Spanische Grippe

Die spanische Grippe von 1918 bis 1919 und ihre Auswirkungen im Vergleich zur Pest und zum aktuellen Coronavirus.
Auswirkungen der Pandemien: Auftreten, Verlauf und Opferzahlen.

Englische Seifen-Werbung zur Desinfekton
Englische Seifen-Werbung zur Desinfektion, um die verheerende ‚Spanische Grippe‘ mit allerdings unzulänglichen Mitteln zu bekämpfen.

Die Spanische Grippe

Versprühen von Desinfektionsmitteln auf den Strassen Londons
Mit unzulänglichen Mitteln versucht man wie hier, mit dem Versprühen von Desinfektionsmitteln auf den Straßen Londons, die Ausbreitung der Spanischen Gruppe einzudämmen.
So enorm die Verluste im Ersten Weltkrieg auch waren – sie sollten von einem anderen, nicht weniger schrecklichen Ereignis übertroffen werden: In den Jahren 1918 und 1919 wurde die Welt von einer schrecklichen Grippeepidemie heimgesucht, die innerhalb weniger Monate mehr Menschenleben forderte als der Krieg zuvor.
Vergleichbare Pandemien sind in der Geschichte nur zweimal aufgetreten – einmal im 6. Jahrhundert, als rund hundert Millionen Menschen an der Pest starben und später zwischen 1347 und 1350, als der Schwarze Tod ein Massenopfer der europäischen Bevölkerung abverlangte.
Bemerkenswert ist übrigens auch, dass zum Beispiel Polen vom ‚Schwarzen Tod‘ kaum getroffen wurde, da der polnische König die Grenzen rechtzeitig schließen ließ, während die auf Geld und Handelsströme begierigen Städte Norditaliens oder der Hanse schwer heimgesucht wurden.
Seit den Zeiten des alten Roms und lange davor ist es nämlich bekannt, dass Pandemien durch Reisende verursacht werden, da eine Seuche von alleine weder über das Meer schwimmen, durch die Luft fliegen noch über den Boden kriechen kann.

Es wird geschätzt, dass in den Jahren 1918 bis 1919 weltweit mindestens 20 Millionen Menschen an der Grippe starben – möglicherweise sogar noch mehr (einige Zahlen schätzen bis zu 50 Millionen; davon alleine etwa 15 Millionen in Indien), da aus Asien und Afrika keine genauen Zahlen verfügbar waren.

Innerhalb von nur vier Monaten wurde die Hälfte der Weltbevölkerung mit dem mysteriösen Virus infiziert, dessen Ursprung unbekannt blieb.
Obwohl als Spanische Grippe bekannt, ging die Krankheit nicht von Spanien aus. Sie soll erstmals in einem überfüllten Armeelager in Kansas (USA) aufgetreten sein, wo im Jahr 1918 107 Patienten mit den Symptomen einer schweren Grippe registriert wurden. Das Virus breitete sich im Lager rasch aus, während die Überlebenden nach Europa geschickt wurden, wo sie für die weitere Verbreitung des Virus sorgten.

So plötzlich wie das Virus aufgetaucht war, verschwand es unerwartet und vollständig wieder. Einige Wissenschaftler glauben jedoch, dass das Virus irgendwo unter der Erde versteckt überlebt haben könnte, um auf eine Gelegenheit zu warten, wieder aktiv zu werden.

Erst vor einigen Jahren wurde die Gelegenheit zur Untersuchung der Spanischen Grippe eröffnet, als die in der Kälte konservierten Leichen von sieben Grippeopfern in Norwegen gefunden wurden. Es ist möglich, dass die molekulare Struktur des Virus unter diesen Bedingungen so weit erhalten geblieben ist, dass sie nun endlich im Detail analysiert und erfasst werden kann.

