Die Ereignisse des Amerikanischen Bürgerkriegs im Jahr 1864.

Amerikanischer Bürgerkrieg im Jahr 1864

Krieg im Osten
Lincoln erkannte, dass er endlich den Führer gefunden hatte, den er so lange gesucht hatte, und sagte zu Grant: ‚Die Einzelheiten des Plans kenne ich nicht und will sie auch nicht kennen … Ich möchte Ihnen keine Zwänge oder Beschränkungen auferlegen.‘
Durch das Verbot, weitere Gefangenenaustausche vorzunehmen, verursachte Grant der konföderierten Personalsituation einen heftigen Schlag.
Das Jahr 1864 begann jedoch mit zwei Erfolgen der Konföderierten: Ein Vorstoß der Union in Florida wurde in der Schlacht von Olustee (20. Februar) zurückgeschlagen, und ein Überfall auf Richmond durch Union-General Kilpatrick mit 4.500 Kavalleristen endete in einer Katastrophe.
Grant plante, die persönliche Führung von Meades Potomac-Armee zu übernehmen und die administrativen Aufgaben seines Oberbefehlshabers-Postens Halleck in Washington zu überlassen.
Seine Absicht war es, Lee von Richmond abzuschneiden, indem er seine eigene Verbindungslinie über die Häfen Virginias mithilfe der US-Marine sicherstellte. Zwei kleinere Unions-Streitkräfte, so hoffte er, würden Verstärkungen für Lee unmöglich machen.
Sobald Grant sich mit seiner Potomac-Armee in Bewegung setzte, stellte sich Lee ihm in der 200 Quadratkilometer großen ‚Wilderness‘, einem fast undurchdringlichen Gewirr aus Gestrüpp und Dickicht, in den Weg.
Am 5. Mai waren die Kämpfe ein wirres, unkontrollierbares Durcheinander kleiner Einheiten, und am 6. Mai griff Grant in voller Stärke an und traf auf heftige konföderierte Gegenangriffe.
Den dritten Tag verbrachten beide Armeen mit Versuchen, die durch die Kämpfe ausgebrochenen Waldbrände zu löschen und die Verwundeten aus den Flammen zu retten.

Grant bewegte sich nun um Lees rechte Flanke herum und die sporadischen Kämpfe vom 8. bis 12. Mai gaben Lee die Gelegenheit, seine Linien in ein gigantisches ‚V‘ umzuwandeln, wobei der Scheitelpunkt nach Norden zeigte und den Namen ‚Bloody Angle‘ (‚Blutiger Winkel‘) erhielt.
Währenddessen ritt die Unions-Kavallerie unter Sheridan in Richtung Richmond. Sheridans 10.000 Reiter trafen am 1. Mai bei Yellow Tavern auf die 4.500 Mann der konföderierten Kavallerie von ‚Jeb‘ Stuart. Zahlenmäßig stark unterlegen, wurde Stuart getötet und seine Truppe zerschlagen, was ein schwerer Schlag für den Süden war.

Lee schlug einen Angriff auf seine Stellung bei Spotsylvania am 12. Mai zurück, woraufhin Grant abzog und erneut versuchte, ihn zu überflügeln. Lee jedoch, in einem brillianten Verteidigungsmanöver, stellte sich Grant bei North Anna am 23. Mai und Haws Shop am 28. Mai, was die Unionstruppen zu einem Frontalangriff auf die verschanzten Stellungen der Konföderierten bei Cold Harbor zwang. Nachdem er in weniger als einer Stunde 7.000 Mann verloren hatte, zog sich Grant zurück. Es war der blutigste Sturmangriff des gesamten Krieges, sogar blutiger als ‚Picketts Charge‘ bei Gettysburg im Vorjahr.
In dieser Zeit vom 3. bis 12. Juni hatte Grant 13.000 Mann verloren, während Lee nur 3.000 Mann verloren hatte.
Die beiden kleineren Unionsstreitkräfte unter den Generalen Butler und Sigel, welche im Zusammenhang mit Grant operierten, wurden ebenfalls in den Schlachten von Drewrys Bluff und New Market am 15. Mai geschlagen.
Unerschütterlich, schickte Grant die Kavallerie unter Sheridan auf ein Ablenkungsangriff, welcher am 11./12. Juni bei Trevilian Station abgewehrt wurde. Grant gelang es dabei schließlich doch, Lee hereinzulegen, als er sich an ihm vorbeischlich und den James River auf einer Ponton-Brücke überquerte und Butler zum Angriff auf Petersburg losschickte. Butler versagte jedoch miserabel und als Grant eintraf, um den Angriff wiederaufzunehmen, war Petersburg durch Lees Armee besetzt und konnte der Belagerung standhalten.
Der Shenandoah-Feldzug
Im Juli konnten General Earlys Konföderierte beinahe eine große Erschütterung des Kriegsablaufs verursachen, als sie mit einer Invasion von Maryland begannen und eine Unions-Streitmacht am 9. Juli am Monocacy River in die Flucht trieben und Washington bedrohten.
Die Besetzung der Hauptstadt wurde in letzter Minute durch Verstärkungen, welche Grant schickte, verhindert und Early wurde in den Außenbezirken gestoppt.

