Nürnberg (Film, 2025)

Filmkritik „Nürnberg (2025)“: Eine Auseinandersetzung mit Gerechtigkeit und dem Bösen.

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Nürnberg (2025)

„Nürnberg“ bringt einen der bedeutendsten Prozesse der Geschichte zurück auf die Leinwand, allerdings aus einem Blickwinkel, den du vielleicht nicht erwartest. Der Film aus dem Jahr 2025 konzentriert sich auf den psychologischen Kampf zwischen Hermann Göring, Hitlers rechter Hand, und dem amerikanischen Psychiater Jack Kelley während der berüchtigten Kriegsverbrecherprozesse.

Russell Crowe, Rami Malek und Michael Shannon liefern Darstellungen, die dieses historische Drama wirklich glaubwürdig machen.

Der Film untersucht, wie bösartige Führer selbst diejenigen verführen, die eigentlich menschliches Verhalten verstehen sollten. Regisseur James Vanderbilt webt eine Geschichte, die sich auch noch heute relevant anfühlt, auch wenn sie sich an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hält.

Er beleuchtet die Entstehung des Völkerrechts und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, jedoch durch spannende persönliche Interaktionen.

Du bekommst ein Gerichtsdrama, das Fragen nach Verantwortung, Moral und der Art und Weise aufwirft, wie charismatische Menschen sich mit Worten aus schrecklichen Taten herausreden können. Der Film versucht, historische Bildung mit einer Erzählweise in Einklang zu bringen, die sich nicht wie ein Vortrag anfühlt.

Mit einer Laufzeit von zwei Stunden und zwanzig Minuten lässt er die persönlichen Dynamiken wirklich atmen und überstürzt die größeren Fragen zur Strafverfolgung von Kriegsverbrechern nicht.

Filmkritik Nuremberg (2025): Produktionsübersicht

Nürnberg ist ein Psychothriller und Historienfilm aus dem Jahr 2025 unter der Regie von James Vanderbilt. Er taucht ein in die psychologischen Spielchen zwischen Nazi-Führern und ihren amerikanischen Verhörern während der Kriegsverbrecherprozesse.

Rami Malek spielt den Psychiater Douglas Kelley, und Russell Crowe schlüpft in die Rolle von Hermann Göring. Gemeinsam rücken sie ein weniger bekanntes Kapitel der Nachkriegsgeschichte ins Rampenlicht.

Zusammenfassung und Schauplatz

Der Film beginnt am 7. Mai 1945. Hermann Göring ergibt sich in Österreich den US-Streitkräften, seine Familie im Schlepptau.

Der Militärpsychiater Douglas Kelley erhält den Auftrag, 22 Nazi-Führer in alliierter Haft zu begutachten, wobei Göring ganz oben auf der Liste steht.

Kelley arbeitet im Gefängnis von Nürnberg, unterstützt von dem Dolmetscher Sergeant Howard Triest. Während er Material für ein mögliches Buch sammelt, entwickelt sich zwischen ihm und Göring eine seltsame Beziehung.

Während das Internationale Militärtribunal den Gefangenen eine lange Liste von Verbrechen vorwirft, verstrickt sich Kelley in Görings psychologische Fallen.

Die Geschichte spielt mitten in den historischen Nürnberger Prozessen. Der Richter Robert H. Jackson leitet die Anklage.

Der Film beleuchtet die Spannung zwischen Pflicht und persönlicher Besessenheit, während Kelley versucht, in die Gedankenwelt derjenigen einzudringen, die für die Gräueltaten der Nazis verantwortlich sind.

Historischer Hintergrund der Nürnberger Prozesse

Die Nürnberger Prozesse waren das erste Mal, dass ein internationales Tribunal Kriegsverbrechen in einem solchen Ausmaß verfolgte. Jackson setzte sich vehement für diesen juristischen Präzedenzfall ein, obwohl die USA zunächst zu Schnellgerichten neigten.

