Weitere interessante Beiträge:
Im Blickpunkt:
  • Geschichte des Ersten Weltkriegs. Der Weg in den Ersten Weltkrieg. Der Weg zum Krieg Falls der 1. Weltkrieg von 1914-1918 eine hauptsächliche Ursache hatte, war es sicherlich der Wunsch der französischen Armee und ganzen ‘Grande’ Nation, die Demütigungen des Deutsch-Französischen Krieg von 1870-1871 zu rächen. Der Tatsache bewusst, dass Frankreich sich nie mit der Vereinigung Deutschland unter einem preußischer König (sowie die erschreckende Aussicht auf einen deutschen Prinzen auf den vakanten spanischen Thron) abfinden wird, hatte der ‘Eiserne Kanzler’ Otto von Bismarck den unergründlichen, aber schwachen und wankelmütigen französischen Kaiser Napoleon III. in eine Situation manöveriert, in welcher er den Krieg am 19. Juli 1870 erklärte. Entgegen allen Erwartungen erwies sich schnell, daß die kaiserlichen Armeen von Frankreich unzureichend vorbereitet, ausgerüstet und geführt wurde. Weder Österreich-Ungarn noch die vermeintlich anti-preußischen Staaten von Süddeutschland zeigten die geringste Neigung, eine anti-preußische Allianz zu bilden. Der deutsche Feldzug wurde von Moltke federführend geleitet. Die deutschen Armeen überschritten schnell am 4. August 1870 die Grenze und gewann eine Reihe von Siegen über Marschall Bazaine optimistisch getaufte ‘Rheinarmee’, die ihren Höhepunkt in seiner Einschließung mit 173.000 Mann in Metz erreichte. Napoleon III. und Marschall Mac-Mahon versuchten zwar die Belagerung aufzuheben, wurden aber bei Sedan am 1. September 1870 ebenfalls eingeschlossen und mussten sich mit 83.000 Soldaten und Offiziere übergeben. Die Kaiserin Eugenie floh aus Paris um ein halbes Jahrhundert ein Leben im Exil zu führen und die Dritte Republik Frankreichs wurde gegründet. Ein von Preußen dominiertes Deutschen Reiches wurde in Versailles am 18. Januar 1871 ausgerufen. Als Paris kurz danach belagert wurde, entkommt der fanatische republikanische Innenminister Leon Gambetta mit einem Wasserstoffballon, um einen Volkskrieg ‘a levee en masse’ in den noch unbesetzten Provinzen zu organisieren. Die Besatzung und der Nationalgarde von Paris, nach der schmachvollen Kapitulation von Metz am 27. Oktober 1870 nur noch mit geringen Aussichten auf Erfolg konfrontiert, wankte. General Trochu setzte die Verteidigung der Hauptstadt trotzdem fort und ging sogar zum Gegenangriffen über, bis im Januar der Hunger und der schwerer Beschuss einen weiteren Widerstand unmöglich machten. Der Waffenstillstand wurde von dem drakonischen ‘Frieden von Frankfurt’ gefolgt. Bedingungen des Friedensvertrags von Frankfurt vom 10. Mai 1871 Abtretung der Provinzen Lothringen und Elsass (ohne Belfort) Eine deutsche Besatzungsarmee wird in 43 Departments stationiert. Reparationen von 5 Milliarden Franken in Raten zu zahlen. Deutschland genießt den ‘Meistbegünstigungs’-Status beim gemeinsamen Handelsverkehr mit Frankreich. Die letzte deutsche Garnison (bei Verdun) verließ Frankreich im September 1873. Weniger als zwei Monate nach dem Fall von Paris wurde eine provisorische Regierung der Sozialisten und den linken Kräften der Republikaner durch die ‘Kommune’ von Paris gewählt, auf den Versuch hin der rechtsextremen Nationalversammlung, die Pariser Nationalgarde zu entwaffnen. In der ‘Blutwoche’ im Mai 1871 erstürmte MacMahon die Hauptstadt und mindestens 20.000 Kommunarden und unschuldige Bürger wurden massakriert. ‘Die letzte Stunde der Kommune war keine Schlacht, sondern ein Massaker … Die Sieger wurden von der Schande gezeichnet, daß sie einen neuen Krieg gegen ihre eigenen Landsleute geführt hatten – unter den Augen der Preussen …. Obwohl es Befehle von MacMahon gab, daß die Gefangenen verschont werden sollten, töteten die Sieger ohne Gnade.’ Das Trauma dieser katastrophalen Ereignisse war so stark, dass im Jahr 1889 der einfältige und opportunistischen General und Kriegsminister Boulanger fast in der Lage war, einen Krieg alleine mit seinen anti-deutschen Reden zu provozieren. Sieben Jahre später wurde dem Hauptmann Alfred Dreyfus, welcher von einer jüdischen Familie aus Mülhausen (Elsass) abstammte, der Vorwurf gemacht, die Spezifikation von Frankreichs revolutionären 75-mm-Schnellfeuerfeldgeschütz an Deutschland verraten zu haben. Dies löste eine langwierige Reihe von Krisen aus. Diese drohten mehr als einmal, die französische Gesellschaft zu zerreißen. Obwohl die ganze Unschuld von Dreyfus nachgewiesen werden konnte, wurde dieser auf die Hölle auf Erden, der ‘Teufelsinsel’ (in der Nähe des modernen Raumfahrtzentrum Kourou) gebracht. 1906 wurde er für unschuldig erklärt und erhielt seinen militärischen Rang wieder. Das Gift, welches diese Affäre ausspuckte, hätte eine Warnung sein können, dass wenn die Gelegenheit zu einer neuen deutsch-französischen Kraftprobe jemals entstehen würde, es ein leichtes sein wird, daß es zu einem bestialischen Kampf auf Tod oder Leben zwischen den beiden Nationen eskalieren wird. Außerdem würde dieser zu erwartende Konflikt noch schrecklicher und weit verbreiteter durch eine ganze Reihe von so genannten ‘Defensiv-Bündnissen’ werden, welche zwischen 1878 und 1907 abgeschlossen wurden. Das Deutsche Reich unter Kaiser Wilhelm I. hat sich mit Österreich-Ungarn verbündet. 1882 schloß sich Italien zum sogenannten ‘Dreibund’ an und sie konnten auf ein hohes Maß an Unterstützung durch deutsche Herrscherhäuser in Rumänien, Bulgarien und Griechenland zählen. Als Antwort darauf schloß Frankreich einen militärischen und politischen Pakt mit Russland zwischen 1892-94. Zwischen 1902 und 1907 näherte sich dann auch Großbritannien an und schloss die ‘Triple-Entente’ mit Frankreich und Russland sowie ein Bündnis mit Japan. Zum großen Teil dank des Einfluss des frankophilen englischen König Edward VII. wurde die Entente Cordiale 1904 ausgehandelt. Ein ähnlicher Ausgleich zwischen Großbritannien und dem zaristischen Russland wurde im Jahre 1907 erreicht. Des deutschen Kaisers Minister und Generäle reagierten darauf mit dem Schmieden einer engen Zusammenarbeit mit den ‘Jungtürken’, größtenteils in Deutschland ausgebildete radikale Offiziere, welche die Macht in Konstantinopel 1908 übernahmen. Dies erreichte seinen Höhepunkt mit einem türkisch-deutschen Bündnisvertrag Anfang August 1914. Russland und Österreich waren beide begierig auf dem Balkan ihren Einfluss zu erweitern, wo 1912/13 die einst allmächtigen osmanischen Besatzungsarmeen wieder fast bis vor die Tore von Konstantinopel vertrieben wurden. Auch Deutschland war an der Sicherung des Trans-Balkan-Korridors als Schlüsselelement für eine grandiose Berlin-Bagdad-Bahnverbindung, für welche es 1899 die Konzessionen erhalten hatte, interessiert. Alle europäischen Mächte, mit Ausnahme des morbiden Russland, hatten kolonialen Ambitionen. Sie hatten Afrika in den 1880er Jahren unter sich aufgeteilt und fügten einen fast vollständigen Würgegriff auf das Handels-und Wirtschaftsleben von China aus. Dieses alte, aber bereits im Selbstverfall befindliche Reich, ist im Jahr 1911 endgültig zusammengebrochen. Japan verlangte bald auch eine schöne Scheibe des ‘chinesischen Kuchens’ als Belohnung für das Festhalten auf der Seite der Alliierten, sowie Teile der durch japanische und britische Truppen besetzten pazifischen Besitzungen Deutschlands zwischen August und November 1914. Das kaiserlichen Deutschland lebte in der Überzeugung, dass es mehr …

