Frei-französische Streitkräfte

Stärke und Organisation der Frei-französischen Streitkräfte 1941-1945.
Divisonen des französischen Expeditonskorps und die Luftwaffe der Frei-Franzosen.

Soldaten einer nordafrikanischen Einheit von Juins französischem Korps
Soldaten einer nordafrikanischen Einheit von Juins französischem Korps rücken an die Front. Sie sind die besten Gebirgskämpfer der alliierten Armeen in Italien.

Die Freien Französischen Streitkräfte (Forces françaises libres – FFL)

Die Freien Französischen Streitkräfte (Forces françaises libres – FFL) waren die Streitkräfte, die nach dem Fall Frankreichs im Jahr 1940 den Kampf gegen Deutschland und die Achsenmächte während des Zweiten Weltkriegs fortsetzten.

Überblick

Ursprünge der Freien Französischen Streitkräfte

Nachdem Frankreich im Juni 1940 von Deutschland besiegt worden war, unterzeichnete die französische Regierung einen Waffenstillstand und gründete das Vichy-Regime, das mit Deutschland kollaborierte. General Charles de Gaulle weigerte sich, die Kapitulation zu akzeptieren, floh nach London und veröffentlichte seinen berühmten ‚Aufruf vom 18. Juni 1940‘, in dem er die französischen Soldaten und Bürger aufforderte, den Kampf fortzusetzen.

Diejenigen, die diesem Aufruf folgten, bildeten die Freien Französischen Streitkräfte.

Zusammensetzung und Struktur

Die Freien Französischen Streitkräfte setzten sich zusammen aus:
– Soldaten, die aus dem besetzten Frankreich geflohen waren
– französischen Truppen, die in Großbritannien und Überseegebieten stationiert waren
– Freiwilligen aus französischen Kolonien in Afrika, dem Nahen Osten und dem Pazifik
– ausländischen Freiwilligen und Widerstandskämpfern

Dazu gehörten:
– Freie Französische Armee
– Freie Französische Marine (Forces navales françaises libres – FNFL)
– Freie Französische Luftwaffe (Forces aériennes françaises libres – FAFL)

Kolonialtruppen aus dem Tschad, Kamerun, Senegal und Nordafrika spielten insbesondere in den ersten Jahren eine entscheidende Rolle.

Wichtige Feldzüge und Schlachten

Die Freien Französischen Streitkräfte kämpften an mehreren Fronten:

Afrika (1940–1943):
– Sieg in der Schlacht von Kufra (1941) gegen italienische Streitkräfte
– Feldzüge im Tschad, in Libyen, Tunesien und im Nahen Osten

Naher Osten (1941):
– Kämpfe in Syrien und im Libanon, teilweise gegen die Truppen des Vichy-Regimes

Europa (1944–1945):
– Teilnahme an der Invasion in der Normandie (Juni 1944)
– Befreiung von Paris (August 1944)
– Vorstoß in den Elsass und Deutschland

See- und Luftoperationen
– Begleitmissionen, Atlantikpatrouillen, Bombenangriffe und Unterstützung für alliierte Operationen

Rolle in der französischen Résistance

Die Freien Französischen Streitkräfte arbeiteten eng mit der französischen Résistance im besetzten Frankreich zusammen. 1944 wurden die Widerstandsgruppen zur Forces françaises de l’intérieur (FFI) zusammengeschlossen, die später mit der regulären französischen Armee fusionierte und eine mächtige Befreiungsarmee bildete.

Bedeutung und Vermächtnis

Die Freien Französischen Streitkräfte:
– bewahrten die französische Souveränität und Legitimität während der Besatzung
– stellten sicher, dass Frankreich als Alliierte Macht und nicht als besiegte Nation anerkannt wurde
– ermöglichten es Frankreich, zu den Siegern des Zweiten Weltkriegs zu zählen
– trugen dazu bei, Frankreich einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu sichern

Nach der Befreiung wurden die FFL zum Fundament der modernen französischen Streitkräfte.

Frei-französische Streitkräfte 1941-44

Frei-französische Patrouille in Tunesien
Frei-französische Patrouille in Tunesien. Der Panzerwagen ist ein White-Laffly von 1925.

Nach dem Fall Frankreichs bevorzugten es verschiedene Einheiten der französischen Truppen im Nahen Osten sich den Alliierten anzuschließen. Ihre Lage war jedoch schwierig, da sie von der Mehrheit der Franzosen als kleine Gruppe von Dissidenten angesehen wurden, und ihr Anführer de Gaulle als Verräter.

