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Italienische Armee 1915-18



Die italienische Armee im Ersten Weltkrieg von 1915 bis 1918.
Uniformen, Stärke, Divisionen, Organisation, Befehlshaber und Verluste.

Italienische Kavallerie rückt in Trient ein
Italienische Kavallerie bei Kriegsende 1918 in Trient.


Wie einige andere Großmächte führte Italien die Wehrpflicht in den 1870er Jahren ein und setzte den Zeitraum für die Dienstpflicht auf drei Jahre fest.

Die italienische Armee 1915 bis 1918

italienischer Graben auf dem Kars
Ein italienischer Graben auf dem Kars.
In vielerlei Hinsicht war die Armee die einzige wirkliche, nationale Organisation der neugeborenen Nation Italien. Doch selbst diese Armee war eine Mischung aus den früheren lokalen Armeen, vereinigt rund um die piemontesischen Armee, ebenso wie Italien selbst sich um die piemontesischen Monarchie vereinigt hatte. Obwohl ihre lokalen Bestandteile jeweils ihre eigenen stolzen Traditionen hatten, prägten die Traditionen von Piemont die Armee, was zu Frustration und Groll führte, wenn piemontesische Offiziere eine Vorzugsbehandlung genossen oder schneller befördert wurden. Es gab davon natürlich Ausnahmen, insbesondere General Armando Diaz, der, obwohl aus Neapel kommend und mit spanischer Abstammung, in der italienischen Armee aufstieg und diese im letzten Jahr des Krieges befehligte.

Trotz der durch Wirtschaftskraft und Bildungsschwächen auferlegten Einschränkungen Italiens, war die Armee führend in verschiedenen Bereichen der militärischen Modernisierung gewesen. Die Italiener waren die ersten, welche Flugzeuge im Krieg einsetzten (in Libyen ab Oktober 1912) und mit dem am weitesten verbreiteten Einsatz von Panzerwagen. Die zunehmende Begeisterung für den Motortransport mag seine Ursache auch in dem historischen Mangel an Pferden im Land gehabt haben.

Wirtschaftliche und politische Zwänge führten dazu, dass eine dringend benötigtes Umrüstungsprogramm nur sehr langsam durchgeführt wurde. Bis 1914 hatte die italienische Armee immer noch nicht das Material ersetzt, welches sie in Libyen verloren hatte. Aber zwischen August 1914 und Mai 1915 bewegten sich die Dinge schneller vor dem Hintergrund des Krieges im Norden. Es gab es eine drastische Reduzierung der Verschwendung und eine deutliche Erhöhung der Zahl der jüngeren Offiziere. Der Armee wurde auch durch das Phänomen des ‘Volontarismo’ geholfen, welcher die Volksstimmung wiedergab.

Die Politik, die Armee dazu zu benutzen, die nationale Einheit zu fördern, führte zu einem komplizierten System bei der Wehrpflicht und Mobilisierung. Jedes Regiment bezog seine Rekruten aus zwei getrennten Regionen und schickte sie dann zu einem Dritten weiter. Nachdem ihre Dienstzeit zu Ende war, kehrten die Männer jedoch als Reservisten wieder nach Hause zurück. Und als sie dann zu den Fahnen gerufen wurden, traten diese Reservisten stattdessen ihren ‘lokalen’ statt ihren ursprünglichen Regimentern bei. Dadurch entwickelten diese Regimenter aus eingezogenen Reservisten wieder lokale Identitäten.
Die einzigen Ausnahmen von diesem System vom Mischen und Überstellen der Rekruten waren die Alpini, welche vornehmlich aus den Alpen-Regionen von Norditalien stammten und wo sie auch stationiert waren.

Cadorna an der Front
Der italienische Oberbefehlshaber Cadorna und sein Stab an der Front.
Unter dem Rekrutierungsschema von 1907 waren alle wehrfähigen Männer in drei Klassen im Alter zwischen 19 und 38 Jahren aufzurufen. Die erste Klasse verbrachte zwei Jahre im aktiven Dienst, sechs in der Reserve, vier in der mobilen Miliz und sieben in der Territorial-Miliz. Die zweite Klasse verbrachte sechs Monate im aktiven Dienst, siebeneinhalb Jahre in der Reserve und den gleichen Zeiträumen in der Miliz als Erste Klasse. Die dritte Klasse verbrachte alle 19 Jahre in der Territorial-Miliz, erhielt aber praktisch kein effektives Training.

