Bristol Blenheim

Englischer leichter Bomber Bristol Blenheim.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell.

Modell einer Bristol Blenheim I
Modell einer Bristol Blenheim I der 60. RAF-Staffel in Lahore (Indien), 1940.

Englischer Leichter Bomber Bristol Typ 142 Blenheim

Bristol Blenheim I-VD, IF und IVF
Typ: Leichter Bomber, schwerer Jäger, Nachtjäger

Die Bristol Blenheim war ein britisches leichtes Bomber- und Aufklärungsflugzeug, das während des Zweiten Weltkriegs intensiv eingesetzt wurde. Es wurde von der Bristol Aeroplane Company entwickelt und gebaut und war eines der ersten britischen Flugzeuge mit einer Ganzmetall-Eindeckerkonstruktion und einem einziehbaren Fahrwerk – für die damalige Zeit Ende der 1930er Jahre recht fortschrittlich.

Überblick

Entwicklung und Konstruktion

Die Blenheim entstand aus einem privaten Projekt von Bristol, das auf einem zivilen Transportflugzeug namens ‚Type 142‘ basierte, das das Luftfahrtministerium mit seiner Geschwindigkeit und seinen modernen Funktionen beeindruckt hatte. Die militärische Version mit der Bezeichnung ‚Type 142M‘ wurde für den Transport von Bomben und Verteidigungswaffen angepasst.

Zu den wichtigsten Merkmalen gehörten:
– Besatzung: 3 (Pilot, Navigator/Bombenschütze und MG-Schütze)
– Motoren: Zwei Bristol Mercury-Sternmotoren
– Geschwindigkeit: 420–450 km/h
– Reichweite: ca. 1.400 km
– Bewaffnung: bis zu 450 kg Bomben; ein nach vorne feuerndes und ein auf dem Rücken montiertes Maschinengewehr

Die Blenheim wurde 1937 bei der Royal Air Force (RAF) in Dienst gestellt und war zu dieser Zeit einer der schnellsten Bomber der Welt – sogar schneller als viele zeitgenössische Kampfflugzeuge.

Einsatzgeschichte

Bristol Blenheim-Bomber
Englischer Bristol Blenheim-Bomber über einem brennenden Schiff.
Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, gehörte die Blenheim zu den wichtigsten Frontbombern der RAF. Sie wurde in verschiedenen Rollen eingesetzt:
– Tageslicht-Bombenangriffe über Deutschland und dem besetzten Europa.
– Aufklärungsmissionen.
– Nachtjäger-Einsätze (insbesondere die Variante Blenheim Mk IF, die mit einem frühen Radar ausgestattet war).

Bis 1940 hatte sich der frühe technologische Vorsprung der Blenheim jedoch verflüchtigt. Sie wurde von schnelleren und besser bewaffneten deutschen Kampfflugzeugen wie der Messerschmitt Bf 109 übertroffen. Infolgedessen erlitten die Besatzungen der Blenheim bei den ersten Angriffen über Europa und in der Schlacht um Frankreich schwere Verluste.

Trotz seiner Schwächen blieb das Flugzeug in verschiedenen Einsatzgebieten – darunter Nordafrika, das Mittelmeer und der Ferne Osten – im Dienst, bis es nach und nach durch leistungsfähigere Flugzeuge wie die Bristol Beaufighter und die Douglas Boston ersetzt wurde.

Varianten

Es wurden mehrere Versionen der Blenheim produziert:
– Mk I: Ursprüngliche Bomberversion mit kurzer Nase.
– Mk IF: Mit Radar ausgestattete Nachtjäger-Variante.
– Mk IV: Verbesserter Bomber mit längerer Nase und leistungsstärkeren Motoren.
– Mk V (Bisley): Später im Krieg eingesetzte Bodenangriffsversion.

Insgesamt wurden über 4.400 Blenheims gebaut, darunter auch solche, die in Kanada und Finnland in Lizenz hergestellt wurden.

Vermächtnis

Obwohl die Bristol Blenheim schnell von neueren Konstruktionen überholt wurde, spielte sie in den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs eine entscheidende Rolle. Sie stand für den Übergang von Doppeldeckern zu modernen Eindeckern, und ihre Besatzungen zeigten bemerkenswerten Mut bei ihren Einsätzen in einem immer gefährlicher werdenden Luftraum.

Heute sind noch einige wenige restaurierte Blenheims in Museen und Privatsammlungen erhalten – darunter ein flugfähiges Exemplar, das von der Aircraft Restoration Company in Duxford, Großbritannien, betrieben wird.

Geschichte

Ein Trio von Bristol Blenheim IV Bombern
Ein Trio von Bristol Blenheim IV Bombern. Die Blenheim stellte sich als extrem anfällig gegen moderne feindliche Jäger heraus.

Der Zeitungsverleger Lord Rothermere beauftragte die Bristol-Werke, ihm ein 390 km/h schnelles Geschäfts­flugzeug für einen Piloten und sechs Passagiere zu bau­en. Das war erheblich schneller als jeder RAF-Jäger im Jahre 1934. Es entstand der Typ 142, der erste britische Eindecker mit mittragender Außenhaut, mit einziehbaren Fahrgestell, Landeklappen und amerikanischem Verstellpropeller. Die Flugleistungen erstaunten selbst den Konstrukteur Bamwell.