Im Mai 1941, als abzusehen war, dass ein Unternehmen gegen das französische Mandatsgebiet Syrien geführt werden sollte, wurden die überall verstreuten, kleinen frei-französischen Gruppen bei Quastina in Palästina zur 1. Frei-französischen Leichten Division zusammengelegt.

Obwohl die frei-französischen Truppen mit dem traditionellen französischen Elan kämpften, gab es verständliche Schwierigkeiten mit der Moral, als sie gegen ihre ehemaligen Kameraden und Landsleute anzutreten hatten. Insgesamt erlitten die frei-französischen Truppen 1.300 Mann Verluste, was eine schwere Einbuße bei einer solch geringen Truppenstärke war.

Nach der Eroberung Syriens wurden die frei-französischen Truppen in Nordafrika ungegliedert und mit anderen Einheiten verstärkt. Anfangs spielten die frei-französischen Streitkräfte nur eine untergeordnete Rolle, bis zur bemerkenswert hartnäckigen Verteidigung der Wüsten-Festung Bir Hakeim durch die 1. frei-französische Leichte Division während der Schlacht von Gazala. Zum Schluss konnte die Division aus der Festung ausbrechen und wieder die alliierten Linien erreichen.

Die Situation für die Frei-Franzosen ändert sich erst dramatisch durch den Zusammenbruch der Achsenstreitkräfte in Nordafrika und der Verweigerung des größten Teils der Vichy-Streitkräfte, sich den alliierten Landungstruppen zu widersetzen. Die frei-französischen Befehlshaber konnten die Vichy-Truppen davon überzeugen, sich der Sache der Alliierten anzuschließen, was auch durch die deutsche Besetzung von Südfrankreich erleichtert wurde. Dadurch gab es einen enormen Zulauf für die frei-französischen Streitkräfte die nun – mit amerikanischer Hilfe bei der Bewaffnung und Ausrüstung – in der Lage waren, einen bedeutenden militärischen Beitrag zu leisten.

Frei-französische Truppen kämpften in der letzten Phase des Feldzugs in Tunesien, aber es war der Krieg in Italien, wo die neu organisierten Streitkräfte wirksam zum Einsatz kamen. Ende 1943 begannen die Einheiten des Französischen Expeditionskorps in Italien einzutreffen. Erst 2 Divisionen, bevor das Korps mit 2 weiteren Divisionen im Frühjahr 1944 verstärkt wurde. Das Französische Expeditionskorps war heftig in die Schlachten um Cassino verwickelt und es war seine Umgehungsoperation, welche die deutsche Bergstellung von der Flanke aushebelten und so den Sieg der Alliierten möglich machte. Nach der Besetzung Roms ab Ende Mai 1944 wurden die französischen Truppen von der italienischen Front abgezogen, um sich für die Befreiung Frankreichs selbst vorzubereiten.


Organisation der Frei-französischen Armee im Mittelmeerraum

frei-französische 'L-Force'
Einige typische Mitglieder der frei-französischen ‚L-Force‘ in Tunesien.

Die 1. Frei-französische Leichte Division, welche in Syrien gekämpft hatte, war in zwei kleine Brigaden gegliedert.
Die erste Brigade bestand aus einem Bataillon der 13. Demi-(Halb-)Brigade der französischen Fremdenlegionen und 2 Senegalesen-Bataillonen.
Die zweite Brigade bestand aus einem Bataillon Marine-Infanterie (welches 2 motorisierte Kompanien beinhaltete) und 2 weiteren Senegalesen-Bataillonen.
Die Division wurde unterstützt von einer Artillerie-Batterie mit 6 Geschützen, einer Panzer-Kompanie (8 Panzer und Panzerspähwagen) und einem Kontingent Marine-Infanterie. Zusätzlich gab es zwei Staffeln Tscherkessen-Kavallerie und eine Staffel Spahis (motorisiert auf LKWs) unter dem Kommando von Oberst Collet.

Eine der ersten, effektivsten Einheiten in Nordafrika war die frei-französische Kampfkolonne oder ‚L-Force‘: eine kleine, gemischte Einheit aus Panzerspähwagen, Panzern, motorisierter Infanterie und Panzerabwehr- und Flugabwehr-Kanonen unter dem Kommando des Generals Leclerc. ‚L-Force‘ kämpfte sich durch den Wüstenfeldzug bis ins Jahr 1943, bevor sie aus der Front gezogen wurde um neu ausgerüstet und mit anderen französischen Truppenteilen gruppiert zu werden. Sie wurde zur französischen 2. Panzer-Division, welche an den Kämpfen in der Normandie teilnahm.

