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Seeschlacht am Skagerrak


Die größte Seeschlacht der Geschichte, welche am 31. Mai bis 1. Juni 1916 am Skagerrak stattfand.
Beteiligte Seestreitkräfte, Gliderung und Schiffe, das Gefecht der Schlachtkreuzer und der Schlachtflotten, Nachtgefechte, Verluste und Waffenwirkung.

Seeschlacht am Skagerrak



deutsche Hochseeflotte Schlacht am Skagerrak
Die deutsche Hochseeflotte auf dem Weg in die Nordsee zur Schlacht am Skagerrak.
Aufmarsch der Flotten zum Skagerrak
Karte vom Aufmarsch der Flotten zum Skagerrak.

Nach zwei Jahren der Schattenboxen liefen im Frühjahr 1916 die beiden größten Flotten der Welt aufeinander zu. Wenn sie aufeinander treffen würden, dann könnte es zu einer Seeschlacht kommen, welche es in dieser Form und Umfang noch niemals gegeben hatte.
Der Ort des Aufeinandertreffens war das Skagerrak am 31. Mai 1916. Im Laufe der folgenden zwei Tage gingen 25 Schiffe verloren und fast 9.000 Seeleute auf beiden Seiten fanden den Tod.

Die Seestreitkräfte

Seestreitkräfte:

SchiffeBritenDeutsche
AufklärungsstreiträfteBeattyHipper
Schlachtschiffe40
Schlachtkreuzer65
Kleine Kreuzer145
Zerstörer2730
SchlachtflotteJellicoeScheer
Schlachtschiffe2416
ältere Linienschiffe06
Schlachtkreuzer30
Panzerkreuzer80
Kleine Kreuzer126
Zerstörer5231

Die britischen Schiffe verfügen zusammen über 1.850 Geschütze aller Kaliber, darunter an schwerer Artillerie: 48 × 38,1 cm, 10 × 35,6 cm, 142 × 34,3 cm, 144 × 30,5 cm und 36 × 23,4 cm.
Die deutschen Schiffe verfügen zusammen über 1.194 Geschütze aller Kaliber, darunter an schwerer Artillerie: 144 × 30,5 cm und 100 × 28,0 cm.

Die Gliederung der Flotten:

Britische Grand Fleet:

VerbandBefehlshaberSchiffe
SchlachtflotteAdmiral JellicoeSchlachtschiff Iron Duke (Flaggschiff)
1. SchlachtgeschwaderVize-Admiral Burney7 Schlachtschiffe
2. SchlachtgeschwaderVize-Admiral Jerram8 Schlachtschiffe
4. SchlachtgeschwaderVize-Admiral Sturdee8 Schlachtschiffe
3. SchlachtkreuzergeschwaderKonter-Admiral Hood3 Schlachtkreuzer
1. KreuzergeschwaderKonter-Admiral Arbuthnot4 Panzerkreuzer
2. KreuzergeschwaderKonter-Admiral Heath4 Panzerkreuzer
4. Leichtes KreuzergeschwaderCommodore Le Mesurier6 Leichte Kreuzer
4. Zerstörerflottille19 Zerstörer
11. Zerstörerflottille 1 Leichter Kreuzer, 15 Zerstörer
12. Zerstörerflottille16 Zerstörer
zugeteilte Schiffe 4 Leichte Kreuzer, 1 Zerstörer, 1 Minenleger-Zerstörer
Schlachtkreuzerflotte (Aufklärung)Vize-Admiral BeattySchlachtkreuzer Lion (Flaggschiff)
1. SchlachtkreuzergeschwaderKonter-Admiral Brock3 Schlachtkreuzer
2. SchlachtkreuzergeschwaderKonter-Admiral Pakenham2 Schlachtkreuzer
5. SchlachtgeschwaderKonter-Admiral Evan-Thomas4 Schlachtschiffe
1. Leichtes KreuzergeschwaderCommodore Alexander-Sinclair4 Leichte Kreuzer
2. Leichtes KreuzergeschwaderCommodore Goodenough4 Leichte Kreuzer
3. Leichtes KreuzergeschwaderKonter-Admiral Napier5 Leichte Kreuzer
1. Zerstörerflottille 1 Leichter Kreuzer, 9 Zerstörer
9. Zerstörerflottille4 Zerstörer
10. Zerstörerflottille 4 Zerstörer
13. Zerstörerflottille 1 Leichter Kreuzer, 10 Zerstörer
zugeteilte Schiffe1 Wasserflugzeugträger

Deutsche Hochseeflotte:

