Vorbereitungen 1940



Vorbereitungen 1940

Vorbereitungen 1940

Weitere interessante Beiträge:
Im Blickpunkt:
  • Freiwillige der britischen Home Guard

    Britische Armee und Home Guard in Westeuropa und im Mittelmeer-Raum im Jahr 1940. Organisation, Divisionen, Ausrüstung und Home-Guard-Uniformen. Die kanadische Armee in Großbritannien und die Empire-Verbände im Nahen Osten. In den ersten sechs Monaten des 2. Weltkrieges gab es wenig Kampfhandlungen an der Westfront, mit Ausnahme einer kleinen und halbherzigen französischen Offensive in der Saar-Region. Das britische Expeditionskorps BEF führte Übungen durch, verstärkte seine Stellungen und legte Depots und Vorratslager an. Von November 1939 an befand sich, in Absprache mit den Franzosen, immer eine der englischen Divisionen für einen kurzen Zeitraum an der Saar-Front und unter französischem Kommando, um Einsatzerfahrung zu sammeln. Die britische Armee 1940 Ende April 1940 hatte das BEF eine Stärke von 394.165 Mann in 10 Divisionen. Als dann der Krieg am 10. Mai 1940 ernsthaft begann, war das relativ kleine englische Kontingent nicht in der Lage, den schnellen deutschen Vorstoß aufzuhalten. Innerhalb von zwei Wochen wurde das BEF an die Kanalküste zurückgeworfen und das Unternehmen ‘Dynamo’, die Evakuierung aus Dünkirchen, begann. Vor allem durch den Widerstand der französischen Streitkräfte, welche den deutschen Vormarsch verzögerte, und des umstrittenen Halte-Befehls Hitlers, die deutschen Panzer außerhalb Dünkirchens zurückzuhalten, konnten 224.320 englische (einschließlich 15.350 Verwundete) und 141.842 alliierte Soldaten evakuiert werden. Obwohl Dünkirchen der letzte Akt einer großen englischen Niederlage war, stellte das Entkommen von über 350.000 alliierten Soldaten einen großen Erfolg dar und war ein wichtiger Impuls für die auf ihren Tiefpunkt angekommene britische Kampfmoral. 3.457 Mitglieder des BEF sind während des Westfeldzug gefallen und wenn auch die englische Rolle in den Kämpfen nur untergeordnet war, so waren doch viele deutsche Soldaten von dem disziplinierten Auftreten der britischen Truppen beeindruckt. Home Guard (Heimwehr) Die deutschen Luftlandeeinsätze in Holland und Belgien zur Besetzung wichtiger Positionen hinter der eigentlichen feindlichen Hauptverteidigungslinie richtete die Aufmerksamkeit auf die Möglichkeit, dass diese Form des Angriffes auch gegen England selbst eingesetzt werden könnte. Als Vorsichtsmaßnahme rief der Kriegs-Staatssekretär Anthony Eden am 14. Mai 1940 über Rundfunk alle einsatzfähigen Männer im Alter von 16 bis 65 Jahren dazu auf, sich bei einer Militärorganisation, welche als ‘Local Defence Volunteers’ (abgekürzt LDV und das britische Äquivalent zum späteren deutschen Volkssturm) benannt wurde, zu melden. Bis zum 20. Mai hatten sich fast 250.000 Freiwillige in die Listen eingetragen und bis zum Ende des Monats hatte ihre Zahl 300.000 erreicht. Diese Streitmacht wurde zusammen mit den Territorial-Streitkräften organisiert und kam unter die Einsatzkontrolle des Oberbefehlshabers der britischen Heimatstreitkräfte. Am 31. Juli 1940 wurde dann die Bezeichnung dieser Streitmacht in Home Guard (Heimwehr) geändert. Das unmittelbare Problem mit dem die Home Guard konfrontiert war, war ein akuter Mangel an Waffen, Uniformen und Ausrüstung. Es gab nur Militär-Gewehre für ein Drittel der Home Guard und der Rest musste sich auf Monate mit Schrotflinten, Sport- und Jagdgewehren oder sogar Golfschlägern und selbstgemachten Piken begnügen. Die Mitglieder der Home Guard erhielten keinen Sold und wurden zum Dienst oder zur Übung nur außerhalb der Arbeitszeit eingezogen. Sie waren in Bataillone, Kompanien und Züge organisiert, aber es gab keine festgelegte Anzahl für die Größe dieser