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Deutsche Kampfkraft im 1. Weltkrieg


Deutsche Kampfkraft im Ersten Weltkrieg.
Die Effektivität in der Schlacht im Vergleich zu den Franzosen, Briten, Amerikanern und Russen.

Deutsche Infanterie marschiert zur Frühjahrsoffensive 1918
Deutsche Infanterie marschiert zur Frühjahrsoffensive 1918 an die Westfront.


Im Ersten Weltkrieg boten die deutschen Streitkräfte insgesamt 11 Millionen Mann auf und erlitten fast genau 6 Millionen Mann Verluste. Die Alliierten boten nur gegen Deutschland etwa 28 Millionen auf, mehr als zweieinhalb Mal so viel.
Ihre Verluste betrugen beim Kampf gegen Deutschland, also nicht gegen Österreich-Ungarn, die Türkei und Bulgarien, etwa 11 Millionen Mann.

Deutsche Kampfkraft im 1. Weltkrieg

Folglich tötete oder verwundete jeder mobilgemachte deutsche Soldat etwas mehr als einen Soldaten der Alliierten, aber es brauchte fünf alliierte Soldaten, einen Deutschen außer Gefecht zu setzen.

Allerdings waren die Deutschen öfters in der Defensive, die Clausewitz als die stärkere Kampf­art bezeichnete. Die Erfahrung zeigt, dass verteidigende Truppen die Vorteile der ausgesuchten und vorbereiteten Stellung sowie der Sicht haben, die ihnen Mann für Mann ermöglichen, mehr Verluste zuzufügen, als der mehr exponierte und damit verwendbarer Angreifer zufügen kann.
Die moderne Forschung zeigt, dass dieser Faktor im 2. Weltkrieg etwa 1,3 betrug; er mag im 1. Weltkrieg etwas, aber nicht viel kleiner gewesen sein. Wenn man annimmt, dass 1,3 der Multiplikator für den Vorteil des Verteidigers über den Angreifer ist, so ergibt sich als ausgeglichene, nor­malisierte Basis insgesamt eine deutsche Überlegenheit beim Zufügen von Verlusten von 1 zu 4.

Eine moderne Methode der Untersuchung von vergangenen Gefechten und Schlachten bezeichnet die quantitative, auf den einzelnen Soldaten berechnete Fähigkeit einer Truppe, dem Gegner Verluste zuzufügen, als Treffer-Effektivität (score effectiveness), als Punktwertung oder Index der Effektivität.
Wäh­rend des gesamten Krieges hatten die Deutschen einen substantiell größe­ren Effektivitätsindex, was natürlich Kampfwert bedeutet, als die Alliier­ten. Die Kampfwertüberlegenheit zeigte sich wieder und wieder, von den Grenzschlachten 1914 bis zu den letzten verzweifelten Abwehrschlachten gegen Ende 1918.

t_arrow1siehe: Ergebnisse und Statistiken zu Schlachten des 1. Weltkriegs


Deutsche Kampfkraft gegenüber den Franzosen

Helmuth v. Moltke d.J.
Helmuth v. Moltke d.J. (1848-1916), 1906-1914 Chef des deutschen Generalstabs, hatte nicht die Nerven und Fähigkeiten den Plan seines Vorgängers Schlieffen umzusetzen.

Da ist zum Beispiel die Umfassungsbewegung der deutschen Armeen in Frankreich im August und im frühen September 1914, als General von Moltke die Siegesformel wegwarf, die Schlieffen ihm hinterlassen hatte. Seine nachgeordneten Generale und Soldaten vollbrachten Großartiges.
Auf ihrem Weg zur Marne verloren die sieben im Westen eingesetzten deutschen Armeen, insgesamt etwa 1,2 Millionen Soldaten, in den Grenz­schlachten mehr als 200.000 Mann. Aber die Franzosen, die damals mehr als 1,3 Millionen mobilisiert hatten, verloren 300.000 Mann und wurden in verlustreichen Niederlagen zurückgetrieben. Betrachtet man die zehn Tage der erbittersten Kämpfe dieser Periode, so zeigten die Deutschen eine score effectiveness, einen Effektivitätsindex von 3,1, die Franzosen nur von 1,8. Dabei marschierten die deutschen Armeen des rechten Flü­gels unter ständigen Kämpfen etwa dreißig Kilometer am Tag.

An der Marne verband sich Moltke Unfähigkeit mit Joffres erstaunlicher Regenerationskraft und brachte die Deutschen durch eine entschei­dende Niederlage zum Halten. Die Deutschen hatten sich durch strategi­sche Fehler an den Rand des Desasters manövriert. Dennoch konnten sie in dieser grimmigen und bitter umkämpften Schlacht Mann für Mann den Franzosen mehr Verluste zufügen als die Franzosen ihnen: 5,8 zu 5,2.

In den verbleibenden vier Kriegsjahren waren die Franzosen nie wie­der so leistungsfähig. Während dieser Zeit war der Effektivitätsindex der Deutschen immer viel größer als der Index der Franzosen, sowohl in der Offensive wie auch in der Defensive und gleichgültig, ob sie numerisch unterlegen oder überlegen waren.