  • späte Unternerhmung der deutschen Hochseeflotte

    Kriegsschiffe im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918. Es kann ohne Zweifel behauptet werden, dass nur die Armeen im Felde den Ersten Weltkrieg entscheiden konnten – aber zugleich steht es außer Frage, dass die Seestreitkräfte den Krieg durchaus verlieren konnten. Um einen Krieg in diesem Umfang durchzuführen, bedeutete es insbesondere für Großbritannien, die Schifffahrtsrouten offen halten zu müssen, um Männer und Material auf die Kriegsschauplätze transportieren zu können und gleichzeitig die Heimat mit Lebensmitteln und Rohstoffen zu versorgen. Dazu war die Beherrschung der See unausweichlich. Hungerblockaden und Rohstoffmangel durch die Beherrschung der See durch den Gegner führten unweigerlich zur Zersetzung der Moral in der Heimat. Einhundert Jahre lagen zwischen der Seeschlacht von Malaga, ein unentschiedenes Gefecht zwischen der französischen und britischen Flotte im Jahr 1704, und der Schlacht von Trafalgar. Die Betrachtung der Gemälde und Stiche dieser beiden Gefechte zeigt kaum Unterschiede in der Form der Schiffe und der Zusammensetzung der Flotten. Einhundert Jahre nach Trafalgar trafen die japanische und russische Flotte in der Schlacht von Tsushima aufeinander. Ein Vergleich zwischen den Bildern dieser beiden Gefechte ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, denn die industrielle Revolution hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Aussehen der Flotten bis zur Unkenntlichkeit gegenüber der vorausgegangenen Epoche verändert. Der Antrieb erfolgte nun durch Dampfkraft und nicht durch Windkraft mithilfe von Segel, die Rümpfe waren aus Stahl und nicht mehr aus Holz, die Geschütze waren Hinterlader und nicht Vorderlader mit Reichweiten in Kilometern und nicht nur Hunderten von Metern. In diesem ganzen Jahrhundert des Wandels gab es seit Trafalgar keine großen Seegefechte mehr und kein Mensch hatte eine Vorstellung davon, diese neuen Kriegsschiffe effektiv einzusetzen. So blieben Strategie und Taktik der Flotten weit hinter den technischen Fortschritten zurück. Es gab nicht nur grundlegende Veränderungen in der Konstruktion, im Antrieb und in der Bewaffnung seit dem Amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865. Dazu kamen auch die ersten Elemente des heutigen C3-Systems (Command, Control and Communications = Kommandiere, Kontrolliere und Kommunikation) und zwei völlig neue Elemente in der alten Gleichung der Marine, das U-Boot und das Flugzeug, waren entstanden. Das U-Boot hatte eine längere Geschichte als das Flugzeug, aber sein Potenzial wurde von der Mehrheit der Marineoffiziere genauso unterschätzt. Schon während des Amerikanischen Bürgerkrieges wurden einige Semi-Tauchboote eingesetzt, davon einige als Monitore, aber noch wichtiger, andere als Angriffsboote. Letzte waren mit einer Sprengladung auf einer Stange bewaffnet, welche in den Rumpf des Ziels gerammt wurde und dieser Einsatz war der japanischen Kamikaze-Taktik