Currently set to Index
Currently set to Follow

Hs 293 und Fritz-X Gleitbombe



Deutsche Fernlenkwaffen im 2. Weltkrieg.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken und Bilder der Henschel Hs 293 und Fritz-X Gleitbombe.

Henschel Hs 293A
Henschel Hs 293A Gleitbombe

Henschel Hs 293



Henschel Hs 293
Typ: Funkgesteuerte Gleitbombe (Fernlenkwaffe).

Geschichte

Die ernsthafte Entwicklung von Fernlenkwaffen bei der Firma Henschel begann 1939 unter der Leitung von Professor Dr. Herbert Wagner. Dabei ging es hauptsächlich um eine Luft-See/Boden-Waffe zur Bekämpfung von Schiffs- und Bodenzielen.

Die vorbereitenden Erprobungen der Hs 293 Gleitbombe begannen 1940, was zu dem ersten Flug eines Hs 293A-0 Vorserienmodells am 16. Dezember 1940 führte. Dabei ist der Begriff ‘Vorserienmodell’ allerdings etwas irreführend, da schließlich 1.700 der zuerst 1.900 gebauten Gleitbomben Hs 293A-0 waren.

Die grundsätzlichen Bestandteile der Einsatzwaffe waren ein Gefechtskopf mit einer 500 kg-Sprengbombe, einem Paar von Stummelflügeln, ein Rumpfheck mit Leitwerksflächen und einem übergehängten Behälter, welcher einen Flüssigbrennstoff-Raketenmotor beinhaltete.
Die Firmen Telefunken und Strassfurter stellten das Funkleitsystem zur Verfügung, welches im hinteren Rumpf installiert wurde.

Henschel Hs 293A
Henschel Hs 293A
Die eigentliche Hs 293A-1 Serienversion wurde aus der Luft in mittlerer oder niedriger Flughöhe von Trägerflugzeugen wie der Do 217, Fw 200, He 177 oder Ju 290 abgeworfen und wurde vor dem Einsatz bei dem speziell dafür im Juli 1943 gebildeten Kampfgeschwader 100 erst einmal durch das Lehr- und Erprobungskommando 36 getestet. Aus Gründen der Geheimhaltung für diese neue ‘Geheimwaffe’ dauert es sechs Monate bis zur Einsatzfreigabe.

Nach dem Abwurf der Gleitbombe startete der Motor für rund 10 Sekunden, um diese nach vorne zu beschleunigen, aber immer noch in Sichtlinie vom Mutterflugzeug, von dem sie aus in Richtung des Ziels gesteuert wurde.
Die Hs 293A-1 wurde zum ersten Mal im Ernstfall von einer Do 217E des II./KG 100 aus am 25. August 1943 eingesetzt und während der nächsten 12 Monate wurde die Gleitbombe umfangreich bei Tag und Nacht über dem Atlantik und Mittelmeer verwendet. Danach war ihr Einsatz mehr begrenzt, setzte sich aber bis April 1945 fort.

Verschiedene Entwicklungsversionen wurden erprobt oder vorgeschlagen, einschließlich einer mit einer visuellen Kamera gesteuerten Hs 293D, der Hs 293F mit Delta-Flügeln und Zwillings-SG33-Festbrennstoffraketen mit 1.855 kg Schub, die Hs 293G mit Kreiselsteuerung und der Möglichkeit praktisch horizontal oder vertikal auf das Ziel zuzusteuern, sowie die Hs 203H, dafür vorgesehen in der Mitte einer Formation feindlicher Bomber zu explodieren, entweder durch den Empfang eines Funksignals oder Annäherungszünder.
Zweimotorige Varianten beinhalteten die Hs 294 mit einer langen Spitznase und vergrößerten Flügeln, die Hs 295 mit dem hinteren Rumpfteil der Hs 293 und den Flügeln der Hs 294 sowie einem größeren Gefechtskopf und die Hs 296 mit den Flügeln und Hinterteil der Hs 294 sowie ebenfalls einem vergrößerten Gefechtskopf.

Einsatzverfahren für die Gleitbombe

Im Vergleich mit dem Aufwand für die Ausbildung der Besatzungen und Kosten des notwendigen Materials erreichten die deutschen Torpedobomber-Verbände nur wenig. Abgesehen von einer herausragenden Ausnahme, als am 13. September 1942 vierzig Heinkel He 111 Torpedobomber acht Schiffe des Arktis-Konvoi PQ-18 während eines einzigen, straff geführten Angriffs versenkten, gab es nur wenig Erfolge.
Die taktischen Hemmnisse für den Abwurf der Torpedos waren zu groß, die Gelegenheiten diese zu verwenden zu selten und ab Anfang 1943 waren auch die alliierten Konvois zu gut durch Jäger abgeschirmt.

Deshalb benötigte die deutsche Luftwaffe, um irgendwelche Erfolge gegen die alliierte Schifffahrt zu erzielen, eine Waffe, welche effektiver als der Torpedo war. Bis Mitte 1943 waren zwei solcher neuen Waffen zum Einsatz bereit: die Henschel Hs 293 Gleitbombe und die ferngesteuerte Bombe Fritz-X.

