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Spanische Grippe



Die spanische Grippe von 1918 bis 1919 und ihre Auswirkungen im Vergleich zur Pest und zum aktuellen Coronavirus.
Auswirkungen der Pandemien: Auftreten, Verlauf und Opferzahlen.

Englische Seifen-Werbung zur Desinfekton
Englische Seifen-Werbung zur Desinfektion, um die verheerende ‘Spanische Grippe’ mit allerdings unzulänglichen Mitteln zu bekämpfen.


Versprühen von Desinfektionsmitteln auf den Strassen Londons
Mit unzulänglichen Mitteln versucht man wie hier mit dem Versprühen von Desinfektionsmitteln auf den Strassen Londons, die Ausbreitung der Spanischen Gruppe einzudämmen.
So enorm die Verluste im Ersten Weltkrieg auch waren – sie sollten von einem anderen, nicht weniger schrecklichen Ereignis übertroffen werden: In den Jahren 1918 und 1919 wurde die Welt von einer schrecklichen Grippeepidemie heimgesucht, die innerhalb weniger Monate mehr Menschenleben forderte als der Krieg zuvor.

Vergleichbare Pandemien sind in der Geschichte nur zweimal aufgetreten – einmal im 6. Jahrhundert, als rund hundert Millionen Menschen an der Pest starben, und später zwischen 1347 und 1350, als der ‘Schwarze Tod’ ein Massenopfer der europäischen Bevölkerung abverlangte.
Bemerkenswert ist übrigens auch, dass zum Beispiel Polen vom ‘Schwarzen Tod’ kaum getroffen wurde, da der polnische König die Grenzen rechtzeitig schließen ließ, während die auf Geld und Handelsströme begierigen Städte Norditaliens oder der Hanse schwer heimgesucht wurden.
Seit den Zeiten des alten Roms und lange davor ist es nämlich bekannt, dass Pandemien durch Reisende verursacht werden, da eine Seuche von alleine weder über das Meer schwimmen, durch die Luft fliegen noch über den Boden kriechen kann.

Es wird geschätzt, dass in den Jahren 1918 bis 1919 weltweit mindestens 20 Millionen Menschen an der Grippe starben – möglicherweise sogar noch mehr (einige Zahlen schätzen bis zu 50 Millionen; davon alleine etwa 15 Millionen in Indien), da aus Asien und Afrika keine genauen Zahlen verfügbar waren.

Innerhalb von nur vier Monaten wurde die Hälfte der Weltbevölkerung mit dem mysteriösen Virus infiziert, dessen Ursprung unbekannt blieb.
Obwohl als Spanische Grippe bekannt, ging die Krankheit nicht von Spanien aus. Sie soll erstmals in einem überfüllten Armeelager in Kansas (USA) aufgetreten sein, wo im Jahr 1918 107 Patienten mit den Symptomen einer schweren Grippe registriert wurden. Das Virus breitete sich im Lager rasch aus, während die Überlebenden nach Europa geschickt wurden, wo sie für die weitere Verbreitung des Virus sorgten.

So plötzlich, wie das Virus aufgetaucht war, verschwand es unerwartet und vollständig wieder. Einige Wissenschaftler glauben jedoch, dass das Virus irgendwo unter der Erde versteckt überlebt haben könnte, um auf eine Gelegenheit zu warten, wieder aktiv zu werden.
Erst vor einigen Jahren wurde die Gelegenheit zur Untersuchung der Spanischen Grippe eröffnet, als die in der Kälte konservierten Leichen von sieben Grippeopfern in Norwegen gefunden wurden. Es ist möglich, dass die molekulare Struktur des Virus unter diesen Bedingungen so weit erhalten geblieben ist, dass sie nun endlich im Detail analysiert und erfasst werden kann.

