Deutsche Bomber Gotha G.I bis G.VIII aus dem Ersten Weltkrieg, welche die ersten Angriffe auf England flogen.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell.

Deutsche Bomber der Gotha-G-Serie im 1. Weltkrieg
Gotha G.I bis G.VIII
Typ: Bomber.
Die Bomber der Gotha-G-Serie gehörten im Ersten Weltkrieg zu den wichtigsten deutschen Langstrecken-Schwerbombern und wurden von der Gothaer Waggonfabrik gebaut. Sie wurden vor allem durch ihre Rolle bei den ersten anhaltenden strategischen Bombardements gegen England bekannt.
Überblick
Gotha G.I (1915)
Die G.I war das erste Modell der Serie und ursprünglich eher als schweres Aufklärungsflugzeug denn als echter Bomber konzipiert. Sie verfügte über eine zweimotorige Pusher-Konfiguration (Motoren hinter den Tragflächen, die das Flugzeug vorwärts treiben). Es wurden nur wenige Exemplare gebaut, und sie kam nur in begrenztem Umfang zum Einsatz. Sie trug dazu bei, die Grundlagen für spätere Konstruktionen zu legen, war jedoch kein großer Erfolg im Kampfeinsatz.
Gotha G.II (1916)
Die G.II markierte eine Hinwendung zu einer praktischeren Bomberrolle. Sie führte eine Zugkonfiguration ein (Motoren an den Tragflächen, die das Flugzeug nach vorne ziehen), was die Leistung und Zuverlässigkeit verbesserte. Sie konnte eine bescheidene Bombenlast tragen und verfügte über eine bessere Verteidigungsbewaffnung. Sie kam sowohl an der Ost- als auch an der Westfront zum Einsatz.
Gotha G.III (1916–1917)
Dies war der erste wirklich effektive Gotha-Bomber. Er wies strukturelle Verbesserungen auf, darunter eine verstärkte Flugzeugzelle und einen markanten „Tunnel“ im Rumpf, der es einem Heckschützen ermöglichte, nach unten zu feuern – eine frühe Verteidigung gegen Angriffe von unten. Die G.III wurde bei frühen Bombenangriffen eingesetzt und erwies sich als leistungsfähiger als ihre Vorgänger.
Gotha G.IV (1917)
Die G.IV wurde zur bekanntesten Variante und spielte eine zentrale Rolle bei den berühmten „England-Raids“ (Operation Türkenkreuz). Diese Bomber führten 1917 Tages- und später Nachtangriffe auf London und andere britische Städte durch. Sie hatten eine Reichweite von etwa 800 km (500 Meilen) und konnten rund 500 kg (1.100 lbs) Bomben transportieren. Trotz ihrer Wirkung zwangen Verluste durch britische Jagdflugzeuge und die Flugabwehr zu einer Umstellung auf Nachtoperationen.
Gotha G.V (1917–1918)
Die G.V war eine verbesserte Version der G.IV mit strukturellen Verfeinerungen und einem stärkeren Fahrwerk, um schwerere Lasten und rauere Flugplätze bewältigen zu können. Die Leistung war ähnlich, aber sie war robuster und leichter zu warten. Sie wurde gegen Ende des Krieges zum Hauptserienmodell und setzte die nächtlichen Bombenangriffe auf Großbritannien und die Westfront fort.
Wichtige Merkmale der gesamten Serie
Zweimotorige schwere Bomber:
– Besatzung in der Regel 3 Mann (Pilot, vorderer Schütze/Bombenschütze, hinterer Schütze)
– Verteidigungsmaschinengewehre, die für das Schießen nach vorne, hinten und nach unten positioniert waren
– Bombenlasten von bis zu etwa 500 kg, je nach Variante
– Zunehmende Betonung der Reichweite und der strategischen Bombardierungsfähigkeit
Historische Bedeutung
Die Gotha-Bomber gehörten zu den ersten Flugzeugen, die für strategische Bombardements ziviler Ziele eingesetzt wurden. Ihre Angriffe auf London im Jahr 1917 markierten einen Wendepunkt in der Kriegsführung und zeigten, dass Städte weit entfernt von den Frontlinien anfällig für Luftangriffe waren. Dies hatte sowohl militärische als auch psychologische Auswirkungen und beeinflusste die zukünftige Doktrin der Luftstreitkräfte.
Geschichte