Als Erstes kam die Henschel Hs 293 Gleitbombe im August 1943 zum Einsatz. Mit einer Flügelspannweite von knapp über 3 Metern war sie einem kleinen Flugzeug ähnlich und in der Nase trug sie einen Gefechtskopf mit 500 kg. Nachdem sie vom Mutterflugzeug freigegeben wurde, brachte sie der Flüssigkeits-Raketenmotor unter dem Rumpf der Fernlenkwaffe auf eine Geschwindigkeit von etwa 600 km/h. Nach 12 Sekunden stoppte der Raketenmotor und die Lenkwaffe ging in einen seichten Sturzflug über und beschleunigte sich langsam in Richtung ihres Ziels.

Einsatztaktik für Hs 293
Einsatztaktik für Hs 293

Die Reichweite der Waffe hing von der Flughöhe ab, aus der sie abgeworfen wurde. Zum Beispiel war die effektive Reichweite etwa 8 Kilometer, wenn sich das Trägerflugzeug in einer Höhe von 1.400 Meter befand.
Am Heck der Hs 293 war eine helle Leuchtkugel, welche den Beobachter im Mutterflugzeug den Flug der Bombe erkennen ließ. Er steuerte die Gleitbombe mit einem kleinen Steuergerät ähnlich eines Joystick-Controllers, um die entsprechenden Steuersignale für den Flug nach links, rechts, oben und unten zu übermitteln.

Mit dem heute als ‘Command-to-Line-of-Sight’ (Kommando in Sichtlinie) bezeichneten Verfahren steuerte der Beobachter von Bord des Mutterflugzeuges aus die Lenkwaffe, bis deren Leuchtfeuer das Ziel überlagerte und hielt sie auf diesen Kurs während des verbleibenden Flugs.
Mit einer Einschlaggeschwindigkeit von nur 725 km/h erzielte die Hs 293 nur geringe Penetrationsfähigkeiten und war deshalb hauptsächlich zum Einsatz gegen Handelsschiffe oder leicht gepanzerte Kriegsschiffe gedacht.

Ersteinsatz

Die Henschel Hs 293 mit dem Flüssigkeitsraketen-Walter-Triebwerk und einem Sprengkopf aus 500 kg hochwirksamen Trialen 100 wurde erstmals am 25. August 1943 vom Kampfgeschwader 100 eingesetzt. Die neue Waffe sollte den Druck der britischen Seestreitkräfte auf die deutschen U-Boote beim Durchqueren des Golfs von Biskaya reduzieren und wurde nach dem Abwurf vom Beobachter mit einem Bleistift-großen Steuerknüppel außerhalb des gegnerischen Flak-Schirms auf das Ziel zugesteuert.

Do 217 mit einer ferngesteuerten Henschel Hs 293 Flugbombe
Dornier Do 217 mit einer ferngesteuerten Henschel Hs 293 Gleitbombe unter der rechten Tragfläche.
So starteten die II. Gruppe unter Hauptmann Molinius mit 12 mit Gleitbomben beladenen Do 217, eskortiert von 7 Langstreckenjägern Ju 88 C, zum Angriff auf britische Kriegsschiffe nordwestlich von Spanien. Der Einsatz war jedoch erfolglos, da nur 4 Gleitbomben in die Nähe der Schiffe gelangten und dadurch nur die Schaluppe Landguard geringfügig beschädigt wurde.

Der Angriff wurde zwei Tage später, am 27. August 1943, durch 18 Do 217 gegen britische Kriegsschiffe vor Kap Finisterre wiederholt. Diesmal explodierte die Fregatte Egrert nach zwei direkten Treffern und der kanadische Zerstörer Athabaskan musste schwer beschädigt abgeschleppt werden.

Daraufhin zogen sich alle britischen Schiffe für einige Zeit mindestens 200 Seemeilen von der französischen Küste zurück, was den Druck auf die deutschen U-Boote spürbar verringerte.

Spezifikationen Henschels Hs 293

Spezifikationen:

Hs 293A-1 Spezifikation
Antrieb 1 x 600 kg Schub HWK 109-507B
Spannweite 3,10 m
Länge über alles 3,82 m
Rumpfdurchmesser 0,47 m
Flügelfläche 1,92 m²
Sprengkopf295 kg
Startgewicht 1.045 kg
Maximale Flügelbelastung 544,27 kg/m²
Maximale Leistungsbelastung 1,754 kg/kg Schub
Höchstgeschwinidgkeit 435-900 km/h
Abwurfhöhe 400-2.000 Meter
Reichweite 3,5-18 km


Fritz-X

Fallbombe Fritz-X
Die einfache und wirksame ferngesteuerte Fallbombe Fritz-X.
Die zweite dieser neuen Generation von Waffen war die ferngesteuerte Fritz-X-Bombe, welche ebenso per Funk gesteuert wurde, aber in allen anderen Belangen radikal unterschiedlich konstruiert war.
Zum Einsatz gegen schwer gepanzerte Kriegsschiffe konstruiert, war sie einer frei fallenden Bombe ähnlich, mit Ausnahme des Umstandes, dass sie über vier stabilisierende Stummelflügel in der Mitte des Rumpfes verfügte.

Mit einem Gewicht von 1.400 kg wurde die Waffe aus einer Höhe von 4.875 bis 6.400 Metern abgeworfen. Sie hatte keinen eigenen Antrieb und benutzte die natürliche Erdanziehungskraft, um ihre Einschlaggeschwindigkeit nahe an der Schallgeschwindigkeit zu erreichen.