VerbandBefehlshaberSchiffe
SchlachtflotteVize-Admiral ScheerSchlachtschiff Friedrich der Grosse (Flaggschiff)
1. SchlachtgeschwaderVize-Admiral Schmidt8 Schlachtschiffe
2. SchlachtgeschwaderKonter-Admiral Mauve6 Linienschiffe
3. SchlachtgeschwaderKonter-Admiral Behncke7 Schlachtschiffe
4. AufklärungsgruppeKommodore Reuter6 Leichte Kreuzer
Torpedoboote31 Zerstörer
Schlachtkreuzer (Aufklärung)Vize-Admiral HipperSchlachtkreuzer Lützow (Flaggschiff)
1. AufklärungsgruppeVize-Admiral Hipper4 Schlachtkreuzer + Flaggschiff Lützow
2. AufklärungsgruppeKonter-Admiral Boedicker 5 Leichte Kreuzer
Torpedoboote30 Zerstörer


Gefecht der Schlachtkreuzer

Die ersten britischen Granaten
Die ersten britischen Granaten schlagen zwischen den deutschen Schiffen der Aufklärungsgruppe ein.

Um 14:20 Uhr am 31. Mai 1916 setzte der britische leichte Kreuzer HMS Galatea das Signal ‘Feind in Sicht’ und läuft mit seiner Flottille in Richtung der deutschen leichten Einheiten, welche ein neutrales Handelsschiff angehalten haben.

Die britischen Schiffe gehörten zu Admiral Beatty, welcher mit 6 Schlachtkreuzern und 4 Schlachtschiffen der Queen-Elizabeth-Klasse zur Unterstützung herankommt.
Aber die deutschen Schiffe besaßen auch kräftige Unterstützung durch Admiral Hippers 5 Schlachtkreuzer. Auch diese laufen auf die Position zu und sichten Beatty um 15:20 Uhr.
Es war ein schöner, wenn auch trüber Frühlingsnachmittag und der Ort war westlich vom Skagerrak. Die größte Seeschlacht und zugleich die umstrittenste der Geschichte begann.

Hipper befand sich tatsächlich auf See, um gesehen zu werden. Seine Aufgabe war es, ein größeres britisches Geschwader – vorzugsweise die Schlachtkreuzer von Beatty – anzulocken und es in die Arme der Masse der deutschen Hochseeflotte zu dessen Vernichtung zu führen. Diese Hauptmasse bestand aus 16 Schlachtschiffen und 6 älteren Linienschiffen unter dem Oberbefehl von Admiral Scheer und stand etwa 80 km weiter südlich. Und falls Beatty – wie erwartet – auf Hipper zulaufen würde, könnte Scheer sich zwischen ih und seinen Stützpunkten in Großbritannien schieben und er stünde unter dem Feuer von zwei Seiten.

Unglücklicherweise jedoch für die deutschen Pläne, konnten die Briten einen Großteil des routinemäßigen deutschen Funkverkehr abhören und entschlüsseln. Daher gab es eine angemessene Warnung vor der bevorstehenden deutschen Unternehmung und alle zur Verfügung stehenden Schiffe – darunter 24 Schlachtschiffe – der Grand Fleet unter Admiral Jellicoe standen 113 km nördlich von Beatty.

Skagerrak-Schlacht 16 Uhr
Dieses Foto wurde um 16 Uhr vom leichten Kreuzer HMS Birmingham aufgenommen und zeigt gut die schlechten Sichtverhältnisse. Beattys Schlachtkreuzer sind auf der rechten und das 5. Schlachtgeschwader links liegt unter Feuer von Hipper.

Jedoch in dem Augenblick, als die Admirale der gegnerischen Schlachtkreuzer-Verbände aufeinander zuliefen, hatte keiner von beiden Kenntnis von der Anwesenheit der gigantischen Konzentration der Seestreitkräfte.

Es war 15:48 Uhr als die Gegner das Feuer aufeinander eröffneten. Der Dunst hatte den Briten nicht die Möglichkeit gegeben, einen Vorteil aus der größeren Reichweite ihrer Geschütze zu ziehen. Hipper manövrierte auf kurze Feuerdistanz und die Schlachtlinien verliefen parallel und mit Kurs in Richtung Süden, wo Scheers Hauptmacht stand.

Indefatigable sinkt
Der britische Schlachtkreuzer ‘Indefatigable’ sinkt, nachdem er von einem Treffer der ‘Von der Tann’ zerissen wurde.

Das deutsche Feuer war schnell und lag präzise und um 16:02 Uhr wurde HMS Indefatigable am Ende der britischen Schlachtlinie gleichzeitig von drei Granaten getroffen. Es gab eine Explosion und das Schiff begann nach achtern wegzukippen. Eine Minute später traf sie eine weitere Salve weiter vorne und sie verschwand in einer riesigen Magazin-Explosion.

Innerhalb weniger Minuten hat sich die langsamere HMS Queen Elizabeth in Reichweite herangekämpft und ihre 381-mm-Geschütze begannen das Ende der deutschen Schlachtlinie zu beschießen.

Queen Mary explodiert
Explosion des britischen Schlachtkreuzers ‘Queen Mary’.

