Schlachtschiff Tirpitz

Das Schlachtschiff Tirpitz: Geschichte, Bau, Einsätze, Spezifikationen und Fotos des deutschen Kriegsschiffs des Zweiten Weltkriegs.

Tirpitz in Norwegen
Schlachtschiff Tirpitz in Norwegen.

Deutsches Schlachtschiff Tirpitz

Schlachtschiff Tirpitz der Bismarck-Klasse.
Typ: Schlachtschiff.

Die Tirpitz war ein Schlachtschiff der Bismarck-Klasse und das zweite und letzte seiner Art, das während des Zweiten Weltkriegs für die Kriegsmarine gebaut wurde. Benannt nach Großadmiral Alfred von Tirpitz, wurde sie im Februar 1941 in Dienst gestellt.

Überblick über die Tirpitz

Die Tirpitz war ein deutsches Schlachtschiff, das während des Zweiten Weltkriegs gebaut wurde. Sie war das zweite und letzte Schiff der Bismarck-Klasse, zusammen mit ihrem Schwesterschiff, der Bismarck.

Bau: Die Tirpitz wurde 1936 auf Kiel gelegt, 1939 vom Stapel gelassen und 1941 in Dienst gestellt.

Technische Daten: Sie hatte eine Verdrängung von 42.900 Tonnen, eine Länge von 250,5 Metern und eine Besatzung von über 2.600 Mann. Das Schiff war mit acht 38-cm-Kanonen, zwölf 15-cm-Kanonen und zahlreichen Flugabwehrkanonen bewaffnet.

Dienst: Im Gegensatz zur Bismarck, die 1941 versenkt wurde, verbrachte die Tirpitz die meiste Zeit des Krieges in den norwegischen Fjorden, wo sie eine große Gefahr für die alliierte Schifffahrt im Nordatlantik darstellte.

Operation ‚Source‘: Im September 1943 gelang es britischen Mini-U-Booten, Sprengstoff unter der Tirpitz zu platzieren, was zu erheblichen Schäden führte und das Schiff für mehrere Monate funktionsunfähig machte.

Untergang: Am 12. November 1944 versenkten britische Lancaster-Bomber, die mit 12.000-Pfund-Bomben (‚Tallboy‘) bewaffnet waren, die Tirpitz schließlich in Tromsø, Norwegen. Bei dem Angriff kamen zwischen 950 und 1.204 Mitglieder der Schiffsbesatzung ums Leben.

Die Tirpitz band aufgrund der ständigen Bedrohung, die sie darstellte, beträchtliche alliierte Marinestreitkräfte, was sie zu einem wichtigen Teil der deutschen Marinestrategie während des Zweiten Weltkriegs machte, auch wenn sie nie direkt gegen alliierte Schiffe in einem Überwassergefecht eingesetzt wurde.

Entwurf und Bau der Tirpitz

Stapellauf Tirpitz
Stapellauf der Tirpitz.

Baugleich in fast allen Bereichen zum Schlachtschiff Bismarck, war die Karriere der Tirpitz in jedem Fall so lange und unspektakulär, wie die ihres Schwesterschiffs kurz und heldenhaft war. Doch dies würde die praktischen Erfolge beider Schiffe ignorieren, von denen eines zwar einen berauschenden, zehntägigen Kampf im Atlantik gegen die halbe britische Royal Navy während des Unternehmens Rheinübung austrug, der jedoch mit dem Austausch des brandneuen deutschen Schlachtschiffs gegen einen alten und nicht modernisierten Schlachtkreuzer endete.

Dagegen zwang die Tirpitz die Briten dazu, über Jahre zwei Schlachtschiffe, einen Flugzeugträger und andere Flotteneinheiten in Gewässern zu halten, in denen sie eigentlich nicht notwendig waren und an anderen Stellen ebenfalls dringend benötigt wurden. Und dies alles nur durch ihre Anwesenheit in bedrohlichen Lauerstellung in norwegischen Fjorden.

Das Schlachtschiff Tirpitz wurde in der Marinewerft von Wilhelmshaven im Oktober 1936 auf Kiel gelegt, hatte seinen Stapellauf am 1. April 1937 und war für die See-Erprobung am 25. Februar 1941 fertiggestellt worden.

