‚Entartete Kunst‘ – Die Kulturpropaganda des Dritten Reichs


‚Entartete Kunst‘ – Die Kulturpropaganda des Dritten Reichs.

Entartete Kunst
Quelle: Foto von Darya Sannikova auf Pexels (https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-die-vor-dem-gemalde-des-mannes-steht-2121666/ (15. April 2019)

Das Nazi-Regime wollte in vielerlei Hinsicht eine „Säuberung“ des Dritten Reichs erwirken. Auch die Bereiche Kunst und Kultur blieben hiervon nicht verschont.

Die Nationalsozialisten haben Künstler spezifisch kategorisiert: Die einen wurden in den höchsten Tönen gelobt und profitierten von besonderen Vorzügen, die anderen wurden wiederum in Schandausstellungen geächtet und durften ihre künstlerische Arbeit nicht fortführen.

Was es mit der Ausstellung „Entartete Kunst“ auf sich hat, wie Kunst als Propagandainstrument im Dritten Reich genutzt wurde und wie das Nazi-Regime gegen Künstler vorgegangen ist, erklären wir in diesem Artikel.

Was ist “Entartete Kunst”?

Vielfältige Kunst, wie sie im Kunsthaus Zimmermann & Heitmann zu sehen ist, wurde im Dritten Reich nach den Werten und dem Schönheitsideal der Nationalsozialisten systematisch „gesäubert“.

Als sogenannte „Entartete Kunst“ galten im Dritten Reich jegliche Kunstwerke und Kulturgüter, die schlichtweg nicht dem Kunstverständnis der Nationalsozialisten entsprachen. Dies betraf insbesondere Kunstwerke des Expressionismus, Dadaismus, Impressionismus, Surrealismus, Fauvismus, Kubismus und der Neuen Sachlichkeit.

Im Rahmen der Kulturpropaganda hat der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda sowie Präsident der Reichskulturkammer Joseph Goebbels die Wanderausstellung „Entartete Kunst“ initiiert. Der Präsident der Reichskammer der bildenden Künste, Adolf Ziegler, übernahm die Leitung der Ausstellung. Sie wurde erstmals am 19. Juli 1937 in München eröffnet und bestand aus 650 konfiszierten Kunstwerken aus insgesamt 32 deutschen Museen. Die Wanderausstellung konnte bis April 1941 in insgesamt 12 Städten besucht werden und zog über drei Millionen Besucher an.

Neben der Ausstellung wurden die deutschen Kunstsammlungen im Rahmen einer „Kultursäuberung“ rund 20.000 Kunstwerken von etwa 1.400 Künstlern beraubt, welche entweder zerstört oder im Ausland verkauft wurden. Darüber hinaus erhielten viele sogenannte „entartete“ Künstler, Galeristen, Professoren und Hochschullehrer sowie Museumsbetreiber bereits seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 ein Berufsverbot.

Kunst als Propagandainstrument

Kunst wurde im Dritten Reich als Propagandainstrument missbraucht. Zeitgleich mit der Ausstellung „Entartete Kunst“ eröffnete Adolf Hitler eine Ausstellung, die „ideale“ Kunstwerke in Deutschland repräsentieren sollte. Diese Kunst war geprägt von realistischen Darstellungen und heroisierte die „arische Rasse“. In den Augen der Nationalsozialisten sollte Kunst keine Kritik an gesellschaftlichen Missständen darstellen und schon gar nicht abstrakt sein oder von der Norm abweichen.

Als Propaganda wurden in der Ausstellung „Entartete Kunst“ den Kunstwerken Fotografien von körperlich behinderten Menschen gegenübergestellt. Diese Provokation sollte deutlich machen, welche Meinung die Nationalsozialisten gegenüber den dort ausgestellten Werken haben. Es wurde impliziert, dass diese Kunst von „minderwertigen und geisteskranken Menschen” erschaffen wurde und in Deutschland nur Platz für „gesunde“ Kunst und Kultur sei.

Diese Künstler durften im Dritten Reich nicht praktizieren

Um die Verbreitung sogenannter „entarteter, geisteskranker und jüdisch-bolschewistischer“ Kunst einzudämmen, wurden nicht bloß Kunstwerke vernichtet, verfemt und verkauft, sondern die dahinterstehenden Künstler erhielten ein Berufsverbot, wurden verfolgt und mussten um ihre Existenz fürchten.

Zu ihnen gehörten unter anderem Ernst Ludwig Kirchner, Max Ernst, George Grosz, Ernst Barlach, Otto Griebel, Paul Klee, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff und viele mehr.

Expressionist Max Beckmann

Der Expressionist Max Beckmann gehörte zu den Opfern der Nationalsozialisten im Rahmen der Kulturpropaganda. Bereits unmittelbar nach der Machtübernahme im Jahr 1933 wurde ihm seine Kunstprofessur in Frankfurt entzogen.

Zwölf seiner Werke wurden in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt und dort öffentlich verfemt. Beckmann ist am Tage der Eröffnung nach Amsterdam geflüchtet und kehrte auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht wieder nach Deutschland zurück.


Maler und Grafiker Otto Dix

Ebenso wie Beckmann wurde auch der Maler, Grafiker und Kunstprofessor Otto Dix im Jahre 1933 entlassen. Viele seiner Gemälde wurden 1937 ein Teil der Ausstellung „Entartete Kunst“, woraufhin er seine Werke nicht mehr öffentlich präsentieren durfte.

Im Zuge der öffentlichen Demütigung zog sich Dix an den Bodensee zurück, wo er sich nunmehr der Landschaftsmalerei und einem Leben im Verborgenen verschrieben hatte.

Expressionist Ernst Ludwig Kirchner

Als „entartet“ galten auch die Kunstwerke des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner. Von seinen Gemälden und Grafiken wurden mehr als 600 aus deutschen Museen und Sammlungen beschlagnahmt.

Auch wenn nicht alle verfemten Künstler vom Nazi-Regime physisch verfolgt wurden, lastete der psychische Druck durch die öffentliche Bloßstellung und Diffamierung auf den Künstlern. Im Falle Kirchners endete sein Leben ein Jahr nach der Wanderausstellung durch Selbstmord in der Schweiz. Ob die Tat in direktem Zusammenhang mit der Schreckenspropaganda der Nationalsozialisten steht oder der Künstler weitere psychische Probleme hatte, ist bis heute unklar.


Quellen:
https://www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/entartete-kunst-so-brutal-gingen-nazis-gegen-kuenstler-vor_id_3364967.html
https://www.sueddeutsche.de/politik/kunst-im-nationalsozialismus-entartete-und-gottbegnadete-1.2496756
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/kunst-und-kultur/entartete-kunst.html
https://arolsen-archives.org/news/verfolgte-kuenstlerinnen-im-nationalsozialismus/
https://www.spiegel.de/geschichte/entartete-kunst-ns-propagandaausstellung-1937-in-muenchen-a-947652.html

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