Beatty drängte ungestüm darauf, weiter aufzuschließen und musste um 16:26 Uhr den Preis dafür bezahlen, als HMS Queen Mary von den deutschen Kanonieren eingedeckt wurde. Mehrere Treffer mittschiffs führten wahrscheinlich zu einer Entladung innerhalb des Q-Turms und dem Magazin, was das Schiff in gigantischen Explosionen in zwei Teile brechen ließ.
Das Flaggschiff von Beatty, HMS Lion, war bei Treffern um 16 Uhr nur knapp dem gleichen Schicksal entronnen.

 
 
 

Lion am Skagerrak
‘Lion’ läuft unter Volldampf während der Schlacht am Skagerrak und kurz vor Erhalt des nahezu katastrophalen Treffers auf den ‘ Q’-Turm um 16 Uhr.

Kurz vor dem Ende der Queen Mary hatten beide – Beatty und Hipper – ihren Zerstörern befohlen, Torpedoangriffe auf den jeweils anderen durchzuführen, um den Druck zu verringern. Durch diese neue Bedrohung brach Hipper das Gefecht vorübergehend um 16:36 Uhr durch eine Drehung nach Osten ab. In diesem Moment befand sich der Leichte Kreuzer HMS Southampton unter dem Kommando des energischen Goddenough etwas vor den Schlachtkreuzern von Beatty und sichtete die Führungsschiffe von Scheers Hauptstreitkräfte, welche aus dem Süden herandampften. Hipper hatte seine Aufgabe hervorragend erledigt und Beatty befand sich nun mitten auf der Bühne für den Hauptakt.

Obwohl Beatty durch das Auftauchen dieser Armada überrascht wurde, wartete er nicht darauf, bis er vernichtet werden würde. Er wendete um 16:46 Uhr umgehend auf dem Absatz und lief auf kürzestem Weg zu Jellicoes Position, welche jetzt etwa 80 km im Nordwesten lag. Betty wurde nun der Lockvogel, welcher den ahnungslosen Scheer in die Klauen der Grand Fleet führen würde. Um dies erfolgreich durchzuführen, musste er überleben und sicherstellen, dass Hippers marodierende Schlachtkreuzer Jellicoes Schiffe nicht vorzeitig entdecken.

Gefecht der Schlachtflotten

Beattys zugeordnete Schlachtschiffe waren etwas langsam bei der Ausführung ihrer 16-Punkte-Drehung, aber in achteraus fahrend, deckten sie seinen Rücken und erzielten zwischen 16:50 und 17:30 20 Treffer auf die deutschen Schiffe im Gegensatz zu den 13 erhaltenen. Hipper blieb hartnäckig in Kontakt mit Beatty. Die schlechte Sicht und die hinter den Briten untergehende Sonne bevorzugte diese und so sah sich Hipper schließlich um 17:51 Uhr gezwungen, das Gefecht abzubrechen.


Beim Wegdrehen sah sich Hipper jedoch mit einer Katastrophe konfrontiert, als er direkt in einen neuen Gegner hinauslief. Dieser bestand aus Konteradmiral Hoods 3. Schlachtkreuzergeschwader. Durch ein Ausweichen nach Südwesten und unter Deckung durch Scheers Hauptstreitmacht, welche nach Nordosten lief, konnte er dieser Gefahr erfolgreich entgehen. Dies geschah um 18:10 Uhr und Beatty und Hood gelang es, die Entdeckung von Jellicoes Hauptstreitmacht durch den zwischen ihnen befindlichen und unter schwerem Feuer liegenden Hipper zu verhindern.

Admiral Sir John Jellicoe
Der Kommandant der Grand Fleet Admiral Sir John Jellicoe am Skagerrak.

Nur etwa 19 km entfernt befand sich jetzt SMS König an der Spitze der deutschen Schlachtlinie von HMS Marlborough entfernt, dem am nächsten befindlichen Schlachtschiff von Jellicoe. Diese liefen in sechs parallelen Reihen zu jeweils 4 Schlachtschiffen und mussten unverzüglich in eine Schlachtlinie gebracht werden. Dieses Manöver dauerte etwa 15 Minuten und musste gleich richtig durchgeführt werden. Aber Jellicoe war unentschlossen, da er nicht genügend zuverlässige Informationen über die deutsche Marschrichtung, Geschwindigkeit und Disposition hatte.

In diesem Augenblick um 18:14 Uhr hatte Beatty mit seinen Schlachtkreuzern in der sich immer weiter verengenden Lücke zwischen den beiden Hauptflotten Kontakt und das Schlachtschiff Marlborough sah seine Geschütze aufblitzen. Daraufhin reagierte Jellicoe schnell und bildete eine Schlachtlinie mit seiner Backbord-Reihe von Schlachtschiffen an der Spitze. Diese drehte nach Osten ein mit dem Backbord-Führungsschiff HMS King George V an der Spitze und ihm selbst auf dem Flaggschiff HMS Iron Duke an der neunten Stelle in der Linie.