Einheiten. Eine Kompanie konnte zwischen 300 und 400 Mann stark sein. Befehlshaber der Einheiten waren nicht Offiziere des regulären Militärs, sondern damit beauftragte öffentliche Amtsträger (z.B. Bürgermeister) und alle Mitglieder unterstanden dem Militärrecht als einfache Soldaten. Die Heimwehr war über das ganze Land zerstreut und jeder Bezirk, Stadt oder jedes Dorf hatte seine eigenen Einheiten. Ihre Aufgaben bestanden in der Bewachung wichtiger Gebäude, Verkehrskreuzungen, Eisenbahnlinien und Fabriken sowie mit der Patrouille an Küstenabschnitten, wo deutsche Landungen stattfinden könnten. Bis Ende Juli 1940 war die Home Guard bis auf 500.000 Mann aller Ränge angewachsen und während der Monate der Gefahr einer deutschen Invasion hatte ihre Präsenz und Begeisterung nicht nur geholfen, die britische Bevölkerung zu beruhigen und zu motivieren, sondern sie befreite auch eine große Anzahl regulärer Soldaten vom Wach- und Garnison-Dienst, welche dadurch bei aktiven Kampfverbänden verwendet werden konnten. Einige der amerikanischen Staatsbürger, welche in London lebten, traten den Local Defence Volunteers bei. Sie bildeten die ‘1st American Squadron’ (1. Amerikanische Staffel), welche als ‘Red Eagles’ (Rote Adler) bekannt wurde. Etwa 128 amerikanische Staatsbürger dienten in dieser Einheit während des gesamten Zweiten Weltkrieges. Sie setzten dabei nicht nur ihre eigenen Privat-Fahrzeuge ein, sondern einige der Mitglieder besorgten sich auch ihre eigenen Thompson-Maschinenpistolen. Uniformen der Home Guard: Zu Beginn verwendeten die Local Defence Volunteers ihre gewöhnliche, tägliche Kleidung mit einer khakifarbenen Armbinde am oberen rechten Arm, auf welcher die Buchstaben LDV in schwarz zu sehen waren. Ehemalige Soldaten und hier insbesondere die Offiziere verwendeten ihre alten Uniformen. Ebenso wurden die ehemaligen Regiments- und Korps-Abzeichen auf diesen alten Uniformen oder denen der Home Guard gerne geführt. Diese Praxis wurde aber von offizieller Seite nicht gerne gesehen und aktiv bekämpft. Sobald es möglich war, erhielten die Mitglieder der Home Guard besondere Jacken und später Kampfanzüge, sodass sie nach und nach begannen, wie richtige Soldaten auszusehen. Die Ausrüstung bestand zuerst aus dem sogenannten ‘Home-Guard’-Mustern mit einem Taillen-Gürtel und Riemen aus Leder, Web-Beuteln und einem speziellen Muster einer Wasserflasche und Brotbeutel. Die ersten Abzeichen, welche offiziell an die Home Guard ausgegeben wurden, war eine Armbinde mit einem großen Buchstaben, welcher aus farbigen Stoffen herausgeschnitten wurde. Dieses zeigte die Einsatzzone des Mitgliedes an, z.B. ‘S’ für ‘South’ (Süden). Diese wurden aber recht schnelle gegen ein Regional-Abzeichen ausgetauscht, welches die Bataillons-Nummer anzeigte. Stabsmitglieder der Home Guard, welche den Distrikt-Kommandos zugeteilt waren, führten zusätzliche Formations-Abzeichen des Kommandos. Einige Einheiten der Home Guard in Küstenabschnitten übernahmen auch Marine-Uniformen, auf welchen sie die Abzeichen der Home Guard führten. Kanadische Armee Im Juni 1940 wurde die kurz zuvor ausgeschiffte 1. kanadische Division wieder schon aus Frankreich evakuiert. Im Juli wurde die Division zusammen mit der 1. britischen Panzer-Division und der Masse der 2. neuseeländischen Division zum 7. britischen Korps zusammengefasst. Seit Mai 1940 kamen außerdem Einheiten der 2. kanadischen Division in Großbritannien an, aber die Division war nicht vollständig vor dem 25. Dezember 1940 versammelt. Von Ende Oktober an bewachten die schon eingetroffenen Teile der Division die Strände zwischen Worthing und Newhaven in Sussex. Am Weihnachtstag 1940 wurde das 7. britische mehr …

  • Fiat CR42 Falco

