Unternehmen Seelöwe

Der deutsche Plan für die Invasion von Großbritannien im Zweiten Weltkrieg.

Deutsche Landungsübung
An der französischen Kanalküste üben deutsche Pioniere und Marinesoldaten Landungsmanöver.

Seiteninhalt:

Operation Seelöwe (Unternehmen Seelöwe) war Deutschlands Codename für die geplante Invasion Großbritanniens während des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1940. Diese ehrgeizige deutsche Operation sollte Großbritannien als militärischen Gegner ausschalten und die vollständige Kontrolle über die Britischen Inseln erlangen.

Die geplante deutsche Invasion kam nie zur Ausführung. Am 17. September 1940 verschob man sie auf unbestimmte Zeit.

Die deutsche Invasion Großbritanniens entstand als letzter Ausweg, nachdem Hitler erfolglos auf Friedensverhandlungen mit der britischen Regierung gehofft hatte.

Nach dem Fall Frankreichs startete Deutschland umfangreiche Militärvorbereitungen für diese komplexe amphibische Operation. Die deutsche Führung merkte aber ziemlich schnell, wie gigantisch die strategischen Herausforderungen waren.

Operation Seelöwe zeigt ziemlich deutlich die Grenzen deutscher Militärplanung. Die Luftüberlegenheit wurde zur entscheidenden Voraussetzung für den Erfolg.

Hitler verlangte die Kontrolle über den Ärmelkanal und die Niederlage der Royal Air Force, bevor er grünes Licht geben wollte. Diese Bedingungen blieben während des gesamten Krieges unerfüllt.

Historischer Kontext und strategischer Hintergrund

Nach dem schnellen Sieg über Westeuropa und der Evakuierung von Dunkirk stand Deutschland ziemlich mächtig da. Großbritannien blieb als letzter großer Gegner in Europa übrig.

Hitler plante die Invasion, um die britische Widerstandsfähigkeit endgültig zu brechen. Die deutsche Vorherrschaft in Europa sollte damit gesichert werden.

Position Deutschlands im Jahr 1940

Im Jahr 1940 hatte Deutschland militärisch fast alles erreicht, was es wollte. Die Wehrmacht besetzte Polen, Norwegen, Dänemark, die Niederlande, Belgien und Frankreich.

Mit der Operation Weserübung sicherte sich Deutschland norwegische Häfen und schwedisches Eisenerz. Frankreich kapitulierte am 22. Juni 1940 nach nur sechs Wochen.

Die Achsenmächte kontrollierten jetzt den Großteil Kontinentaleuropas. Deutschland hatte einige Vorteile:

  • Eine kampferprobte, siegreiche Armee
  • Zugang zu französischen und belgischen Häfen
  • Luftwaffenstützpunkte nahe der britischen Küste
  • Industrie und Rohstoffe aus eroberten Gebieten

Dadurch wurde eine Invasion Großbritanniens überhaupt erst denkbar.

Folgen von Dünkirchen und dem Westeuropafeldzug

Die Dünkirchen-Evakuierung vom 26. Mai bis 4. Juni 1940 rettete 338.000 alliierte Soldaten. Allerdings verlor die British Expeditionary Force (BEF) dabei praktisch ihre gesamte schwere Ausrüstung.

Deutschland sah darin einen entscheidenden Moment. Die britische Armee war schwer angeschlagen und brauchte Monate, um sich zu erholen.

Hitler glaubte, Großbritannien würde nach dem Fall Frankreichs um Frieden bitten. Als das nicht geschah, begann man im Juli 1940 ernsthaft mit der Planung von Unternehmen Seelöwe.

Die deutsche Marine sammelte Landungsboote in Calais und Rotterdam. Die Luftwaffe sollte die Luftherrschaft über dem Ärmelkanal erringen.

zurückgelassenen englischen Kriegsmaterials im Raum Dünkirchen.
Kilometerweit erstreckten sich die Trümmerhalden des zurückgelassenen englischen Kriegsmaterials im Raum Dünkirchen.