Invincible getroffen
Hoods Flaggschiff ‘Invincible’ ist getroffen und das Magazin unter dem Q-Turm explodiert.

Mit der Queen Elizabeth als Nachhut präsentierte die Grand Fleet nicht einen Augenblick zu früh eine durchgehende Feuerwand aus Geschützen über eine Länge von 9,6 km. In dem Augenblick, als Queen Elizabeth vom 5. Schlachtgeschwader an ihre vorgesehene Position manövriert war, sichtete sie schon die deutsche Linie in kurzer Entfernung.
Sie zogen dabei schweres Feuer auf sich, bei welchem sich das Ruder von HMS Warspite verklemmte und sie zwei volle Kreise fuhr, bei denen sie 13 großkalibrige Treffer einstecken musste. An der Spitze der britischen Linie tauschten Beatty und Hood wieder Feuer mit dem Gegner aus, als HMS lnvincible getroffen wurde und genauso wie die beiden anderen Schlachtkreuzer zuvor von der Wasseroberfläche verschwand.

Wrack der Invincible
Um 18:55 Uhr wird von ‘Benbow’ dieses Foto gemacht. Die Besatzung glaubt, es handelt sich um ein deutsches Schiff und jubelt, aber es sind die Reste der ‘Invincible’, welche 20 Minuten früher explodiert ist. Nur 3 Überlebende wurden vom Zerstörer ‘Badger’ (rechts) gerettet.

Die britische Linie hatte zwischenzeitlich erfolgreich das ‘feindliche T gekreuzt’ und belegte den Kopf von Scheers Marschsaülen mit einem unerträglichen Feuer. Scheer befand sich dadurch in einer ungünstigen Lage, um das Feuer zu erwidern.

Um 18:33 Uhr setzte er daher alles auf eine Karte und ordnete eine komplette 16-Punkte-Drehung, die sogenannte ‘Gefechtskehrtwendung’ an. Das in Friedenszeiten oft geübte Manöver zahlte sich aus und ging ohne Kollision vonstatten, sodass die deutschen Schiffe aus dem Sichtfeld der britischen Kanoniere verschwanden. Die Schlachtschiffe von Jellicoes Linie schwangen sich in ihren jeweiligen Geschwadern in südöstlicher Richtung und hätte wohl die Deutschen verpasst, welche sich nach Westen bewegten, wenn nicht die Hartnäckigkeit von Goodenoughs Aufklärungskreuzern gewesen wäre.

Gefecht der Schlachtflotten zwischen 18:15-18:35 Uhr.
Das Gefecht der Schlachtflotten zwischen 18:15-18:35 Uhr. Scheer hat sich in die schlecht möglichste Lage manövriert und rettet sich mit der ‘Gefechtskehrtwendung’.

Möglicherweise erkannte Scheer nun nicht seine günstige Lage und drehte überraschend wieder um 16 Punkte und lief geradezu auf die Briten zu, welche nun mit der Dunkelheit im Rücken das Beste aus dieser Gelegenheit machten, und 35 schnelle Treffer praktisch ohne Gegenwehr erzielten.

Seydlitz brennt
Der durch Torpedos und Artilleriefeuer schwer beschädigte Schlachtkreuzer ‘Seydlitz’ brennt.

Hippers Flaggschiff Lützow musste sich mit schweren Schäden zurückziehen, aber Scheer schickte die verbliebenen und bereits ebenfalls schwer beschädigten Schlachtkreuzer zusammen mit einem gleichzeitigen Zerstörer-Angriff, was nahezu einem Selbstmordkommando glich, auf Beatty los. Diese Ablenkung wirkte, und als Jellicoe vor der Gefahr der Torpedos wegdrehte, war Scheer in der Lage eine dritte Volldrehung durchzuführen.

 
 
 

deutsches Linienschiff der Nassau-Klasse
Ein deutsches Linienschiff der Nassau-Klasse des 2. Schlachtgeschwader feuert. Da sie schon älter waren und nicht gleichzeitig alle Geschütze zum Einsatz bringen konnten, befanden sie sich aus Gründen der Vorsicht am Ende der deutschen Schlachtlinie.

Es blieb nur noch ein wenig Tageslicht und alle britischen Schlachtschiffe verloren zwischen 19:35 Uhr und 20:00 Uhr den Kontakt. Die Grand Fleet schlug ganz bewusst einen westlichen Kurs ein. Sonnenuntergang war um 20:19 Uhr und die deutsche Flotte lief in einer ausgefransten Linie in Richtung Süden nach dem Horns-Riff-Kanal und nach Hause.

Die Schlachtkreuzer waren aber immer noch in Kontakt und Beatty begann Ungeduld mit Jellicoes offensichtlichen Mangel an Aktivitäten zu zeigen, eine Entscheidung zu erzwingen und Scheers Rückzugslinie abzuschneiden. Selbst als Hipper Schiffe nur noch undeutliche Silhouetten am Nachthimmel wurden, blieb Beatty hart an ihm dran.