    Stärke und Organisation der Regia Aeronautica und Regia Navale beim Kriegseintritt Italiens im Juni 1940. Italienische Luftwaffe und Marine Italienische Luftwaffe (Regia Aeronautica) Am 24. Januar 1923 wurde die königlich-italienische Luftwaffe Regia Aeronautica als eine unabhängige Waffengattung gegründet. Im Jahr 1925 wurde sie dann von den Luftverbänden des Heeres und der Marine getrennt und erhielt durch die Bildung eines Luftfahrt-Ministeriums eine stabile Grundlage. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wurde die italienische Luftwaffe auf höchstem Stand gehalten und ihre Flugzeuge waren technisch sehr fortschrittlich. Die Luftwaffen-Befehlshaber, zu denen auch der Luftfahrt-Theoretiker Giulio Douhet gehörte, waren die am fortschrittlichsten und einfallsreichsten in ganz Europa. Bis 1940 befand sich die Luftwaffe jedoch im Niedergang. Nach dem eine moderne Luftwaffe in den Zwanziger und Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgebaut war, wurde diese nicht weiter entwickelt, sodass bei Ausbruch des Krieges die meisten der italienischen Frontflugzeuge veraltet waren. Im Kriegsverlauf wurden Versuche unternommen, die Fiat CR-32 und CR-42 Doppeldecker, das Rückgrat der Jagdfliegerverbände, zu ersetzen, aber der industrielle und technische Rückstand des Landes verhinderte, dass die italienische Luftwaffe ein Jagdflugzeug mit starker Bewaffnung und Motorleistung in ausreichenden Mengen erhalten konnte. Ein weiteres ernstes Problem, mit dem sich die italienische Luftwaffe auseinandersetzen musste, war die Verteidigung von Italiens Übersee-Kolonien und die Überanstrengung und Verzettlung durch Mussolinis grandiose Pläne. Nach der Kriegserklärung vom 10. Juni 1940 begann die italienische Luftwaffe sich mit ihren französischen und britischen Gegnern im ganzen Mittelmeer-Raum auseinanderzusetzen. Zuerst hielt sich die italienische Luftwaffe recht gut, aber mit dem Auftreten der Hawker Hurricane bei der RAF gegen Ende des Jahres 1940 kippte das Gleichgewicht zugunsten der Alliierten. Im Oktober 1940 schickte Mussolini eine Expeditionsstreitmacht nach Belgien, um sich an der Luftschlacht um England zu beteiligen. Aber erst einmal gegen das Jägerkommando der RAF über heimischen, englischem Boden angetreten, war die gemischte italienische Jäger- und Bomber-Streitmacht schnell zerrupft und konnte nur noch Verteidigungsaufgaben übernehmen. In Italienisch-Ostafrika unterstützte die Luftwaffe die Armee mit Aufklärungsflügen und durch Bodenangriffe. Beide Seiten waren ziemlich ebenbürtig, aber die italienische Luftwaffe wurde durch einen Zermürbungskrieg aufgerieben. Italienische Piloten kämpften dort tapfer bis zum bitteren Ende, als ihr letztes Flugzeug am 24. Oktober 1941 abgeschossen wurde. Im Jahr 1940 war die italienische Luftwaffe auf vier territoriale Luftzonen verteilt, welche das italienische Mutterland abdeckten, sowie auf fünf Übersee-Kommandos. Während die Regia Aeronautica eine unabhängige Waffengattung innerhalb der italienischen Streitkräfte war, gab es noch eine Armee-Luftwaffe aus 37 Staffeln, welche direkt den Bodenstreitkräften unterstanden, sowie eine Marine-Luftwaffe mit 20 Staffeln aus Wasserflugzeugen und Flugbooten plus 10 Staffeln von Transportflugzeugen. Es gab 12.000 Piloten und Flugzeugbesatzungen, 6.100 Offiziere für den Dienst am Boden und 185.000 andere Mannschaften in der Luftwaffe im Jahr 1940. Die grundlegende taktische Einheit war die Staffel (Squadriglia), welche eine Stärke von zumeist neun Flugzeugen mit drei weiteren in Reserve hatte, wobei Bomberverbände in der Regel allerdings nur sechs Frontflugzeuge besaßen. Zwei oder drei Staffeln bildeten eine Gruppe (Gruppo) und zwei oder mehr Gruppen ein Geschwader (Stormo), was die grundlegende taktische Formation