Tatsächlich diente aber nur eine Minderheit der Wehrpflichtigen in der Armee. So werden für 1911 angegeben, dass nur weniger als 25 Prozent der Wehrpflichtigen tatsächlich eingezogen wurden. Das Ergebnis war, dass die ‘aktive Armee’ lediglich aus Offizieren – welche immer in einer zu geringen Zahl als benötigt vorhanden waren – und nur der Ersten Klasse der Wehrpflichtigen bestand. Erschwerend kam hinzu, dass die neuen Wehrpflichtigen sich zwar im November melden mussten, aber der Beginn ihrer eigentlichen Dienstzeit wurde auf den kommenden März verschoben. Da dieser Zeitraum in der Praxis jedoch nicht durch die Ausbildung der Zweiten Klasse genutzt wurde, gab es in den Wintermonaten praktisch keine stehende Armee. Selbst in den Sommermonaten hatten die Einheiten weniger als zehn Prozent ihrer nominellen Stärke.

Die Probleme wurden durch den Mangel an Unteroffizieren, welche traditionell aus der in Italien sehr kleinen, gebildeten unteren Mittelklasse stammten, verschärft. Nichtsdestotrotz gelang es der Armee, bemerkenswerte Verbesserungen bis zum Auftakt des Krieges zu erreichen.


Stärke

Bis zum Mai 1915 hatte der Chef des Generalstabs, General Cadorna, 23.039 Offiziere, 852.217 Mannschaften und 9.163 Zivilisten mobilisiert. König Vittorio Emanuel – nominell Oberbefehlshaber – verbrachte den Krieg zwar in der Nähe der Front, aber General Cadorna führte die tatsächliche Befehlsgewalt aus, während der König zwischen seinem Stabschef und seiner Regierung in Rom vermittelte.

Italien trat in den Krieg ein mit 12 Armeekorps innerhalb Italiens zu je zwei aktiven Infanterie-Divisionen.

Die Korps hatten ihre ursprünglichen Hauptquartiere wie folgt:

  • I. Korps – Turin,
  • II – Alessandria,
  • III – Mailand,
  • IV – Genua,
  • V – Verona,
  • VI – Bologna,
  • VII – Ancona,
  • VIII – Florenz
  • IX – Rom,
  • X – Neapel
  • XI Bari,
  • XII – Palermo und Cagliari (wobei dieses mit 3 Divisionen einzigartig war).

Es gab auch zwei Korps in den Kolonien. Diese 14 Korps wurden auf vier Armeen verteilt.

Einschließlich Reserven der zweiten Linie gab es 35 Infanterie-Divisionen und ein Dutzend Miliz-Divisionen (aus insgesamt zwei Grenadier- und 94 Linienregimentern), eine Bersaglieri-Division (12 Regimenter), zwei Alpini-Gruppen (52 Bataillone in acht Regimenter), vier Kavallerie-Divisionen, 14 Bataillone Pioniere, 467 Feldartillerie-Batterien mit fast 2.000 Kanonen und Haubitzen, sowie Bataillone der para-militärischen Carabinieri und Guardi di Finanza (militarisierte Zollpolizei), um die Feldarmee zu unterstützen.

Bersaglieri, die Elite-Truppen
Ein Mitglied der Bersaglieri, die Elite-Truppen der italienischen Armee, mit einem zusammengelegten, tragbaren Fahrrad auf dem Rücken.
Während des Krieges expandierte die Armee massiv und ihre Strukturen wurde geändert, welche die neuen Bedingungen des Stellungskrieges widerspiegelten. Bis Ende 1915 gab es bereits 181 neue Kampfbataillone: darunter 72 der Linieninfanterie, vier der Bersaglieri, 26 der Alpini, vier der Gebirgsartillerie, 18 der schweren Artillerie, 20 der überschweren Artillerie und 37 der Pioniere. Diese Zahlen erhöhten sich noch weiter bis zum Oktober 1917, als es offiziell 26 Armeekorps mit insgesamt 65 Infanterie- und vier Kavallerie-Divisionen gab (tatsächlich waren es sogar 27 Infanterie-Korps, da die 35. Division in Mazedonien so stark war wie ein ganzes Korps).

Die Katastrophe von Caporetto im Oktober 1917 und der damit verbundenen italienischen Rückzug auf den Fluss Piave kosten die Armee rund 300.000 Gefallene, Verwundet und Gefangene sowie 3.150 Artilleriegeschütze, 1.732 Mörser, 3.000 Maschinengewehre und 300.000 Gewehre. Dies erforderte praktisch den Wiederaufbau der italienischen Armee. Der neue Chef des Generalstabs, General Armando Diaz, löste die zerschmetterten Überreste von 46 Infanterie-Regimenter, vier Bersaglieri-Regimenter und 15 Alpini-Bataillone sowie zahlreicher Unterstützungseinheiten auf.

