Vorbereitungen 1940



Vorbereitungen 1940

Vorbereitungen 1940

Weitere interessante Beiträge:
Im Blickpunkt:
  • Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring

    Deutsche Luftstreitkräfte im Zweiten Weltkrieg Teil I: Die siegreichen Jahre 1939 bis 1941. Geschichte der deutschen Luftwaffe in der ersten Kriegshälfte und Fliegerasse im internationalen Vergleich. Die deutsche Luftwaffe Da sich diese Seite vor allem mit der deutschen Luftwaffe im 2. Weltkrieg (1939-1945) beschäftigt, wird davon ausgegangen, dass der Leser ein grundlegendes Wissen über die Vorkriegszeit hat: das Verbot der Produktion von Militärflugzeugen durch den Versailler Vertrag von 1919, das allmähliche Anwachsen der para- militärischen Flugaktivitäten in der Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die heimlichen Flugzeugfabriken und Flugschulen in Deutschland und der befreundeten Sowjetunion, die Entwicklung von ‘Hochgeschwindigkeits-Postflugzeugen’ und ‘Sporteinsitzern’, welche später zu Bombern und Jagdflugzeugen wurden, das offene Geheimnis von der Existenz einer deutschen Luftwaffe nach Hitlers Machtergreifung 1933 und der Gründung des Dritten Reiches, die öffentliche Verlautbarung über das Bestehen der Luftwaffe zwei Jahre später am 1. März 1935, die Einsatzerprobung der neuen Kampfflugzeuge und Taktiken des modernen Luftkrieges im Spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939. Auf diese Weise vorbereitet, begann die Luftwaffe den Zweiten Weltkrieg im September 1939 mit einer Frontstärke von fast 4.200 Flugzeugen. Die meisten Flugzeuge waren in Geschwader eingeteilt, mit der grundsätzlichen Ausnahme der Aufklärungsverbände. Jedes Geschwader war in normalerweise drei Gruppen unterteilt und jede Gruppe war wiederum in drei Staffeln aufgeteilt, wovon jede normalerweise 9-12 Flugzeuge stark war. Aufklärungsverbände waren normalerweise nur in Gruppen und Staffeln eingeteilt. Ausgestattet mit solchen hervorragenden Kampfverbänden war es nicht sehr verwunderlich, dass die deutschen Luft- und Bodentruppen im ersten Jahr des Krieges sehr erfolgreich waren. Polen wurde in weniger als einen Monat überrollt, Norwegen – auch mithilfe der ersten Luftlandung in der Militärgeschichte – in zwei Monaten besetzt, Frankreich und die Benelux-Staaten waren bis Juni 1940 erobert. Für Hitler und Göring war die Theorie des Blitzkrieges nun voll bestätigt und sie sahen keine Notwendigkeit, in dem eigentlich sowieso schon gewonnen Krieg die Luftwaffe zu erweitern oder ihre Ausrüstung zu verbessern. Selbst im Angesicht der noch bestehenden Aufgabe, Großbritannien zu besiegen, wurde die Priorität für die Flugzeugproduktion erheblich reduziert. Das war der erste große Fehler, und führte zum ersten ernsthaften Versagen der Luftwaffe. Bis dahin war die Luftwaffe fast nur als taktische Waffe zur Erringung der Luftüberlegenheit über dem Schlachtfeld und zur Unterstützung der Bodentruppen des Heeres eingesetzt worden und war zumeist nur auf wenig moderne feindliche Jagdabwehr gestoßen. Während der Schlacht um England im Sommer und Herbst des Jahres 1940 jedoch trafen die deutschen zweimotorigen Bomber auf die Jagdflugzeuge der englischen RAF und erwiesen sich als zu schwach bewaffnet. Dazu fehlte es dem deutschen Begleitschutz entweder an der notwendigen Beweglichkeit (im Falle der zweimotorigen Zerstörer vom Typ Bf 110) oder an der ausreichenden Reichweite (im Falle der Jagdeinsitzer Bf 109E), um die Bomber vor den englischen Jägern vom Typ Hawker Hurricane und Supermarine Spitfire Mk I und II ausreichend zu schützen. Im Oktober 1940 wurde die deutsche Luftwaffe gezwungen, ihre Bomber nur noch Nachts gegen die britischen Städte einzusetzen und diese als ‘Blitz’ bezeichneten Luftangriffe dauerten bis zum Frühjahr 1941 an. In der Zwischenzeit verfolgte Hitler weiterhin seine ‘kontinentale Strategie’, was zur Eroberung des Balkans und der erfolgreichen, ersten strategischen Luftlandung der Militärgeschichte, auf Kreta führte. Hier konnte die Luftwaffe wieder gegen eine vergleichsweise schwache Gegenwehr als ‘fliegende Artillerie’ für das Heer eingesetzt werden, was sogleich auch große Erfolge einbrachte. Allerdings war sie nicht in der Lage, diesen Erfolg auch gegen Malta dauerhaft zu wiederholen, was wohl auch daran lag, dass eine Insel nicht wie ein Flugzeugträger ‘versenkt’ werden kann. Dazu wurde die Luftwaffe ab 1941 durch die britischen Offensiven in Nordafrika in immer größerer Zahl gebunden, da sie nach dem Kriegseintritt von Italien am 10. Juni 1940 den Bundesgenossen erheblich unterstützen musste. Während alle diese Operationen im Gange waren, spielte die Luftwaffe auch einen wichtigen Teil in der Bekämpfung der alliierten Schifffahrt in der ‘Schlacht im Atlantik’. Ihre Marineflugzeuge unternahmen, als Auftakt für die geplante Invasion Englands, Minenoperationen im Ärmelkanal und an der Ostküste der Britischen Inseln, griffen Schiffe in den britischen Küstengewässern an und die Fernaufklärungsbomber vom Typ Fw 200 Condor halfen den deutschen U-Booten feindliche Geleitzüge aufzufinden und auch Handelsschiffe daraus zu versenken. Diese Angriffe gegen die alliierte Schifffahrt dauerten seit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges an und ließen nicht vor Ende 1942 merklich nach. Da die Luftwaffe so bereits an vielen Fronten zu kämpfen hatte, war es so ziemlich das letzte, was sie eigentlich wollte oder auch brauchte, die folgenschwere Entscheidung Hitlers, Russland im Juni 1941 zu überfallen. Die Kämpfe beim Unternehmen Barbarossa an der Ostfront verursachten erhebliche Anforderungen an die Luftwaffe, sowohl an Flugzeugen wie auch an das Personal. Teil II: Luftwaffe in der zweiten Kriegshälfte Fliegerasse:

  • Webley 0.455in Revolver

    Revolver Webley .455in, Fosbery, Webley .38in Mk 4, Enfield. No.2. Englische Revolver im Ersten und Zweiten Weltkrieg: Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken und Bilder. Pistolen Webley .455in, 0.38in Mk 4, Fosbery, Enfield No.2 Typ: Revolver. Englische Revolver Webley .455in Revolver Die 0,455-inch-Kartusche, welche von den Webley-Revolvern verfeuert wurde, war tatsächlich vom Kaliber 0,441 inch (11,2 mm) und der Entwurf spiegelte die Erfahrungen aus den Kolonialkriegen wider. Die Patrone war als ‘Mann-Stopper’ entworfen worden, zum Einsatz auf kurzen Entfernungen gegen anstürmende Horden von Eingeborenen. Deshalb war die schwere Kugel und die kräftige Treibladung sicherlich für diese Aufgabe geeignet. Die Pistole, welche für den Einsatz mit dieser kräftigen Kartusche vorgesehen war, wurde bei Webley & Scott Limited in Birmingham gebaut. Dort wurde der erste .455in Revolver im Jahr 1887 gebaut. Dieser Webley & Scott Mk I war der Vorläufer einer Reihe von weitgehend ähnlichen Modellen, von denen noch viele irgendwo verwendet werden. Der Mk I hatte einen nach oben öffnenden Rahmen, mit einem automatischen Auswurf-System, welches die verbrauchten Kartuschen hinauswarf, wenn der Rahmen geöffnet wurde. Der Griff hatte eine markante Form, welcher als ‘Vogelkopf’ bezeichnet wurde und ein Schlüsselring wurde als unentbehrlich zum Tragen angesehen. Ein 102 mm langer Lauf wurde verwendet, aber spätere Mark-Versionen verwendeten auch 152 mm lange Läufe. Nach dem Mark I kamen eine große Anzahl an anderen Mark- und Unterversionen mit Detail-Verbesserungen oder Veränderungen an der Lauflänge. Der gesamte Mechanismus änderte sich aber nicht groß, obwohl beim Erscheinen des hauptsächlichen Modells während des Ersten Weltkriegs sich die Schaft-Form änderte und einige Veränderungen an den Zielvorrichtungen vorgenommen wurden. Der Mark VI wurde der typische Webley .455in Revolver des Ersten Weltkriegs, aber viele der vorhergehenden Mark-Reihen wurden ebenfalls weiterhin verwendet. Der Mark VI war eins sehr gut verarbeiteter und solider Revolver. Er war auch sehr groß und so etwas wie eine Handvoll Tragetasche, welche abgefeuert werden konnte. Die kräftige Kartusche verursachte einen ebenso kräftigen Rückschlag und es wurde empfohlen, ihn nur auf einer sinnvollen Kampfentfernung von wenigen Metern zu verwenden. Für den Grabenkrieg war dies ideal und kein Problem und der Webley wurde zur bevorzugten Waffe für Grabenüberfälle und den Nahkampf. Unter diesen Umständen hatte der Webley einen weiteren großen Vorteil, da er sehr genügsam war und mit dem Dreck und Schlamm, in dem er oft verwendet wurde, kein Problem hatte. Selbst ein verklemmter oder leer geschossener Webley konnte noch als wirksame Keule verwendet werden.   Diese Eigenschaft wurde noch dadurch gesteigert, als das Pritchard-Greener-Revolver-Bajonett eingeführt wurde, welches ein spitzenartiges Bajonett- oder Grabenmesser war, welches über die Mündung mit einem Metallgriff gezogen und gegen den Revolver-Rahmen gedrückt wurde. Diese furchterregende Kombination aus Pistole und Bajonett wurde jedoch nur selten verwendet, da sie niemals offiziell von der Britischen Armee übernommen wurde. Ein sinnvolleres Gerät war jedoch ein Nachlader, mit dem sechs Patronen umgehend in den offenen Zylinder eingeführt werden konnten. Webley-Fosbery Revolver Der Webley-Fosbery Revolver wurde von Oberst G.V. Fosbery (ausgezeichnet mit dem Victoria Cross) entworfen. Die Waffe ist eine Klasse für sich, da es sich um einen automatischen Revolver handelt. Das ursprüngliche Patent wurde 1896 angenommen und die Produktion von Webley & Scott aufgenommen, wobei die daraus resultierenden Pistolen Kammern für die Standardkartusche 0,455 inch (eigentlich aber 0,441 inch bzw. 11,2 mm) erhielten.   