innerhalb der italienischen Luftwaffe war. Zwei oder drei Geschwader bildeten gelegentlich eine Luftbrigade, was wiederum zusammen mit einer weiteren Luftbrigade eine Luft-Division ergab. Die größte Formation innerhalb der Luftwaffe war die Luftarmee (Luftflotte), welche aus zwei oder mehreren einheitlichen Jagd- oder Bomber-Divisionen bestand. Die Luftstreitkräfte im italienischen Mutterland waren 1940 wie folgt organisiert: Nördliche Zone: 7 Bomber-Geschwader (ca. 315 Flugzeuge) und 3 Jagdgeschwader plus eine Gruppe von Fiat CR42-Jagd-Doppeldecker (ca. 210 Flugzeuge). Mittlere Zone: 3 Bomber-Geschwader (ca. 135 Flugzeuge) und 2 Jagdgeschwader plus eine Gruppe von Jägern (ca. 150 Flugzeuge). Südliche Zone: 5 Bomber-Geschwader (ca. 225 Flugzeuge) und ein Jagdgeschwader, sowie eine unabhängige Jäger-Gruppe (ca. 90 Flugzeuge) und eine Gruppe von Sturzkampfbombern (ca. 25 Flugzeuge). Südöstliche Zone: Ein Geschwader von alten Nachtbombern (ca. 45 Flugzeuge) und Wasserflugzeugen und eine Gruppe veralteter Fiat CR32-Jagd-Doppeldecker (ca. 30 Flugzeuge). Das größte Übersee-Kommando war das in Libyen und bestand aus 4 Bomber-Geschwadern (ca. 180 Flugzeuge), einem Jagdgeschwader und 3 Jagd-Gruppen (ca. 150 Flugzeuge), sowie 2 Gruppen plus 2 Staffeln aus Kolonial-Aufklärungsbombern (ca. 60 Flugzeuge). Die italienische Luftwaffe begann den Krieg mit etwa 2.000 kampfbereiten Flugzeugen und hatte etwa noch die gleiche Anzahl in der Reserve. Italienische Marine (Regia Navale) Mussolini hatte gehofft, dass die Regia Navale eine wichtige Rolle in jedem Krieg im Mittelmeer spielen würde. Er sah die Kontrolle über das Meer (Mare Nostrum – unsere See, wie er das Mittelmeer bezeichnete) als eine wesentliche Voraussetzung zur Ausdehnung seines Reiches nach Nizza, Korsika, Tunesien und auf dem Balkan an. Das italienische Marinebauprogramm wurde während seiner Amtszeit beschleunigt, um im Juni 1940 bestand die italienische Marine aus: 4 Schlachtschiffen, 8 Schweren Kreuzern, 14 Leichten Kreuzern, 128 Zerstörern, 115 U-Booten, 62 Torpedobooten. Außerdem waren noch vier Schlachtschiffe in der Fertigstellung. Das Personal aus 4.180 Offizieren und 70.500 Mannschaften wurde durch die Mobilisation schnell vergrößert, bis im Durchschnitt 190.000 Mann in der Zeit zwischen 1940 und 1942 in der italienischen Marine Dienst taten. Die Demobilisierung der französischen Flotte nach dem Waffenstillstand vom Juni 1940 schien der Regia Navale gute Zukunftsaussichten zu bieten, da einer ihrer gefährlichsten Rivalen mit einem Schlag ausgefallen war. Doch obwohl die wichtigsten italienischen Kriegsschiffe modern, schnell, gut bewaffnet und trotz der schnittigen Linien eine zumeist gute Panzerung hatten, wurden sie durch die englischen Royal Navy eingeschüchtert. Erste Niederlagen bei Tarent und Matapan waren zwar im Einzelfall nicht gravierend, bestätigten aber die englische Überlegenheit. Das Fehlen von Radargeräten und einer eigenen Flotten-Luftwaffe waren erhebliche Nachteile und der Mangel an Brennstoff erwies sich als zunehmend lähmendere Einschränkung für die Operationen. Nur die kleinen Angriffsboote und Kleinst-U-Boote gaben durch viele tapfere und erfolgreiche Aktionen Hoffnung. Zwischen Juni 1940 und September 1943 verlor die italienische Marine insgesamt 24.660 Männer und 339 Schiffe aller Klassen, darunter ein Schlachtschiff und 13 Kreuzer. Der Oberste Befehlshaber der italienischen Streitkräfte und der Marineminister war Benito Mussolini persönlich, jedoch wurde die exekutive Kontrolle durch den Staatssekretär und Chef des Marinestabes (Supermarina), Admiral Domenico Cavagnari, ausgeführt. Der Befehlshaber der Flotte war Admiral Campioni. Abteilungen des Marine-Ministeriums und der Marinestab unterstanden der Verantwortung der Admiralität – mit der Ausnahme, mehr …