Das erste ‚Großflugzeug‘ welches von der Gothaer Waggonfabrik A.G. gebaut wurde, war die G.I. Das Flugzeug wurde von Oskar Ursinus und Major Friedel vom Heer aus einem Prototyp entwickelt, welcher erstmals im Januar 1915 flog. Ein paar davon wurden durch Gotha als Lizenzhersteller in einer vereinfachten und verbesserten Ausführung gebaut.
Die Flugzeuge waren für Bodenangriffe und allgemeine, taktische Einsätze vorgesehen und wurden an der West- und Ostfront eingesetzt.
Die G.I war charakteristisch für den schlanken Rumpf, welcher an dem Oberflügel angebracht war, während die zwei 160-PS-Mercedes-D.III-Motoren nahe beieinander am unteren Flügel montiert waren.
Wenn der Gotha G.II auch dem gleichen Grundkonzept entsprach, war er doch ein vollkommen neuer Entwurf, welcher bei der Firma Gotha von dem Schweizer Ingenieur Hans Burkhard entwickelt wurde. Der Erstflug fand im März 1916 statt.
Der Rumpf und die zwei 220-PS-Mercedes-D.IV-Motoren waren diesmal konventionell an den unteren Flügeln befestigt und die Spannweite war verbreitert worden. Ein vorderes Hilfsrad war zum Landefahrwerk hinzugefügt worden, um das Risiko mit der Nase auf dem Boden zu überschlagen, zu vermeiden.
Die Gotha G.II hatte eine Besatzung von drei Mann und eine Abwehrbewaffnung aus zwei Maschinengewehren. Das erste Serienflugzeug wurde im April 1916 fertig. Der Ersteinsatz erfolgte im Herbst an der Balkanfront, aber die Flugzeuge wurden schnell wieder zurückgezogen, nachdem wiederholtes Versagen der Motorkurbelwellen aufgetreten war.
Deshalb wurde das Modell durch die Gotha G.III an der Balkan- und Westfront ab Oktober 1916 ersetzt. Dieses neue Modell hatte einen verstärkten Rumpf, ein weiteres Maschinengewehr und 260-PS-Mercedes-D.IVa-Motoren. Ein Anfangsauftrag über 25 G.III wurde erteilt und bis Dezember 1916 waren 14 an der Front im Einsatz.

Das erste hauptsächliche Serienmodell war die Gotha G.IV, welche dafür ausgewählt wurde, die Angriffe auf englische Städte durchzuführen. Eine Anfangsbestellung von fünfzig G.IV wurde bei Gotha in Auftrag gegeben, weitere 80 wurden von Siemens-Schuckert und etwa 100 Stück von L.V.G. gebaut.
Die G.IV wurde im März 1917 in Dienst gestellt und begann mit Tagesangriffen auf Südengland gegen Ende Mai. Während der Jahre 1917 bis 1918 befanden sich die Bewohner englischer Städte – und insbesondere diejenigen von London – unter der ständigen Angst vor Luftangriffen der ‚Gothas‘, eine Bezeichnung, welche wahllos allen deutschen Bombern zuteil wurde, welche Tages- oder Nachtangriffe flogen.
Die G.IV behielt die Mercedes-D.IVa-Motoren, hatte aber eine größere Reichweite, welche Einsätze über den Ärmelkanal hinweg ermöglichte. Die zwei Motoren waren an die Streben zwischen den Flügeln montiert, direkt über dem Landefahrwerk. Sie waren ausgelegt, um Schubpropeller anzutreiben und ein großer Ausschnitt befand sich im oberen Flügel, um den Propellern den notwendigen Freiraum zu geben.
Sie unterschied sich vom vorhergehenden Modell in bemerkenswerter Weise in einem ausgehöhlten Tunnel im hinteren Rumpf, sodass der Heckschütze den toten Winkel unter und im Heck des Bombers bestreichen konnte. Gewöhnlich wurde dies durch ein standardmäßiges Heck-MG sichergestellt und ein viertes Maschinengewehr konnte zu diesem Zweck auf Kosten eines Teils der Bombenzuladung mitgeführt werden.