Hitlers Ziele für die Invasion

Im Juli 1940 erklärte Hitler: „Da England trotz ihrer hoffnungslosen militärischen Lage keine Anzeichen zeigt, zu einem Kompromiss bereit zu sein, habe ich beschlossen, eine Landungsoperation gegen England vorzubereiten.“

Die Hauptziele waren klar:

  • Großbritannien als militärischen Gegner ausschalten
  • Kontrolle über die britischen Inseln gewinnen
  • London umgehen, bis der Widerstand zusammenbrach

Hitler wollte die Invasion möglichst schnell, bevor sich die britische Armee wieder erholen konnte. Die ursprüngliche Deadline war der 10. August 1940.

Die Invasion sollte auch den Weg für die spätere Unternehmen Barbarossa gegen die Sowjetunion ebnen. Hitler wollte auf keinen Fall an zwei Fronten gleichzeitig kämpfen.

Deutsche Invasionspläne und Ziele

Die Wehrmacht arbeitete an umfassenden Plänen für die Invasion Großbritanniens. Sie legte bestimmte Landeplätze an der englischen Küste fest.

Das Oberkommando der Wehrmacht schrieb detaillierte Direktiven und Zeitpläne für den Angriff. Die Planung war alles andere als einfach.

Entwicklung des Unternehmens Seelöwe

Schon im Herbst 1939 begannen deutsche Militärplaner mit ersten Überlegungen zu einer möglichen Invasion Großbritanniens. Großadmiral Erich Raeder ließ Kapitän Hansjürgen Reinicke eine Studie über „die Möglichkeit von Truppelandungen in England“ erarbeiten.

Das Heer entwickelte im Dezember 1939 eine eigene Studie namens „Nordwest“. Sie sah einen Angriff auf Englands Ostküste zwischen The Wash und der Themse vor.

Die Pläne rechneten mit Luftlandetruppen und amphibischen Landungen von etwa 100.000 Infanteristen in East Anglia.

Kriegsmarine und Luftwaffe hatten von Anfang an große Bedenken. Hermann Göring lehnte eine kombinierte Operation mit Landung in England ab.

Die Marine warnte vor riesigen Schwierigkeiten und schätzte, dass allein die Organisation der Schifffahrt für die Truppen ein Jahr dauern würde.

Führer-Direktive Nr. 16 und OKW-Beteiligung

Am 16. Juli 1940 setzte Hitler mit der Führer-Direktive Nr. 16 die Vorbereitungen für Operation Seelöwe offiziell in Gang. Die Direktive stellte vier Bedingungen für die Invasion auf.

Hitlers vier Hauptbedingungen:

  • Die Royal Air Force musste „in ihrer Moral und tatsächlich so geschlagen werden, dass sie keine nennenswerte Angriffskraft mehr zeigen kann“
  • Der Ärmelkanal musste an den Überquerungsstellen von britischen Minen geräumt sein
  • Die Küstenzone zwischen besetztem Frankreich und England musste von schwerer Artillerie beherrscht werden
  • Die Royal Navy musste in der Nordsee und im Mittelmeer ausreichend gebunden sein

Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) übernahm die Koordination zwischen Heer, Marine und Luftwaffe. Allerdings gab es kein gemeinsames Operationshauptquartier, was die Zusammenarbeit erschwerte.

Auswahl der Landeplätze und Zeitpläne

Die deutschen Planer entschieden sich für die Südostküste Englands als Hauptziel. Ursprünglich plante man eine breite Front von Ramsgate bis über die Isle of Wight hinaus.

Hauptlandeplätze der Operation Seelöwe:

  • Kent: Ramsgate, Folkestone und Dover
  • East Sussex: Eastbourne und Hastings
  • Isle of Wight: Als westlicher Flankenabschnitt

Die Wehrmacht wollte die Vorbereitungen bis Mitte August 1940 abschließen. Hitler plante, den Luftangriff Anfang August zu starten und die Invasion bei Erfolg um den 25. August zu beginnen.

Das OKH erarbeitete Zeitpläne für die Truppenverlegung über den Ärmelkanal. Die Kriegsmarine warnte, dass sie zehn Tage allein für die erste Angriffswelle brauchen würde.

London galt als strategisches Hauptziel nach einer erfolgreichen Landung in Kent.