Auswirkungen der Pandemien

'Die 'Grippe' kommt - macht Euch keine Sorgen'
‘Die ‘Grippe’ kommt – macht Euch keine Sorgen’ wurde bereits vor 100 Jahren verkündet, bevor die Spanische Grippe zuschlug.
  • Die Pest tötete etwa 5 bis 10 Prozent der Weltbevölkerung, wobei in einigen Teilen Europas eine Todesrate von bis zu 80 Prozent erreicht wurde.
  • Die Spanische Grippe von 1918/1919 tötete etwa 1,2 Prozent der Weltbevölkerung, wobei die Todesrate unter den Infizierten bei 2,5 Prozent lag. Bei einer gewöhnlichen Grippe liegt die Todesrate bei etwa nur 0,1 Prozent.
  • Heute sind wir nun dem Coronavirus COVID-19 ausgesetzt, dessen aktuelle Todesrate (29.2.2020) unter den Infizierten weltweit bei über 3,4 Prozent liegt und welche sich schneller verbreitet als eine Grippe. Wenn man das aktuelle Verhältnis Genesene (39.761) zu Todesopfer (2.941) ansetzt, werden sogar fast 6,9 Prozent Tote erreicht.

Natürlich ist das Gesundheitssystem in westlichen Ländern stärker entwickelt als woanders auf der Welt – das galt aber auch schon 100 Jahre zuvor. Wer jedoch die Gefahr durch die Pandemie eines solchen Virus und die Notwendigkeit der Vorbeugung – aus welchen Gründen auch immer – kleinreden will, für den wird auch der Erste Weltkrieg und die nachfolgende Spanische Grippe mit ihren Millionenopfern von 1914 bis 1919 ebenfalls nur ein ‘Vogel-Geschiss’ der Geschichte sein.

Coronavirus COVID-19 nach Johns Hopkins CSSE
Stand der Ausbreitung und Opfer des Coronavirus COVID-19 nach Johns Hopkins CSSE am 29. Februar 2020.
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Im Blickpunkt:
  • Karthagische Soldaten