Nach dem Feldzug in Syrien konnte die Frei-Franzosen 2 Brigaden-Gruppen bilden, welche als 1. und 2. französische Leichte Divisionen bezeichnet wurden. Während der Kämpfe in Nordafrika wurden sie von einem Regiment marokkanischer Spahis unterstützt, welche Aufklärungsmissionen für die Frei-Franzosen übernahmen, wo dies notwendig war.
Nach der Niederlage des deutschen Afrika-Korps bei El Alamein wurden die Brigaden aus der Front gezogen und im Februar 1943 wurde damit begonnen, diese als 1. Frei-Französische Division zu formieren. Die beiden Brigaden dieser Division operierten allerdings getrennt in Tunesien bis zum Herbst 1943, als sie nach Tripolitanien in Libyen verlegt wurden um neu organisiert und ausgestattet zu werden.

frei-französischer Hauptmann der 1. marokkanischen Spahis
Ein frei-französischer Hauptmann der 1. marokkanischen Spahis gibt seinen Männern in Helmen der Panzertruppe Anweisungen.

Während der kurzen Unterbrechung der Kampfhandlungen nach der Kapitulation der Achsenstreitkräfte in Tunesien im Jahr 1943 wurden die Truppen der Frei-Franzosen und ehemaligen Vichy-Streitkräfte neu organisiert und es entstand das Französische Expeditionskorps. Neben den frei-französischen Truppen bestanden die französischen Streitkräfte aus dem XIX. Korps mit 3 Kolonial-Divisionen und einer Gruppe aus Panzerkampfwagen, 3 Bataillonen des Corps Franc d‘ Afrique plus zwei marokkanischen Tabors, welche dem 2. US-Korps unterstellt waren. Ein Tabor war eine Einheit aus marokkanischen irregulärer Kämpfern, welche als Goumiers bezeichnet wurden.

Die 4 Divisionen des Französischen Expeditionskorps unter dem Befehl von General Juin bestanden aus:

  • 2 Infanterie-Regimenter,
  • 1 Marine-Infanterie-Regiment,
  • 6 Infanterie-Bataillone,
  • 3 Artillerie-Regimenter,
  • 1 Gebirgsartillerie-Regiment,
  • 3 Spahi Regimenter,
  • 3 algerische Schützen-Regimenter,
  • 5 marokkanische Schützen-Regimenter,
  • 1 tunesisches Schützen-Regiment,
  • 1 Bataillon Chasseurs,
  • 1 Bataillon Marine-Infanterie,
  • 2 Bataillone Fremdenlegion.

Neben diesen Divisionstruppen gab es noch eine allgemeine Reserve aus 3 marokkanischen Tabors aus Goumiers, 2 Regimenter Panzerwagen und 2 Regimenter von Artillerie. Die Streitkräfte des Französischen Expeditionskorps erreichten eine Stärke von mehr als 100.00 Mann, welche in Italien Verluste von 7.260 Mann erlitten.


Frei-französische Luftwaffe

Während die meisten Mitglieder der französischen Luftwaffe die Bedingungen des Waffenstillstandes von 1940 akzeptierten, entfloh eine Anzahl mit ihren Flugzeugen zu britischen Stützpunkten im Mittelmeer. Diese wurden neu organisiert und mit englischen Flugzeugen ausgestattet. Diese frei-französischen Luftwaffen-Einheiten kämpften im Nahen Osten, Eritrea und Nordafrika. Nach der Eingliederung der ehemaligen Vichy-französischen Luftwaffe in Nordafrika waren diese Luftstreitkräfte in ständigem Einsatz gegen die Achsenmächte in Italien und Südeuropa.

In Nordafrika und Nahen Osten hat es zuerst eine Weile gedauert, bevor diese frei-französischen Flieger in regulären Einheiten organisiert werden konnten. Bis zum Juli 1941 gab es 2 Bomber-Gruppen, welche über Nordafrika im Einsatz waren, sowie 2 Escadrilles aus Jägern welche in Syrien zur Jagdgruppe ‚Alsac‘ (Elsass) zusammengelegt wurden und Hurricane-Jagdflugzeuge flogen. Letztere war dann aktiv über der Wüste während des Feldzuges in Nordafrika.

Die ehemaligen Vichy-französischen Luftwaffen-Einheiten, welche nach dem Unternehmen Torch zu den Alliierten überliefen, wurden mit modernen englischen und amerikanischen Flugzeugen neu ausgerüstet. Einige dieser Bombergruppen wurden nach England überführt, um Bombeneinsätze über Deutschland und Westeuropa zu fliegen, während andere Gruppen im Mittelmeer verblieben, um den Luftkrieg gegen die Achsenmächte dort fortzusetzen.