Deutsche Kampfkraft gegenüber den Briten

Das Gleiche trifft auf die deutschen Schlachten gegen die Briten zu. Bei den großen britischen Offensiven an der Somme, bei Arras und in der dritten Flandernschlacht verursachten die Deutschen ständig zwei­mal mehr Verluste, als sie selbst erlitten. Das Gleiche traf zu, wenn die Deutschen angriffen, also für die beiden ersten Schlachten in Flandern und für die ersten Phasen der Offensiven an der Somme und der Lys im Frühjahr 1918.
In den letzten zwei Offensiven ließ jedoch Ludendorff seine überanstrengten und erschöpften Stoßtruppen weiterhin fruchtlo­se Angriffe gegen ausgeruhte britische und amerikanische Reserven und zudem unter dauernden Tiefangriffen der britischen Luftwaffe ansetzen. Mithin stiegen die deutschen Verluste steil an, während die Verlustrate der Alliierten fiel, sodass das Endergebnis bei diesen deutschen Offensi­ven eine deutsche Effektivität, Verluste zuzufügen, von nur 90 Prozent der britischen zeigt.

Insgesamt betrug die deutsche Überlegenheit beim Effektivitätsindex gegenüber den Briten durchschnittlich 1,49:1 und ge­genüber den Franzosen 1,53:1, war also fast gleich.

Deutsche Kampfkraft gegenüber den Amerikanern

Gegen die Amerika­ner an der Maas und in den Argonnen hatten die deutschen, vom US-Feindnachrichtendienst als ‘dezimiert und abgekämpft’ bewer­teten Divisionen einen Kampfwert von 1,04:1.

Alle Zahlen sind so adjustiert worden, dass sie den Verteidiger-Vorteil berücksichtigen. Mithin zeigen sie, dass in der Defensive und in der Offensive durchschnittlich zwei deutsche Soldaten drei der Alliierten gleich kamen.

Deutsche Kampfkraft gegenüber den Russen

Deutsche Reservisten im Zug bei Kriegsbeginn
Deutsche Reservisten reisen siegessicher per Bahn zu ihren Sammelpunkten bei Kriegsausbruch.
Die Zahlen für die Ostfront sind weniger verlässlich und die Berechnun­gen der score effectiveness können durch die Massen der ungewöhnlich zahlreichen Gefangenen verfälscht worden sein, die von den Deutschen in solchen Schlachten wie bei Tannenberg, an den Masurischen Seen, in der Winterschlacht in Masuren und bei Gorlice-Tarnow gemacht wurden. Wenn man die Gefangenen dieser Schlachten unberücksichtigt lässt, ergibt sich für die Deutschen ein Effektivitätsindex von 2,8:1; nimmt man die Gefangenen hinzu, so ergibt sich eine deutsche Überlegenheit von 7,9:1; der Durchschnitt liegt bei 5,4:1.

Das verweist darauf, dass die deutschen Truppen auf einer breiten Front, mit viel Raum für Bewegungen und für überlegene strategische und taktische Führung, drei bis fünfmal stärkere russische Truppen abwehren konnten.

Die Schlacht um Lodz bestätigt, dass es tatsächlich so war. Im November 1914 wurde eine russische Offensive auf Schlesien und Breslau in Westpolen nicht frontal, sondern durch Angriff in deren rechte Flanke von Lodz in Richtung Warschau abgewehrt. Hindenburg und Ludendorff hatten etwa 260.000 Mann in der 9. Armee dicht westlich von Lodz verfügbar. Großherzog Nikolaus hatte nördlich der Karpaten etwas über eine Million Soldaten, von denen etwa 400.000 in der Schlacht um Lodz teilnahmen. Die restlichen 600.000 Mann ge­hörten entweder zu nicht eingesetzten Reserven oder sie waren entlang einer Front verstreut, an der sie weniger als 100.000 Deutsche als Gegner hatten.
Mithin konnten die Russen trotz einer strategischen Überlegen­heit von etwa 3:1 auf dem Schlachtfeld nur eine Überlegenheit von 1,5:1 einsetzen. Das Ergebnis war eine erbitterte zweiwöchige Schlacht, die taktisch unentschieden blieb. Aber die Russen räumten sofort Lodz und wichen etwa 30 Kilometer in Richtung auf Warschau aus. Mit anderen Worten: Die Deutschen hatten trotz einer Unterlegenheit von 1:3 einen bedeutenden strategischen Erfolg errungen.

Man kann nur spekulieren, wie der Erste Weltkrieg verlaufen wäre, wenn der Schlieffenplan treulich durchgeführt worden wäre. Sogar wenn man zu Recht annimmt, dass dann die Marneschlacht mit einem deut­schen Sieg geendet hätte, so bedeutet das noch keineswegs, dass Frankreich zusammengebrochen wäre. Und sogar ein Zusammenbruch Frankreichs bedeutete noch keineswegs, dass Großbritannien den Kampf – wie auch im kommenden 2. Weltkrieg oder wie zuvor bereits in den Napoleonischen Kriegen – nicht auf eigene Faust fortgesetzt hätte.

Der Schlieffenplan

Schlieffenplan
Der Schlieffenplan.
Aufgrund der neu fertiggestellten französischen Festungen an der neuen Grenze zu Deutschland nach dem Deutsch-französischen Krieg von 1870/71 war der deutsche Generalstabschef Schlieffen gezwungen, seinen ursprünglichen Kriegsplan 1897 zu überarbeiten.
Seine Lösung zur Durchführung der gigantischen Umfassungsbewegung gegen das französische Heer lag in der Verletzung der Neutralität von Belgien, Luxemburg und auch Holland, durch welche die deutschen Truppen dabei ziehen mussten.
Dieser Plan wurde jährlich verfeinert, bis Schlieffen beim Morgenausritt durch ein Pferd so schwer verletzt wurde, dass er zurücktrat. So war sein letzter Operationsplan von 1904/1905, bei dem etwa 45 % der deutschen Truppen nördlich von Metz, 41 % südlich von Metz und 14 % gegenüber den Russen eingesetzt werden sollten. Beim letzten, unter Schlieffens Aufsicht durchgeführten Kriegsspiel, zeigte sich jedoch, dass die Verbände nördlich von Metz nicht stark genug für die Offensive waren, während die südlich davon sehr erfolgreich waren, aber auch nicht stark genug, um den französischen Festungsgürtel zu durchdringen.