    Die Punische Armee von Karthago in den Kriegen gegen die Römer. Stärke, Zusammensetzung und Herkunft sowie Ausrüstung der Soldaten Hannibals. Während seiner frühen Geschichte hatte Karthago nur eine Stadtmiliz für seine Verteidigung, welche in Gefahrenzeiten mobilisiert wurde und anschließend wieder aufgelöst wurde. Nach dem fünften Jahrhundert vor Christus gab es dann keine Miliz mehr und das einzige karthagische Militär waren 2500 junge Männer aus den besten Familien, welche ein Elite-Kavallerie-Korps bildeten und gleichzeitig als Trainingseinheit für die Offiziere der anderen Armeeteile fungierten. Allen anderen Karthager war es verboten, militärischen Verbänden beizutreten. Für Stadtverteidigung, Eroberungen und letztlich zur Verteidigung des gesamten Reiches, setzte Karthago ausschließlich Krieger von Vasallenstaaten oder Verbündeten ein und warb Söldner aus dem ganzen Mittelmeerraum an. Einige Provinzen des Reiches, insbesondere Süd-Spanien, stellten Truppen statt Tribute zu zahlen.   Die Libyer, in deren Land Karthago gegründet wurde, waren ursprünglich nur noch Sklaven, als die Stadt mächtiger wurde. Jedoch zur Mitte des Dritten Jahrhunderts vor Christi erhielten sie den Status tributpflichtiger Bauern. Sie mussten 1/4 ihrer Ernte abgeben und stellten nun einen großen Teil der karthagischen Soldaten. Die karthagischen Armeen des Ersten Punischen Krieges auf Sizilien bestanden weitgehend aus diesen punisch-libyschen Soldaten. Die Baracken in den dreifach gestaffelten Stadtmauern von Karthago konnten insgesamt 24.000 Soldaten, 4.000 Pferde und 300 Elefanten aufnehmen, welche durch punisch-libysche Truppen gefüllt waren. Im Dritten Jahrhundert vor Christi begann Karthago ebenfalls mit einer umfangreichen Rekrutierung von Numidischer Kavallerie und, später, Mooren-Truppen aus Mauretanien. Diese Truppen wurden von numidischen und maurischen Prinzen gestellt, welche mehr oder weniger unabhängige Verbündete waren, und dafür keinen Tribut zu entrichten hatten. Zudem wurden Söldner aus allen Teilen der bekannten Welt angeworben, indem Senatoren zu den Handelszentren gesendet wurden, um mit den lokalen Königen und Prinzen darüber zu verhandeln. Zu Beginn des Zweiten Punischen Krieges gab es etwa eine Million karthagischer Bürger. Etwa 12.000 Karthager und afrikanische Hilfstruppen konnten zur Schlacht von Zama am Ende des Krieges aufgestellt werden. Während des Dritten Punischen Krieges (149-146 vor Christi) konnten 25.000 Fußsoldaten und 400 berittene Adelige von den Bürgern und libyschen Bauern rekrutiert werden. Nach dem Ersten Punischen Krieg (265-241 vor Christi) konnte Karthago 10.000 Bürger im Mamertinen-Krieg (Aufstand unbezahlter Söldner aus dem Ersten Punischen Krieg) stellen und während der Schlacht bei Crimessus auf Sizilien im Jahre 340 vor Christi waren 10.000 Karthager in einer Armee aus 70.000 Mann. All dieses lässt den Schluss ziehen, dass Karthago lediglich nur etwa 10.000 Soldaten aus dieser großen Anzahl von Bürgern im Notfall ziehen konnte. Die afrikanische Infanterie (Bild oben) von Karthago kämpfte bis zur Schlacht an den Trasimenischen Seen (217 v.Chr.) in Phalanx-Formationen. Jede bestand aus etwa 4.000 Mann mit 256 Mann in der Front und 16 Glieder tief. Hierbei verwendeten sie Rüstungen aus Metallhelmen und Kürass, Rundschilde mit 60 cm Durchmesser, zweihändige Piken zwischen 5 und 7 Metern lang und ein kurzes Schwert. Später rüstete Hannibal seine Schwere Infanterie mit den erbeuteten römischen Waffen und Rüstungen aus und