Frei-französische Armee in Westeuropa 1944-45

Tunesische Truppen der französischen 1. Armee
Tunesische Truppen der französischen 1. Armee kurz nach ihrem Eindringen nach Deutschland 1945.

Französischer Soldat mit Sten-MPi im Winter 1944/45
Ein französischer Soldaten an einer belagerten deutschen Atlantik-Festung, noch mit einem 1915-Adrian-Helm ausgestattet, einer Uniform Modell 1939 und einer Sten-MPi bewaffnet. Viele Truppen der ‚Forces Francaises de l’Quest‘ befanden sich 1945 immer noch in einem kritischen Zustand mit ihrer Ausrüstung.
Die Aufstellung und Organisation einer Französischen Armee, die an der Seite der Alliierten bei der Befreiung ihres Heimatlandes kämpfen sollte, war eine äußerst schwierige und komplizierte Aufgabe.
Frankreich war immer noch von Deutschland besetzt, Ausrüstung und Nachschub waren trotz großzügiger amerikanischer Hilfe nur schwer zu finden. Das Erbe des Misstrauens und der Feindschaft zwischen den Anhängern von de Gaulle und den Unterstützern von Vichy wirkte noch nach, was gelegentlich zu Schwierigkeiten führte.

Die ersten französischen Truppen wurden ursprünglich aus Italien abgezogen, um am Unternehmen ‚Dragoon‘, der alliierten Invasion in Südfrankreich, teilzunehmen. Unter dem Namen ‚Armee B‘ standen die Franzosen unter dem Kommando von General de Lattre de Tassigny als Teil der 7. US-Armee.
An den Flanken der Amerikaner operierend, wurden die Franzosen nach der Landung am 15. August 1944 gegen die dortigen deutschen Truppen eingesetzt. Die ‚Armee B‘ befreite Toulon am 25. August und spielte eine wichtige Rolle bei der Sicherung von Marseille, der zweitgrößten Stadt Frankreichs.
Die französischen Verluste bei diesen Operationen betrugen 1.444 Gefallene und 4.346 Verwundete.

Am 15. September wurde die ‚Armee B‘ zur 1. französischen Armee, bestehend aus zwei Korps, zu denen die 1. frei-französische, 1. Panzer-, 2. marokkanische, 3. algerische und 9. Kolonial-Division gehörten.
Im Laufe der folgenden Kämpfe erhielt die 1. Armee zahlreiche Verstärkungen, so dass sie 1945 eine Stärke von 200.000 Mann hatte, die in 12 Divisionen organisiert waren.

Eine dieser Divisionen war die 2. Panzer-Division, welche sich durch die Normandie kämpfte und den Deutschen schwere Verluste zufügte. Die ihr gegenüber stehenden deutschen Truppen hatten 13.000 Gefallene oder Gefangene und 800 zerstörte Fahrzeuge zu beklagen, während die Franzosen nur 800 Mann und 57 Panzerfahrzeuge verloren.
Die Organisation der Division bestand zu diesem Zeitpunkt aus einem motorisierten Infanterie-Regiment mit drei Bataillonen, drei Artilleriegruppen, einer Flugabwehr-Artilleriegruppe, einem Aufklärungsregiment, drei Panzer-Regimentern, einem Panzerjäger-Regiment, einem Pionier-Bataillon und unterstützende Dienste.

M4 Sherman des französischen Expeditionskorps
Vorderansicht eines M4 Sherman Kampfpanzers des französischen Expeditionskorps.

Die französischen Infanterie-Divisionen bestanden aus drei oder vier Infanterie-Regimentern mit einem starken Aufklärungs-Regiment und einem Artillerie-Regiment sowie Einheiten von Pionieren, Nachrichten- und Unterstützungstruppen.


 

Die französische 1. Armee kämpfte an der südlichen, rechten Flanke der alliierten Front und trug wesentlich zur Befreiung des Elsass und zum Einmarsch in Süddeutschland bei.
Bis zum Ende der Kampfhandlungen am 7. Mai 1945 hatte die französische Armee 250.000 Gefallene während des gesamten Zweiten Weltkrieges zu beklagen.

button go Siehe auch: Vichy-Frankreich l’ Armee de l’ Armistice.


Quellenangaben und Literatur

The Armed Forces of World War II (Andrew Mollo)
World War II – A Statistical Survey (John Ellis)

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