Die Prozesse fanden von 1945 bis 1946 statt und legten den Grundstein für das moderne internationale Strafrecht.

Zweiundzwanzig hochrangige Nazis standen vor Gericht. Die Verfahren fanden in Nürnberg statt, einer Stadt voller Nazi-Symbolik.

Der britische Anwalt David Maxwell Fyfe unterstützte Jackson bei der Anklage. Fyfe spielte eine wichtige Rolle dabei, die Verteidigungsstrategien der Nazis zu durchbrechen.

Die Prozesse brachten mithilfe von Dokumentaraufnahmen erschreckende Beweise für den Holocaust ans Licht. Dies zwang sowohl die Angeklagten als auch die Welt, sich der Wahrheit über die Konzentrationslager zu stellen.

Vorlage und Adaption

James Vanderbilt adaptierte das Drehbuch nach Jack El-Hais Buch The Nazi and the Psychiatrist aus dem Jahr 2013. Das Buch zeichnet die reale Beziehung zwischen Douglas Kelley und Hermann Göring in der Zeit vor dem Prozess nach.

El-Hais Recherchen zeigen, wie Kelley fast schon besessen von Görings Persönlichkeit war, überzeugt davon, dass er durch Interviews den Code des Nazi-Bösen knacken könnte.

Vanderbilt verwandelt dies in einen Psychothriller, der sich mit dem Bösen und der Mitschuld auseinandersetzt. Der Film scheut sich nicht, Kelleys späteren Zusammenbruch und sein tragisches Ende zu zeigen.

Er beging 1958 Selbstmord mit Zyanid – auf dieselbe Weise, wie Göring 1946 der Hinrichtung entging.

Hauptfiguren und Darsteller

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Nürnberg (2025)

Im Mittelpunkt des Films steht der psychologische Kampf zwischen einem amerikanischen Psychiater und einem Nazi-Kriegsverbrecher. Das juristische Team wird von der Besetzung tatkräftig unterstützt, auch wenn nicht jede Figur die gleiche Aufmerksamkeit erhält.

Douglas Kelley und seine Rolle

Rami Malek schlüpft in die Rolle des US-Oberstleutnants Douglas Kelley. Er hat die Aufgabe herauszufinden, ob die Nazi-Häftlinge geistig verhandlungsfähig sind.

Doch Kelley kann nicht anders – er will das Böse auf einer tieferen Ebene verstehen.

Malek bringt eine Art rastlose Energie in die Rolle ein. Sein Kelley wird immer tiefer in die Gedankenwelt der Nazi-Häftlinge hineingezogen und verliert dabei fast seine ursprüngliche Mission aus den Augen.

Seine Beziehung zu Göring entwickelt sich, wie der Film zeigt, zu einer beunruhigenden intellektuellen Verbindung.

Hermann Göring: Darstellung und Wirkung

Russell Crowe verschmilzt förmlich mit Hermann Göring, Hitlers Stellvertreter. Er erscheint genau wie man ihn sich vorstellt: mit nach hinten geglätteten Haaren und einem deutschen Akzent, der vor Arroganz nur so trieft.

Der Film verschweigt Görings Drogenabhängigkeit nicht – er schluckt täglich 40 Opiat-Tabletten, und Crowe lässt das in die Figur einfließen.

Crowes Darstellung sticht hervor. Er spielt Göring als unheimlich gelassen, selbst als er sich wegen unvorstellbarer Verbrechen vor Gericht verantworten muss.

Göring gibt zunächst vor, kein Englisch zu sprechen, und Crowe hat für diese Szenen sogar etwas Deutsch gelernt.

Göring lügt, dass er nichts über Konzentrationslager wüsste, und bleibt Hitler treu, selbst nachdem er Holocaust-Filmmaterial gesehen hat.

Crowe lässt das Publikum nie zu nah heran und hält immer einen Teil von Görings Beweggründen verborgen.