Nachtgefecht

Karte Nachtgefechte Skagerrak
Karte von den Nachtgefechten vom 31. Mai zum 1. Juni

Jellicoe hat keine große Lust auf ein Nachtgefecht, bei dem seine zahlenmäßige Überlegenheit nicht so sehr in das Gewicht fallen würde und für welches die deutschen Besatzungen in jedem Fall besser ausgebildet waren. Als um 20.45 Uhr ein Kreuzer dem britischen Führungsschiff King George V meldete, dass die deutschen Schlachtschiffe nur 8 km voraus wären, wurde der Kontakt nicht weiter verfolgt, da angenommen wurde, es wären wahrscheinlich die Schiffe von Beatty.

Der britische Admiral machte seine Dispositionen für die Nacht in dem Glauben, dass Scheer nicht vor dem Bug seiner Schiffe wird durchschlüpfen können und achteraus würde dies durch die Stationierung einer massierten Zerstörer-Flottille verhindert werden. Das Gefecht könnte dann in der Morgendämmerung wieder aufgenommen werden.

Linienschiff 'Thüringen' im Nachtgefecht
Das Linienschiff ‘Thüringen’ im Nachtgefecht vom 31. Mai zum 1. Juni am Skagerrak.

Scheer spielte jedoch nicht mit und seine Schlachtlinie passierte in Etappen mitten durch die leichten Seestreitkräfte von Jellicoe hindurch. Diese kämpften tapfer und unter großen Opfern, aber vergebens; ohne die Unterstützung durch schwere Schiffe konnten sie den deutschen Durchbruch nicht verhindern.

Ganz erstaunlich ist dabei, dass diese heftigen Gefechte zwar vom Ende der britischen Schlachtlinie aus beobachtet wurden, aber weder griffen die Schlachtschiffe ein, noch informierten sie Jellicoe von dem, was passierte.

Um 1 Uhr morgens am 1. Juni war Scheer durchgebrochen und obwohl er noch bis 2 Uhr von leichten Seestreitkräften angegriffen wurde, konnte die Grand Fleet nun nicht mehr seinen Weg nach Hause blockieren. Um 3 Uhr morgens wendete Iron Duke und die Seeschlacht am Skagerrak war vorüber.


Verluste am Skagerrak

Schäden am Schlachtkreuzer Seydlitz
Schäden, welche die Schlacht am Skagerrak am Schlachtkreuzer ‘Seydlitz’ hinterlassen hat.

Die Briten hatten drei Schlachtkreuzer durch Explosionen verloren, sowie drei Panzerkreuzer und acht Zerstörer gegenüber einem deutschen alten Schlachtschiff (was noch im letzten Moment beim Durchbruch durch die leichten britischen Seestreitkräfte von Torpedos getroffen wurde), dem schließlich manövrierunfähigen, schwer beschädigten und selbst versenkten Schlachtkreuzer Lützow, vier Kreuzern und fünf Zerstörer.
Die Toten unter den Schiffsbesatzungen beliefen sich auf 6.100 Briten und 2.550 Deutsche.

'Sieg am Skagerrak'
Die deutsche Propaganda feiert den ‘Sieg am Skagerrak’. Die Helden sind zusammen mit dem Kaiser abgebildet.
Victory at Jutland
Auch die Briten feiern in gleicher Weise ihren ‘Sieg von Jütland’.

Aber einen Sieg, welchen die Deutschen für sich beanspruchten, war wohl doch etwas übertrieben, da noch niemals eine besiegte Flotte den Sieger in seine Stützpunkte zurückgejagt hatte und strategisch gesehen, die Lage auf See sich nicht verändert hatte.
Allerdings, wenn eine zahlenmäßig deutlich unterlegene Streitmacht dem Gegner wesentlich mehr Verluste zufügt, als sie selbst einbüßt und dabei nicht aufgerieben wird, so ist dies schon ein großer Erfolg. Hinzu kommt, daß das ursprüngliche Ziel des Unternehmens der Hochseeflotte erreicht wurde: nämlich die Vernichtung einer größeren Anzahl britischer Kreuzer oder Schlachtkreuzer.

Wäre das britische Feuer genauer gewesen, so wären mehr deutsche Schiffe schwerer beschädigt worden, aber diese überstanden auch mehr Treffer wegen ihrer besseren Auslegung, da ein größerer Teil ihrer Wasserverdrängung für den Schutz verwendet wurde. Dazu neigten die britischen Granaten schon beim Kontakt zu explodieren und nicht erst nach dem Eindringen.

Schlachtschiff 'Warspite' zu Reparaturen im Trockendock
Das britische Schlachtschiff ‘Warspite’ zu Reparaturen im Trockendock.