aus der Endphase des Zweiten Weltkrieges nicht unähnlich. Sie hatten zwar einige Erfolge, aber ihre wirkliche Tauchfähigkeit und weitaus größeres Kampfpotenzial lag noch einige Jahre in der Zukunft. Unerschrockene Investoren in Frankreich und Spanien gingen dem Iren John Holland voraus, welcher schließlich seine Unterseeboote in den USA mit einem Benzinmotor für die Überwasserfahrt und einen Elektromotor für das Tauchen baute. Eine Reihe von Erfindungen und Entwicklungen zwischen 1880 und 1910 verwandelte die frühen Unterseeboote in formidable U-Boote mit großer Reichweite. Der Dieselmotor ersetzte die Benzin- und Schwerölmotoren, die Speicherbatterien wurden verbessert, ein richtiges Periskop wurde konstruiert, drahtlose Telegrafie (Funkgeräte) wurde eingebaut, ein Geschütz wurde auf den Rumpf montiert und, am wichtigsten von allem, der Torpedo wurde in die Lage versetzt, unter der Kontrolle seines eigenen Kreisels einen gleichmäßigen Kurs zu laufen. Das ganze Konzept widersprach so sehr der jahrhundertealten Doktrin von der Schlachtflotte als Zentrum aller Seemachtanstrengungen, dass es einigen Enthusiasten, unterstützt von einer kleinen Gruppe fantasievoller Führungsoffiziere, überlassen wurde, Taktiken für U-Boot-Operationen in Kriegszeiten zu entwickeln. Diese Blindheit gegenüber der potenziellen Bedrohung ist umso unverständlicher, wenn man weiß, dass 1914 bereits weit über 300 U-Boote in Dienst gestellt waren, von denen ein beträchtlicher Anteil moderner Bauart war. Dieser Mangel an Wertschätzung zeigte sich auch in vielen anderen Bereichen von Marineangelegenheiten. Das lag zum Teil daran, dass die meisten Marinen keinen Marinestab hatten – welche Winston Churchill später als ‘eine Gruppe intelligenter Offiziere, die Zeit zum Denken hatten’ bezeichnete. Die politischen Entscheidungen wurden normalerweise von höheren Offizieren getroffen, die sich auf ihre Erfahrung verließen. Da diese Erfahrungen aber oft bis in die Zeit der Segelschiffe zurückreichte und nur wenige über praktische Kriegserfahrung verfügten, ist es kaum verwunderlich, dass die Ergebnisse im Allgemeinen unbefriedigend waren. In der Öffentlichkeit wurde über die Vor- und Nachteile verschiedener Schiffskonstruktionen gestritten, aber nur selten gab es eine fundierte Diskussion über Fragen wie die Rolle einer Marine, ihre Einordnung in die Gesamtstrategie einer Nation und den Einfluss moderner Entwicklungen auf die Taktik und Handhabung einer Flotte auszusehen habe. Hätte irgendeine Marine ihrer Gruppe intelligenter Offiziere Zeit zum Nachdenken gelassen, wären solche Dinge wie die zunehmende Reichweite der Geschütze, die gewaltige Wirkung moderner Sprenggeschosse, die Gefahr durch Minen, die Wahrscheinlichkeit, dass eine Flotte durch Funk statt durch Signalflaggen gesteuert wird, die Notwendigkeit, Mittel zur Feuerleitung für die immer weiter reichende Artillerie bereitzustellen, und schließlich die Bedrohung durch U-Boote wohl berücksichtigt worden. Bei letzteren war aber von kardinaler Bedeutung, wie der Schutz der Handelsschiffe hätte aussehen müssen. Bei Ausbruch des Krieges am 4. August 1914 gab es acht große Seemächte: Großbritannien, Deutschland, USA, Japan, Frankreich, Italien, Österreich-Ungarn und Russland. Von diesen hatten nur Japan und Russland in den letzten Jahren Erfahrung mit größeren Einsätzen zur See gehabt. Die Schlachten des Spanisch-Amerikanischen Krieges waren im Vergleich dazu eher statisch. Die