Deshalb erstellte Schlieffen eine Denkschrift nach seinem Rücktritt, bei dem 71 der 96 im Westen vorgesehenen Divisionen nördlich von Metz am rechten Flügel angreifen sollten. Schlieffen beabsichtigte daher ein Verhältnis von 7:1 zwischen den nördlich und südlich von Metz eingesetzten Truppen.
Sieben Jahre später, im Dezember 1912 reichte er eine weitere Denkschrift ein, in der er zu dem Schluss gekommen war, dass südlich von Metz mehr Kräfte notwendig waren, um den erwarteten Angriff der Franzosen aufzufangen. Nun sollten nur noch 76 % der deutschen Truppen im Westen nördlich von Metz angreifen.
Im Osten dagegen kaum Truppen einzusetzen, rechtfertigte er mit Verweis auf Friedrich des Großen: ‘Es sei besser eine Provinz zu opfern, als die Armeen, mit der man Siegen muss, aufzuteilen’.

Am 1. Januar 1906 wurde der jüngere Moltke, General Helmuth von Moltke und Sohn des preußischen Generalstabschefs während der deutschen Einigungskriege, Chef des deutschen Generalstabs. Er übernahm bedenkenlos das gesamte Konzept Schlieffens. Mit der Zeit änderte er aber einige Details, wie den Verzicht auf einen Einmarsch nach Holland, da durch die neue schwere Artillerie die belgischen Forts bei Lüttich schnell genug genommen werden konnten. Trotz seines schlechten Bildes in der Geschichtsschreibung zeigt schon dieser Gedankengang, dass auch der jüngere Moltke auf jeden Fall ein fähiger und kluger Stabschef war.
Bis 1912 jedoch veränderte er den Schwerpunkt beim Aufmarsch im Westen, ohne Schlieffens Denkschrift zu berücksichtigen. So sollten nur noch 55 anstatt der ursprünglich 71 Divisionen (also 65 %) die Umfassungsbewegung nördlich von Metz durchführen.


Kritik am Schlieffenplan

Moderne Historiker kritisierten, dass Moltke zwar auf den Einmarsch nach Holland verzichtet habe, aber nicht berücksichtigte, dass der Angriff auf Belgien politisch schädlich für Deutschland sein musste. Selbst wenn Frankreich besiegt worden wäre, so hätte Großbritannien den Krieg wie gegen Napoleon trotzdem fortgesetzt und wie in diesem Fall, hätten auf Dauer die britische Seemacht und die russischen Menschenmassen die Oberhand gewonnen.
Militärisch wird Moltke und auch Schlieffen Bedenkenlosigkeit gegenüber dem deutschen Volk vorgeworfen, da sie dessen Zukunft von einer Vabanque-Strategie abhängig gemacht hätten. Dazu hält jeder militärische Plan immer nur bis zum ersten, ernsthafteren Aufeinandertreffen mit dem Gegner, während der Schlieffenplan in allen Details bis zum endgültigen Sieg ein festgelegtes Programm war. Schließlich habe Schlieffen die Militärgeschichte falsch gedeutet, da er annahm, dass der Sieg nur durch Überflügeln und die Einschließung des Gegners ermöglicht wird.

Schlieffen hatte das deutsche Heer jedoch auf einen Mehrfrontenkrieg gegen überlegene Gegner vorzubereiten. Bezüglich der moralischen, völkerrechtlichen und politischen Einwände gegen den vorgesehenen Einmarsch in Belgien hielt er sich an Cicero, ebenso wie übrigens später auch Churchill: ‘Im Krieg schweigen die Gesetze.’

Schlieffen erkannte aber auch, dass eine Rückkehr zur Strategie vom alten Moltke mit der strategischen Defensive und taktischen Offensive zu einem Patt führen müsste, dem wirtschaftlicher und sozialer Ruin folgen würde.
Deshalb hielt er sich an die Maxime von Napoleon: Selbst wenn das Ergebnis des gewagten Spieles nicht zum Erfolg führen würde, wäre dies kein Desaster. Es wäre nicht schlechter, als das sowieso eingetretene Patt und dies wird durch die Situation von 1915 bis 1917 bestätigt, als sich Deutschland in einer weitaus besseren Position befanden, als bei Kriegsausbruch und ein Verhandlungsfriede durchaus im Bereich des Möglichen lag.
Der Schlieffenplan hatte daher alle Voraussetzung der Brillanz und Einfachheit Napoleons der Feldzüge aus den Jahren 1800, 1805 und 1806: ‘wer nicht wagt, wird nicht gewinnen’ – und ein Erfolg war das Risiko allemal Wert.