Die Armee schrumpfte auf 33 Divisionen, erlebte aber von Ende 1917 bis 1918 eine erstaunliche Erholung mit der Aufnahme von neuen Einheiten und der Schaffung von neuen Formationen. Bis zum Ende des Krieges befanden sich 5,2 Millionen Männer im Dienst, in neun nummerierten Armeen und unzähligen Organisationen hinter der Front.

Jedes Korps bestand aus zwei Infanterie-Divisionen, einem Bersaglieri-Regiment, einem Kavallerieregiment, einem Feldartillerie-Regiment aus 8 Batterien, zwei oder drei Batterien von schweren Haubitzen und Unterstützungseinheiten.

Wie in anderen kriegführenden Armeen auch, sank der Anteil der Infanteristen, als der Krieg zunehmend ‘industrialisiert’ wurde, während die Artillerie, Ingenieure, Pioniere und Bautruppen, Transportwesen, Wartungseinheiten, Melde- und Sanitätsdienst ausgebaut wurden.


Uniformen

Italienische Infanterie
Italienische Infanterie (v.l.n.r): Infanterist (1915-18), Leutnant V. Sturm-Battalion (1918), Unteroffizier Toskana-Brigade (1917).

Als Italien am 23. Mai 1915 in den Ersten Weltkrieg eintrat, war zwar eine grau-grüne Uniform bereits seit 1909 eingeführt worden, trotzdem zogen viele Einheiten noch mit einer Mischung aus dunkelblauen und grau-grünen Uniformen in den Krieg. Schwerter und blaue Umhänge waren bei den Offizieren immer noch beliebt, denen immer noch nicht klar war, dass sie möglichst unauffällig gekleidet sein sollten.


Es gab grundsätzlich zwei verschiedene Muster von Uniformen für die anderen Ränge der Feldwebel, Unteroffiziere und gewöhnlichen Soldaten. Das eine Muster war für Fußtruppen und das andere für die berittenen Truppen.

Für die Fußtruppen war die Jacke sehr locker geschnitten und hatte keine äußeren Taschen. Die Seitenschlitze konnten mit zwei kleinen Knöpfen festgezogen werden. Auf den Schultern hatte sie gepolsterte Seitenteile, was die Ausrüstung daran hinderte, von den Schultern abzugleiten. Die Manschetten waren spitz und die Tunika wurde mit passenden Pantaleons, Wickelgamaschen und Lederstiefeletten getragen.

Die Berittenen Truppen hatten eine Tunika mit Schultergurten und einen Halbgürtel auf der Rückseite. Anstelle von Pantaleons trugen sie Reithosen, schwarze Ledergamaschen und Stiefeletten mit Sporen.
Geringfügige Variationen gab es für die Uniform der Bersaglieri-Radfahrer, die eine Tunika mit Stand- und Fallkragen im Gegensatz zum Stehkragen hatten. Dazu hatte deren Uniform Schultergurte, Brusttaschen und eine Art ‘Wilderertasche’ auf der Rückseite der Tunika mit Zugang über Seitenschlitze. Auch sie trugen Pantaleons, aber mit den Gamaschen für berittene Truppen statt Wickelgamaschen.

Italienische Soldaten
Italienische Soldaten (von links nach rechts): Soldat der Alpini in Winterkleidung (1917), Soldat der Bersaglieri (1915), Soldat eines Alpine-Regiments (1914).

Der Mantel war zweireihig mit großem Fallkragen, Vorderseite, passenden Schulterträgern, Seitentaschen mit Laschen, Umschlagmanschetten und einem Halbgürtel auf der Rückseite. Es gab auch einen dunkelgrauen Fahrermantel für motorisierte Dienste. Die Winterbekleidung wurde variiert und so gab es auch etwas wie den Vorläufer des ‘Seesack’-Mantels. Zuerst trugen nur Fußtruppen den kurzen runden Umhang, aber später erhielten auch berittene Truppen und Offiziere ihn.