Sie unterschied sich von ihrem Schwesterschiff in kleineren Details, wie die Anordnung des Flugzeughangars und Kräne und die Anbringung von zwei Vierfach-Torpedorohr-Halterungen für den Einsatz gegen Handelsschiffe.
Erprobungsfahrten in der Ostsee und Verbesserungsarbeiten am Schiff in Kiel dauerten 7 Monate, sodass Tirpitz nicht vor dem 20. September 1941 die Einsatzbereitschaft meldete.

CoN
Bismarck und Tirpitz
Bismarck und Tirpitz bei Übungen in der Ostsee Anfang Mai 1941.

Einsätze der Tirpitz

Sie wurde anschließend sofort auf ihre erste Mission geschickt, einer ereignislosen Kreuzfahrt vor den Aland-Inseln, an der Mündung des Golfs von Finnland. Dort sollte sie einen womöglichen Ausbruch der sowjetischen Ostseeflotte aus Leningrad zwischen dem 26. und 29. September zu verhindern helfen.
Anschließend blieb Tirpitz in der Ostsee und unternahm Ausbildungsübungen bis zum 12. Januar 1942, als sie von Kiel aus durch den Nordostsee-Kanal nach Trondheim in Norwegen ging. Wie ihr Schwesterschiff sollte sie nie mehr nach Deutschland zurückkehren.

Schlachtschiff Tirpitz
Schlachtschiff Tirpitz mit ihren 38-cm-Kanonen nach oben und zur Seite gerichtet.

Tirpitz vorrangige Rolle war es, die alliierten Seeverbindungen nach Nord-Russland zu stören, entweder durch unmittelbares Handeln oder durch die Androhung des abfangen der nach Murmansk und Archangelsk laufenden Arktis-Konvois.
Ihr einziger vollständiger Ausfall zu diesem Zweck erfolgte am 6. März 1942, als sie aus Trondheim auslief um den nach Murmansk laufenden Konvoi PQ 12 abzufangen. Jedoch wurde sie durch britische U-Boote schon kurz nach dem Auslaufen gesichtet und gemeldet, sodass die britische Admiralität den Kurs des Konvois rechtzeitig ändern konnte. So fand das Schlachtschiff mit seinen drei begleitenden Zerstörern nicht sein Ziel.
Zudem wurde sie durch abgefangene und decodierten Funksignale aufgespürt und entging Angriffen von britischen Flugzeugen vom Flugzeugträger Victorious am 9. März nur knapp.

Das Schlachtschiff Tirpitz erzielte indirekt ihren größten Erfolg gegen einen Konvoi Anfang Juli 1942, durch einfache Vorverlegung von Trondheim zum Altenfjord, im äußersten Norden von Norwegen. Ihre dortige Anwesenheit in der Nähe der Route des Artkis-Konvoi PQ 17 verleitete die in Panik geratene britische Admiralität am 4. Juli dazu, den Konvoi aufzulösen und die Handelsschiffe sich zerstreuen zu lassen. Tirpitz lief erst am 5. Juli aus, wurde dreimal beobachtet und gemeldet sowie von einem russischen U-Boot angegriffen, während eines Einsatzes der nicht einmal 12 Stunden dauerte. Sie hatte daher keinen direkten Anteil an der Versenkung von 24 alliierten Schiffen aus dem Konvoi.

Obwohl sie nie mehr auslief, um einen Konvoi anzugreifen, genügte alleine die von ihr ausgehende Bedrohung, dass die Royal Navy mindestens zwei Großkampfschiffe und einen Flottenträger in den Heimatgewässern bereithalten musste, um die Arktis-Konvois und den Zugang in den Nordatlantik zu schützen.
Im Oktober 1942 scheiterte ein Versuch, sie mit Zwei-Mann-Torpedos (sogenannt Chariots, Torpedo-ähnliche U-Boote) in Trondheim anzugreifen, wo sie sich zu einer Umrüstung aufhielt. Die Zwei-Mann-Torpedos gingen schon 8 km vor Erreichen der Tirpitz verloren.

Tirpitz war wieder einsatzfähig Ende Januar 1943 und im März wurde sie in den Altenfjord, welcher ihre ständige Basis für die nächsten 19 Monate werden würde, verlegt. Hier erhielt sie Verstärkung durch den Schlachtkreuzer Scharnhorst und den Schweren Kreuzer Lützow. Große Dinge wurden von diesem mächtigen deutschen Geschwader im Frühjahr und Sommer 1943 erwartet, aber die Briten nahmen die Herausforderung nicht an und schickten die schweren Einheiten der Home Fleet zur Unterstützung in das Mittelmeer und setzten alle Arktis-Konvois bis November 1943 aus. So blieben die deutschen Großkampfschiffe ohne ein Ziel.

Schließlich wurde für Tirpitz und Scharnhorst Anfang September eine andere Aufgabe gefunden, wenn auch der Beschuss und die Invasion des nahezu unverteidigten Spitzbergen kaum eine würdige Aufgabe für diese mächtigen Schiffe war. Sie waren zwischen dem 6. bis 9. September auf See und dieser See-Einsatz war auch der letzte für das Schlachtschiff Tirpitz.

Schlachtschiff Tirpitz beschießt Spitzbergen
Das Schlachtschiff Tirpitz beschießt 1943 Spitzbergen. Der Schiffskörper ist deutlich zu erkennen. Bei den Kuppeln mittschiffs und auf den achteren Aufbauten handelt es sich um Fla-Feuerleitgeräte.

Am 22. September wurde sie dann von zwei britischen Kleinst-U-Booten vom Typ X-Craft mit Sprengladungen außer Gefecht gesetzt, welche umfangreiche Zerstörungen durch die Schockwellen der Explosionen an Antriebsmaschinen und dem Artilleriesystem verursachten.

Die Reparaturen wurden zwar schnell mit bemerkenswerter Ingenieurleistung durchgeführt, aber gerade als das Schlachtschiff Tirpitz mit Erprobungsfahrten am 3. April 1944 beginnen wollte, wurde sie von 40 Barracuda-Sturzkampfbomber von Flugzeugträgern der britischen Home Fleet angegriffen und wieder schwer beschädigt. Weitere Angriffe im Juli und August, wobei sie zu diesem Zeitpunkt schon wieder repariert war, verursachten nur geringe Schäden.

Versenkung der Tirpitz

Die britische Royal Air Force hatte zuvor bereits versucht, Tirpitz anzugreifen. Erstmals 1941 in Kiel sowie im März und April 1942 in Trondheim. Aber erst im Herbst 1944 hatte das Bomber-Kommando die richtige Kombination aus Flugzeugen und Waffen, um auf diese Distanz einen Erfolg zu ermöglichen: Lancaster-Bomber mit 5.443-kg Tallboy-Bomben und stabilisierten automatischen Bombenabwurfgeräten.

Bodenpersonal belädt eine Lancaster mit einer 5443-kg-Tallboy-Bombe
Das Bodenpersonal belädt eine Lancaster der 617. Squadron mit einer 5443-kg-Tallboy-Bombe. Die auf dem Rumpf der Lancaster gemalten Bomben geben die Anzahl der bisher geflogenen Bombeneinsätze an. Dieses Foto wurde vor dem dritten Angriff auf die ‚Tirpitz‘ am 12. November 1944 gemacht.

Die große Entfernung zum Altenfjord in Norwegen verhinderte einen konventionellen Zielanflug mit Start und Landung von einem Stützpunkt in Großbritannien aus. So wurde entschieden, den Einsatz – genannt Operation Paravane – von einem russischen Flugplatz aus durchzuführen, zu dem die Bomber nach dem Angriff auch wieder zurückkehren sollten, bevor sie zurück nach Großbritannien fliegen.
Die Streitmacht bestand aus 20 mit SABS ausgerüsteten Lancaster-Bombern der 617 Staffel, 18 weiteren der 9. Staffel mit konventionellen Bombenzielgeräten und ein Fotoaufklärer der 463. Staffel, einem Mosquito-Bomber und zwei B-24 Liberator. Letztere transportierten Ersatzteile und das notwendige Bodenpersonal.
Schlechtes Wetter und Probleme mit der Funkverbindung aufgrund unterschiedlicher Ausrüstung führten schon zum Verlust einiger Flugzeuge auf dem Weg nach Russland am 11. September. Dazu mussten sechs Lancaster-Bomber nach Bruchlandung auf dem schlechten Flugfeld in Russland abgeschrieben werden.

Schlechtes Wetter verhinderte die Durchführung des Einsatzes bis zum 15. September, als endlich 28 Lancaster starten konnten, aber eine künstliche Nebelwand über dem Altenfjord vorfanden. 20 Bomber trugen die 5.443-kg-Tallboy-Bomben, während sechs oder sieben mit gigantischen 225-kg-Johnny-Walker-Minen beladen waren, welche speziell zum Einsatz gegen Schiffe in flachen Gewässer konstruiert waren. Siebzehn Flugzeuge warfen ihre Tallboy-Bomben ab, während die anderen mit ihren Bomben und allen Minen wieder zum Flugplatz Yagodnik zurückkehren mussten.

