Tiger II

Tiger II – deutscher schwerer Panzerkampfwagen VI Ausf. B (Königstiger, Tiger II).
Feuerkraft, Schutz, Feuerkraft und Mobilität im Einsatz, Spezifikationen, Statistiken und 3d-Modell (Teil II).

PzKpfw VI Ausf.B Königstiger (Henschel)
PzKpfw VI Ausf.B Königstiger (Henschel)

t_arrow2hier zu Teil I vom Königstiger: Geschichte, Herstellung, Einsatz, Bilder und Video.

Leistung des Königstigers im Einsatz

Feuerkraft

Der Tiger II verwendete die KwK 43, welche von der 88-mm Pak 43 abgeleitet war und allgemein als beste Panzerabwehrkanone des Zweiten Weltkrieges gilt. Diese Waffen hatten eine dramatisch verbesserte Leistung gegenüber der ursprünglichen 88-mm Flak.
Was in einem Panzer geschah, wenn ihn lediglich nur eine Granate der schwächeren 88-mm-Flak getroffen hatte, wurde von einem amerikanischen Offizier 1943 wie folgt beschrieben: ‚Wir konnten tatsächlich die Granaten sehen, welche knapp über den Boden wie ein springender Stein auf der Wasseroberfläche auf uns zukamen. Ein Granatsplitter kam direkt durch das Rohr unserer Kanone hindurch, verursachte aber keine schweren Verletzungen unter der Besatzung. Eine andere Granate ging wie ein Hase durch die Drehgestell-Räder unter dem Panzer durch und riss die andere Seite auf. Eine weitere traf den Turm, detonierte aber nicht. Dann traf eine Granate unser Ketten-Aufhängungssystem. Jeder Treffer verursachte ein Geräusch wie ein gigantischer Amboss oder riesige Glocke und ließ unsere Ohren klingeln.
Sobald unsere Kanone wieder schussbereit war, begannen wir zu schießen. Dann zerschlug eine weitere Granate unseren linken, hinteren Treibstofftank. Brennendes Benzin spritzte über die Rückseite unseres Panzers, die Ketten und auf den Boden bei uns.
Ich schrie zu meinen Jungs, dass es jetzt an der Zeit wäre zu gehen. Wir sprangen aus unserem Panzer wie Erbsen aus einer heißen Schote, noch bevor der Panzer zum Stehen kam.‘

Sherman von Acht-Acht getroffen
Eine Acht-Acht hat ziemlich einfach ein sauberes Loch in den unteren Rumpf, eines Sherman-Panzers gestanzt, wo sich die Kraftübertragung des Panzers befindet.

Welcher Schaden tatsächlich an einem Panzer geschah, wenn er von einer Hochgeschwindigkeits-Granate einer Acht-Acht-Kanone getroffen wurde, ist abhängig von einer Reihe von Bedingungen. Der prinzipielle Schaden entsteht dadurch, wenn die Granate die Panzerung durchschlägt und den anschließenden Querschlägern des Geschosses innerhalb des getroffenen Fahrzeuges.
Neben dem in das Fahrzeug eingedrungene Geschoss wird auch die Panzerung durch Absplitterung in Mitleidenschaft gezogen. Dies geschieht durch den Aufprall des Geschosses auf die Panzerung und verteilt davon Fragmente mit hoher Beschleunigung innerhalb des Fahrzeuges.

Ein Bergungsexperte der amerikanischen Armee in Westeuropa 1944/45, welcher zerstörte oder brennende Panzer seiner Einheit untersuchte, beschreibt die Zustände innerhalb eines Sherman-Panzers nach dem Treffer einer Acht-Acht wie folgt: ‚Es war nicht schön. Eine 88-mm-Granate, welche innerhalb des Panzers umherrotiert war, hat jedes Besatzungsmitglied, welches das Pech hatte, in dessen Weg gestanden zu haben, zerschmettert. Wenn der Panzer von einer Acht-Acht getroffen und in Brand geraten war, konnte der Geruch von verbrannten Fleisch überwältigend sein. Durch die starke Hitze eines brennenden Panzers schrumpften die verbrannten Körper seiner Besatzung auf die Hälfte ihrer ursprünglichen Größe‘.

