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Ariska-Gewehr


Japanisches Infanterie-Gewehr Modell Meji 38 Ariska aus dem 1. und 2. Weltkrieg.
Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken und Bilder.

Ariska-Gewehr Modell 38
Ariska-Gewehr Modell 38

Das Ariska-Gewehr und die Methoden der japanischen Infanterie zur Panzerbekämpfung im 2. Weltkrieg.

Geschichte Ariska-Gewehr

Gewehr Modell 38 (Ariska).
Typ: Infanterie-Gewehr.

Als die japanische Armee wie viele andere auch entschied, ein Magazin-Gewehr einzuführen, kam sie zu der Erkenntnis, dass das Mauser-System die beste Lösung war. Aber ebenso wie einige andere Streitkräfte bevorzugten sie ein eigenes Produkt und hatten einige andere Vorstellungen davon, was ein gutes Gewehr ausmacht. So nahmen sie Mauser als Ausgangspunkt und entwickelten ihre eigene Version.

Der Entwurf war die Arbeit heute unbekannter Techniker, aber die Kommission, welche vom Kaiser für die Entwicklung des neuen Gewehres eingesetzt war, wurde von Oberst N. Ariska geleitet. Und deshalb ist das Gewehr seitdem unter seinem Namen bekannt.

erste Ariska-Modell von 1897
Das erste Ariska-Modell von 1897

Das erste Repetiergewehr Modell 30 wurde 1897 fertiggestellt und 1905 vervollkommnet. Dieses als Meiji 38 bezeichnete Gewehr wurde 1905 eingeführt, was das 38. Regierungsjahr des japanischen Kaisers Meiji war, daher die Bezeichnung Modell 38. Die Waffe ersetzte das ursprüngliche Modell 1897 und hatte demgegenüber zwei oder drei Verbesserungen.

Mechanismus des Ariska-Gewehr
Der Mechanismus des Ariska-Gewehrs aus der japanischen Bedienungsanleitung.

Der Mechanismus ist grundsätzlich wie von Mauser, aber mit einem großen pilzförmigen Sicherheitsknopf am hinteren Ende des Bolzens, was deswegen zu einer Überarbeitung des Auslöser-Mechanismus führte. Daneben wurden einige Eigenschaften des Mannlicher-Gewehrs übernommen, kombiniert mit einigen japanischen Entwicklungen.

Ein ungewöhnlicher Zusatz, welcher allerdings bei erhaltenen Exemplaren nur noch selten vorhanden ist, war eine Blechabdeckung, welche zusammen mit dem Bolzen funktionierte und verhinderte, dass Regenwasser oder Staub in den Mechanismus gelangen konnte. Diese funktionierte zwar wie vorgesehen, aber wie bei den meisten anderen derartigen Vorrichtungen ähnlicher Art, war es fadenscheinig und neigte zum Rasseln in den ungünstigsten Momenten, was die Position des Trägers der Waffe verriet. So ging der Großteil dieser Abdeckungen bei erster Gelegenheit ‚im Einsatz verloren‘.

Ariska-Karabiner Modell 38 mit Blechabdeckung
Ariska-Karabiner Modell 38 mit Blechabdeckung über dem Bolzen.

Das Kaliber von 6,5 mm war der kleineren Statur der japanischen Soldaten angepasst und die große Länge des Gewehrs von 1,27 Meter sollte ihre Reichweite im Bajonettkampf vergrößern. Dies macht das Gewehr aber ziemlich unhandlich.

russische Soldaten mit Ariska-Gewehren
Russische Soldaten im Ersten Weltkrieg, bewaffnet mit japanischen Ariska-Gewehren.

Das Ariska-Gewehr wurde auch nach Thailand exportiert und von den Truppen verschiedener Kriegsherren in China verwendet. Während des Ersten Weltkrieges kaufte Großbritannien 500.000 Ariska-Gewehre für die Royal Navy und zu Ausbildungszwecken. Russland verwendete 763.000 Stück der Modelle von 1897 und 1905 für Einheiten an der Nordfront. In Mexiko wurde das Gewehr mit Kaliber 7 mm im Jahr 1913 übernommen.

