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Im Blickpunkt:
  • Ein schönes Farbfoto eines T-34/85.

    Sowjetischer mittlerer Kampfpanzer T-34 Modell 1943, Modell 1944 und T-44 mit 85-mm-Kanonen. Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell. T-34 Modell 1944 (T-34/85) und T-44 Typ: Sowjetischer mittlerer Kampfpanzer. Hier zum Vorgängermodell T-34 Modell 1943 T-34/85 (Modell 1944) Geschichte Nachdem die Unfähigkeit des T-34 Model 1943 offensichtlich wurde, mit den neuen deutschen Panzertypen – wie dem Panther-Panzer und PzKpfw VI Tiger – fertig zu werden, war das NKTP gezwungen, dieser Tatsache in das Auge zu sehen. Egal wie sehr auch die Panzerproduktion dadurch gestört werden würde, es mussten wesentliche Verbesserungen an den vorhandenen russischen Panzertypen vorgenommen werden. Auch das GKO griff ein, nachdem es von zahlreichen Beschwerden von Fronteinheiten überschwemmt worden war, dass ein ‘längerer Arm’ benötigt wurde, um die deutschen Panzer zu erreichen und erfolgreich zu bekämpfen. Vier Entwicklungsteams von Kanonen wurden aufgefordert, ein Sofort-Programm zur stärkeren Bewaffnung des T-34 zu starten. Die Teams von Grabin und Petrow arbeiteten bereits an 85-mm-Kanonen, als Grabins Büro vom 23 Jahre alten A. Savin übernommen wurde, als dessen bisheriger Chef zum Zentralen Artillerie-Entwicklungsbüro (TsAKB) nach Moskau versetzt wurde. Zudem begann noch das Team von Siderenko mit den Arbeiten an ihrer 85-mm-Kanone S-18. Die neuen Kanonen wurden auf dem Testgelände von Gorokhovieskiy außerhalb von Gorki erprobt und Grabins ZiS-53 wurde zum Sieger erklärt. Leider vertrug sich aber der neue Panzerturm, welcher von V. Kerichew bei Krasnoye Sormovo in Gorki entwickelt worden war, nicht mit der neuen Kanone. Offenbar hatte dieser nämlich den Turm um Petrovs D-5-Kanone herum entwickelt, welche früher zur Verfügung gestanden hatte und sich bereits für den Jagdpanzer SU-85 in Produktion befand. Zwei unbewaffnete T-34/85 waren bis zum 15. Dezember 1943 fertiggestellt worden und das GKO genehmigte den neuen Typ für den sofortigen Bau und Einsatz trotz dieser Probleme. Um weitere Verzögerungen zu vermeiden, befahl das NKTP den T-34/85 vorübergehend mit der D-5T-Kanone zu bauen, bis Savin einen neuen Panzerturm für Grabins neue und modifizierte ZiS-53-Kanonen sowie weiteren Verbesserungen entworfen hatte. Diese vorläufige Zwischenlösung, der T-34/85 Modell 1943 mit der D-5T-Kanone, ging noch im Dezember 1943 bei Zavod Nr. 112 in Krasnoye Sormovo in Produktion. Die Freigabe für die Serienproduktion erfpgte am 15. Dezember 1943 und bis zum Ende des Jahres waren bereits 293 fertiggestellt worden. Im Jahr 1944 folgten weitere 11.000 T-34/85 des Modell 1943 und vor allem Modell 1944.   Die zwischenzeitlich modifizierte, neue Kanone wurde ZIS-S-53 genannt, um Savins Einfluss auf den Entwurf zu würdigen und ersetzte im Frühjahr 1944, zusammen mit dem neuen Turm, den bisherigen mit der D-5T-Kanone. Dieser Panzer war nun der T-34/85 Modell 1944. Der T-34/85 Modell 1943 und 1944 unterschieden sich in vielerlei Hinsicht. Der augenscheinlichste Unterschied war der Geschützmantel, doch beim Modell 1944 war auch die Kommandantenkuppel nach hinten versetzt, um den Kanonier mehr Platz zu geben und ein Funkgerät in der Nähe des Kommandanten unterzubringen. Der T-34-85 bedeutete nicht nur einen wichtigen Schritt vorwärts bezüglich einer höheren Feuerkraft, sondern endlich wurde auch der Drei-Mann-Turm (Kommandant, Kanonier und Ladeschützen) mit vollständigen visuellen Beobachtungsmöglichkeiten und Funkgeräten für den Panzerkommandanten eingeführt, was bei den deutschen Panzerkampfwagen schon lange üblich war und ein wichtiger Teil ihrer bisherigen, taktischen