Bei einem Test für das Luft­fahrtministerium erreichte die Maschine etwa 494 km/h. Die logische Folge war der Blenheim Bomber als Mittel­decker mit neu konstruiertem Rumpf und Bombenschacht. Pilot und Navigator/Bombenschütze saßen im verglasten Bug. Hinter den Tragflächen wurde auf dem Rumpf ein teilweise einziehbarer Waffenturm unterge­bracht.

Die hohen Auftragszahlen für die Blenheim waren für ein Werk, dem die Aufträge fehlten, recht erfreu­lich. Es wurden 1.134 Bristol Blenheim gebaut, mit denen Anfang des Krie­ges viele Angriffe geflogen wurden.
Sie wurden dann als IF zu Jägern umgebaut und manche hatten als Nachtjäger das AI Mk III-Ra­dar, das erste in einem schweren Jäger verwendete Radargerät der Welt.

Der neue Schnellbomber wurde in die Türkei, nach Finnland, Jugoslawien, Litauen, Rumänien und Griechenland ex­portiert.
Um den Bombenschützen vor dem Piloten platzieren zu können, wurde der Bug um knapp einen Meter verlängert. Diese Versionen hießen Bolingbroke, ein Name, der auch für alle in Kanada gebauten Blenheim übernommen wurde (Bolingbroke Mk III war ein Wasser­flugzeug).
Für die schnelle Mk IV wurde ein asymmetri­scher Bug entwickelt. Sie wurde mit Jägerbewaffnung zur IVF, mit rückwärts feuerndem Bug-MG zur IVL und hatte schließlich einen Bugstand mit Doppel-MG. Bei Bri­stol, Avro und Rootes produziert, wurde die Mk IV zum Hauptmodell der RAF. Es wurden 3.297 geliefert, die Ta­gesangriffe auf vielen Kriegsschauplätzen flogen.

Die schwer bewaffnete zweisitzige Bisley ging nicht in Serie, dafür jedoch die dreisitzige Blenheim V. Die 902 schwe­ren und untermotorisierten VD wurden in Nordafrika und Fernost eingesetzt.

Benutzer: Kanada, Finnland, Frankreich. Griechenland, Jugoslawien, Litauen, Portugal, Rumänien, Türkei, Großbritannien (RAF).


Bilder Bristol Blenheim


Spezifikationen Bristol Blenheim

Spezifikationen:

Spezifikation
Blenheim I
Bolingbroke
Blenheim IVL
Blenheim V
Typ
Leichter Bomber
Antrieb
2 x 840 PS Bristol Mercury VII
2 x 840 PS Bristol Mercury VII (IV: 2 x 750-920 PS Twin Wasp Junior, Cyclone oder Mercury XX) "2 x 920 PS Mercury XV"
2 x 950 PS Mercury XXX
Besatzung
3
3
3
3
Spannweite
17,17 m
17,17 m
17,17 m
17,31 m
Länge über alles
12,11 m
14,10 m (III)
13,0 m
13,38 m
Höhe über alles
3,91 m
5,49 m (III)
3,91 m
3,91 m
Leergewicht
3.946 kg
3.946 kg
4.441 kg
4.990 kg
Startgewicht
5.557 kg
6.078 kg
6.531 kg
7.711 kg
Höchstgeschwindigkeit
459 km/h
394-419 km/h
428 km/h (frühe IV: 475 km/h)
394-419 km/h
Steigleistung
457 m/min
457 m/min
457 m/min
457 m/min
Dienstgipfelhöhe
9.600 m
7.925 m (III)
9.600 m
9.600 m
Reichweite
1.811 km
2.898 km
3.138 km
2.576 km

Bewaffnung:

Typ
Spezifikation
Blenheim I
1 x 7,62-mm Browning Bugstand, 1 x 7,62-mm Vickers K Rückenturm
Blenheim IVL
1 x 7,62-mm Vickers im Bug, 2 x 7,62-mm Brownings im Bugstand, 2 x 7,62-mm Brownings im Rückenturm
Blenheim IF, IVF (Jäger, Nachtjäger)
4 x starre 7,62-mm Brownings unter dem Rumpf zusätzlich, keine Bomben
Bombenzuladung
intern 454 kg, manchmal zusätzliche Unterflügelstationen für 2 x 225-kg-Bomben

Einsatzstatistik:

Bristol Blenheim
Angaben
Erstflug
25. Juni 1936 (Blenheim I)
Truppenlieferung
November 1936
Endlieferung
Juni 1943 (VD)
Stückpreis
unbekannt
Stückzahl
5.213 + ca. 120 Wasserflugzeuge (1.134 I, 3.297 Bolingbroke und IV, 902 V)


Quellenangaben und Literatur

Luftkrieg (Piekalkiewicz)
Das große Buch der Luftkämpfe (Ian Parsons)
Technik und Einsatz der Kampfflugzeuge vom 1. Weltkrieg bis heute (Ian Parsons)
Combat Aircraft of World War II (Bill Gunston)

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