Deutsche Militärvorbereitung

Karte von der Schlacht um England
Karte von der Schlacht um England mit den Einsatzreichweiten der verschiedenen deutschen Flugzeugtypen, den englischen Radarstationen und ihrem Ortungsbereich, die Lage der Flugplätze von RAF und Luftwaffe sowie die geplanten Landungen des Unternehmen Seelöwe.

Die Wehrmacht begann im Juli 1940 mit intensiven Vorbereitungen für die geplante Invasion. Die deutschen Streitkräfte mussten ihre gesamte Organisationsstruktur umkrempeln, denn mit amphibischen Großoperationen hatten sie keine Erfahrung.

Zusammensetzung und Bereitschaft der Wehrmacht

Verladen auf Landeprahme
An der Kanalküste üben deutsche Soldaten das Verladen auf Landeprahme.

Das deutsche Heer stellte den Großteil der Invasionstruppen für Unternehmen Seelöwe bereit.

Die Landstreitkräfte planten drei Angriffswellen mit insgesamt 23 Divisionen.

Erste Welle: Neun Infanteriedivisionen der 9. und 16. Armee sollten an vier Stränden zwischen Folkestone und Brighton landen.

Diese Truppen bekamen Unterstützung durch Gebirgsjäger und Fallschirmjäger.

Zweite Welle: Acht Panzer- und motorisierte Divisionen bildeten die Hauptschlagkraft.

Sie konnten aber erst anlanden, wenn die Häfen Folkestone oder Newhaven intakt erobert waren.

Dritte Welle: Sechs Infanteriedivisionen dienten als Verstärkung und Besatzungstruppen.

Die Kriegsmarine war das schwächste Glied im deutschen Militär.

Nach den Verlusten in Norwegen standen nur noch wenige einsatzfähige Kriegsschiffe bereit.

Großadmiral Erich Raeder hatte große Zweifel an der Machbarkeit der Operation.

Die Marine hatte zehn Zerstörer und mehrere leichte Kreuzer in Norwegen verloren.

Amphibische Angriffskräfte und Flussbargen

Pzkpfw III Tauchpanzer
PzKpfw III ‚Tauchpanzer‘ wird während einer Übung zum Unternehmen Seelöwe in das Meer gehoben. Im folgenden Jahr werden diese Panzer jedoch zum durchtauchen russischer Flüsse verwendet.

Den Deutschen fehlten spezialisierte Landungsfahrzeuge für die geplante Operation.

Sie sammelten etwa 2.400 Binnenschiffbargen und bauten diese zu improvisierten Landungsbooten um.

Nur 800 der Bargen hatten einen eigenen Antrieb.

Die anderen mussten geschleppt werden, was sie bei der Kanalüberquerung ziemlich verwundbar machte.

Spezielle Fahrzeugtypen:

  • Tauchpanzer: Panzer III und IV mit Schnorcheln für Unterwasserfahrten
  • Schwimmpanzer II: Amphibische Panzer II mit Aluminiumschwimmkörpern
  • Bargentypen A bis F: Modifiziert für verschiedene Zwecke wie Panzertransport

Generalstabschef Franz Halder kümmerte sich um die logistische Planung.

Bei Testlandungen zeigten die improvisierten Fahrzeuge deutliche Schwächen unter echten Kampfbedingungen.

Rolle der Luftlandetruppen und Spezialeinheiten

Gebirgsjäger üben Verladen auf Landungsboote
Zur Bezwingung der britischen Steilküsten sind Gebirgsjäger vorgesehen und üben das Verladen auf Landungsboote.

Die Fallschirmjäger sollten strategisch wichtige Punkte wie Brücken und Flugplätze vor der Hauptinvasion sichern.

Eine Luftlandedivision hatte den Auftrag, bei Hythe zu landen und den Flugplatz Lympne einzunehmen.

Spezialeinheiten des Brandenburg-Regiments planten Sabotageeinsätze vor dem eigentlichen Angriff.

Diese Truppen wollten Kommunikationslinien und Versorgungseinrichtungen zerstören.

Die Luftwaffe musste erst die Luftherrschaft über dem Kanal erringen, bevor überhaupt eine Landung möglich war.

Hermann Göring versprach, die Royal Air Force innerhalb von zwei Wochen auszuschalten.