Letztendlich haben alle entscheidenden Siege der Militärgeschichte auch alle eines gemeinsam: von Hannibal bei Canne, über Napoleon in seinen brillanten, schnellen Feldzügen bis zum alten Moltke des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71: sie alle richteten sich gegen die Flanken des Gegners und hatten dessen Einschließung zum Ziel, um schnell und mit minimalen Verlusten die Entscheidung zu erzwingen. Denn im modernen Krieg ist ein Frontalangriff auf die ausgebauten Stellungen des Gegners praktisch Selbstmord.


t_arrow1Siehe auch: Ergebnisse und Statistiken zu 15 Schlachten des 1. Weltkriegs
Siehe auch: Deutsche Armee

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    Maultier, Panzerwerfer 42 und Schwerer Wehrmachtschlepper. Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modelle. Deutsche Halbkettenfahrzeuge Maultier, SdKfz 4/1 Panzerwerfer 42 und Schwerer Wehrmachtschlepper. Maultier Der erste Kriegswinter in Russland 1941/42 führte der Wehrmacht eindringlich vor, dass der Großteil ihrer Räder-Kraftfahrzeuge vollständig unfähig war, mit den völlig verschlammten Wegen während des Tauwetters am Anfang und Ende des Winters fertig zu werden. Unter diesen Bedingungen konnten nur Halbkettenfahrzeuge überhaupt vorwärtskommen, aber diese wertvollen Fahrzeuge von ihren eigentlichen Aufgaben abzuziehen, um tägliche Versorgungsroutinen durchzuführen, schien ziemlich unwirtschaftlich. So wurde beschlossen, möglichst billige Halbkettenfahrzeuge für den Transport des Nachschubs zu bauen. Dies geschah einfach dadurch, indem Lastkraftwagen von Opel und Daimler-Benz aus der laufenden Produktion genommen wurden und deren Hinterachse entfernt wurde. An ihrer Stelle wurden neue Antriebswellen zu Baugruppen von Kettenlaufwerken verlegt, welche aus Laufrädern und Ketten des PzKpfw II stammten. Sogar diese Maßnahme war äußerst ökonomisch, da der PzKpfw II zu diesem Zeitpunkt aus der Produktion genommen wurde und dessen Produktionskapazitäten für andere Projekte, wie den LKW-Umbau, verwendet werden konnten, was das ganze Unternehmen noch kostengünstiger machte. Diese neuen Halbkettenfahrzeuge wurden unter dem Namen Maultier ausgeliefert und schließlich erfolgte der Umbau hauptsächlich aus dem Opel Blitz Typ S/SSM-LKW. Im Einsatz waren sie ein durchgehender Erfolg, wenn sie auch nicht die komplette Mobilität der ‘richtigen’ Halbkettenfahrzeuge hatten. Es überrascht nicht, dass der Einsatz des Maultiers auf die Ostfront beschränkt war und die Fahrzeuge wurden hauptsächlich für die routinemäßigen Versorgungsfahrten verwendet. Ihr Einsatz sollten zwar für die Schlammperiode aufgespart werden, aber aufgrund des ständigen Mangels an Transportfahrzeugen wurden sie die ganze Zeit über eingesetzt, sodass ihr Verschleiß auch hoch war. Das Maultier wurde von 1942 bis 1944 gebaut und die Produktion erreichte insgesamt 21.945 Fahrzeuge. Panzerwerfer 42 Bis Ende 1942 hatten sich die Nebelwerfer-Batterien als ein fester Bestandteil der deutschen Artillerie etabliert und so sollten auch die Panzerformationen ihre eigenen Batterien erhalten. Zu diesem Zeitpunkt verwendeten die meisten Batterien gezogene Nebelwerfer, aber um mit den beweglichen Panzerformationen Schritt zu halten, sollte eine Version auf Selbstfahrlafetten dafür entstehen. Nachdem die Herstellung des Maultiers im Jahr 1943 4.000 Stück überschritten hatte und kein anderes Fahrgestell oder Halbkettenfahrzeug dafür verfügbar war, wurde beschlossen, dieses Fahrzeug dafür zu verwenden. Während des Jahres 1943 wurde Opel beauftragt, eine mit Panzerschutz versehene Version des Maultiers mit einem 15-cm-Nebelwerfer oder als Munitionstransporter herzustellen. Das Maultier erhielt ein vollständig gepanzertes Fahrerhaus, Motorhaube, Rumpf und Heck. Auf dem Dach des Hecks wurde der dafür extra neu entwickelte, zehnläufige 15-cm Panzerwerfer 42 platziert, welcher um 270° Grad gedreht und bis zu 80° in die Höhe eingestellt werden konnte. Die Raketen wurden alle in einer Salve abgefeuert und die dabei entstehenden Rauchschwaden ließen den Gegner rasch die Stellung einer Raketenbatterie erkennen. Der Raketenwerfer 42 auf Maultier