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Französische Armee 1. Weltkrieg


Die französische Armee und ihre Uniformen im Ersten Weltkrieg vom 3.8.1914 bis 11.11.1918. Truppenstärke und Verluste.

Angriff französischer Infanterie 1914
Angriff französischer Infanterie in den ersten Kriegstagen, beim Versuch Elsass-Lothringen zurückzuerobern.

Die Bevölkerungszahl Frankreichs und des Norddeutschen Bundes waren im Jahr 1870 ungefähr gleich. Jedoch bis zum Jahr 1914 stieg die Bevölkerung des Deutschen Reiches auf über 65 Millionen an, während die von Frankreich noch unter 40 Millionen lag. Diese Ungleichheit prägte das französische strategische Denken, jedoch mit tragischer Ironie, da dies am Ende zu einem militärischen Credo führte, welches zahlreiche Menschenleben in der französischen Armee kostete.

Französische Armee im 1. Weltkrieg

Frankreich hatte die Welt mit seiner schnellen Wiederauferstehung nach der Niederlage von 1870/71 überrascht und reorganisierte seine Armee nach dem preußischen Vorbild mit kurzer Militärdienstzeit und einem leistungsfähigen Generalstab. Wo der Verlust von Elsass und Lothringen die französische Ostgrenze offen legte, wurde eine starke Festungslinie errichtet, welche sich von Belfort bis nach Verdun zog. Zur Jahrhundertwende wurde die Moral der Armee jedoch tief von der Dreyfus-Affäre erschüttert und ihr Ansehen diskreditiert. Im Jahr 1905 wurde dann der Militärdienst auf zwei Jahre verkürzt. Konfrontiert mit der steigenden Bedrohung durch ein überlegenes Deutschland, stieg das Ansehen der Armee wieder, sowie die Bereitschaft, in ihr zu dienen. Im Jahre 1913 konnte der Militärdienst wieder auf 3 Jahre festgesetzt werden. Danach traten die Männer in die Reserve, der Territorial-Armee und der Territorial-Reserve für unterschiedliche Zeiträume bis zu einem Alter von 48 Jahren.

Im Juli 1914 belief sich die Friedensstärke der Armee Frankreichs auf 736.000 Mann. Bei der Mobilisierung stieg sie auf 3,5 Millionen an, von denen rund 1,7 Millionen im Feldheer zum Einsatz kamen. Dieses Feldheer bestand aus fünf Armeen mit zusammen 21 Armeekorps, sowie 2 Kolonial-, 3 unabhängigen, 10 Kavallerie- und 25 Reservedivisionen. Der Rest befand sich bei Territorial-Einheiten, in Garnisonen und Depots.
Die fünf Armeen waren von der Schweizer Grenze, wo die 1. Armee ihren rechten Flügel bei Belfort hatte, etwa zu einem Drittel des Weges entlang der belgischen Grenze verteilt, wo der linke Flügel der 5. Armee sich in der Nähe von Hirson befand. Weiter nördlich befand sich nur ein Kavallerie-Korps aus 3 Divisionen. Einer deutschen Offensive von Metz aus konnte also begegnet werden, aber eine Offensive durch Belgien hindurch würde nur auf den schwachen französischen Kavallerie-Schleier treffen.

Die Franzosen hatten jedoch kein Interesse daran, auf eine feindliche Offensive zu warten. Für die Armeeführung war klar, dass das Desaster des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 seine Ursache im fehlenden Angriffsgeist und Esprit der eigenen Seite hatte. Gemäß der Tradition der napoleonischen Kriege wurde die Armee in einem mystischen Geist des Angriffs großgezogen: Angriff, egal was es kostet, lautete die Antwort auf militärische Probleme !

Um diesen Elan zu demonstrieren, trugen die französischen Soldaten die traditionellen langen, blauen Röcke mit großen und deutlich roten Streifen, während das deutsche Heer schon längst im wenig auffälligen Feldgrau gekleidet war. Praktische Maßnahmen wurden ignoriert und der französische Soldat trug seinen langen Rock und schwere militärische Unterkleidung im heißen August des Jahres 1914. Seine Ausrüstung war schwer und lag 20 Prozent über dem Gewicht eines deutschen Soldaten.

Französdische 75-mm-Kanone im Einsatz
Ein französisches 75mm M1897 Feldgeschütz im Einsatz. Die Kanone war sehr mobil und konnte bis zu 20 Granaten in der Minute verschiessen.
In Sachen Feuerkraft stützten sich die Franzosen auf das Gewehr und ihr hervorragendes 7,5-cm-Feldgeschütz M1897, eine hervorragende Kanone welche in großen Mengen hergestellt wurde. Maschinengewehre, eine Waffe, die gar nicht in das Konzept des Angriffs-Elans passte, wurden vernachlässigt.