Die Verletzung, welche von den Hochgeschwindigkeits-Panzerabwehrgranaten der deutschen Geschütze innerhalb durchschlagener amerikanischer Panzer verursacht wurden, waren so schrecklich, dass es bei der 4. US-Panzer-Division eine feste Regel gab, dass wenn die Besatzung einen getroffenen Panzer verlassen hatte, nur verwundeten Kameraden nach außerhalb des Fahrzeuges geholfen werden durfte.
Wenn irgendeiner der Panzerleute getötet wurde, war es den überlebenden Besatzungsmitgliedern verboten, diese Körper aus dem Fahrzeug zu bergen. Stattdessen wurden Bergefahrzeuge eingesetzt, den getroffenen Panzer nach hinten abzuschleppen, wo Hilfskräfte deren Überbleibsel entfernten.
Der Grund dafür war, dass die Panzerbesatzungen niemals sehen sollten, auf welche schreckliche Weise sie innerhalb ihrer Fahrzeuge sterben können, wenn diese von einer deutschen Panzerabwehrgranate getroffen werden. Dies hätte ihre Moral und Aggressivität beim nächsten Gefecht mit deutschen Truppen nachhaltig beeinflusst.

schwere Panzerkompanie
Eine Schwere Kompanie mit Königstiger und Tiger I einer Panzerdivision in Bereitstellung unter Fliegertarnung.

Schutz

Während des Zweiten Weltkrieges war das einzige Material, welches für die Panzerung verfügbar war, Stahl. Der Schutz stieg mit der Dicke der Stahlpanzerung an, hatte aber den Nachteil des zunehmend größeren Gewichts.
Da die Fahrzeugtechnologie in dieser Zeit nicht in der Lage war, Panzer mit einem starken Schutz und gleichzeitiger großer Mobilität zu konstruieren, waren die Entwürfe ein Kompromiss.
Beim Tiger wurde Schutz der Mobilität vorgezogen. Trotzdem kann kein Panzer gegen Bedrohungen aus allen Richtungen und Entfernungen geschützt werden. Deshalb setzten zeitgenössische Konstrukteure ihren gesunden Menschenverstand ein, um die Panzer möglichst gut zu schützen. Heute wissen wir, dass die Frontpanzerung der Fahrzeuge zu 60° Grad für den optimalen Schutz angewinkelt sein sollte.

Beim Tiger II wurde aufgrund der Erfahrungen mit dem russischen T-34-Panzer, ebenso wie schon zuvor beim Entwurf des PzKpfw V Panther, angewinkelte Panzerung verwendet, welche die Effektivität des Schutzes stark verbesserte.
Dies geschieht auf zwei Weisen: erstens, weil es die Dicke der Panzerung in der Horizontalen vergrößert und zweitens, weil diese weniger Angriffsfläche für ein Geschoss bietet, was zudem noch dadurch eher abprallen als durchschlagen kann.

Panzerbataillon mit Königstiger
Ein schweres Panzerbataillon mit Königstiger an der Ostfront im November 1944.

Die Effektivität der Panzerung des Tiger II wird aus einem Gefecht aus dem Jahr 1945 klar, als ein Tiger II einen Sherman-Panzer überraschend aus weniger als 150 Metern abschoss. Die fünf anderen Sherman-Panzer eröffneten daraufhin das Feuer aus weniger als 200 bis 600 Metern und erzielten fünf oder sechs Treffer auf die Vorderseite des Tigers. Sie prallten alle ab, der Tiger II fuhr zurück und war weg. Die amerikanischen Panzerbesatzungen bemerkten zu dem Vorfall, wenn sie Panzer wie den Königstiger hätten, würden sie noch heute den Krieg gewinnen.

Bei der US-Army mussten vor allem die M4 Sherman gegen den Tiger ‚ran‘. Das amerikanische panzerbrechende Standard-Geschoss M61 für die 75-mm-Kanone prallte allerdings sowohl beim Tiger I als auch beim Königstiger an der Frontpanzerung und manchmal sogar an der Seitenpanzerung einfach ab.
Selbst der verbesserte Sherman mit der 76-mm-Kanone konnte beide Tiger-Modelle aus Entfernungen von über 50 Meter nicht frontal durchschlagen.

Der einzige bedrohliche Gegner für den Tiger II war der sowjetische Josef-Stalin-Panzer. Der JS-2 erschien erstmals im Februar 1944 auf dem Schlachtfeld und war so wirksam gegen den Tiger I, dass dessen Besatzungen angewiesen wurden, immer zuerst diesen schweren sowjetischen Panzer bei seinem Auftreten zu bekämpfen.

Im Februar 1945 wurden 21 Tiger II der schweren 503. SS-Panzer-Abteilung für einen Gegenangriff beim bedrohten Danzig in vier Kampfgruppen eingesetzt. Karl Bormann war einer der Panzerkommandanten und berichtete, dass alleine seine Mannschaft dabei innerhalb von sechs Wochen 66 sowjetische Panzer, 44 Geschütze und 15 Lastkraftwagen zerstört hat.
Um auf die Bedrohung durch die Tiger II zu reagieren, brachte die sowjetische 2. Garde-Panzer-Armee ihre zahlreichen JS-2-Panzer mit ihren schweren 122-mm-Kanonen zum Einsatz. Ein einziger Treffer dieser Kanone konnte einen Panther außer Gefecht setzen oder den Drehturm des Königstigers verklemmen.