Early zog sich zurück, stürmte dann wieder vorwärts und zerstörte die Unions-Armee von West Virginia bei Kernstown und Winchester am 24./25. Juli 1864.
Grant setzte nun Sheridan als Befehlshaber der Verteidigung von Washington ein, mit dem Befehl, die Sicherheit der Hauptstadt zu gewährleisten, indem er Virginia verwüstet, ’sodass Krähen, die darüber fliegen … ihren eigen Proviant mit sich tragen müssen.‘
Nachdem er seine Aufgabe – trotz Überfälle konföderierter Guerillas – erfüllt hatte, verließ Sheridan seine Armee bei Cedar Creek, kurz bevor Early über sie am 19. Oktober herfiel. Das VIII. Unionskorps geriet in Panik und konnte erst zwei Tage später wieder gesammelt werden.
Jedoch kehrte Sherdian sofort zurück, formierte den Rest seiner Armee, führte einen Gegenangriff und schlug die Konföderierten zurück. Dieser Unionssieg beendete den wesentlichen Widerstand des Südens im Shenandoah-Tal, obwohl Early nicht vollständig bis zur Schlacht von Waynesboro im März 1865 besiegt worden war.
Erste Phase der Belagerung von Petersburg

Petersburg und die konföderierte Hauptstadt Richmond bildeten ein großes Verteidigungsgebilde. Die Einnahme der einen oder der anderen Stadt würde der letzte Sargnagel für die Konföderation sein.
Grant begann daher mit einer langsamen Umzingelung der Gegend um Petersburg und Richmond, um Lee von seinem Nachschub aus dem Süden abzuschneiden.
Am 22. und 23. Juni 1864 wurde ein Sondierungsangriff der Union zurückgeschlagen. Am 30. Juli 1864 gipfelte dies in einer Minensprengung der Union mit vier Tonnen Schießpulver unter dem Verteidigungssystem von Petersburg. Burnside ließ sein IX. Korps in die Lücke stürmen, aber in einer tragischen Wiederholung der Katastrophe von Fredericksburg, blieben seine Truppen im Krater stehen und wurden von den Rändern aus von den Konföderierten in Stücke geschossen.
Ein weiterer Rückschlag folgte für Grant sechs Tage später , als er vom 14. bis 20. August einen anderen Verteidigungsabschnitt bei Deep Bottom Run angriff, ohne auch die konföderierten Stellungen nur etwas eindrücken zu können und weitere 2.900 Mann Verluste erlitt.
Vom 18. bis 21. August 1864 durchtrennte Grant jedoch die konföderierte Versorgungslinie der Weldon-Eisenbahn in der Schlacht bei Globe Tavern, trotz furchtbarer Verluste bei den beteiligten Unionstruppen.
Ein Versuch der Konföderierten, die Eisenbahnverbindung wiederherzustellen, wurde bei Reams Station drei Tage später zurückgeschlagen.
Am 29./30. September wurde Fort Harrison im Verteidigungsabschnitt von Richmond zusammen mit Chaffins Bluff genommen und der Belagerungsring wurde am 30. September wieder enger, als Peebles Farm von der Union erobert wurde.
Als der Winter hereinzog, versuchte Grant die letzte Eisenbahnverbindung, die Southside Railroad, zu kappen, aber wurde am 27./28. Oktober geschlagen. Beide Seiten bezogen nun Winterquartiere, wobei die Konföderierten eine unbequeme und hungrige Zeit erlebten.