Mit dieser Taktik und Ausrüstung konnten sich die französischen Soldaten glücklich schätzen, dass sie nicht nur gehorsam und anpassungsfähig waren, sondern vor allem schnell im Kampf lernten. Die ersten katastrophalen Verluste der französischen Armeen konnten zudem durch Eingeborene aus dem Kolonialreich wettgemacht werden, die während des Krieges 500.000 Mann stellten.

 

Joffre
Der unerschütterliche, schwerfällige und schweigsam Joffre.
General Joffre, 62 Jahre alt, war Vizepräsident des Kriegsministeriums und wurde Oberbefehlshaber des französischen Heeres bei Ausbruch des Krieges. Er war gewichtig und schweigsam, aber ein guter Zuhörer. Als Veteran des Kolonialdienstes hatte er keine besonders ausgeprägten Vorstellungen von Strategie und Taktik, war aber ein hervorragender Arbeiter und Organisator. Er konnte improvisieren, war aber zu genügsam um vor dem Krieg Pläne und Möglichkeiten für Krisen in einem zukünftigen Krieg vorzubereiten. Gallieni, Joffres Nachfolger in den Kolonien, war wachsamer und realistischer, jedoch ohne Einfluss.

Von den Armeekommandeuren war Lanrezac von der 5.Armee ein brillanter und pessimistischer Mann und schon von vielen als Joffres wo möglicher Nachfolger ausgemacht. Foch, ein Vertreter der Angriffsdoktrin und zuvor Kommandant der Kriegsakademie, war Korpskommandeur. Wie Joffre konnte auch er Krisen hervorragend meistern und hatte in Weygand einen Stabschef, der seine Wünsche in klare Befehle umsetzen konnte. Petain, ohne Rückhalt in der Armeeführung wegen seiner kritischen Haltung gegenüber der Elan-Doktrin und seinen realistischen Ansichten der modernen Feuerkraft, kommandierte im August 1914 nur eine Division.

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FRANKREICH (3.8.1914-11.11.1918)

  • Truppenstärke bei Kriegsbeginn = 4.000.000
  • Heeresstärke im Verlauf des Krieges = 7.935.000
  • Tote Militär = 1.390.000
  • Verwundete Militär = 2.500.000

Französische Uniformen

Obwohl Frankreich eines der mächtigsten Länder der Welt war und über beträchtliche Erfahrung in der kolonialen Kriegsführung verfügte, sträubte sich seine Armee gegen Veränderungen. Und so zogen die Franzosen 1914 – allein unter den Großmächten – in veralteten und bunten Uniformen in den Krieg. Und das, obwohl bereits 1913 (in graublau) und 1911 (in graugrün) Versuche unternommen wurden, eine annehmbare moderne Uniform zu finden, und erst im Mai 1915 wurde schließlich das berühmte ‚Horizon Bleu‘ eingeführt.

französischer Gebirgsjäger, General und Infanterist (1914)
französischer Gebirgsjäger, General und Infanterist (1914)
Die Grundfarbe der französischen Uniform war blau, die zwischen dem Schwarz der Offiziere und dem Graublau (offiziell als Gris de fer bleutii bezeichnet) der Mäntel der anderen Dienstgrade variierte.
Ein typischer Infanterist vom August 1914 ist rechts abgebildet, obwohl berichtet wurde, dass Truppen, die im September 1914 an die Front gingen, bereits blaue Leinenoveralls über den roten Hosen trugen. Nicht abgebildet ist der dunkelblaue Waffenrock der anderen Dienstgrade, der einreihig mit Stehkragen und neun Messingknöpfen vorne war.

Offiziere trugen den schwarzen Waffenrock (in der Mitte im Bild weiter unten links) oder die halboffizielle Vareuse aus dem gleichen eisengrauen Material wie der ausgegebene Mantel. Pantaloons und Kniehosen waren entweder rot, dunkelblau oder schwarz mit Paspeln, Streifen oder Lampassen in der Korpsfarbe (Waffenfarbe). Sie wurden von berittenen Offizieren mit schwarzen Stiefeln und von berittenen anderen Dienstgraden mit Stiefeletten und schwarzen Gamaschen (Houzeaux) getragen. Abgesessene Offiziere trugen Stiefeletten, entweder mit Ledergamaschen oder dunkelblauen Gamaschen.

Französische Uniformen 1914
Französischer Dragoner, Offizier der Kürassiere, Artillerist (v.l.n.r.) 1914.
Die französische schwere Kavallerie trug dunkelblaue (schwarze für Offiziere) Tuniken und rote Hosen, während die leichte Kavallerie (Husaren und Chasseurs a Cheval) himmelblaue Tuniken und rote Hosen trug.
Im November 1914 gaben einige Regimenter der Kürassiere ihre Pferde ab und wurden zu Cuirassiers a Pied. Das Wappen wurde vom Helm entfernt, der mit einer Abdeckung in verschiedenen Farben getragen wurde.
Das Muster des Kavallerie-Übermantels wurde für alle Regimenter aus bläulichem, eisengrauem Stoff gefertigt und hatte einen abnehmbaren Umhang. Artilleristen trugen die ebefalls links abgebildete Uniform.