übernahm die besten Eigenschaften des Legionärs-Drilles. Dieser Prozess war abgeschlossen bis zur Kesselschlacht von Cannae im nachfolgenden Jahr, zu welcher Zeit die spanische und ein Teil der keltischen Infanterie so ausgerüstet waren und 92.000 römische Soldaten vernichtet wurden. Da Hannibal während seines fünfzehnjährigen Feldzuges in Italien nur einmal Nachschub (4.000 numidische Reiter und einige Elefanten) aus Karthago genehmigt bekommen hatte, ging der Anteil der afrikanischen Infanterie immer weiter zurück. Von den 40.000 karthagischen Infanteristen bei Cannae waren nur 4.000 Leichte und 8.000 schwere Soldaten von der libysch-punischen Infanterie, welche in zwei traditionellen Phalangen links und rechts das Zentrum deckten. Die Karthager wurden durch Pyrrhus, den König von Epirus von 295 bis 272 v.Chr. in die Kunst des Einsatzes von Kriegselefanten eingeführt. Dafür gaben sie ihre Kriegswagen auf und setzten erstmals Elefanten gegen die Römer bei Agrigentum auf Sizilien im Jahr 262 v.Chr. ein. Da Karthago keine direkten Verbindungen nach Indien hatte, setzte es den zwischenzeitlich ausgestorbenen afrikanischen Waldelefanten ein. Zu seiner Zeit konnte diese Art in Marokko, Algerien und an den Rändern der Sahara angetroffen werden. Dieser Elefant konnte jedoch nicht mit dem indischen oder afrikanischen Buschelefanten im zentralen und südlichen Afrika verglichen werden und war erheblich kleiner. Der indische Elefant erreicht eine durchschnittliche Schulterhöhe von drei Metern, der afrikanische Buschelefant sogar 3,5 Meter, aber der afrikanische Waldelefant weniger als 2,5 Meter.   Deshalb war der von den Karthagern eingesetzte Waldelefant zu schmal, um einen Kampfturm zu tragen und es gibt keine Belege, ob überhaupt Krieger auf diesen Elefanten saßen. Es gibt eine Münze, welche einen Elefanten zeigt, auf dem ein Reiter sitzt und es ist daher anzunehmen, dass das Tier selbst die Waffe war. Es konnte erhebliche Wirkungen auf berittene Truppen haben, für deren Pferde der Elefant ungewohnt war. In jedem Fall wurden Elefanten mit entscheidende Wirkung gegen die römische Infanterie und Kavallerie in den Jahren 262 und 255 v.Chr. eingesetzt. Zwar hatten die Römer schon seit der Schlacht von Maleventum im Jahr 274 v.Chr. wirksame Taktiken gegen Elefanten entwickelt, bei denen leichte Truppen Bündel von brennendes Heu gegen diese einsetzten. Es scheint aber so, dass jede Generation von Soldaten erst einmal auf Elefanten treffen musste, bevor sie sich gegen diese erfolgreich behaupten konnte. Deshalb war der Elefant nicht mehr als eine Terror-Waffe, welche in der Lage war, eine Armee in Unordnung zu versetzen, die noch nicht auf diese Tiere getroffen war. Daher waren die Kriegselefanten, nach einigen Erfolgen im Ersten Punischen Krieg, von wenig Wert im Zweiten und Dritten Punischen Krieg. Von den 34 Elefanten, die Hannibal aus Spanien mitnahm, starben alle bis auf sieben während der Überquerung der Alpen und nur einer überlebte den nachfolgenden, harten Winter in Italien. Diese sieben Elefanten wurden nur in der Schlacht von Trebia im Jahr 218 v.Chr. eingesetzt und hatten wenig Auswirkungen, da die römische Kavallerie, gegen die sie dort eingesetzt wurden, sowieso schon zahlenmäßig stark unterlegen war. Wahrscheinlich hat Hannibal später auch einige indische Kampfelefanten mit Kriegern in Türmen eingesetzt, die er aus Ägypten mit Geld von Ptolemy II. bezogen hatte. Im Jahr 215. v.Chr. erhielt er auch noch einige weitere Elefanten aus Karthago, welche er mehr …