Wie die Italiener, kamen auch die Japaner zu der Erkenntnis, dass ihr älteres 6,5-mm-Kaliber nicht weiterhin effizient genug war und deshalb entwickelten sie in den 1930er Jahren eine neue 7,7-mm-Patrone als Ersatz. Als logische Folge davon musste ein Gewehr entwickelt werden, welches diese Patrone verfeuern konnte. Dieses wurde nicht mehr als eine für das Kaliber aufgebohrten Modell 38 und als Typ 99 bezeichnet Es hatte einige weitere fragwürdige neue Eigenschaften, wie ein spezielles Visier zur Bekämpfung von Tieffliegern, was aber die Feuergeschwindigkeit der Waffe beeinträchtigte.
Allerdings erreichten nur wenige der neuen Gewehre die Hände der Truppe und die Japaner waren nicht erfolgreicher als die Italiener beim Wechsel des Kalibers, was hauptsächlich an Produktionsschwierigkeiten lag.
Als Ergebnis davon blieb die 6,5-mm-Patrone mit dem zugehörigen Gewehr der japanische Standard während des Zweiten Weltkrieges. Das Modell 38 wurde dadurch zu Japans bekanntester Infanterie-Waffe.

Ariska-Gewehr Typ 99
Ariska-Gewehr Typ 99 mit Kaliber 7,7 mm.
Japanischer Soldat im Zweiten Weltkrieg
Japanischer Soldat im Zweiten Weltkrieg mit 6,5-mm-Ariska-Gewehr und aufgepflanzten Schwert-Bajonett.

Nachdem der Pazifik-Krieg im Jahr 1942 in vollem Gang war, fiel der Produktionsstandard für die japanischen Ariska-Gewehre und Karabiner schnell ab. Jedes Teil der Waffe, was nicht unbedingt benötigt wurde, blieb beim Produktionsprozess auf der Strecke. Dies ging so weit, dass aufgrund der alliierten See- und Luftblockade einige der gegen Kriegsende hergestellten Gewehre mit Holz und Metall schlechter Qualität gebaut werden mussten, was sie gefährlicher für den Schützen als sein Ziel machten. Zum Schluss wurden sogar einschüssige Waffen mit 8-mm-Patronen aus Pistolen gebaut.

Varianten

Typ 2 Fallschirmjäger-Gewehr Ariska
Typ 2 Fallschirmjäger-Gewehr Ariska

Karabiner M1938: Angeblich für Kavalleristen und Artilleristen hergestellt, wurde dieses Modell auch von der japanischen Infanterie verwendet, welche es sogar dem Standard-Gewehr wegen seiner 30 cm kürzeren Länge und knapp einem viertel Kilo weniger Gewicht vorzogen. Der Mechanismus der Waffe war der gleiche wie beim langen Gewehr. Zusätzlich gab es noch ein klappbare Version für die Fallschirmtruppe.

Scharfschützengewehr M97: Dies war das ursprüngliche Ariska-Gewehr mit einem zusätzlichen Zweibein und einem Zielfernrohr niedriger Auflösung an der linken Seite des Gewehres, um das Nachladen zu ermöglichen. Der Verriegelungsgriff war heruntergeklappt, um zu vermeiden, dass die Hand des Schützen beim Betätigen des Bolzens das Visier verunreinigte.


Spezifikationen Ariska-Gewehr Modell 38

Spezifikationen:

Ariska Meji 38 Spezifikation
Typ Infanterie-Gewehr
Kaliber 6,5 mm (Typ 99: 7,7 mm)
Länge 127,5 cm
Gewicht 4,2 kg (geladen 4,3 kg; Typ 99 geladen 4,1 kg)
Lauf 79,75 cm mit 6 rechtsläufigen Zügen
Magazin 5-Schuss-Kastenmagazin
Funktion Mauser-Drehbolzen
Geschossgeschwindigkeit735 m/s
Feuergeschwindigkeit?
Schussweite ?