Die G.IV wurde in Gemischtbauweise aus Holz und Stahl gebaut und der Rumpf war vollständig mit Sperrholz und Stoff verkleidet. Die G.IV war ein Doppeldecker mit drei Ausbuchtungen und einem Rumpf mit einem grundsätzlich quadratischem Querschnitt, festen Schwanz und Heckspornfahrwerk mit Doppelrädern am Hauptfahrwerk.
Dazu hatte sie Querruder an oberen und unteren Flügeln, war stabiler und trotzdem einfacher zu fliegen, als ihre Vorgänger. Sie konnte Flughöhen bis zu 4.500 Metern erreichen, welche die zu diesem Zeitpunkt verfügbaren britischen Abfangjägern an ihre Grenzen brachten. Dazu hatte sie eine respektable Höchstgeschwindigkeit. Ihr Erscheinen über England führte 1918 zur Vereinigung des bisherigen Royal Flying Corps und des Royal Navy Air Service zur RAF (Royal Air Force) um die Abwehrmaßnahmen zu bündeln.
Allerdings entsprach die Flugleistung immer noch der G.III und deshalb mussten die deutschen Luftangriffe auf Großbritannien ab September 1917 auf die Nacht verlegt werden.

Ab diesem Zeitpunkt wurde das Modell durch die neue Gotha G.V ersetzt, welche bereits im August 1917 erstmals in Dienst gestellt worden war. Diese Version führte die nächtlichen Bombenangriffe auf England bis zum Mai 1918 fort. Zum Zeitpunkt des Höhepunktes ihres Einsatzes im April 1918 befanden sich 36 Gotha G.V gleichzeitig in Dienst.

Die typische Bombenzuladung bei ihren Angriffen über den Ärmelkanal hinweg bestand auch sechs 50-kg-Bomben, was die Hälfte der maximal möglichen Zuladung war.
Die G.V entsprach grundsätzlich der G.IV, war aber besser ausgerüstet und hatte eine Reihe von Detailverbesserungen, sowie eine saubere, stromlinienförmige Nase.

Die letzten Versionen im Einsatz waren die Gotha G.Va und G.Vb. Diese unterschieden sich voneinander nur durch geringfügige Einzelheiten, konnten aber von der G.V durch die Anordnung ihres Doppeldeckelschwanzes und einer kürzeren Nase unterschieden werden.
Die G.Va und G.Vb ging im März 1918 in die Herstellung und wurde im Juni 1918 in Dienst gestellt. Im August des Jahres befanden sich 21 G.Vb an der Front.
Die G.Vb hatte ein Paar von Hilfsrädern unter der Nase, um die Gefahr von Überschlägen bei den Nachtlandungen zu verringern. Es folgten noch einige weitere Gotha-G-Serienmodelle, aber von diesen wurden zumeist nur ein oder zwei Exemplare gebaut.

Im Allgemeinen waren die Gotha-Bomber ziemlich wendige Flugzeuge für ihre Größe, mit einer guten Abwehrbewaffnung und schwierig, abzuschießen. Es gingen mehr an die Flugabwehrkanonen verloren als im Luftkampf – aber noch mehr wurden bei Bruchlandungen zerstört.
40 der von Siemens gebauten G.IV wurden als Trainingsflugzeuge fertiggestellt und hatten zumeist 180-PS-Argus-As.III oder 185-PS-N.A.G.-Motoren.
30 der von L.V.G. gebauten G.IV wurden an Österreich-Ungarn abgegeben, wo sie mit 230-PS-Hiero-Motoren ausgerüstet an der italienischen Front eingesetzt wurden.
Der Entwurf eines Wasserflugzeuges aus der G.I, genannt Gotha-Ursinus UWD, wurde Ende 1915 fertiggestellt. Es wurde an die deutsche Marine geliefert und von Januar 1916 an eingesetzt.
Die Gotha G.VII war ein deutscher Bomberentwurf aus dem Spätkrieg von 1918 und zählt zu den unkonventionelleren Flugzeugen der Gotha-Baureihe.