Die Uniform für Offiziere war im Grunde genommen die gleiche, einschließlich der aufgeführten Unterschiede für Bersaglieri-Radfahrer, wurde aber in der Regel mit Brust- und Seitentaschen und Schultergurten gemacht.
Die Reithose wurde entweder mit schwarzen Reitstiefeln oder mit Gamaschen mit Stiefeletten getragen. Da sie aus hochwertigen Materialien in einem viel helleren Grauton gefertigt waren, konnten Offiziere aus diesem Grund leicht erkannt werden. Dazu waren die Uniformen für Offiziere an der Front schwer zu beschaffen und daher trugen sie zunehmend gewöhnliche Uniformen.

Die Kopfbekleidung bestand aus einem steifen Käppi mit schwarzer oder graugrüner Spitze und Kinnriemen für Offiziere und einer weichen Version mit graugrüner Spitze und schmalen Kinnriemen für andere Ränge. 1916 wurde diese durch eine abgerundete Feldmütze aus Blockfilz mit passendem Schirm ersetzt.
Die schwere Kavallerie trug weiterhin den Metallhelm mit Kamm, die leichte Kavallerie eine schwarze Bärenfellmütze und die Carabinieri einen Zweikammerhut, alle mit grauem Leinenbezug.

Die Fußtruppen erhielt eine Grundausstattung an Infanterieausrüstung mit vier Munitionstaschen, während die Reitertruppen ihre Munition in einem graugrünen Lederbandolier trugen. Kurz vor dem Krieg erhielten die Offiziere eine graugrüne Lederausstattung, die einen Hüftgurt mit rechteckiger Gürtelschnalle mit dem Adler von Savoyen in der Mitte, Pistolenholster und Munitionstasche umfasste. Der Gürtel wurde von zwei Gurten getragen und ein spezielles Muster eines kurzen Schwertes wurde auf der linken Seite am Gürtel befestigt. Während des Krieges wurden das Schwert und die Träger dafür weggelassen.

Nach einer Reihe von Experimenten mit der Herstellung von Körperpanzerung und Helmen durch die Firma Farina in Mailand begann die italienische Armee mit der Einführung des französischen Adrian-Helms. Bis 1916 hatten die Italiener ihre eigene Version in Produktion, welcher eine Verbesserung gegenüber dem französischen Original war, da dieser aus nur zwei statt vier Teile gestanzt wurde.

Die Rangabzeichen wurde auf den Schultergurten und dem Kappenband von allen Feldoffizieren und Stabsoffizieren angezeigt. Andere Ränge trugen ihre Rangabzeichen an beiden Manschetten von Tunika und Mantel.


ITALIEN (23. Mai 1915 – 3. November 1918)

  • Truppenstärke bei Kriegsbeginn = 3.450.000
  • Heeresstärke im Verlauf des Krieges = 5.615.000
  • Tote Militär = 460.000
  • Verwundete Militär = 947.000
  • Ziviltote = unbekannt, aber gering
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Bereits zum Zeitpunkt der US-Kriegserklärung befanden sich die großen Hochsee-Minenleger-U-Boote und ein Paar der neuen U-Kreuzer im Bau. Diese U-Kreuzer waren die bisher größten Unterseeboote und von der U-139-Klasse. Trotz ihrer Größe konnten die Hochsee-U-Boote nur 13 Ersatz-Torpedos mit sich führen, sodass lange über eine zusätzliche artilleristische Bewaffnung für sogenannte ‘weiche’ Ziele diskutiert wurde. Schließlich erhielten die Boote zwei 15-cm-Geschütze sowie oft eine zusätzliche 88-mm-Kanone hinter der Seitenflosse. Ein niedriges Bollwerk wurde um den Bereich des Mittelschiffs errichtet, um herum schwemmendes Seewasser davon abzuhalten, die Bedienung des Geschützes zu behindern. Dazu wurde ein einziehbarer 4-Meter-Entfernungsmesser am Ende des Turms untergebracht. Eine respektable Überwasser-Geschwindigkeit war ebenso wichtig, wie ein großer Fahrbereich, aber Dieselmotoren mit ausreichender Leistung befanden sich erst in der Entwicklungsphase. Dampfantrieb wurde in Erwägung gezogen, aber in weiser Voraussicht abgelehnt und so musste eine Höchstgeschwindigkeit von 16 Knoten akzeptiert werden, obwohl diese im praktischen Einsatz auch kaum erreicht wurde. Die Boote der U-139-Klasse waren also sehr große Boote mit einer hervorragenden artilleristischen Bewaffnung durch die 15-cm-Geschützen und einem großen Einsatzradius. Es waren auch die ersten deutschen U-Boote, welche eigene Namen erhielten, so hieß U 139 ‘Schwiger’ und U 140 ‘Weddingen’ nach dem Kommandeur des berühmten U 9, welches 1914 die drei britischen Panzerkreuzer Cressy, Hogue und Aboukir innerhalb kürzester Zeit versenken konnte. Einsatz Zu diesem Zeitpunkt war es schon zu spät, derartige U-Boote in großen Zahlen zu bauen. Neben dem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und Materialien gab es zwischenzeitlich auch andere Prioritäten und die drei gebauten Hochsee-U-Boote wurden erst 1918 in Dienst gestellt. 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  • Münchener Konferenz

