Royal Aircraft Factory S.E.5a

Royal Aircraft Factory S.E.5 und S.E.5a, britisches Jagdflugzeug aus dem Ersten Weltkrieg.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell.

Royal Aircraft Factory S.E.5a
Royal Aircraft Factory S.E.5a

S.E.5, S.E.5a

Royal Aircraft Factory S.E.5, S.E.5a
Typ: Jagdflugzeug.

Die Royal Aircraft Factory S.E.5 war ein einsitziges britisches Doppeldecker-Jagdflugzeug des Ersten Weltkriegs, das als eines der erfolgreichsten und effektivsten alliierten Flugzeuge des Krieges gilt.

Überblick

– Rolle: Kampfflugzeug
– Erstflug (S.E.5): November 1916
– Eingeführt (S.E.5a): März 1917
– Primäre Nutzer: Royal Flying Corps (RFC), Royal Air Force (RAF), American Expeditionary Force, Australian Flying Corps
– Gebaute Stückzahl: Etwa 5.200 (S.E.5 und S.E.5a zusammen)

Entwurf und Entwicklung

Die S.E.5 (Scout Experimental 5) wurde von einem Team der Royal Aircraft Factory entworfen, dem Henry Folland, John Kenworthy und Major Frank Goodden angehörten. Die S.E.5a war eine verbesserte Version mit einem stärkeren Motor und anderen Verbesserungen.

Hauptmerkmale:
– Motor: Die meisten S.E.5a-Flugzeuge verwendeten den 200 PS starken Hispano-Suiza 8b oder den 200 PS starken Wolseley Viper-Motor.
– Struktur: Holzrahmen mit Stoffbespannung; stark und stabil, mit guter Sicht für den Piloten.
– Bewaffnung: Ein synchronisiertes .303 in (7,7 mm) Vickers-Maschinengewehr, das durch den Propeller feuert; ein 7,7-mm-Lewis-Maschinengewehr (303 Zoll), das auf der oberen Tragfläche montiert ist und über den Propellerbogen feuert.

Leistung (S.E.5a mit 200 PS Motor)

– Höchstgeschwindigkeit: ca. 222 km/h in 3.050 m
– Dienstgipfelhöhe: 5.180 m
– Reichweite: 480 km
– Flugzeit: 2,5 Stunden

Einsatzgeschichte

Die S.E.5a wurde Anfang 1917 in Dienst gestellt und erwies sich bei den Piloten schnell als beliebt. Sie war stabil und leicht zu fliegen, dabei schnell und wendig. Sie wurde von vielen berühmten Assen geflogen, darunter:

– Edward „Mick“ Mannock
– James McCudden**
– Billy Bishop
– Albert Ball (flog die frühere S.E.5)

Die S.E.5a trug zusammen mit der Sopwith Camel dazu bei, die Luftüberlegenheit der Alliierten in den letzten Kriegsjahren sicherzustellen.

Vermächtnis

Die S.E.5a wird oft als eines der besten Kampfflugzeuge des Ersten Weltkriegs angesehen. Ihre Kombination aus Geschwindigkeit, Feuerkraft und Stabilität machte sie zu einem Favoriten unter den Piloten und zu einem gefürchteten Gegner in der Luft.

Geschichte

S.E.5a der 111. Squadron der RAF in Palästina
S.E.5a der 111. Squadron der RAF in Palästina im Jahr 1918. Die vordere Maschine trägt zwei 9-kg-Bomben.

Im Sommer 1916 wurden zwei neu Jagdflugzeuge um den 150-PS-Hispano-Suiza-Motor herum entwickelt, die S.E.5 und die F.E.10. Letztere wurde nicht übernommen, aber ihre Seitenleitwerk-Flossen- und Ruderform wurden für die S.E.5 verwendet, deren erster von drei Prototypen (A4561) am 22. November 1916 flog. Dieser hatte eine Spannweite von 8,51 m und war eines der ersten Flugzeuge, welches das Constantinesco-Synchronisationsgetriebe für das nach vorne schießende Vickers-Maschinengewehr verwendete.
Entworfen durch H.P. Folland von der Royal Aircraft Factory in Farnborough, war es trotz seiner eckigen Form mit halb-rechteckigen Rumpfquerschnitt und Parallel-Akkordflügeln und Höhenleitwerk ein schön proportioniertes Flugzeug.

Die S.E.5 war schneller und stärker als die französischen Spad– und Nieuport-Jäger, wenn auch weniger wendig als letztere. Dazu hatte sie eine ausgezeichnete Höhenleistung, Feuerkraft und Sicht aus dem Cockpit.

Die ersten vierundzwanzig S.E.5 hatten halb geschlossene Cockpits, das Vickers-MG wurde nach Backbord versetzt und ein zusätzliches Lewis-MG auf einer Foster-Montage über dem Mittelteil angebracht. Dies war eine ungewöhnliche Waffenanordnung zu dieser Zeit. Die nächste Bauserie wurde mit einer reduzierten Spannweite von 8,12 m hergestellt.