Der Krieg im Westen 1864
Die ersten Operationen im Westen im Jahr 1864 erfolgten noch durch Befehle von Halleck, bevor Grant zum Oberbefehlshaber ernannt wurde.
Die Red-River-Expedition, eine aus einer gemischten Streitmacht aus Armee und Marine und mit Flusskanonenbooten durchgeführten Invasion von Texas, war ursprünglich geplant worden, um jegliche französische Einmischung durch deren Besatzungsarmee in Mexiko zugunsten der Konföderation auszuschließen.
Jedoch geriet Unionsgeneral Banks bei Sabine Cross Roads am 8. April in einen Hinterhalt, kämpfte ein Nachhutgefecht bei Pleasant Hill am 9. April und entkam, aber die Expedition war ruiniert.
Die Operationen der Konföderierten westlich des Mississippi endeten, als eine konföderierte Streitmacht unter General Price in Missouri einfiel. Trotz der Erfolge bei Lexington am 10. Oktober und Independence am 22. Oktober wurde Price am 23. Oktober in der Schlacht von Westport besiegt und nach Arkansas zurückgedrängt.
Im nördlichen Mississippi hatte General Forrests Handvoll konföderierter Soldaten einen erheblichen Erfolg gegen eine wesentlich stärkere Unionsstreitmacht. In der Schlacht vom Oklona am 22. Februar schlugen sie eine zwei- bis dreimal so starke Unionsstreitmacht und jagten sie in die Flucht.
Forrest stürmte dann weiter nach Kentucky, eroberte Fort Pillow am 12. April, wo angeblich einige seiner Männer schwarze Unionssoldaten nach deren Kapitulation massakrierten.

Am 10. Juni rieb Forrest eine weitaus stärkere Unionsstreitmacht bei Brices Cross Roads auf, aber bei Tupelo am 14./15. Juli erlitt er seinen ersten Rückschlag.
Im August jedoch konnte Forrest Memphis überfallen, während der Unionsbefehlshaber General Washburn nur noch im Nachthemd entkommen konnte. Forrest bemächtigte sich der Kleidung des unglücklichen Mannes und ritt derart ausstaffiert davon.
Seine ungestraften Überfälle führten auch zur Eroberung von sechs Schiffen der Union auf dem Tennessee River, bevor ihm im November 1864 befohlen wurde, sich Hood anzuschließen.
Der Feldzug gegen Atlanta
Johnston formierte sich dann auf dem Kenesaw Mountain (Berg) und der umliegenden Umgebung. Sherman, mit dem Ziel die wichtige Stadt Atlanta zu nehmen, versuchte es am 27. Juni mit einem Frontalangriff, welcher unter schweren Verlusten zurückgeworfen wurde. Anschließend umging er den linken Flügel von Johnston und zwang ihn zum Rückzug, um Atlanta zu schützen.
Als Johnstons linker Flügel ein weiteres Mal von Sherman umgangen wurde, traf eine undankbare und engstirnige konföderierte Regierung die Entscheidung, Johnston von seinem Kommando zu entbinden. Gegen deutlich überlegene Streitkräfte, hatte Johnston bisher unter geringen Verlusten Shermans Vormarsch immerhin auf ein bis zwei Kilometer je Tag begrenzt, was ein bemerkenswerter Erfolg für den konföderierten General war.
Sein Nachfolger, der impulsive General Hood, griff die Unionstruppen sofort am 20. Juli bei Peachtree Creek an. Die Konföderierten wurden zurückgeschlagen und in die Verteidigungsanlagen von Atlanta selbst gezwungen.
Der ungestüme Hood startete Gegenangriffe aus den Verteidigungsanlagen heraus, in den Schlachten von Atlanta und Ezra Church (22. bzw. 28. Juli) büßte er etwa 12.300 konföderierte Truppen gegenüber nur 4.354 der Union ein.
Shermans Kavallerie, die hinter Atlanta operierte, gelang es nicht, die konföderierten Eisenbahnverbindungen zu unterbrechen, sodass Sherman seine gesamte Streitmacht auf die Eisenbahnlinien südlich der Stadt marschieren ließ. Ein konföderierter Gegenangriff bei Jonesbor am 31. August scheiterte, und Hood war gezwungen, Atlanta noch in derselben Nacht zu evakuieren.
Shermans Marsch zum Meer