Konstruktionsansatz*
Im Gegensatz zu früheren Gotha-Bombern (G.IV und G.V), bei denen die Motoren an den Tragflächen montiert waren, verfügte die G.VII über eine „verdeckte Motoranordnung“. Ihre beiden Motoren waren im Rumpf untergebracht und trieben zwei Propeller über lange Verlängerungswellen an. Dies reduzierte den Luftwiderstand und sollte Geschwindigkeit und Effizienz verbessern – für die damalige Zeit eine recht fortschrittliche Idee.
Aufbau und Besatzung
– Doppeldecker-Konfiguration
– Zwei Motoren im Rumpf
– Zwei Propeller zwischen den Tragflächen
– Besatzung von zwei oder drei Personen (Pilot und ein oder zwei Schützen)
– Kompakterer und stromlinienförmigerer Rumpf als bei früheren Gotha-Modellen
Leistung und Einsatzzweck
– Entwickelt, um schneller und aerodynamisch effizienter zu sein als die G.V
– Trug eine moderate Bombenlast, etwas weniger als frühere schwere Gothas, aber dennoch nützlich
– Zur Verteidigungsbewaffnung gehörten vordere und hintere Maschinengewehre
– Für Bomben- und Aufklärungsaufgaben vorgesehen
Einsatz
– Ging gegen Ende des Ersten Weltkriegs in sehr geringer Stückzahl in Produktion
– Begrenzter Einsatz im Jahr 1918, mit kaum bis gar keinen dokumentierten Auswirkungen auf den Kampfverlauf
– Der Krieg endete, bevor es in nennenswerter Stückzahl eingesetzt werden konnte

Warum es bemerkenswert ist:
Die G.VII spiegelt einen Wandel im deutschen Flugzeugkonstruktionsdenken wider:
– Hin zu Stromlinienform und Geschwindigkeit statt nur zur Nutzlast
– Experimente mit integrierten Triebwerksanordnungen
– Der Versuch, die Schwachstellen früherer Gotha-Bomber zu überwinden, die schwere Verluste erlitten hatten
Die Gotha G.VIII war ein deutsches Bomberprojekt aus der Endphase des Ersten Weltkriegs, das nie den vollständigen Einsatz erreichte, aber dennoch interessant ist, da es zeigt, wie die Konstrukteure bis 1918 versuchten, die Bombertechnologie voranzutreiben.
Im Gegensatz zur früheren Gotha-G-Serie (G.II–G.V) wich die G.VIII vom klassischen zweimotorigen Layout ab und übernahm eine einmotorige Bauweise – eine für damalige Verhältnisse ziemlich radikale Abkehr vom Konzept eines „schweren“ Bombers.
Das zeichnet sie aus:
Konstruktionskonzept
– Die G.VIII war als vereinfachter, effizienterer Bomber konzipiert, der im Vergleich zu zweimotorigen Flugzeugen weniger komplex war
– Sie verfügte über einen einzigen, leistungsstarken Reihenmotor (typischerweise war ein Mercedes D.IVa oder ein ähnlicher Hochleistungsmotor vorgesehen)
– Das Flugzeug hatte einen stromlinienförmigen Rumpf und eine aerodynamischere Formgebung als frühere Gotha-Modelle
Konfiguration
– Doppeldecker-Bauweise, wie die meisten Flugzeuge dieser Zeit
– Besatzung von zwei Personen (Pilot und Beobachter/Schütze), statt drei wie bei früheren Gothas
– Die Verteidigungsbewaffnung war leichter, was den Kompromiss zugunsten von Geschwindigkeit und Einfachheit widerspiegelte
Leistungsziele
– Höhere Geschwindigkeit als die G.V zur Verbesserung der Überlebensfähigkeit
– Geringerer Treibstoffverbrauch und einfachere Wartung
– Moderate Bombenlast, geringer als bei zweimotorigen Gothas, aber dennoch nützlich für taktische oder leichte strategische Aufgaben
Warum es nicht gelang
– Bis 1918 verschlechterte sich die industrielle Lage Deutschlands, was die Produktion neuer Konstruktionen einschränkte
– Zweimotorige Bomber wie die G.V. waren bereits im Einsatz und hatten sich bewährt
– Der Krieg endete, bevor die G.VIII entwickelt, getestet und in großem Maßstab eingesetzt werden konnte
Historische Bedeutung
Die G.VIII spiegelt einen breiteren Trend der Spätphase des Krieges wider: Konstrukteure experimentierten mit schnelleren, effizienteren Bombern statt einfach nur größeren. Obwohl sie nie im Kampfeinsatz war, war die Idee, Nutzlast, Geschwindigkeit und Effizienz in Einklang zu bringen, ein Vorbote der Bomberentwicklung in der Zwischenkriegszeit.
Benutzer: Deutsches Reich, Österreich-Ungarn.
Animation 3D-Modell Gotha G.IV
Gotha-Bomber über England