Deutsche Planer entwickelten Szenarien für einen schnellen Vorstoß nach London.

Doch die Koordination zwischen Heer, Marine und Luftwaffe lief alles andere als reibungslos.

Wichtige Voraussetzungen und Herausforderungen

Blick vom Bugschützen einer He 111
Während der Luftschlacht um England hat der Bugschütze einer He 111 eine Spitfire im Schußfeld.

Operation Seelöwe verlangte, dass mehrere kritische Bedingungen erfüllt wurden.

Die größten Hürden waren die Luftherrschaft über die Royal Air Force, das Überwinden der britischen Seestreitkräfte und Minenfelder sowie die logistischen Probleme bei einer Kanalüberquerung.

Erlangung der Luftherrschaft in der Luftschlacht um England

Die Luftwaffe musste zuerst die Royal Air Force besiegen, um Seelöwe überhaupt zu ermöglichen.

Ohne Luftherrschaft wären die deutschen Invasionsschiffe britischen Angriffen hilflos ausgeliefert gewesen.

Die Battle of Britain begann im Juli 1940 mit Angriffen auf britische Flugplätze und Radarstationen.

Die Luftwaffe wollte die RAF-Jagdflugzeuge am Boden vernichten.

Britische Flugfelder wurden täglich bombardiert.

Trotzdem blieb die RAF dank dezentraler Struktur und schneller Reparaturen einsatzbereit.

Deutsche Piloten mussten über feindlichem Gebiet kämpfen.

Abgeschossene Luftwaffenpiloten gerieten in Gefangenschaft, während britische oft gerettet wurden.

Radar-Technologie verschaffte den Briten einen riesigen Vorteil.

Sie konnten deutsche Angriffe früh erkennen und ihre Jäger besser einsetzen.

Im September wechselte die Luftwaffe zu Bombenangriffen auf London.

Das entlastete die RAF-Flugplätze und verhinderte die deutsche Luftherrschaft.

Konfrontation mit der Royal Navy und britischen Minen

Die britische Royal Navy war das größte Hindernis für eine deutsche Invasion.

Sie war der Kriegsmarine zahlenmäßig und technisch überlegen.

Deutsche Schiffe hatten schon in Norwegen hohe Verluste erlitten.

Die Marine hatte nur wenige große Kampfschiffe, um die Invasionsflotte zu schützen.

Britische Minen blockierten wichtige Seewege im Ärmelkanal.

Deutsche Ingenieure mussten sichere Korridore durch die Minenfelder schaffen.

Die Royal Navy kontrollierte den Ärmelkanal und die Nordsee.

Britische Zerstörer und Schnellboote konnten deutsche Transporte jederzeit angreifen.

British Minenräumer räumten deutsche Minenfelder und legten gleichzeitig neue Sperren.

Britische Marinebasen lagen günstig entlang der Küste.

Sie erlaubten schnelle Reaktionen auf Invasionsversuche.

Logistische Hindernisse und Risiken der Kanalüberquerung

Die Kanalüberquerung war eine riesige logistische Herausforderung.

Deutschland hatte keine passenden Landungsschiffe für eine Operation dieser Größe.

Ingenieure sammelten Flussbargen und Handelsschiffe für den Transport.

Diese improvisierten Fahrzeuge eigneten sich kaum für das raue Wasser des Kanals.

Schlechtes Wetter hätte alles verzögern können.

Herbststürme machten eine Überquerung nach September 1940 praktisch unmöglich.

Die erste Welle sollte 160.000 Soldaten anlanden.

Nachschub unter britischem Beschuss zu liefern, wäre extrem schwierig geworden.

Deutsche Pioniere wollten temporäre Häfen an der Küste bauen.

Diese Brückenköpfe und Anlegestellen hätten britische Angriffe kaum überstanden.

Treibstoff, Munition und Verpflegung mussten ständig über den Kanal kommen.

Schon eine kurze Unterbrechung hätte das ganze Unternehmen scheitern lassen können.

Britische Verteidigungsmaßnahmen und Gegenstrategien

Übung Panzerabwehr
Britische Soldaten üben die Abwehr von Panzerangriffen.

Großbritannien mobilisierte nach Dünkirchen schnell seine Verteidigungskräfte.