Überlegenheit bildete. Die Produktion des T-34-85 ersetzte nicht sogleich den gesamten Bau des T-34 Modell 1943 mit der 76-mm-Kanone in allen Panzerfabriken, machte aber trotzdem den Großteil der russischen Panzerproduktion im Jahr 1944 aus. Zu Anfang wurde der neue T-34 von den Deutschen irrtümlich als T-43 identifiziert, über den es einige Meldungen gab und der über einen besseren Panzerschutz verfügen sollte. Im Oktober 1943 entschied das NKTP auch endgültig die Produktion von leichten Panzern zu beenden, nachdem nur 120 T-80 ausgeliefert worden waren. Zu diesem Zeitpunkt des Krieges waren die sowjetischen leichten Panzer praktisch unbrauchbar gegen deutsche Panzer und die benötigten Mengen an Aufklärungspanzern und leichten Unterstützungspanzer für die Infanterie konnten von Lend-Lease-Modellen wie dem Stuart oder Valentine ausgefüllt werden. Einsatz Im Zusammenhang mit dieser Entscheidung wurden im November 1943 die sowjetischen Tank-Brigaden erneut reorganisiert, wobei alle leichten Panzer bei diesen gestrichen wurden und die neuen Brigaden nur noch aus dem T-34 Modell 1943 und T-34/85 bestanden. Die Mischung aus T-34 mit der 76-mm oder 85-mm-Kanone war willkürlich und nur davon abhängig, welcher Typ gerade zur Verfügung stand, obwohl Garde-Einheiten natürlich mit der besseren Ausrüstung ausgestattet wurden, wenn dies möglich war. Die leichten Panzer wurden den mechanisierte Artillerie-Einheiten und einigen anderen Formationen zur Aufklärung oder Verbindungsaufgaben beigegeben. Verfügbar in Abertausenden, übernahm der T-34 die Herrschaft über das Schlachtfeld, zwang die deutschen Truppen immer mehr Defensive und gewann schließlich die taktische und strategische Initiative im ‘Großen Vaterländischen Krieg’ für die Sowjetunion. Nach dem Krieg wurde der T-34/85 und seine Nachfolger noch lange weiter verwendet und war noch im Koreakrieg der wichtigste mittlere Kampfpanzer. Gleichzeitig wurde er noch bis in die Mitte der 1950er Jahre weitergebaut, bis er vom T-54 endgültig abgelöst wurde. Bei anderen Armeen stand er noch bis Mitte der 1960er Jahre im Dienst und tauchte in manchen Buschkriegen auch noch viel später auf. In Erinnerung wird der T-34/85 jedoch als der hervorragende Panzer bleiben, welcher den Zweiten Weltkrieg für die Rote Armee gewonnen hat. Nach der Einführung des T-34/85 war die Rote Armee seit Sommer 1944 so stark, dass sie für den Durchbruch durch die deutsche Verteidigungszone an der Front lediglich ihre Panzer- und mechanisierten Korps benötigte. Die frischen Panzerarmeen wurden erst bei einem Einbruch von etwa 25 bis 40 Kilometern Tiefe eingesetzt, sodass sie weit in das deutsche Hinterland eindringen konnten. Nach dem Durchbruch in die Tiefe des Raumes war ihre Aufgabe, die deutschen operativen Reserven zu zerschlagen und so keine Verteidigungslinien mehr im rückwärtigen Raum zuzulassen. Die sowjetischen Panzer griffen mit tief gestaffelter, danach folgender Infanterie an. Diese Angriffe erfolgten möglichst tief und starr in frontaler Richtung. Erst in der Nacht wurde angehalten, um möglichst viel Infanterie aufschließen zu lassen, die sich eingrub und das neu eroberte Gelände sicherte. Die Gegenangriffe deutscher Panzereinheiten wurden zumeist schon in schnellen Begegnungsschlachten abgewehrt. Durch den zunehmenden Einsatz von Panzernahbekämpfungsmitteln bei der deutschen Infanterie, wie Panzerschreck und Panzerfaust, brachten die sowjetischen Panzerbesatzungen Bretter oder Gitter behelfsmäßig an mehr …

  • Eintreffen des BEF in Frankreich