konnte jedoch als Selbstfahrlafette nach dem Abschuss schnell einen Stellungswechsel vornehmen. Das Maultier bot daher zusätzliche Mobilität vor feindlichen Artillerie-Gegenfeuer sowie Schutz vor Infanteriefeuer und Granatsplitter. Das Heer bestellte 300 dieser Fahrzeuge, unter der Annahme, dass die Produktion anschließend auf den Schweren Wehrnachtschlepper übergehen sollte. Da der Schwere Wehrmachtschlepper (siehe weiter unten) aber niemals in den geforderten Stückzahlen hergestellt werden konnte, blieb es nur bei diesen Plänen und lediglich 300 Panzerwerfer 42 auf Maultier wurden umgebaut. Der erste dieser Maultiere mit Panzerwerfer 42 wurden 1943 eingesetzt und hatte eine Besatzung von drei Mann. Die Raketen befanden sich im Werfer und zehn Ersatzraketen für eine weitere Salve wurden an den Seiten im unteren Rumpf mitgeführt. Ebenfalls befand sich gewöhnlich ein Maschinengewehr auf dem Fahrerhaus und spätere Modelle hatten auch Rauchgranatwerfer, um sich selbst einzunebeln. Einige dieser gepanzerten Maultiere wurden auch ohne Raketenwerfer produziert, um zusätzliche Reserve-Raketen für die Werfer-Fahrzeuge mitzuführen. Davon wurden eine Reihe auch von anderen Einheiten als gepanzerte Munitionstransporter verwendet, obwohl der Schutz nur gegen Handfeuerwaffen und Granatsplitter ausreichend war. Animiertes 3D-Modell des 15cm Panzerwerfer 42 auf SdKfz 4/1 Maultier: Schwerer Wehrmachtschlepper Bis Ende 1941 hatten die Einsatzerfahrungen gezeigt, dass die Modelle der deutschen Halbkettenfahrzeuge einer Überarbeitung bedurften. Die Ein- und 3-Tonner-Halbkettenfahrzeuge am unteren Ende der Skala waren als Nachschubs- und Artillerie-Zugmaschinen weiterhin gut zu gebrauchen, aber im mittleren bis schweren Bereich hatten sich die Dinge verändert. Es wurde entschieden, die 5-Tonnen-Fahrzeuge auslaufen zu lassen, da die 8-Tonnen-Fahrzeuge für die schwere Artillerie und andere Aufgaben weiterhin benötigt wurden. So wurde nach einer neuen Lösung für den Bereich zwischen 3 und 8 Tonnen gesucht, welcher relativ kostengünstig für die Ende 1941 stark beanspruchte deutsche Rüstungsindustrie sein sollte. Ein billig herzustellendes Halbkettenfahrzeug wurde dafür benötigt. Der Entwurf, welcher übernommen wurde, war der Schwere Wehrmachtschlepper (kurz: s.WS.) von Büsing-NAG. Adolf Hitler befahl am 7. Mai 1942 dieses Transport-Halbkettenfahrzeug für den Einsatz an der Ostfront zu bauen, um die 5- und 3-Tonnen-Fahrzeuge zu ersetzen. Die ersten Prototypen waren erst im Herbst 1943 fertig und es sollten 150 Stück jeden Monat gebaut werden. Das Fahrzeug war nicht so sehr für Panzer- oder Artillerie-Einheiten vorgesehen, sondern eher für die Infanterie-Formationen, wo es als Mannschaftstransporter und Nachschubfahrzeug verwendet werden sollte. Entsprechend dieser Anforderungen war es grundsätzlich ein Halbketten-Lastkraftwagen mit praktisch keinem Panzerschutz. In seiner Transportfunktion hatte es ein offenes Fahrerhaus mit einer Planen-Abdeckung für den Fahrer und einen Beifahrer. Um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, hatte das Kettenlaufwerk nicht die zeitaufwendigen und teuren Gummiketten der Kampffahrzeuge, sondern stattdessen einzelne, mit Trockenstiften versehene Ganzstahl-Ketten. Die Auslegung des Kettenlaufwerks war identisch zum PzKpfw V Panther. Der Schwere Wehrmachtschlepper sWS ging in der Büssing-NAG-Fabrik in Berlin im Herbst 1943 in Produktion und ebenso im Werk Ringhofer-Tatra in der Tschechien. Nur fünf sWS wurden 1943 fertig, da die Produktion nur sehr langsam anlief. Der sWS hatte nur eine geringe Priorität erhalten und das RAF Bomberkommandos traf das Berliner Werk bald schwer. So wurden statt der ab Dezember 1943 monatlich 150 erwarteten Fahrzeuge bis September 1944 nur 381 ausgeliefert. Diese verfügbaren Fahrzeuge wurden schließlich an allen Fronten ab Mitte 1944 eingesetzt. Bis Kriegsende waren es dann immerhin insgesamt knapp 1.000 sWS (825 bis März 1945) von den 7.484 ursprünglich bestellten Exemplaren, welche die Wehrmacht erhielt. Aufgrund dieser geringen Produktionszahlen wurde auch die hastige Maultier-Improvisation eingeführt und mehr …