Als Hood zurückschlug, indem er versuchte, Shermans eigene Verbindungslinie zu kappen, entwickelte dieser einen einzigartigen Plan, um seinen Gegner zu überlisten: Er gab seine Verbindungslinie freiwillig auf, anstatt wertvolle Truppen zu ihrem Schutz einzusetzen, und marschierte mit 68.000 Mann ostwärts Richtung Savannah und zur Küste, wobei er sich aus dem Land versorgte.
Er schlug rücksichtslos eine etwa achtzig Kilometer breite, verwüstete Schneise durch das Land bis zum knapp 500 Kilometer entfernten Meer. Dabei zerstörte Sherman die kriegswichtige landwirtschaftliche Produktion des mittleren Georgia durch seine Taktik der ‚verbrannten Erde‘.
Nach seiner Ankunft im Dezember vor Savannah, erstürmte Sherman am 13. Dezember Fort McAllister und stellte seine Versorgungslinien wieder her, indem er sich mit den Seestreitkräften der Union vor der Küste vereinigte und die Konföderierten am 21. Dezember 1864 zwang, die Stadt aufzugeben.
Der Franklin-Nashville-Feldzug
Dagegen stand die Unionsarmee ‚Army of the Cumberland‘ von General Thomas, welche von Sherman vor dem Marsch durch Georgia abkommandiert worden war.
Hood stieß – wie immer – ungestüm vor, bis er eine verschanzte Stellung der Union bei Franklin erreichte. Hood führte seine Armee sofort und ohne jedes taktisches Gespür in den Angriff und wurde mit katastrophalen Verlusten zurückgeschlagen. 6.300 seiner 38.000 Mann gingen so am 30. November 1864 verloren.
Franklin war nur ein Verzögerungsgefecht, welches Thomas Zeit gab, seine Truppen zu reorganisieren, neu auszurüsten und auch neue Rekruten in der Garnison bei Nashville auszubilden.
Hood kam am 2. Dezember vor der Stadt an. Seine rund 30.000 Mann konnte die Stellungen von den 54.000 Mann der Union vor Nashville unmöglich angreifen und er hatte noch nicht einmal genügend Truppen, um die Stadt richtig zu belagern.
Schließlich wurde er am 15. Dezember von Thomas angegriffen. Ohne die Kavallerie von Forrest, welche er törichterweise für einen Überfall fortgeschickt hatte, war Hood chancenlos gegenüber der großen zahlenmäßigen Überlegenheit von Thomas. Beim Versuch, den Kampf am nächsten Tag fortzusetzen, wurde Hoods gesamte Armee zerschlagen. Zwar waren nur 5.300 Mann davon effektive Verluste, aber die anderen waren nur noch ein fliehender Haufen.
Dies war der am entscheidendsten taktische Sieg im ganzen Krieg, und der unsägliche Hood, der schließlich am 23. Januar 1865 vom Kommando der Armee, welche er ruiniert hatte, abgelöst wurde, zahlte den Preis für seine unangemessene Taktik.

Quellenangaben und Literatur
Der US-Bürgerkrieg 1861-1865, Soldaten, Waffen, Ausrüstung (Jan Boger)
Uniforms of the American Civil War (Philip Haythornthwaite)
dtv-Atlas Weltgeschichte (Band 2 – Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart)
Atlas zur Seefahrts-Geschichte (Christopher Loyd)
Seemacht – eine Seekriegsgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart (Elmar B. Potter, Admiral Chester W.Nimitz)










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