    Britische und Empire-Armeen bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1939. Divisionen, Ausrüstung und Panzerausstattung. Am 2. September 1939, dem Tag vor dem England Deutschland den Krieg erklärte, flog eine kleine Vorhut des englischen Militärs nach Frankreich, um die bald darauf folgende Ankunft des Britischen Expeditionskorps (BEF) vorzubereiten. Am 27. September waren 152.031 Soldaten, 21.424 Fahrzeuge und alle notwendigen Waffen und Vorräte in Frankreich angekommen. Britische  Armee im September 1939 Das Hauptquartier des BEF wurde in der Nähe von Arras eingerichtet, während das I. britische Korps, bestehend aus der 1. und 2. Division, seine Stellung an der französisch-belgischen Grenze östlich von Lille einnahm. Wie zwischen der englischen und französischen Regierung vereinbart, kam das BEF unter den Oberbefehl des französischen Befehlshabers der Nord-Ost-Front (General Georges), aber der englische kommandierende General Gort hatte sich das Recht vorbehalten, Rücksprache mit der englischen Regierung halten zu dürfen, wenn er glaubte, das die Befehle, die er erhielt, das BEF gefährden könnten. Organisation der britischen Armee Der britische König führte auch den Rang eines Feldmarschalls und war nominell der Oberbefehlshaber der Armee. Tatsächlich wurde die Kontrolle über die Armee aber von einem bereits im Februar 1904 eingerichteten Armeerat durchgeführt. Dieser Rat hatte sowohl militärische als auch zivile Mitglieder unter dem Vorsitz des Kriegsministers. Zu den Mitgliedern, deren Aufgabe es war, den Kriegsminister zu beraten, gehörte der parlamentarische Unterstaatssekretär, der Finanzsekretär des Kriegsministeriums, der Chef des königlichen Generalstabs, der Generaladjutant der Streitkräfte, der Quartiermeister-General der Streitkräfte, ein Vertreter des Staatsdienstes und der permanente Unterstaatssekretär des Kriegsministeriums. Zusätzlich zu ihrer gemeinsamen Verantwortung im Armeerat waren dessen Mitglieder auch eigenständig verantwortlich für die Arbeit ihrer eigenen Abteilungen im Kriegsministerium. Die Abteilung des Chefs des königlichen Generalstabes bestand zum Beispiel aus dem Direktorium für militärische Operationen, militärischer Nachrichtendienst und Aufklärung und militärische Ausbildung. Dagegen umfasste die Abteilung des Generaladjutanten der Streitkräfte das Direktorium zur Rekrutierung und Organisation, zur Mobilisation und das Personalamt. Der Chef des königlichen Generalstabes als der höchste Offizier vertrat die Armee in der Generalstabs-Kommission, welche gegenüber den drei Ministern der Waffengattungen und der Verteidigungs-Kommission Bericht zu erstatten hatte. Im Jahre 1939 hatte die reguläre englische Armee eine Stärke von 227.000 Mann, einschließlich der britischen Truppen in Indien und Burma, und war wie folgt organisiert: 2 Regimenter der Household (Garde) Kavallerie 20 Regimenter Linien-Kavallerie 5 Regimenter der Garde-Infanterie 64 Linien-Infanterie-Regimenter die königliche Artillerie das königliche Tank-Regiment sowie Unterstützungs- und Nachschubeinheiten. Diese Streitmacht wurde von der Territorial-Armee unterstützt, welche eine Stärke von 204.000 Soldaten und Offiziere hatte und in neun Infanterie-Divisionen, einer Mobilen Division, zwei Kavallerie-Brigaden und einem Flugabwehr-Korps von fünf Divisionen gegliedert war. Während des Jahres 1939 wurde die Territorial-Armee erheblich verstärkt, um für einen Krieg vorbereitet zu sein und hatte im August 428.000 Mann. Diese schnelle Vergrößerung war das Ergebnis einer Woge an freiwilligen Meldungen zur Rekrutierung, der Einberufung von Reservisten und der Einführung der Wehrpflicht im Mai 1939. Die Notwendigkeit, das große britische Weltreich zu bewachen, bedeutete aber, dass während des Zweiten Weltkrieges viele dieser Truppen in Garnisonen verzettelt wurden. Das Britische Königreich war in sechs geografische Armee-Kommandos unterteilt, zwei unabhängigen