Obwohl die Deutschen im Sommer 1917 ihre kostspieligen Angriffe mit Luftschiffen aufgaben, plante sie trotzdem, die strategische Bombardierung Großbritanniens mit Flugzeugen fortzusetzen. Die Angriffe bei Tageslicht begannen mit den zweimotorigen Gotha-Bombern.
Die ersten Luftangriffe auf Großbritannien begannen schon Ende 1914 durch deutsche Wasserflugzeuge. Diese Angriffe waren jedoch niemals wirkliche strategische Bombenangriffe und sie waren auch kaum mehr als ein Ärgernis für die Briten. Sie dauerten bis zum Frühjahr 1917 an und richteten sich hauptsächlich gegen Ziele an der Küste.
Zwischenzeitlich bombardierte zwar eine einzelne LVG C.IV am 28. November 1916 als erstes Flugzeug London am helllichten Tag überhaupt, aber die Ursache des Angriffs ist unklar. Wahrscheinlich war es eine individuelle Entscheidung der Besatzung oder einer lokalen Kommandobehörde. Dies war jedoch wahrscheinlich der Auslöser dafür, dass der britische Geheimdienst Ende 1916 groß angelegte Luftangriffe auf Großbritannien vorhersagte.
Als Nächstes folgte der Angriff einer einmotorigen Albatros C.VII der Fliegerabteilung 19 auf London in der Nacht vom 6. auf den 7. Mai 1917. Dies war das erste Flugzeug, dessen übermotivierte Besatzung einen eigenständigen, nicht befohlenen Nachtangriff auf die britische Hauptstadt unternahm und der ihr eine Rüge von höherer Stelle einbrachte. Die deutschen Kommandostellen waren vermutlich deshalb ungehalten darüber, da er die Verteidiger vor der geplanten Luftoffensive der Gotha-Bomber gewarnt haben könnte.
Denn die deutschen Streitkräfte planten bereits Luftangriffe mit Flugzeugen auf London als die LVG C.IV im November 1916 ihre Bomben auf die britische Hauptstadt abwarf. Die Armee war im Gegensatz zur Marine niemals von den Luftschiffen begeistert gewesen und suchte bereits sowohl nach einer operativen als auch effizienteren Methode, eine strategische Luftoffensive zu eröffnen. Gleichzeitig fügte die britische Abwehr den deutschen Luftschiffen im Herbst 1916 schwere Verluste zu. Die Armee hatte auf Angriff mit Luftschiffen bisher verzichtet, da die zweimotorigen Bomber mehr Erfolgspotential bei geringeren Kosten versprachen, als die Luftschiff-Operationen gegen die britischen Inseln bisher gezeigt hatten.

Die Luftoffensive begann schließlich am 25. Mai 1917, als 21 zweimotorige Bomber vom Typ Gotha G.IV über die britische Küste hinweg in Richtung London flogen. Eine kräftige Wolkenschicht versperrte jedoch den Anflug, sodass die Bomber stattdessen ihre Ladung über Folkestone abwarfen.
Der lange zeitliche Abstand zwischen der Warnung des britischen Geheimdienstes vor Luftangriffen mit Flugzeugen und ihrem tatsächlichen Eintreten führte zu einer völligen strategischen Überraschung für die Verteidiger. Auch der taktische Überraschungseffekt war gelungen, denn während des 90-minütigen Flugs der Gotha-Bomber über England wurden diese nicht angegriffen. Erst auf dem Rückflug, als der Ärmelkanal schon überquert war, wurde ein Bomber über Dünkirchen von einem RNAS-Jäger abgeschossen. Im Zielgebiet waren 95 Tote und 195 Verletzte durch die Bomben der Gotha zu beklagen.
Am 5. Juni erfolgte ein zweiter Angriff durch 22 Gotha-Bomber auf Sheerness und Shoeburyness, wobei einer verloren ging. Wie zuvor war London das eigentliche Ziel gewesen, aber das Wetter verhinderte dies erneut.
Am 13. Juni 1917 erreichten die Gotha-Bomber schließlich London, wobei 18 der 20 gestarteten Bomber über der britischen Hauptstadt auftauchten. Über London löste sich die deutsche Formation auf, sodass die Gothas einzelne Ziele bombardieren konnten. Für den Rückflug formierten sie sich wieder in mehrere, kleineren Gruppen.
Die Zahl der Opfer war die höchste aller Angriffe des gesamten Krieges mit 160 Toten und 414 Verletzte durch Bomben. Da die britische Flugabwehr noch weitere Opfer unter der eigenen Bevölkerung verursachte, stieg die Zahl der Toten auf 162 und die der Verletzten auf 432.