  • Fokker D.VII

    Fokker D.VII und D.VIII (E.V), beste und letzte deutsche Jäger im Ersten Weltkrieg. Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell. Fokker D.VII und Fokker D.VIII aus dem 1. Weltkrieg. Fokker D.VII Fokker D.VII Typ: Jagdflugzeug. Geschichte Die Fokker D.VII ist ohne Frage das beste deutsches Jagdflugzeug und wahrscheinlich sogar der kampfstärkste des Ersten Weltkriegs gewesen. Die Entwicklung entstand aus einer Spezifikation, welche Ende 1917 herausgegeben wurde und der wirkliche Prototyp war die Fokker V.II, welche von Rheinhold Platz entworfen wurde. Das Flugzeug war die natürliche Weiterentwicklung der Fokker D.VI. Zusammen mit dreißig anderen Flugzeugentwürfen, wovon sechs alternative Fokker-Entwürfe waren – darunter auch die D.VI – , wurde die V.II bei Adlershof im Januar und Februar 1918 getestet. Dabei war sie allen anderen Entwürfen mit großem Abstand überlegen und mit einigen Veränderungen, welche persönlich von Rittmeister von Richthofen vorgeschlagen wurden, erfolgte sofort der Auftrag für eine Massenproduktion. Es wurden 400 Stück von Fokker und ebenfalls umfangreiche Stückzahlen von Lizenzaufträge bei den Firmen Albatros und O.A.W. bestellt. Die Ironie wollte es nun, dass die Albatros-Werke – eigentlich der größte Konkurrent von Fokker – die neue D.VII unter Lizenz in ihren eigenen Fabriken herstellen mussten, da die Produktion des firmeneigenen Albatros-Jäger nach der Flugerprobung bei Adlershof eingestellt werden musste. Obwohl die Testpiloten einstimmig die D.VII bevorzugten, wurden auch Aufträge für die D.VI erteilt und beide Modelle wurden später in Dienst gestellt. Die V.II war etwas instabil beim Sturzflug und deshalb erhielten die Serienmaschinen der Fokker D.VII eine längere Flugzeugzelle und eine starre, vertikale Flosse. Die ersten Serienflugzeuge der D.VII hatten den wassergekühlten 160-PS-Mercedes-D.III-Motor mit einem Frontkühler ähnlich den von Kraftfahrzeugen. Es gab eine hervorragende Rundumsicht aus dem Cockpit und die Fokker D.VII war mit einem Zwillings-7,92-mm-Spandau-Maschinengewehr mit jeweils 500 Schuss pro Minute bewaffnet, welches sich direkt vor dem Piloten befand. Sie war einfach zu fliegen, aber ihrer hauptsächlicher Vorteil gegenüber den früheren deutschen Jägern war, daß sie in der Lage war ihre Leistung auch in größeren Flughöhen beizubehalten. Dies wurde noch weiter durch die Fokker D.VIIF ab Spätsommer 1918 verbessert, welche durch einen 185 PS starken BMW IIIa-Motor angetrieben war. Die D.VIIF war nur geringfügig schneller als die D.VII, hatte aber eine größere Kraftreserve bei Flughöhen über 5.000 Meter. Eine Höhe, welche die D.VIIF in 14 Minuten erreichen konnte, gegenüber den über 38 Minuten, welche die D.VII dafür benötigte. Deshalb wurde die Fokker D.VIIF dann natürlich bevorzugt. Der Erfolg der Fokker D.VII beruhte nicht nur auf den fortschrittlichen Flugeigenschaften, welche bis zur Gipfelhöhe beibehalten werden konnten und ein kontrolliertes Überziehen ohne ein plötzliches Abfallen der Flügel ermöglichten, sondern auch wegen der einfachen Herstellung und Reparaturen. Die Flügel bestanden aus einer Holzkonstruktion überzogen mit Stoff und der Flugzeugrumpf war ein versteifter Stahlrohr-Kastenträger. Die Nase war vorne aus Metall bis zum unteren Flügel und anschließend mit Sperrholz verkleidet, während gespannter Stoff an der Oberseite verwendet wurde. Der unterere Flügel wurde aus einem Stück hergestellt und die untere Rumpfverlängerung eingeschnitten, um die Flügelholme direkt durch den Rumpf einzulassen. Diese Anordnung resultierte in großer Stabilität. Alle Zwischenebenen und der Mittelteil waren aus einem stromlinienförmigen Stahlrohr.   Von Richthofens Jagdgeschwader I erhielt die ersten Fokker D.VII im April 1918. Da Richthofen nur wenige Tage zuvor in seiner Fokker Dr.I ums Leben gekommen war, wurde das Geschwader nun von Hermann Göring befehligt und seine Jasta 4, 6, 10 und 11 mit dem neuen Jäger ausgerüstet. Das übliche Verfahren bestand darin, neue Jäger auf die Jastas, und dort dann wiederum an Piloten in der Reihenfolge des Ansehens zu verteilen. So konnten mehrere Monate vergehen, bevor weniger bedeutende Staffeln und Piloten die Fokker D.VII erhielten. Als Nächstes folgten die Jastas 12, 13, 15 und 19 des Jagdgeschwaders Nr.2. Das Z.A.K. (Zentrale Annahme-Kommission) konnte bis zum Waffenstillstand im November 1918 noch 760 Fokker D.VII annehmen und der Typ wurde an 46 bis 48 Jastas an der West- und Südfront ausgeliefert, auch wenn mehrere Einheiten deutlich unter der Sollstärke im Einsatz standen. Trotzdem bestanden somit etwa 65 Prozent aller deutschen Jagdflugzeuge aus der Fokker D.VII. Insgesamt baute Fokker mindestens 840 D.VII. Dazu waren 785 bei der Firma Albatros und 975 von den Ostdeutschen Albatros-Werken bestellt worden. In Österreich-Ungarn wurde der Typ von M.A.G. als Serie 93 gebaut. Von der Firma Aviatik in Österreich-Ungarn wurde die Fokker D.VII als Serie 132 bestellt, aber von dieser konnte keine bis zum Waffenstillstand mehr ausgeliefert werden. Während dem Sommer und Herbst 1918 begegneten die alliierten Piloten trotz ihrer im Jahr 1918 neu eingesetzten Flugzeuge, wie der S.E.5a oder Sopwith Snipe, der Fokker D.VII mit dem gleichen Respekt, wie dies für die Fokker E drei Jahre zuvor zugetroffen hatte. Unter den bekannten Top-Assen und ‘Oberkanonen’ der Fokker D.VII Piloten waren Namen wie Ernst Udet, Rudolf Berthold, von Beaulieu-Marconnay und Georg von Hantelmann – und nicht zu vergessen, Hermann Göring, welcher eine vollkommen weiße Fokker D.VII flog. Der Artikel IV der Waffenstillstandsvereinbarung zollte dem Flugzeug einen besonderen Tribut, da es die einzige im besonderen namentlich aufgeführte Ausrüstung aus dem gesamten deutschen Militärbestand war, welche an die Alliierten ausgeliefert werden musste. Dies zerstörte die Hoffnungen von Anthony Fokker, den Flugzeugbau mit seiner Firma nach dem Krieg in Deutschland fortzusetzen. Es folgte die berühmte Episode, bei der er erfolgreich 400 Flugmotoren und Bauteile für 120 Flugzeuge, von denen die meisten Fokker D.VII waren, von Deutschland nach Holland schmuggelte. So wurde die Produktion der Fokker D.VII nach dem Krieg in Holland fortgesetzt. Die Flugzeuge blieben beim holländischen Heeres-Flugdienst und später in Niederländisch-Ostindien bis zum Ende der 1920er Jahre im Einsatz. Dazu wurden zwischen 1919 und 1926 eine Anzahl ehemaliger Fokker D.VII aus dem Krieg zu Zweisitzern umgebaut und von der belgischen Aviation Militaire als Trainingsflugzeuge verwendet. Weitere 27 wurden an die Fliegertruppe der Schweiz geliefert. Benutzer: Deutsches Reich, Österreich-Ungarn (im 1. Weltkrieg), Holland, Belgien (danach). Animation 3D-Modell Fokker D.VII Spezifikationen Fokker D.VII Spezifikationen: Fokker D.VIII Fokker D.VIII, letzter deutscher Jäger im Ersten Weltkrieg. Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken und Bilder. Fokker D.VIII (E.V) Typ: Jagdflugzeug. Geschichte Rheinhold Platz entwarf und baute mehrere Schulterflügel-Eindecker von Ende 1917 an. Sein erstes Flugzeug mehr …