    Biografien und Kurzbeschreibungen einiger bedeutender Persönlichkeiten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Hitler, Chamberlain, Petain, Chiang Kai-shek, Tojo, Sikroski u.a. CHAMBERLAIN, Arthur Neville (1869-1940) Britischer Premierminister. Ein wohlmeinender Karriere-Politiker mit hohen Prinzipien, dessen Außenpolitik zusammengefasst werden kann, als ‘Beschwichtigung um jeden Preis’, was zu jener Zeit die Stimmung der großen Mehrheit in einem Land, das unvorbereitet für einen Krieg war, widerspiegelte. Geboren in Birmingham als Sohn von Joseph Chamberlain (1836-1914) verläuft seine Karriere wie folgt: 1915 Oberbürgermeister von Birmingham, Direktor für Wehrdienst 1916-1917, Ministerpräsident 1918, Postminister 1922, Gesundheitsminister 1923, 1924 bis 1929 und 1931, Kanzler der Schatzkammer 1923 bis 1924 und 1931 bis 1937, Premierminister von Mai 1937 bis Mai 1940. Persönlich in die deutsch-tschechoslowakische Krise von 1938 involviert, trifft er sich mit Hitler in Bad Godesberg und München. Erhält den Empfang eines Helden in London nach seiner Rückkehr nach der Unterzeichnung des Münchener Abkommens und prophezeit den ‘Frieden in unserer Zeit’. Er verurteilt streng die deutsche Besetzung der Tschechien im März 1939. Versucht im Sommer 1939 ein Militärbündnis mit der Sowjetunion auszuhandeln und gibt Polen eine feste Garantie auf militärische Unterstützung bei einer Nazi-Aggression. Beschwört am 3. September 1939 die britische Bevölkerung ein, die ‘bösen Dinge’ zu bekämpfen, für welche der Hitlerismus steht. Verurteilt im November 1939 die sowjetische Aggression gegen Finnland und plant eine britische Expeditionsstreitmacht nach Skandinavien zu schicken. Sein scheitern, Finnland zu retten oder Hitlers Invasion von Norwegen – das Unternehmen Weserübung – zu vereiteln, bringt ihm Tadel durch das britische Parlament House of Commons ein und Chamberlain tritt am 10. Mai 1940 zurück. Er wird Präsident des Rates von Mai bis Oktober 1940, bevor er an Krebs am 9. November 1940 stirbt. HITLER, Adolf (1889-1945) Alles über den Führer des Dritten Reichs: PETAIN, Henri Philippe (1856-1951) Französischer Marschall und Chef des französischen Staates. Petain ist eine der am meisten kontroversen Personen in der französischen Geschichte. Er spielte viele wichtige Rollen in seinem langen Leben, der unbezwingbare ‘Retter von Verdun’ 1916, Anwalt der einfachen französischen Soldaten, der ‘Große, Alte Mann von Vichy’ als Marionette von harten französischen Faschisten und zuletzt der senile politische Gefangene auf einer windgepeitschten Atlantik-Insel. Geboren am 24. April 1856, besuchte er die St.Cyr Militärschule 1876 bis 1878 und wird Dozent unter Foch am Ecole de Guerre. 1912 zum Oberst befördert und Korpskommandeur 1914 bis 1915. 1915 übernimmt er das Kommando über eine französische Armee. Übernimmt im Februar 1916 den Befehl über die Verteidigung von Verdun und wehrt wiederholte deutsche Angriffsversuche bis Dezember ab. Im April 1917 zum Chef des französischen Generalstabes ernannt. Im Mai 1917 gelingt es ihm mit durch seinen hervorragenden Umgang mit den Meutereien in der französischen Armee diese zu ersticken. Im November 1918 zum Marschall von Frankreich ernannt. 1920 Vizepräsident des Obersten Kriegsrates, 1922 Generalinspekteur der französischen Armee und befürwortete eine vollständig defensive Strategie. 1925/1926 schlägt er die langwierige Riff-Rebellion in Marokko nieder. 