Bezirken und einem funktionellen Kommandobereich für die Luftverteidigung. Die geografischen Kommandos waren Aldershot, Süd-, Ost-, Nord- und West-England (einschließlich Wales und Cornwall), das schottische Kommando und jeweils ein Bezirk für London und Nord-Irland. Diese Kommandos waren in eine Reihe von lokalen Bereiche und Zonen eingeteilt, abhängig von ihrer Bedeutung und der Anzahl der dort stationierten Truppen. Ein befehlshabender Offizier im Generalsrang war für jeden Kommandobereich verantwortlich und die gesamte Struktur wurde vom Generalhauptquartier vom Oberbefehlshaber der Heimat-Streitkräfte befehligt. Die Truppen in jedem Kommandobereich waren in Korps, Divisionen und Brigaden oder als Depot- bzw. Trainings-Einrichtungen organisiert. In Friedenszeiten war Aldershot das Erste Armee-Kommando mit zwei regulären Divisionen, welche dort stationiert waren. Das südliche, östliche und nördliche Kommando hatten jeweils eine reguläre Division. Dazu verfügte jeder Kommando-Bereich über drei oder vier Territorial-Divisionen, welche zu einem großen Teil durch die Territorial County Associations verwaltet wurden. Als der Krieg ausbrach, wurde die Territorial-Armee mit der regulären Armee zusammengelegt, aber jede nachfolgende Erweiterung basierte auf den Territorial-Streitkräften. Alle Rekruten, egal ob Freiwillige oder Eingezogene, traten der Territorial-Armee bei. Wie in allen anderen Streitkräften war die Infanterie-Division die grundsätzliche und hauptsächliche Einheit. Diese bestand allerdings aus Brigaden und trotz ihrer etwas geringen Stärke war eine britische Division hervorragend mit Artillerie ausgestattet. Dazu kamen als Divisions-Kavallerie 28 leichte Panzer und 44 Bren-Gun-Schützenpanzer. Hauptsächliche Verbände der englischen Armee: Jede Brigade bestand aus drei Bataillonen mit 33 Offizieren und 780 Mann und war in vier Schützen-Kompanien mit je einem Hauptquartier und drei Zügen unterteilt. Dazu kam eine Hauptquartier-Kompanie aus sechs Zügen für Funk- und Nachrichten, Flugabwehr, Granatwerfer, Transport, Pioniere und Verwaltung. In Kriegszeiten war das Bataillon und die Brigade die grundsätzliche taktische Formation, da das Infanterie-Regiment in der britischen Armee lediglich administrative Funktion hatte. Neben den Feldartillerie-Regimentern gab es noch mittlere und schwere Artillerie-Regimenter mit Geschützen von größerem Kaliber. Das mittlere Artillerie-Regiment hatte eine Stärke von 650 Mann und zwei Batterien zu je 8 Kanonen, entweder 6-inch-Haubitzen (152 mm) oder 60-Pfünder. Das schwere Artillerie-Regiment mit 700 Mann hatte eine Batterie aus vier 6-inch-Haubitzen und drei Batterien zu je vier 8-inch (203 mm) oder 9,2-inch-Haubitzen (234 mm). Die größte Panzer-Formation in der britischen Armee war die ‘Armoured Division’ (Panzer-Division), welche aus zwei Panzer-Brigaden, einer Artillerie-Unterstützungsgruppe und zwei motorisierten Infanterie-Bataillonen bestand. Eine typische Panzer-Brigade bestand aus drei Panzer-Regimentern mit je einer Hauptquartier-Schwadron und drei Panzer-Schwadronen mit zusammen 52 Kreuzer-Panzern, 10 Panzerspähwagen und 575 Mann. Bestand an Panzerkampfwagen im September 1939: siehe auch: RAF Staffeln im September 1939 Kanadische Armee Der erste Truppen-Konvoi mit 7.400 Soldaten der 1. kanadischen Division kam in England am 17. Dezember 1939 an und bis Februar 1940 waren 1.066 Offiziere und 22.238 Mannschaften versammelt. Die Truppen waren jedoch nicht im vollen Umfang für einen modernen Krieg ausgebildet und es fehlten wesentliche Teile ihrer Ausrüstung, wie zum Beispiel genügend Stahlhelme. Auch waren fast alle schweren Waffen veraltet. Die Division erhielt daher ein schnelles Trainingsprogramm in Aldershot, damit sie für den Einsatz beim IV. britischen Korps in Frankreich verwendungsfähig wird. Das Tempo der nachfolgenden Ereignisse führte mehr …