Die Briten bauten ein umfassendes Verteidigungssystem auf, verstärkten die Küsten und erhielten Unterstützung durch kanadische Truppen.

Wiederbewaffnung nach Dünkirchen und Mobilisierung der Home Guard

Freiwillige der britischen Home Guard
Freiwillige der britischen Home Guard beim Küstenschutz.

Nach der Evakuierung von Dunkirk im Juni 1940 verlor die britische Armee den Großteil ihrer schweren Ausrüstung.

Die Regierung startete sofort ein massives Wiederbewaffnungsprogramm.

Wichtige Maßnahmen:

  • Beschleunigung der Waffenproduktion in britischen Fabriken
  • Import von Waffen aus den Vereinigten Staaten
  • Rekrutierung neuer Soldaten zur Verstärkung der regulären Armee

Die Home Guard entstand im Mai 1940.

Innerhalb weniger Monate meldeten sich über eine Million Zivilisten freiwillig.

Die Home Guard hatte mehrere Aufgaben:

  • Bewachung strategisch wichtiger Punkte
  • Aufbau von Straßensperren
  • Unterstützung bei der Verteidigung von Flugplätzen

Verteidigungsstrukturen und Frühwarnsysteme

Radartürme an der britischen Küsten bei Dover
Die Radartürme an der britischen Küsten bei Dover im deutschen Scherenfernrohr.

Großbritannien errichtete entlang der Südküste ein komplexes Verteidigungssystem.

Kent rückte in den Mittelpunkt der Verteidigung, da man dort eine Landung erwartete.

Küstenverteidigungen:

  • Befestigte Stellungen entlang der Strände
  • Panzerabwehrgräben im Landesinneren
  • Verminung strategisch wichtiger Gebiete

Die Royal Air Force verstärkte ihre Flugplätze in Südengland erheblich.

Neue Radarstationen entstanden entlang der Küste, um Angriffe früh zu erkennen.

Die Briten stellten auch mobile Verteidigungseinheiten auf.

Diese konnten schnell auf Landungsversuche reagieren und Angreifer zurückwerfen.

Rolle der 1. Kanadischen Infanteriedivision

Gefreiter kanadische 1. Division
Ein Gefreiter einer Nachrichten-Einheit der kanadische 1. Division nach seiner Ankunft in Großbritannien. Der gerade Schulter -Text ‚CANADA‘ wird über seinen Rangabzeichen auf beiden Ärmeln in Weiß auf Khaki getragen.

Die 1. Kanadische Infanteriedivision kam im Dezember 1939 in Großbritannien an. Diese gut ausgerüstete Division wurde ein wichtiger Teil der britischen Verteidigung.

Stationierung und Aufgaben:

  • Hauptquartier zuerst in Surrey, später in Sussex
  • Verteidigung der Südküste gegen mögliche deutsche Landungen
  • Training mit britischen Einheiten

Die kanadischen Truppen brachten moderne Ausrüstung mit. Frische Soldaten verstärkten die britischen Linien.

Viele Offiziere hatten an der Royal Military Academy Sandhurst studiert. Sie arbeiteten eng mit britisch ausgebildeten Kollegen zusammen.

Die Division übte regelmäßig. Besonders trainierten sie für Küstenverteidigung und schnelle Gegenangriffe.

Analyse und Ergebnis der Operation Seelöwe

notgelandete Me109E-4 vor der französischen Steilküste
Eine notgelandete Me109E-4 vor der französischen Steilküste bei Calais. Die begrenzte Reichweite ist die Achillesferse des deutschen Jägers und er hatte nicht genug Flugzeit über Südengland, um erfolgreich die Jäger der RAF bekämpfen zu können. Hier trennten den Piloten nur noch einige hundert Meter vom Landeplatz.

Hitler verschob die Invasion am 17. September 1940, weil die Luftwaffe weiter hohe Verluste erlitt. Die Luftschlacht um England machte eine Landung unmöglich.

Deutsche Entscheidung zur Absage der Invasion

Die Luftwaffe schaffte es nicht, die Kontrolle über den Ärmelkanal zu gewinnen. Die Royal Air Force hielt den deutschen Angriffen stand.