Die Fritz-X wurde mithilfe eines Bombenabwurf-Zielgeräts abgeworfen, ähnlich einer konventionellen Bombe. Der Beobachter übermittelte allerdings Korrektursignale, um das Leuchtfeuer der Fritz-X genau über das Ziel während der letzten Phase der Flugbahn zu bringen.

Bei dem Angriff mit einer Fritz-X flog jeweils ein einzelnes Trägerflugzeug – so gut wie immer eine Dornier Do 217 – einen individuellen Bombenangriff. Nachdem die Lenkwaffe abgeworfen war, wurden die Motoren des Flugzeugs heruntergefahren und es stieg um etwa 350 Meter, wodurch sich die Geschwindigkeit von 470 km/h auf 265 km/h reduzierte, damit der Beobachter eine Sichtlinie mit der Lenkbombe und ihrem Ziel hatte und in der Lage war, sie während der letzten 10 bis 15 Sekunden ihres Sturzes zu kontrollieren.

Ersteinsatz

Der spektakulärste und erste erfolgreiche Einsatz der Fritz-X erfolgte ausgerechnet gegen einen ehemaligen Verbündeten. Am 8. September 1943 gab US-General Eisenhower einseitig die Kapitulation Italiens bekannt, worauf die Deutschen mit den vorbereiteten Gegenmaßnahmen begannen.
Als deutsche Truppen in den italienischen Marinestützpunkt La Spezia eindrangen, verließ Admiral Bergamini mit den Schlachtschiffen Roma, Italia, Vittorio Veneto und 3 Kreuzern und 8 Zerstörern seinen Liegeplatz.

funkgesteuerte Bombe Fritz-X
Panzerbrechende funkgesteuerte Bombe Fritz-X, befestigt an einem Trägerflugzeug.
Daraufhin bekam die III. Gruppe von Major Jope des Kampfgeschwaders 100, welche in der Nähe von Marseille stationiert war, den Auftrag den abtrünnigen Verbündeten abzufangen. Kurz nach 14 Uhr am 9. September 1943 starteten 12 Do 217 K-2, beladen mit jeweils einer neuen funkgesteuerten Fallbombe Fritz-X (SD 1400X).
Die von M. Kramer von der Ruhrstahl AG entwickelte neue Geheimwaffe sah dabei ihren ersten Einsatz. Es war eine gewöhnliche, frei fallende Bombe mit 1.400 kg Gewicht und hoher Durchschlagskraft zum Einsatz gegen schwere Kriegsschiffe, hatte aber keinen eigenen Antrieb. Lediglich die Fallrichtung konnte durch ein UKW-Steuergerät korrigiert werden.

Um 15:30 Uhr erreichten die deutschen Bomber den italienischen Flottenverband zwischen Korsika und Sardinien in der Nähe der Insel Asinara. Die Italiener hielten die sich annähernden Flugzeuge zuerst für Alliierte, da sie auf Luftsicherung gehofft hatten. Erst als die Bomben abgeworfen wurden, erkannten sie ihren Irrtum.

Explosion des modernsten italienischen Schlachtschiffes 'Roma'
Explosion des modernsten italienischen Schlachtschiffes ‘Roma’ durch eine Fritz-X.
Die ersten Bomben verfehlten wie auch schon beim Ersteinsatz der Hs 293 ihre Ziele, aber dann wurde das neue Schlachtschiff Roma von einer der Fritz-X getroffen, welche das Deck durchschlug und im Inneren des Schiffs detonierte. Dadurch verringerte sich die Geschwindigkeit des Schlachtschiffs auf 16 Knoten und fünf Minuten später traf eine von der Maschine von Oberleutnant Schmetz abgeworfene weitere FX 1400 das Vorderdeck. Diese Bombe verursacht eine Explosion der Munitionskammer der Roma, welche das Schiff in zwei Teile zerriss. Admiral Bergamini und 1254 Mann der Besatzung kamen dabei ums Leben.

Eine weitere Fritz-X verfehlte das Schwesterschiff Italia nur knapp und explodiert direkt daneben, wodurch ein Loch im Rumpf aufgerissen wurde. Durch dieses Leck drangen rund 800 Tonnen Wasser ein, das Schiff konnte Malta aber noch erreichen.
Auf Betreiben von Adolf Galland, dem General der Jagdflieger, wurde der deutschen Führung allerdings das Ergebnis des Angriffs vorenthalten, damit der Bau von mehr Bombern und Flugbomben nicht noch weiter auf Kosten der Jagdflugzeuge gesteigert würde.

Fazit zur Wirkung der Gleitbomben

Obwohl die Einsatzvoraussetzungen weniger schwierig waren als für den Torpedoangriff, erlaubten es die zwei Lenkwaffen den deutschen Bombern nicht alliierte Schiffe aus der Sicherheit heraus angreifen zu können. Die Notwendigkeit des Anflugs in mittlerer oder größer Höhe während des Bombenangriffs und der anschließenden Steuerungsphase der Lenkwaffen machten die Mutterflugzeuge empfindlich gegen Angriffe feindlicher Jagdflugzeuge.
Selbst wenn das Mutterflugzeug nach dem Abwurf der Lenkwaffe lediglich vertrieben wurde, scheiterte damit praktisch der gesamte Angriff, da die Waffe vom Beobachter nicht genau auf ihr Ziel zugesteuert werden konnte.

