Das Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs im Jahr 1865.

Amerikanischer Bürgerkrieg im Jahr 1865

Der Krieg zur See im letzten Kriegsjahr 1864/65

Das versiegende Kriegsglück der Konföderierten spiegelte sich auch im Seekrieg wider.
Die CSS Hunley, die ‚U-Boot-Geheimwaffe‘ der Südstaatler, war erfolgreich bei der Versenkung der USS Housatonic vor dem Hafen von Charleston am 17. Februar 1864, sank jedoch bei der Explosion zusammen mit ihrem Opfer.
Der konföderierte Handelszerstörer Alabama, welcher eine bemerkenswerte Reise der Verwüstung unter US-Schiffen hingelegt hatte, wurde vor dem französischen Cherbourg am 19. Juni 1864 von der USS Kearsage angegriffen und versenkt.

Am 5. August 1864 führte US-Admiral Farragut seine Flotte unter schwerem konföderierten Feuer in die Bucht von Moblie, womit praktisch keine Blockadebrecher mehr in irgendeinem Hafen am Golf von Mexiko einlaufen konnten.
Die CSS Tennessee versuchte heroisch, es mit der gesamten US-Flotte im Kampf aufzunehmen, wurde aber in Stücke geschossen.
Am 27. Oktober 1864 wurde das mächtige konföderierte Panzerschiff Albemarle, welches so viele Küstenoperationen der Union vereitelt hatte, durch einen speziell konstruierten Torpedo bei Plymouth in North Carolina versenkt.
Nachdem die Albemarle ausgeschaltet war, griffen die Unionsstreitkräfte den letzten möglichen Hafen für Blockadebrecher an, Wilmington in North Carolina.
Vom 23. bis 25. Dezember 1864 führten Admiral Porter und General Butler einen kombinierten See-Land-Angriff auf Fort Fisher durch, welches den Wilmington-Hafen schützte.
Nach einer possenhaften amphibischen Landung zog sich Butler zurück, sehr zu Porters Abscheu. Grant löste daraufhin Butler von den Armeetruppen der Expedition ab und ersetzte ihn durch General Terry.
Zusammen griffen Porter und Terry vom 13. bis 15. Januar 1865 erneut an. Nach einem verlustreichen Sturmangriff gegen erbitterten konföderierten Widerstand, kapitulierte Fort Fisher. Damit war der letzte Hafen der Konföderation geschlossen und es konnte kein Nachschub mehr über See ankommen. Die Konföderation war damit dem Untergang geweiht.
Der Carolina-Feldzug

Viel zu spät erkannte Präsident Davis die wahren Fähigkeiten Lees und ernannte ihn nun zum Oberbefehlshaber aller konföderierten Streitkräfte – rund achtzehn Monate nachdem dies notwendig gewesen wäre, um die Konföderation zu retten.
Lee setzte Johnston sofort wieder ein und übertrug ihm das Kommando über die verbliebenen konföderierten Streitkräfte in den Carolinas.
Von Savannah aus marschierend, besetzte und verbrannte (womöglich unabsichtlich) Sherman Columbia in South Carolina am 17. Februar 1865.
Am 22. Februar eroberte die amphibische Expedition der Union den letzten freien Hafen der Konföderation, Wilmington (siehe vorhergehender Abschnitt).
Johnston hoffte, die kollabierende Konföderation zu stützen, indem er Shermans Armee stückweise zerschlug. Am 19. März überraschte und zerfetzte er Shermans linken Flügel bei Bentoville, aber nachdem die Masse der weit überlegenen Unions-Armee am nächsten Tag eingetroffen war, musste sich Johnston zurückziehen und erlitt schlussendlich doppelt so viele Verluste, wie er den Yankees zufügen konnte.
Sherman, der 700 Kilometer seit Savannah vormarschiert war, wurde durch die Truppen der Wilmington-Expedition verstärkt und konnte nun auch über See versorgt werden. So rastete er drei Wochen, bevor die verschlammten Straßen wieder trocken war, um sich anschließend mit Grant vor Petersburg zu treffen.
Selma-Feldzug

General Wilsons 13.500 Mann starkes Unions-Kavallerie-Korps wurde von General Thomas nach Alabama abkommandiert, um das wichtige konföderierte Versorgungsdepot bei Selma zu erobern.
Wilson drängte Forrests 3.000 konföderierte Reiter beiseite und erreichte Ende März die Festungsanlagen von Selma. Er stürmte die Verteidigungsstellungen und die lokale Miliz war am 2. April besiegt.
Wilson zerstörte die Vorräte, Munitionslager und Gießereien, überschritt die Grenze von Alabama nach Georgia und fegte durch das Land. Die Schlinge zog sich jetzt rasch enger um den Hals der Konföderation.
Belagerung von Petersburg