  • Unternehmen Barbarossa

    Hätte Unternehmen Barbarossa, Hitlers Angriff auf Sowjet-Russland anders verlaufen können und warum erfolgte die Invasion im Juni 1941 ? Es wird oft argumentiert, dass die fünfwöchige Verzögerung bis zum Start des Unternehmens Barbarossa durch die Entscheidung von Adolf Hitler, zuerst mit dem Balkanfeldzug in Jugoslawien und Griechenland Ordnung zu schaffen und seine Flanke zu sichern, den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg an der Ostfront ausgemacht hat. Warum Unternehmen Barbarossa im Juni 1941 ? Wenn man bedenkt, dass der Balkanfeldzug praktisch schon vor Ende April 1941 abgeschlossen war (Kapitulation der letzten griechischen Armee am 22. April) und die Luftlandung auf Kreta keine entscheidenden Kräfte mehr band, hätte Unternehmen Barbarossa auch, wie ursprünglich vorgesehen, ohne weiteres Mitte Mai 1941 beginnen können. Hinzu kommt, dass die auf dem Balkan eingesetzten Verbände in der Mehrzahl lediglich zur Heeresgruppe Süd herantransportiert werden mussten, welche mit der 11. Armee in Rumänien dazu noch später zum Angriff startete. Da auch in den nachfolgenden Jahren 1942, 1943 und 1944 keine Sommer-Offensiven in Russland vor Mitte/Ende Juni bzw. sogar Juli (1943) erfolgten, da Straßen und Flüsse durch das vorhergehende Wintertauwetter immer noch weitgehend unpassierbar waren, dürfte auch hier dieses Argument einer der Hauptgründe für die Verschiebung des Unternehmens Barbarossa gewesen sein. Anstatt sich also über ein paar verlorene Wochen im Jahr 1941 Gedanken zu machen, scheint die Frage doch wesentlich wichtiger, warum Deutschland überhaupt Russland angegriffen hat ! Bereits im September 1939 wurde die Masse von Hitlers neuer Wehrmacht, darunter alle 14 Panzer und motorisierte Divisionen und die Hälfte der Flugzeuge der Luftwaffe, gegen Polen eingesetzt. Der Feldzug gegen Polen dauerte nur vier Wochen. Acht Tage vor dem Angriff auf Polen hatte Hitler einen Nichtangriffspakt mit Stalin geschlossen, bei welchem Ostpolen durch die Rote Armee besetzt werden sollte. Dieses welterschütternde Bündnis war entgegen aller anti-kommunistischen Äußerungen des deutschen Führers seit den Tagen der Veröffentlichung von Mein Kampf im Jahr 1923, in welchem er geschrieben hatte, dass es Deutschlands Schicksal sei, den großen ‘Lebensraum’ im Osten zu erobern. Es wäre für Hitler sicherlich durchaus möglich gewesen, dieses ‘unnatürliche Bündnis’ einfach zu ignorieren und anschließend direkt weiter nach Osten fortzufahren. Der Hauptgrund für Hitlers vorsichtiges, schrittweises Vorgehen in Osteuropa liegt in den Umstand, dass Frankreich und Großbritannien im September 1939 den Krieg erklärt hatten und das er eine Wiederholung des ‘Zweifrontenkrieges’ wie im 1. Weltkrieg von 1914 bis 1918 vermeiden wollte. Doch diese Argumentation ist nach sorgfältiger Überprüfung nicht ganz überzeugend. Denn im Gegensatz zum August 1914 hatten im September 1939 weder die französische noch die britische Regierung viel Lust auf einen ernsthaften Krieg mit Deutschland. Das französische Oberkommando hatte sich vollständig auf das Konzept des statischen Verteidigungskriegs festgelegt, was durch die Existenz der Maginot-Linie veranschaulicht wird. Und die Briten schickten gerade einmal vier Divisionen (welche bis auf 10 im März 1940 anstiegen) an diese ‘Westfront’. Die französische und britische Abneigung gegen einen Angriff auf Deutschland wurde noch sehr verstärkt durch die große Furcht vor den starken mittleren Bombern und Bf 109 Jägern der deutschen Luftwaffe. Bis Juni 1940 hatte Stalin auch Hitler schon