Beide Lenkwaffen, sowohl die Henschel Hs 293 als auch die Fritz-X, erzielten in den ersten Monaten ihres Einsatzes spektakuläre Erfolge. Allerdings nach kurzer Zeit hatten die Alliierten Gegenmaßnahmen gegen diese neue Bedrohung eingeführt und verstärkten ihren Jagdschutz über den Schiffen dementsprechend.
Danach erreichten die neuen Lenkwaffen und damit auch die gesamte Schiffsbekämpfung durch die deutsche Luftwaffe nur noch wenig.

close
Hallo 👋
Schön, dass Du Dich für diese Inhalte interessierst !
Trag dich ein, um jeden Sonntag morgen die Top-Beiträge von Weltkrieg2.de in deinen Posteingang zu bekommen (es wird garantiert nicht mehr oder Werbung verschickt!).

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Zum teilen:

Weitere interessante Beiträge:
Im Blickpunkt:
  • Gotha G.IV

    Deutsche Bomber Gotha G.I bis G.V aus dem Ersten Weltkrieg, welche die ersten Angriffe auf England flogen. Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell. Gotha G.I bis G.IV Typ: Bomber. Geschichte Das erste ‘Großflugzeug’ welches von der Gothaer Waggonfabrik A.G. gebaut wurde, war die G.I. Das Flugzeug wurde von Oskar Ursinus und Major Friedel vom Heer aus einem Prototyp entwickelt, welcher erstmals im Januar 1915 flog. Ein paar davon wurden durch Gotha als Lizenzhersteller in einer vereinfachten und verbesserten Ausführung gebaut. Die Flugzeuge waren für Bodenangriffe und allgemeine, taktische Einsätze vorgesehen und wurden an der West- und Ostfront eingesetzt. Die G.I war charakteristisch für den schlanken Rumpf, welcher an dem Oberflügel angebracht war, während die zwei 160-PS-Mercedes-D.III-Motoren nahe beieinander am unteren Flügel montiert waren. Wenn der Gotha G.II auch dem gleichen Grundkonzept entsprach, war er doch ein vollkommen neuer Entwurf, welcher bei der Firma Gotha von dem Schweizer Ingenieur Hans Burkhard entwickelt wurde. Der Erstflug fand im März 1916 statt. Der Rumpf und die zwei 220-PS-Mercedes-D.IV-Motoren waren diesmal konventionell an den unteren Flügeln befestigt und die Spannweite war verbreitert worden. Ein vorderes Hilfsrad war zum Landefahrwerk hinzugefügt worden, um das Risiko mit der Nase auf dem Boden zu überschlagen, zu vermeiden. Die Gotha G.II hatte eine Besatzung von drei Mann und eine Abwehrbewaffnung aus zwei Maschinengewehren. Das erste Serienflugzeug wurde im April 1916 fertig. Der Ersteinsatz erfolgte im Herbst an der Balkanfront, aber die Flugzeuge wurden schnell wieder zurückgezogen, nachdem wiederholtes Versagen der Motorkurbelwellen aufgetreten war. Deshalb wurde das Modell durch die Gotha G.III an der Balkan- und Westfront ab Oktober 1916 ersetzt. Dieses neue Modell hatte einen verstärkten Rumpf, ein weiteres Maschinengewehr und 260-PS-Mercedes-D.IVa-Motoren. Ein Anfangsauftrag über 25 G.III wurde erteilt und bis Dezember 1916 waren 14 an der Front im Einsatz. Das erste hauptsächliche Serienmodell war die Gotha G.IV, welche dafür ausgewählt wurde, die Angriffe auf englische Städte durchzuführen. Eine Anfangsbestellung von fünfzig G.IV wurde bei Gotha in Auftrag gegeben, weitere 80 wurden von Siemens-Schuckert und etwa 100 Stück von L.V.G. gebaut. Die G.IV wurde im März 1917 in Dienst gestellt und begann mit Tagesangriffen auf Südengland gegen Ende Mai. Während der Jahre 1917 bis 1918 befanden sich die Bewohner englischer Städte – und insbesondere diejenigen von London – unter der ständigen Angst vor Luftangriffen der ‘Gothas’, eine Bezeichnung, welche wahllos allen deutschen Bombern zuteil wurde, welche Tages- oder Nachtangriffe flogen. Die G.IV behielt die Mercedes-D.IVa-Motoren, hatte aber eine größere Reichweite, welche Einsätze über den Ärmelkanal hinweg ermöglichte. Die zwei Motoren waren an die Streben zwischen den Flügeln montiert, direkt über dem Landefahrwerk. Sie waren ausgelegt, um Schubpropeller anzutreiben und ein großer Ausschnitt befand sich im oberen Flügel, um den Propellern den notwendigen Freiraum zu geben. Sie unterschied