Während der Gefechte machten die Deutschen guten Gebrauch von ihren Kenntnissen der britischen taktischen Lagebeurteilungen und deren Folgerungen. Während die britischen leichten Seestreitkräfte ihr Feuer wegen unsicherer Identifizierung zurückhielten, setzten sie die deutschen Schiffe schlagartig mit starken Suchscheinwerfern und gezieltem Feuer außer Gefecht.

Bis zu einem guten Teil täuschte Hipper erfolgreich, wodurch es ihm auch gelang, mehrere schwerer beschädigte Schiffe zu retten. Schlechte britische Führung in dieser Nacht machte dies möglich.

Es wurde gesagt, dass Jellicoe vorsichtig und sich seiner schweren Verantwortung bewusst war und somit ‘eher dafür kämpfte, einen deutschen Sieg zu verhindern, als einen britischen Sieg möglich zu machen.’ Und das bringt es auch in etwa auf den Punkt.

Verluste in der Schlacht am Skagerrak:

VerlusteBritenDeutsche
Tote, Verwundete, Gefangene6.7843.039
Tonnageverluste111.98062.233
VERSENKTE SCHIFFE:
ältere Linienschiffe01
Schlachtkreuzer31
Panzerkreuzer30
Kleine Kreuzer04
Zerstörer, Flottillen-Führer, Torpedoboote85
BESCHÄDIGTE SCHIFFE:
Schlachtschiffe, Linienschiffe412
Schlachtkreuzer35
Kleine Kreuzer35
Zerstörer, Flottillen-Führer, Torpedoboote105

Im Einzelnen wurden versenkt:

Versenkte Schiffe in der Schlacht am Skagerrak:

BritenDeutsche
Schlachtkreuzer Queen MarySchlachtkreuzer Lützow (selbst versenkt)
Schlachtkreuzer IndefatigableLinienschiff Pommern
Schlachtkreuzer InvicibleLeichter Kreuzer Frauenlob
Panzerkreuzer DefenceLeichter Kreuzer Wiesbaden
Panzerkreuzer WarriorLeichter Kreuzer Elbing (selbst versenkt)
Panzerkreuzer Black PrinceLeichter Kreuzer Rostock (selbst versenkt)
Zerstörer TipperaryTorpedoboot V 48
Zerstörer Nestor (selbst versenkt)Torpedoboot S 35
Zerstörer Nomad (selbst versenkt)Torpedoboot V 27
Zerstörer TurbulentTorpedoboot V 4
Zerstörer SparrowhawkTorpedoboot V 29
Zerstörer Shark
Zerstörer Fortune
Zerstörer Ardent

Bilder von drei der versenkten Schiffen:


 

Waffenwirkung in der Schlacht am Skagerrak:

 BritenDeutsche
verfeuerte Granaten4.598 schwere (leichte unbekannt) 3.597 schwere, 9.252 leichte
erzielte Treffer 100 schwere, 42 leichte 120 schwere, 107 leichte
Trefferquote der schweren Geschütze 2,17 % 3,33 %

Kampfkraft in der Schlacht am Skagerrak:

Kräfteverhältnis Briten:Deutsche = 8 : 5
Verluste Briten:Deutsche = 1,8 : 1

Daraus resultierende Kampfkraft Briten:Deutsche = 1 : 2,88

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Jedoch waren die Kugeln eher die einer Pistole als die von einem Gewehr, sodass als Folge davon die Genauigkeit bei Entfernungen über kurze Distanzen nicht zufriedenstellend war. Die Waffe war nur effektiv bis etwa 100 Metern. Es fehlte auch etwas die Wirksamkeit der Geschosse nach einem Treffer. Trotzdem war auch die deutsche Wehrmacht von der Waffe ausreichend überzeugt, dass sie die zahlreichen, erbeuteten Exemplare unter der Bezeichnung ‘Selbstladekarabiner 455a’ in der letzten Phase des Krieges in Europa verwendet. Auch die US Marines im Pazifik übernahmen mehr und mehr den Karabiner M1 auch bei den Kampftruppen, da er mit seinem Gewicht und Abmessungen eine geringere Belastung im Dschungelkrieg darstellte als das Standardgewehr und hier die relativ kurze Reichweite kein allzu großer Nachteil war. Allerdings stellten Marinesoldaten und Soldaten der US-Armee fest, welche in häufige, tägliche Feuergefechte verwickelt waren, dass die Waffe nicht genügend Durchschlags- und Wirkungskraft hatte. Während die Kugeln des Garand-Gewehres leicht die Vorder- und Rückseite von japanischen Stahlhelmen und die auch in der letzten Kriegsphase von den Japanern verwendete Körperpanzerung durchdringen konnten, war dies beim M1 Carbine oft nicht der Fall – sogar manchmal auch nach mehreren Treffern nicht. Trotz der Massenproduktion während des Krieges wurde das M1 danach kaum noch verwendet. Zwar verwendeten viele Polizei-Einheiten es später, aber hauptsächlich wegen des schwachen Geschosses, welches im Polizeieinsatz in den meisten Situationen sicherer war, als schlagkräftigere Patronen. Dafür typisch war die Royal Ulster Constabulary in Nord-Irland, welche den Karabiner M1 gegen die IRA einsetzte. Ein weiteres Problem ist die Verbreitung der .30-Patrone. Während des Krieges wurde die Patronen in millionenfacher Anzahl hergestellt, aber da es danach kaum noch für ein bedeutendes Waffensystem verwendet wurde, gibt es auch kaum Nachschub davon. Varianten M1A1: Wie das M1, aber mit einem Pistolengriff und einer einklappbaren Skelett-Rahmen-Schulterstütze. Diese Ausführung war für die Fallschirmtruppe vorgesehen und wurde von Mai 1942 bis Kriegsende in einer Anzahl von ca. 140.000 Stück gebaut. M2: Version mit vollautomatischen Feuer. Es entsprach dem M1 mit der Ausnahme eines zusätzlichen Auswahlschalters an der linken Seite für den Feuermodus. Standardisiert im September 1944 und ein spezielles 30-Schuss-Magazin wurde dafür entwickelt. Die zyklische Feuerrate war etwa mehr …