  • Einmarsch deutscher Soldaten in die entmilitarisierte Zone des Rheinlandes

    Die Organisation der Wehrmacht, des Generalstabes, des Dritten Reich und der NSDAP sowie Kräftebilanz des Großdeutschen Reich im Zweiten Weltkrieg. hier zu Teil I über die Wehrmacht Organisation der Wehrmacht Im März 1939 wurde die operative Führung der deutschen Streitkräfte unter dem Dach des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) vereinigt, deren Chef Generaloberst Keitel war. Die Leitung des Heeres unterlag dem Oberkommando des Heeres (OKH), welches ebenfalls über einen Generalstab verfügte. Während der Krise in der Schlacht um Moskau im Dezember 1941 übernahm Hitler auch persönlich dieses Oberkommando von dessen bisherigen Oberbefehlshaber von Brauchitsch und griff zunehmend in den Tagesablauf des Krieges – bis teilweise in die kleinsten Details – ein. Spitzengliederung der wichtigsten Bereiche der Wehrmacht und im Dritten Reich Spitzengliederung: Der Generalstab im Dritten Reich Die Beziehungen zwischen dem deutschen Generalstab zur Zeit des Dritten Reich von 1933 bis 1945 und Hitler sind äußerst komplex und widersprüchlich. Nach einigen Meinungen verdankte Hitler seinen Aufstieg und die Machtergreifung im Wesentlichen den deutschen Generalen und dem Generalstab, welche zynisch unter Schleicher hofften, ihn kontrollieren und auszunutzen zu können. Auf der anderen Seite entstand der einzige, ernsthafte Widerstand gegen das Nazi-Regime aus Kreisen der deutschen Streitkräfte, dessen Höhepunkt das Stauffenberg-Attentat mit dem nachfolgenden Putschversuch am 20. Juli 1944 war. Im deutschen Heer gab es die bedeutendste Opposition gegen Hitler und seine Pläne als in jedem anderen Teil der Gesellschaft. Der Generalstab war in erster Linie mit Hitler nur in der Frage der Aufhebung der Beschränkungen des Versailler Vertrages und der Wiederbewaffnung vereint, stand aber in fast allen Fragen der Militärpolitik und Strategie in ständiger Opposition zu ihm seit 1933. Auf der anderen Seite haben in kritischen Momenten Generale wie Blomberg, Reichenau und Jodl die entscheidende Unterstützung für Hitler gegeben. Und der Generalstabsoffizier Kurt von Schleicher eröffnete, wenn auch unbeabsichtigt, Hitler erst den Weg zur Machtergreifung. Nachdem Hitler von Hindenburg am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt worden war, setzte er Generalleutnant Werner von Blomberg zum Reichswehrminister ein. Blomberg wurde gleichzeitig zum General der Infanterie befördert und der ebenfalls den Nationalsozialisten zugetane Generalstabsoffizier Walther von Reichenau wurde zum Chef des Ministeramtes ernannt. Es folgte der Reichstagsbrand, die Ausschaltung der Kommunistischen Partei und das Ermächtigungsgesetz, welches die Grundlage der zwölfjährigen Nazi-Herrschaft über Deutschland legte und Hitler den Titel ‘Führer’ einbrachte. Anschließend wandte er sich der Reichswehr zu, um sich ihrer Treue und Unterstützung zu versichern. Dies war sehr erfolgreich, da die Mehrheit der Offiziere Hitlers öffentlich publizierte Ziele unterstützten, die Beschränkungen des Versailler Vertrages aufzuheben, obwohl sie weiterhin die Nazi-SA-Schlägertruppe und den ‘Gefreiten aus dem Weltkrieg’ verachteten. Dafür wurde er allerdings gerade von der Mehrzahl der jüngeren Offiziere im Leutnants- oder Hauptmanns-Rang umso mehr bewundert. Hitler genehmigte einen Plan zur heimlichen Erweiterung der Reichswehr auf bis zu 21 Divisionen innerhalb von drei Jahren und als die ehemaligen Alliierten des Ersten Weltkriegs Deutschlands Forderung auf militärische Gleichberechtigung zurückwiesen, trat