Bormann vermerkte dazu, dass der Josef-Stalin-Panzer der stärkste Gegner war und nur schwer auszuschalten war. Man musste dem Turmring treffen, was auch sonst die meisten Panzer vernichtete.
Der Vorteil der Tiger II war, dass deren Ladeschütze schneller nachladen konnte, als die Russen in ihren schweren Panzern die 122-mm-Granaten, welche in Sprengkopf und Treibladung getrennt geladen werden mussten. Was die Nachladezeit anging, war die Acht-Acht unschlagbar.
Einen Stalin-Panzer konnten sie mit dem ersten Schuss – einem Glückstreffer – aus 1.700 Metern von der Seite abschießen.

Die Frontalpanzerung des Tiger II konnte von keiner alliierten Panzer- oder Panzerabwehrkanone durchschlagen werden. Die Frontalpanzerung des Tiger II war auch weicher als die vom Tiger I und war daher auch nicht so empfindlich gegen das Zerbrechen.

Kolonne Tiger II
Eine Kolonne Tiger II auf dem Marsch zur Ostfront in der letzten Kriegsphase.

Mobilität

Es wird von einigen Seiten viel darüber berichtet, dass die Tiger langsam und unhandlich aufgrund ihrer Größe und Gewichts waren. Dies ist aber nur teilweise richtig, da sie für ihre Zeit und für ihren Einsatzzweck ihre Aufgaben recht gut im Vergleich zu vielen der alliierten Panzer bewältigten.

So meldeten die Amerikaner, dass die Panther- und Tiger-Panzer aufgrund ihrer breiten Ketten eine viel bessere Geländegängigkeit im Schlamm oder Schnee hatten als die Sherman-Panzer. Nach ihrer Ansicht waren die Panzer V und VI den Sherman-Panzer in der Beweglichkeit klar überlegen.
Auch ermöglichte die relativ leise Marschgeschwindigkeit den deutschen Panzern, sich oft den viel lauteren amerikanischen Panzern unentdeckt anzunähern.

Zudem war neben dem geringeren Bodendruck durch die breiten Ketten das Gewicht der Tiger-Panzer sehr gut ausbalanciert, sodass sie nicht so leicht im tiefen Gelände einsanken. Zudem war das Leistungsverhältnis des Tiger-Motors zum Panzergewicht und sein Kettenlaufwerk den leichten alliierten Panzern überlegen.

Königstiger Panzer-Befehlswagen
Panzer-Befehlswagen des Königstiger, ab November 1944 gebaut.

Trotzdem hatten der Tiger I und vor allem der Tiger II aufgrund des höheren Gewichts seine mechanischen Schwachstellen. Auch die schnelle Entwicklung und kurze Einführungszeit der Panzer führte zu Problemen.
Dies führte dazu, dass der Tiger I und II in der Regel nicht mehr als 90 Kilometer am Stück fahren konnte, ohne das dies zu mechanischen Schwierigkeiten und leeren Treibstofftanks führte.
Panzer haben in der Regel – selbst heute noch – eine kurze Haltbarkeit. Vor allem die schwere Panzerung und der Einsatz kleiner, schmaler und leichter Motoren wie beim Tiger, Teile des Kettenlaufwerks, Antrieb usw. führen zu einem hohen Verschleiß an Ersatzteilen.

Allerdings war sich die Wehrmacht der Nachteile ihrer schweren Panzer bewusst und so wurden die Befehlshaber höherer Stäbe darauf aufmerksam gemacht, dass die Tiger zwar eine Schlacht entscheiden können, aber nur solange man sie sparsam einsetzt.
So waren Eilmärsche verboten, da dies unnötigen Verschleiß an Motoren, Kraftübertragung und Kettenlaufwerken verursacht. Die Ketten der Tiger hielten nämlich nur weniger als 800 Kilometer, wenn sie hart beansprucht wurden.

Bei dem Marsch in neue Stellungen sollten die Tiger einzeln, einer nach dem anderen fahren, da dies dann bei gleichmäßiger Geschwindigkeit – ohne ständiges Abbremsen und Anfahren – möglich war. Auch musste die Route der Tiger aufgrund ihrer Größe und Gewichts sorgsam zuvor geplant werden.
Deshalb war so mancher deutsche General gezwungen, seine Schlachtpläne zu ändern, um die taktischen und mobilen Einschränkungen der zum Einsatz vorgesehen Tiger-Panzer zu berücksichtigen.

PzKpfw VI Ausf.B Königstiger mit Porsche-Turm
PzKpfw VI Ausf.B Königstiger mit Porsche-Turm.