Auf der farbigen Uniform wurde der Dienstgrad auf den Manschetten bei Mannschaften und auf der Mütze, dem Tunika- und Mantelkragen und der Vorderseite des Mantels von Offizieren angegeben. Die Spitzen zur Rangunterscheidung, die der Farbe der Knöpfe oder der Korps- bzw. Waffenfarbe (normalerweise rot oder gelb für Mannschaften) entsprachen, war diagonal (bekannt als Sardines) für alle Korps außer bei der Kavallerie, welche Chevrons hatte.

Kaum hatte der Krieg begonnen, wurden die farbenfrohen Uniformen der französischen Armee schon einer Modifizierung unterzogen. Das Hellblau der Mützen und der Helmdecken, das bläuliche Eisengrau der Übermäntel der anderen Dienstgrade und die Vareuse der Offiziers sowie die blauen Overalls, die die Infanterie über den roten Hosen trug, waren nicht mehr weit weg von der ‚Horizontblauen‘ Uniform, welche General Gallieni bereits bei Paris im November 1914 trug.

Bis Juli 1915 war diese scheinbar ebenso unpassende Uniform weit verbreitet, obwohl die alte und die neue Uniform von der Truppe gleichzeitig getragen wurden.
Die horizonte-blaue Grunduniform bestand aus einem Kepi mit schwarzem Lederschirm, einer Seitenmütze, einem Waffenrock mit Stehkragen und mindestens drei verschiedenen Mustern von Mänteln. Für die Infanterie war er zweireihig, aber für die Kavallerie war er einreihig und viel länger.

Dann wurde fast sofort ein neues einreihiges Muster mit Brusttaschen für die Infanterie eingeführt. Offiziere trugen entweder einen ein- oder zweireihigen Mantel mit großem, rundem Fallkragen, umgeschlagenen Manschetten, horizontalen Schrägstrich-Seitentaschen oder den üblichen Seitentaschen mit Klappen und einem Halbgürtel, der hinten mit zwei oder drei Knöpfen geschlossen wurde.
Die Infanterie erhielt dazu passende Pantalons und Gamaschen, die Kavallerie und andere berittene Truppen passende verstärkte Reithosen, die beide zunächst mit Paspeln in der Korpsfarbe versehen waren. Das berittene Personal trug weiterhin die Ledergamaschen (Houzeaux).

so hat sich das Bild bis 1915 gewandelt = Infanterist, Oberst der Schützen und Korporal der Pioniere (Frankreich, 1915-1918)
So hat sich das Bild 1915 gewandelt = Infanterist, Oberst und Pionier-Korporal (Frankreich, 1915-1918).
Ebenfalls im Juli 1915 erschien der französische Stahlhelm – benannt nach seinem Erfinder August-Louis Adrian als Adrina-Helm – nicht, wie man eigentlich erwarten würde, auf den Köpfen der Soldaten an der Front, sondern zuerst auf den Köpfen von Würdenträgern auf Frontbesuch.
Sie ersetzte dann aber die eiserne Totenkopfmütze, die der französische Poilu bis dahin unter seiner Mütze getragen hatte, und wurde bis zum Ende des Krieges mit unterschiedlichen Abzeichen auf der Vorderseite an mindestens ein halbes Dutzend Nationen verkauft.

Die Rangabzeichen blieben im Wesentlichen gleich, außer dass die Anzahl der Ränge des Generalstabsoffiziers von zwei auf sechs erhöht und die Farbe der Sterne von Silber auf vergoldetes Metall geändert wurde.
Die Rangabzeichen-Spitze wurde auf 35 mm lange Streifen reduziert, die nun auch auf der Vorderseite der Mütze getragen wurden. Die Abzeichen der anderen Dienstgrade wurden ebenfalls auf 35 mm gekürzt und auf das Infanteriemuster (en Sardines) vereinheitlicht.

Bei der Uniform von 1915 diente das Kragenspiegelabzeichen weiterhin als Hauptmerkmal zur Kennzeichnung von
Regiment und Bataillon (Ziffern) und der Korps- bzw. Waffenfarbe.
Zunächst sollte das gesamte Kragenabzeichen in der Korpsfarbe sein, aber fast sofort wurde angeordnet, dass die Kragenabzeichen für die Infanterie aus dem gleichen Material wie die Uniform sein sollten. Das Kragenabzeichen für den Waffenrock wurde der Form des Kragens angepasst, wobei die Ziffern parallel zur Ober- und Unterkante des Kragens und die doppelte Borte im rechten Winkel zur Kante angebracht wurden. Auf dem Übermantel wurden sie so geschnitten, dass sie zur Kragenspitze passten, wobei die Zahlen horizontal mit der Borte darüber platziert wurden. Die Kragenspiegel wurden genormt, und das Tunika-Muster wurde auch auf dem Mantel getragen.

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