Deutschland am 14. Oktober 1933 aus dem Völkerbund aus. Etwa zur gleichen Zeit wurden mit der Zustimmung von Hitler durch Blomberg zwei wichtige Personalentscheidungen gefällt. So wurden zum einen am 1. Oktober 1933 Generalleutnant Ludwig Beck zum neuen Chef des Truppenamtes ernannt. Das Truppenamt erfüllte bei der Reichswehr die Funktion der von den Alliierten nach dem Ersten Weltkrieg erzwungen Auflösung des großen Generalstabs. Kurze Zeit später wurde zum Zweiten der noch ziemlich junge Oberst Friedrich Fritz Fromm im Alter von 45 Jahren zum Chef des neuen ‘Allgemeinen Heeresamt’ ernannt. Beck und Fromm wurden zu denjenigen, welche die Entstehung der neuen Wehrmacht in den nächsten Jahren leiteten Am 1. Februar 1934 wurde Generalleutnant Werner Freiherr von Fritsch neuer Chef der Heeresleitung, welcher ein brillanter und geistig gebildeter Generalstabsoffizier war. Allerdings hatte er keinen starken Charakter, was zu entschlossener Führung in Krisen notwendig gewesen wäre. Er unterstütze Hitlers Ziele der Wiederbewaffnung und dachte, die Generale hätten die Macht, Hitlers Herrschaft im Notfall ein Ende setzen zu können. Auch war er hauptsächlich damit beschäftigt, zu verhindern, dass Röhm die Pläne verwirklichen konnte, Reichswehr und SA zu einer neuen, gemeinsamen Streitmacht zu vereinigen. Selbst den Nazis zugeneigte Spitzengenerale wie Blomberg und Reichenau konnten sich nicht vorstellen, in einer gemeinsamen Streitmacht mit den SA-Schlägertrupps und homosexuellen Genossen von Röhm zusammenzuarbeiten. Hitler kannte dies ausgeprägte Gegnerschaft der Reichswehr zur SA und wollte es sich nicht mit den Generalen verderben und so beschloss er die SA zu opfern. Es ist nicht bekannt, inwieweit die führenden deutschen Generale davon Kenntnis hatten, was geschehen würde. Sicher ist aber, dass Fritsch etwas ahnte, da er bereits am 25. Juni 1934 das Heer in Alarmzustand versetzte. Am 30. Juni begann das zweitägige Morden, dem neben Röhm auch der General von Schleicher und dessen Frau zum Opfer fielen. Die genaue Anzahl der Ermordeten ist nur schwer festzustellen, aber im Prozess von 1957 gegen die SS-Mörder wurde von mehr als eintausend Opfern ausgegangen. Während der ganzen zwei Tage der amtlichen Vogelfreiheit blieben die alarmierten Truppen in den Kasernen und Reichswehrminister von Blomberg gratulierte dem Führer am 2. Juli in einem Tagesbefehl zu der Aktion. Nur der alte, kaiserliche Feldmarschall von Mackensen und der ehemalige Chef der Heeresleitung, General Hammerstein-Equord, protestierten offen, dass das Heer öffentlichen Massenmord duldete. Am 2. August 1934 starb der schon kranke Reichspräsident von Hindenburg und am nächsten Tag ließ Blomberg alle Offiziere der Wehrmacht einen Treueid persönlich auf Hitler schwören und nicht wie üblich, auf das Amt des Reichspräsidenten oder auf das Deutsche Reich. Nun war die beginnende Wiederbewaffnung Deutschlands zum Fakt geworden und die Alliierten beließen es bei Protesten. Am 16. März 1935 kündigte Hitler die militärischen Beschränkungen des Versailler Vertrages auf und das Truppenamt wurde wieder zum deutschen Generalstab, mit Beck als Chef. Das neue Heer sollte laut Hitler 550.000 Soldaten in 36 Divisionen umfassen. Dagegen hatte Beck jedoch bedenken und nahm an, dass dieses Ziel erst Anfang der 1940er Jahre erreicht werden könnte, da es nicht genügend ausgebildete Offiziere für ein so großes Heer aus Wehrpflichtigen geben würde und die Männer dann nur Kanonenfutter wären. Hitler schob diese Bedenken erstmals mit später immer öfter auftretenden Bemerkungen beiseite, dass es genügend Männer mehr …