  • Britische Infanterie tritt an der Somme zum Angriff aus ihren Gräben an

    Ergebnisse und Statistiken zu 15 Schlachten des Ersten Weltkriegs und die Somme-Schlacht der Maschinengewehre. Die nachfolgenden Tabellen geben komprimiert möglichst exakte Angaben über fünfzehn Schlachten des 1. Weltkriegs mit deutscher Beteiligung wieder. Davon fanden zehn an der Westfront und fünf an der Ost­front gegen Russland statt. Von den zehn Schlachten an der Westfront wurden vier überwiegend gegen französische, fünf überwiegend gegen britische Truppen und eine Schlacht gegen die US-Armee geführt. Schlacht-Ergebnisse im 1. Weltkrieg Zu jeder dieser Schlachten werden das Datum, der übliche Name, die Dauer, die im Wesentlichen eingesetzten Großverbände und das operative Ziel – also Angriff oder eine der Verteidigungsmöglichkeiten aus rasch errichteten oder vorbereite­ten Stellungen oder mit Feldbefestigungen – angegeben. Die folgende Spalte gibt die in etwaige zahlenmäßige Stärke der sich bekämpfenden Streitkräfte an. Die vierte Spalte beinhaltet abgerundet die gesicherten Verlustzahlen der gegnerischen Streitkräfte wieder. Allerdings brachten in vier der fünf Schlachten an der Ostfront die deutschen Truppen dermaßen viele Kriegsgefangene ein, dass in der rechteckigen Klammer diese nochmals gesondert angegeben sind. Die fünfte Spalte gibt die daraus resultierenden Verluste pro Kampftag an. Die sechste Spalte gibt die Verluste pro Tag in Prozent an, und zwar bezogen auf die weiter links an­gegebene Truppenstärke bei Beginn der Schlacht. Die letzte Spalte gibt den sogenannten Score-Wert an, eine Punktwertung oder Bewertung auf der Grundlage einer Auswertung der vorangegangenen Zahlen. Dieser Wert entspricht den Verlusten je Kampftag als Prozentsatz der Streitkräfte, welche diese Verluste verursacht haben. Dieser wird berechnet, indem die Verluste der einen Seite zur gesamten Truppenstärke der anderen Seite in Relation gesetzt werden. Der Wert gibt somit die Verluste pro Tag je 100 Mann an. In den runden Klammern wird der Kampfwert-Index angezeigt, wobei der Score-Wert in etwa mit dem ermittelten Verteidigervorteil modifiziert wurde. Hierbei werden allerdings Faktoren verwendet, die sich aus den umfassenden Forschungen aus Schlachten des 2. Weltkriegs ergaben, welche aber bisher noch nicht umfassend für den 1. Weltkriegs überprüft bzw. angepasst worden sind. Dabei wird der Verteidigervorteil bei rasch eingerichteter Verteidigung mit 1,3 angenommen, mit 1,5 für vorbereitete Vertei­digung und 1,6 für Verteidigung aus Feldbefestigungen. Bei einigen der ersten Schlachten des Ersten Weltkrieges, als beide Seiten im Angriff waren und sich somit auch zum Teil dann ‘rasch verteidigten’, wird ein Faktor von 1,2 angenommen. Der daraus resultierende Kampfwert-Index ist folglich die bereinigte Fähigkeit beider Seiten, während der jeweiligen Schlachten den gegnerischen Truppen Verluste zuzufügen. Bei längeren Schlachten liegt dieser Wert zumeist niedriger, was darauf schließen lässt – und durch die tiefer gehenden Untersuchen des Zweíten Weltkriegs bestärkt wird -, dass die Kampfkraft und somit der Kampfwert-Index der Soldaten über eine längere, ununterbrochenen Einsatzdauer im Gefecht ständig abfällt. Grenzschlachten 14.-23.8. 1914 (10 Tage): Tannenberg 26.-29.8. 1914 (4 Tage): Marneschlacht 5.-10.9. 1914 (6 Tage): Masurische Seen 9.-14.9. 1914 (5 Tage): Lodz 11.-25.11. 1914 (15 Tage): Winterschlacht in Masuren 7.-21.2. 1915 (15 Tage): Gorlice-Tarnow 2.-4.5. 1915 (3 Tage): Schlacht Champagne 25.9.-8.11. 1915 (45 Tage): Erste Somme-Schlacht 1.7.-31.10. 1916 (123 Tage): Arras 9.-24.4. 1917 (15 Tage): Nivelle-Offensive an der Aisne 16.