Lee hielt mit 60.000 hungrigen, schlecht ausgerüsteten Männern immer noch die 60 Kilometer langen Stellungen der Petersburg-Richmond-Verteidigungslinie. Die Moral seiner zahlenmäßig unterlegenen Armee war immer noch hoch, wie sie bei der Abwehr eines weiteren Unionsangriffs bei Hatchers Run vom 5. bis 7. Februar 1865 bewiesen.
Doch war die Lage innerhalb der Verteidigungslinie so kritisch, dass Lee beschloss, die Hauptstadt aufzugeben und mit seiner Armee von Nordvirginia auszubrechen, um sich mit Johnstons Truppen in North Carolina zu vereinigen und dann vielleicht Shermans und Grants Unionsarmeen einzeln zu schlagen.
Am 25. März sendete Lee fast die Hälfte seiner beweglichen Kräfte zu einem Angriff auf Fort Stedman, in einem Versuch Grants Belagerungsring aufzubrechen und einen Weg für seinen Ausbruch zu öffnen.
Das Fort wurde zwar genommen, aber ein sofortiger Gegenangriff eroberte nicht nur das Fort zurück, sondern nahm auch mehrere konföderierte Stellungen dahinter ein.
Lee verlor dabei 4.000 Mann, Grant nur die Hälfte. Die konföderierte Lage wurde nun noch unhaltbarer, als Sheridan mit seiner Kavallerie vom Shenandoah-Feldzug zurückkehrte und die Unionsstärke auf 122.000 Mann brachte.

Am 29. März griff Grant den rechten Flügel der Konföderierten an. Lee brillierte wieder einmal in einem Gegenangriff, welcher die Unionstruppen wieder zum Dinwiddie Court House und zur White Oak Road zurückwarf.
Aber am 1. April schlug Sheridan auf die konföderierten Schanzen bei Five Forks ein und die südliche Linie der Konföderierten brach in Panik zusammen, wodurch der komplette rechte Flügel der Armee von Nordvirginia entblößt wurde.
Am 2. April befahl Grant einen Generalangriff, als Sherman bereits hinter Petersburg anrückte. Drei Kolonnen schlugen sich durch die konföderierten Linien. General Hill wurde bei dem vergeblichen Versuch, Truppen für einen Gegenangriff zu sammeln, getötet.
Petersburg selbst, das durch Truppen von Longstreets Korps verstärkt wurde, konnte irgendwie bis zur Dunkelheit durchhalten. Lee befahl anschließend die Evakuierung des Petersburg-Richmond-Verteidigungsbereichs.
Appomattox-Feldzug

Lee versuchte, sich mit Johnstons Streitkräften südlich von Danville zu treffen, wo Präsident Davis eine provisorische Hauptstadt eingerichtet hatte.
Auf dem ganzen Weg bedrängt, musste eine ganzes konföderiertes Korps nach der Schlacht von Saylers Creek am 6./7. April 1865 kapitulieren, wodurch Lee kaum noch 30.000 zerlumpte, halbverhungerte Truppen hatte.
Lees letzter Versuch war ein Angriff auf die Vorhut der Unionsarmee bei Appomattox am 9. April. Als die restlichen Unionstruppen aufkamen, erkannte die Lee die Hoffnungslosigkeit seiner Lage und bat um einen Waffenstillstand.
Grant akzeptierte die Kapitulation der Armee von Nordvirginia (noch 28.356 Mann stark) im Appomattox Courthouse um 15:45 Uhr am 9. April 1865.
In allen Belangen war damit der Amerikanische Bürgerkrieg entschieden.

Abraham Lincoln wurde 1864 zum US-Präsidenten wiedergewählt, hauptsächlich wegen der militärischen Erfolge von Grant und Sherman. Er erkannte, dass der Krieg auf seine Entscheidung zusteuerte und plante die Wiederherstellung der Union, mit den Worten seiner zweiten Antrittsrede: ‚Mit Böswilligkeit gegen niemanden, mit Nächstenliebe gegen alle‘.
Unter Lincoln hätte die Union mit einem Minimum an Verbitterung wiederhergestellt werden können. Tragisch für die Nation war jedoch die Ermordung Lincolns durch John Wilkes Booth, einem fanatischen Südstaatler, als dieser ihm in Fords Theater in Washington am 16. April eine Kugel in den Kopf schoß.
Der Präsident starb am nächsten Tag. Booth und seine Komplizen wurden gejagt, wobei dieser durch eine Kugel starb und die anderen gehängt wurden.
Die letzten Akte der Konföderation waren bald ausgespielt. Johnston kapitulierte gegenüber Sherman am 26. April und General Taylor kapitulierte mit seinen restlichen Truppen östlich des Mississippi am 4. Mai.
Am 10. Mai wurde Präsident Davis durch Wilsons Kavallerie bei Irwinsville in Georgia gefangen.
Das letzte bewaffnete konföderierte Kontingent unter Waffen unter General Kirby Smith westlich des Mississippi, kapitulierte am 26. Mai 1865.
Am 29. Mai erließ Lincolns Nachfolger als Präsident, Andrew Johnson, die Amnestieproklamation, die den Bürgerkrieg offiziell beendete.
Jedoch gab es noch ein konföderiertes Kommando auf See, das immer noch kämpfte: die USS Shenandoah, ein in Großbritannien gebauter Handelszerstörer unter Commander J.I. Waddel, welcher von dem Untergang der Südstaaten nichts mitbekommen hatte.
Das Schiff machte immer noch die Seegebiete vom Kap der Guten Hoffnung bis nach Australien unsicher, lief anschließend in das Beringmeer, wo es praktisch die gesamte US-Walfang-Flotte vernichtete. Dort versenkte es 27 Schiffe und nahm fünf als Prisen.
Erst nachdem Waddel von einem britischen Schiff vor Kalifornien vom Kriegsende erfahren hatte, segelte er nach England und übergab sein Schiff in Liverpool am 9. November 1865. Der letzte Akt des tragischen Bürgerkriegs war somit vorüber.
Ohne Lincoln hielt der bittere Beigeschmack des Bruderkrieges noch für Generationen in den Vereinigten Staaten an.
Verluste