Schlacht von Tsushima 1905 war das einzige Gefecht, bei dem die gegnerischen Flotten genügend Seeraum hatten, um zu manövrieren. Der Vergleich der Flotten der acht führenden Marinestreitkräfte zeigt viele Ähnlichkeiten. Die Schlachtschiffe waren das Zentrum aller Pläne und die Veränderungen im Aussehen dieser Großkampfschiffe, welche nach dem Auftreten der HMS Dreadnought im Jahr 1906 folgten, ist unübersehbar. In diesem Jahr begannen sowohl die USA als auch Deutschland Schiffe auf Stapel zu legen, welche die wichtigsten Eigenschaften der HMS Dreadnought übernahmen. Dies betraf insbesondere den Einbau einer verstärkten Batterie von großkalibrigen Geschützen auf Kosten der Fülle von kleineren Waffen in früheren Entwürfen. Das Ziel war einfach, nämlich die größtmögliche schwerste Breitseite mit der größtmöglichen Reichweite zu erzielen. Bis 1909 zogen die Japaner, Italiener und Russen nach, die Franzosen und Österreicher folgten ein Jahr mehr …

  • Grundausbildung bei München

    Wehrmacht – die deutschen Streitkräfte im Dritten Reich 1935 bis 1945. Geschichte, Entwicklung und Aufstellung, Vergleich des Rüstungsstandes vor Hitlers Machtergreifung und Status und Zuverlässigkeit im Dritten Reich. Wehrmacht Bei der Volksabstimmung im Saarland am 13. Januar 1935 stimmen über 90 % der Wahlberechtigten für die Rückkehr zu Deutschland. Daraufhin kehrt das Saarland am 1. März 1935 wieder zum Deutschen Reich zurück. Als Reaktion setzt die französische Regierung am 6. März das Alter der Wehrpflichtigen herab und verdoppelt die bisherige Wehrpflichtzeit von ein auf zwei Jahre. Die bedeutete praktisch die Verdoppelung der französischen Streitkräfte. Das französische Parlament stimmt dem am 15. März zu, nachdem Großbritannien bereits am 4. März in seinem Weißbuch erstmals seit dem Ende des 1. Weltkrieg Aufrüstungspläne verkündet hat. So fällt es der deutschen Regierung am Samstag, dem 16. März 1935 – nahezu immer gibt Hitler seine Überraschungen am Wochenende bekannt, da er mutmaßt, dass die ausländischen Regierungen zu diesem Zeitpunkt nicht sofort reagieren können – nicht schwer, die Wiedereinführung der Wehrpflicht über Rundfunk zu verkünden und zu begründen. Damit wird der Vertrag von Versailles eindeutig gebrochen und es wird eine Stärke von 36 Divisionen mit rund 500.000 Mann für die neue Wehrmacht bekannt gegeben. Diese Meldungen sind sowohl im Ausland als auch in Deutschland eine Sensation. Selbst hohe Offiziere und Wehrkreisleiter der Reichswehr erfahren von der Gründung der Wehrmacht erst über den Rundfunk. Nur das ‘Truppenamt’ weiß Bescheid und wird nun wieder zum Generalstab – ebenfalls eigentlich im Versailler Vertrag verboten. Bei den Unterzeichnern des Versailler Vertrages bleibt es letztlich bei Protesten und Empörung, da Hitler nicht den ersten offiziellen Schritt zur Wiederaufrüstung unternommen hat und auch glaubhaft machen kann, dass Deutschland als einziger Staat bereits 14 Jahre abgerüstet hat, während die anderen Mächte trotz ihrer Versicherungen im Versailler Vertrag dies niemals getan hätten. Göring hatte bereits am 10. März 1935 bei den verblüfften Militärattachés durchblicken lassen, dass es nun eine deutsche Luftwaffe gibt, welche sogar größer als die Royal Air Force wäre – was allerdings glatt gelogen war. Es ist überflüssig darauf hinzuweisen, dass beide Bekanntmachungen für die Beschränkungen im Umfang und in der Ausrüstung der deutschen Streitkräfte ein abruptes Ende bedeutete. Die