Deutsches Infanterie-Gewehr Modell 98 Mauser und seine Abarten.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Bilder und Modell.
Mauser-Gewehre
Typ: Infanterie-Gewehre.
Deutsches Gewehr Modell 98
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Das erste Mauser-Gewehr, welches beim deutschen Heer eingeführt wurde, war das Modell 1888. Dieses verwendete den Mauser-Zylinderverschluss, welcher praktisch unverändert bis heute verwendet wird, jedoch mit einer eher veralteten 8-mm-Patrone.
Versuche führten zur Einführung einer neuen 7,92-mm-Patrone und diese Ausführung wurde als Gewehr Modell 98 oder kurz ‚Gew 98‘ bekannt. Dieses Gewehr war ein Repetiergewehr mit Zylinderverschluss, welches von Peter-Paul Mauser (1838-1914) konstruiert worden war. Es wurde am 5. April 1898 für das deutsche Heer übernommen.
Bereits zuvor waren jedoch schon Mauser-Gewehre bei der belgischen, türkischen, spanischen, schwedischen Armee sowie bei einigen südamerikanischen Staaten eingeführt worden.
Dieses neue Gewehr wurde zu einem der am weitesten verbreiteten und erfolgreichsten Waffen seiner Art und es wurde in großen Stückzahlen hergestellt. Bei vielen der nachfolgenden Gewehre kann der Ursprung zum Gewehr 1898 zurückverfolgt werden.
Es war ein ‚klassisches‘ Mauser-Gewehr, formschöne, aber ziemlich lang und dafür gut ausbalanciert und alle Teile waren hervorragend konstruiert und wurden zumeist auch in guter Qualität hergestellt. Der Begriff ‚zumeist‘ wird verwendet, da nachdem erst einmal der 1. Weltkrieg ausgebrochen war, die Standards für die Herstellung gesenkt wurden und einige vergleichsweise grobe Exemplare an die Truppe ausgegeben wurden.
Trotzdem wurde die Mehrzahl in guter Qualität hergestellt und unter Verwendung von Möbelholz, welches durch die Verwendung eines Pistolen-artigen Griffs hinter dem Abzug betont wurde und das Halten und Zielen unterstützte. Das ursprünglich offene Visier war eine sehr aufwendige Angelegenheit mit Schieberahmen und anderen Nettigkeiten, welche viel Erfahrung für die effektive Nutzung erforderten, aber einige größere Versionen waren einfacher zu handhaben.
Das Zylindersystem behielt das übliche Mauser Verschluss-System, mit dem Zusatz einer zusätzlichen Verschlusslasche auf insgesamt drei, um eine zusätzliche Sicherheit für die neue und leistungsfähigere Patrone zu gewährleisten. Der Bolzen erforderte eine gerade gezogene Handhabung, welche zwar immer noch etwas umständlich und weniger schnell war, dafür im Einsatz weniger Probleme bereitete. Das integrierte Kastenmagazin konnte 5 Patronen aufnehmen, welche in einen Ladestreifen gesteckt wurden.
Während das Gewehr 1898 in erster Linie für die deutschen Streitkräfte produziert wurde, war es auch der Ausgangspunkt für eine Vielzahl von Gewehr-Entwürfen und auf der ganzen Welt weit verbreitet. Spanien war einer der ersten Anwender des ursprünglichen Mauser-Verschlusses und stellte verschiedene Versionen her, welche sich nur geringfügig vom Gewehr Modell 1898 unterschieden.
Mauser-Modelle aus Deutschland oder Spanien konnten bald auf der ganzen Welt vorgefunden werden und wurden an so weit auseinander liegenden Orten wie z.B. in China und Costa Rica verwendet.
Der Mauser-Verschluss hatte sich bald einen beneidenswerten Ruf an Zuverlässigkeit, Feuerkraft und Genauigkeit erworben und noch bis heute werden heftige Debatten darüber geführt, ob das Gewehr Modell 1898 und seine verschiedenen Ableger und Nachfolger das beste Infanterie-Gewehr aller Zeiten war.