Am 17. September 1940 sah Hitler, dass die Bedingungen für eine Invasion nicht gegeben waren. Die deutsche Marine hatte schon während der Norwegen-Operation viele Schiffe verloren.

Hauptgründe für die Absage:

  • Keine Luftüberlegenheit
  • Zu schwache Marinekräfte
  • Starker Widerstand der RAF
  • Schlechtes Wetter

Großadmiral Raeder und Reichsmarschall Göring zeigten wenig Enthusiasmus für das Unternehmen. Die deutsche Führung schaute auf andere militärische Ziele.

Einfluss auf Operation Barbarossa und den Krieg

Die Absage der Operation Seelöwe machte den Weg frei für den Angriff auf die Sowjetunion. Die Operation Barbarossa begann am 22. Juni 1941.

Deutsche Truppen, die eigentlich für die Invasion Großbritanniens bereitstanden, schickte man an die Ostfront. Das veränderte den Verlauf des Zweiten Weltkriegs grundlegend.

Deutschland konnte nicht gegen Großbritannien und die Sowjetunion gleichzeitig siegen. Die Ressourcenverschiebung schwächte die Westfront und half später den Alliierten bei den Normandie-Landungen.

Vermächtnis, Dokumente und Kriegssimulationsszenarien

Deutsche Dokumente enthüllen detaillierte Invasionspläne, darunter die Sonderfahndungsliste G.B mit 2.300 Namen. Ein Reichskommissar für Großbritannien sollte eingesetzt werden.

Joachim von Ribbentrop und Ernst Wilhelm Bohle planten die politische Kontrolle. Oswald Mosley sollte vielleicht eine Rolle in einer Kollaborationsregierung spielen.

Die Pläne sahen vor, wichtige Gebäude wie den Blenheim Palace zu besetzen. Diese Unterlagen geben heute spannende Einblicke in die deutschen Besatzungsabsichten.

Operation Sea Lion (Wargame) erschien 1974 bei SPI. Das Spiel lässt Spieler alternative Szenarien testen und basiert auf echten historischen Dokumenten.

Historiker nutzen diese Quellen, um Deutschlands Kriegsführung im 2. Weltkrieg besser zu verstehen. Die Operation bleibt ein faszinierendes Studienobjekt für Militärgeschichte.


Häufig gestellte Fragen

Deutsche Entlade-Übung
Deutsche Entlade-Übung für das Unternehmen Seelöwe an der Küste bei Calais.

Die Operation Seelöwe war Deutschlands ehrgeizigster Plan für die Invasion Großbritanniens. Sie scheiterte an strategischen Hürden, fehlenden Voraussetzungen und dem Widerstand der Royal Air Force.

Welche strategischen Ziele verfolgte Deutschland mit dem Unternehmen Seelöwe?

Deutschland wollte Großbritannien als Stützpunkt der Alliierten ausschalten. Nach dem Fall Frankreichs sah Hitler Großbritannien als größten Feind.

Das Ziel war die vollständige Besetzung der Inseln. So wollte Deutschland die Kontrolle über Westeuropa sichern.

Die deutschen Planer wollten auch die britische Wirtschaft schwächen. Blockaden und Angriffe auf Häfen und Handelsschiffe gehörten dazu.

Wie beeinflusste die Luftschlacht um England die Durchführung der Operation Seelöwe?

Die Luftwaffe konnte die Royal Air Force nicht besiegen. Hitler sah Luftüberlegenheit als Schlüssel zur Invasion.

Die wachsenden Verluste der Luftwaffe zeigten, dass die RAF nicht geschlagen war. Deutschland verlor täglich Piloten und Maschinen.

Am 17. September 1940 stoppte Hitler die Operation auf unbestimmte Zeit. Die Luftschlacht hatte die Pläne durchkreuzt.

Was waren die hauptsächlichen Gründe für die endgültige Absage der Operation Seelöwe?

Die deutsche Kriegsmarine war nach Norwegen stark geschwächt. Admiral Raeder hatte nur wenige Schiffe übrig.

Die Royal Navy war der deutschen Flotte weit überlegen. Deutschland konnte die Seeherrschaft nicht erringen.

Hitler richtete seinen Blick dann auf Russland. Die Operation Barbarossa wurde zur neuen Priorität.