Es blieb den Briten erst einmal verborgen, dass sie trotzdem Erfolge erzielt hatten. Eine Tallboy-Bombe traf den vorderen Bereich der Tirpitz und verursachte erhebliche Schäden in einem 36 Meter langen Abschnitt hinter dem Bug, der 1.500 Tonnen Wasser eindringen ließ, während ein Nahtreffer weiteren Schaden verursachte. Reparaturen an solchen schweren Schäden waren unmöglich in Norwegen durchzuführen.

Zwischenzeitlich war Finnland aus dem Krieg ausgeschieden und die Polarfront an der Liza vor Murmansk sollte auf den Lyngen-Fjord in Nordnorwegen zurückgenommen werden. Durch die nun anlaufende Räumung der norwegischen Provinz Finnmarken war der Alta-Fjord für deutsche Kriegsschiffe als Ankerplatz nicht mehr nutzbar und Tirpitz sollte als schwimmende Batterie den Rückhalt der neuen Lyngen-Fjord-Front bilden.
Am 15. und 16. Oktober fuhr Tirpitz aus eigener Kraft zu einem Ankerplatz in der Nähe von Tromsö, wo sie Bestandteil der dortigen Verteidigungsanlagen werden sollte. Tromsö war allerdings innerhalb der Reichweite von britischen Bombern, welche im Norden Schottlands stationiert waren.

Dies ermöglichte einen zweiten britischen Angriff, wenn auch die Lancaster-Bomber mit Zusatztanks aus Wellington- und Mosquito-Bombern nachgerüstet werden mussten. Diese Modifikation machte die Bomber zwei Tonnen schwerer als ihr zulässiges Gesamtgewicht, sodass die vorderen MG-Türme und andere Ausrüstungsteile ausgebaut wurden und die Flugzeuge mit stärkeren Merlin-24-Motoren nachgerüstet werden mussten.

Vor dem nächsten Einsatz gegen die Tirpitz flog die 617. Staffel noch am 7. Oktober 1944 einen Angriff gegen die Schleusentore des Kembs-Damm bei Belfort. Eine Gruppe griff im Tiefflug an, während die andere in 2.500 Metern Höhe angriff. Die deutschen Flak-Kanoniere schossen sich auf die höher fliegenden Bomber ein und zerstörten zwei, sodass eine Lancaster das Ziel im Tiefflug treffen konnte und die Wassermassen die nahe Schweiz erreichten.

Nach dieser Unterbrechung folgte der nächste Angriff am 28. Oktober vom Flugplatz Lossiemouth aus gegen die Tirpitz. Um 1 Uhr am 29. Oktober erreichen jeweils 20 Bomber der 9. und 617. Staffel Tromsö. Doch der Fjord war in Nebel gehüllt und alle 32 Tallboy-Bomben wurden blind und weit verstreut abgeworfen. Ein Flugzeug mußte eine Notlandung in Schweden machen.

Tirpitz gekentert
Der Rumpf des gekenterten Schlachtschiff ‚Tirpitz‘ hebt sich aus dem Fjord bei Tromsö.

Das Ende kam dann am 12. November 1944 für die ‚einsame Königin des Nordens‘, als 29 Lancaster-Bomber (18 von der 617. und 13 von der 9. Staffel gestartet) zumindest drei Treffer und einen knappen Nahtreffer zwischen den B- und C-Türmen erzielten, was die Öffnung der Mitschiffsbordseite vom Kiel bis zur Wasserlinie verursachte und das Schlachtschiff Tirpitz innerhalb von 11 Minuten kentern ließ, nachdem die erste Bombe fallengelassen worden war. Über 1.000 Mitglieder ihrer Besatzung gingen mit dem Schiff zusammen verloren.

Benutzer: Deutsche Kriegsmarine.