Sicher ist jedoch, dass das Gewehr 1898 von 1914 bis 1918 im deutschen Heer sehr gute Dienste leistete. Die Frontsoldaten mussten es sorgsam behandeln, was sich aber in der Regel darauf beschränkte, den Zylinderverschluss mit einem Tuch zu bedecken, wenn das Gewehr nicht verwendet wurde.
Eine Sonderversion für Scharfschützen erschienen mit speziellen Zieleinrichtungen, darunter auch verschiedene Formen optischer Zielfernrohre.
Zusätzlich beansprucht die Waffe immer noch die Ehre, dass sie die erste Panzerabwehrwaffe überhaupt war. Dies geschah durch die zufällige Entdeckung, dass die Panzerung der ersten britischen Tank Mark I durch das einfache Hilfsmittel einer vor dem Feuern umgekehrt geladenen Patrone durchschlagen werden konnte. Das stumpfe Ende der Patrone stanzte ein Loch durch die Panzerung, wodurch die Kugel diese durchdringen konnte.
Das deutsche Gewehr Modell 98 wurde in den Jahren seiner Fertigung auch noch weiter vervollkommnet und 1935 durch den Karabiner 98k für die Wehrmacht im 2. Weltkrieg ersetzt.
Hier zum Nachfolger aus dem 2. Weltkrieg: Karabiner 98
Spezifikationen Gewehr Modell 98 (Mauser)
Spezifikationen:
Gewehr Modell 98 | Spezifikation |
---|---|
Typ | Infanterie-Gewehr |
Kaliber | 7,92 mm |
Länge | 125 cm |
Lauflänge | 74 cm |
Gewicht | 4,0 - 4,2 kg (unterschiedliche Quellen, ggf. mit/ohne Magazin) |
Magazin | 5 Schuss integriertes Kastenmagazin |
Funktion | Mauser-Zylinderschloss |
Geschossgeschwindigkeit | 640 m/s |
Panzerbüchse Modell 18 Mauser
Nachdem der erste Tank Mark I im Jahr 1916 an der Westfront erstmals aufgetaucht war, begann die deutsche Armee im folgenden Jahr mit der Entwicklung einer speziellen Panzerabwehrbüchse.
Unter dem Druck der Ereignisse wurde von der Firma Mauser als schnelle Lösung das Gewehr Modell 98 vergrößert und vereinfacht und so erreichten die ersten fünf Exemplare die Westfront bis zum März 1918.
Diese einschüssige Panzerabwehrbüchse verfügte über ein Dreh-Zylinderverschluss und ein Zweibein, da die Waffe einen starken Rückstoß hatte. Sie konnte eine Panzerung von bis zu 22 mm durchschlagen, mehr als ausreichend für die Panzer dieser Tage.
Bereits bis zum Beginn des Septembers 1918 waren 4.632 Panzerbüchsen Modell 18 bei der Fronttruppe und bis zum Waffenstillstand im November wurden von der Firma Mauser 15.800 Stück hergestellt.
Die Panzerbüchse Modell 18 von Mauser hat ein Kaliber von 13 mm, ist 170 cm lang bei einem Gewicht von 16,5 kg und einer Magazin-Kapazität von einer Patrone.
Belgischer Mauser-Karabiner Modell 1889
Der belgische Mauser-Karabiner mit der exakten Bezeichnung Fusil FN-Mauser mle 1889 ist so etwas wie eine internationale Waffe, denn obwohl das Infanterie-Gewehr in Belgien entworfen wurde, war es eine direkte Kopie des Mauser-Zylinderverschluss-Systems.
