebirgshaubitzen bewaffnet.

Eine Abteilung einer Gebirgsbatterie bestand aus zwei Unteroffizieren, einem Oberfeldwebel, sechs Gefreiten, einer berittenen Ordonnanz, 26 Kanonieren, 31 Muli-Treibern, zwei Zugführern, zwei Gebirgsgeschützen, 31 Maultieren und 10 Reitpferden.

Gebirgsgeschütz italienische Font
Ein Gebirgsgeschütz wird an der italienischen Front in Stellung gebracht.

Sollstärken der Artillerie-Einheiten

Alle Angaben ohne die umfangreichen Stärken der Transport- und Munitionswagen.

Mobile Batterie der Feldartillerie
5 Offiziere, 148 Mannschaften, 139 Pferde, 6 Geschütze, 6 Munitionswaggons.
Die Batterie war manchmal in 3 Abteilungen mit je 2 Geschützen aufgeteilt.

Batterie der berittenen Artillerie
4 Offiziere, 133 Mannschaften, 180 Pferde, 4 Geschütze und 4 Munitionswaggons.

Pferdeartillerie-Bataillon
3 Batterien zu je 4 Geschützen, 20 Offiziere, 429 Mannschaften und 578 Pferde.
Der Stab bestand aus 8 Offizieren, 30 Mannschaften und 38 Pferden. Jedes Bataillon war einer Kavallerie-Division unterstellt.

Angehörige einer Feldartillerie-Batterie
Zwei Angehörige einer Feldartillerie-Batterie. Links ein Fahrer für Fuhrwerke (bewaffnet mit Säbel und Pistole) und rechts ein Kanonier, mit einem Gewehr anstatt dem üblichen Karabiner.
Feldartillerie-Regiment
2 Bataillone zu je 3 Batterien und eine leichte Munitionskolonne. 2 Regimenter bildeten eine Brigade, die einer Infanterie-Division unterstellt war. Von einem Generalmajor befehligt.

Schwere Artillerie
Schwere Artillerie-Regimenter wurden in erster Linie für die Stützpunkt- und Küstenverteidigung sowie für Belagerungsoperationen gegen befestigte Stellungen eingesetzt. Ihre Hauptbewaffnung bestand aus Haubitzen, schweren Mörsern und Belagerungsgeschützen.
Die schwere Artillerie war in 2 Bataillone zu je 4 Batterien gegliedert.

Haubitzen-Batterie
6 Offiziere, 224 Mannschaften, 148 Pferde und 4 Munitionswaggons.

Schwere Mörser-Batterie
6 Offiziere, 249 Mannschaften, 148 Pferde und 4 Munitionswaggons.

Feldhaubitzen-Bataillon
4 Batterien und eine Munitionskolonne. 37 Offiziere, 1.178 Mannschaften, 707 Pferde. Der Stab bestand aus 8 Offizieren und 21 Mannschaften.

Schweres Mörser-Bataillon
Zwei Batterien und eine Munitionskolonne. 25 Offiziere und 780 Mannschaften, 515 Pferde. Derselbe Stab wie beim Feldhaubitzen-Bataillon.

Park- oder Depot-Kompanien
Bei Fußartillerie-Batterien bestanden sie aus 5 Offizieren, 248 Mannschaften und 10 Pferden.

Munitionskolonnen und Munitions-Nachschubzug
Umfasste verschiedene Versorgungs-, Transport- und Unterstützungseinheiten, die alle in einem Nachschubzug-Bataillon zusammengefasst waren. Es war für den Transport von Munition, Lebensmitteln, Futter und anderen notwendigen Gütern zuständig.
Jedes der Bataillone unterstützte ein Armeekorps im Feld. Zu den zusätzlichen Aufgaben gehörten rückwärtige Abteilungen, Sanitätskompanien, Feldbäckereien usw.
Der Stab des Nachschubzug-Bataillons bestand aus 3 Offizieren und 11 Mannschaften mit 12 Pferden.

Wunderwaffe Dicke Bertha
Der Erfolg des 42-cm-Gerätes gegen den belgisch-französischen Festungsgürtel löst in Deutschland eine beispiellose Propagandakampagne aus. Die ‚Dicke Bertha‘ wird als ‚Wunderwaffe‘ gefeiert.

Quellenangaben und Literatur

Typenkompass: Deutsche Artillerie 1914-1918 (Wolfgang Fleischer)
Die Geschichte der Artillerie (John Batchelor, Ian Hogg)
The Germany Army 1914-18 (D.S.V. Fosten, R.J. Marrion)
Army Uniforms of World War I (Andrew Mollo, Pierre Turner)
The Illustrated Encyclopedia of Weapons of World War I (Chris Bishop)
An Illustrated History of the Weapons of World War One (Ian Westwell)
Illustrierte Geschichte des Ersten Weltkriegs (Christian Zentner)
History of World War I (AJP Taylos, S.L. Mayer)


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