Einsatzstatistik:

Ariska Meji 38Angaben
HerstellerStaatsfabriken
Serienproduktion 1905-1945
Stückzahl ?
Stückpreis ?


Panzerbekämpfung der japanischen Infanterie

Japanische Kadetten an der Militärakademie
Japanische Kadetten an der Militärakademie üben das Erkennen und Bekämpfen sowjetischer Panzer an Modellen.
Die Japaner waren bestürzend schlecht auf die Panzerabwehr (Taisensha Senta) im Zweiten Weltkrieg vorbereitet und dafür geeignete Waffen existierten praktisch nicht. Obwohl diese Schwäche bereits 1939 in Mandschuko-Zwischenfall von den Sowjets aufgezeigt worden war, spielten die japanischen Verantwortlichen dies herunter.
Es gab keine japanische Doktrin für den Masseneinsatz von Panzern und das Gleiche erwarteten die Japaner auch von ihren zukünftigen Gegnern im Pazifikkrieg. Sie erwarteten höchsten leichte amerikanische Panzer und als sie erstmals im November 1943 auf Tarawa auf M4 Sherman Panzer trafen, waren sie darauf völlig unvorbereitet.

Die japanische Panzerabwehr verließ sich deshalb seitdem auf den Offensivgeist ihrer Armee und so wurden neben wenig wirksamen konventionellen kleinkalibrigen Pak-Geschützen und schwachen Panzerabwehrbüchsen auch Granatwerferbecher nach deutschem Vorbild sowie zunehmend unorthodoxe Methoden angewandt.

Typ 2 Panzerabwehr-Granatwerferbecher

Ein gewisses Maß zur Panzerbekämpfung für die japanische Infanterie wurde durch das Aufsetzen von speziellen Granatwerferbechern auf dem Ariska-Gewehr Modell 38 erreicht.
Diese Granatwerferbecher Typ 2 konnten an der Mündung mittels einer Verriegelung-Mündungsbremse an der Mündung aufgeschraubt werden. Die Idee war eine Kopie der deutschen Schießbecher-Granatwerfer des Karabiner 98 und verwendete sehr ähnliche Granaten.

Der Panzerabwehr-Granatwerferbecher Typ 2 hatte eine gewisse Effektivität, konnte auf allen Ariska-Gewehren Modell 38 angebracht werden und es gab Granaten im Kaliber von 30 oder 40 mm.

Granatwerferbecher Typ 2
Der japanische Granatwerferbecher Typ 2 am Ariska-Gewehr und Granate.

Unorthodoxe Methoden der Panzerbekämpfung

Japanische Soldaten griffen alliierte Panzer auch mit Tretminen an, wobei sie oft im Moment der Explosion getötet wurden. Die Tretmine war aber eigentlich keine ‚Selbstmordwaffe‘, denn theoretisch hatte der Träger gute Möglichkeiten, den Einsatz zu überleben.

Die japanische Selbstmord-Taktik zur Panzerabwehr war daher extremer, denn seit 1944 war sie zu einer allgemein akzeptierten Methode der Kriegsführung geworden. Alle japanischen Soldaten, Matrosen oder Piloten wurden dazu aufgerufen, bei dem Versuch alliiertes Material oder Personal zu vernichten, Selbstmord zu begehen um die Alliierten von den japanischen Heimatinseln fernzuhalten.
Die bekanntesten dieser spirituellen Selbstmordkommandos waren die Kamikaze-Flieger, welche praktisch menschliche fliegende Bomben waren. Aber es gab auch andere, welche heute nur noch wenig bekannt sind. Dazu gehörten auch verschiedene Formen des Selbstmordeinsatzes zur Vernichtung alliierter Panzer.