Das Gewehr wurde als die Standardwaffe der belgischen Infanterie im Jahr 1889 angenommen. Obwohl einige vom belgischen Staatsarsenal produziert wurden, war die Masse von einem völlig neuen Konzern mit dem Namen Fabrique Nationale gebaut worden, welcher extra zur Herstellung des Modelles 1889 gegründet wurde. Deshalb ist die Waffe üblicherweise unter der Bezeichnung ‚FN‘ bekannt und der Hersteller noch heute einer der größten Waffenproduzenten auf der Welt.
Wie es zu dieser Zeit üblich war, entstand bald eine Karabiner-Variante, der Karabiner FN-Mauser mle 1889. Einige waren für die Verwendung mit einem schwert- ähnlichen Bajonett vorgesehen, welches als ‚Yatagan‘ bezeichnet wurde. Die meisten dieser Waffen wurden an Festungsgarnisonen und einige Gendarmerie-Einheiten ausgegeben.
Das Infanterie-Gewehr mle 1889 war eine sehr gut verarbeitete Waffe mit einigen unüblichen Eigenschaften. Eine davon war, dass der Lauf über seine gesamte Länge mit einem Metall-Rohr überzogen war. Dadurch sollte jeglicher Kontakt des Laufes mit den hölzernen Bauteilen vermieden werden, da dieser anfällig für das Verziehen war und somit die Genauigkeit der Waffe verloren gehen konnte.
Diese Anordnung hatte einige Vorteile, wie das Anbringen von Zielmarkierungen auf dem Rohr anstatt am Lauf, erhöhte aber die Produktionskosten und unter bestimmten Umständen konnte sich Rost zwischen Rohr und Lauf festsetzen. Doch diese hatte erst langfristige Auswirkungen und während des Ersten Weltkrieges gab es nur wenige Probleme damit.
Als das mle 1889 in Dienst gestellt wurde, war es für eine lange Einsatzzeit vorgesehen. Es wurde von den belgischen Streitkräften noch 1940 eingesetzt und darüber hinaus auch noch verwendet. Die Waffe wurde anschließend von deutschen Garnisonstruppen weiter verwendet.
Einige Exemplare waren auch für den Export nach Abessinien (Äthopien) und ein paar Nationen in Südamerika produziert worden, aber hauptsächlich wurde das mle 1889 für die belgische Armee gebaut.
Als der Großteil Belgiens 1914 von den deutschen Truppen überrannt war, konnte der Bedarf der verbleibenden belgischen Truppen durch eine Verlagerung der Produktion von Lüttich in das englische Birmingham und 1916 zur Firma Hopkins&Allen in den Vereinigten Staaten gedeckt werden.
Während der meisten Zeit im Ersten Weltkrieges befand sich die kleine belgische Armee am äußersten linken Flügel der alliierten Frontlinie entlang des Flusses Leie, wo die örtlichen Gegebenheiten keine großen Truppenverschiebungen zuließen und die belgischen Stellungen zumeist den Krieg über unverändert blieben.
Das mle 1889 kann von anderen Mauser-Gewehren durch das Magazin unterschieden werden, welches eine auffällige Ausbuchtung an seiner Vorderkante hatte. Diese Ausbuchtung beherbergte das Scharnier der Magazin-Plattform, welches die Patronen unter der Kontrolle einer Blattfeder nach oben in die Kammer drückte.
Das Kastenmagazin beinhaltete 5 Patronen, welche an einem Ladestreifen eingesetzt wurden. Im Gegensatz zu den späteren Mauser-Magazinen wurden die Patronen in einem vertikalen Paket gehalten. Spätere Versionen benutzen eine gestaffelte Anordnung der Patronen.
Einer weiteren Erwähnung dient die Laufjacke, welche auf gewisse Art über die Mündung hinaus führt. Die übliche Mauser-Reinigungsstange und ein langes Bajonett konnten auch am Gewehr angebracht werden.
Benutzer: Belgien (hauptsächlich).