Keine noch so unpersönliche Zahl kann auch nur ein Hundertstel der Kosten des Bürgerkriegs in Form von menschlichem Elend und Leid wiedergeben, aber die folgenden Annäherungen unterstreichen die Ungeheuerlichkeit der Tragödie, die Amerika in den Jahren 1861-65 heimsuchte:
Parameter |
U.S.A. |
C.S.A. |
|---|---|---|
Gefallene |
67.058 |
über 94.000 |
An Verwundungen gestorben |
43.012 |
(in Gefallene) |
In Gefangenenlagern gestorben |
30.156 |
30.152 |
An Krankheiten gestorben |
224.586 |
über 70.000 |
Getötet durch Unfälle |
24.872 |
(nicht gesondert vermerkt) |
Im Kampf verwundet |
über 300.000 |
über 235.000 |
Zerstörung von Eigentum: Im Wert von rund 100 Millionen Dollar (nach den Preisen von 1861-65), hauptsächlich im Süden.
Höchste prozentuale Verluste von Einheiten in einer Schlacht:
– 1. Texas-Regiment bei Antietam: 82,3%
– 1. Minnesota-Regiment bei Gettysburg: 82,0%
– 21. Georgia-Regiment bei Bull Run: 76,0%
– 141. Pennsylvania-Regiment bei Gettysburg: 75,7%
– 101. New York-Regiment bei Bull Run: 73,8%
– 26. North Carolina-Regiment bei Gettysburg: 71,7 %
– 25. Massachusetts-Regiment bei Cold Harbor: 70,0 %
– 6. Mississippi-Regiment bei Shiloh: 70,0%
In einem Krieg, welcher hauptsächlich in höchst unangemessener Weise die Gefechtstaktiken aus den Napoleonischen Kriegen mit neuen gezogenen Mine-Gewehrmusketen und Artillerie, Torpedos, Landminen und Luftaufklärung durch Ballons kombinierte, konnten nur schwere Verluste erwartet werden.
Aber selbst unter diesen Bedingungen waren die Verluste schwindelerregend.
Garnetts Virginia-Brigade begann den ‚Picketts charge‘ bei Gettysburg mit einer Personalstärke von 1.427 Mann. Nur 486 davon erreichten wieder die konföderierten Linien.
Bei Berücksichtigung der Gesamtzahl der eingesetzten Soldaten beider Seiten wurde etwa ein Mann von fünf getötet und ein weiterer verwundet.
Abraham Lincoln schrieb das Folgende an eine Mrs. Bixby:
Liebe Madame – ich habe soeben in den Akten des Kriegsministeriums eine Erklärung des Generaladjutanten von Massachusetts nachgelesen, nachdem Sie die Mutter von fünf Söhnen sind, die auf dem Schlachtfeld gefallen sind.
Ich fühle, wie schwach und fruchtlos alle meine Worte sein müssen, die versuchen sollten, Sie von der Trauer eines so überwältigenden Verlustes abzulenken. Aber ich kann es nicht unterlassen, Ihnen den Trost zu spenden, den Sie im Dank der Republik finden können, für deren Rettung sie gestorben sind.
Ich bete, dass unser himmlischer Vater die Qualen Ihres Verlustes lindern möge und Ihnen nur die geschätzte Erinnerung an die geliebten und verlorenen Menschen und den feierlichen Stolz, den Sie haben solltet, ein so kostspieliges Opfer auf den Altar der Freiheit gelegt zu haben.
Es war das Opfer einer Nation.
Quellenangaben und Literatur
Der US-Bürgerkrieg 1861-1865, Soldaten, Waffen, Ausrüstung (Jan Boger)
Uniforms of the American Civil War (Philip Haythornthwaite)
dtv-Atlas Weltgeschichte (Band 2 – Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart)
Atlas zur Seefahrts-Geschichte (Christopher Loyd)
Seemacht – eine Seekriegsgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart (Elmar B. Potter, Admiral Chester W.Nimitz)
A Battlefield Atlas of the Civil War (Craig L. Symonds)







Weitere interessante Beiträge: