Italienische U-Boote 600-Klasse

Italienische Sirena, Perla, Adua, Acciaio Unterseeboot-Klassen.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken und Bilder.

U-Boot Porfido
Porfido der Acciaio-Klasse mit einem im Mittelmeer häufig verwendeten Tarnanstrich.

Italienische U-Boote des 2. Weltkriegs

Während des Zweiten Weltkriegs unterhielt die Regia Marina (Königliche Italienische Marine) eine der größten U-Boot-Flotten der Welt. Die italienische U-Boot-Flotte spielte eine wichtige Rolle im Mittelmeer und im Atlantik.

Flottenübersicht

Italien trat in den Zweiten Weltkrieg mit etwa 115 U-Booten ein und baute im Laufe des Konflikts weitere. Diese U-Boote operierten hauptsächlich im Mittelmeer, wagten sich aber auch in den Atlantik und sogar in den Indischen Ozean.

Wichtige Klassen

Archimede-Klasse:
– Mittelgroße seegängige U-Boote
– Bemerkenswerte Schiffe: Archimede, Galilei, Torricelli, Ferraris
– Verdrängung: ca. 1.000 Tonnen an der Oberfläche

Cagni-Klasse:
– Langstrecken-U-Boote für Handelskrieg
– Bemerkenswerte Schiffe: Cagni, Faà di Bruno, Caracciolo, Romolo
– Mit erweiterter Reichweite für Atlantikoperationen

Marcello-Klasse:
– Mittelgroße U-Boote mit guten operativen Fähigkeiten
– 11 Boote dieser Klasse
– Viele gingen während des Krieges verloren

Perla-Klasse:
– Kleine Küsten-U-Boote
– 10 Boote dieser Klasse
– Trotz ihrer geringen Größe operierten einige im Atlantik

Kampfleistung

Die italienischen U-Boot-Kräfte standen vor großen Herausforderungen:
– Fehlende Radargeräte bis zum Ende des Krieges
– Eine taktische Doktrin, die manchmal die Oberflächenangriffe mit Geschützen gegenüber Torpedoangriffen bevorzugte
– Alliierte Luftüberlegenheit im Mittelmeer

Trotz dieser Schwierigkeiten versenkten italienische U-Boote im Laufe des Krieges etwa 130 alliierte Schiffe mit einer Gesamttonnage von etwa 700.000 Tonnen.

Nach dem Waffenstillstand

Nach dem italienischen Waffenstillstand im September 1943:
– Einige U-Boote kapitulierten vor den Alliierten.
– Andere wurden versenkt, um eine Erbeutung zu verhindern.
– Einige wenige dienten weiterhin bei den faschistischen Streitkräften.

Bemerkenswerte Operationen

– Operationen zur Unterstützung des Nordafrikafeldzugs
– Atlantikpatrouillen, einschließlich Operationen in der Nähe der Azoren und der Kanarischen Inseln
– Sondereinsätze, darunter der Transport von strategischem Material aus dem Fernen Osten

Insgesamt leisteten die italienischen U-Boote, auch wenn sie nicht so bekannt sind wie ihre deutschen Pendants, einen bedeutenden Beitrag zu den Seestreitkräften der Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg.

Sirena, Perla, Adua, Acciaio-Klasse

U-Boot Granito
Das Klassen-U-Boot Granito lief am 7. August 1941 von Stapel. Gut sichtbar sind die Mündungsklappen beider Heckrohre.

Sirena, Perla, Adua, Acciaio-Klassen.
Typ: italienische Unterseeboote der 600-Klasse.

Geschichte

Datierend aus einer Zeit der großen Expansion der U-Boot-Waffe der italienischen Marine, waren die 12 Unterseeboote der Sirena-Klasse und ihrer Nachbauten auch als Boote der 600-Klasse bekannt. Diese Zahl war bezeichnend für ihre geplante Standard-Wasserverdrängung, auch wenn die endgültigen Entwürfe diese beträchtlich überschritten. Jedoch bewiesen sie, dass sie sehr handliche Boote für die doch sehr beengten Bedingungen im Mittelmeer waren.

Ihr Entwurf wurde sehr stark von der vorhergehenden Argonautau-Klasse beeinflusst, auch wenn deren Einsatzerfahrungen nicht berücksichtigt werden konnten, da der Baubeginn noch vor Indienststellung dieser Klasse begann. Die U-Boote der Sirena-Klasse waren einfach und robust und wurden viel eingesetzt, wodurch sie erhebliche Verluste erlitten und nur ein Boot beim Waffenstillstand im September 1943 noch übrig war.

Zehn fast identische Nachbauten, die Perla-Klasse, folgten. Zwei von ihnen, Iride und Onice, fuhren während des Spanischen Bürgerkriegs unter national-spanischer Flagge. Während des 2. Weltkrieg wurden Iride zusammen mit Ambra umgebaut, um als Mutter-U-Boote für Maiale (Schweine) Zwei-Mann-Torpedos SLC zu dienen. Letztes Boot konnte zwei Tage nach dem Seegefecht vor Kap Matapan den englischen Kreuzer HMS Bonaventure versenken. Nach dem Umbau griff sie den Hafen von Algier im Dezember 1942 an und konnte mit ihren Maiale vier Schiffe mit zusammen 20.000 BRT schwer beschädigen.

Zwischen 1936 und 1938 wurde 17 Boote der nahezu ähnlichen Adua-Klasse von Stapel gelassen. Zwei von ihnen wurden ebenfalls umgebaut, um SLC Zwei-Mann-Torpedos einsetzen zu können. Von diesen beiden war die Sore besonders erfolgreich. Ihre Maiale griffen Gibraltar bei nicht weniger als vier Unternehmungen an, wobei alleine im September 1941 zwei Schiffe versenkt wurden, darunter der Hilfstanker Denbydale. Ihr größter Coup erfolgte jedoch im Dezember 1941, als durch ihre Maiale die englischen Schlachtschiffe HMS Queen Elizabeth und HMS Valiant, zusammen mit einem Tanker, auf den Hafengrund von Alexandria versenkt wurden und für viele Monate ausfielen (Queen Elizabeth kehrte erst im Juli 1943 zur Home Fleet zurück). Sore wurde schließlich im August 1942 vor Haifa durch den U-Jagd-Trawler May (andere Quelle: durch Korvette Islay) versenkt.

Die letzte Ausführung der 600-Klasse war die 13 Boote starke und vergrößerte Acciaio-Klasse, welche von 1941 bis 1942 gebaut wurden.

Benutzer: Italien.


Bilder von U-Booten der 600-Klasse


Spezifikationen für Sirena-Klasse

Spezifikationen:

Sirena-Klasse
Spezifikation
Typ
Unterseeboot
Wasserverdrängung
679-701 t aufgetaucht, 842-860 t getaucht
Länge
60,18 m
Breite
6,45 m
Tiefgang
4,70 m
Maschinen
Überwasser-Dieselmotor und E-Motor für Unterwasserfahrt mit zwei Wellen
Gesamtleistung
1.200 PS über Wasser, 800 PS unter Wasser mit E-Motor
Brennstoffvorrat
?
Geschwindigkeit
14 kn über Wasser, 8 kn unter Wasser
Fahrbereich
9.000 km bei 8 kn über Wasser, 135 km bei 4 kn unter Wasser
Tauchtiefe
?
Besatzung
45

Bewaffnung:

Sirena-Klasse
Spezifikation
Haupt-Bewaffnung
6 x 53,3-cm-Torpedorohre (vier im Bug, zwei im Heck) mit 12 Torpedos
Sekundär-Bewaffnung
10-cm-Kanone
Flak
2 (später 4) x 13,2-mm-Fla-MGs

Einsatzstatistik:

600-Klasse
Angaben
Boote
12 Sirena-Klasse, 10 Perla-Klasse, 17 Adua-Klasse (1936-1938), 13 Acciaio-Klasse (1941-1942)
Verbleib
11 Boote der Sirena-Klasse gesunken, andere unbekannt


Modell italienische U-Boote der Adua und Acciaio-Klasse

italienische U-Boote
italienische U-Boote der Adua (oben) und Acciaio-Klasse (unten)

Quellenangaben und Literatur

The Encyclopedia of Weapons of World War II (Chris Bishop)
Flotten des 2. Weltkrieges (Antony Preston)
U-Boote im Duell (Harald Bendert)

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