Die Funktion der Webley-Fosbery Revolver war einzigartig. Beim Schießen drückte der Rückstoß den Lauf, Zylinder und Oberrahmen entlang einer Schiene über den Griff zurück. Dadurch wurde der Abzugshahn und eine Rückstellfeder im Inneren des Kolbens gespannt und dieser gesamte Teil der Waffe ging wieder in seine Ausgangsposition zurück. Dabei lief ein Bolzen innerhalb der Schiene durch eine abgewinkelte Nute, die in den Zylinder eingearbeitet war, um ihn in die nächste Position mit einer neuen Patrone zu drehen. Das System hatte eine große Anziehungskraft auf diejenigen, die dachten, dass sie nur noch den Abzug drücken müssten, um schnell Schuss auf Schuss abfeuern zu können. In der Praxis war es allerdings nicht so einfach. Ein unmittelbarer Nachteil war, dass die gesamte Funktion sehr viele mechanische Funktionen einband. Der gesamte obere Rahmen, der sich hin und her bewegte, verstärkte die ohnehin schon beachtliche Kraft durch den heftigen Rückstoß und machte die Pistole zu einer unbändigen Bestie beim Schießen. Ein weiterer Nachteil war, dass der Schütze den Kolben sehr fest halten musste, sonst funktionierte das gesamte System nicht, denn der Griff des Schützen diente als Basis für den gesamten Mechanismus. Dennoch wurde der Webley-Fosbery Revolver in beträchtlicher Zahl an britische Offiziere verkauft, die zur Zeit des Ersten Weltkriegs ihre eigenen Faustfeuerwaffen mitbringen mussten. Viele wurden auch an das Personal des Royal Flying Corps verkauft, welches glaubte, dass die automatische Funktion von großem Vorteil sein würde, wenn es darum ging, feindliche Flugzeuge aus dem Cockpit heraus zu bekämpfen. Sie stellten jedoch bald fest, dass die beträchtlichen Bewegungen der Waffe beim Schießen die Verwendung während des Fluges noch schwieriger machten, als es ohnehin schon war. Aus all diesen Gründen wurde der Webley-Fosbery nie offiziell von den britischen Streitkräften übernommen. Dies war auch gut so, denn wenn sie in den Schützengräben eingesetzt wurden, wurde ihr größter Nachteil noch offensichtlicher. Da die gesamte Funktion auf einer fließenden Bewegung durch sorgfältig bearbeitete Nuten beruhte, führte das Zusetzen dieser mit Schmutz, Staub und Schlamm zu einer Blockade. Da die meisten der für die Funktion wichtigen Rillen und Nuten vollständig offen lagen, wurden sie schnell voll von allen möglichen Ablagerung des Grabenkrieges verdreckt und der Benutzer der Waffe musste ständig darauf, dass sie sauber war. Viele Offiziere kapitulierten vor dieser Aufgabe und verwendeten fortan weniger lästige Pistolen. Webley .38in Mk 4 Revolver Der Webley .455-Revolver des Ersten Weltkriegs war zwar ein wirkungsvoller ‘Mann-Stopper’, aber auch eine schwere und gewaltige Waffe, die im Allgemeinen nur in den Händen eines hoch qualifizierten Schützen effektiv war. Solche Männer konnten aber unter den Anforderungen des Krieges nicht ausgebildet werden. Infolgedessen beurteilte die britische Armee nach dem Ersten Weltkrieg die Ballistik für Revolver neu und entschied, dass es möglich sein würde, mit einem Geschoss von 200 Grain (knapp 13 Gramm) und 0,38 inch (9,65 mm) ein ausreichend tödliches Ergebnis zu erzielen. Folglich mehr …