1934 bis 1938 enge Kontakte zu faschistischen französischen Politikern. Im März 1939 als Botschafter nach Spanien entstand und auf der Höhe der Krise des französischen Zusammenbruchs im Mai 1940 zurückgerufen. Nachfolger von Reynaud als französischer Ministerpräsident am 16. Juni 1940 und suchte sofort einen Waffenstillstand mit Deutschland und Italien. Chef des französischen Staates am 10. Juli 1940, mit Vollmachten welche denen Napoleons nah kamen. Der Amtssitz seiner Regierung wird Vichy im unbesetzten Frankreich und ruft zu einer ‘nationalen Revolution’ auf, welche auf ‘Arbeit, Familie und Vaterland’ gegründet sein soll. Entlässt Laval als Ministerpräsident im Februar 1941, wird aber auf deutschen Druck im April 1942 gezwungen, diesen wieder einzusetzen. Er wird zunehmend schwächer und schwächer, politisch und als Mensch. Am 20. August 1944 durch die Deutschen verhaftet und nach Belfort in Nordost-Frankreich deportiert. Anschließend nach Sigmaringen in Südost-Deutschland. Kehrt im April 1945 freiwillig nach Frankreich zurück und wird mit 14 zu 13 Stimmen durch den Obersten Gerichtshof zum Tode verurteilt. Durch de Gaulle in lebenslängliche Haft auf der Gefängnisinsel Ile d’Yeu im Golf von Biskaya umgewandelt. CHIANG KAI-SHEK (1887-1975) Alliierter Oberbefehlshaber in China. Ein in seiner Jugend bemerkenswerter Soldat, welcher ebenfalls 1937 bis 1945 der japanischen Invasion trotzte. Trotz massiver US-Unterstützung während und nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde seine Herrschaft durch die kommunistischen Streitkräfte Mao Tse-tungs beendet und er wurde 1949 zum Rückzug nach Formosa (Taiwan) gezwungen. Geboren, aufgewachsen und ausgebildet in der Provinz Zhejiang. Er besuchte die Paoting-Militärakademie 1906 und die ‘Vorbereitende Militärakademie’ von Tokio in Japan von 1907 bis 1909. Diente im japanischen 13. Feldartillerie-Regiment von 1909 bis 1911. Er kämpfte 1911 in der chinesischen Revolution. In das Zentralexekutiv-Komitee der Kuomintang-Partei (Nationalisten) gewählt und 1927 zum Oberbefehlshaber der ‘Nördlichen Bestrafungsexpedition’ ernannt. Besiegt den großen Kriegsherrn Wu Pei-fu und erobert Peking 1927/28. 1928 zum Generalissimus und Vorsitzenden des Staatsrates der nationalistischen Regierung in Nanking ernannt. Tritt von allen Ämtern nach einer Rebellion in Süd-China 1931 zurück. 1932 wird er jedoch von einer verzweifelten Regierung nach dem japanischen Angriff auf Schanghai zurückgerufen. Schlägt den kommunistischen Aufstand in der Provinz Fukien nieder. Zwingt 100.000 Kommunisten unter Mao Tse-tung einen quälenden Rückzug über 10.000 Kilometer aus dem Südosten nach Nordwest-China durchzuführen (den ‘Langen Marsch’), dem 92.000 Kommunisten zum Opfer fallen. Weist die japanische Forderung an ihn zurück, eine ‘besondere Stellung’ in Nord-China zu erhalten. Vereinbart einen Pakt mit Mao Tse-tung am 5. Juli 1937, zwei Tage bevor die Japaner in der Nähe von Peking mit ihrem Angriff beginnen. Verzögert den japanischen Vorstoß für drei Monate vor Schanghai von September bis November 1937. Im Dezember 1937 zieht er sich nach Hankow und im Oktober 1938 nach Tschungking zurück. Verbleibt in Tschungking, trotz heftiger japanischer Luftangriffe 1939 bis 1941. Zerschlägt die kommunistische 4. Marsch-Armee im Januar 1941 und bricht damit dem Pakt vom Juli 1937. Verwendet 1942 bis 1945 einen kostbaren Teil der amerikanischen Waffenlieferungen, welche mit großem Aufwand über den Himalaja eingeflogen wurden, für die Blockade von Maos Streitkräften. Zwingt US-Präsident Roosevelt dazu, Stillwell als Militärberater im Oktober 1944 abzuberufen. Sein Ansehen und militärische Machtbasis in Süd-China wird durch die japanische Offensive von April 1944 bis Januar 1945 schwer erschüttert. Befiehlt vorsichtige Gegenangriffe gegen die sich im Sommer 1945 mehr …