  • Aufgehängter Major

    Endkampf, Kriegsgefangenschaft und Dokumente. Bilder vom Endkampf sowie Dokumente aus der Kriegsgefangenschaft und NS-Zeit. Endkampf, Kriegsgefangenschaft und Dokumente In der letzten Kriegsphase in Deutschland bestand der Rest der 214.Infanterie-Division aus einem Bataillon, was zur Wiederaufstellung verwendet werden sollte. Dazu kam es jedoch nicht mehr und die Soldaten wurden in die letzten Kämpfe der Heeresgruppe Mitte verwickelt. Polnische Soldaten im April 1945 in Deutschland (Archivfoto). Die polnische 2. Armee deckte die südliche Flanke der auf Berlin vorstoßenden russischen Armeen. Zwischen dem 25. April und 6. Mai 1945 griff die Heeresgruppe Mitte aus dem Raum Bautzen in Richtung Cottbus-Berlin die Flanke der polnischen Armee an und zwang diese vorübergehend nach Norden auszuweichen. In diesen letzten Kämpfen ist der Großvater des Autors am 30. April 1945 mit seiner Einheit in polnische Kriegsgefangenschaft geraten. Seiner Beschreibung nach haben sich die polnischen Soldaten zumeist anständig gegenüber den deutschen Kriegsgefangenen verhalten.     Eine NS-Abmahnung vom November 1943 oder 1944 an die Großmutter des Autors in Frankfurt: Nach Durchsicht der Sammellisten musste ich leider feststellen, dass Sie den Sinn des Opfersonntages immer noch nicht begriffen haben. Der gezeichnete Betrag von 30 oder 50 Pfennigen ist kein Opfer, sondern nur ein lächerliches Trinkgeld. Ich erinnere nur an die Stalingradkämpfer, sowie die Väter, Söhne und Brüder, die an der Front stehen und ihr Leben opfern für uns in der Heimat sowie für Deutschlands Zukunft. Aus diesem Grunde richte ich an Sie, Volksgenossen, diese Mahnung und hoffe, dass auch Sie sich der Volksgemeinschaft nicht ausschließen und am Opfersonntag auch wirklich ein Opfer geben – denn es geht um ‘Sein oder Nicht’ sein. Heil Hitler, gez. Becker, Zellenleiter Erläuterung des Autors: Eine Abmahnung als Volksgenosse konnte man bei sogenannten Verstößen gegen die Volksgemeinschaft erhalten. Dazu zählten der Einkauf in jüdischen Geschäften, zu geringe Spendenbereitschaft, als Vermieter zu wenig Wohnraum zur Verfügung zu stellen u.s.w. Im nationalsozialistischen Staat stand das Recht der Gemeinschaft über dem Recht des Individuums. Verstieß man nach der Abmahnung ein weiteres Mal gegen die Volksgemeinschaft, so wurde der Fall an die Gestapo (Geheime Staatspolizei) abgegeben und konnte mit Gefängnis bestraft werden. In polnischer Kriegsgefangenschaft’ nennt sich das nur schwer leserliche Tagebuch des Großvaters des Autors von 1945 bis 1947. Hier ein Auszug vom 7. Mai 1946 aus Warschau, abends 10-11 Uhr: Alarm Garage – Werkstatt Explosion. Hatte den Abend Ohrenschmerzen. Machte ein Dampfbad und legte mich hin, habe dabei geschwitzt. Konnte nicht aufstehen. Als Hans(?) wegging und die Stube dunkel war, kam der Posten an mein Bett und gab mir FÜNF (5!) Kolbenstöße auf die Brust. Zeuge ist Josef Haldesheim. Anmerkung des Autors: Die Geschichte, welches das Tagebuch erzählt, ist auch ein ständiger Ärger mit polnischen Posten oder SS-Soldaten, welche ihre Entdeckung und Auslieferung an die Russen befürchteten, was zu einer unabsehbaren Kriegsgefangenschaft in Sibirien oder der Hinrichtung geführt hätte. Entlassungspapiere aus der Kriegsgefangenschaft: Deutsche Kriegsgefangene in alliierten Händen nach Kriegsende Während des Zweiten Weltkriegs waren deutsche Soldaten in einem Großteil Europas, der Sowjetunion, Nordafrika und auf den Weltmeeren im Einsatz. Nachdem sich das Kriegsglück mit der verlorenen Schlacht um Moskau im Dezember 1941 gegen Deutschland gewendet hatte, gerieten mehr und mehr deutsche Soldaten und schließlich auch Zivilisten