  • Kriegsbegeisterung in Berlin 1914

    Kriegsbeginn 1914: Marne-Schlacht und Tannenberg. Die letzte Vorkriegskrise wurde durch die tödlichen Schüsse auf Erzherzog Franz Ferdinand, Erbe des österreich-ungarischen Throns, in Sarajewo (Bosnien) am 28. Juni 1914 ausgelöst. Der Attentäter, Gavrilo Princip, war ein Bosnier und nicht ein Serbe, obwohl er die Universität in Belgrad besucht hatte. Sein Komplize Cabrinovic war unleugbar ein Serbe. Beide wurden festgenommen und zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Folgen ihrer Verbrechen würde das Leben von mindestens 9.700.000 Soldaten und etwa 10 Millionen Zivilisten kosten, einschließlich der Todesfälle aufgrund von Völkermord, Hunger und Grippe. Österreich-Ungarn erklärte daraufhin am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg für eine begrenzte Strafaktion. Als dann Russland ebenfalls mobilisierte, um seine Solidarität mit den slawischen Völkern zu demonstrieren, erklärte das Deutsche Reich den Krieg gegenüber Russland und Frankreich. Die deutschen Armeen marschierten in das neutrale Belgien ein, um Frankreichs Grenzbefestigungen zu umgehen. Diese Missachtung der vertraglichen Verpflichtungen (Vertrag von London von 1839) und des Völkerrechts ruft Großbritannien auf den Plan, welches am 4. August 1914 Deutschland den Krieg erklärt. Die Briten treffen Vorbereitungen, ihre kleines (2 Korps) aber hoch-professionelles Expeditionskorps nach Frankreich zu schicken. Kriegstagebücher zu den einzelnen Monaten des Jahres 1914: Frankreich war entschlossen, den lang gehegten Revanche-Krieg gegen das Deutsche Reich zu führen und seine Armeen operierten mit der Doktrin ‘l ‘Offensive ein l’ outrance’ (Totale Offensive). Der ‘Plan XVII’ des französischen Oberbefehlshaber Joffre sah eine Invasion von Elsaß-Lothringen vor, gefolgt von einem Vormarsch zum Rhein. Dabei wurde völlig vernachlässigt, Vorbereitungen für andere Fälle zu treffen, als für einen raschen französischen Sieg. Das Ergebnis war, dass, als der deutsche Generalstabschef Moltke, den sogenannten ‘Schlieffen-Plan’ seines Vorgängers von 1891 bis 1905 umzusetzte, welcher einen schnellen Vormarsch durch Belgien und Nordfrankreich vorsah, um die französischen Armeen einzukreisen, dies beinahe gelang. Nur die Fehler des kranken, nervlich überforderten Moltkes bei gleichzeitiger Nervenstärke, Anpassungsfähigkeit und Organisationstalent von Joffre und des Pariser Kommandanten Gallieni rettete Frankreich mit dem alliierten Sieg in der Marne-Schlacht im September 1914. Das Wunder an der Marne In der letzten August-Woche befanden sich die alliierten Armeen im Westen überall auf dem Rückzug. Zu diesem Zeitpunkt war klar, daß der ambionierte französische Plan XVII, der Angriff nach Elsaß-Lothringen hinein, gescheitert war. Nun zeigte der passive französische Oberbfehlshaber Joffre seine besten Qualitäten und ließ jegliche Gedanken an eine Offensive über Bord werfen. Er begann mit der Aufstellung der neuen französischen Sechsten Armee unter General Maunoury an der linken alliierten Flanke. Dazu verwendete er seine eigene Reserve und Truppen vom rechten französischen Flügel. Joffres Ruhe unter größtem Druck stand in vollstämdigem Kontrast zu der zunehmenden Nervosität seines Gegenspielers, Moltke. Bereits am 22. August standen deutsche Truppen der Ersten Armee unter Kluck nur noch etwa 100 km nördlich von Paris. Nachdem diese das Britische Expeditionskorps nach der Schlacht von Mons hatten entkommen lassen, wurde Kluck wieder aus dem Oberbefehl von v. Bülow von der Zweiten Armee entlassen und wandte sich am 27. August wieder nach Südwesten in Richtung Paris. Jedoch wurde der