Ankläger und Nebendarsteller

Michael Shannon spielt den Obersten Richter Robert H. Jackson, den leitenden Ankläger. Shannon bringt seine gewohnte Intensität mit und zeigt den Druck, die Truman-Regierung davon zu überzeugen, die Prozesse abzuhalten.

Seine Figur gerät beim Kreuzverhör ins Straucheln und lässt Göring falsche Geschichten über die jüdische Auswanderung erzählen.

Richard E. Grant tritt als David Maxwell Fyfe, der britische Ankläger, auf. Fyfe übernimmt die Befragung nach Jacksons Fehlern.

Er bringt Göring schließlich zum Einbrechen, indem er ihn fragt, ob er Hitler auch nach dem Ansehen der Lagerbilder noch die Treue schwören würde.

John Slattery und Leo Woodall runden die Nebendarsteller ab. Vor allem Woodall bringt eine jüngere Perspektive in den militärischen Teil der Geschichte ein.

Weibliche Figuren und ihre Bedeutung

Wrenn Schmidt, Lydia Peckham und Lotte Verbeek spielen die weiblichen Figuren des Films. Ihre Rollen sind eine Anspielung auf die Frauen, die damals anwesend waren, doch die Geschichte konzentriert sich weiterhin auf das von Männern dominierte juristische und psychologische Drama.

Diese Figuren bekommen nicht viel Bildschirmzeit, was zum Fokus des Films auf Kelley und Göring passt.

Zentrale Themen und Konzepte

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Nürnberg (2025)

Der Film beleuchtet, wie das Böse durch psychologische Manipulation und Machtstrukturen wirkt. Er fragt, ob Monster geboren oder gemacht werden, und lässt niemanden so einfach vom Haken.

Die Natur und Psychologie des Bösen

Im Mittelpunkt des Films steht Görings Beziehung zum Psychiater Jack Kelley. Kelley kommt nach Nürnberg in der Hoffnung, den Holocaust und andere Gräueltaten auf eine gemeinsame psychiatrische Störung zurückzuführen.

Er glaubt, er könne das Böse wie ein Wissenschaftler „sezieren“, doch die Dinge werden komplizierter.

Göring wirkt witzig, klug und sogar sympathisch. Er scherzt und charmiert sich durch die Interviews und manipuliert jeden – einschließlich des Mannes, der ihn eigentlich analysieren soll.

Russell Crowe spielt Göring fast wie einen ganz normalen Menschen, was seine gewalttätige Seite umso erschreckender macht.

Der Film legt nahe, dass das Böse nicht immer mit einer roten Fahne winkt. Manchmal sieht es normal aus, vielleicht sogar freundlich, und genau das ist das Beängstigende daran.

Die Banalität des Bösen

Der Film untersucht, wie ganz normale Menschen Teil eines Völkermords wurden – nicht nur Comic-Bösewichte.

Göring und die anderen haben Familien und Hobbys, und in vielen Szenen wirken sie ganz normal.

Das knüpft an Hannah Arendts berühmte Idee von der „Banalität des Bösen“ an. Der Film zeigt, wie ein Staat Menschen durch kleine Schritte langsam entmenschlichen kann.

Es beginnt mit Propaganda, dann kommen Gesetze, dann sozialer Druck – und ehe man sich versieht, wird das Undenkbare zur Routine.

Die Nazis haben die Vernichtungslager nicht über Nacht errichtet.
Die Bürger machten nach und nach mit, und als jemandem klar wurde, wie schlimm es war, war es schon zu spät.

Eine Figur sagt sogar: „Es ist hier passiert“, weil die Menschen es zuließen und zu lange warteten, um sich zu wehren.

Moralische Zweideutigkeit und Verantwortung

Der Film serviert dir keine einfache Gut-gegen-Böse-Geschichte. Kelley selbst steht moralisch nicht immer auf festem Boden.

Er will Geschichte schreiben und vielleicht sogar einen Bestseller aus dieser Erfahrung machen, nicht nur der Gerechtigkeit dienen.