Welche militärischen Ressourcen stellte Deutschland für die geplante Invasion bereit?

Die deutsche Armee trainierte Soldaten für amphibische Landungen. Sie entwickelten spezielle Waffen und Ausrüstung für den Angriff.

Deutschland sammelte viele Flussbarkassen und Transportschiffe an der Kanalküste. Die Marine baute Transportschiffe für die Landung um.

Erste Pläne sahen 100.000 Infanteristen für Ostengland vor. Später konzentrierte man sich auf vier Landeplätze in Kent und Sussex.

Welchen Umfang hatte die geplante Invasion und Besetzung durch deutsche Streitkräfte?

Ursprünglich plante man Landungen von Kent bis Dorset. Auch die Isle of Wight und Teile von Devon waren einbezogen.

Später beschränkten die Planer die Invasion auf vier Landeplätze. Diese lagen in East Sussex und im westlichen Kent.

Die Invasion sollte eine breite Front vom Ärmelkanal bis zur Themsemündung umfassen. Deutsche Truppen sollten von Häfen in den Niederlanden übersetzen.

Wie wirkten britische Verteidigungsmaßnahmen und militärische Vorbereitungen der Operation Seelöwe entgegen?

Die Royal Air Force behielt die Luftherrschaft über Großbritannien.
Britische Jäger schossen fast täglich deutsche Bomber und Jäger ab.

Die Royal Navy kontrollierte weiterhin die Seewege rund um die britischen Inseln.
Deutsche U-Boote und Minen schafften es nicht, diese Kontrolle zu durchbrechen.

Die britische Regierung lehnte Friedensverhandlungen ab.
Churchill und das Kriegskabinett setzten auf Widerstand – und zwar bis zum bitteren Ende.


Quellenangaben und Literatur

Luftkrieg (Piekalkiewicz)
Chronology of World War II (Christopher Argyle)
Der Grosse Atlas zum II. Weltkrieg (Peter Young)
Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg (10 Bände, Zentrum für Militärgeschichte)
Der 2. Weltkrieg (C. Bertelsmann Verlag)
Zweiter Weltkrieg in Bildern (Mathias Färber)
A World at Arms – A Global History of World War II (Gerhard L. Weinberg)

Weitere interessante Beiträge:
Amerikanische GIs landen an
Stärke, Divisionen, Ausrüstung und Organisation der US Army in Nordamerika, Großbritannien und Nordafrika 1941 bis 1942. Die US-Armee zu Beginn Read more
M3 in Panzerfabrik Detroit
Alle Zahlen zur amerikanischen Rüstungsindustrie (1939-1945). Detaillierte Statistiken zur Produktion von Panzern (Sherman), Flugzeugen, Schiffen und Rohstoffen. Die entscheidende Schlacht Read more
Deutsche Infanterie Strassenkampf
Organisation der Formationen und Verbände der deutschen Wehrmacht vom Polenfeldzug 1939 bis zum Unternehmen Barbarossa 1941. Organisation der deutschen Heereseinheiten Read more
Panzer- und Infanterieoffiziere bei Klin
Alle militärischen Dienstgrade und Ränge des Zweiten Weltkriegs in der Übersicht. Vergleichstabellen für Wehrmacht, SS, US Army, Rote Armee, Britische Read more
Sturmgeschütze vom Typ StuG in der Endmontage.
Produzierte Panzerkampfwagen, Sturmgeschütze und Selbstfahrlafetten in Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Während des Zweiten Weltkriegs war die deutsche Panzerproduktion von entscheidender Read more
Fw 190 G des Schlachtgeschwaders 2 'Immelmann'
Deutsche Focke-Wulf Jagdbomber und Schlachtflieger aus dem Zweiten Weltkrieg. Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell. Fw 190 Jagdbomber Read more

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Nach oben scrollen

Einen Moment bitte noch - das hier ist bestimmt auch interessant:

PzKpfw III in Strassenkämpfen
Deutscher mittlerer Kampfpanzer PzKpfw III (Panzerkampfwagen III) Ausf. G, H, J mit 5-cm KwK L/42. Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Read more

VIELEN DANK FÜR DIE AUFMERKSAMKEIT!