Die ersten S.E.5 wurden im März 1917 an die 56. Squadron (Staffel) des Royal Flying Corps ausgeliefert. Sobald sie in Frankreich angekommen waren, wurden ihre großen Windschutzscheiben durch kleinere ersetzt, bevor die Staffel am 22. April 1917 ihren ersten Einsatz durchführte. Neunundfünfzig S.E.5 wurden von der Fabrik gebaut, alle mit Hispano-Suiza-8A-Motoren. Auch die 24., 60. und 85. Staffel erhielten einige S.E.5, die bis Ende des Jahres in Dienst blieben.

SE5a
Trotz anfänglicher Probleme mit dem Motor und nur einem Maschinengewehr vor dem Piloten (ein weiteres auf der oberen Tragfläche) beendete die SE5a zusammen mit der Camel die Überlegenheit der deutschen Albatros-Jäger.
Inzwischen wurde das Flugzeug mit der Serien-Nummer A4563, die dritte S.E.5, zum Prototyp für die S.E.5a. Sie hatte einen 200 PS starken Hispano-Suiza-Motor und die kurzen Flügel der S.E.5. Die S.E.5a ging ab Juni 1917 an die Staffeln Nr. 56, 40 und 60 und wurde bis Ende des Jahres auch an die Staffeln 24, 41, 68 und 84 ausgeliefert.
Die Lieferungen wären zahlreicher gewesen, wenn es nicht Probleme mit dem Untersetzungsgetriebe des größeren Hispano-Suiza-Motors und einem akuten Versorgungsengpass bei diesem Triebwerk gegeben hätte. Ursache war die offensichtliche Einstellung bei den französischen Herstellerfirmen Brasier, dass ‚Motoren unvollständiger Leistung immer noch besser seien, als überhaupt keine‘, sodass die Produktion zu überhastet stattfand.
So waren zwar bis Ende des Jahres 800 S.E.5a gebaut worden, für die aber nur zum Teil Motoren vorhanden waren.

Bis Anfang 1918 von den Franzosen gebaute S.E.5a verfügbar wurden, waren ihre britischen Äquivalente oder alternative Varianten improvisiert. Davon war die beste noch der als Viper neu entworfene Motor, welcher von der Firma Wolseley hergestellt wurde und zum Standard-Motor der S.E.5a wurde und ihr das charakteristische ‚quadratische‘ Aussehen verlieh.
Die Triebwerksprobleme hinderten die S.E.5a jedoch nicht daran, sich einen guten Ruf für ihre Flugeigenschaften, ihre strukturelle Stärke und Leistung zu erwerben und sie blieb bis zum Ende des Krieges im Einsatz. Der kleine Nachteil der doch etwas ungewöhnlichen Anordnung der Bewaffnung wurde durch die Höchstgeschwindigkeit von 203 bis 212 km/h mehr als wett gemacht. Sie war zwar weniger wendig als die Sopwith Camel, aber leichter zu fliegen, konnte schneller steigen und stürzen und hielt mehr Treffer aus.

Zusammen mit der praktisch gleichzeitig erschienen Sopwith Camel hatte sie den Hauptanteil daran, dass die alliierten Jagdflieger Anfang 1918 wieder die Luftüberlegenheit von den deutschen Albatros-Jägern zurückgewinnen konnten.
Einige waren mit Unterrumpf-Halterung für vier 25-Pfund-Cooper-Bomben (11,3 kg) ausgerüstet.

Die S.E.5a wurde 1918 auch im Nahen Osten und von einigen Heimatverteidigungs-Einheiten eingesetzt. Als Nachtjäger war sie weniger erfolgreich, da die S.E.5.a nachts nur schwer zu landen war. Außerdem dauerte das Aufwärmen des flüssigkeitsgekühlten Triebwerks länger als bei den Motoren anderer Heimatverteidigungs-Jäger.

Am Ende des Krieges waren ungefähr 2.700 S.E.5 und S.E.5a bei der RAF im Einsatz und der Typ wurde bei vierundzwanzig britischen, zwei amerikanischen und einer australischen Staffel verwendet. Serien-Nummern wurden für fast 5.500 S.E.5a vergeben, wovon aber mindestens zweihundert beim Waffenstillstand gestrichen wurden und nicht alle der anderen Flugzeuge wurden auch ausgeliefert.
Die etwa 5.000 gebauten Flugzeuge wurden weit verbreitet durch Unterauftragsnehmer wie Austin, Air Navigation Company, Martinsyde, Graham-White, Vickers, Whitehead und Wolseley neben denen im Werk von Farnborough gebaut. Die Masse davon wurde 1918 fertiggestellt.

amerikanische Jagdfliegereinheit
Eine amerikanische Jagdfliegereinheit ausgerüstet mit britischen S.E.5a.