sich vom vorhergehenden Modell in bemerkenswerter Weise in einem ausgehöhlten Tunnel im hinteren Rumpf, sodass der Heckschütze den toten Winkel unter und im Heck des Bombers bestreichen konnte. Gewöhnlich wurde dies durch ein standardmäßiges Heck-MG sichergestellt und ein viertes Maschinengewehr konnte zu diesem Zweck auf Kosten eines Teils der Bombenzuladung mitgeführt werden. Die G.IV wurde in Gemischtbauweise aus Holz und Stahl gebaut und der Rumpf war vollständig mit Sperrholz und Stoff verkleidet. Die G.IV war ein Doppeldecker mit drei Ausbuchtungen und einem Rumpf mit einem grundsätzlich quadratischem Querschnitt, festen Schwanz und Heckspornfahrwerk mit Doppelrädern am Hauptfahrwerk. Dazu hatte sie Querruder an oberen und unteren Flügeln, war stabiler und trotzdem einfacher zu fliegen, als ihre Vorgänger. Sie konnte Flughöhen bis zu 4.500 Metern erreichen, welche die zu diesem Zeitpunkt verfügbaren britischen Abfangjägern an ihre Grenzen brachten. Dazu hatte sie eine respektable Höchstgeschwindigkeit. Ihr Erscheinen über England führte 1918 zur Vereinigung des bisherigen Royal Flying Corps und des Royal Navy Air Service zur RAF (Royal Air Force) um die Abwehrmaßnahmen zu bündeln. Allerdings entsprach die Flugleistung immer noch der G.III und deshalb mussten die deutschen Luftangriffe auf Großbritannien ab September 1917 auf die Nacht verlegt werden. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Modell durch die neue Gotha G.V ersetzt, welche bereits im August 1917 erstmals in Dienst gestellt worden war. Diese Version führte die nächtlichen Bombenangriffe auf England bis zum Mai 1918 fort. Zum Zeitpunkt des Höhepunktes ihres Einsatzes im April 1918 befanden sich 36 Gotha G.V gleichzeitig in Dienst. Die typische Bombenzuladung bei ihren Angriffen über den Ärmelkanal hinweg bestand auch sechs 50-kg-Bomben, was die Hälfte der maximal möglichen Zuladung war. Die G.V entsprach grundsätzlich der G.IV, war aber besser ausgerüstet und hatte eine Reihe von Detailverbesserungen, sowie eine saubere, stromlinienförmige Nase. Die letzten Versionen im Einsatz waren die Gotha G.Va und G.Vb. Diese unterschieden sich voneinander nur durch geringfügige Einzelheiten, konnten aber von der G.V durch die Anordnung ihres Doppeldeckelschwanzes und einer kürzeren Nase unterschieden werden. Die G.Va und G.Vb ging im März 1918 in die Herstellung und wurde im Juni 1918 in Dienst gestellt. Im August des Jahres befanden sich 21 G.Vb an der Front. Die G.Vb hatte ein Paar von Hilfsrädern unter der Nase, um die Gefahr von Überschlägen bei den Nachtlandungen zu verringern. Es folgten noch einige weitere Gotha-G-Serienmodelle, aber von diesen wurden zumeist nur ein oder zwei Exemplare gebaut. Im Allgemeinen waren die Gotha-Bomber ziemlich wendige Flugzeuge für ihre Größe, mit einer guten Abwehrbewaffnung und schwierig, abzuschießen. Es gingen mehr an die Flugabwehrkanonen verloren als im Luftkampf – aber noch mehr wurden bei Bruchlandungen zerstört. 40 der von Siemens gebauten G.IV wurden als Trainingsflugzeuge fertiggestellt und hatten zumeist 180-PS-Argus-As.III oder 185-PS-N.A.G.-Motoren. 30 der von L.V.G. gebauten G.IV wurden an Österreich-Ungarn abgegeben, wo sie mit 230-PS-Hiero-Motoren ausgerüstet an der italienischen Front eingesetzt wurden. Der Entwurf eines Wasserflugzeuges aus der G.I, genannt Gotha-Ursinus UWD, wurde Ende 1915 fertiggestellt. Es wurde an die deutsche Marine geliefert und von Januar 1916 an eingesetzt. Benutzer: Deutsches Reich, Österreich-Ungarn. Animation 3D-Modell Gotha G.IV Gotha-Bomber über England Obwohl die Deutschen im Sommer 1917 ihre kostspieligen Angriffe mit Luftschiffen aufgaben, plante sie trotzdem, die strategische Bombardierung Großbritanniens mit Flugzeugen fortzusetzen. Die Angriffe bei Tageslicht begannen mit den zweimotorigen Gotha-Bombern. Die ersten Luftangriffe auf Großbritannien begannen schon Ende 1914 durch deutsche Wasserflugzeuge. Diese Angriffe mehr …