in alliierte Kriegsgefangenschaft. Zur Zeit der deutschen Kapitulation, am 8. Mai 1945, standen etwa zwanzig Nationen im Kampf gegen Nazi-Deutschland, welche deutsche Kriegsgefangene hielten. Die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion hielten die überwiegende Mehrheit der elf Millionen Soldaten, die sich ergeben hatten oder im Rahmen der Gesamtkapitulation in alliierte Hände fielen. Ungefähr 5 Millionen wurden fast umgehend freigelassen, aber die letzten Kriegsgefangenen in der Sowjetunion sollten erst 1956 zurückkehren. Sowohl die westlichen Alliierten als auch die Sowjets begingen Verbrechen an den Kriegsgefangenen. Tausende von Kriegsgefangenen starben in amerikanischen Sammellagern und französischen Arbeitslagern. Kriegsgefangene in der Sowjetunion und in sowjetisch beherrschten Staaten, wie Polen oder Jugoslawien, traf es am schlimmsten. Sie wurden für verschiedene, harte Zwangsarbeiten mit nur wenig Verpflegung eingesetzt, dazu oft noch im rauen Klima Sibiriens. Dabei sind Hunderttausende vermutlich ums Leben gekommen. Neben der UdSSR überschreiten nur Polen und Jugoslawien die Zahl von über 50.000 umgekommenen, deutschen Kriegsgefangenen. Gräueltaten zwischen 1945 und 1953 Die Bedingungen für die Kriegsgefangenen waren in den einzelnen Staaten unterschiedlich. Gegen Kriegsende versuchten Millionen von deutschen Wehrmachtsangehörigen sich nach Westen abzusetzen, in der Hoffnung, sich den Amerikanern oder Briten und nicht der Roten Armee ergeben zu müssen. Da die Sowjetunion niemals die Genfer Konvention unterzeichnet hatte, unterlagen deutsche Kriegsgefangene dort nicht den Kriegsgesetzen (wie übrigens umgekehrt auch). Die Regelungen der Konvention verboten übermäßig harte Zwangsarbeit und legte eine Mindestzahl von Kalorien pro Tag und Mann fest. Auch die Amerikaner hebelten die Regelung für Kriegsgefangene vorübergehend aus, da sie nach der Kapitulation gefangen genommene deutsche Soldaten als ‘demobilisierte Truppen’ bezeichneten und nur mangelhaft versorgten. In der Sowjetunion wurden die Gefangenen zum Wiederaufbau des durch den Krieg zerstörten Landes eingesetzt. Viele wurden in die Holzfällerlager in Sibirien oder in den Bergbau im Ural geschickt. Das Lagerleben war im Allgemeinen hart. Ein junger Kriegsgefangener erinnerte sich daran, dass er täglich ‘brutalen Angriffen, Hunger, Krankheit und Kälte ausgesetzt war’. Erst 1948 verbesserte sich die Lage. Der deutsche Vernichtungskrieg hatte in Russland derartige Verwüstungen angerichtet, dass die sowjetische Propagandamaschinerie kaum Schwierigkeiten hatte, Hass auf die Deutschen zu schüren. Viele der Kriegsgefangenen, die in Gefangenschaft starben, waren mit ziemlicher Sicherheit Opfer von Racheakten, aber deren genaue Zahl kann nicht ohne weiteres ermittelt werden. Es ist jedoch eindeutig, dass die meisten Todesfälle nicht das Ergebnis irgend einer offiziellen Politik waren. Die meisten deutschen Kriegsgefangenen scheinen vor 1945 aufgrund ihrer schlechten Verfassung gestorben zu sein, in der sie in die Kriegsgefangenschaft geraten waren, z.B. nach den monatelangen Kämpfen um Stalingrad. Viele andere starben an Überarbeitung und weil die Sowjets den Kriegsgefangenen nicht genügend Versorgungsgüter zuteilten, da dies die Kriegsanstrengungen beeinträchtigt hätte. Nach dem Krieg wurden die verfügbaren sowjetischen Ressourcen wiederum ihrer eigenen Bevölkerung zugeteilt und die schlechten Nachkriegsernten verschlimmerte noch zusätzlich die Lage der Kriegsgefangenen. Bis 1947 war die häufigste Todesursache Dystrophine, eine Krankheit, die durch Unterernährung verursacht wurde. Darüber hinaus kam es bei Kriegsgefangene häufig vor, dass mehr …

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