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    Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 1. März 1945 vor der Überquerung des Rheins durch die Alliierten. Heeresgruppen, Armeen, Korps und Divisionen. Kriegsgliederung der Wehrmacht vom 1. März 1945 Die Aufstellung und Verteilung der Divisionen der Wehrmacht und unterstellter Einheiten von Verbündeten am 1. März 1945. Dabei sind: VG-Division die Volks-Grenadier-Divisionen. Bodenständige Infanterie-Division ist eine Infanterie-Division, welche normalerweise als Festungs- oder Küstenschutz-Division verwendet wird und daher über keine oder nur wenige Transportmittel verfügt. Kampfgruppen sind die noch verfügbaren, einsatzfähigen Truppeneinheiten von aufgeriebenen Divisionen. Schematische Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht, Stand 1. März 1945. Ostfront Heeresgruppe F (OB Südost, in Jugoslawien und auf Kreta sowie Rhodos) Heeresgruppe Süd Heeresgruppe Mitte Heeresgruppe Weichsel Heeresgruppe Nord Heeresgruppe Kurland Norden OB West Reserven im Westen: 159., 172. Inf.Div., 245. bodenständige Inf.Div. Heeresgruppe H Heeresgruppe B Heeresgruppe G Italien (OB Südwest) Reserven: 600. Inf.Div. (Münsingen), 48. Inf.Div. (Wehrkreis XVII), 264. Inf.Div. (Dänemark), 716. bodenständige Inf.Div. (Oberrhein), 106. Inf.Div. (Oberrhein), 189. Inf. Div. (Oberrhein), unklare Inf.Div. (Mährisch-Ostrau), 14. (ukrainische Nr.1) SS-Div. (Slowakei), 34. Waffen-SS-Brigade Nederland (Holland), 2. Kosaken-Div. (Kroatien), 25. (ungar. Nr.2) SS-Gren.Div., 30. (russische Nr.2) Waffen-SS-Div. (Grafenwöhr) Siehe auch: Wehrmachts-Verbände Organisation 1942-45 Der alliierte Angriff auf die Rhein-Barriere im März 1945 Gerade als die Offensive der Roten Armee an der Oder zum Stillstand kam und die Wehrmacht sich auf eine weitere Gegenoffensive in Ungarn vorbereitete, machten sich auch die Alliierten im Westen wieder zum Angriff bereit. Sie hatten nun den Fronteinbruch, welche die deutsche Ardennen-Offensive im Dezember verursacht hatte, bereinigt. Zuerst bestand aber Eisenhower noch auf die Beseitigung der deutschen Frontausbuchtung um Colmar im Elsass westlich des Oberrheins, welche durch französische und amerikanische Truppen der 6. Armee-Gruppe von General Devers durchzuführen waren. Dahinter stand der Gedanke, dass Adolf Hitler wie schon bisher seine Truppen bei der Verteidigung des Vorfeldes vom Rhein verheizte und damit nur noch weniger Kräfte für die eigentliche Abwehrlinie am Rhein verblieben. Der Plan ging auf und erbitterten Kämpfen erreichten die Alliierten während des Februars den Oberrhein. Anschließend wurden eine Reihe von Operationen durchgeführt, welche mit dem Unternehmen ‘Veritable’ im Norden durch britisch-kanadische Einheiten in Richtung Wesel begann. Dieser Angriff traf mit einer amerikanischen Offensive unter dem Codenamen ‘Grenade’ (Granate) weiter südlich aus der Gegend um Jülich in Richtung Nordosten zusammen. Der Erfolg dieser Operationen würde den Niederrhein absperren und anschließend einen Großangriff über den Rhein unter dem Befehl von Montgomery in die deutsche Tiefebene nördlich des Ruhrgebiets ermöglichen. Im Anschluss an diese Zangenoperation sollten Bradleys Streitkräfte mit der Operation ‘Lumberjack’ (‘Holzfäller’) weiter südlich in Richtung Rhein und Mosel vorstoßen. Anschließend sollte der Angriff in südöstlicher Richtung über die Mosel in den Rücken der deutschen Truppen am Westwall entlang der alten französisch-deutschen Grenze und Luxemburg fortgesetzt werden. Die Möglichkeit einer frühzeitigen Überquerung des Rheins während dieser Operationen wurde zwar nicht ausgeschlossen, aber die alliierten Stäbe gingen davon aus, dass nach Erreichen des Rheins auf breiter Front zusätzliche Übersetzungs-Operationen südlich des Ruhrgebietes zur Einschliessung des Industriegebietes zusammen mit