Spezifikationen Fusil FN-Mauser mle 1889:
Fusil FN-Mauser mle 1889 | Spezifikation |
---|---|
Typ | Infanterie-Gewehr |
Kaliber | 7,65 mm |
Länge | 129,50 cm |
Lauflänge | 78 cm |
Gewicht | 3,750 - 4,01 kg (unterschiedliche Quellen, ggf. mit/ohne Magazin) |
Magazin | 5 Schuss integriertes Kastenmagazin |
Funktion | Mauser-Zylinderschloss |
Geschossgeschwindigkeit | 610 m/s |
Türkisches Gewehr Modell 93 Mauser
Alle Waffen wurden mit türkischen Zeichen, Markierungen und Ziffern versehen. Die Ziffern gaben die Seriennummer und am Visier die Entfernungseinstellungen an.
Auf dem oberen Verschlussgehäuse stand der ‚Tugra‘-Schriftzug, welcher den jeweiligen Namen des Herrschers anzeigte, um das Gewehr als Eigentum des osmanischen Sultans zu markieren.
Das Kaliber des türkischen Gewehrs Modell 93 war 7,65 mm wie beim belgischen Mauser-Gewehr, die Länge betrug 123 cm, das Gewicht 4,1 kg und das Magazin fasste 5 Patronen.
Serbische Gewehre Modell 99/07 und 1910 Mauser
Auch der spätere Gegner des Deutschen Reiches Serbien erwarb Mauser-Gewehre für seine Armee. Die serbischen Gewehre zeigen das serbische Staatswappen oben auf dem Verschlussgehäuse und die Modell-Bezeichnung in kyrillischer Schrift. Die Hersteller-Firma wird an der linken Seite angegeben.
Das Modell 99/07 wurde von der österreich-ungarischen Firma Steyr und das Modell 1910 von der deutschen Firma Mauser in Oberndorf hergestellt.
Das Kailber ist 7×57, die Länge beträgt 123 cm, das Gewicht 4,2 kg (Modell 99/07) bzw. 4,1 kg (Modell 1910) und die Magazin-Kapazität sind 5 Patronen.
Mexikanisches Gewehr Modell 1912 Mauser
Die österreich-ungarische Firma Steyr baute das Mauser-Gewehr auch für die mexikanische Armee. Nach Beginn des Ersten Weltkrieges wurden Tausende der noch nicht ausgelieferten Waffen, zusammen mit denen für Serbien und Chile bestimmten, an die österreich-ungarischen Streitkräfte ausgegeben.
Alle Gewehre hatten das Kaliber 7×57 Mauser und bei der österreich-ungarischen Armee wurden sie als ‚Modell 1914‘ bezeichnet, obwohl die jeweiligen Staatsmarkierungen der ursprünglichen Auftraggeber sich noch daran befanden.
Das Kaliber ist 7×57, die Länge beträgt 124 cm, das Gewicht 4 kg und die Magazinkapazität sind 5 Patronen.
Chinesisches Gewehr Modell 1907 Mauser
In Deutschland wurden Mauser-Gewehre für China als Modell 1907 produziert. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden die noch nicht ausgelieferten Gewehre überarbeitet und an deutsche Freiwilligen-Verbände, welche hauptsächlich aus jungen Studenten bestanden, ausgegeben. Diese jungen Soldaten verbluteten in der ersten Flandernschlacht am rechten Flügel in Belgien Ende 1914.
Das Kaliber der chinesischen Mauser-Gewehre ist 8×57 IS, die Länge beträgt 125 cm, das Gewicht 3,7 kg und die Magazin-Kapazität sind 5 Patronen.
Hier zum Nachfolger aus dem 2. Weltkrieg: Karabiner 98
Quellenangaben und Literatur
The Illustrated Encyclopedia of Weapons of World War I (Chris Bishop)
An Illustrated History of the Weapons of World War One (Ian Westwell)
Illustriertes Lexikon der Waffen im 1. und 2. Weltkrieg (V. Dolinek, V. Francev, J. Sach)
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