Auswirkungen der Pandemien

'Die 'Grippe' kommt - macht Euch keine Sorgen'
‚Die ‚Grippe‘ kommt – macht Euch keine Sorgen‘ wurde bereits vor 100 Jahren verkündet, bevor die Spanische Grippe zuschlug.
  • Die Pest tötete etwa 5 bis 10 Prozent der Weltbevölkerung, wobei in einigen Teilen Europas eine Todesrate von bis zu 80 Prozent erreicht wurde.
  • Die Spanische Grippe von 1918/1919 tötete etwa 1,2 Prozent der Weltbevölkerung, wobei die Todesrate unter den Infizierten bei 2,5 Prozent lag. Bei einer gewöhnlichen Grippe liegt die Todesrate bei etwa nur 0,1 Prozent.
  • Heute sind wir indessen dem Coronavirus COVID-19 ausgesetzt, dessen aktuelle Todesrate (29.2.2020) unter den Infizierten weltweit bei über 3,4 Prozent liegt und welche sich schneller verbreitet als eine Grippe. Wenn man das aktuelle Verhältnis Genesene (39.761) zu Todesopfer (2.941) ansetzt, werden sogar fast 6,9 Prozent Tote erreicht.

Natürlich ist das Gesundheitssystem in westlichen Ländern stärker entwickelt als woanders auf der Welt – das galt aber auch schon 100 Jahre zuvor. Wer jedoch die Gefahr durch die Pandemie eines solchen Virus und die Notwendigkeit der Vorbeugung – aus welchen Gründen auch immer – kleinreden will, für den wird auch der Erste Weltkrieg und die nachfolgende Spanische Grippe mit ihren Millionenopfern von 1914 bis 1919 ebenfalls nur ein ‚Vogel-Geschiss‘ der Geschichte sein.

Update Dezember 2021:

Seit dem Auftreten des Coronavirus in Wuhan, China vor fast zwei Jahren sind weltweit mehr als 5 Millionen Menschen an Covid-19 gestorben und es wurden mehr als 272 Millionen Fälle gemeldet.

Coronavirus COVID-19 nach Johns Hopkins CSSE
Stand der Ausbreitung und Opfer des Coronavirus COVID-19 nach Johns Hopkins CSSE am 29. Februar 2020.

Vergleich der Spanischen Grippe mit COVID-19

Die COVID-19-Pandemie wird oft mit der Grippepandemie von 1918 verglichen, die gemeinhin als Spanische Grippe bekannt ist. Es gibt zwar einige Ähnlichkeiten zwischen den beiden Pandemien, aber auch erhebliche Unterschiede.

Gemeinsamkeiten

1. Beide werden durch virale Infektionen der Atemwege verursacht, die zu schweren Erkrankungen und zum Tod führen können.
2. Beide Viren verbreiten sich schnell weltweit und verursachen globale Pandemien.
3. Beide Pandemien führten zur Einführung von Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens, wie z. B. soziale Distanzierung, Tragen von Masken und Quarantänen.

Unterschiede

1. Die Spanische Grippe wurde durch ein Influenza-A-Virus (H1N1) verursacht, während COVID-19 durch ein Coronavirus (SARS-CoV-2) verursacht wurde.
2. An der Spanischen Grippe erkrankten vor allem junge Erwachsene, während COVID-19 bei älteren Erwachsenen und Menschen mit Grunderkrankungen einen schweren Verlauf hatte.
3. Die Sterblichkeitsrate der Spanischen Grippe wird auf etwa 2-3 % geschätzt, während die Sterblichkeitsrate von COVID-19 je nach Land variiert und insgesamt auf etwa 1-2 % geschätzt wird.
4. Medizinisches Wissen und Technologie haben sich seit 1918 erheblich weiterentwickelt, was ein besseres Verständnis, eine bessere Behandlung und die Entwicklung von Impfstoffen gegen COVID-19 ermöglicht.
5. Die Weltbevölkerung belief sich 1918 auf etwa 1,8 Milliarden Menschen, während sie 2020 bei etwa 7,8 Milliarden lag, so dass die Ausbreitung von COVID-19 schneller und weitreichender erfolgen kann.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sowohl die Spanische Grippe als auch COVID-19 zwar schwere Pandemien der Atemwege sind, die erhebliche globale Auswirkungen hatten, sich aber in Bezug auf das spezifische Virus, die betroffenen Bevölkerungsgruppen, die Sterblichkeitsraten und den medizinischen und technologischen Kontext der jeweiligen Epoche unterscheiden.

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