Spezifikationen Königstiger

Spezifikationen:

PzKpfw VI Ausf. B (SdKfz 182) Königstiger
Spezifikation
Typ
schwerer Panzer
Antrieb
Maybach HL 230 P 45 mit 700 PS bei 3000 U/min
Getriebe
8 Vorwärts-, 4 Rückwärtsgänge
Besatzung insg.
5
Turm-Besatzung
3 (mit 360°-Kommandanten-Kuppel)
Länge
10,30 m (mit Kanone)
Breite
3,76 m
Höhe
3,08
Gewicht
69,4 t
Straßengeschwindigkeit
38 km/h
Geländegeschwindigkeit
17 km/h
Verbrauch/100 km
Straße 680, Gelände 1000 Liter
Kraftstoffvorrat
860 Liter (in 7 Tanks)
Straßen-Fahrbereich
120 km
Gelände-Fahrbereich
80 km
Kletterfähigkeit
0,85 m
Grabenüberschreitung
2,50 m
Watfähigkeit
1,60 m
Wendekreis
5,00 m
Steigfähigkeit
35°

Panzerung:

PzKpfw VI Ausf. B (SdKfz 182) Königstiger
mm
Winkel
Turm Vorn
180
Turm Seite
80
21°
Turm Hinten
80
21°
Turm Oben
40
78-90°
Porsche-Turm Vorn
60-110
rund
Porsche-Turm Seite
80
30°
Porsche-Turm Hinten
80
30°
Porsche-Turm Oben
40
77-90°
Aufbau Vorn
150
50°
Aufbau Seite
80
25°
Aufbau Oben
40
90°
Wanne Vorn
100
50°
Wanne Seite
80
Wanne Hinten
80
30°
Wanne Unten
25-40
90°
Geschütz-Mantel
100
Saukopfblende

Bewaffnung und Ausrüstung:

PzKpfw VI Ausf. B (SdKfz 182) Königstiger
Spezifikation
Hauptbewaffnung
8,8-cm-KwK 43 L/71
Schuß
72
Schwenkbereich
360° (hydraulisch)
Höhenbereich
-7,4° bis +15°
Mündungsgeschwindigkeit Pzgr39-1
1.000 m/s
Mündungsgeschwindigkeit Pzgr40/43
1.130 m/s
Granatgewicht Pzgr39-1
10,2 kg
Granatgewicht Pzgr40/43
7,3 kg
Maximale Schußweite
?
Sekundär-Bewaffnung
2 x 7,92-mm-MG34 mit zusammen 5.850 Schuß
Funkgerät
FuG5 (bis 4 km Reichweite)
Zieloptik
TZF9b, später TZF9d (bis 5.000 m Zielentfernung)

Durchschlagskraft mm der Kanone auf 30° Panzerplatte:

Entfernung
Pzgr39-1
Pzgr40/43
Durchschlag 100 m
203 mm
237 mm
Durchschlag 500 m
185 mm
217 mm
Durchschlag 1.000 m
165 mm
193 mm
Durchschlag 1.500 m
148 mm
171 mm
Durchschlag 2.000 m
132 mm
153 mm

Herstellung:

PzKpfw VI Ausf. B (SdKfz 182) Königstiger
Angaben
Herstellung
Januar 1944 bis März 1945
Ersteinsatz
Mai 1944
Stückpreis
321.500 Reichsmark
Stückzahl
489

Einsatzstatistik für alle Königstiger:

Jahr
Bestand
Produktion
vor 1939
-
-
-
1939
-
-
-
1940
-
-
-
1941
-
-
-
1942
-
-
-
1943
-
1
-
1944
-
376
51
1945
183
82 (nur Jan-Feb)
6 (nur Jan)
Insgesamt
-
459
57


Animation 3D-Modell Königstiger (Henschel)


 

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Quellenangaben und Literatur

Kraftfahrzeuge und Panzer der Reichswehr, Wehrmacht und Bundeswehr (Werner Oswald)
Encyclopedia of German Tanks of World War Two (P.Chamberlain, H.L.Doyle)
Panzer und andere Kampffahrzeuge von 1916 bis heute (Christopher F. Foss, John F. Milsom, Colonel John Stafford Weeks, Captain Georffrey Tillotson, Richard M. Ogorkiewicz)
Panzerkampfwagen des 1. und 2. Weltkrieges (Andrew Kershaw)
Krieg der Panzer (Piekalkiewicz)
The Encyclopedia of Weapons of World War II (Chris Bishop)
Tigers in Combat I + II (W. Schneider)
Sledgehammers: Strength and Flaws of Tiger Tank Batailions in WWII (C.W.Wilbeck)
Tiger tanks (Michael Green)
Der Panzer-Kampfwagen Tiger und seine Abarten (Walter J. Spielberger, Hilary L. Doyle)


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