Kelley bricht seine ärztliche Schweigepflicht, als die Staatsanwälte nach Görings Geheimnissen fragen. Er leitet Briefe zwischen Göring und seiner Familie weiter und überschreitet dabei Grenzen, von denen er weiß, dass er sie nicht überschreiten sollte.

Göring erkennt diese Schwäche und nutzt sie aus, indem er Kelley schmeichelt und ihm vorgaukelt, er sei etwas Besonderes, während Göring in Wirklichkeit nur die Situation manipuliert.

Der Film weicht auch schwierigen Fragen zu den Handlungen der Alliierten nicht aus. Göring weist darauf hin, dass Amerika Atombomben abgeworfen und Städte flächendeckend bombardiert hat.

Der Film entschuldigt die Nazi-Verbrechen nicht, indem er diese Dinge erwähnt. Er zeigt nur, wie Führer Whataboutism nutzen, um die Grenzen zu verwischen und Verantwortung zu vermeiden.

Wissenschaft gegen Gerechtigkeit

Das Hin und Her zwischen psychiatrischer Begutachtung und strafrechtlicher Verfolgung treibt die Geschichte voran. Kelleys wissenschaftliche Mission kollidiert immer wieder mit der Notwendigkeit, Nazis vor Gericht zur Rechenschaft zu ziehen.

Sollte ein Psychiater seine Befunde vertraulich behandeln, selbst wenn der „Patient“ einen Völkermord angezettelt hat?

Das internationale Tribunal in Nürnberg musste spontan neue juristische Konzepte entwickeln.

„Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ war zuvor noch nicht einmal ein offizieller Rechtsbegriff. Die Vorstellung, dass Nationen an das Völkerrecht gebunden sein könnten, ohne Verträge unterzeichnet zu haben, war ziemlich radikal.

Einige Führer der Alliierten wollten den Prozess überspringen und die Nazi-Führer einfach hinrichten. Doch ein Prozess bot ihnen dank Radio und Medien eine Plattform, um ihre Ideologie zu verbreiten.

Dennoch waren die Architekten von Nürnberg der Meinung, dass es das Risiko wert sei, einen rechtlichen Präzedenzfall zu schaffen.

Dramatische Struktur und Erzählweise

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Nürnberg (2025)

Der Film baut auf zwei gegensätzlichen Ebenen auf: den formellen Gerichtsszenen und dem psychologischen Kräftemessen zwischen Entführer und Gefangener.

Diese Auseinandersetzung sorgt für Spannung, auch wenn das Gleichgewicht zwischen den beiden manchmal etwas unausgewogen wirkt.

Elemente eines Gerichtssaal-Dramas

Die Prozesssequenzen nehmen tatsächlich weniger Raum ein, als man nach all der Vorarbeit erwarten würde. James Vanderbilt nutzt die Nürnberger Verfahren als Kulisse, nicht als Hauptgeschehen.

Im Gerichtssaal legt Robert H. Jackson Beweise vor und befragt die Angeklagten im Kreuzverhör, doch diese Szenen wirken etwas gehetzt. Der Film widmet mehr Zeit den rechtlichen und ethischen Debatten rund um die Entstehung des Prozesses.

Die Figuren diskutieren, ob man die Nazi-Führer sofort hinrichten oder einen internationalen Rechtspräzedenzfall schaffen soll. Diese Gespräche beschäftigen sich mit Themen wie „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und der Frage, ob Nationen Verträge unterzeichnen müssen, um zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Die Zeugenaussagen und Kreuzverhöre finden nur kurze Beachtung. David Maxwell Fyfe, der britische Anwalt, taucht in einigen Schlüsselszenen auf, doch die meisten der 22 Angeklagten – mit Ausnahme von Hermann Göring – treten in den Hintergrund.

Das hält die Geschichte straff, bedeutet aber, dass das Gerichtsdrama nicht so stark wirkt, wie es könnte.