  • 3D-Modell Iljuschin Il-2M3 Stormowik.

    Sowjetisches Erdkampfflugzeug und Schlachtflugzeug Iljuschin Il-2M3 Stormowik, meist gebautes Flugzeug im 2. Weltkrieg. Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell. Iljuschin Il-2 Stormowik Typ: Erdkampfflugzeug und Schlachtflugzeug. Geschichte Die Stormowik ‘ist für die Rote Armee zumindest genauso wichtig, wie Sauerstoff und Brot’ nach den Worten Josef Stalins aus dem Jahr 1941. Dies beschreibt zutreffend eines der effektivsten Flugzeuge, welche von der sowjetischen Luftfahrtindustrie während des Zweiten Weltkriegs ausgeliefert wurde. Die Iljuschin Il-2 Stormowik war ein wahrhaftiger ‘fliegender Panzer’, welcher sich als eines der besten Erdkampfflugzeuge des Krieges herausstellte. Mehr als 36.000 wurden in verschiedenen Versionen hergestellt, davon während des Zweiten Weltkriegs etwa 35.000, wobei drei Fabriken monatlich 1.200 Il-2 produzierten. Zusammen mit der Il-10 dürfte die Gesamtzahl bei rund 42.330 Stormwiks liegen. Insbesondere in der Zweisitzer-Version hatte die Stormowik große Ähnlichkeit mit der britischen Fairey Battle. Beide Flugzeuge waren gleich in Form, Größe und allgemeinen Eigenschaften. Doch während die untermotorisierte und schlecht bewaffnete Fairey Battle der RAF eine tödliche Mausefalle war, wurde die Stormowik in der größten Serie der militärischen Luftfahrtgeschichte gebaut. Die Karriere der Stormowik, wie die Il-2 und ihre direkten Nachfolger bekannt wurden, setzte sich auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg fort, als die Il-10 an die sowjetischen Satelliten-Staaten Ungarn, Rumänien, China, Nordkorea, Albanien, Tschechoslowakei, Bulgarien und die ostdeutsche DDR abgegeben wurde und auch im Korea-Krieg zum Einsatz kamen. Die Entwicklung der Stormowik begann 1938 durch Sergei Iljuschin und seiner Mitarbeiter als Antwort auf eine Spezifikationen-Ausschreibung, welche einen einmotorigen Eindecker für den Bodenangriff und taktische Bombardierungen forderte. Die gleichen Anforderungen wurden auch an Pavel Suchow gestellt, welcher die eher mäßige Su-2 baute. Die erste Sturmowik erschien im Frühjahr 1939 unter der Bezeichnung TsKB-55. Die Flugerprobung war nicht herausragend, da der Motor nicht kraftvoll genug war und es auch eine längsläufige Instabilität gab. Testpilot Wladimir Kokkinaki hielt den Prototyp für untermotorisiert. So dauerte es bis zur Entwicklung des dritten Prototyps, welcher erstmals im Oktober 1940 flog, dass die Il-2 angenommen wurde. Anschließend ging die Stormwoik sofort in die Serienproduktion. Der am meisten eigentümliche Gesichtspunkt der Il-2 war der Umstand, dass das gesamte Vorderteil des Flugzeuges, angefangen vom Motor bis zum Cockpit, durch eine einzige Panzerschale geschützt war, welche auch strukturelle Eigenschaften hatte. Diese Lösung ergab einen maximalen Schutz für den Motor, die wesentlichen Teile und der Besatzung. Diese Konstruktion war auch erheblich leichter als die traditionelle Verarbeitung mit Panzerplatten. Sogar die Beplankung des Prototyps der Stormowik – der BSh-2 – bestand in allen wichtigen Teilen aus Stahlplatten mit einem Gewicht von mehr als 700 kg, was etwa 15 Prozent des Gesamtgewichts ausmachte. Der Stahlpanzer der Il-2 variierte in der Dicke von durchschnittlich 4 bis 8 mm bis zu 13 mm am Rumpfheck. Es befand sich auch Duraluminium-Panzerung mit 5 mm Dicke auf den nach oben zeigenden Oberflächen und die Kabinenhaube hatte kugelsichere Folien und eine 65 mm dicke Frontscheibe. Der Rumpf war konventionell aufgebaut, welcher ursprünglich aus Holz und später aus Metall hergestellt wurde. Die ersten Stormowiks wurden im Sommer 1941 