Schlieffen-Plan bereits am 25. August weiter verwässert, als Moltke zwei Korps vom entscheidenden deutschen rechten Flügel nach Ostpreußen verlegen ließ, um dort den Russen zu begegnen. Dazu kamen noch Verbände, welche durch die Belagerung von verschiedenen Festungen hinter der Front gebunden waren. Und dies, obwohl die deutschen Armeen am rechten Flügel bisher schon mehr als fünfundzwanzig Prozent Verluste erlitten hatten und ihre hauptsächlichen Operationsziele noch nicht erreicht hatten. Ende August hatten die deutschen und alliierten Truppen bereits täglich über 30 km in großer Hitze zurückgelegt, waren durstig, müde, hungrig und hatten wundgelaufen Füße. Bis zum 28. August war das Britische Expeditionskorps BEF für Kluck nicht mehr von großer Bedeutung und er begann nach Osten einzudrehen, um die einzige ihm bekannte französische Armee in der Nähe von Paris, die Fünfte unter Lanrezac, von der Hauptstadt abzudrängen. In diesem Moment befahl der französische Oberbefehlshaber Joffre dem wenig begeisterten Lanrezac sich nach Westen zu wenden und zwischen Guise und St. Quentin einen Gegenangriff durchzuführen. Lanrezac führte die Operation jedoch mit großem Geschick durch und brachte das prestigeträchtige preußische Garde-Koprs bei Guise durch das französische I. Korps, kommandiert von den energischen Franchet d’Esperey, zum stehen. Dieser Schlag brachte den besorgten Bülow dazu, um Unterstützung von Kluck zu rufen, was diesen den Vorwand dafür lieferte, seine Marschrichtung nach Osten zu ändern. Ohne Moltkes zuvor gegebene Prioritäten zu beachten, befahl Kluck am 30. August seiner Ersten Armee, einzudrehen. Anstatt westlich der französischen Hauptstadt vorbeizumarschieren, würde die Erste Armee nun nordöstlich vorbeiziehen und dabei unbewusst ihre ungedeckte Flanke der nördlich von Paris neu aufgestellten französischen Sechsten Armee unter Maunoury aussetzen. Durch beide Ereignisse und dem Gefühl, die endgültige Kontrolle über seine Untergebenen zu verlieren, gab Moltke schließlich die Einwilligung zu Klucks schon eingeleitetes Manöver. Die großen Möglichkeiten, welche durch Klucks Schlenker nach Osten entstanden waren, wurden von den Alliierten jedoch nicht sofort erkannt. Der erste Effekt war jedoch, daß das Britische Expeditionskorps BEF wieder in Kontakt mit Klucks Truppen geriet. Es folgten einige elanvolle Rückzugsgefechte, wie bei Nery am 1. September 1914, wo die L-Batterie der britisch-königlichen bespannten Artillerie drei Victoria Cross erhielt, als sie dabei half, die deutsche 4. Kavallerie-Division für mehrere Stunden aufzuhalten. Nachdem das BEF sich nun schon über 320 km zurückgezogen hatte, überquerte es am 3. September die Marne, als plötzlich die Luftaufklärung die ungeschützte linke Flanke von Kluck offenbar machte. Am 4. September, als die Truppen Klucks vor denen von Bülow voranzogen und die Marne überquerten, überredete der Militärgoverneur von Paris, General Gallieni, Joffre dazu, den Rückzug anzuhalten und den alliierten linken Flügel einen Generalangriff starten zu lassen. Etwa zur selben Zeit wurde Moltke der taktische Fehler der Offensive des deutschen rechten Flügels bewußt und er ließ Kluck und Bülow anhalten, um Front nach Westen, gegenüber der Ostseite von Paris, zu machen. Am 6. und 7. September ging Kluck brilliant mit den anfänglichen Angriffen der französischen Sechsten Armee gegen seine Flanke und den hinteren Verbindungslinien um, schwenkte seine Erste Armee in Richtung Westen und schickte drei Korps im Eilmasch gegen Maunoury an der Ourcq. Trotz der durch die berühmten Pariser Taxis herangebrachten mehr …

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