In den Vereinigten Staaten montierte Curtiss sechsundfünfzig Stück aus britischen Komponenten und baute eine rein amerikanische S.E.5a, die am 20. August 1918 erstmals geflogen wurde. Dies waren die ersten und einzigen Exemplare aus einem Auftrag über eintausend in Amerika zu bauenden S.E.5a.

S.E.5a Jagdflugzeuge wurden von Royal Flying Corps – später RAF – Staffeln Nr. 1, 24, 29, 32, 40, 41, 56, 60, 64, 74, 84, 85, 92 und 94 an der Westfront, von der 111. und 145. Squadron in Palästina, der 17., 47. und 150. Squadron in Makedonien und der 72. Squadron in Mesopotamien verwendet. Auch die 25. und 148. Aero Squadron des US Air Service wurden damit ausgerüstet.

Berühmtester britischer Pilot einer S.E.5 und S.E.5a war Major James McCudden, welcher 50 seiner 57 Luftsiege damit in der 56. Squadron erzielte. Auch Mannock, Bishop, Beauchamp-Proctor und Ball flogen auch S.E.5 oder S.E5a Jäger neben anderen.

Der S.E.5b, eine bereinigte Wasserflugzeug-Version aus der Flugzeugzelle einer S.E.5a, erreichte nicht den Status eines Serienmodells.
Nach dem Krieg wurden die S.E.5a bei der RAF außer Dienst gestellt, aber fünfzig wurden nach Australien geliefert, mindestens ein Dutzend nach Kanada und andere nach Südafrika, Polen und in die Vereinigten Staaten. Fünfzig ehemalige RAF-Maschinen wurden bei der britischen Zivilluftfahrt verwendet, wo die S.E.5a in der Nachkriegszeit vor allem für ihre Pionierarbeit bei der Flugkunst des Skywriting (‚Himmelschreiben‘) bekannt wurde.

Benutzer: Britische Royal Air Force, Australien, USA (im Ersten Weltkrieg).


Animation 3d-Modell S.E.5a


Spezifikationen S.E.5a

Spezifikationen:

Spezifikationen
S.E.5a
Typ
Einsitziger Jäger
Besatzung
1
Antrieb
wassergekühlter Hispano-Suiza 8 mit 200/220/240 PS oder späterer Standard Wolseley W4a Viper gleicher Bauart mit 200 PS (S.E.5: 150-PS Hispano-Suiza 8A V-8)
Spannweite
8,12 m
Länge
6,38 m
Höhe
2,90 m
Flügelfläche
22,67 m²
Leergewicht
696 kg
Startgewicht
930 kg (max)
Höchstgeschwindigkeit
212 km/h in 1.980m, 193 km/h in 4.572m mit Viper-Motor
Steigleistung
3.050m in 11 min 20 sec
Dienstgipfelhöhe
5.182 bis 6.706 m (Viper: 5.944 m)
Reichweite
2 Stunden 15 Minuten bis 3 Stunden Flugdauer (durchschnittlich 483 km)
Bewaffnung
1 x 7,7-mm Vickers (400 Schuss) mit Constantinesco-Synchrongetriebe links am Rumpf, 1 x 7,7-mm-Lewis-MG (mit 4 x 97-Schuss-Trommeln) auf dem Oberflügel (Zielkonvergenz 46 m voraus)
Zuladung
Unterrumpfstationen für 4 x 11-kg-Bomben
Erstflug
22. November 1916
Truppenlieferung
Juni 1917 (S.E.5 im März 1917)
Endlieferung
vermutlich Ende 1918
Produktion
ca. 5.000 (davon 59 S.E.5 und 56 bei Curtiss in USA)
Bestand an der Front
ca. 2.700 (November 1918)


Quellenangaben und Literatur

The Illustrated Encyclopedia of Weapons of World War I (Chris Bishop)
An Illustrated History of the Weapons of World War One (Ian Westwell)
Jane’s Fighting Aircraft of World War I
Aircraft of World War I 1914-1918 (Jack Herris, Bob Pearson)
Technik und Einsatz der Kampfflugzeuge vom 1. Weltkrieg bis heute (Ian Parsons)
Fighters of Warld War One (Andrew Kershaw)
Das große Buch der Luftkämpfe (Ian Parsons)
Fighters, Attack and Training Aircraft 1914-1919 (Kenneth Munson)
Bombers, Patrol and Reconnaissance Aircraft 1914-1919 (Kenneth Munson)
Kampfflugzeuge (Bill Gunston)
The S.E.5 File, Air-Britain, 1995 (J.M. Bruce)
Osprey Aircraft of the Aces: SE 5/5a Aces of World War 1 (Norman Franks)

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