  • 3d-Modell frühe P-47 Thunderbolt

    Republic P-47 Thunderbolt, Langstrecken-Begleitjäger und Jagdbomber. Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell. Republic P-47 Thunderbolt Typ: US-Jäger, Begleitjäger und Jagdbomber. Razorback Die Thunderbolt war ein in der Rolle als Begleitjäger für Bomber und als Jagdbomber hervorragend. Es war der größte und schwerste einmotorige Jäger während des 2. Weltkrieges. Ebenfalls war es das letzte eine Reihe von Jagdflugzeugen, welches 1936 mit der Seversky P-35 begann und auch die P-43 Lancer von 1940 einschloss. All diesen Flugzeugen gemeinsam war ihr Chefkonstrukteur, Alexander Kartveli. Mit der Republic P-47 Thunderbolt baute er ein Flugzeug, dass alle Lehren aus seinen zuvor nicht so erfolgreichen Entwicklungen gezogen hatte. Insgesamt wurden 15.634 Thunderbolts von mehreren Versionen gebaut. Die ‘Juggernaut’ (‘Schwerlastkaftwagen’) oder auch Razorback (‘Finnwal’) für die ersten Versionen, wie die Flugzeuge bei ihren Piloten und dem Bodenpersonal hießen, wurden umfangreich von der USAAF und der englischen RAF eingesetzt. Nach dem Beginn der Arbeiten am unglücklichen Projekt der P-43 Lancer begann der Chefkonstrukteur von Republic, Kartveli, im Jahre 1939 mit zwei weiteren Entwürfen von Jagdflugzeugen, welche auf der Lancer basierten. Dies waren die AP-4 und die AP-10. Die AP-4 war eine Modifikation der P-35 und wurde von einem Doppelsternmotor angetrieben, wogegen die AP-10 als leichter Jäger um einen wassergekühlten Allison V-12 Motor herumkonstruiert wurde. Paradoxerweise entstand die massige Thunderbolt aus dem leichten AP-10. Für einen Jagdeinsitzer war die P-47 ein riesiges Flugzeug, mit einem Gewicht von fast 9 Tonnen beim Start. Tatsächlich wurde der AP-10 Entwurf von der USAAC abgelehnt, als dieser am 1. August 1939 vorgelegt wurde. Es wurde gefordert, eine größere und leistungsfähigere Version zu entwickeln. Im November des Jahres unterzeichnete dann das Unternehmen einen Vertrag für zwei Prototypen (die XP-47 und die XP-47 A), welche mit wassergekühlten Allison-Motoren angetrieben werden sollten. Die Wahl des Motors stellte sich aber bald als Fehler heraus. Die ersten Kampferfahrungen des 2. Weltkrieg in Europa hatten gezeigt, das Jagdflugzeuge stark bewaffnet und gepanzert sowie über eine hohe Leistung verfügen mussten. Der Allison-Motor war dazu nicht stark genug und er konnte auch keine zufriedenstellende Leistung in großen Flughöhen erbringen. Kartveli entwickelte daher ein alternatives Projekt mit dem stärksten verfügbaren Motor, dem neuen 2.000 PS starken Pratt&Whitney 18-Zylinder-Doppelsternmotor. Genau genommen entwickelte er eigentlich das Flugzeug um den großen und mit einem komplexen Abgas-Lader versehen Motor außen herum und reichte den Bauplan bei der USAAC im Juni 1940 ein. Diesmal wurde das Projekt, bezeichnet als XP-47B, ohne Vorbehalte akzeptiert. Ein erster Auftrag für 773 Flugzeuge im Wert von 56,5 Millionen US-Dollar wurde noch während der Konstruktion auf dem Reißbrett erteilt. Von diesen wurden 170 als P-47B, 602 als P-47C und eine als XP-47E mit Druckkabine geliefert. Der Prototyp, der XP-47B, ging nach endgültigen Anpassungen am Motor und Kompressor am 6. Mai 1941 erstmals in die Luft. Während der Flugtests zeigte, die Thunderbolt was sie kann: sie erreichte Geschwindigkeiten über 633 km/h und stieg auf 4.500 m in weniger als fünf Minuten. Das Flugzeug erreichte diese Ergebnisse mit einem Startgewicht von 5.500 kg. Im März 1942 kamen die ersten Serienmodelle von den Montagebändern und wurden ein