nächsten vier Jahre sahen einen raschen Ausbau des deutschen Heeres und die Umwandlung aus General von Seeckts Reichswehr der Weimarer Republik in die Wehrmacht des Dritten Reich. Im September 1939 zog die Wehrmacht mit Streitkräften in den Zweiten Weltkrieg, die zwar hervorragend ausgebildet waren und über moderne Doktrinen für die mechanisierte Kriegsführung verfügten, jedoch nur wenig Kampferfahrung besaßen. Lediglich im Spanischen Bürgerkrieg konnte eine sehr begrenzte Kampferfahrung gewonnen werden. Dazu war ein Großteil der geplanten Ausstattung mit militärischen Kraftfahrzeugen noch nicht erfolgt und so mussten – bis auf die Panzer-Divisionen und motorisierten Infanterie-Divisionen – alle Soldaten zu Fuß marschieren und der Nachschub und die Artillerie durch Pferdefuhrwerke gezogen werden. Was auch immer an Mängeln bei der Quantität und Qualität der Ausrüstung bestanden haben mochte, das deutsche ‘Menschenmaterial’ war vom besten. Der Versailler Vertrag, der nur eine 100.000 Mann starke Reichswehr zugestanden hatte, wurde zum Vorteil genutzt, in dem nur das beste Personal in einer hochprofessionellen Armee diente. Es gab sogar einen Überschuss an Soldaten, wenn man die bewaffneten Polizeikräfte der verschiedenen deutschen Staaten (Landespolizei) ebenfalls berücksichtigt. Diese Männer der Landespolizei wurden nach der Wiedereinführung der Wehrpflicht in die Wehrmacht übernommen. Dazu gab es noch ein großes Reservoir aus den teilweise militärisch ausgebildeten Mitgliedern der paramilitärischen SA-Formationen der NSDAP. Abgesehen von den Wehrpflichtigen, war es für die Wehrmacht wichtig, attraktive Arbeitsbedingungen für freiwillige Berufssoldaten, welche dort eine Karriere machen wollten, anzubieten. Um dies zu erreichen, wurden die Dienst- und Beförderungsvorschriften attraktiver gestaltet, elegante und zweckmäßige Uniformen eingeführt und gut ausgestattete, moderne Unterkünfte gebaut. Zur gleichen Zeit wurde der Versuch unternommen, den traditionellen, preußisch-autoritären Stil der Armee zu brechen, welcher sowieso überhaupt nicht in die Ideologie der Nationalsozialisten passte. Allerdings sollte die privilegierte Stellung der deutschen Soldaten und Offiziere in der Gesellschaft nicht angetastet werden – denn nur eine in ihrem jeweiligen Land auch angesehene Armee erzielt eine hohe Kampfkraft. Die Streitkräfte der Wehrmacht stellten einen sehr hohen und professionellen Standard dar, sodass sie, als sie 1939 in den Krieg zogen, dies nicht mit übergroßer Begeisterung taten, aber mit der starken und berechtigten Überzeugung, dass sie die besten Soldaten der Welt waren. Hitlers Hauptproblem mit der Wehrmacht waren einige ihrer höheren Offiziere, mit alt-preußischen Tugenden und Moralvorstellungen sowie konservativen Ansichten über die Durchführung von Militäroperationen. Diese standen seiner aggressiven Außenpolitik ablehnend gegenüber, hatten aber nicht genügend Einfluss. Ihr Widerstand war immer zurückhaltend und verzögerte auch das Modernisierungsprogramm der Wehrmacht. Sie wurden aber zunehmend immer mehr umgangen oder ersetzt, wenn sie sich als zu lästig erwiesen. Im Allgemeinen war die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ein treues, gehorsames und vertrauensvolles Instrument der NS-Diktatur. hier zu Teil II: Organisation der Wehrmacht, Dritten Reich und NSDAP und Kräftebilanz des Großdeutschen Reich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Scroll to Top