Psychologische Interaktionen

Das eigentliche Herzstück des Films sind Douglas Kelleys Gespräche mit Hermann Göring im Gefängnis. Diese Szenen sind wie verbale Schachpartien – Göring gibt sich kooperativ, ist aber immer mehrere Züge voraus.

Kelley glaubt, durch Empathie in Görings Kopf vorzudringen, doch Göring lässt ihn nie wirklich an sich heran. Görings Gerissenheit zeigt sich in kleinen Momenten, etwa wenn er vorgibt, kein Englisch zu verstehen, bevor er eine hinterhältige Bemerkung fallen lässt.

Er weicht Schuldvorwürfen aus, indem er auf Kriegsverbrechen der Alliierten verweist, wie die Atombombenabwürfe und die Flächenbombardements deutscher Städte. Dieses Hin und Her zeigt, wie jemand mit Charisma moralische Argumente zu seinem Vorteil verdrehen kann.

Kelleys ethische Grundsätze geraten ins Wanken, als er vertrauliche Details der Sitzungen an die Staatsanwaltschaft weitergibt und sogar Briefe zwischen Göring und seiner Familie überbringt. Er will das „Böse sezieren“ – natürlich für die Wissenschaft, aber auch für sein eigenes Ego – und das trübt sein Urteilsvermögen von Anfang an.

Ton und Tempo

Vanderbilt baut etwas schwarzen Humor in die Geschichte ein, ohne dabei die Grenze zu überschreiten. Schon früh mustert Göring Kelley wie ein Metzger, der sein Vieh begutachtet – spannend, aber auch ein bisschen absurd.

Dieser Ansatz hilft dabei, die schwereren Themen leichter zu verdauen. Mit zwei Stunden und zwanzig Minuten zieht sich die Laufzeit etwas in die Länge.

Manche Figuren werden nur kurz skizziert, während andere detailliert ausgearbeitet sind. Der Film verbringt viel Zeit mit der Einleitung und den Charakteren, eilt dann aber durch den eigentlichen Prozess.

Historische Genauigkeit und filmischer Ansatz

Regisseur James Vanderbilt stützt den Film auf echte Prozessprotokolle und Recherchen und wählt mit klarer Perspektive aus, was gezeigt wird. Er stützt sich auf Douglas Kelleys „22 Cells in Nuremberg“ und Jack El-Hais „The Nazi and the Psychiatrist“, um die Beziehungen und Ereignisse rund um die Prozesse zu rekonstruieren.

Darstellung historischer Figuren

Der Film stellt tatsächliche Gespräche zwischen dem Militärpsychiater Douglas Kelley und Hermann Göring nach – laut Historikern haben diese wirklich stattgefunden. Kelley kam Göring und seiner Familie tatsächlich nahe und überbrachte sogar Briefe an Görings Frau.

Vanderbilt verwendet echte Gerichtsprotokolle für die Dialoge im Gerichtssaal. Das Kreuzverhör zwischen dem Richter am Obersten Gerichtshof Robert H. Jackson und Göring verlief ähnlich wie hier dargestellt – Jackson hatte Schwierigkeiten, und dann schaltete sich der britische Ankläger David Maxwell-Fyfe ein, um Göring zu dem Wissen der Nazi-Führung über den Holocaust zu befragen.

Dieser Moment markierte einen Wendepunkt im Prozess, direkt aus der Geschichte übernommen. Russell Crowe spielt Göring als clever, nicht nur als böse. Der Film untersucht, wie Kelley versuchte herauszufinden, was die Nazi-Kriegsverbrecher zu ihren Taten trieb, indem er alle 22 Angeklagte befragte.

Einbindung von Archivaufnahmen

Die Prozessszene verwendet etwa sechs Minuten aus John Fords ursprünglichem 52-minütigem Film, der für die Nürnberger Prozesse gedreht wurde. Dieses Filmmaterial schockierte die Welt, da es zum ersten Mal Leichen und Überlebende aus den Lagern zeigte.