dadurch alarmiert, dass er Finnland Angriff, die Baltischen Staaten und das rumänische Bessarabien besetzte, wodurch die Russen bis auf Schlagdistanz auf die wichtigen Erdölfelder von Ploesti herankamen. Hätte Hitler im Westen 1940 nicht einfach dort stehen bleiben können, wo er stand ? Er hätte bereits zu diesem Zeitpunkt die Sowjetunion in einem schnellen Feldzug zerschlagen können. Das europäische Russland unter deutscher Herrschaft hätte alle Bedürfnisse an Öl, Mineralien, Weizen und billigen Arbeitskräften befriedigt und die Seeblockade der britischen Flotte, auf welcher die hauptsächlichen Hoffnungen der westlichen Alliierten lagen, sinnlos gemacht. Zumal die Rote Armee 1939-1940 weit schwächer dastand, als sie es im Juni 1941 tat. Und auch im Juni 1941 standen immerhin auch noch rund 55 deutsche Divisionen im Westen, auf dem Balkan und in Afrika an ebensolchen ‘Sitzkrieg’-Fronten, wie es bis Mai 1940 am Westwall gewesen war. Ursachen zum Scheitern von Unternehmen Barbarossa Betrachtet man den tatsächlichen Ablauf der Ereignisse, so stellt sich die Frage, ob Hitler den ‘sowjetischen Koloss’ in den fünf Monaten zwischen dem 22. Juni 1941 bis zum Einbruch des russischen Winters hätte zerschlagen können ? Die überraschende Antwort ist in der Rückbetrachtung ein ziemlich wahrscheinliches ‘Ja’ ! Eine wesentliche Voraussetzung wäre ein vernünftiger, logischer Feldzugsplan gewesen. Im Idealfall hätte dieser entlang der nördlichen und südlichen Ränder der unpassierbaren Pripjet-Sümpfe mit zwei kräftigen, gepanzerten Stoßkeilen über Minsk, Smolensk bis in das Herz des sowjetischen politischen und militärischen Systems, Moskau, erfolgen müssen. Dazu eine kampfstarke Sekundärgruppe, welche die russischen Armeen im Süden zwischen Kiew und den deutschen Hauptstoßkräften, welche dann von Moskau kommen, einschließt. Sowie eine Kräftegruppe, welche südlich von Leningrad flankiert. Dies war genau der ursprüngliche Operationsplan von Generalmajor Marcks, leitender Stabsoffizier im OKH (Oberkommando des Heeres), vom 5. August 1940. Aber Marcks hervorragende Anlage wurde durch zwei größere Revisionen zunichtegemacht. General Halder, Chef des Stabes im OKH, entschied, dass die Einnahme von Leningrad die gleiche Priorität hätte, wie die von Moskau. Später machte Hitler sogar Moskau nur noch zu einem sekundären Ziel, welches nach der Einnahme von Leningrad angegangen werden sollte. Zu diesen grundlegenden Mängeln in der deutschen Strategie kam noch die fehlerhafte und unzureichende nachrichtendienstliche Aufklärung und Unterschätzung der Feindverbände (hier, insbesondere die tatsächlichen russischen Panzerzahlen), erschreckende Nachschubschwierigkeiten, gegenüber der neusten russischen Generation unterlegene deutsche Panzer, das Fehlen von Langstreckenbombern zum Angriff auf Ziele weit hinter der Front und die deutsche Selbstüberschätzung. Letztere führte tatsächlich dazu, dass eine große Zahl von verwendungsfähigen und nicht benötigten Divisionen im Westen zurückgehalten wurden und modernste Rüstungserzeugnisse nicht an die Ostfront geliefert wurden, um Bestände für den für 1942 voraussichtlichen Krieg gegen das Britische Empire und wahrscheinlich die USA aufzubauen. Dies sind alles Bausteine, welche das kommende deutsche Debakel in Russland erklären. Aber dazu kam, dass der Krieg an der Ostfront sich nicht nur auf übliche Fragen in den Bereichen Strategie, Taktik und Militärtechnik beschränkte. Krieg der Weltanschauungen Hitler sah im Unternehmen Barbarossa einen ideologischen Kampf gegen die Rasse von slawischen ‘Untermenschen’, welche nur zur Ausbeutung oder Vernichtung geeignet wären und welche von ‘bolschewistischen mehr …

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