Obwohl das Überraschungsmoment durch die beiden vorangegangenen Angriffe bei Tageslicht verloren gegangen war, konnte kein einziger britischer Jäger die Gotha-Bomber abfangen, bevor sie London bombardierten. Eben sowenig waren nur wenige in der Lage, die Bomber bei ihrem Rückflug abzufangen. Alle deutschen Bomber kehrten sicher zu ihren Basen zurück und der Beobachter eines britischen Bristol-Jägers wurde durch das MG-Feuer eines Bordschützen von einem Gotha G.IV getötet.

Wenn auch der physische Schaden durch die Angriffe bescheiden war, so waren die psychologischen Auswirkungen enorm. Der Anblick von deutsche Bombern über der Hauptstadt des britischen Weltreiches, die gemächlich alles bombardierten, was sie wollten, verbunden mit den zivilen Opfern, schockierte die britische Bevölkerung und sorgten für Aufruhr in militärischen Kreisen.
Die 56. Squadron (Staffel), die erste britische Jagdeinheit an der Westfront, wurde nach Großbritannien zurückgerufen. Dazu kamen mit der 46. und 66. Squadron noch zwei weitere Staffeln der ersten Linie.
Drei weitere Jagdstaffeln mussten für die Heimatverteidigung aufgestellt werden, anstatt das RCF (Royal Flying Corps) an der entscheidenden Westfront zu verstärken.
Die langfristige und bedeutende direkte Folge der deutschen Luftangriffe war jedoch, dass das britische Kriegskabinett eine Verdoppelung der Größe sowohl des RFC als auch des RNAS der Marine zustimmte.
Die Bombenangriffe bei Tageslicht der Gotha dauerten bis zum 22. August an. Insgesamt gab es neun Einflüge, wobei ein Angriff abgebrochen wurde. Der zweite und letzte Angriff auf London fand am 7. Juli statt, als 21 Gotha G.IV die Stadt gemächlich bombardierten. Ein Angreifer wurde abgeschossen, aber zwei Verteidiger gingen verloren. Auch hier hinterließen die Bomber trotz relativ geringer Schäden einen starken Eindruck bei der Bevölkerung.
Die Besorgnis auf höchster Ebene der britischen Regierung war so groß, dass der zweite Angriff schließlich zur Zusammenlegung der RFC und RNAS zur RAF mit Wirkung vom 1. April 1918 führte, um das Gerangel zwischen den zwei Diensten und verschwenderischer Doppelbelastung zu vermeiden.
Die britische Regierung reorganisierte sofort das Luftverteidigungssystem und verstärkte es stark mit noch mehr Abfangjägern und Flugabwehrgeschützen. Die Verluste der Gotha_bomber stiegen an, was zum Ende der Luftangriffe bei Tageslicht und zu einer Umstellung auf Nachtbombardierungen führte, um schwere Verluste zu vermeiden.

Spezifikationen Gotha G.V
Spezifikationen:
Spezifikationen | Gotha G.V |
|---|---|
Typ | Bomber |
Besatzung | 3 |
Antrieb | 2 wassergekühlte 6-Zylinder-Reihenmotoren 260 PS Mercedes DIVa |
Spannweite | 23,70 m |
Länge | 11,86 m |
Höhe | 4,30 m |
Flügelfläche | 89,50 m² |
Leergewicht | 2.740 kg |
Startgewicht | 3.975 kg |
Höchstgeschwindigkeit | 140 km/h in Seehöhe |
Steigleistung | ? |
Dienstgipfelhöhe | 6.500 m |
Reichweite | 522 km |
Bewaffnung | 2 x 7,92mm-Parabellum-MG im Bug-Cockpit und nach hinten/unten |
Zuladung | 300-500 kg (je nach Einsatzreichweite) |
Erstflug | ? |
Truppenlieferung | August 1917 (G.IV März 1917, G.Vb Juni 1918) |
Endlieferung | Waffenstillstand November 1918 |
Produktion | 230 (25 G.III) |
Quellenangaben und Literatur
The Illustrated Encyclopedia of Weapons of World War I (Chris Bishop)
An Illustrated History of the Weapons of World War One (Ian Westwell)
Jane’s Fighting Aircraft of World War I
Aircraft of World War I 1914-1918 (Jack Herris, Bob Pearson)
Technik und Einsatz der Kampfflugzeuge vom 1. Weltkrieg bis heute (Ian Parsons)
Bombers, Patrol and Reconnaissance Aircraft 1914-1919 (Kenneth Munson)









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