den britisch-kanadischen Truppen von Montgomery weiter nördlich, sowie in Richtung Frankfurt am Main durchgeführt werden müssten. Für diese Pläne wurde Montgomerys 21. Armee-Gruppe mit drei kanadischen und zwei britischen Divisionen aus Italien verstärkt, während die Amerikaner ihre letzte verfügbare Division aus den USA über den Atlantik heranbrachten. Somit standen über 400.000 Briten und Kanadier, 1,5 Millionen Amerikaner und mehr als 100.000 Franzosen für den Sturm auf Deutschland bereit. Die kanadische 1. Armee begann mit dem Unternehmen ‘Veritable’ am 8. Februar und kam langsam gegen erbitterten deutschen Widerstand vorwärts. Überschwemmungen durch die Schneeschmelze und die Öffnung der Schleusentore durch die Deutschen, zusammen mit ihrem entschlossenen Widerstand, verlangsamten sowohl den kanadischen Vormarsch, wie auch den darauf beginnenden Angriff der südlichen Zangenbewegung unter dem Codenamen ‘Grenade’ der 9. US-Armee. Erst am 3. März konnten die amerikanischen und kanadischen Speerspitzen aufeinandertreffen. Bis zum 7. März erreichten die alliierten Truppen den gesamten Niederrhein mit Ausnahme eines kleinen deutschen Brückenkopfs um Xanten. Die deutschen Verteidiger zogen sich nun über den Rhein zurück und sprengten hinter sich die Brücken. Wenn auch die Kämpfe heftig waren, so zeigten sich jedoch erstmals Anzeichen, dass die deutschen Truppen zunehmend demoralisiert wurden, denn über 50.000 Gefangene fielen in alliierte Hände. Montgomery begann nun mit gewaltigen Vorbereitungen zur Rheinüberquerung. Während er damit beschäftigt war, durchtrennten die Amerikaner weiter südlich die deutschen Abwehrlinien westlich des Rheins und konnten den Rhein noch aus der Bewegung überqueren. Am 23. Februar griff die Armee von General Hodges südwestlich an und drängte auf Köln vor. Die Amerikaner drangen schnell in die Außenbezirke der großen Stadt vor und drehten nach Süden ein, in das Hinterland der deutschen Truppen, die noch an der deutsch-belgischen Grenze standen. Als sie dabei am 7. März die Höhen über der Eisenbahnbrücke bei Remagen erreichten, sahen die Vorhut der amerikanischen Panzertruppen die Brücke immer noch intakt stehen und stürmte auf sie zu, während die Deutschen verzweifelt versuchten, sie zu sprengen. Ironischerweise hatte die durch einen amerikanischen Luftangriff verursachte Explosion vom Oktober 1944, bei der eine Hängebrücke in den Rhein gestürzt war, die Deutschen dazu veranlasst, die Sprengsätze der anderen Brücken erst vor der geplanten Sprengung zu verdrahten, damit kein weiteres, ähnliches Unglück passierte. Das überraschende Auftauchen der Amerikaner verhinderte nun die vollständige Verdrahtung der Sprengsätze und so fiel die Brücke kaum beschädigt in deren Hände. Mit der Zustimmung von Bradley und Eisenhower beorderte Hodges alle verfügbaren amerikanischen Streitkräfte schnell über den Fluss und errichtete einen Brückenkopf auf dem östlichen Rheinufer gegen verzweifelte deutsche Gegenangriffe. Dazu ließ er noch Pontonbrücken neben der durch den Sprengversuch geschwächten Eisenbahnbrücke errichten, welche dann nach einiger Zeit durch Bomben und Artilleriebeschuss zusammenbrach. Damit war die letzte und mächtigste Barriere im Westen von Deutschland durchbrochen worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte Pattons 3. US-Armee die Deutschen auf der rechten Flanke der 1. Armee an die Mosel zurückgedrängt und fuhr nun fort über diesen Fluss hinweg in das rückwärtige Gebiet der deutschen Streitkräfte einzudringen, welche einem Angriff der 7. US-Armee der südlichen 6. Armee-Gruppe gegenüberstanden. Als der deutsche Oberbefehlshaber im Westen, von Rundstedt, diese Einheiten über den Rhein zurückziehen wollte, ersetzte Hitler ihn durch Feldmarschall Albert Kesselring, der die mehr …

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