Die vielleicht extremste von ihnen waren die Rucksack-Minen am Menschen. Diese Waffe war sehr einfach zu konstruieren und verheerend im Einsatz, denn sie bestand aus wenig mehr als einem Rucksack aus Segeltuch, der mit etwa 9 kg Sprengstoff beladen war. Der Benutzer trug diese Ladung und verbarg sich mit ihr, bis sich ein alliierter Panzer näherte. Dann stürmte er auf den Panzer zu und sprang unter ihn. Gleichzeitig zog er an einer Schnur, die mit einer kurzen Verzögerung die Sprengladung auslöste. Der Verzögerungszünder war dafür, um sicherzustellen, dass der Panzer direkt über der Ladung sein würde, bevor sie explodierte, was sowohl für den Panzer als auch den Angreifer fatal endete.

Gegen diese Selbstmord-Taktik war es schwer, geeignete Gegenmaßnahmen zu finden, denn oft warteten die versteckten Japaner so lange, bis die Panzer wirklich sehr nahe waren, bevor sie den Selbstmordangriff begannen. Deshalb musste die Begleitinfanterie der Panzer sehr schnell reagieren, um einen derartigen Angriff zu vereiteln.

Eine Variante der Rucksackladung war eine Panzerabwehrmine vom Typ 93 auf einer Stange, welche einfach unter eine Panzerkette geschoben wurde – ebenfalls mit fatalen Folgen für die Kette wie auch den Angreifer.

Eine weitere Variante des Selbstmordangriffs gegen Panzer trat 1945 in Burma in Erscheinung. Hier stürmte der japanische Soldat jedoch nicht auf den Panzer zu, um ihn mit einer Sprengladung auszuschalten. Vielmehr versteckten sich diese Panzerabwehrsoldaten in Schützenlöchern, welche entweder in der Mitte von Straßen oder an den Rändern von Pfaden ausgehoben wurden, an denen der Vorstoß alliierter Panzer erwartet wurde.
Dort blieben sie, bis sich ein Panzer näherte. Sobald einer davon über ihnen oder sehr nahe war, sollte der Mann im Schützenloch seine Sprengladung zünden. Dies war entweder eine einfache Sprengladung, eine Art von Mine oder sogar kleine Fliegerbomben.
Diese Sprengladungen wurden manuell und vorsätzlich vom japanischen Panzerabwehrsoldat ausgelöst, der praktisch als menschlicher Annäherungszünder diente.

In der Praxis war diese Methode aber nicht sehr effektiv, denn die Japaner in ihren Schützenlöchern wurden oft zuvor von der alliierten Infanterie entdeckt und ausgeschaltet, bevor sie ihre Sprengladung zum Einsatz bringen konnten.
Es gibt Meldungen von der alliierten Infanterie, welche die Japaner in ihren Schützenlöchern ausschalten konnte, ohne dass diese nur einen Versuch der Verteidigung gemacht oder ihre Sprengladung gegen die Soldaten eingesetzt hätten.
Es scheint den japanischen Soldaten befohlen worden zu sein, ihre Sprengladungen nur für Panzer aufzusparen und nicht gegen Infanteristen einzusetzen. Da diese Selbstmordkämpfer aber außer ihrem Sprengstoff sonst keine Waffe dabei hatten, wurden sie in ihren Schützenlöchern getötet, ohne irgendeinen Zweck für die japanischen Verteidigungsanstrengungen erfüllt zu haben.


Quellenangaben und Literatur

The Encyclopedia of Infantry Weapons of World War II (Ian V.Hogg)
Infanterie im 2. Weltkrieg (J.B.King, John Batchelor)
Illustriertes Lexikon der Waffen im 1. und 2. Weltkrieg (V. Dolinek, V. Francev, J. Sach)
The Encyclopedia of Weapons of World War II (Chris Bishop)


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