-30.4. 1917 (15 Tage): Flandernschlacht 31.7.-6.11. 1917 (98 Tage): Zweite Somme-Schlacht 21.3-9.4. 1918 (20 Tage): Lys 9.-30.4. 1918 (22 Tage): Maas-Argonnen 26.9.-11.11. 1918 (47 Tage): Siehe auch: Deutsche Kampfkraft Siehe auch: Schlachten im 2. Weltkrieg Schlacht an der Somme Die Schlacht der Maschinengewehre an der Somme vom 1. Juli bis zum 18. November 1916. Keine Schlacht im 1. Weltkrieg wurde so sehr vom Maschinengewehr dominiert, wie die britische Sommeroffensive 1916, welche zur Schlacht an der Somme wurde. Die Eindrücke durch die deutschen MG08 Spandau und Bergmann-Maschinengewehre blieben noch lange im Gedächtnis nach dem ‘Tag von atemberaubender Sommer-Schönheit’, wie Siegfried Sassoon den 1. Juli 1916 beschrieb, dem Tag des Beginns der Schlacht an der Somme. Das Bild der Schützenlinien aus Khakifarbener Infanterie, welche mit erhobenen Lee-Enfield Gewehren im Stacheldraht niedergemacht wurden, formte sich nicht nur in die westliche Wahrnehmung des modernen Krieges, sondern in das moderne Leben einer ganzen Generation. Mehr als nur Infanteristen fielen den Maschinengewehren an der Somme zum Opfer. Die bisherige strukturierte, progressive Welt der Vorkriegszeit vor 1914 starb dort auch. Die schweren Verluste, welche die deutschen Maschinengewehre den britischen Truppen im Jahr 1915 bei Neuve Chapelle und Loos zugefügt hatten, beeinflusste den britischen Plan für die Offensive an der Somme. Die Lehren, welche die Briten aus diesen Schlachten zogen, waren, dass sie ihre Artillerie einsetzen würden, um noch viel mehr Tonnen von Sprengstoff über den Maschinengewehren auszuschütten, bevor der Infanterie-Angriff beginnen würde. Die Logik war, nur genug Granaten zu verschießen und es würden keine Maschinengewehre mehr übrig bleiben. Truppenstärke an der Somme am 1. Juli 1916: Das Maschinengewehr entscheidet eine Schlacht Das britische Vorbereitungsfeuer der Artillerie sollte die Maschinengewehre besiegen. Die Infanterie müsste dann – so war der Plan – einfach nur noch das Gelände in Besitz nehmen. Aber trotz der lang anhaltenden Dauer des britischen Artillerie-Vorbereitungsfeuers, demonstrierten die deutschen Maschinengewehre an der Somme, dass Feuerkraft alleine nicht den Kampf entscheiden konnte. Denn die Maschinengewehre in der Frontlinie überstanden das Vorbereitungsfeuer in ihren gut ausgebauten Unterständen. Diese Lektion der Maschinengewehre aus der Schlacht an der Somme mussten auch die US-Marines des 2. Weltkrieg auf Tarawa im Jahre 1943 und unzählige Male während des Vietnamkrieges wieder erlernen. Ein massives Vorbereitungsfeuer alleine – auch nicht der siebentägige Beschuss, welcher der Offensive an der Somme vorausging – kann einen tief eingegrabenen Verteidiger nicht besiegen. Später im Krieg wurde das Vorbereitungsfeuer zu einem kurzen, ungeheuer intensiven Sturm, welches oft noch mit dem Einsatz von Giftgas zum Niederdrücken des Verteidigers kombiniert wurde. Das Vorbereitungsfeuer vor dem 1. Juli 1916 litt auch unter der hohen Anzahl der Blindgänger und des Mangels an schweren Geschützen, welche die tiefen Bunker, in denen sich die deutschen Maschinengewehre mit ihren Mannschaften befanden, etwas anhaben hätten können. Die deutschen Maschinengewehrschützen warteten dort bis zu der 10-minütigen Pause kurz vor 7 Uhr morgens, bevor die britische Infanterie unter trillernden Pfeifen aus ihren Gräben zum Angriff antrat. Die Kämpfe im Jahr 1915 hatten gezeigt, dass ein einzelnes Maschinengewehr ein angreifendes Bataillon besiegen konnte, wenn es ohne niedergedrückt zu werden, feuern konnte. Am 1. Juli 1916 musste jedoch mehr …

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