Jahr später, im April 1943, erstmals von der 56. Jäger-Gruppe der 8. US-Luftflotte von England aus zu Kampfeinsätzen über Europa verwendet. Die Republic P-47 Thunderbolts wurden erfolgreich zum Begleitschutz der schweren viermotorigen Bomber der Typen Boeing B-17 Fliegende Festung und B-24 Liberator eingesetzt. Die Produktion begann erst mit der P-47D Thunderbolt richtig anzulaufen, welche zur zahlreichsten gebauten Variante wurde. Die P-47 D Motor gab mehr Leistung in großer Höhe und diese Version konnte auch eine schwerere Bombenlast tragen. Diese Thunderbolts wurden in mehreren Produktionschargen und mit einer Vielzahl von Unterbezeichnungen gebaut. Beginnend mit dem P-47D-25 wurde eine Modifikation eingearbeitet, welche für die P-51 Mustang eingeführt worden war: ein transparentes Glashauben-Cockpit, durch das der Pilot einen 360-Grad-Sichtbereich hatte. Animation 3d-Modell frühe Razorback-Version Republic P-47 Thunderbolt   Die Thunderbolt geht in den Einsatz Neben einigen im Rahmen von Lend-Lease überlassenen britischen Spitfire V war die P-38 Lightning im ersten Kriegsjahr das einzige verfügbare amerikanische Jagdflugzeug, welches eine ausreichende Leistung zum Einsatz über Nordwest-Europa hatte. Die Zahl der Spitfire war jedoch begrenzt und die meisten verfügbaren Lightnings wurden im Pazifik oder Nordafrika benötigt. Der einzige weitere geeignete amerikanische Jägertyp war die Thunderbolt. Die ersten der neuen Flugzeuge litten aber noch unter verschiedenen Kinderkrankheiten, sodass sie nicht vor Anfang 1943 in größeren Zahlen verfügbar waren. Die ersten Thunderbolts der Achten US Air Force wurden im Dezember 1942 nach Großbritannien verschifft. Diese P-47C wurden zur Neuausrüstung einer Gruppe verwendet, deren Piloten zwar in Amerika auf P-47B ausgebildet worden waren, dann aber mit P-38 Lightning nach Europa geschickt wurden. Zu allem Überfluss mussten sie in England angekommen ihre Flugzeuge als Ersatz nach Nordafrika abgeben. Auch die amerikanischen Piloten, welche bisher ihre geliebten Spitfire flogen, waren wenig begeistert, diese gegen die schweren Thunderbolts auszutauschen. So dauerte es bis zum 8. April 1943, als 24 P-47C ihren ersten, wenn auch ereignislosen Einsatz, zum Pas de Calais flogen. In den nächsten Tagen stieg die Zahl der Thunderbolts an, aber bei den Einsätzen gab es keinen Feindkontakt mit Jägern der deutschen Luftwaffe, dafür aber zahlreiche Motorenprobleme. Am 15. April 1943 trafen dann 60 Thunderbolts auf deutsche Jäger und drei Fw 190 konnten abgeschossen werden, allerdings bei ebenso hohen amerikanischen Verlusten. Die anhaltenden Probleme mit dem Pratt&Whitney R-2800 Motor zwangen anschließend zu einer Reduzierung der Kampfeinsätze und erst am 4. Mai begleiteten P-47 Jäger wieder B-17 Fliegende Festungen bei einem Angriff auf Antwerpen. Zwischen August und Dezember 1943 wurden dann sechs weitere amerikanische Jagdgruppen in England mit der P-47 Thunderbolt für den Langstrecken-Begleitschutz der schweren Bomber aufgestellt. Zusätzlich wurden zwei Gruppen mit P-38 Lightning auf die Thunderbolt bis Ende des Jahres umgerüstet. So gab es gegenüber Ende 1942, wo es nur eine amerikanische Spitfire-Gruppe in England gab, neun Gruppen mit P-47 und zwei mit P-38, um die B-17 und B-24 Bomber zu schützen. Die Wirkung der P-47 Thunderbolt wurde nun spürbar und die 56. Fighter Group wurde am 5. November 1943 die erste Gruppe der 8. US Air Force in England, welche einhundert Feindflugzeuge zerstört hatte. mehr …

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