Vanderbilt projizierte das echte Filmmaterial am Set, damit die Schauspieler spontan reagieren konnten. Er wies die Darsteller ausdrücklich an, es sich vorher nicht anzusehen.

Das unverfälschte Filmmaterial aus den Konzentrationslagern gehört nach wie vor zu den erdrückendsten Beweisen gegen die Nazi-Führung. Es ist auch heute noch schwer anzusehen.

Darstellung der Konzentrationslager

Der Film versucht nicht, die Lager mit neuem Filmmaterial nachzustellen. Stattdessen hält er sich an die tatsächlichen dokumentarischen Beweise, die bei den Prozessen von 1945–46 gezeigt wurden.

Dadurch bleibt der Fokus darauf, wie alle im Gerichtssaal – Richter, Angeklagte, Zeugen – auf die unbestreitbaren Beweise reagierten. Der Film zeigt, wie diese Beweise den Verlauf des Prozesses veränderten und die Nazi-Führer zwangen, sich dem zu stellen, was unter ihrer Aufsicht wirklich geschah.

Görings Geschichte von den „Arbeitslagern“ bricht zusammen, als er mit Maxwell Fyfes Befragung und den grausamen Bildern auf dem Film konfrontiert wird.

Regie, Produktion und kreative Vision

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Nürnberg (2025)

James Vanderbilt führt mit ruhiger Hand Regie und konzentriert sich auf die psychologische Spannung zwischen Göring und Kelley. Er macht den Film für ein breites Publikum zugänglich.

Die Bildsprache des Films unterstützt die Charakterstudie – sorgfältige Bildkomposition, stimmungsvolles Produktionsdesign und ein Gefühl der Intimität in den Gefängnisszenen.

James Vanderbilts Regieperspektive

Vanderbilt, der „Zodiac“ geschrieben hat, trifft bewusste Entscheidungen, um das Gewicht der Geschichte mit der Einbindung des Publikums in Einklang zu bringen. Er nutzt sarkastischen Humor, um die Dunkelheit zu durchbrechen, macht sich aber niemals über die realen Ereignisse lustig.

Das ist ein Ansatz, der dem ähnelt, was Spielberg oder Kubrick in ihren historischen Dramen tun würden. Anstatt zu versuchen, jedes Detail der Prozesse abzudecken, konzentriert sich Vanderbilt ganz auf die Dynamik zwischen Psychiater und Patient.

Dieser enge Fokus ermöglicht es ihm, tiefer in die Themen Manipulation und moralischer Verfall einzutauchen. Er schmuggelt pointierte Beobachtungen über Verantwortlichkeit und das Böse ein und nutzt den historischen Rahmen als eine Art Trojanisches Pferd für moderne Ideen.

Die Geschichte hebt die persönlichen Risiken und ethischen Kompromisse hervor, die auf dem Spiel stehen. Das Drehbuch zieht stille Parallelen zu den Gräueltaten von heute und gibt den Zuschauern Raum, ihre eigenen Verbindungen herzustellen.

Bildsprache, Musik und Kamera

Die Produktion trifft den Zeitgeist von 1945 perfekt, mit sorgfältigen Nachbildungen des Nürnberger Gefängnisses und des Gerichtssaals. Die Bildsprache verstärkt die Beklemmung in Kelleys Gesprächen mit Göring – viele Nahaufnahmen, viel Spannung.

Die Kameraführung fängt sowohl die grandiose Dimension des Prozesses als auch die kleinen, bedeutungsschweren Momente zwischen den Hauptfiguren ein. Die Lichtgestaltung verstärkt die moralische Ambivalenz, wobei Schatten und beengte Räume Kelleys ethischen Niedergang widerspiegeln.

Der Film bleibt über seine gesamte Laufzeit hinweg visuell interessant und wechselt zwischen Kameraführung im Gerichtssaal und privaten Begegnungen hin und her.

Kulturelles Erbe und zeitgenössische Relevanz

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Originalfoto von Hermann Göring aus dem Jahr 1946 während der Nürnberger Prozesse.