  • Finnische Soldate mit Rentieren

    Streitkräfte von Finnland im Winterkrieg von 1939/40 gegen die Sowjetunion. Finnische Divisionen und Ausrüstung, Luftwaffe und Marine. Bereits 1938 und wieder im Jahr 1939 hatte die Sowjetunion mehrmals mit der finnischen Regierung die Möglichkeit von Grenzveränderungen zu ihren Gunsten diskutiert, welche die Verteidigung von Leningrad vereinfachen würde. Dabei kam es zu keiner Einigung. Finnische Stretkräfte im Winterkrieg Durch den Hitler-Stalin-Pakt hatten die Sowjets dann das Zugeständnis erhalten, dass Finnland, ebenso wie Ost-Polen und die Baltischen Staaten zu ihrer Einflusssphäre gehörten. So begannen die sowjetischen Diplomaten mit Finnland und den baltischen Staaten zeitgleich über einen Pakt zur gegenseitigen Unterstützung zu verhandeln. Im Gegensatz zu den baltischen Staaten wurde darüber hinaus von Finnland lediglich ein Stützpunkt verlangt und der Austausch von Gebieten in Karelien nördlich von Leningrad gegen sowjetisches Territorium in Ost-Karelien. Die Verhandlungen dauerten den Oktober bis Anfang November 1939 an und beide Seiten sahen die Möglichkeit einer Einigung als wahrscheinlich. Am 9. November 1939 wurden die Verhandlungen jedoch abgebrochen und die Finnen erwarteten eigentlich ihre Fortsetzung. In der sowjetischen Regierung war aber schon seit Sommer 1939 über einen Krieg mit Finnland nachgedacht worden und am 13. November wurde in Moskau eine finnische Exil-Regierung aus Kommunisten gebildet. Zur gleichen Zeit begannen militärische Vorbereitungen der Roten Armee an der finnischen Grenze. In einem umsichtig vorbereiteten Ablauf wurde von den Russen ein Zwischenfall arrangiert und die Finnen am 26. November dafür verantwortlich gemacht. Am 29. November wurden die diplomatischen Beziehungen zu Finnland abgebrochen und die Rote Armee griff am 30. November an. Die Finnische Armee war eine der kleinsten in Europa und die Rote Armee erwartete von daher wenig Widerstand. Jedoch fanden die sowjetischen Invasoren die Finnen gut vorbereitet vor und hinzukam der extrem kalte Winter von 1939/40 mit seinen Temperaturen von weit unter dem Gefrierpunkt und tiefem Schnee, welcher in jedem Fall den Verteidiger bevorzugte. Die wichtigste finnische Verteidigung war die Mannerheim-Linie, welche bis zum 12. Februar 1940 gehalten werden konnte. Aber nachdem sie erst einmal an einigen Stellen durchbrochen war, gab es keine Alternative mehr, als um Frieden zu bitten. Für eine Armee, welche niemals mehr als 200.000 Mann stark war, waren die finnischen Verluste sehr hoch: 25.000 wurden getötet und 45.000 Soldaten verwundet. Es war die Rede davon, dass die Alliierten in Finnland intervenieren würden, da die Sowjetunion einen Nichtangriffspakt mit Hitler-Deutschland unterzeichnet hatte, aber das einzige Land welches einen beachtlichen Beitrag zur Verteidigung Finnlands leiste, war Schweden. Die Schweden schickten Waffen, eine Flugzeug-Staffel und zwei Bataillone Infanterie. Freiwillige aus einer Reihe von Ländern, darunter Norwegen, Italien, England und den Vereinigten Staaten von Amerika wurden zu einem Freiwilligen-Bataillon zusammengefasst, das aber nicht mehr rechtzeitig einsatzbereit war, um noch an den Kämpfen teilzunehmen. Organisation der finnischen Armee Obwohl Finnland in der Lage war, 12 Divisionen ins Feld zu führen, waren nur neun bei Ausbruch des Krieges vorhanden. Dazu hatten diese einen großen Mangel an Kraftfahrzeugen, Nachrichtenmitteln, Panzerabwehr-Kanonen und automatischen Waffen. Die bewaffneten Streitkräfte wurden durch einen kleinen, regulären Kader zusammengehalten, welcher auf die jährlichen Wehrpflichtigen angewiesen war, um den Mannschaftsbestand zu vervollständigen. In Friedenszeiten dienten die