in Dienst gestellt und stellten sich angeblich als extrem effektiv gegen feindliche Panzer heraus. Die einsitzige Il-2 hatte genügend Treibstoff und eine schwere Bewaffnung, zu der erstmals auch wirksame Luft-Boden-Raketen gehörten. Als jedoch bessere deutsche Panzertypen auf dem Schlachtfeld erschienen, wurde es aber notwendig, die offensive und defensive Bewaffnung der Il-2 zu verbessern. Im Juli 1942 erschien deshalb die Il-2M3 mit einem stärkeren AM-38F-Motor, einer besseren Bewaffnung bestehend aus zwei 23-mm-Maschinenkanonen plus drei Maschinengewehren, sowie einem zweiten Besatzungsmitglied, welches das Heck-MG bediente. Diese Version wurde zur zahlreichsten Variante und die Il-2M3 nahm an jeder größeren Operation an der Ostfront teil und zeichnete sich angeblich insbesondere während der Schlacht von Kursk im Sommer 1943 aus, wo Stormowiks große deutsche Panzerverbände angriffen. Tag und Nacht waren die Il-2 über der Ostfront im Einsatz, entweder zu zweit im Tiefflug oder in Gruppen zu zehn in 300 Meter Höhe mit Jagdschutz im Einsatz und schossen so manche Bf 109 ab. Mit neuen Kanonen und Spezialbomben bekämpften sie die stark gepanzerten PzKpfw V Panther und PzKpfw VI Tiger. Kein anderes Flugzeug soll so einen so großen Einfluß auf den Bodenkampf gehabt haben. Il-10 Im Angesicht der Einsatzerfahrungen mit der Iljuschin Il-2 wurde entschieden, ein neues Erdkampfflugzeug zu entwickeln, wobei verschiedene Modifikationen und Verbesserungen berücksichtigt werden sollten. Entworfen durch Sergei Iljuschin war der Prototyp im Sommer 1944 fertig. Wenn das Flugzeug seinem Vorgänger auch vordergründig ähnlich war, wurden doch reichhaltig Modifikationen bei Motor, Fahrgestell, Bewaffnung und bei der Aerodynamik vorgenommen. Der neue Motor war der 2.000 PS starke Mikulin AM-42, die Maschinenkanonen der Il-2 wurden durch drei 20-mm-Kanonen ersetzt und die Panzerung wurden in Dicke und Umfang erweitert. Die Ergebnisse von Probeflügen waren so ermutigend, dass das Flugzeug umgehend ab Oktober 1944 in die Produktion genommen wurde. Ab Februar 1945 war die Il-10 im Fronteinsatz und bis Kriegsende im Mai waren sie neben der Il-2 weit verbreitet. Die Il-10 blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg in Produktion und blieb bis in 1950er Jahre bei verschiedenen Luftstreitkräften des Warschauer Paktes in Dienst und wurde auch während des Korea-Krieges eingesetzt. Betrachtung der Leistung der Stormowik im 2. Weltkrieg Entsprechend der sowjetischen Nachkriegsliteratur und westlichen Werken, welche sich darauf beziehen, war die Iljuschin Il-2 Stormowik das ‘erfolgreichste’ Erdkampfflugzeug des Zweiten Weltkriegs. Wenn ‘erfolgreich’ jedoch daran gemessen wird, welches Flugzeug das meiste feindliche Material – also einschließlich Panzer, Schiffe, Kanonen, Fahrzeuge, Bunker, Feldstellungen usw – im Verhältnis zu seiner vorhandenen Stückzahl und Verlusten zerstört hat, dann ist allerdings die deutsche Ju 87 Stuka in jeder möglichen Anordnung das erfolgreichste Erdkampfflugzeug gewesen. Für die Il-2 Stormowik, mit 36.136 Stück zahlreichstes während des Zweiten Weltkriegs gebautes Flugzeug, wurde von den Sowjets eine angeblich hohe Anzahl vernichteter deutscher Panzer zugeschrieben. So werden für die Schlacht von Kursk mehrere hundert zerstörter deutscher Panzer durch Il-2 angegeben. Am 7. Juli 1943 sollen innerhalb von 20 Minuten durch Stormowiks 70 Panzer der deutschen 9. Panzer-Division zerstört worden sein. Allerdings verfügte die 9. Panzer-Division bei Beginn der Schlacht am 1. Juli nur über ein Panzer-Bataillon (II./PzReg 33) mit 83 Panzern und Sturmgeschützen aller Typen. mehr …