Der Film zieht klare Parallelen zwischen dem Aufstieg der Nazis zur Macht und heutigen politischen Bewegungen. Er zeigt, wie die Nürnberger Prozesse internationale Rechtssysteme geprägt haben, die noch immer mit neuen Herausforderungen zu kämpfen haben.

Moderne Parallelen und Warnungen

Der Film rückt die beunruhigenden Ähnlichkeiten zwischen dem Deutschland der 1930er Jahre und der modernen Politik ganz in den Vordergrund. Russell Crowes Göring sagt: „hat uns wieder das Gefühl gegeben, Deutsche zu sein“, und man kann das Echo heutiger nationalistischer Parolen nicht überhören.

Regisseur James Vanderbilt verweist auf Douglas Kelleys Buch von 1947, in dem gewarnt wurde: „Es gibt heute in Amerika kaum etwas, das die Errichtung eines naziähnlichen Staates verhindern könnte.“ Der Film kommt mehr als einmal auf diese Warnung zurück.

Kelleys psychiatrische Aufzeichnungen zeigten, dass die Nazi-Psychologie nichts war, was nur in Deutschland vorkam – sie konnte überall Fuß fassen, wenn die Bedingungen stimmten. Der Film legt nahe, dass diese Warnungen immer noch unangenehm aktuell sind.

Er erinnert daran, dass faschistische Ideen in jeder Gesellschaft wachsen können, nicht nur im Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg.

Auswirkungen auf das Völkerrecht und die Menschenrechte

Die Nürnberger Prozesse setzten neue Maßstäbe für die Verfolgung von Kriegsverbrechen und Völkermord nach Völkerrecht. Der Film zeigt, wie die Ankläger einen Fall zusammenstellten, um die Nazi-Führung für den Holocaust und andere Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen.

Vanderbilt verschweigt nicht, dass das Nürnberger System neue Gräueltaten nicht verhindert hat – er spricht sogar Gaza an. Der Film macht deutlich, dass die Schaffung von Gerichten und Gesetzen nur dann von Bedeutung ist, wenn ein echter politischer Wille besteht, diese auch durchzusetzen.

Häufig gestellte Fragen

Der Film beleuchtet die Nürnberger Prozesse aus der Perspektive des Psychiaters Jack Kelley und seiner komplexen Beziehung zu Hermann Göring. Hier sind einige häufig gestellte Fragen zur Genauigkeit, den schauspielerischen Leistungen, dem Tempo und dazu, ob es sich lohnt, den Film im Kino anzuschauen.

Worum geht es in dem Film hauptsächlich und basiert er auf wahren Begebenheiten?

Im Mittelpunkt des Films steht die Beziehung zwischen dem amerikanischen Psychiater Jack Kelley und Hermann Göring, dem obersten Nazi-Funktionär bei den Nürnberger Prozessen. Kelley wurde nach Deutschland geschickt, um die inhaftierten Nazi-Führer zu begutachten und festzustellen, ob sie verhandlungsfähig waren.

Er basiert auf Jack El-Hais Sachbuch „The Nazi and the Psychiatrist“.
Kelley versucht herauszufinden, ob die Nazi-Führer eine gemeinsame psychische Störung haben, die sie dazu veranlasst hat, Massengräuel zu begehen.

Die Geschichte folgt auch den Bemühungen des Obersten Bundesrichters Robert H. Jackson, die Truman-Regierung davon zu überzeugen, formelle Prozesse abzuhalten, anstatt die Nazi-Führer einfach hinzurichten. Dies schuf die Voraussetzungen dafür, dass „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ Teil des Völkerrechts wurden.

Wer sind die Hauptdarsteller und wie überzeugend sind ihre Darstellungen?

Russell Crowe spielt Hermann Göring und, ehrlich gesagt, Kritiker sagen, es sei eine seiner besten Darstellungen. Er bringt eine ganz normale Ausstrahlung mit, die Görings Gewalt umso beunruhigender macht, wenn sie zum Vorschein kommt.