Wehrpflichtigen 12 oder 18 Monate, abhängig von der Waffengattung. Nach dem Abschluss ihrer Wehrpflichtzeit wurden die finnischen Soldaten in die Reserve überführt, wo sie bis zum Alter von 60 Jahren verblieben. Anschließend traten sie der Miliz bei. Das Land war in neun Militärbezirke unterteilt, wovon jeder eine Division stellte, sowie Depots, Einrichtungen und Anlagen, um die Armee schnell mobilisieren zu können. Die Organisation einer Division bestand aus dem Divisionsstab, drei Infanterie-Regimenter, einem Artillerie-Regiment und Nachrichten- und Pionier-Kompanien. Das Artillerie-Regiment verfügte über 36 Geschütze verschiedener Kaliber, welches alle Modelle aus der Zeit vor 1918 waren und viele davon nicht für einen modernen Krieg mehr geeignet waren. Obwohl eine Anzahl von 120-mm-Granatwerfern bestellt wurde, war noch keiner bei Kriegsausbruch geliefert worden und so verblieben der Division nur achtzehn 81-mm-Granatwerfer. Dies war eindeutig ungenügend, wenn man dies zu den hunderten von Granatwerfern in einer einzigen sowjetischen Division betrachtet. Die Versorgung mit automatischen Waffen war etwas besser, denn es gab 250 Suomi-Maschinenpistolen und 116 Maschinengewehre je Division. Bei voller Sollstärke hatte die Division 14.200 Mann. Finnische Divisionen: Darüber hinaus gab es eine unabhängige Kavallerie-Brigade, welche aus einem Stab, zwei Kavallerie-Regimenter, einem Jäger-Bataillon mit Fahrrädern und einer mit Pferden bespannten Artillerie-Batterie bestand. Es gab nur wenige Artilleriegeschütze in der Reserve und die gesamte Armee verfügte nur über insgesamt 100 37-mm-Bofors-Panzerabwehrgeschütze und überhaupt keine Flugabwehrkanonen. Die Armee hatte nur wenig Erfahrungen im Panzerkampf, aber das dicht bewaldete Gelände Finnlands reduzierte die Rolle des Panzers auf die Unterstützung der Infanterie. Die finnische Panzerwaffe bestand aus den unabhängigen Panzerkompanien 1 bis 5 mit 59 veralteten Vickers E und Renault-Panzern, von denen aber nur die 4. Kompanie Einsätze sah. Es gab nur wenige medizinische Vorräte und die Nachrichtenverbindung war bestenfalls rudimentär. Es gab kein Funksystem und die Armee war abhängig von Feldtelefonen und wenn dieses ausgefallen waren, von Meldern. Dieser Mangel war besonders schwerwiegend unter Berücksichtigung der großen Entfernungen im Land, wo die finnische Armee eine riesige Grenze zur Sowjetunion decken musste. Auch die effektive Unterstützung der Infanterie durch die Artillerie war ohne Funkgeräte nicht möglich. Finnland verfügte nur über 100 Bofors-Flak , welche aber der Heimatverteidigung vorbehalten waren. Trotz dieser Probleme hatte die finnische Armee zwei große Vorteile: Erstens, die gründliche Kenntnis des eigenen Landes in der winterlichen Witterung, und zweitens weit überlegenes Menschenmaterial, welches sich in der wilden Entschlossenheit ausdrückte, dem Angreifer zu widerstehen. Diese zwei Eigenschaften vereinigten sich in den Elite-Bataillonen der Skitruppen, bestehend aus Männern mit großer Erfahrung im Skifahren durch das wilde Gelände, welche große Entfernungen geräuschlos überwinden konnten – und das schneller, als Truppen, welche mit irgend einer anderen Form von Transportmitteln ausgerüstet waren. Insbesondere die Sissi-Joukeet, welche Guerillakämpfer auf Skiern waren, operierten hinter den feindlichen Linien und stellten einen unangenehmen Dorn im Fleisch der Roten Armee dar. Die Strategie von Feldmarschall Mannerheim, dem Oberbefehlshaber der finnischen Armee, war es, seine Karelische Armee aus dem II. Korps (4., 5., 6. und 11. Division) und III. Korps (8. und 9. Division) an der Mannerheim-Linie zu konzentrieren, welche die mehr …

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