  • Torgau an der Elbe am 25. April 1945

    Zweiter Weltkrieg, Zusammenfassung des Verlaufs von 1943 bis 1945 mit der Besiegung der Achsenmächte durch die Alliierten (Teil III). Hier zu Teil II: Zweiter Weltkrieg Verlauf 1941-42. Heimatfront Deutschland Unter der Leitung des neuen Rüstungsministers Speer gab es verspätet seit 1942 einen gewaltigen Anstieg der deutschen Rüstungsproduktion, welche 1944 ihren Höhepunkt erreichte. Dies änderte jedoch nichts an der zunehmenden materiellen Überlegenheit der Alliierten, insbesondere durch die ‘Rüstkammer’ Nordamerikas, welche die hohe sowjetische Rüstungsproduktion noch durch Nachschublieferungen über die Arktis-Konvois und den besetzten Iran im Rahmen des Lend-LeaseAbkommens ergänzte. Dazu beherrschten die Alliierten seit 1943 zunehmend auch den Luftraum uneingeschränkt, wodurch die deutschen Städte durch ununterbrochene Bombenangriffe bei Tag durch die B-17 Fliegenden Festungen der Amerikaner und bei Nacht durch die Lancaster-Bomber der Briten in Trümmern gelegt wurden.   Der bisher so erfolgreiche und für die Invasionspläne der Alliierten zunehmend gefährlichere U-Boot-Krieg in der Schlacht im Atlantik brach auch schlagartig im Sommer 1943 zusammen, als immer mehr und bessere Radargeräte, Anti-U-Boot-Waffen, Geleit-Flugzeugträger und Seeraum-Überwachungsflugzeuge bei Briten und Amerikanern zum Einsatz kamen. Nach der Katastrophe von Stalingrad beschwor Propagandaminister Joseph Goebbels im Februar 1943 den ‘Totalen Krieg’, um die letzten Reserven zu mobilisieren, aber der Belagerungsring um die ‘Festung Europa’ schloss sich immer enger. Alliierte Invasionen Im Mai 1943 musste in Tunesien die deutsch-italienische Panzerarmee Afrika kapitulieren, was die Verluste in Stalingrad noch übertraf. Anschließend landeten Briten und Amerikaner am 10. Juli 1943 auf Sizilien und am 9. September im Golf von Salerno südlich von Neapel. Als Folge ging Italien durch einen Umsturz in das Lager der Feinde über und musste von nun an auch durch deutsche Divisionen als besetztes Land verteidigt werden. Hinzu kamen die großen italienischen Besatzungszonen auf dem Balkan und in der Ägäis, welche nun durch ihre Übernahme zusätzliche deutsche Kräfte banden. Es folgte ein langsamer und zäher alliierter Vormarsch über die nächsten anderthalb Jahren nach Norden, aufgehalten von den deutschen Truppen vor allem in der Schlacht von Monte Cassino an der Gustav-Linie. Die bisherigen Landungen der Westalliierten in Französich-Norwestafrika, anschließend auf Sizilien und dann auf dem italienischen Stiefel waren auch schon Erprobungen für die ‘große Invasion’ in der Normandie am 6. Juni 1944. Zwar wurde der in der deutschen Propaganda immer lauthals propagierte ‘Atlantikwall’ schnell überwunden, die anschließenden Kämpfe auf der Contentin-Halbinsel zogen sich gegen eine zähe deutsche Verteidigung aber länger als geplant hin. Im August 1944 gelang schließlich der Ausbruch aus dem Landekopf und bis zum Herbst standen die Westalliierten an den Reichsgrenzen. Zwar scheiterte eine alliierten Luftlandung bei Arnheim zur Eroberung der Rheinbrücken, um den Krieg noch 1944 siegreich zu beenden, was nicht zuletzt an einer zunehmenden Selbstüberschätzung auf alliierter Seite und einer Unterschätzung der noch vorhandenen deutschen Widerstandskraft lag.   Ende des Jahres versuchte Hitler im Rahmen der sogenannten ‘Ardennen-Offensive’ den Coup von 1940 im Westen zu wiederholen. Nach anfänglichen Erfolgen gegen überraschte Amerikaner blieb die Offensive jedoch schnell im Schnee der hügeligen Ardennen, an mangelnden Treibstoff, alliierter Beherrschung des Luftraums mit Jagdbombern nach dem Aufklaren des Wetters und an der schier zahlenmäßigen Überlegenheit des Gegners liegen.   In der Bevölkerung herrschte immer noch die Hoffnung, daß die angekündigten neuen ‘Wunderwaffen’ die Kriegswende bringen werden, nachdem die zwar spektakulären Raketengeschosse V-1 und V-2 allerdings nur wenig wirksame Erfolge vorzuweisen hatten. Das Dritte Reich konnte jedoch neben den Me 262 Düsenjägern und Arado-Blitz-Düsenbombern nach 1944 keine weiteren ‘Wunderwaffen’ mehr zum operativen Einsatz bringen. Im Frühjahr 1945 erreichten Amerikaner, Briten und Franzosen den Rhein auf seiner gesamten Länge, überschritten ihn erstmals durch die überraschende Einnahme der Brücke von Remagen am 7. März 1945 und kesselten die Heeresgruppe B von Model im Ruhrgebiet ein. Damit endete eine wirksame Verteidigung im Westen und die alliierten Armeen drangen bis zur Elbe vor, wo sie anhielten, da dies die vereinbarte Demarkationslinie mit den Sowjets war. Widerstand Es gab zwischenzeitlich auch noch einen letzten Versuch des schon seit längerem aktiven deutschen militärischen Widerstandes, das Nazi-Regime durch die Ermordung Hitlers zu beenden und den Zweiten Weltkrieg, trotz der alliierten Forderungen nach der ‘Bedingungslosen Kapitulation’, in einem für Deutschland erträglichen Zustand zu beenden. Das Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler in der Wolfsschanze in Ostpreußen durch Oberst Claus von Stauffenberg scheiterte jedoch, zusammen mit dem nachfolgenden Putschversuch der Verschwörer in Berlin.   Hitler nahm blutige Rache in entwürdigenden Schauprozessen vor Freislers Volksgerichtshof und tausende tatsächlicher oder scheinbarer Oppositionelle des Regimes wurden hingerichtet. Neben Marxisten, christlichen Gewerkschaftern, Theologen der katholischen und evangelischen Kirchen, Diplomaten, Offiziere und Geheimdienstler gehörten auch so prominente Namen wie der Feldmarschall Erwin Rommel dazu. Ab diesem Tage wurde der Krieg unter schweren Verlusten nur noch dazu geführt, die unvermeidliche Niederlage Deutschlands und das Ende für seine Nazi-Führung hinauszuzögern. Die Sowjets marschieren nach Berlin Nach einem vorübergehenden, großen Sieg bei Charkow durch von Manstein im Anschluss an die schwere Niederlage von Stalingrad Anfang des Jahres 1943, versuchte Hitler im Sommer noch einmal in der Panzerschlacht von Kursk die Initiative an der Ostfront zurückzugewinnen. Dies scheiterte aber und nicht zuletzt deshalb, weil die Briten mit Ultra den gesamten deutschen Operationsplan entschlüsselt und den Sowjets zugespielt hatten.   Bereits während des Winters 1943/44 gelang es den Sowjets ihrerseits die wirtschaftlich bedeutende Ukraine zurück zu erobern. Sie hatten zwar hohe Verluste, drängten die deutschen Truppen unter von Manstein langsam aber sicher bis auf die polnischen und rumänischen Vorkriegsgrenzen zurück. Anschließend gelang es der Roten Armee im Sommer 1944 praktisch die gesamte deutsche Heeresgruppe Mitte zu vernichten, eine Katastrophe welche alle bisherigen Niederlagen dieser Art zusammengenommen in den Schatten stellte. Die Russen erreichten Ostpreußen und die deutschen Verbündeten an der Ostfront – Finnland, Rumänien und die Slowakei – fielen einer nach dem anderen ab. Nur die Ungarn teilten – eher unfreiwillig – das Schicksal von Hitlers Tausendjährigem Reich bis zum letzten Tag.   Das letzte Kriegsjahr begann dann mit der sowjetischen Offensive am 12. Januar 1945 von Ostpreußen bis zur Weichsel. Die bis zuletzt hinausgezögerte Evakuierung der deutschen Ostprovinzen resultierte in entsetzlichen Opfern unter der Zivilbevölkerung bei der Flucht im eisigen Winter und durch aufgestachelte, rachedurstige Sowjetsoldaten. Im April 1945 erfolgte die letzte sowjetische mehr …

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Scroll to Top