Rami Malek spielt Jack Kelley und liefert hier vielleicht seine beste Leistung in einem Spielfilm ab. Er vermittelt Kelleys inneren Konflikt mit subtilen Reaktionen und glänzt besonders in seinen Szenen mit Crowe.

Michael Shannon spielt Richter Robert H. Jackson mit einer bodenständigen, vertrauten Ausstrahlung. Richard E. Grant ist der britische Anwalt David Maxwell Fife, und John Slattery übernimmt die Rolle des Nürnberger Kommandanten Burton C. Andrus.

Wie geht der Film mit seinen historischen Themen und moralischen Fragen um?

Der Film beleuchtet, wie charmante, aber brutale Männer durch die Manipulation anderer – sogar ausgebildeter Psychiater – an die Macht gelangen. Göring schmeichelt Kelley und lässt ihn glauben, er erhalte echte Geheimnisse, doch Göring behält stets die Kontrolle.

Vanderbilt nutzt sarkastischen Humor, um die Stimmung aufzulockern, ohne dabei respektlos zu sein. Der Film thematisiert Kriegsverbrechen, Menschenrechte und wie Staaten ganze Gruppen entmenschlichen können, was zu Diktatur und Völkermord führt.

Er thematisiert sogar Kriegsverbrechen der Alliierten, wie die Bombardierung deutscher Städte. Das Ganze fungiert als eine Art rhetorisches Mittel, das durch eine historische Linse Beobachtungen über die Übel der heutigen Zeit einfließen lässt.

Ist das Tempo durchgehend fesselnd oder wirkt es stellenweise langsam?

Mit einer Laufzeit von zwei Stunden und zwanzig Minuten kann der Film nicht alles abdecken, was er anspricht. Der eigentliche Prozess wirkt kurz, nachdem der Fokus so lange auf der Beziehung zwischen Kelley und Göring lag.

Die meisten anderen Nazi-Angeklagten, darunter Rudolf Hess, bekommen kaum Bildschirmzeit oder Charakterentwicklung. Dennoch hält das psychologische Katz-und-Maus-Spiel zwischen Kelley und Göring die Handlung am Laufen und sorgt für die stärksten Momente des Films.

Was sind die herausragenden Elemente bei Regie, Kamera und Produktionsdesign?

Vanderbilt bringt seine „Zodiac“-Sensibilität in das Drama ein. Er schafft einen Ausgleich zwischen geradliniger Erzählweise und scharfsinnigen Beobachtungen über Macht und Verantwortlichkeit.

Der Film stellt das Nürnberger Gefängnis und den Gerichtssaal detailgetreu nach. Das Produktionsdesign schafft die deutsche Nachkriegsatmosphäre, ohne zu sehr in den Vordergrund zu treten.

Er folgt dem Stil klassischer Oscar-Kandidaten – lehrreich, inspirierend, aber dennoch unterhaltsam. Der Ansatz bleibt unprätentiös und konzentriert sich eher auf Zugänglichkeit als auf Arthouse-Komplexität.

Wann kann ich den Film im deutschen Kino sehen?

Der Film bietet ein solides Kinoerlebnis für alle, die historische Dramen mit modernem Touch mögen. Crowe und Malek liefern beide starke Darstellungen ab, die auf der großen Leinwand richtig zur Geltung kommen.

Wenn du ernsthafte Mainstream-Historienfilme magst, wirst du wahrscheinlich mehr davon haben, ihn im Kino zu sehen. Diese Gerichtsszenen und spannungsgeladenen Momente der Figuren auf einer riesigen Leinwand zu sehen, fühlt sich einfach anders an – ehrlicherweise viel eindringlicher.

In den deutschsprachigen Kinos startet der Film erst sechs Monate nach dem US-Kinostart, am 7. Mai 2026.

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Nürnberg
Nürnberg (2025)

 

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