Bilder vom Schlachtschiff Tirpitz

 

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Spezifikationen von Schlachtschiff Tirpitz

Spezifikationen:

Tirpitz
Spezifikation
Typ
Schlachtschiff
Wasserverdrängung
42.900 t
Einsatzverdrängung
50.996 t
Länge zwischen Loten
241,5 m
Länge über alles
250,5 m
Breite
36 m
Tiefgang
11 m
12 x Wagner-Kessel
Maschinen
Blohm&Voß-Einfachgetriebe-Turbinen mit 3 Wellen
Gesamtleistung
163.000 PS
Heizöl
7.461 t
Geschwindigkeit
31,1 kn
Fahrbereich
9.280 sm bei 16 kn
Besatzung
1.905

Bewaffnung:

Tirpitz
Spezifikation
Haupt-Bewaffnung
8 x 38 cm L/47 Geschütze
Sekundär-Bewaffnung
12 x 15 cm L/55
Flak
16 x 10,5 cm L/65, 16 x 3,7 cm Flak, 58 x 2 cm Flak (1944)
Torpedorohre
8 x 53,3-cm
Flugzeuge
4

Panzerschutz:

Tirpitz
Dicke
Seite (Gürtel)
145 - 323 mm
Oberdeck
50 mm
Hauptdeck
30 mm
Panzerdeck
80 - 120 mm
Hauptartillerie
130 - 360 mm
Barbetten
220 mm
Mittelartillerie
20 - 100 mm

Einsatzstatistik:

Tirpitz
Angaben
Kiellegung
26.10.1936
Stapellauf
1.4.1939
Fertigstellung
25.2.1941
Verbleib
versenkt am 12.11.1944

Modell der Tirpitz
Modell der Tirpitz.

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Namensgeber des Schlachtschiffs: Großadmiral Alfred von Tirpitz

Großadmiral von Tirpitz
Kaiser Wilhelm II. mit Großadmiral von Tirpitz (Mitte).

Alfred von Tirpitz (1849-1930) war ein deutscher Großadmiral, der von 1897 bis 1916 als Staatssekretär des Reichsmarineamts diente und damit eine der einflussreichsten militärischen Persönlichkeiten im kaiserlichen Deutschland vor und während des Ersten Weltkriegs war.

Frühes Leben und Karriere
Am 19. März 1849 in Küstrin (heute Kostrzyn nad Odrą, Polen) geboren, trat Tirpitz 1865 als Kadett in die preußische Marine ein. Er stieg stetig auf und zeichnete sich als Torpedospezialist und Marinestratege aus.

Entwicklung der Marine

Tirpitz ist vor allem bekannt für:
– Architekt des deutschen Flottenausbauprogramms, das die britische Vormachtstellung in der Marine in Frage stellte.
– Begründer der „Risikotheorie“ (Risikogedanke) – der Idee, dass Deutschland eine Flotte benötigte, die so stark war, dass selbst die dominante britische Marine in jedem Konflikt schwere Verluste riskieren würde.
– Überwachung der Verabschiedung mehrerer Marinegesetze (1898, 1900, 1906, 1908), welche die deutsche Flotte drastisch erweiterten.
– Entwicklung des Konzepts der Hochseeflotte.

Erster Weltkrieg
Während des Ersten Weltkriegs setzte sich Tirpitz für einen aggressiven Einsatz der deutschen Flotte und einen uneingeschränkten U-Boot-Krieg ein. Als seine Strategien nicht so umgesetzt wurden, wie er es sich wünschte, trat er im März 1916 zurück.

Vermächtnis
Tirpitz‘ Flottenaufbauprogramm wird oft als wichtiger Faktor in der deutsch-britischen Rivalität genannt, die zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs beitrug. Sein Name wurde später dem berühmten deutschen Schlachtschiff Tirpitz des Zweiten Weltkriegs gegeben.

Nach dem Krieg trat Tirpitz kurzzeitig in die Politik der rechtsgerichteten Deutschnationalen Volkspartei ein und veröffentlichte seine Memoiren. Er starb am 6. März 1930 in Ebenhausen, Deutschland.

Tirpitz ist nach wie vor eine umstrittene Figur – er wird für seine technischen Errungenschaften beim Aufbau der modernen deutschen Marine gelobt, aber auch kritisiert, weil er zum Wettrüsten der Marine beigetragen hat, das die Spannungen vor dem Zweiten Weltkrieg verschärfte.


Quellenangaben und Literatur

Fighting Ships of the World (Antony Preston)
Kriegsschiffe von 1900 bis heute – Technik und Einsatz (Buch und Zeit Verlagsgesellschaft)
The Illustrated Directory of Warships from 1860 to the present day (David Miller)
Flotten des 2. Weltkrieges (Antony Preston)
Kriegsschiffe 1939-45 (Heyne-Bildpaperback)
Die Schlacht im Atlantik (Andrew Kershaw)
Atlas zur Seefahrts-Geschichte (Christopher Loyd)
Seemacht – eine Seekriegsgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart (Elmar B. Potter, Admiral Chester W.Nimitz)

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